Eigentlich schienen The Slow Show ein Top Ten Abonnement bei Platten vor Gericht zu haben - „White Water“ kam hier 2015 mit 8,357 Punkten a...

The Slow Show - Still Life


Eigentlich schienen The Slow Show ein Top Ten Abonnement bei Platten vor Gericht zu haben - „White Water“ kam hier 2015 mit 8,357 Punkten auf Platz 4 und dessen Nachfolger „Dream Darling“ erreichte 2016 mit 8,083 Rang 5 - doch dann rutschte „Lust And Learn“ vor 3 Jahren plötzlich ab: für nur noch 7,400 Punkte gab es nicht mehr als Platz 43.   

Mehr Punkte (und einen damit einhergehenden besseren Platz) soll nun wieder „Still Life“ einfahren und daher schenken uns The Slow Show ein Mehr an stimmlicher Vielfalt, denn Rob Goodwin raunt und singt nicht nur mit seiner sonoren Stimme, sondern versucht sich nun auch in höheren Lagen, und ein Mehr an Opulenz, denn nahezu in jedem Song sind geschickt positionierte Streicher, Bläser, weiblicher Gesang (von Clare Foley bzw. Kesha Ellis) und Chöre zu vernehmen. Zudem wurden in der Produktion das Schlagzeug und das Piano deutlicher akzentuiert. 

Dennoch bleibt auch das vierte Album von Rob Goodwin (Gesang, Gitarre), Frederik 't Kindt (Keyboards), Joel Byrne-McCullough (Gitarre) und Chris Hough (Schlagzeug) aufgrund der getragenen Songs, der melancholischen Stimmung und der warmen unverkennbaren Stimme eindeutig als The Slow Show zu identifizieren.  

Gedulden müssen wir uns noch ein wenig hinsichtlich des limitierten white Vinyl (im Klappcover) von „Still Life“, denn dieses war eigentlich für Anfang März angekündigt, ist nun aber wohl auf den 1. April verschoben worden.


 


Bei genauerem Hinhören offenbart sich nämlich, dass sich die Band nun vollständig von klassischen Song-Strukturen gelöst hat (stattdessen in Begriffen wie "Motiven", "Fugen" oder "Sätzen" denkt und entsprechend agiert), dass heutzutage eine nahtlose, unauffällige aber vollständige Verflechtung von organischen und elektronischen Elementen stattgefunden hat und dass Rob Goodwin als Performer den Unterschied zwischen Gesang und Rezitation, zwischen Poesie und Songtexten, zwischen Inhalt und Assoziation vollkommen aufgelöst hat. Tatsächlich hat sich also sogar sehr viel geändert, seit The Slow Show 2010 musikalisch aus dem Ei geschlüpft sind.


 


Die oft sehr persönlichen Songs wie das träumerische “Hey Lover” oder das folk-lastige “Who Knows” werden nur durch “Breathe” ausgeglichen. Dieser Song beschäftigt sich mit den Ereignissen im Jahr 2020, als George Floyd tragisch zu Tode kam und Millionen Menschen rund um den Globus um eine gerechtere Welt kämpften.
Der Text für “Breathe” besteht fast ausschließlich aus Auszügen der emotionalen Protestrede des Schauspielers John Boyega vom 3. Juni 2020 im Londoner Hyde Park. “You were scared I am too / This isn’t new this isn’t fair / The heavy-handed men are brutal here / I don’t know where it’s likely to go any better / If earth’s the right place for love / We waited we heard nothing”.
“Still Life” strotzt nur so vor Emotionen, epischer Atmosphäre und Ehrfurcht vor den bedeutenden Beziehungen, denen wir im Leben begegnen. So markiert es mit seinen friedvollen und gedankenversunkenen Liedern eine neue Entwicklungsstufe einer Band, die nie versucht hat, in Schubladen zu passen.


The Slow Show in Deutschland:
11.08.2022 Berlin - Heimathafen Neukölln 
12.08.2022 Hamburg - mojo club

14.08.2022 Köln - Gloria 
15.08.2022 München - Strom 
16.08.2022 Frankfurt - Zoom



5 Kommentare:

  1. Nachdem ich die letzten beiden Alben mit jeweils 8,5 Punkten quasi abgewatscht habe, lege ich hier wieder einen halben Punkt drauf und lande demnach bei 9 Punkten.

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  2. Bei mir kam die Platte in weißem Vinyl am Dienstag an... auch von mir 9 Punkte

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  3. Schön, aber irgendwie habe ich das Album im Verlauf des Jahres aus den Augen und Ohren verloren. 7,5 Punkte

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