Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

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Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Frightened Rabbit - Pedestrian Verse

    Frightened Rabbit - Pedestrian Verse

















    Gestern wurden Frightened Rabbit noch als Referenzband bei der Vorstellung von To Kill A King genannt und dabei fiel mir auf, dass wir noch nicht über deren viertes Album "Pedestrian Verse" gesprochen haben.

    Das schottische Quintett veröffentlichte alle vorherigen Alben über Fat Cat Records und zumindest das letzte Album, "The Winter Of Mixed Drinks", kam zu Charts-Ehren (Platz 61 im Vereinigten Königreich) und landete 2010 bei Platten vor Gericht sogar mit 7,875 Punkten auf dem 12. Platz
    Für "Pedestrian Verse" wechselten Frightened Rabbit vom Indie zum Major Label (Atlantic Records) und mit dessen Unterstützung und der Hilfe eines renommierten Produzenten (Leo Abrahams, der bereits für Carl Barât, Brett Anderson oder Starsailor arbeitete) ging es gleich bis auf Platz 9 der heimischen Hitparade. 

    "Verrat!" und "Ausverkauf!" muss niemand rufen, denn die 12 Songs auf "Pedestrian Verse" sind nicht plötzlich weichgespült (bestenfalls ausgefeilter produziert und opulenter arrangiert), eine Stadion-Tour wird es auch nicht geben und von einer Coldplay-isierung sind Frightened Rabbit genau so weit entfernt wie von einem Radio-Hit. Glücklicherweise darf man beim Hören von "Pedestrian Verse" Dank Songs wie "Holy" und "State Hospital" eher an The National als an Snow Patrol denken.

    Die Platte beginnt mit dem verhaltenen "Acts of man", das Hutchison von der schwachen, verletzlichen Seite zeigt: "I'm here, I'm here / Not heroic, but I try." Das Thematisieren von Niederlagen und Selbstzweifeln bleibt eine Kernkompetenz des Songwriters, und wenn dazu noch wie beim flotten "Backyard skulls" eine quietschige Orgel blubbert, dann tut das der Stimmung keinen Abbruch - im Gegenteil. Die hervorragende Single "The woodpile" trägt wiederum dick auf, ist aber dennoch so aufrichtig, dass dem Hörer ganz warm wird ums winterliche Herz: "Come find me now, we'll hideout / We'll speak in our secret tongues / Will you come back to my corner? / Spent too long alone tonight." Sicherlich kein Song, der aus Sehnsucht ein Vergnügen macht, aber er lindert den Schmerz. Und mehr kann ein poprockiger Dreiminüter nun wirklich nicht leisten, Freunde der Sonne.

    Das nervöse "December's traditions" wagt sich in neue Gefilde vor, verziert den Folkrock mit zaghaften Noise-Momenten und entwickelt sich zu einem treibenden Monstrum, das sich schlussendlich selbst in beschwörenden Chören auflöst. Besonders in Erinnerung bleibt sicherlich das zentrale "State hospital", das mancher Hörer bereits von der gleichnamigen EP kennt, die letzten September erschien und bereits einen Vorgeschmack auf den neuen Klang der Band gab. Sicher ist das noch kein Stadionrock, auch wenn Frightened Rabbit damit den Ascheplatz spröder Folk-Genialität erneut verlassen. Um richtig massenkompatibel zu sein, fehlt aber auch diesem Song die selbstverständliche Volkstümlichkeit, mit der zum Beispiel die Grammy-Gewinner Mumford & Sons ihren Folkpop in den Mainstream hoben. Frightened Rabbit gehen einen anderen Weg, wachsen mit "Pedestrian verse" zweifelsohne in Würde - und tragen eben diese erneut wie eine süße Bürde an ihre Hörer heran.
    (Plattentests)


    Überhaupt setzt sich auf “Pedestrian Verse” der Trend von “The Winter Of Mixed Drinks” fort. Frightened Rabbit sind nicht mehr grundtraurig, sondern leben nun von einer tief verwurzelten positiveren Weltanschauung. In die passen auch mal düstere und traurige Themen, aber immer schwingt diese versöhnliche Note mit. Das ergibt ein Dutzend Songs, die sich anfühlen wie eine warme Umarmung, die dir sagt: “Egal wie scheiße dein Tag ist, es wird wieder besser werden!” Das nimmt man den Schotten ab und es passt einfach zu ihrer Wirkung, die sie auch live haben. Ihre Shows leben von der starken Verbindung mit dem Publikum und der extremen Direktheit. Songs wie “Late March, Death March” und “Dead Now” vermitteln direkt beim Hören auch schon diese Herzlichkeit und Verbundenheit. Für die dramatischeren Momente und größeren Gesten haben Frightened Rabbit natürlich auch wieder gesorgt. “State Hospital” ist so ein Song, der mit seiner großen Dramaturgie durch Mark und Bein geht, “December’s Tradition” bietet gegen Ende einen dramatischen Chor auf und “Nitrous Gas” lässt die berührenden Momente zu, für die etwa auch das Stück “Poke” steht. Das macht alles in allem wieder ein mehr als rundes Album, das eine Weiterentwicklung von Frightened Rabbit zeigt, die auch wieder beweist, dass ein Release auf einem Major nichts Schlechtes sein muss. 
    (White Tapes)


  • To Kill A King - Cannibals With Cutlery

    To Kill A King - Cannibals With Cutlery

















    Aus Leeds stammt eine Band namens To Kill A King, die 2009 von Ian Dudfield (Gitarre), Josh Platman (Bass) und Ralph Pelleymounter (Gesang, Gitarre) gegründet, später von Ben Jackson (Synthie) und Jon Willoughby (Schlagzeug) komplettiert wurde und nun in London beheimatet ist.
    2011 folgten ihre erste Single "Fictional State" sowie die "My Crooked Saint" EP und ein Jahr später die "Word Of Mouth" EP, die Vergleiche zu The National, The Boxer Rebellion, Mumford & Sons und Frightened Rabbit herauf beschworen.
    "Cannibals With Cutlery" ist der Titel ihres Debütalbums, das neben 6 älteren und bereits bekannten, 7 neue Titel versammelt, von Jim Abiss (Adele, Arctic Monkeys, Bombay Bicycle Club) produziert wurde und von schlichten akustischen Folk-Songs ("Besides She Said", "Children Who Start Fires", "Family") über atmosphärische Piano- und Streicher-Balladen ("I Work Nights And You Work Days", "Choices") bis hin zu komplexem, hymnischem Rock ("Funeral", "Wolves", "Rays") einiges zu bieten hat.   



    Starting with the gentle, 'I Work Nights And You Work Days', pure musical pleasure. It is captivating and I am lost in the vision of this performed with a full orchestra. A spine tingling introduction! Flowing into 'Cold Skin', the first single off the Album, which has different, sharper vocal and infectious indie pop hooks. It weaves gently, in and out of velvety textured tones and delicious basslines, to charming and upbeat foot-tapping, 'electo-country' vibes.

    The title track from the album, 'Cannibals With Cutlery', is cut short, a thirty seconds teaser. I can assure you, the full version is amazing...so you boys better be working on that 'radio edit'!! However, I forgive them for the previous misdemeanour, as I fall in love with the changing rhythms of 'Besides She Said'. Laboured beats, giving a sense of an exhausted, end of festival inspiration. Continuing with the tempo changes and weighty beats, I have to give a special mention to 'Gasp', a truly outstanding track. Consideration is given to every breath and pause, holding your attention until the very last note.

    Throughout the album, To Kill A King adeptly changes style, dipping in and out of soothing acoustics to subtle rhythms, to softer synths and tender harmonies. Before taking your hand and leading you into an upbeat and real dance-y pop flavour, like 'Rays'. A definite summer soundtrack and probably my favourite from the Word of Mouth EP, released last year.

    Just when you think you have heard the best, the delicate 'Children Who Start Fires', captivates with its subtle tenderness. (How many favourites can I pick from one album?) They then drop in a few familiar tracks in the shape of 'Fictional state', which deals so beautifully with the desperation of today's society, put eloquently in to an epic and heartfelt, all guns blazing tragedy; And 'Family', a truly honest account of feelings about returning home. 'Cannibals With Cutlery' concludes, on the understated note of 'Letters to my Lover' (The Dylan Fan). A piercing sadness resonates through every word that somehow feels positive and hopeful, offering a taste of the future direction for To Kill a King.
    (Leeds Music Scene)


    Cannibals With Cutlery is chock packed with indie anthems. Whether it be the superb “Cold Skin”, with its insanely catchy melody and wonderfully upbeat, high tempo instrumentation or the rock stomp of “Rays”, To Kill A King are a band gifted with the talent of crafting a memorable, soaring track. They’re very much the sort of band who could light up a festival main stage and hold a captive audience in the palm of their hands, sheerly through their anthemic qualities. It’s not all just typical British indie rock fare on here, however, and the band are very much able to create a goosebump inspiring moment. “Fictional State”, a true standout track within the record, ends with a wonderful crescendo into horns and bombastic instrumentation which, although on first instinct leads to a bit of a ‘wtf?’ moment, is actually quite a wonderful moment of the album. Although To Kill A King have pop instincts, they never chase accessibility, or try hard to come across as a mainstream band. The band’s, often dark, lyricism (“I must make more friends/ So they’ll be hanging at my funeral” being a delightful example) sets them apart from so many of their musical peers who tend to sacrifice intelligent lyricism for the sake of catchiness. It’s a small detail, but it’s one of the many that makes To Kill A King special. 

    The vocals are have a lovely mid-paced tempo to them. Sounding a little like Britain’s answer to Matt Berninger, it doesn’t matter how fast or slow the instrumentation of the track is, ultimately, each song is anchored to the voice above it. This gives each track a steady quality and ensures that every lyric is heard. The instrumentation itself throughout the album isn’t just the standard fare. To Kill A King utilise an admirable variation of instruments and easily veer from acoustic to guitar/drum/bass and back to orchestral lushness, without skipping a beat. Every aspect of the album is pristine and no part of the record feels like it doesn’t belong. To Kill A King clearly don’t believe in sloppiness or lo-fi and one would be hard-pressed to find a record much more professional sounding. They clearly have pride in the music they create and they’re entirely entitled to. 
    (Absolute Punk)


  • Moddi - Set the house on fire

    Moddi - Set the house on fire

    cover

    Oliver brachte uns 2011 auf die richtige Fährte. Die Ermittlungsarbeit bezüglich der Wiederholungstat überließ er offensichtlich anderen Richtern.

    Seine erste EP veröffentlichte Pål Moddi Knutsen oder kurz Moddi 2008 gemeinsam mit Einar Stray. Anschließend erfreute er 2010 Freunde es gepflegten Singer/Songwriter/Indiepops mit dem Album “Floriography”. Im gleichen Jahr erhielt er ein von a-ha gesponsertes Stipendium und damit die Möglichkeit seinen musikalischen Ambitionen noch mehr Nachdruck zu verleihen. Ich weiß nicht, wie das aktuelle Album “Set the house on fire” ohne diese Unterstützung geklungen hätte, aber wesentlich besser hätte das Ergebnis aus meiner Sicht nicht ausfallen können.

    “The 405”:

    But after the exposure and the pressure of fame, Moddi holed up in the forests of Telemark to work on the follow-up. Set The House On Fire is the result of his self-imposed exile; it's an LP of grazed emotions and instrumental experimentation, doused in guttural vocals, harsh noises and a bucolic loneliness. It's brimming with desolate, post-apocalyptic acoustic soundscapes and introspective musings. There's a primal surge throughout the music: this is a man coming to terms with himself and the world around him through the sonic arts.

    Moddi präsentiert gefühlvolle Songs und hinreißende Melodien. Wie auf “Floriography” schreckt er nicht vor hemmungslosem Streichereinsatz zurück. Und ob wunderbar reduziert (“For an unborn”) oder etwas dichter und mitreißend (“Let the spider run alive”) findet der Musiker stets den passenden Kontext für seine Geschichten.

    Sowohl Moddis musikalische Richtung als auch seine Herkunft (er wuchs aus der zweitgrößten Insel Norwegens auf) zeigen eine deutliche Nähe zu den einschlägig bekannten isländischen Künstlern und deren tragenden Soundlandschaften. Und noch dazu beherrscht er die Singer/Songwriter-Handwerk wie Damien Rice oder Glen Hasard. Die Kombination dieser Voraussetzungen nutzt Moddi zum Wohle der Hörer.

    Die Höhepunkte sind gleichmäßig über das Album verteilt und nennen sich: “Let the spider run alive”, “The architect” und “One minute more”.

    Das Video zu “House by the sea”:

    Moddi live:

    • 02.04.13 Hamburg
    • 04.04.13 Berlin
    • 05.04.13 München
    • 06.04.13 Frankfurt
    • 07.04.13 Köln
  • Team Ghost - Rituals

    Team Ghost - Rituals


















    Nicolas Fromageau gründete 2009 die Band Team Ghost, um atmosphärische, unterkühlte Synthie-Sounds mit noisigem Shoegaze so zu kombinieren als träfen Tangerine Dream und Brian Eno mit My Bloody Valentine zusammen. Fromageau (Gesang, Gitarre) war Gründungsmitglied von M83, beschreibt die Musik seiner neuen Band, zu der noch Christophe Guérin (Gesang, Gitarre), Benoît de Villeneuve (Gesang, Gitarre, Keyboards), Pierre Blanc (Bass) und Félix Delacroix (Schlagzeug) zählen, jedoch als düsterer und hat dabei Namen wie Joy Division und Cocteau Twins im Hinterkopf.

    Team Ghost veröffentlichten 2010 zwei EPs ("You Never Did Anything Wrong To Me" und "Celebrate What You Can’t See"), die im folgenden Jahr auf dem Album "We All Shine" zusammengefasst wurden. Ihr erstes reguläres Album trägt den Titel "Rituals" und wird von der ersten Single "Dead Film Stars" begleitet:


    Die selbstgewählte Genrebezeichnung Coldgaze, abgeleitet von den bekannten Schuhestarrern, passt gut. Vor allem die größtenteils instrumental aufgebauten Kompositionen wie Opener Away oder das ganz fantastische Things Are Sometimes Tragic, das von eisigen Sequencer-Klängen dominiert wird, erinnern an futuristische Hochhäuserkomplexe, kalt wie Eisgletscher, auf gewisse Art und Weise unpersönlich wie das Großstadtleben. Als hätte man Vangelis aus Griechenland in eine verregnete europäische Metropole verfrachtet.

    Während man Dead Film Star bereits lange vor Veröffentlichung kannte und der Song vielleicht gerade deswegen aus dem Rahmen fällt, überzeugen die restlichen Tracks beinahe ausnahmslos. Die explizite Voyeur-Geschichte von Somebody’s Watching klingt verdorben und schmutzig, mutet aber wie der viel zitierte Autounfall an, den man nicht aus den Augen zu lassen vermag. Der Ruhepol All We Left Behind besitzt eine enorme Fragilität, gepaart mit einer ungeahnten Intensität. Gleichzeitig beeindruckend, dass Fromageau scheinbar spielerisch zwei komplett gegensätzliche Pole zu beherrschen versteht, überzeugen das laute und disharmonische Curtains oder das lebhaftere, dennoch passend betitelte Pleasure That Hurts genauso, wie der zurückgenommene Mittelteil.

    Die frenetischen Jubelrufe, die es für M83 gab, gebühren eigentlich auch zum Teil Team Ghost und Rituals. Zumindest verdient Fromageaus neue Band mindestens ebenso viel Anerkennung wie sein ehemaliger Partner Anthony Gonzales, vor allem, weil er viel bestrebter und beherzter an seine Musik herangeht, die traumartigen Synthieschwaden durch handfeste Shoegazing-Gitarren ersetzt und mit erstklassigem Songwriting aufwartet. Hin und wieder wünscht man sich zwar ein etwas behutsameres Mastering, zeichnet sich nicht zuletzt die CD-Version des Albums durch leicht penetrante Lautstärke aus, dies trübt die Möglichkeit sich an der Qualität des Materials zu ergötzen, praktisch gar nicht. Stark!
    (alternativmusik)




  • Kid Canaveral - Now That You Are A Dancer

    Kid Canaveral - Now That You Are A Dancer

















    An der University of St. Andrews in Schottland haben sich 2005 die aus Glasgow stammenden David MacGregor (Gesang, Gitarre, Keyboards) und Rose McConnachie (Bass, Keyboards, Gesang) sowie die Engländerin Kate Lazda (Gitarre, Gesang) kennengelernt. Ihr aktueller Schlagzeuger Scott McMaster stieß erst 2009 zur Band, nachdem sich bereits zwei andere Musiker auf dieser Position ausprobiert hatten. 

    Nach einigen selbst veröffentlichten 7''- und Kassetten-Singles brachten Kid Canaveral 2010 auf dem eigenen Label Straight to Video Records ihr Debütalbum "Shouting At Wildlife" heraus, das 2011, nach ihrem Wechsel zu Fence Records auf Vinyl wiederveröffentlicht wurde. 
    Mittlerweile gibt es mit "Now That You Are A Dancer" ein neues Album (als Download, CD und LP), das im DIY-Verfahren im Verlauf des letzten Jahres in Glasgow aufgenommen wurde. Der temporeiche, melodiöse Indierock von Titeln wie "The Wrench" oder "Breaking Up Is The New Getting Married" lässt an die frühen Delgados und Idlewild denken. Damit es nicht zu einseitig wird, darf Kate Lazda beim elektronisch pluckernden "Skeletons" (wie auch später bei "Without A Backing Track") das Mikrofon übernehmen.

    There isn’t anything close to a dud on Now You Are A Dancer and from the opening bars of the insanely catchy The Wrench there follows a slightly manic, utterly captivating 10-song arc of tales about alcohol-drenched break-ups, school-day horror stories and stumbling through the error-strewn experiences of getting older.

    The album takes its title from a line in Who’s Looking At You Anyway?, one of those poignant snapshots of a complicated life dressed up as a warm, snappy, hook-laden pop song, the kind Kid Canaveral do so well. This is followed by second songwriter Kate Lazda’s Skeletons — most of the album is written by lead singer David MacGregor — a hypnotic, languid, menacing track that in many ways sounds nothing like what MacGregor might write, but provides a fantastic counterpoint to his sense of urgency. Now That You Are A Dancer bows out in a fuzz of feedback and flooded harmonies with A Compromise. And yet there is none and this is Kid Canaveral’s greatest strength.
    (folk radio uk)


    Legend has it that Kid Canaveral almost expired in an amp inferno during the making of their excellent second LP, Now That You Are a Dancer. Said loudspeaker burst into flames as the Scottish alt-rock quartet recorded album closer, ‘A Compromise’ – a mind (and circuit) blowing epic which singer-songwriter David MacGregor describes as their ‘loudest and longest’ song to date. Presumably he was too shell-shocked to include words like ‘awesome’, ‘loin-bothering’ and ‘thrilling’ about the surprisingly brooding opus, but they are equally valid.

    As evinced on glorious alt-chorales like ‘Her Hair Hangs Down’ from the band’s terrific 2010 debut album, Shouting at Wildlife, MacGregor is one of Scottish pop’s most distinct, and promising voices. And alongside Kate Lazda, Rose McConnachie and Scott McMaster, he has crafted an outstanding follow-up in Now That You Are a Dancer. Witness the swooning drive-rock of ‘The Wrench’, the beatific lullaby of ‘Low Winter Sun’, the electro-lament of Lazda’s ‘Skeletons’ and the hyperactive power-pop of ‘Breaking Up Is the New Getting Married’ – not to mention the shimmering indie doo-wop of ‘Who Would Want to Be Loved’.

    ‘A Compromise’ kicks off like Frankie Goes to Hollywood and falls into an S&M axe-grind, driven by a whip-crack and the lure of illicit realms (‘my hands have no business being on this waist’); ‘Who’s Looking at You, Anyway?’ is a harmonic paean to vanity and dancing; and ‘What We Don’t Talk About’ is a euphoric echo-chamber within which to dodge relationship candour.

    The over-riding sense is that what we have here is a brilliant indie-rock album; that we are fortuitous to have Kid Canaveral; that they did not go up in flames, but boy, are they on fire.
    (The List)



  • Gemma Ray - Down Baby Down

    Gemma Ray - Down Baby Down

















    Endlich schauen Vinyl-Freunde einmal nicht in Röhre, denn "Down Baby Down", der 5. Longplayer von Gemma Ray, wird nur auf Vinyl veröffentlicht. Wer die CD haben möchte, muss tatsächlich die LP kaufen, denn der Silberling ist dieser nur beigelegt.

    Wer sich jedoch auf den Gesang von Gemma Ray freut, wird von "Down Baby Down" enttäuscht werden, denn die knapp 30minütige Platte ist größtenteils instrumental gehalten. Ausnahmen bilden, abgesehen von hintergründigem Gehauche und Geflüster, lediglich "Say You Love Me", "The Letter" und "Baby Goes Bad". Die Wahl-Berlinerin umschreibt die 10 Titel als "Fantasy Soundtracks" und setzt hier lieber ihrer Vorliebe für Komponisten wie Krzysztof Komeda, Ennio Morricone, John Barry oder Jack Nitzsche ein Denkmal, als weiterhin dem Retro-Rock und Girl-Pop zu frönen.
    Gemma Ray spielte im Berliner Candy Bomber Studio zusammen mit Thomas Wydler (Nick Cave and the Bad Seeds) an den Drums, Rory More an der Orgel und Wilhelm Stegmeier am Bass einen nostalgischen Mix aus düsterem Western und psychedelischem Roadmovie ein.

    Der Ennio-Morricone-David-Lynch-Chris-Isaak-Gedächtnispreis geht in diesen Monat an Gemma Ray. Es ist ja nicht so, als ob den bisher vier Solo-Alben der Singer/Songwriterin aus Essex nicht eine gewisse Düsternis innegewohnt hätte, die manche unter dem Begriff „Pop noir“ subsumieren. Diesen Hang zu dunkelgrauen Stimmungen lebt sie auf DOWN BABY DOWN in zehn (überwiegend instrumentalen) Tracks in knackigen 30 Minuten aus. Gemma Ray schafft mit unter anderem Bad-Seeds-Mitglied Thomas Wydler am Schlagzeug aus Rekonstruktionen historischer (Morricone, John Barry) und den Kreationen imaginärer Soundtrackmusiken ein Album-Album. Der gewisse Gitarrentwang ist verantwortlich für die kontemplative Stimmung des Albums, die beizeiten ins Manische und Psychotische kippt. Also genau die richtige Musik für Psychopathen wie dich und mich. DOWN BABY DOWN wurde strictly analogue im Candy-Bomber-Studio in Berlin-Tempelhof aufgenommen und ist nur als LP (mit CD) und Download zu haben.
    (Musikexpress)



    Zusammen mit Rory More an der Orgel, Wilhelm Stegmeier am Bass und Thomas Wydler (Nick Cave and the Bad Seeds) an den Drums pendelt die Sängerin dabei zwischen ruhigen und unaufgeregten ("The Low Rising", "Gozo Theme", "Exo-Orbit"), düsteren ("Carpathian Lullaby", "No Star") und beschwingten Welten ("Baby Goes Bad") hin und her. Während hier füllende Bass-Sounds, Besen-Percussions, eingestreute Orgel-Schwaden und führende Twang-Gitarren-Themen ohne Probleme alleine zurechtkommen und auf keinerlei Stimmergänzung angewiesen sind, hilft Gemma Ray bei nicht ganz so voluminösen Ergüssen wie "Say You Love Me" oder "The Letter" ein bisschen nach.
    So tänzelt, flirrt und säuselt - einmal abgesehen von den beiden Apokalypse-Ausflügen "Carpathian Lullaby" und "No Star" - letztlich alles auf einer emotionalen Ebene. Diese präsentiert sich vor allem tiefenentspannt, unaufdringlich und beruhigend.
    Am Ende schwirrt noch die Frage im Raum, zu welcher zukünftigen Leinwand-Produktion Gemma Rays "Fantasy Soundtrack" denn am besten passen würde? Sollten Quentin Tarantino und David Lynch irgendwann einmal die Lust verspüren, gemeinsame Sache zu machen, um die Schnittstelle zwischen psychedelischem Roadmovie und Bittersweet-Drama zu finden, dann wäre "Down Baby Down" genau das richtige Paket für eine gehaltvolle Hintergrundbeschallung.
    (laut)


  • Passenger - All The Little Lights

    Passenger - All The Little Lights

















    Dann lassen wir Lord Huron doch noch eine zweite verspätete Vorstellung aus der Singer/Songwriter- und Folk-Ecke folgen:

    Der aus Brighton stammende Mark Rosenberg behielt 2009 nach der Trennung seiner 5-köpfigen Folkpop-Band einfach den Namen Passenger bei, tourte als Straßenmusiker durch die Lande und strandete letztendlich in Australien. Dort nahm er mit Hilfe einiger australischer Musiker die Alben "Flight Of The Cropw" (2010) und "All The Little Lights" (2012) auf - doch die Charts konnten weder die beiden Platten noch die Single "The Wrong Direction" erreichen. 
    Erst mit "Let Her Go" wurde alles anders: Als ich den ungemein eingängigen Song Anfang des Jahres zum ersten Mal hörte und mich an Rosenbergs ungewöhnlichen, nasalen Gesang gewöhnt hatte, musste ich feststellen, dass das dazugehörige Album bereits Mitte 2012 erschienen und damit für den aktuellen Platten vor Gericht Jahrgang nicht qualifiziert war. Doch "Let Her Go" setzte zu einem umglaublichen Siegeszug an, landete auf Platz 1 der Single-Charts in Belgien, Irland, Schweden, Luxemburg, Holland und Deutschland. Die Plattenfirma legte aufgrund dieses Erfolgs "All The The Little Lights" erneut auf und - da unser über alle Veröffentlichungs-Termine streng wachender Richter Volker im Ausland weilt -  haben wir hier nun (erstmals?) eine deutsche Nummer 1-Single: 


    Es hat schon was, wenn Mike Rosenberg in „Let Her Go” davon singt, dass man nur in gedämpfter Stimmung merkt, wie glücklich man schon mal gewesen ist, und dass man erst dann, wenn man jemanden loslässt, begreift, wie sehr man ihn geliebt hat. Das Erstaunliche: Die Musik dazu bringt trotzdem gute Laune. Überhaupt: „All The Little Lights” ist ein Album, das Spaß macht. In elf meist minimalistisch und unaufgeregt instrumentierten Studioaufnahmen wie „The Wrong Direction“, „Life’s For The Living“ oder „Holes“ schafft es der Künstler, eine befreiende wie unbeschwerte Stimmung zu erzeugen, die den Hörer sofort ansteckt. Musikalisch erinnert das Ganze an eine erdige Mischung aus dem jungen Cat Stevens (auch wegen Rosenbergs einfühlsamen Gesang und dem Klang seiner Stimme) und dem refrainstarken Folk seiner Landsmänner Mumford & Sons – also ehrlich, authentisch und emotional.
    (Westdeutsche Zeitung)

    Der Passenger-Sänger macht im Grunde mit seinem Nostalgie-Trip nichts anderes als James Blunt und seine vielen Musiker-Kollegen. Er macht es nur einfach besser. Dabei scheinen seine Lieder selbst all die kleinen Lichter zu repräsentieren, für die der Titel seines mittlerweile fünften Albums Pate steht. Stets ein kurzes Funkeln, dessen Verlöschen der nächste Song mit seinem Aufglimmen in Erinnerung ruft.

    Musikalisch wird auf die altbewährte Singer/Songwriter-Instrumentierung zurückgegriffen. Warum das Rad neu erfinden? Lieber Banjo, Geigen, Klaviere, Gitarren und etwas mit Besen gepinseltes Schlagzeug auf den hoffnungsreichen Erinnerungs-Trip mitnehmen. Ob erhaben-intim wie in "Circles" oder im beschwingten Herzschmerz von "Holes" - Rosenberg trifft stets den richtigen Ton. Musik und Text gehen eine ergreifende Symbiose ein, bei dem nicht nur Tränen zu rinnen vermögen. Er sagt es selbst treffend: "Well sometimes you can't change and you can't choose / And sometimes it seems you gain less than you lose." Was der ehemalige Straßenmusiker Rosenberg hier zelebriert, ist schlichtweg zwingend.

    Auf ein Wort noch zu James Blunt. Rosenbergs Gesang ähnelt dem seines Kollegen tatsächlich, allerdings minus fickrigem Katzengejammer. Was bei Blunt wie aufgesetztes Mitleiderheischen für weitere Groupie-One-Night-Gelage klingt, erweist sich bei Rosenberg als sympathisches Erkennungszeichen. In der Kombination durchgängig positiver Momente erschafft er als Passenger Musik, welche so schnell wohl nicht von der überall lauernden Vergänglichkeit verschluckt werden wird. Nicht alles, was vergeht, erlischt. Man denke an all die kleinen Lichter über unseren Köpfen in wolkenlosen Nächten. Eine letzte Erinnerung an Zeiten, die niemand je gesehen hat. Unerhört so was.
    (Plattentests)

  • Lord Huron - Lonesome Dreams

    Lord Huron - Lonesome Dreams

















    Wenn man auf dem Rücken eines Pferdes unterwegs ist, dann braucht man eben etwas länger, um von A nach B zu kommen. A wäre in unserem Fall Los Angeles und B Platten vor Gericht. 
    Auf dem Pferd sitzt Ben Schneider, der Lord Huron eigentlich als Soloprojekt gründete, jetzt aber eine ganze Schar an weiteren Reitern neben sich versammelt hat: Mark Barry, Miguel Briseño, Tom Renaud und Karl Kerfoot spielen akustische Gitarren, zupfen am Bass, schlagen dezent auf perkussive Instrumente und stimmen den mehrstimmigen Gesang an. Freunde von Simon & Garfunkel, Fleet Foxes, Band Of Horses, Mumford & Sons und Other Lives sollten sich vielleicht ebenfalls auf den Sattel schwingen.
    Etwas länger brauchte "Lonesome Dreams", um bei uns Gehör zu finden, denn eigentlich wurde das Debüt der Band bereits Ende 2012 in den USA und im Januar 2013 in Europa veröffentlicht.



    wenn es für lord huron eine passende bezeichnung gäbe, dann vielleicht sowas wie "cowboy dream folk". das album versprüht den esprit von filmmusiken. an den starken stellen fast so, als hätten enrico morricone und paul simon während seiner graceland-phase einen soundtrack zusammen geschrieben. die platte braucht auf jeden fall etwas zeit um zu wachsen, daher empfiehlt es sich das werk mehrmals durchzuhören um sich ein urteil zu erlauben, auch wenn mich nicht alle 10 songs vollends überzeugen können. auch die letzten alben von prefab sprout scheinen songwriter ben schneider nicht unbekannt zu sein. wer es nicht glaubt sollte einfach mal "the gunman and other stories" durchhören. und letztlich haben lord huron mit "time to run" und "she lit a fire" singles die dem letzten mumford & sons album fehlten. das ist doch auch schon mal was, oder?
    (revolver-club)


    Schneider, er singt mit sirenenhaft-gefestigter Stimme unter wunderschönen Hall-Schichten hervor, seine Band vollführt  in den besten Momenten elegante Walzerdrehungen im klaren Mondlicht, während die Mundharmonika als Brandung an die leise Hymnik des Songs treibt – siehe etwa das magische Mitternachtsstück ‘Ghost of the Shore‘. Der vielleicht herausragendste Triumph feierlichen Schönklangs hier, in dem Lord Huron auch abseits der Erwartungshaltungen hinsichtlich der letztjährigen EP’s zu einer schier bezaubernden Hochform auflaufen, die beinahe vergessen lässt, dass ‘Lonesome Dreams‘ stellenweise schlicht zu sehr nach eindeutig identifizierbaren Vorbildern klingt und es sich auf Dauer beinahe zu gemütlich im Schatten weiter Berghänge machen.

    Zwischen Gipfel- und Wüsten-Metaphern schwelgen Lord Huron als Ausgleich jedoch durch genügend große und kleine einnehmende Ohrwürmer um Ausfälle geschickt zu umgehen. Zumal die gleichzeitig unheimlich leichtfüßig schwebende und doch getragene Chose mit beschwingten Rhythmusfeuerwerken wie ‘The Man Who Lives Forever‘ oder dem Titelstück gedankenvoll spannend halten, und sei es nur, um  das Breitwandformat in ‘Lullaby‘ so noch atemberaubender strahlen zu lassen. Unter der Lupe finden sich so in Summe auch genug Feinheiten, die Lord Huron davon freisprechen als bloße Plagiatisten ohne eigene Vision durchzugehen. Und selbst wenn hier das Niveau der Vorbilder nie restlos erreicht wird: den Vorwurf der Inspirationslosigkeit  würden die versammelten 10 Songs ohnedies schlicht so lange in die Arme nehmen, in Liebe wiegen und zu tropikaler Folkrockigkeit ein zufrieden-erfülltes Lächeln ins Antlitz zaubern, bis dieser ebenso Null und Nichtig erschiene, wie jeder Schwermut abseits dieser Dreiviertelstunde reinster Wohligkeit.
    (heavy pop)





  • Night Moves - Colored emotions

    Night Moves - Colored emotions

    cover

    Die Band Night Moves wurde im Jahr 2009 von Gitarrist und Sänger John Pelant, Bassist Micky Alfano und der Allzweckwaffe Mark Ritsema in Minneapolis gegründet. Das Debütalbum erschien 2012 in den USA und nun auch in Europa. “Colored emotions” verbindet stimmungsvolle Popmelodien mit Folk und Country und wird durch psychedelische Anklänge zusammengehalten. Prägend ist John Pelant, dessen Stimme stellenweise Soul verbreitet und vielleicht gerade dadurch auch etwas zu harmoniesüchtig wirken kann.

    Möglicherweise schmelzen Anhänger von Dream Pop (oder wie ich im Zusammenhang mit diesem Album gelesen habe “psychedelischem Pop”) während “Colored emotions” dahin. Über die gesamte Spieldauer konnte mich die Platte nicht begeistern, aber den Song “Horses” habe ich mir als relatives Highlight notiert. 

    OhFancy” sieht das ähnlich:

    Wirklich gelungen ist neben den erwähnten Tracks auch ‘ Horses ‘, welches sich als äußerst schnelllebig und unberechenbar erweist. Es gibt auf ‘ Colored Emotions ‘ keinen herausstechenden Song und auch wenn dadurch das Gefühl eines Konzept-Albums entsteht, oder sogar der Gedanke an eine Rock-Oper, so bleibt es letztlich “nur” ein ausgeglichenes Gesamtpaket mit stimmiger Balance für Anordnung und gute Ideen.

    Produziert wurde “Colored emotions” von Thom Monahan, der auch bei Platten von Au Revoir Simone und Devendra Banhart seine Finger im Spiel hatte.

    Das Video zu “Country queen”:


    Night Moves - Country Queen von domino

    Und hier eine KEXP Live Session mit den Songs “Headlights”, “Border on border”, “Country queen” und “Colored emotions”:

  • Theme Park - Theme Park

    Theme Park - Theme Park

















    Depeche Mode, The Strokes, Black Rebel Motorcycle Club, Low, Edwyn Collins,  Billy Bragg, Kashmir und dazu die verspäteten Deutschland-Veröffentlichungen von The Heartbreaks und Rachel Zeffira - am Freitag konnte man wirklich viel Geld beim Plattenhändler seiner Wahl lassen. Ein Album, das man getrost dort stehen lassen konnte, ist das Debütalbum von Theme Park, einem gerade in England sehr gehypten Trio aus London. 

    Angelockt von guten ("Two Hours") bis passablen ("Jamaica", "Tonight") Singles, wird man leider sehr schnell merken, dass es für Theme Park auf Albumlänge einfach nicht reicht. Zu viele belanglose Füller lassen die Hoffnung, dass das Trio mit The Maccabees oder Two Door Cinema Club mithalten kann, schnell schwinden. 
    Theme Park sind die Zwillinge Miles und Marcus Haughton sowie Oscar Manthorpe, "Theme Park" ist ihr von Luke Smiths (Foals, The Maccabees) produziertes Debütalbum, das glatten, sommerlichen Synthiepop aufbietet, der bestenfalls zur Beschallung des King Kamehameha Clubs oder zur Untermalung einer Bacardi-Werbung geeignet wäre, und in seinen besseren Momenten klingt wie der Empire Of The Sun-Remix eines Songs von Talking Heads oder als spülten Washed Out einen Track von Vampire Weekend weich.    



    Wie bitte? Eine Band namens Vergnügungspark? Bei der Suche nach dem richtigen Namen hätten sich diese Neulinge aus London wirklich mehr Mühe geben können. Andererseits sagt er schon aus, worum es der Band um Sänger Miles Haughton geht. Andere Musiker mögen den Existentialismus und die Morbidität bevorzugen und der Verzweiflung nahe sein, das ist ja auch ihr gutes Recht. Für Theme Park ist das nichts, für sie zählt nur eine positive Grundeinstellung. Das spürt man in allen Tracks auf ihrem Debütalbum. Die Single „Jamaica“ war schon ein guter Hinweis, da ging es um Sommerfreundinnen, ein Haus auf der Karibikinsel und gute Getränke. Wenn man das so liest, könnte man denken, dass der Feelgood-Faktor auf der ersten  Platte von Wham! neue Kreise zieht. Nun, die Dekade stimmt schon mal, aber Haughton und seine Kollegen haben sich in geschmackvolleren Regionen der 80er-Jahre umgehört. Ihre Schwäche für Indie-Funk und Jangle-Pop dürfte von Bands wie Orange Juice oder Friends Again herrühren. In „Tonight“ und „Ghosts“ dagegen gibt es Phasen, in denen elektronische Klangkulissen stärker betont werden und man auf Tuchfühlung zu jüngeren Vertretern aus der Cut-Copy-Ecke geht. Theme Park machen darum nicht viel Bohei. Ihre Songs zeugen von einer inneren Ausgeglichenheit, für die man sofort Sympathie empfindet. Happy-go-lucky, mal ganz unpeinlich.
    (Musikexpress)


    We may have missed the youths rioting on London’s streets, calling for more tropicália-tinged indie-funk. Who knows? We have been taking a lot of Vicodin. But somehow, three years after bands like Washed Out and Lemonade defined the sound of ironic Hawaiian shirt-wearing for a generation, here are London quartet Theme Park trying to convince us that this sort of thing isn’t a terrible idea. 

    ‘Big Dream’ sets the template early on. A white-suited, scratchy guitar riff Miami-Beaches its way in and orders a piña colada. A big elasticated bassline funks down next to it. A lazy disco kick-drum arrives. There’s some unlikely vocal guff from Miles Haughton about “giving it up”. Then, at 2:30, some other guy does a needless falsetto version of the main vocal line. Repeat. Fade. 

    Talking Heads have been mentioned a lot in chats about Theme Park; a convenient reference point for people who didn’t hang around the north London toilet circuit in the late noughties. Theme Park were at school with Fryars, Bombay Bicycle Club and Cajun Dance Party, a stone’s throw from where the venue Nambucca was having its own revolution with bands like The Holloways, and that’s the culture on which they seem to have been weaned: sunny, scrappy, slightly naive MySpace-era guitar pop that speaks flatly of chillaxation. 

    Occasionally, their claim to be putting the spirit of film director Terrence Malick into their art rings true: the front-footed ‘Two Hours’ leans on that same widescreen sense of an eternal moment, like an ‘All My Friends’ for the 2010s. But mostly, what their reliance on groove rather than tune adds up to is dirge. Despite taking way more time to get going than their big-in-2007 school chums, it seems like their album will only be a footnote to 2013. 
    Read more at http://www.nme.com/reviews/theme-park/14124#9tc47tHpPkUAXJYw.99 
    (NME)


  • Edwyn Collins - Understated

    Edwyn Collins - Understated


















    All denen, die Edwyn Collins aus den Augen verloren haben, die ihn vielleicht nur über seinen einzigen Single-Hit "A Girl Like You" (1995) kennen oder die für ein Mixtape nach einem zu David Bowies "The Next Day" passenden Album suchen, sei "Understated" empfohlen. Collins selbst beschreibt die elf Songs der Platte, darunter mit "Love’s Been Good To Me" ein Rod McKuen-Cover, als "a collection of country, northern soul, soul and folk".

    Der 53-jährige Schotte nahm zusammen mit seinem langjährigen Produzenten Web Lewsley im West Heath Studio sein insgesamt achtes Soloalbum auf und veröffentlicht es über sein eigenes, neu gegründetes Label AED Records. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass Collins im Februar 2005 zwei Schlaganfälle erlitt, und in langwieriger Rehabilitation das Sprechen erst wieder neu erlernen musste. Seine Gitarre kann er bis heute aufgrund seines gelähmten rechten Arms nicht bedienen, so dass ihm im Studio zahlreiche Musiker bei der Umsetzung seiner Ideen halfen: Barrie Cadogan (Little Barrie, Primal Scream), James Walbourne (The Pretenders, Ray Davies, Pernice Brothers, Dead Flamingoes), Carwyn Ellis (Colorama, The Pretenders), Sean Read (The Rockingbirds, Dexys), David Ruffy (The Ruts, Dexys) undnd Paul Cook (The Sex Pistols).    

    Edwyn Collins understandably addresses his continuing struggle to recover from the two brain haemorrhages he suffered in 2005. As he puts it on the slinky, horn-augmented Baby Jean, "I've got to find a way to understand the world." He is still unable to play guitar properly, and his taped ideas for songs were fleshed out by other musicians. Down the Line – a confession of how the illness meant "I wasn't there to comfort you" – is heartbreaking, while the lovely It's a Reason similarly tells how the haemorrhages left him "back to front, inside-out". Elsewhere, however, Collins twists his Motown and the Velvet Underground influences into songs that celebrate his extended life and the healing power of music. Delivered in an uncannily similar voice to Orange Juice's Falling and Laughing, Carry on, Carry on sees him finding joy in everyday life, while 31 Years gazes over his career and shrugs, "What the heck, I'm living now." But it's Forsooth's cry of "I feel alive, I feel reborn" that sums up his unlikely, lovely and often inspiring triumph.
    (The Guardian)



    Understated lets Collins step out of the shadow of his medical history - partly by shirking the host of guest artists that crowded Losing Sleep, who were perhaps employed to distract from any continuing cracks in his abilities – and is all the better for it. Described by the man himself as "a collection of country, northern soul, soul and folk," it's a powerful record not for any mawkish sentimentality, but for the strength of the band - who work through those disparate genres with ease, the rhythm section a incessant driving force, the backing vocals sweet, the guitars warm, the brass section and keys more than welcome whenever they appear - and the strength of Collins' voice. His rich baritone reaches ever more delightful tones, and his sharp lyrics haven't been blunted over the years. If anything, in honing them to a Hemingway-esque simplicity, they pack even more of a punch.

    Whilst it is, for the most part, a sincere album about the small, good things in life, there's a good amount of bite as well: 'Too Bad (That's Sad)' is amongst the catchiest, most passive-aggressive break up songs you're likely to hear, and single 'Dilemma' runs through a lot of questions with no easy answers. Mostly written alone in his home town of Helsmdale where he sat between fields and the sea, Understated is as direct and individualistic a portrait of Edwyn Collins, marvel of modern science, as we're likely to get. Until the next one, that is.
    (4O5)



  • The Strokes - Comedown Machine

    The Strokes - Comedown Machine

















    2001 erscheinen im Abstand von knapp 4 Monaten die Debütalbon von Black Rebel Motorcycle Club und The Strokes. Ihre aktuellen Werke veröffentlichen sie am gleichen Tag, jedoch bleibt das Trio aus San Francisco seinem Stil treu, während das New Yorker Quintett seinen Sound deutlich verändert hat.

    Auch Depeche Mode hatten sich diesen Freitag zur Veröffentlichung ihrer neuen Platte ausgewählt: Während die Fans begeistert sind, lassen die Kritiker kaum ein gutes Haar an "Delta Machine". Bei den Strokes und "Comedown Machine" stellt sich dies wiederum vollkommen anders dar: Tolle Kritiken einerseits, (teilweise) murrende Fans andererseits.

    Als Strokes-typische Garagenrock präsentieren uns Julian Casablancas, Albert Hammond, Jr., Nikolai Fraiture, Fabrizio Moretti und Nick Valensi lediglich die Single "All The Time" und "50/50". Ansonsten wird kräftig experimentiert und zu Ende oder weitergeführt, was "Angles" vor 2 Jahren begonnen hatte. Hören wir einmal, was die Fachleute dazu zu sagen haben:      

    Also einmal tief durchatmen und mit ruhiger Hand COMEDOWN MACHINE auflegen – und schon steht das Vertrauen wieder auf dünnem Eis: Hektisches Gegniedel begrüßt einen ein paar Sekunden lang. Dann mutiert „Tap On“ zu einer Art Michael-Jackson-Song, einem guten Michael-Jackson-Song, wie „Wanna Be Startin’ Somethin’“. Zumindest die überschaubaren Sympathisanten von Angles dürften sich freuen: Der Strokes Fünfte geht den Weg weiter, den ihre Vierte eingeschlagen hat. Fast jeder Song ist eine Überraschung, mal eine kleinere, wie der Sci-Fi-Rocker „Partners In Crime“, mal eine größere, wie der Tanz durch die Franz-Ferdinand-Disco „Welcome To Japan“, mal eine sehr große wie das Abschlussstück „Call It Fate, Call It Karma“ – Julian Casablancas singt hier wie eine Vorkriegs-Chanteuse zu einem betrunkenen Tom-Waits-Klavier direkt aus Interzone. Die Hitdichte mag etwas durchlässiger ausgefallen sein als zuletzt, aber die Strokes haben mit COMEDOWN MACHINE etwas geschafft, was kaum einer Band auf ihrem fünften Album gelingt: Sie sind spannender als je zuvor.
    (Musikexpress)


    Es gibt noch mehr Synthesizer, es gibt noch mehr Experimente, noch mehr Kopfstimme. Trotzdem ist das Album nicht verkopft, sondern geht an den richtigen Stellen in Ohr und Beine und versinkt bei den ruhigeren Nummern nicht im Kitschsumpf. Auf "Comedown Machine" haben sich die Strokes bis auf "All The Time" und "50/50" wohl endgültig vom dahingerotzten Garagenrock verabschiedet. Das kann man finden wie man will. Aber die neue Platte ist in sich schlüssig und Songs wie "Welcome To Japan" oder "One Way Trigger" werden verdammt gut auf den Tanzflächen funktionieren. Eine Band darf sich weiterentwickeln, auch wenn das nicht allen gefällt. Vielleicht sind die Zeiten, in denen die coolen Jungs auf der Tanzfläche Luftgitarrenbands gründen, schlicht und ergreifend vorbei. Und ganz ehrlich: Es gibt Schlimmeres.
    (BR)

    Eine Platte, die klingt als sei sie in einem Guss geschrieben und aufgenommen worden, die einen schlüssigen Gesamtsound besitzt und eben nicht wie beim letzten Mal eine Ansammlung von Songs darstellt, die fünf Typen eingespielt haben, die ihre Visagen nicht mehr sehen können.
    Eine handvoll Hits, allen voran das von Abspielvorgang zu Abspielvorgang immer besser werdende, irre “One Way Trigger”,
    einige ziemlich interessante Ansätze, die man so von den Strokes nicht erwartet hätte (“Call It Fate Call It Karma”!), kaum Strokes-Eigenkopien (eigentlich nur die erste richtige Single “All The Time”, die wie ein matter Rückgriff auf längst vergangene Zeiten wirkt), aber dafür manche Anklänge an die eigene, weniger mit dem typischen Strokes-Sound assoziierte Vergangenheit (“50 50″, das etwas auf das damals verblüffende “Ask Me Anything” des dritten Albums oder die Demoversion von “You Only Live Once” zurückgreift).
    Doch im Ganzen ist das Album vor allem Achtziger – und damit, erstaunlicherweise näher am so viele verwirrenden Vorabsong “One Way Trigger” als an der ersten “richtigen” Single “All The Time”.
    (taz)

  • Black Rebel Motorcycle Club - Specter At The Feast

    Black Rebel Motorcycle Club - Specter At The Feast

















    Eigentlich ist es recht ungewöhnlich und zumeist kein gutes Vorzeichen, wenn eine Band eine Coverversion als erste Single aus einem kommenden Album präsentiert. Im Falle vom Black Rebel Motorcycle Club und "Let The Day Begin" sieht dies jedoch anders aus, denn der Song stammt im Original von The Call, der Band von Michael Been: Dieser verstarb vor 3 Jahren, war der Vater vom Black Rebel Motorcycle Club-Mitglied Robert Levon Been, produzierte deren letztes Album "Beat The Devil's Tattoo", begleitete die Band auf Tournee und wurde häufig als deren viertes Mitglied bezeichnet.

    So beginnt "Specter At The Feast" mit "Fire Walker", dem großartigen "Returning" und "Lullaby", die um die Single herum gruppiert sind, auch recht ruhig, melancholisch und melodisch. Doch der Black Rebel Motorcycle Club wäre nicht der Black Rebel Motorcycle Club, wenn im Verlauf der noch folgenden 8 Titel nicht immer wieder noisiger bis bluesiger Garagen-Rock  ("Rival", "Teenage Disease", "Funny Games", "Sell It") durchbrechen, die Oberhand gewinnen und in dem fast 9-minütigen, psychedelischen "Lose Yourself" einen krönenden Abschluss finden würden. Damit vereint das Trio auf seinem sechsten, größtenteils in Dave Grohls Studio in Los Angeles aufgenommenen Studioalbum alle Stilmerkmale, zu denen sie auf den Vorgängerplatten fähig waren. 
    Wer nach knapp einer Stunde Musik immer noch nicht genug hat, kann noch zu den iTunes Bonus-Tracks "Warning Sign", "The Knife" und "Angel Baby" greifen. 

    Primal garage-rock is in short supply here, but they do treat one of Michael Been's own songs, Let the Day Begin, to a Kasabianish grunge-out that's the dullest thing on the album. Much more striking are songs that show the vulnerability under the swagger: Some Kind of Ghost's gospel-voodoo prayer, which has Robert Been vowing, "Sweet Lord, I'm coming home", Been's lost-in-the-woods vocal on Fire Walker, and the funereal organ drone and layered vocals that rise and fall tidally through Sometimes the Light. The dreamy eight-minute finale, Lose Yourself, is a kind of coming-to-terms hymn – a satisfying ending to a fine record.
    (Guardian)


    Schönes Albumcover. Die neue BRMC ähnelt rein äußerlich einem zerfledderten alten Taschenbuch, das jemand wochenlang in seiner hautengen Bluejeans mitgeschleppt hat.

    Unten ist eine Ecke weggerissen, und man kann ein Wort erkennen: »Vanitie« steht da, wenn ich das richtig erkenne, also Nichtigkeit. Kleiner Hinweis vielleicht? Der BRMC hatte schon immer so clevere Marketing-Ideen, schließlich gehörten sie Anfang dieses Jahrtausends mit ihren todschicken Lederjacken zu den ersten Wiederaufbereitern damals längst tot geglaubten Rockglamours.

    Bemerkenswerte Songs konnten sie schon damals nicht schreiben, machten das aber mit einer Attitude so groß wie der Himalaya mehr als wett. Die Frage ist: Geht diese geil abgelieferte Einfallslosigkeit ad nauseam? Reicht es, denselben alten nikotinvergilbten, pilzig schunkeligen, stets ins Leere laufenden Slow-Fuck-Groove aus dem Sumpf in leidlich erarbeitete kosmische Dimensionen zu hieven, sich auf Pink Floyd und Spiritualized zu berufen und all jenen, die vielleicht grade keinen Bock auf Déjà-vu-Rock haben, den Mittelfinger zu zeigen? Man kann es auf jeden Fall versuchen, wie man sieht. Immerhin gibt es die passenden Lederjacken mit gut 30-jähriger Verspätung endlich auch bei H&M. Und das Albumcover ist einfach super.
    (intro)

    Mitgliedertreffen des Black Rebel Motorcycle Clubs:

    05.04.13 München, Tonhalle
    07.04.13 Berlin, Columbiahalle
    08.04.13 Hamburg, Große Freiheit 36
    09.04.13 Köln, Live Music Hall

  • John Grant - Pale green ghosts

    John Grant - Pale green ghosts

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    Angeblich waren es einige Mitglieder Midlakes, die John Grant Jahre nach dem Ende seiner Band The Czars dazu brachten sein Solodebüt  anzugehen. “Queen of Danmark” erschien 2010 und war  erfolgreicher als die The Czars Alben. Während bzw. nach den Arbeiten an "Queen of Danmark” ging Grants Beziehung in die Brüche, er erfuhr von seiner HIV Infektion und er zog nach Reykjavík. Die Eindrücke der Insel prägen das Artwork und seine persönlichen Rückschläge die Stimmung des Albums. Offensichtlich verbrachter Grant einige Zeit mit Birgir Þórarinsson von Gus Gus, denn sein zweites Soloalbum “Pale green ghosts” klingt über weite Strecken erfreulich stark nach Gus Gus. Zum Albumtitel wurde Grant angeblich von kleinen hellgrünen Blättern entlang des Highways zwischen Denver und Boulder inspiriert, die im Mondlicht wie kleine Geister schimmern sollen. Ebenso schimmern die Beats in den meisten der balladesken Songs.

    “Pale green ghosts” ist stringenter, leichter zu erfassen und düsterer als “Queen of Danmark”. Die Comedy-Momente entfallen komplett. Neben den prägenden Gus Gus-Beats scheint die Zusammenarbeit mit Sinéad O’Connor durch. Sie schrieb mit an einigen der Songs und steuerte Background-Vocals bei. Beide Elemente bilden einen angemessenen Rahmen für Grants Stimme.

    Grundsätzlich gefallen mir auf “Pale green ghosts” die Songs mit starkem Gus Gus-Einfluss wie der Titelsong, “Black belt” und “Sensitive new guy” besonders gut. Die in Zusammenarbeit mit O’Connor entstanden Songs bilden die Brücke zu “Queen of Danmark” und vor allem “It doesn’t matter to him” und “Why don’t you love me anymore” sind interessierten Hörern hiermit ans Herz gelegt. Der Unterschied zwischen “Queen of Danmark” und dem aktuellen Werk zeigt Grants Wandlungsfähigkeit. Ich bin gespannt, wohin ihn seine musikalische Reise nun führen wird.

    Die Deluxe-Edition liefert sechs Remixe (u. a. von Hercules & Love Affair) der Songs “Black belt”, “Pale green ghosts” und “Why don’t you love me” im Dance-Gewand.

    Guardian.co.uk vergibt fünf von fünf Sternen und bedankt sich bei “TC”, dem Mann, der Grant der Herz gebrochen hat, weil:

    […]In fact, he's inadvertently inspired a genuinely remarkable album: self-obsessed but completely compelling, profoundly discomforting but beautiful, lost in its own fathomless personal misery, but warm, funny and wise. It shouldn't work, but it does.

    Das Video zum Titelsong:

    John Grant live in Deutschland:

    • 07.04. Köln
    • 08.04. Hamburg
    • 09.04. Berlin
  • Karl Bartos - Off The Record

    Karl Bartos - Off The Record

















    Ein Mann, der die musikalische Sozialisation und Entwicklung von Depeche Mode maßgeblich mit beeinflusst hat, ist Karl Bartos, der von 1975 bis 1990  Mitglied bei Kraftwerk war und bei zahlreichen Songs wie "Musique Non-Stop", "Tour de France" oder "Das Model" mit als Komponist aufgeführt wird.  
    Nun veröffentlichen Bartos sowie Gore & Co. innerhalb von einer Woche neue Alben, jedoch ist "Delta Machine" bereits das dreizehnte Studioalbum von Depeche Mode und "Off The Record" erst die zweite Soloplatte vom ehemaligen Kraftwerkler.

    Karl Bartos, der von 2004 bis 2009 im Rahmen einer Gastprofessur an der Universität der Künste in Berlin Auditive Mediengestaltung am Studiengang "Sound Studies - Akustische Kommunikation" lehrte, arbeitete nach seinem Ausscheiden bei Kraftwerk zusammen mit Bernard Sumner und Johnny Marr kurzzeitig am Projekt Electronic ("Raise The Pressure", 1996) zusammen und veröffentlichte jeweils ein Album als Elektrik Music ("Esperanto", 1993) bzw. Electric Music ("Electric Music", 1998). Der Release seines einzigen Soloalbums bisher, "Communication" (2003), liegt mittlerweile auch schon 10 Jahre zurück. 

    Für "Off the Record", stöberte Bartos in alten Notizbüchern, die bis in die Anfangstage von Kraftwerk zurückreichen und überarbeitete die Ideen und Skizzen in den vergangenen zwei Jahren in retrofuturistischen Pop, der näher an Kraftwerk ist, als alles, was ich in den letzten Jahren gehört habe. Also lässt nicht nur das Plattencover direkt an Kraftwerk denken! Es gibt Technopop mit den typischen Roboterstimmen ("Musica Ex Machina", "Atomium"), minimalistischen Synthiepop mit ebenso schlichtem deutschen Texten ("Nachtfahrt", "Rhythmus"), experimentelle Elektronik-Avantgarde ("The Binary Code") und auch Songs ("Without A Trace Of Emotion"), die die Einflüsse der Zusammenarbeit mit Sumner und Marr erkennen lassen.  

    “Off the Record”, sein neues Album, beruht auf Skizzen aus seiner Zeit bei Kraftwerk, die er damals festgehalten hatte. Daher überrascht es nicht, dass vieles auf der Platte an ebendiese Phase erinnert. Es sind schöne Songs geworden, keine Frage, die in bester teutonischer Pop-Manier daherkommen. Man kommt aber nicht umhin, Bartos an Kraftwerks Hochzeit zu messen, und da wirkt er dann doch eher nostalgisch als visionär. Oder liegt es an einem selbst, dass man dauernd Kraftwerk-Vergleiche heranziehen muss?
    (de-bug)


    'Was"n das? Erasure in Zeitlupe?', mault die Freundin. Eine ziemlich treffende Kurzkritik, aber es ist dann doch Karl Bartos, ehemals zweiter von links bei Kraftwerk und jetzt wieder da, mit einer kleinen Zeitkapsel im, äh, Aktenkoffer? Seine Platte 'Off The Record' (Bureau B) versammelt lose Enden, renovierte Dateien, Archivschätze aus allen Zeiten seines musikalischen Wirkens. Ganz alte Sachen sind dabei und wirklich interessante Vorgänge, wie etwa bei dem Track 'Without A Trace Of Emotion', den er am Tag als John Lennon erschossen wurde zur Seite legte und sich erst 2010 wieder vornahm. Die 30 Jahre verkraftet das Stück ausgezeichnet, es glänzt immer noch mit jener makellosen, elektronischen Architektur, die auch den Kraftwerkplatten bis heute inne wohnt. Was da aus Moogs, Synthies und Co. gebastelt wurde, ist dieser sterile, internationale Schwung, der immer so klingt, als wäre er im Vakuum gelagert gewesen. Dieser Sound bewegt bis heute - auch wenn das Ohr schon längst elektroniksatt ist.
    (Süddeutsche Zeitung)


    Firstly, there’s a slight context missing to the album alone, as this is designed with a travelling 3D cinema to accompany performances. A glimpse at the images accompanying lead single ‘Atomium’ sets a tone that’s in keeping with expectation; statues of particles, architecture, retro text that pans across the screen. There’s no denial here that this music is from the past and now the realm of nostalgia. Not putting out records is the best thing Kraftwerk have done: there’s a respect to history and their role in it. Unearthed somewhat unnecessarily, this release is pleasant indulgence but no masterpiece.

    This isn’t to say it can’t be enjoyed. ‘International Velvet’ and ‘The Tuning of the World’ are beautiful ballads with the glistening keyboards that ‘Computer World’ spiralled into international reverence. As well as providing looping, hypnotic, ear worms they emit, retrospectively, a glance of the DNA of acts spinning out of their influence; Warp Records and Plone, Bjork, The Postal Service. What’s fun in hearing this is to sonically trace Bartos-era Kraftwerk (and Kraftwerk, period) as the robots being absorbed molecularly, over generations, into a humanised form, a classic Sci-Fi narrative played via music; an imagined opera.

    Then there’s the brutal. ‘Music Ex Machina’ pounds with the incessant drone of today’s pop. Where once this would have signalled the possible moral conflict of technology’s potential (unthinking, un-judging processes), this now just sounds like the backbeat of the charts. For the first few minutes this could be the ‘Macarena’, David Guetta, LMFAO, music as a business model and pumped into clubs. Bartos thankfully doesn’t let the backbeat be the sole stimulant. The track flitters into a series of oscillations that become a therapeutic noise, a respite from the Edward Hydes Bartos has similarly helped create.

    Everything that makes a mark in history is victim to perception; there are benefits and unwanted side effects. Bartos is no different, he’s been in one of the strangest bands we have and has become a legend, he’s excited generations and steered culture. Now he cannot do that, now his music falls flat.
    (Drowned In Sound)

  • Depeche Mode - Delta Machine

    Depeche Mode - Delta Machine

















    Auch wenn es die Devotees nicht gerne lesen/hören wollen: Die Kritiken zu "Delta Machine", dem dreizehnten Studioalbum von Depeche Mode, sind - freundlich formuliert - eher bescheiden. 

    Dabei setzen Dave Gahan, Martin Gore und Andy Fletcher doch auf Kontinuität, indem erneut Ben Hillier als Produzent engagiert wurde, sich Anton Corbijn für das Optische verantwortlich zeichnet, Gore den Großteil der Songs schrieb, auch Gahan (zusammen mit Kurt Uenala) wieder 3 Songs beisteuern durfte und sogar Flood wieder mit ins Boot geholt wurde, der zuletzt bei "Violator" (1990) und "Songs Of Faith And Devotion" (1993) für das Mixing zuständig war.     

    Dabei hat "Delta Machine" so einiges zu bieten, was gerade an "Violator" und "Songs Of Faith And Devotion" denken lässt: gelungene Arrangements, in denen die Maschinen herrlich pluckern, pumpen und piepsen ("My Little Universe", "Broken"), Dave Gahan als pathetischen Prediger zwischen elektronischem Soul, Gospel und Blues ("Welcome To My World", "Slow", "Goodbye"), sowie den ein oder anderen prägnanten Popsong ("Soothe My Soul"), der vielleicht eine bessere Figur als Vorab-Single abgegeben hätte als "Heaven".    

    "Delta Machine" hinterlässt bei mir einen besseren Eindruck als zuletzt "Sounds Of The Universe" (2009) und "Playing The Angel" (2005), jedoch dürfen einige Hänger ("Slow", "Soft Touch / Raw Nerve", "Goodbye") nicht verschwiegen werden. Auch von der obligatorischen, von Martin Gore vorgetragene Ballade ("The Child Inside") hatte ich mir mehr versprochen. 
    Vielleicht hätten Depeche Mode das Album nicht so voll packen sollen (13 Titel in fast 58 Minuten, zu denen sich in der Deluxe Edition noch 4 weitere gesellen), denn "Violator" und "Songs Of Faith And Devotion" kamen auch mit 9 bzw. 10 Liedern aus.   

    Was soll der Titel bedeuten? Quetschen Depeche Mode nun den Blues aus ihren Synthesizern? Jetzt dürfen wir hören und stellen fest: Irgendwie so Jein, naja. Während seine Kollegen die elektronischen Maschinen auf durchaus vertraute Art und Weise entsaften, wähnt sich der Sänger Dave Gahan auf einem Mississippi-Raddampfer. Er knödelt und greint wie einst John Lee Hookers Gitarre. War das auf vorherigen Alben ein Stilelement unter vielen, gibt er diesmal beinahe durchgängig den angry, ähem, young man. (...)

    Doch weiter auf Delta Machine. Im langen Mittelteil zwischen Heaven (Nummer 3) und Should Be Higher (Nummer 9) hängt das Album durch wie eine Hängematte; der Hintern schaukelt bei Slow. Dazwischen enervierende Stampfer, melodiebefreite Balladen, lahme Liedchen. Mit viel gutem Willen ist Alone das zweite gute Stück. Soothe My Soul, die zweite Single, aber ist unerträglich: Man stelle sich nur vor, wie im Festivalsommer diese bittere Vergewaltigungsphantasie aus zigtausend Kehlen schallt.

    Nostalgie ist meist ein verkaufsfördernder Impuls. Blind und geschmacklos. Wer ihr nachgibt, wird mit Delta Machine bestraft. Immerhin, es ist besser als Sounds Of The Universe – und damit das beste Depeche-Mode-Album seit acht Jahren! Mehr Trost ist nicht zu finden.
    (Zeit)


    Was Depeche Mode bislang fast jedem ihrer Alben voranstellten, waren fabelhafte Leadsingles – zuletzt zu SOUNDS OF THE UNIVERSE (2009) das erstaunlich aufwühlende „Wrong“. „Heaven“, der erste Release zum elften Album der Band, muss leider zu den Ausnahmen von dieser Regel gezählt werden. Das Stück trabt als Bluesrockballaden-Standard der DeMo-Schule dem Album allzu gemächlich voraus, mit einer mollnen Akkordfolge kellerwärts, wie sie sich Schülerbands ausdenken, wenn sie mit „Knockin’ On Heavens Door“-Covern durch sind.
    (Musikexpress)


    Und was hört man dann? Ja, das klingt tatsächlich ein wenig nach Neuanfang - oder zumindest nach mehr Dringlichkeit. Wie als Symbol eröffnet "Welcome To My World" das Album mit einer Art elektronischem Brummfurz, die Beats sind ausgesprochen trocken. Martin Gore hat von seinem Nebenprojekt VCMG mit Vince Clarke, seinem Vorgänger als Depeche-Mode-Hauptsongwriter, offenbar die Lust an minimalistischen, scharfen, gefilterten Synthie-Sounds mitgenommen. Das fällt besonders beim tastenden "My Little Universe" und dem Glam-Shuffle "Soft Touch / Raw Nerve" auf. (...)

    Auf der Soundebene ist dem Trio also viel eingefallen. Die zum Himmel strebenden Melodien, die die pophistorischen Sternstunden der Band Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre prägten, fehlen dagegen weitgehend. Ein Mangel, der nun schon seit ein paar Alben schmerzt - wahrscheinlich wird das nix mehr mit den großen Würfen. Kurios, dass ausgerechnet Dave Gahan mit seinen drei Kompositionen am ehesten an diese Phase anknüpft; so bei "Broken", dessen Gesangslinie stark an "Behind The Wheel" aus dem Jahr 1987 erinnert.
    (Spiegel)

    Depeche Mode in Deutschland:

    01.06.13 München, Olympiastadion
    03.06.13 Stuttgart, Mercedes-Benz Arena
    05.06.13 Frankfurt, Commerzbank-Arena
    09.06.13 Berlin, Olympiastadion
    11.06.13 Leipzig, Red Bull Arena
    17.06.13 Hamburg, Imtech-Arena
    03.07.13 Düsseldorf, ESPRIT arena
    05.07.13 Düsseldorf, ESPRIT arena


  • Isbells - Stoalin'

    Isbells - Stoalin'



    Bereits im März letzten Jahres konnte man sich die neue CD der Isbells über deren Homepage bestellen und nach Hause schicken lassen. Fast ein Jahr später, seit dem ersten März dieses Jahres, steht Stoalin‘ auch in den hiesigen Plattenläden und wartet darauf, vor Ort gekauft zu werden. Mittlerweile auch als Vinyl-Version – die gab es im letzten Jahr noch nicht.

    Es gilt Platz 40 zu toppen, den sie 2011 mit ihrem Debütalbum Isbells in unserer Jahresendabrechnung erreichten. Dazu sollten die Isbells vor allem den Richter überzeugen, der jenes Album ein wenig zu [hier bitte ein netteres Wort für „langweilig“ einsetzen] fand. Wie wollen die Belgier das schaffen?

    »Stoalin’« […] setzt nun weitgehend auf die Stärken seines Vorgängers, wagt sich aber hin und wieder vor in neue Gefilde. Luftige Folkpop-Arrangements und Gaëtan Vandewoudes schmeichelnde Stimme sind aber natürlich nach wie vor der Dreh- und Angelpunkt, von dem aus zwischen reduziertem Minimalismus über an Bon Iver erinnernde sphärische Klänge bis hin zu orchestraler Opulenz eine große Bandbreite bearbeitet wird. (roteraupe.de)



    Wehmutsgeschwängerte Töne, wie etwa in dem Opener Stoalin‘ oder den nervösen, José Gonzales-artigen Rhythmen von Heart Attacks, werden zunehmend von einer neuen, sanften Offenheit überlagert. Heading for the Newborn lässt sich dabei von einer E-Gitarre führen und Elation ruft nach dem Glockenspiel sogar noch einen Kinderchor zum einstimmen. Erase and Detach, welches unheimlich ruhig beginnt, durchbricht dann schließlich endgültig den fragilen Minimalismus, wenn die fülligen Bläser zum Finale einsetzen und dem Album somit einen runden Abschuss verpassen. (zolinsagt.de)



    Ein Hauch Sigur Ros-Wolken-Wohligkeit, viel Kings Of Convenience-Kunst, die zarte Seite der Mumford-Söhne, gekrönt von musikalisch rauschenden Wellenbergen – ein kunstvoll-naturbelassenes Singer-Songwriter-Folk-Meisterstück. (glitterhouse.com)

    Konzerttermine (ohne Gewähr)
    27. April: Münster, Gleis 22
    28. April: Berlin, Privatclub
    29. April: Frankfurt, Brotfabrik
    30. April: Hamburg, Prinzenbar

  • Yesterday Shop - Yesterday Shop

    Yesterday Shop - Yesterday Shop


















    Jetzt bringt mich Ingo mit seinem "Wir unterbrechen kurz die Maifeld Derby Vorberichtserstattung" ganz schön in die Bredouille, denn eigentlich habe ich momentan gar keine weitere Platte aus dieser Reihe vorliegen!

    Andererseits kann ich nun auch irgendwie die Schuld auf Ingo schieben, denn "Yesterday Shop" erschien, was die "Höllenhunde der Kalendergläubigkeit" (Zitat Ingo) sicherlich recht zügig herausgefunden hätten, bereits Ende letzten Jahres. Zumindest die "Paralyzing" EP des aus Baden-Württemberg nach Berlin übergesiedelten Quintetts ist erst letzte Woche erschienen.  

    Yesterday Shop sind Sönke Strauch (Gitarre, Schlagzeug, Synthie), Daniel Bender (Bass, Synthie), Oliver Heinrich (Gitarre, Synthie), Clemens Kluck (Gitarre, Gesang) und Florian Wienczny (Schlagzeug) und ihr Debütalbum könnte Menschen gefallen, die zu Hause Alben von Slut, Radiohead und Foals im Regal stehen haben.

    Hier kann man "Yesterday Shop", auf dem Charlotte Brandi von Me And My Drummer als Gastsängerin zu hören ist, als CD (13,-), LP (15,-) oder Download (8,-) bestellen.



    Mit ihren kunstvoll verzerrten Gitarren malen Yesterday Shop die Melancholie in allen Grautönen und schreiten ausgiebig das Spektrum zwischen laut und leise ab. Ein Sound, der in den 80ern kultiviert wurde, meist unter Shoegaze firmierte, bevor er zu Emo verkam und nun anscheinend seine Halbwertszeit so deutlich überschritten hat, dass er für dieses Debütalbum wieder frei verfügbar ist, ohne gleich in Klischeeverdacht zu geraten. Yesterday Shop jedenfalls haben keine Berührungs ängste, sind ausgiebig romantisch, brettern dann bei Bedarf los und reinigen so die Luft von jedem Kitsch. Ein denkbar einfaches Verfahren, das in diesem Fall aber nur so prima funktioniert, weil die fünf, die zum Teil noch nicht einmal das passive Wahlalter erreicht haben, nicht nur den Stimmungsaufbau beherrschen, sondern auch ein paar berückend eingängige Melodien geschrieben haben.
    (Musikexpress)


    yesterday shop geben einem eine totale überdosis an progpop, postrock- und shoegaze-zitaten und erschlagen einen förmlich damit. und genau darin liegt auch das problem an dem yesterday shop wie so viele andere deutsche bands leiden. zu viele ideen verwässern den fokus auf einen guten eingängigen popsong mit langzeitwirkung. das ist schade, denn yesterday shop haben richtig schöne gitarrenmelodien und tolle zitate die an explosions in the sky, broken social scene, die frühen tortoise oder auch the american dollar erinnern. die platte klingt von der produktion her ziemlich international, kristian kühl hat da einen ziemlich duften job gemacht, aber wo sind bitte die hooklines die mich mitreißen? sie schimmern zwar immer wieder durch, aber werden sogleich wieder zerstört, als habe die band um sänger und bandleader clemens kluck angst zu profan und kommerziell zu klingen. vorgetragene intellektuallität in den texten, ob echt oder erfunden, paart sich mit höchst anspruchsvollen indiepop-soundcollagen, die sich immer wieder in sich selbst verlieren und den catchy popsong links liegen lassen. da wundert es nicht, das diese hochbegabte band ihr album auf dem eigenen label veröffentlichen musste, den jeder a & r manager hätten ihnen gesagt: "hey jungs, das ist alles echt hohe kunst, aber ich hör die single nicht."
    und wer behauptet yesterday shop würden mit musikalischen konventionen brechen irrt. sie bauen die songs nach altbekannten indierock-mustern auf und lassen nur zu gerne einfach den refrain weg. dieses muster durchschaut man ein einigen stellen einfach zu schnell und kann sogar ziemlich nerven. gerade auch weil die ansonsten schöne melancholische gewandtheit einen immer wieder fast einfängt und songs wie "fat man and little boy", "winter act i" oder "we like chopin" in einem anderen eingängigeren arrangement das potential zu echten indiehits hätten.
    musikalisch müssen yesterday shop niemanden etwas beweisen. vielmehr haben sie das potential für eine der besten deutschen indie-progrock-bands und ich hoffe für sie das sie de einfachen popsong zukünftig mehr aufmerksamkeit schenken. dann kommt der große erfolg von selbst, darauf verwette ich meinen allerwertesten.
    (revolver club)



    Ladenöffnungszeiten von Yesterday Shop:

    27.04.13 MÜNSTER, Hans Dampf Festival
    02.05.13 BERLIN, About Blank (Trickser Labelabend)
    25.05.13 FREYBURG, Dionysos Calling Festival
    01.06.13 MANNHEIM, Maifeld Derby Festival
    04.06.13 MAINZ, SchonSchön
    06.06.13 JENA, Café Wagner
    07.06:13 REUTLINGEN, Franz K.
    11.06.13 HANNOVER, Café Glocksee
    22.06.13 KÖLN, Artheater (GetAddicted Party)

  • Die 10 besten Platten von Creation Records

    10. Teenage Fanclub "Thirteen"
    9. Primal Scream "Screamadelica"
    8. Slowdive "Souvlaki"
    7. The Boo Radleys "Giant Steps"
    6. Adorable "Against Perfection"
    5. Ride "Going Blank Again"
    4. My Bloody Valentine "Loveless"
    3. The House Of Love "The House Of Love"
    2. Oasis "Definitely Maybe"
    1. Oasis "(What's The Story) Morning Glory"

    (ausgewählt von Dirk)