Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

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Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • 10 Schallplatten, die uns gut durch den Juli bringen

    10 Schallplatten, die uns gut durch den Juli bringen


    10. dEUS - The Ideal Crash (2 LPs, 20th-Anniversary-Edition, remastered) (5.7.2019)










    9. Hot Chip - A Bath Full Of Ecstasy (2 LPs, 180g, Limited-Edition, Crystal Clear Vinyl) (21.6.2019)











    8. Thom Yorke - Anima (2 LPs) (19.7.2019)











    7. Kaiser Chiefs - Duck (LP) (26.7.2019)











    6. The Bluetones - The Singles (2 LPs, Blue Vinyl) (19.7.2019)











    5. Prince - Originals (2 LPs, CD, Deluxe-Edition, Purple Vinyl) (19.7.2019)











    4. Primal Scream - Velocity Girl / Broken (Single 7", Indie Retail Exclusive) (5.7.2019)











    3. The Flaming Lips - King's Mouth (LP) (19.7.2019)










    2. Darren Hayman - 12 Astronauts (LP) (19.7.2019)










    1. Enno Bunger - Was berührt, das bleibt (LP) (26.7.2019)













  • Hot Chip - A Bath Full Of Ecstasy

    Hot Chip - A Bath Full Of Ecstasy


    Fangen wir mit den schlechten Nachrichten an: erschreckend scheußliches Albumcover, Auto-Tune verseuchter Titelsong, größtenteils maue Plattenkritiken in Deutschland (Kostproben weiter unten) und dann verstarb mit Philippe Zdar (Cassius, Phoenix, Two Door Cinema Club, Franz Ferdinand) noch einer der beiden Produzenten zwei Tage vor der Albumveröffentlichung.

    Die gute Nachrichten direkt hinterher: nach mehr als vier Jahren Wartezeit gibt es mit „A Bath Full Of Ecstasy“ endlich wieder ein neues Album von Hot Chip, die im Dezember noch einmal zu zwei Konzerten nach Deutschland zurück kehren werden (03.12.19 Berlin, Columbiahalle und 11.12.19 Hamburg, Docks), dem zweiten Produzenten, Rodaidh McDonald (The xx, The Horrors, Vampire Weekend), geht es gut, und im englischsprachigen Raum sind die Plattenkritiken sehr viel wohlwollender, so dass Metacritic mit 83/100 Punkten die höchste Durchschnittsbewertung aller sieben Hot Chip Alben notiert.




    Es ging bei den Briten ja immer auch um den Sound der Exzentrik, A BATH FULL OF ECSTASY kommt nun einem Besuch in der Waschstraße gleich, die Songs eingeseift, durchgespült. Euro-Disco unter der Dusche?
    Der Titeltrack schwimmt in Auto-Tune und mutlosen Keyboards, eher Ballade auf Chip Lite als eindrucksvolles Pop-Statement, das man sich von dieser Band wünscht. Die vielen subtilen Effekte und Verzerrungen helfen nicht aus der Not. Bombast war selten ein guter Helfer. Philippe Zdar hat Hot Chip laut Aussage der Band mehr Luft verschrieben, dazu gehörte der Einsatz eines Hallgerätes. In diesem Hall ist der Band erstmals im Laufe der letzten 15 Jahre der Fokus verloren gegangen.
    (musikexpress)




    Völlig handzahm erleben wir auf „A Bathful Of Ectasy“ Vocoder-Gesangsausflüge in die ganz kuschelige Ecke, blubbern Beats after-work-bar-tauglich aus teurer Laptop-Software und klimpern Synthie-Melodien Erhabenheitsmomente, um den Hörern zaghafte Raise-The-Roof-Handbewegungen zu entlocken.
    Einen Song wie „Shake A Fist“ von ihrem besten Album „Made In The Dark“, der wagt, der spinnt, der sich austobt und eigene Dynamiken entwickelt:
    Derartiges ist von den lammfromm gewordenen Hot Chip um’s Verrecken nicht mehr zu erwarten. Man höre sich einen solchen Song als direkten Vergleich zum jetzigen Kram an.
    (musikblog)




    "A Bath Full Of Ecstasy" beginnt mit "Melody Of Love" erschreckend platt: Es ist ein dumpf anmutendes Stück, das zart beginnt und sich stetig zu einer technoiden, bombastischen und überproduzierten Stadionhymne entwickelt, in die etwas unmotiviert ein Gospelsample eingefädelt ist. Auch die bereits vorab veröffentlichte Single "Hungry Child" überzeugt vor allem durch das dazugehörige sehr innovative Video und weniger mit der Musik.
    Der im Popgeschäft überstrapazierteste Soundeffekt der letzten Jahre, Autotune, wird ebenfalls eingesetzt, dankbarerweise aber nur auf dem Titeltrack. Verstehen wir es als Hinweis darauf, dass Hot Chip auch nach 20 Jahren im Musikgeschäft nicht bei sich selbst stehengeblieben sind, sondern wissen, wie Popmusik heutzutage funktioniert. Es ist aber auch ein Fingerzeig darauf, dass Hot Chip so etwas nicht brauchen und anders funktionieren als die anderen.
    (BR)



  • Kate Tempest - The book of traps and lessons

    Kate Tempest - The book of traps and lessons



    Spätestens seit Kate Tempests starkem Konzert freute ich mich bereits auf ihr neues Album. Als bekannt wurde, dass Rick Rubin als Produzent fungiert, wurden meine Erwartungen noch ein Stück weiter gesteigert. Vor allem die treibenden Songs der Londonerin hatten mit es bislang angetan. Und Rick Rubin steht u. a. für seine Arbeit mit Run DMC und den Beastie Boys.

    Im ersten Moment überraschte mit das neue Album "The book of traps and lessons": Wie auf ihren Album zuvor, erzählt Tempest Geschichten aus ihrem Leben und sie klagt an. Doch während auf "Everybody down" und "Let them eat chaos" im weiteren Sinne noch als Hip Hop-Alben durchgingen, hat sich Kate Tempest nun offensichtlich auf ihre Spoken Word-Wurzeln konzentriert.  Bekanntlich starte sie ihre Karriere bei Poetry Slams. Eigentlich machte Rich Rubin also das, wofür er in den letzten Jahren häufig stand: Reduzieren.

    Doch auf dieser Weise kann Tempest ihre Stärke ausspielen. Selbst mit Worten allein gibt sie einen Rhythmus mit, dem sich der geneigte Hörer nicht entziehen kann. Analog zu "Literatur ist Kopfkino" transportiert Kate Tempest Beats allein mit Worten.

    Das erkennt auch The Guardian:
    By the time, six songs in, Too Late turns out to be entirely spoken word, the absence of any backing barely registers.

    She’s moved on lyrically too. Where she previously chronicled the hopes and fears of austerity Britain through the lives of various characters, The Book of Traps... is at once both more personal and more optimistic. She addresses the normally unspoken toxic relationship between love and power, most notably on I Trap You, and the shadow of Brexit looms large. And yet amid the bleakness there are regular countervailing flashes of positivity, never more so than on closer People’s Faces, which over five uplifting minutes takes us from lamenting that “my country’s coming apart” to the observation that “there is so much peace to be found in people’s faces”. It’s a touching end to an always thought-provoking record.

    "The book of traps and lessons" wurde in einem Lauf aufgenommen. Und so gehört es auch angehört. Als Highlights nenne ich trotzdem "Keep moving don't move", "Three sided coin", "Holy elixir" und "People's faces".

    "Firesmoke":


    "Holy elixir":


    "People's faces":


    Kate Tempest live:
    • 03.08. Diepholz (Festival)
    • 24.10. Köln
    • 29.10. Berlin
    • 01.11. Hamburg
  • Fruit Bats - Gold Past Life

    Fruit Bats - Gold Past Life


    Bei den aktuellen Temperaturen fühlt man sich teilweise auch wie ein Rotwild am Palmenstrand. Und schon sind wir bei „Gold Past Life“, dem aktuellen und achten Album der Fruit Bats angekommen (je nach Zählweise (Mini-, Live-, Soloalben) kann die Anzahl auch etwas variieren). Eric D. Johnson gründete die Band, deren kreativer Kopf und einziges permanentes Mitglied er ist, 1997 und spielte zwischenzeitlich auch Gitarre bei Califone oder The Shins. 

    Die musikalisch Reise führt Johnson nicht an einen sonnigen Palmenstrand sondern ist ein nostalgischer Trip zurück in die 70er Jahre. Der Mann mit dem weichen Gesang präsentiert uns entspannten Folkrock, der mal wie eine Mischung aus John Lennon und den Bee Gees klingt („Gold Past Life“) oder einen an Supertramp, Neil Young oder Fleetwood Mac denken lässt. 

    Produziert wurde „Gold Past Life von Thom Monahan (Neko Case, Devendra Banhardt, Pernice Brothers, Vetiver) und ist in der limitierten Auflage als aqua-farbenes Vinyl mit zusätzlicher 7’’ mit den Non-Album-Songs „Shane“ und „Getting In A Van Again“ erhältlich. Metacritic steht aktuell bei stolzen 82/100 Punkten 




    As good as the album sounds, though — and it sounds especially good on headphones. under the helm of producer Thom Monahan, who’s historically known how to put an atypical sonic spin on acoustic-leaners from Neko Case to Devendra Banhart — it’s as a lyricist where Johnson is really peaking here. There won’t be many albums in 2019 with as many quotable, cut-to-the-marrow lines as this one has.
    (Variety)

    Nostalgic throughout, yet often more affectionate than bittersweet, Gold Past Life represents another consistently strong set from Johnson, one with melodies and sentiments that linger.
    (All Music)

    While there are plenty of musical rabbit holes to go down here, there are also some little lyrical nuggets to let us know that Johnson seems to be at least partially aware of the various conceits he is peddling, and that we shouldn't necessarily be overthinking any of this stuff.
    (PopMatters)




  • Tunng - Magpie Bites And Other Cuts

    Tunng - Magpie Bites And Other Cuts


    Über die Urteile zu ihren Alben bei Platten vor Gericht können sich Tunng wirklich nicht beschweren, auch wenn das Debütalbum „Mother’s Daughter And Other Songs“ (2005) irgendwie keine Vorladung erhalten hat. Da war es (neben dem verdienten Lohn) nur ausgleichende Gerechtigkeit, dass „Comments Of The Inner Chorus“ (8,500 Punkte) 2006 zum Album des Jahres gekürt wurde. 
    Nachdem dann „Good Arrows“ (2007; 7,500 Punkte), „…And Then We Saw Land“ (2010; 7,417 Punkte) und „Turbines“ (2013; 6,900 Punkte) leicht absteigende Tendenz zeigten, konnte zuletzt „Songs You Make At Night“ (2018; 8,0625 Punkte) wieder die 8-Punkte-Marke durchbrechen und das Siegertreppchen mit Platz 3 erklimmen.

    Mit solchen Referenzen ausgestattet, darf auch eine Compilation wie nun „Magpie Bites And Other Cuts“ sich mit aktuellen Veröffentlichungen messen und in das Rennen um das Album des Jahres 2019 einsteigen. Tunng haben in ihrer Archiven gewühlt und elf B-Seiten, rare Singles sowie Hidden Tracks zusammengetragen, neu abgemischt und auf limitierten Tonträgern veröffentlicht: „Magpie Bites And Other Cuts“ ist ab dem 28. Juni als Doppel-CD (mit 9 zusätzlichen Songs) bzw. Doppel-LP (clear Vinyl) erhältlich.

    Fans und Sammler können sich also nun endlich über „Bank Holiday“ und „Heatwave“ (erhältlich bisher nur als 7’’ in der limitierten Auflage von „Songs You Make At Night“) oder das großartige „The Pioneers“-Cover, das im Original von Bloc Party stammt und 2006 als EP veröffentlicht wurde, oder „Band Stand“ und „Bodies“, die (unverständlicher Weise) nur auf der limitierten CD-Version von „Comments Of The Inner Chorus“ zu finden waren, oder „Magpie Bites“, eine Single, die zwischen den ersten beiden Alben erschienen war, freuen. Alle anderen erhalten ein in sich stimmiges Album von Tunng, das so gar nicht nach mit dem Makel einer qualitativ nicht so hochwertigen B-Seiten-Zusammenstellung behaftet ist.






  • Two Door Cinema Club - False Alarm

    Two Door Cinema Club - False Alarm


    Eine gute Woche für Fans des luftig-elektronisch-tanzbaren Indiepops mit 8oer Jahre Pastiche! Denn neben „A Bath Full of Ecstasy“ von Hot Chip kommt auch das vierte Album von Two Door Cinema Club in die Plattenläden. Und wie es sich für ein Trio mit Farbkonzept gehört, steht dort die Schallplatte wahlweise als blaues, rotes oder gelbes Vinyl.

    Der Zahl Drei blieben Alex Trimble, Kevin Baird und Sam Halliday auch bei der Wahl ihres Produzenten treu und verpflichteten erneut Jacknife Lee (R.E.M., U2, The Killers, Editors, Bloc Party), der auch schon für „Beacon“ (2012) und „Gameshow“ (2016) verantwortlich war. Bei Metacritic thront „False Alarm“ aktuell mit 73/100 Punkten über den drei Vorgängern.

    Da ist es nur logisch, wenn wir, Hot Chip aussparend, mit The Human League, Phoenix und Tame Impala drei Bands nennen, die auf einer Playlist den aktuellen Two Door Cinema Club musikalisch sehr schön einrahmen könnten und zum Anhören die Songs „Satellite“, „Talk“ und „Once“ zeigen:




    Der Opener "Once" eifert MGMT und Passion Pit nach, erreicht aber nie deren angenehm-überbordenden Esprit, der Closer "Already gone" ist mit dem Falsett-Gesang eher ermüdend. Der wilde Disco-Groove von "Talk" dagegen weiß durchaus zu begeistern, genauso wie das kurze, aber spaßige "Break". Vor allem aber "Nice to see you", mit wummerndem Boom-Bap-Beat und einer zum Tanzen animierenden Bassline, sticht als Highlight heraus.
    (Plattentests)




    (…) Dabei gibt es durchaus interessante Momente auf „False Alarm“. Da wäre zum Beispiel das zweiminütige „Break“. Mit verzerrten Gitarren, fluffigem Beat, einer gehörigen Portion Zurückgelentheit und dem offensichtlichen Fehlen einer Struktur tröpfelt der Song so vor sich hin und schafft es in seiner Kürze tatsächlich die Mauer einzureißen, die man eigentlich schon zwischen sich und „False Alarm“ aufgebaut hatte.
    Hier geht das Konzept auf und statt purer Reproduktion werden die Achtziger hier mit der Moderne gekreuzt. Aber dann kommt schon wieder dieser Disco-Beat auf der Autobahn um die Ecke und rast zu „Dirty Air“ mit unaufhaltbarer Geschwindigkeit Richtung Depeche Mode und verpestet die Luft.
    (Musikblog)




    Schon mit den ersten Takten reißt das Trio so stark an der Leine der Discokugel, dass diese genau so auch in Tausende Scherben zersplittern könnte. Mit ihren leicht penetranten Kopfstimmen und einer ordentlichen Portion 80s-Synthesizern steigt hier die Party ganz ohne Umschweife. Von diesem alles andere als schlichten Disco-Anstrich kommen die Nordiren dann auch die gesamten 10 Songs nicht mehr weg, da sollte man also besser auf toupierte Haare und knallbunte Klamotten stehen, um sich nicht schnurstracks wieder in den Nachtbus nach Hause setzen zu wollen. Für die besonders gute Laune erprobt sich “Satisfaction Guaranteed” an versetzten Gesangsfiguren, “So Many People” macht dann mit den Hand Claps weiter, “Break” ist der gemütliche Schunkler, bei dem Pärchen ihre angestaute Energie in romantisches Kuscheln entladen können. Etwas moderner wird es nur in den Vocoder-Experimenten von “Think” und dem kleinen Rap-Einschub in “Nice To See You”, das mit seinen Cowbells und dem groovy Gesang generell heraus sticht.
    (Minutenmusik)



  • Aurora - A Different Kind Of Human - Step 2

    Aurora - A Different Kind Of Human - Step 2


    Die guten Nachrichten zuerst: Wie angekündigt lässt die norwegische Sirene Aurora Aksnes ihrem im letzten September veröffentlichten „Infections Of A Different Kind - Step 1“ nun tatsächlich den zweiten Teil folgen. Und das etwas abweichend mit „A Different Kind Of Human - Step 2“ betitelte Album zeigt sich spendabler als Teil Eins: Einerseits werden den Fans 11 Songs geboten, und damit 3 Lieder mehr als zuvor, andererseits gibt es, anders als beim nur digital erhältlichen „Infections Of A Different Kind - Step 1“, eine physische Veröffentlichung als CD und LP auf blauem Vinyl. 

    Und nun zu den nicht ganz so guten Nachrichten: Zum einen setzt Aurora nun ausschließlich auf tanzbare bis bombastische Electro-Pop-Hits wie „Animal“ oder „Daydreamer“ und lässt versponnene, experimentellere Titel (wie „The Seed“) ziemlich außen vor, wodurch „A Different Kind Of Human - Step 2“ im Vergleich zum Vorgänger deutlich an Variantenreichtum und Abwechslung einbüßt. Nur „In Bottles“ lässt noch einmal den vom Vorgänger bekannten Männerchor auftreten, so dass es ein Mehr an Robyn, Lorde oder Billie Eilish und ein Weniger an Björk und Enya zu konstatieren gilt. 
    Zum anderen ist die im letzten Jahr versprochene physische Veröffentlichung von „Infections Of A Different Kind - Step 1“ bisher nicht erfolgt. 




    Opener The River may start like County Donegal’s new-age megastar, all featherlight vocals and soft atmospherics, but it soon blossoms into a thundering electro-pop stomper about the catharsis of emotional release, with Aurora’s not inconsiderable wail multi-layered like a distant choir. The Seed leans on the drum-beating histrionics of early Florence + the Machine but marries it to a clanking industrial beat and a lyric based on the indigenous American saying, “you cannot eat money”, which forms the festival-ready chorus. Apple Tree, meanwhile, cloaks Aurora’s voice in a toybox full of effects, offering up a darker-hued take on electro-pop that sounds like the Knife had they got out a bit more.
    (The Guardian)




    Opener ‘The River’ is a festival-ready electro-pop banger, and a Trojan Horse calling for people to be more open with their emotions, rather than fearing the stigma of vulnerability. ‘Animal is an arena anthem, too – one that asks the listener to lose themselves to instinct. There’s more of a widescreen and cinematic scope to the thunderous drums and soaring vocals of ‘The Seed’, as Aurora warns that “you cannot eat money – oh no” in a cry for us to focus more on love, nature and the bare necessities.
    Opener ‘The River’ is a festival-ready electro-pop banger, and a Trojan Horse calling for people to be more open with their emotions, rather than fearing the stigma of vulnerability. ‘Animal is an arena anthem, too – one that asks the listener to lose themselves to instinct. There’s more of a widescreen and cinematic scope to the thunderous drums and soaring vocals of ‘The Seed’, as Aurora warns that “you cannot eat money – oh no” in a cry for us to focus more on love, nature and the bare necessities.
    (NME)






  • Patrick Krief - Dovetale

    Patrick Krief - Dovetale


    Murray Lightburn, Kopf der kanadischen Band The Dears, hat, seine Mitmusiker betreffend, eine recht hohe Verschleissquote: 1995 gründete er seine Band und aktuell stehen Natalia Yanchak, die gleichzeitig seine Frau ist, und Jeff Luciuani mit ihm im Lineup. Die Liste mit ehemaligen Bandmitgliedern ist deutlich länger und führt 17 Personen auf, von denen eine Patrick Krief ist. Von 2003 bis 2008 und von 2010 bis 2015 war er Mitglied bei The Dears und damit als Gitarrist und Co-Autor in die Entstehung fast aller ihrer Alben involviert. 

    Dovetale“ ist nach dem düster/verzweifelten Doppel-Album „Automatic“ (2016) sein zweites Solowerk, das, entstanden in der Honeymoon-Zeit seiner noch jungen Ehe, deutlich positiver ausgefallen ist. Der in Montreal lebende Krief zieht seine Einflüsse aus Rock, Pop und Folk der 60er/70er Jahre (John Lennon, ELO, George Harrisson, Leonard Cohen) und hat das Album im Alleingang eingespielt.  „Take The Night“ könnte so auch auf jedem Album von The Dears zu finden sein, während „Osaka“ mit asiatischen Klängen und, wie einige andere Songs auch, mit Falsett-Gesang zu überraschen weiß.




    The album explores the wonderment that comes with the first blush of new love (without being too maudlin about it) as well as some of the insecurities that come with blossoming relationships. Musically, Krief indulges in lush strings and layers of melodic guitars, yet he also scaled back the dense arrangements that he feels he’s been hiding behind, highlighting an impressive vocal range — from a masterful falsetto to a half-sung baritone reminiscent of Leonard Cohen.
    (Glide Magazine)




    Patrick Krief (mit Madison Violet) unterwegs:

    08.11.19 Landau in der Pfalz – Altes Kaufhaus
    09.11.19 Esslingen-Oberesslingen – Dieselstrasse
    10.11.19 Isernhagen-Kircher Bauernschaft – BLUES GARAGE
    11.11.19 Lochwitz – Bühne im Weidengrund
    12.11.19 Fürth – Kofferfabrik
    13.11.19 München – zehner
    14.11.19 Heimbrechts – Textilmuseum Helmbrechts
    15.11.19 Heimbrechts – Textilmuseum Helmbrechts
    17.11.19 Wawern – Synagoge
    18.11.19 Düsseldorf – Christuskirche
    19.11.19 Aachen – Förderverein Freunde vom Franz
    20.11.19 Krefeld – Südbahnhof
    22.11.19 Lahr – Schlachthof
    23.11.19 Frankfurth An Der Oder – Transvocal Festival
    26.11.19 Berlin – Privatclub




  • The Head And The Heart - Living Mirage

    The Head And The Heart - Living Mirage


    Mehr eingängige Melodien zu Nah Nah Nah-Chören („Missed Connection“), mehr moderne Hip Hop-Beats („Honeybee“) und noch mehr glatt polierter und konturloser Folk-Pop fürs Radio, der mal an Bruce Hornsby trifft Bruce Springsteen („Living Mirage“, „Running Through Hell“), mal an Fleetwood Mac trifft Mumford & Sons („Up Against The Wall“) erinnert.

    The Head And The Heart setzen ihren auf „Signs Of Light“ (2016) eingeschlagenen Weg fort und versuchen sich als Top Ten-Album-Band zu etablieren. Jedoch konnte das Sextett, dass den Abgang von Gründungsmitglied Josiah Johnson durch die Rückkehr von Keyboarder Kenny Hensley und die Aufnahme von Matt Gervais (Ehemann von Sängerin/Violinistin Charity Rose Thielen) zu kompensieren versucht, nicht den Erfolg des Vorgängers wiederholen. Nach Platz 5 für „Signs Of Light“ erreichte „Living Mirage“ nur Rang 16 in den US-Charts. 

    Bei Platten vor Gericht sind bisher folgende Wertungen für The Head And The Heart verbucht: „The Head And The Heart“ (7,233 Punkte; 2011), „Let's Be Still“ (7,25 Punkte; 2013) und „Signs Of Light“ (6,75 Punkte; 2016). Wie wird „Living Mirage“ nun abschneiden?




    Von sacht-gezupften und sanft-angeschlagenen Gitarren haben The Head And The Heart ihre Kompositionen auf Tasteninstrumente verlagert, immer wieder klingen Synthies und Orgeln durch, die Hauptarbeit leistet aber das Klavier. Eine ihnen eigene musikalische Sprache hat die Band schon mit "Signs of light" aufgegeben, stattdessen eignen sie sich verschiedene andere Band-Sounds an. In "Honeybee" erinnern sie an Lukas Graham, "Running through hell" klingt wie ein Cover eines The-War-On-Drugs-Songs und mit dem selben überbordenden Esprit, den einst Fun. an den Tag legten, singt Sänger Jonathan Russell in "I found out": "I found out it's not the love that's in your mind / It's the love that you might find / It's gonna save our lives." Beim Hören sieht man vor dem inneren Auge schon die mitgrölenden Fans bei Konzerten der Band und erwischt sich beschämt sogar selber beim Mitsummen.
    (Plattentests)




    Als absolutes Highlight des Albums entpuppt sich „Running Through Hell“, das wie kein anderer Song des Albums in der amerikanischen Songwriter-Tradition der Seventies, aber mit beiden Beinen exakt im Hier und Jetzt steht. Auch das geschmeidige, mit viel Pop-Appeal ausgestattete, hymnische „Up Against The Wall“, das an die besten Zeiten von Stevie Nicks erinnernde „I Found Out“ sowie der ekstatische Titeltrack „Living Mirage“ zünden beim ersten Hördurchgang, Ein Neuanfang für The Head And The Heart wie er intensiver nicht hätte ausfallen können.
    (Sounds and Books)





  • Madonna - Madame X

    Madonna - Madame X


    10 Fakten zum neuen Album von Madonna:

    1. „Madame X“ ist das neue Alter Ego von Madonna: „Madame X is a secret agent. Traveling around the world. Changing identities. Fighting for freedom. Bringing light to dark places. She is a dancer. A professor. A head of state. A housekeeper. An equestrian. A prisoner. A student. A mother. A child. A teacher. A nun. A singer. A saint. A whore. A spy in the house of love.“ 
    In den unterschiedlichen Covern spiegelt sich die wandlungsfähige Geheimagentin nur bedingt wieder, denn nahezu alle Versionen zeigen das oben zu sehende Foto. Nur die „Limited Deluxe Hardcover 2CD“ und die „Limited Deluxe Kassette“ zeigen das Cover mit Gitarrenhals. Die Utensilien der „Limited Deluxe Box“ stecken in einer Box, die ein Portrait von Madonna mit blonden Haaren und Kopftuch zeigt.



    2. Den Spitznamen „Madame X“ bekam Madonna bereits mit 19 Jahren von ihrer Tanzlehrerin Martha Graham verpasst: "I'm going to give you a new name: Madame X. Every day, you come to school and I don't recognize you. Every day, you change your identity. You're a mystery to me." 

    3. „Madame X“ ist das 14. Album von Madonna, das seit heute in den Plattenläden steht und 4 Jahre, 3 Monate und 8 Tage nach „Rebel Heart“ (2015) erscheint - so lang, nämlich 1561 Tage, mussten Madonna-Fans noch nie auf ein neues Album von ihr warten.




    4. 15 Songs in 56:01 Minuten bietet „Madame X“. Neben den regulären Versionen (CD, 2LP) gibt es zahlreiche limitierte Auflagen käuflich zu erwerben: Die bereits angesprochenen „Limited Deluxe Hardcover 2CD“ mit 32-seitigem Booklet und 3 Bonus-Tracks („Funana“, „Back That Up To The Beat“ und „Ciao Bella“) und „Limited Deluxe Kassette“ sowie die „Limited Clear 2LP“.

    5. Wer noch tiefer in die Tasche greifen möchte, kann die „Limited Rainbow Picture Disc 2LP“ für rund 45€ oder das „LimitedDeluxe Box Set“ für rund 65€ erwerben. Dieses enthält: Spezial angefertigte „Custom Box“, Deluxe 2CD (insg. 18 Tracks), Kassette mit 13 Tracks, 7 inch Picture Disc (I Rise), beidseitiges Poster und Tattoo Sheet.




    6. Als Singles wurden bisher „Medellín“ und „Crave“ ausgekoppelt. Keine der Singles konnte sich in den USA oder in Deutschland in den Charts platzieren. Für „Medellín“ reichte es im vereinigten Königreich zu Platz 87 und Rang 37 in Italien ist die höchste registrierte Chart-Position. Der letzte Top Ten Hit in den USA und Deutschland liegt für Madonna 7 Jahre zurück: „Give Me All Your Luvin“ (USA #10, D #8). Die letzten Nummer Eins-Singles waren „Music“ (2000, USA), „Hung Up“ (2005, D und UK).




    7. Als Gastsänger hören wir auf „Madame X“ Maluma („Medellín“, „Bitch I’m Loca“), Quavo („Future“), Swae Lee („Crave“) und Anitta („Faz Gostoso“).

    8. Die meisten Songs produzierte Madonna gemeinsam mit dem französischen Produzenten Mirwais, mit dem sie auch schon auf „Music“, „American Life“ und „Confessions On A Dancefloor“ kooperierte. Weitere beteiligte Produzenten waren Diplo (Britnes Spears, Shakira, Justin Bieber), Mike Dean (Kanye west, Travis Scott), Jason Evigan (Maroon 5, David Guetta) oder auch Jeff Bhasker (Lykke Li, Mark Ronson, Kanye West).

    9. Die gute Nachricht zuerst: Madonna wird auf „Madame X“ Tour gehen. Die schlechten Nachrichten: Sie machten einen Bogen um Deutschland und besucht nur Lissabon, London und Paris für insgesamt 31 Konzerte, die nahezu komplett ausverkauft sind - es sei denn, man ist bereit mehrere Hundert Euro für einen Sitzplatz auszugeben.

    Wenn Madonna sich also auf einigen Stücken von "Madame X" einen kurios vernuschelten Trap-Rap-Singsang mit Autotune-Effekt aneignet, wie es im aktuellen afroamerikanischen Pop gerade üblich ist, dann entlarvt sich diese altgediente Methode des kulturellen Samplings als anmaßend und überholt, wenn nicht gar lächerlich. (…)
    Das Latin-Setting passt nicht zu den afrikanischen Chants und "Hallelujah"-Chören von "Batuka", die altmodischen Disco-Streicher und Talkbox-Effekte von "God Control" nicht zum überbetont jugendlichen R&B-Pop von "Crazy", die Milf-Anzüglichkeiten von "Bitch, I'm Loca" ("You can put it inside") nicht zu den gesellschaftspolitischen Anwandlungen von "Killers Who Are Partying“. "I'll be Africa/ If Africa ist shot down", singt Madonna darin, "I'll be poor/ If the poor are humiliated" oder "I'll be Israel/ If they are incarcerated". Was soll es bedeuten? Vielleicht nicht viel mehr als das banale "Wild is the world", das im Refrain auf Spanisch gesungen wird, damit es mondäner klingt. Souverän wirkt Madonna 2019 nur noch im Selbstzitat, im nostalgischen "Vogue"-House von "I Don't Search I Find“.
    (Spiegel)

    10. „Madame X“ in der Plattenkritik: Laut Metacritic ist ihr aktuelles Album ihr drittbestes in diesem Jahrtausend: „Music“ (2000, 80/100), „American Life“ (2003, 60/100), „Confessions On A Dancefloor“ (2005, 80/100), „Hard Candy“ (2008, 65/100), „MDNA“ (2012, 64/100), „Rebel Heart“ (2015, 68/100) und „Madame X“ (2019, 77/100).

    Madonna mischt auf ihrem 14. Album alle möglichen Stile, Zitate und Kulturen. Auch wenn sie in „I Don’t Search I Find“ noch einmal mit ihrer „Vogue“-Phase flirtet: Aus der Queen Of Pop ist die Queen Of World Pop geworden, die in ihrem Königreich Platz für viele andere Künstler hat.
    Ihre Feature-Artists Maluma, Swae Lee, Quavo von den Migos und Anitta sind alle 30 bis 40 Jahre jünger als Madonna, aber sie lässt sie gelten, wenn sie mit Anitta in „Faz Gostoso“ brasilianische Party-Vibes beschwört oder mit Rapper Quavo in „Future“ nach vorne blickt. „People tell me to shut my mouth“, schimpft Madonna in „Dark Ballet“ und tut es natürlich nicht. Stattdessen rebelliert sie weiter gegen sämtliche Konventionen, wie man mit 60 zu sein und zu klingen hat.
    (musikexpress)


  • Foreign Diplomats - Monami

    Foreign Diplomats - Monami


    Befreiung von der Gerichtsbarkeit? Wo kämen wir denn da hin? Da können sich die Foreign Diplomats, also Élie Raymond (Gitarre, Gesang), Antoine Lévesque-Roy (Bass), Thomas Bruneau Faubert (Synthesizer) , Charles Primeau (Gitarre) und Emmanuel Vallieres (Schlagzeug), noch so oft auf ihre diplomatische Immunität berufen. Völkergewohnheitsrechtlichen Gepflogenheiten hin, Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen her - für „Monami“ muss sich das Quintett aus Montréal genau so hier vor Gericht verantworten wie für sein Debütalbum „Princess Flash“, das vor zwei Jahren mit 6,125 Punkte bedacht wurde.

    Mit Hilfe des Produzenten Jace Lasek (Wolf Parade, Patrick Watson, Sunset Rubdown) entstanden 11 Songs, die zwischen tanzbarem, energetischem Indierock und verschnörkeltem Indiepop pendeln, und, wie die Singles „Road Wage“, „Adopted Hometown“ und „Charger“ belegen, auf ein besseres Gesamturteil hoffen lassen:




    Von Laurentians in Quebec aus, der Heimatstadt der fünf Musiker, hatten sie 2017 schon mit ihrem Debüt Princess Flash, die weltweite Indie-Szene überzeugt und unter anderem mit der Hitsingle Queens + Kings ein wahres Glanzstück hervorgebracht. Nicht anders starten sie nun mit dem neuen Opener der Platte, Road Wage, durch. Élie Raymond, der Kopf der Crew, schrieb den Song, als er gerade spät dran war. Genau rechtzeitig aber, um sich über die Nichtigkeit des Seins Gedanken zu machen. Eingehüllt in eine einprägsame Melodie, wirken die Lyrics schon fast hypnotisch. Fazit: Einfach nicht stressen lassen. Nach diesem Prinzip ist auch Charger aufgebaut. Ein Lovesong, der dazu einlädt ihn lauthals in das Gesicht der auserwählten Person zu brüllen. Dabei geht es in erster Linie aber darum, überhaupt zu lieben und sich in der Nähe von Dingen aufzuhalten, die einen inspirieren und glücklich machen. Ein weiteres Highlight ist Adopted Hometown, der erste Song, in den die Band einen Synthesizer einbaute, was geschickt die Ängste vor neuer Liebe, aber auch um die Höhen und das Vertrauen, die damit einhergehen, untermalt.
    (Bedroomdisco)




    (…) mit Indierock für moderate Leibesübungen.
    Das suggeriert nicht nur das grob gezeichnete Cover, sondern auch das Midtempo der meisten Songs. Musikalisch belassen es Foreign Diplomats durch die Bank bei den älteren Argumenten des Indierock, die mit den technischen Möglichkeiten von heute neu verpackt werden.
    Das klingt in Songs wie „You Decide (The Return Of)“ mal nach ihren Landsleuten von Arcade Fire, in „Amafula“ zusätzlich nach Future Islands und in „Frilu“ auch mal schwebend vielstimmig.
    „Questioning the value of original ideas/ But I’m falling apart/ And I can understand why/ You want the return of the queen“, singt Frontmann Élie Raymond im feierlich überschwänglichen „Tender Night“ – noch so ein Arcade-Fire-Stück.
    (Musikblog)




    Foreign Diplomats in diplomatischer Mission unterwegs:
    12.09.2019 Nürnberg, Club Stereo
    15.09.2019 München, Milla
    16.09.2019 Frankfurt, Brotfabrik
    17.09.2019 Dresden, Ostpol
    18.09.2019 Düsseldorf, Zakk
    20.09.2019 Berlin, Badehaus
    21.09.2019 Osnabrück, Kleine Freiheit




  • The Divine Comedy - Office Politics

    The Divine Comedy - Office Politics


    10 Fakten zum neuen Album von The Divine Comedy:

    1. Auf das letzte Album von The Divine Comedy, „Foreverland“ (2016), mussten wir mehr als 6 Jahre warten, nun sorgt Neil Hannon wesentlich schneller für Nachschub: „Office Politics“ erscheint 2 Jahre, 9 Monate und 5 Tage nach „Foreverland“. 

    2. Das zwölfte Album von The Divine Comedy ist das erste Doppelalbum in der Bandgeschichte. 

    3. Mehr als 13 neue Titel in 51:57 Minuten gab es zuvor noch nicht für Fans zu entdecken („Liberation“, 1993). Nun sind es auf „Office Politics“ 16 Songs in 60:51 Minuten. 

    4. Damit aber nicht genug, denn die Deluxe CD bietet mit „Swallows and Amazons - The Original Piano Demos“ 15 weitere, bisher unveröffentlichte Titel in 55:44 Minuten. Bei der Musik handelt es sich um Neil Hannons Original-Demos für die Bühnenmusik-Adaption von „Swallows and Amazons“, eine 2010 erstmals im Old Vic in Bristol aufgeführte Produktion. 

    5. Dann bleiben wir doch bei den zahlreichen Versionen von „Office Politics“: neben der besagten Deluxe CD gibt es die reguläre CD und Doppel-LP. Zudem ist die Schallplatte als „Limited Edition Coloured Vinyl LP on 2 x heavyweight 180g coloured vinyl in gatefold packaging“ erhältlich.

    6. Nur im Shop der Band erhältlich ist die „Limited Edition White Cassette“. Wenn man bis zum 13. Juni im Shop von The Divine Comedy bestellt, erhält man die Möglichkeit, einen von Neil Hannon signierten Mini-Synth zu gewinnen. Passend dazu werden im Song „The Synthesiser Service Centre Super Summer Sale“ aufgezählt. Hier ein Textauszug:

    We’ve Akai and Alesis, Arturia and ARP
    We’ve Emulator, Oberheim and Aries
    We’ve Minimoog and Polymoog and Moog Modular
    And our Moogerfooger envelopes are scary
    We’ve every Korg you’ll ever need, M1 to MS20
    We’ve Volca, Delta, Trinity and Triton
    There’s Prophecy and Odyssey and microKorgs aplenty
    There’s black and brown and grey and red and white ones
    You won’t believe the prices, you’ll be glad that you availed
    Of the Synthesiser Service Centre Super Summer Sale

    7. Und noch ein Textauszug, der die neue musikalische Ausrichtung auf „Office Politics“ recht gut wiedergibt, denn nach Morrissey, Pixies, The Stone Roses, My Bloody Valentine, Blur, The Cure und The Wannadies (sowie den Songs „Teinted Love“ und „Blue Monday“) im Song „At The Indie Disco“ wird vor weiteren Bands der Hut gezogen:

    Human League, OMD, Kraftwerk, Soft Cell, Japan, Eurythmics, Depeche Mode, Gary Numan, Heaven 17, Pet Shop Boys, Buggles, Ultravox, Yazoo, Art Of Noise, Blancmange, Thomas Dolby, Frankie Goes To Hollywood, Landscape, M, New Musik, Propaganda, Visage, Yello… 




    8. Der Opener „Queuejumper“ wurde im April als erster Vorbote für „Office Politics“ ausgeschickt. Im Mai folgte „Norman And Norma“ als zweite Auskopplung. Auf einen Top Ten Hit im Vereinigten Königreich warten The Divine Comedy seit 1999 („National Express“ erreichte Platz 8), auf das Erreichen der Single-Charts seit 2010 („At The Indie Disco“ kam auf Rang 173). Das Video zu „Norman And Norma“ stammt vom Regisseur Raphaël Neal, der auch für die Videos zu den drei Singles aus „Foreverland“ verantwortlich war:




    9. Metacritic hat Bewertungen für fünf Divine Comedy-Alben dieses Jahrtausends gesammelt (und dabei „Bang Goes The Knighthood“ (2010) übersehen) und kommt auf folgende Durchschnittswerte: „Regeneration“ (77/100, 2001), „Absent Friends“ (78/100, 2004), „Victory For The Comic Muse“ (67/100, 2006), „Foreverland“ (74/100, 2016) und „Office Politics“ (83/100, 2019).

    Hannon schiebt seinen Kammerpop an die Ecken und Enden des Genres, mal extraweit in die Klassik, mal in den Glamrock, mal in den Synthie-Pop der 80er. Vor allem aber inhaltlich, Stücke wie „Infernal Machines“ oder „Psychological Evaluation“ deuten eine finstere Epoche der Entfremdung an.
    Allzu ernst meint Hannon all das natürlich nicht, und so bleibt auch Platz für allerhand Blödsinn, nachzuhören in „The Synthesiser Service Centre Super Summer Sale“, das sich bei der Instrumentierung ausschließlich auf ebenjene verlässt, und in „Philip And Steve’s Furniture Removal Company“, eine kleine, von Wiederholungen geprägte Soundschleife über die Spedition, die die beiden wohl wichtigsten Komponisten der Minimalmusik gemeinsam betrieben. Herrlich.
    (musikexpress)

    10. The Divine Comedy verlassen ihr Büro und besuchen Deutschland. Das sind die Termine:
    23.10.19 Berlin, Admiralspalast
    24.10.19 Hamburg, Docks
    25.10.19 Köln, Live Music Hall




  • James Walsh - Tiger On The Bridge

    James Walsh - Tiger On The Bridge


    Herzlichen Glückwunsch zum 39. Geburtstag! James Walsh müsste nicht nur aufgrund seines heutigen Ehrentages ein glücklicher Mann sein, denn sein FC Liverpool gewann kürzlich die Champions League. 

    Glücklich dürfen sich auch die treuen Fans von James Walsh schätzen, denn 
    • der Musiker versprach denjenigen, die ihn, wie bereits bei seinem zweiten Soloalbum „Turning Point“ (2014), bei der Finanzierung von „Tiger On The Bridge“ via PledgeMusic unterstützen, ihre bestellten und bezahlten Artikel zukommen zu lassen, obwohl es fraglich erscheint, ob Walsh jemals Geld von PledgeMusic erhalten wird
    • einige Auserwählte durften bei den Aufnahmen des Albums in den renommierten RAK Studios in London anwesend sein und so hören wir am Ende des abschließenden „Glitch In The Machinery“ auch den tosenden Applaus der Anwesenden (einer formulierte vor Ort und mit musikalischer Untermalung von Walsh erfolgreich einen Hochzeitsantrag)
    • das Album (erhältlich als CD und LP) zeigt Walsh, der sich für die Songs besonders von Jackson Browne, Bon Iver, Neil Young und Van Morrisson inspiriert fühlte, in bester Singer/Songwriter-Verfassung. Die nun zu hörenden „Germaine“ und „Heavy Heart“ könnten (neben „Ida“) auch auf jedem Album von Starsailor bestehen und würden stilistisch vielleicht am besten auf deren beste Platte, „Love Is here“ (2001), passen:





    When I want melancholic music I have many albums I will turn to. Tiger On The Bridge will be one of those. And it will be so for many years to come. James Walsh has created an instant classic of it’s kind. An album full of character, love and emotion all wrapped up in perfect melody and musical excellence. If Sad Songs do say so much, James Walsh is the artist who proves it.
    (Tarka Blowpig Music)






  • Pip Blom - Boat

    Pip Blom - Boat


    Ein Fest für Freunde des Slacker- und Indie-Rocks der 90er Jahre zwischen Pavement und The Breeders feiert Pip Blom auf ihrem Debütalbum „Boat“. Oder sollte es nicht eher „feiern“ heißen? Denn neben der Sängerin und Gitarristin Pip Blom gehören auch Tender Blom (Gitarre, Gesang), Darek Mercks (Bass) und Gini Cameron (Schlagzeug) zur Band, die überraschenderweise nicht aus den USA sondern den Niederlanden stammt.

    „Feiern“ passt als Verb auf jeden Fall hervorragend zur Rezeption durch die Plattenkritiker. Obwohl man „Ab“ eigentlich noch als Vorsilbe bzw. Verbzusatz hinzufügen müsste. Metacritic sieht das Album aktuell bei stolzen 81/100 Punkten und weiter unten finden sich um die Videos zu den Singles „Daddy Issue“ und „Ruby“ viele lobende Worte aus dem deutschsprachigen Raum.  

    Boat“ liefert 10 Songs, die Fans der Band vielleicht nicht vollkommen glücklich zurück lassen werden, was jedoch nicht der Qualität der Lieder geschuldet ist, sondern vielmehr der Songauswahl: Denn Pip Blom veröffentlichte(n) 2016 bereits eine erste Single und brachte(n) kontinuierlich neue Songs heraus, so dass auch schon vor zwei Jahren ein Album mit „Truth“, „Misty From Heaven“, „Hours“, „Skippy Still Remains“, „Taxi Driver“, Honey“, „Alone“, „My Mind“, „Mundane“, „Babies Are A Lie“, „School“ und „I Think I’m In Love“ hätte erscheinen können. Seit 2018 folgten mit „Pussycat“, „Paycheck“, „Come Home“ und „The Shed“ weitere Songs, die das Debütalbum außen vor lässt. Auch von Jägern und Sammlern darf/dürfen Pip Blom somit frenetisch gefeiert werden.




    Das Quartett hat ein Händchen für Popsongs, die sich aus vielerlei Quellen speisen. Postpunk ist da durchaus zu nennen, vor allem aber Alternative Rock und Britpop der 90er-Jahre, aus Bloms klagendem, aber immer auch etwas erstauntem Gesang mag man eine Vorliebe für den Damon Albarn der Mittneunziger heraushören, die Gitarren krachen wie weiland bei den Breeders. Das Diktat der Melodie wird dabei aber immer wieder aufgebrochen.
    (musikexpress)




    Beliebig wird es trotz der Ähnlichkeiten zu anderen Indie-Rock-Acts der Gegenwart nie. Düstere, repetitive Passagen in „Tinfoil“ zum Beispiel lassen die, auch vom Cover beschworene, Fassade einer jugendlich-naiven Band von der Küste bröckeln.
    Es wird introspektiv und konspirativ, wenn der Bass im Hintergrund brütet und die natürlich übersteuernde Stimme Pip Bloms im Vordergrund das tut, was zwischen Säuseln und Protestieren liegt.
    „Boat“ ist wie so viele andere die Hoffnung eines längst geretteten Genres. Was die Gruppe allerdings von vielen ihrer Mitbewerber unterscheidet ist, dass sie weder aus dem Land des Grunge noch aus dem des Brit-Rock stammen.
    (musikblog)


    Pip Blom in Deutschland:
    16.06.2019 Duisburg - Traumzeit Festival
    08.09.2019 Berlin – Lollapalooza Festival

    09.09.2019 Berlin – Berghein Kantine

    10.09.2019 Hamburg – Molotow Musikclub

    27.10.2019 Köln – Helios 37

    28.10.2019 München – Mila Club



  • Psychedelic Porn Crumpets - And now for the whatchamacallit

    Psychedelic Porn Crumpets - And now for the whatchamacallit



    Vor einigen Wochen habe ich erstmals Crumpets selbst gebacken. Üblicherweise lassen sich diese englische Spezialitäten recht komfortabel kaufen und in den Toaster werfen. Aber anscheinend gab es Lieferengpässe und sie waren nirgends in der Umgebung zu bekommen. Aber, selbst ist der Mann und mit dem Ergebnis meines Experiments war ich zufrieden.

    Vor wenigen Tagen besuchte ich die aktuelle Interpol-Tour und die Vorgruppe machte mich alleine schon wegen ihres Namens neugierig: Psychedelic Porn Crumpets. Offensichtlich ist das Gebäck auch auf dem austalischen Kontinent bekannt und sogar in einer psychedelischen Porno-Variante erhältlich. Neben Tame Impala und King Gizzard & The Wizard Lizard klingt auch diese vornehmlich nach Gitarren-lastigem psychedelischen Rock. Anscheinend bietet Australien einen guten Boden für diese Art Musik.

    "And now for the whatchamacallit" ist der dritte Longplayer der Band aus Perth. Souverän verbinden die jungen Männer Psychedelic Rock der 70er Jahre mit Garage Rock und das alles mit einer Attitüde und Frisuren wie zu den Hochzeiten des Grunge. Das sollte doch für fast jeden Rock-Fan etwas dabei sein. Im Vergleich zu den bereits genannten Referenzen Tame Impala und King Gizzard & The Wizard Lizard wirken Psychedelic Porn Crumpets kompromissloser und frecher.

    "Bill's mandolin", "Hymn for a droid" und "Social candy" sind meine Anspieltipps für "And now for the whatchamacallit".

    "Hymn for a droid":

    "Social candy":


    Die Termine in Interpols Vorprogramm sind bereits gelaufen. Dieses Jahr stehen aber noch weitere Termine in Deutschland an:
    • 02.08. Beelen (Festival)
    • 02.11. Bremen
    • 05.11. Hamburg
    • 06.11. Berlin
    "Album der Woche" meint:
    Neben dem allgegenwärtigen Fuzz bietet der Psychedelic-Rock den zweiten Grundpfeiler in der musikalischen Ausrichtung der Band. So werden die stampfenden Riffs immer wieder von verspielten Einwürfen und Trillern unterbrochen, während Tracks wie „Native Tongue“ mit ihrer rhythmischen Verschrobenheit und verhallten Lyrics den 4-on-the-Floor-Beats einen Kontrapunkt entgegensetzen. Dass sich das Quartett bisweilen auch mal im psychedelischen Wunderland verirren kann zeigt „Digital Hunger“; letzten Endes entsteht aber gerade aus der Kombination von psilocybin-induzierter Planlosigkeit und straighter Gute-Laune-Parade jener einzigartige Stil, der „And Now For The Whatchamacallit“ als Ganzes zu einem Trip werden lässt; ungeplante Ausflüge mit inbegriffen.
  • Bleached - Don’t You Think You’ve Had Enough?

    Bleached - Don’t You Think You’ve Had Enough?


    Und weil gitarriger Indierock mit weiblichem Gesang so gut ist, folgt auf England und Australien bzw. Honeyblood und An Horse nun noch Bleached aus den Vereinigten Staaten.

    Nach „Ride Your Heart“ (2013) und „Welcome The Worms“ (2016) ist „Don’t You Think You’ve Had Enough?“ das dritte Album der Clavin-Schwestern (Jennifer (Gesang, Gitarre, Synthesizer), Jessica (Gitarre, Bass)) und wird am 12. Juli über Dead Oceans veröffentlicht. 

    Den rockigen Sound der beiden Vorgänger sucht man größtenteils vergeblich („Rebound City“), denn das Duo öffnet sich noch deutlicher dem Pop. Unterstützung erhalten sie dabei von ihrem Produzenten Shane Stoneback (Vampire Weekend, Sleigh Bells). „Kiss You Goodbye“ tänzelt leichtfüssig zu einem funky Beat, „Somebody Dial 911“ lässt die 80er Jahre hoch leben und die Single „Hard To Kill“ klingt wie eine Mischung aus Blondie und Peter, Bjorn & John. The Long Blondes und Weezer kommen mir beim Hören des Albums auch mehrfach in den Sinn.

    Don’t You Think You’ve Had Enough?“ ist als CD, Kassette und LP erhältlich. Schallplattenfreunde können neben der regulären schwarzen Platte auch black/red/brown tri-colored Vinyl oder cream Vinyl erwerben.









  • An Horse - Modern Air

    An Horse - Modern Air


    Weil ja gestern schon The Kills und Blood Red Shoes angesprochen wurden… Aus Brisbane, Australien, stammen An Horse, die mit ähnlicher Aufstellung und musikalischer Taktik ins Rennen um das Album des Jahres gehen: Ein Schlagzeuger (Damon Cox) und eine Sängerin/Gitarristin (Kate Cooper) sorgen für schrammelnden, treibenden und eingängigen Indierock. 

    Nachdem An Horse mit „Rearrange Beds“ (2010) und „Walls“ (2011) bereits zwei Alben veröffentlicht hatten und nahezu nonstop weltweit mit Tegan And Sara, Death Cab For Cutie, Silversun Pickups oder Nada Surf auf Tournee waren, mussten erst einmal eine Auszeit genommen, private Schicksalsschläge verarbeitet und die Reset-Taste gedrückt werden. Das Duo zog von Australien nach Montreal bzw. New York, blieb aber weiter in Kontakt und arbeitete an neuen Songs, die gemeinsam mit dem Produzenten Mike Sapone (Brand New, Taking Back Sunday) aufgenommen wurden und sowohl vielschichtiger als auch abwechslungsreicher klingen als noch auf ihren ersten beiden Alben. Daher kann „Modern Air“, das erneut bei Grand Hotel van Cleef veröffentlicht wurde, nicht nur Fans der eingangs erwähnten Bands empfohlen werden, sondern auch Freunden von Metric, Garbage oder Tegan And Sara.




    Unabhängig davon reihen sich die potenziellen Hits im Akkord hintereinander, beginnend mit dem zu Recht als Video-Nummer auserkorenen Opener 'This Is A Song', dessen Schwung den weiteren Weg vorgibt, über das verträumte 'Started A Fire' (ein selten melancholischer Moment für Frontfrau Kate Cooper) hinweg zum mit Synthesizer Eigthies-Euphorien freisetzenden 'Breakfast' und schließlich 'Begin Again', dem längsten Stück als dickem Ende.
    Hier macht sich ein leises Post-Rock-Flair breit, und passender als mit dem krachigen Finale des Tracks könnte das Duo - Multi-Instrumentalist und Drummer Damon Cox dürfte hauptverantwortlich für die vielen bunten Klangtupfer sein - den Reigen nicht abschließen. Im Übrigen verdient Kate für ihre immer klugen, oft sendungsbewussten Lyrics ('Live Well') Anerkennung, wo sich andere ähnlich retrospektiv ausgerichtete Kapellen in unsäglicher Ironie ergehen. Ergo vereinen sich Ernst und Leichtigkeit auf "Modern Air" (sinnvoll, der Titel) in einem vollkommenen, noch dazu mehrheitsfähigen Gleichgewicht.
    (musikreviews)




    Und so zeigen An Horse mit "Started a fire" eindrucksvoll, dass sie Synthieflächen und Atmosphäre beherrschen, und dass sie während der Auszeit womöglich hin und wieder auch Beach House gehört haben. Mit Streichern und Glockenspiel überzeugt das reduzierte "Mind reader", und selbst wenn es An Horse von Herzen gegönnt sei, ihre wiederentdeckte Spielfreude über weite Strecken im Uptempo auszuleben, tut ein wenig mehr Nachdenklichkeit und Tiefgang ihren Kompositionen wahnsinnig gut. Der grüblerische wie nachdrückliche Closer "Begin again" punktet hintenraus mit kleinen Synthie-Spielereien und fein angebratener Gitarrenwand zum Refrain. Die letzten Worte des Stücks hallen nach: "I turn around", kündigt Cooper mehrmals verheißungsvoll an, und meint damit hoffentlich nicht eine erneute Wendung in der Laufbahn von An Horse. Nun bleibt doch erstmal!
    (Plattentests)

    An Horse unterwegs in Deutschland:
    12.06. Essen, Zeche Carl
    13.06. Stuttgart, ClubCann
    14.06. Ulm, Ulmer Zelt
    15.06. München, Ampere
    18.06. Nürnberg, Club Stereo
    19.06. Münster, Gleis 22
    20.06. Haldern, Pop Bar
    21.06. Köln, Arttheater
    22.06. Aachen, Musikbunker
    23.06. Wiesbaden, Schlachthof
    25.06. Hannover, Lux
    26.06. Hamburg, Schanzenzelt
    27.06. Berlin, Badehaus
    28.06. Bremen, Tower



  • Honeyblood - In Plain Sight

    Honeyblood - In Plain Sight


    Sollten wir dieses Jahr endlich auch einmal Plattencover einer richterlichen Beurteilung unterziehen, so würde „In Plain Sight“ definitiv eine hohe Wertung von mir erhalten. Ob es zum Plattencover des Jahres reichen würde, kann ich natürlich noch nicht sagen, aber die dritte Platte von Honeyblood wäre auf jeden Fall oben mit dabei.

    Ob der Inhalt mit der Verpackung mithalten kann? Ich habe meine Zweifel, denn die Plattenkritiken für „In Plain Sight“ sind nicht gerade berauschend. Zwar klang die vorab veröffentlichte Single „The Third Degree“ sehr schön nach dem Sixties-Pop von The Raveonettes, aber von Metacritic wurde das Album mit 59/100 bedacht, nachdem die Vorgänger „Honeyblood“ (2014) und „Babes Never Die“ (2016) noch bei 75 bzw. 76 Punkten lagen. 

    Honeyblood haben sich auf „In Plain Sight“ zu einem Soloprojekt von Stina Tweeddale (Gesang, Gitarre) gewandelt, nachdem sie zuvor mit Shona McVicar bzw. Cat Myers, die im letzten Jahr mit Mogwai tourte, noch ein Duo gebildet hatte. Diesen Wandel hört man auch musikalisch, denn im Studio wurde der schroffe und rohe Indierock der vorherigen Alben gemeinsam mit dem Produzenten John Congleton (Angel Olsen, St. Vincent, Sharon Van Etten) aufgehübscht und mit Synthie-Klängen aufgeplustert. 

    Honeyblood dürften damit für Fans von Garbage, Blood Red Shoes oder The Kills interessanter geworden sein, auch wenn die meisten Kritiker das anders hören. „In Plain Sight“ ist als CD (Digipack) und LP (Heavyweight 180g) erhältlich, im Shop von Honeyblood gibt es die Schallplatte auf Transparent Orange Vinyl, bei Indie-Händlern auf Transparent Green Vinyl.




    Der bisherige Gitarrensound von Honeyblood klingt auf den ersten Blick vielschichtiger. Immer mehr elektronische Parts verwandeln den bisher so garagigen Sound der Schottin: mal ganz flirrend-retroverliebt wie in "Touch", dann wieder psychedelisch-treibend wie in "Take The Wheel".
    "Twisting The Aces" liefert warme Akustikelemente, "The Third Degree" umgibt sich zudem mit einer Mischung aus Sixties-Pop und Punk. Nur leider wollen sich die vielen kleinen Spielereien bis zum Ende nicht so richtig zu einem formschönen Ganzen zusammenfügen. (…)
    Ob "In Plain Sight" bei so viel musikalischer Vielfalt, die in ein kleines Piano-Solostück mündet, damit Ende nur ein 36-minütiges Experiment für Honeyblood bleibt? Wir werden sehen.
    (laut)




    Dazu hat sich die Gelegenheit ergeben, mit John Congleton (Sharon Van Etten, St. Vincent, etc.) ins Studio zu gehen und diese Mischung macht sich zum einen durch den wirklich großen Sound dieser Platte bemerkbar und zum anderen weiß einfach Congleton, wie man Gitarren-Songs im großen und coolen Stil aufwerten kann. Es gibt natürlich immer noch so etwas wie den bisherigen Indie-Schrammel-Sound zu hören, aber diesmal gesellen sich kleinere elektronische Experimente hinzu. Da kommen auch schonmal Synthies zum Einsatz ("Touch"), da wird ordentlich verzerrt ("Gibberish"), es wird auch mal düster ("Take The Wheel") oder poppig ("The Third Degree"). Alles Zutaten für eine gute Zeit, für eine tolle Platte, die vor Selbstbewusstsein strotzt, auf der es zuhörenswerte Songtexte gibt - wir ziehen alle unsere Hüte, Stina Tweeddale. Klasse!
    (Gästeliste)





  • Das Platten vor Gericht Mai Mixtape

    Das Platten vor Gericht Mai Mixtape



    Hören worüber wir schreiben: Das Platten vor Gericht-Mixtape mit Musik aus unseren Mai-Vorstellungen.

    1. Aldous Harding – The Barrel
    2. Catfish And The Bottlemen – Longshot
    3. Frank Carter & The Rattlesnakes – Crowbar
    4. Jade Bird – Lottery
    5. Bad Religion – Chaos From Within
    6. Fortuna Ehrenfeld – Helm ab zum Gebet
    7. Melby – Reject
    8. ViVii – Savant
    9. Weeping Willows – Let Go
    10. Agent Blå – Child’s Play
    11. Jens Lekman & Annika Norlin – Who Really Needs You
    12. Patience – White Of An Eye
    13. Howard Jones – Hero In My Eyes
    14. HÆLOS – Kyoto
    15. Vampire Weekend – Harmony Hall
    16. Kevin Morby – OMG Rock n Roll
    17. The National – Light Years
    18. The Get Up Kids – The Problem Is Me
    19. Wy – Softie
    20. Alex Lahey – Am I Doing It Right?
    21. Morrissey – Lady Willpower
    22. Ralph Pelleymounter – Wild Beast
    23. Erland Cooper – First Of The Tide
    24. Phildel – Electric Heights
    25. Hayden Thorpe – Diviner
    26. The Amazons – Doubt It
    27. Richard Hawley – My Little Treasures



  • Barrie - Happy To Be Here

    Barrie - Happy To Be Here


    Vor sechs Tagen gaben Barrie die Auflösung der Band Barrie bekannt und verkündeten die Fortführung von Barrie als Solo-Projekt von Barrie Lindsay. Ganz schön viel Barrie im ersten Satz der Plattenvorstellung von „Happy To Be Here“, aber vermutlich war auch schon ganz schön viel Barrie Lindsay im ersten Album von Barrie, denn sie komponierte alle Songs, sang, spielte Gitarre, Piano, Synthesizer sowie Bass und produzierte es gemeinsam mit Jake Aron (Grizzly Bear, Snail Mail, Beth Orton). 

    „Happy To Be Here“ ist als CD (Jewel Case), Kassette und LP erhältlich, für Schallplattenfreunde gibt es in limitierter Auflage Cherry Red oder Bubblegum Pink Vinyl. Die 10 Songs bieten sanft-sonnigen Indiepop bis luftig-leichten Dreampop, bei dem mal die Synthies („Teenager“, „Clovers“), mal die Gitarren („Geology“, „Habits“) im Mittelpunkt stehen. Die im letzten Jahr veröffentlichten Songs „Canyon“, „Tal Uno“ und „Michigan“ können (inkl. zwei Remixe) separat als babyblaue 12’’ via Bandcamp käuflich erworben werden.

    Jazzige Gitarrenakkorde, jede Menge Synthesizer und verträumter, gehauchter Gesang - Dream Pop, wie er im Buche steht. Zum Glück haben Barrie aber noch ein bisschen mehr zu bieten als das: Da ist zum einen die hohe Stimme von Frontfrau und Band-Mastermind Barrie Lindsay, die bei jedem der zehn Songs in den Vordergrund drängt. Lindsays Gesang verleiht den Songs den an manchen Stellen fehlenden Drive und erinnert dabei an Alvvays. (…)
    Zudem experimentiert das Quintett mit verschiedensten Sounds: "Saturated" klingt mit seinen programmierten Drums recht futuristisch, Fans von St. Vincent könnte dieser Song ganz hervorragend munden. "Habits" kommt deutlich groovender um die Ecke: Gitarren-Riff und Schlagzeug greifen hier wunderbar ineinander. Gleichzeitig wirkt der Song nachdenklicher und wehmütiger als die anderen der Platte.
    Insgesamt liefern Barrie mit "Happy To Be Here" ein einwandfreies Debüt ab, auch wenn sich die Songs auf Albumlänge vielleicht etwas erschöpfen.
    (laut)




    Der Opener „Darjeeling“ sorgt, ganz seinem Namen nach, für die morgendliche Dosis Koffein und versprüht mit fröhlichen Handclaps, flirrenden Gitarren und einer Prise Funk gute Laune.
    Wenn man es aber vor dem zweiten Tee doch noch nicht aus dem Bett schafft, dann kann man sich zu dem leicht verstimmten Klavier-Riff von „Dark Tropical“ nochmal kurz umdrehen, eine Runde dösen und sich von der süßen Stimme Lindsay Barries einlullen lassen. Wer könnte da widerstehen?
    „Habits“ ist der erste Song, der einen nicht zwingend auf die verträumte Blumenwiese katapultiert – zumindest bis zum Refrain sorgen tickernde Beats, ein zackiges, nicht ganz melodiöses Gitarren-Riff und Lindsays Vocals, die mit eingeschränktem Stimmumfang ausnahmsweise an Sprechgesang erinnern, für ein bisschen Überraschung.
    Aber so richtig langweilig wird es auf „Happy To Be Here“ sowieso nicht. Denn obwohl das Grundrezept immer das gleiche aus blubbernden Synthies, unaufgeregter Percussion, hier ein bisschen Gitarre, da eine Portion Klavier und diesem flirrenden Gesang ist, hat jeder Song seine kleine Besonderheit, die ins Ohr geht.
    (musikblog)



  • Kishi Bashi - Omoiyari

    Kishi Bashi - Omoiyari




    Kishi Bashi, eigentlich Kaoru Ishibashi, hat mir bereits viele schöne musikalische Momente verschafft. Für einige tolle Songs war bislang jedes seiner Alben gut und sein vierter Longplayer "Omoiyari" führt diese schöne Tradition fort. Der Multiinstrumentalist ist einer der wenigen Künstler, denen ich den z. T. wirklich prägnanten Einsatz von Streichern verzeihe. Neben mir hat er damit auch Künstler wie Regina Spektor, Sondre Lerche und Of Montreal dermaßen beeindruckt, dass er auf deren Werken und / oder Tourneen mitwirken durfte.

    "Omoiyari" ist nicht nur ein Album sondern auch ein "Songfilm". Kishi Bashis Kompositionen schreiben schon immer nach der Verwendung mit bewegten Bildern. Nun verbindet der Künstler diese noch mit einem ihm vertrauten Thema: Dem Leben in Amerika als Sohn japanischer Immigranten.


    "God is in the TV" meint:
    One of Kishi Bashi’s best traits has always been his curiosity. It’s what fuels his playful compositions and the mythical wordplay lyrics of his previous records. However, this time his curiosity is meaningful, as it’s pointed towards his own cultural background and the oppression of other cultures. The perfect formula of curiosity + empathy = a powerful thought-provoking discussion.

    Musikalisch ist "Omoiyari" nicht weniger anspruchsvoll. Es brauchte bei mir ein paar Durchläufe, aber inzwischen liebe ich das Album. Je nach Stimmung ändern sich noch immer bei jedem Durchgang meine Lieblingssongs. "A song for you" ist allerdings immer wundervoll und sticht hervor. Mit "Theme from Jerome (forgotten words)" demonstriert Kishi Bashi seine beeindruckende Fähigkeit, Streicherdramatik und Indiepopleichtigkeit zu vereinen. Ähnlich kontrastreich ist "Summer of '42" aufgebaut: Vor durchaus erhebenden Klängen und Melodien wird eine Liebesgeschichte erzählt... im Zusammenhang mit der Internierung von Menschen und Familien japanischer Herkunft während des zweiten Weltkriegs in den U.S.A.. Ach, und "F Delano" ist ein weiterer toller Titel.
    "Summer of '42":


    "F Delano":

  • Die 10 besten Alben von Prince

    10. Lovesexy (1988)
    9. Diamonds And Pearls (1991)
    8. 3121 (2006)
    7. 1999 (1982)
    6. The Gold Experience (1995)
    5. Dirty Mind (1980)
    4. Sign O' The Times (1987)
    3. Parade (1986)
    2. Purple Rain (1984)
    1. Around The World In A Day (1985)

    (ausgewählt von Volker)