Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

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Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Why We Run - Holograms

    Why We Run - Holograms























    Bleiben wir noch ein wenig in Australien. Das mag sich vor einigen Jahren auch der Belgier Nic Cogels (Gesang, Gitarre) gedacht haben, als es ihn nach Sydney verschlug. Dort traf er auf Nick Langley (Gitarre) sowie die beiden Prescott-Brüder Ed (Schlagzeug) und Lloyd (Bass, Keyboards), und gründete mit ihnen die Band Why We Run.




    Mit "Holograms" veröffentlicht das Quartett nun sein Debütalbum, das beim australischen Rolling Stone minimal besser abschneidet, als das gestern vorgestellte "Sirens" von Ben Abraham (3 Sterne im Gegensatz zu 2,5):

    On first listen, this Sydney band's debut has all the right things in all the right places. It's cohesive and well-polished, their sound comprised of driving drums, dreamy echo vocals, measured keys and introspective guitar. It's uncrowded and the kind of record you want to listen to on a Sunday. What you might not be ready for is finding yourself haunted by the tick-tock chimes and lilting vocals of "Hallway", the perpetual motion of "A Moment to Return" and the atmospheric grit of "Comfortable Lie". On "Where I'll be Waiting" it feels like they're just getting started, and it's this thoughtful tempering of restrained release that Why We Run do best.  






    Der melodisch-verträumte Indiepop von Why We Run, der Freunden von Death Cab For Cutie, Athlete, Girls In Hawaii oder Tears For Fears gefallen könnte, ist wirklich nicht zum Fortlaufen, daher noch eine deutlich begeisterte Plattenkritik:

    Holograms is full of memories in which a melancholic cloud hovers above the album. The sadness is not so much remorse or regret but just reflection of what happened and what did not. While the introspective nature of the album is akin to The National’s brooding indie rock, sonically Why We Run combine the cinematic rock of Local Natives with the prog-rock vibes of bands like The Amazing to create a sound that is immensely intimate, at times sensual, and always breathtaking.

    The Sydney-based quartet’s artistry is best displayed on “Where I’ll Be Waiting”, which takes the blissful towards the euphoric. “A Moment to Return” is a shimmering, uplifting track that gives the feeling of coming home and seeing loved ones for the first time in ages. “Hologram”, meanwhile, displays the Why We Run’s ability to take a solemn and retrospective song and turn it into something exhilarating.

    “Air Between Us” and the slow building “Hallway” offer two additional songs of love and separation. Founded in the sounds of the ’80s, the two songs further evidence the band’s ability to create songs that are not only auditory stimulating but incite vivid images in your mind. On “All You Ever Wanted” and “Comfortable Lie”, Why We Run can take even the most apprehensive moments and make them sound blissful and even hopeful. Call it naïve optimism or false hope, this is a young band that will not let even the most dire of moments to bring them down.

    This last statement may be the biggest takeaway from Holograms – that no matter the circumstances there is always hope and the possibility of a miracle, as the band sings on “Where I’ll Be Waiting”. The album, itself, may have been a miracle for Why We Run, who worked diligently over two-and-a-half years to share their debut. It is no wonder they have given us a stunning album, one that for many will be the new soundtrack of their lives.
    (The Revue)


    "Holograms" kann als digitaler Downoad oder als CD (hier) käuflich erworben werden.




  • Ben Abraham - Sirens

    Ben Abraham - Sirens























    Heute lullt uns der Singer/Songwriter Ben Abraham mit sanften Folkpop-Klängn ein. Der Australier mag es offensichtlich harmonisch, lädt mit samtweicher Stimme zum Kuscheln ein und übertreibt es letztendlich mit dem Wohlklang. Spätestens nach fünf gefühlvollen Balladen zu Piano, akustischer Gitarre oder Ukulele, reichlich gesäuseltem Gesang, Chorgesumme und schwelgenden Streichern wartet man auf einen emotionalen oder lauten Ausbruch. Aber vergeblich. 
    Dabei hätte der Mann mit indonesischen Wurzeln sich doch so gut vom Vulkanausbruch auf der Insel Krakatau inspirieren lassen können, denn schließlich gilt der bei der Eruption entstandene Knall als das lauteste Geräusch der Welt, da es noch in einer Entfernung von 4 800 km wahrgenommen werden konnte. Nun gut, 1883 hat er auch noch nicht gelebt. 

    Aber Ben Abraham mag es auf den 13 Songs von "Sirens", die unter anderem mit Unterstützung von Sara Bareilles ("This Is On Me") oder Gotye ("Speak") entstanden, eher behag- und gemütlich, so dass man sich verwundert fragt, warum einem gelegentlich, bei den guten Momenten ("Sirens", "Time", "Speak") Elbow und Peter Gabriel in den Sinn kommen.   




    Dem australischen Rolling Stone hat "Sirens" nicht besonders gefallen:

    This debut from Melbourne-based Abraham is nothing if not sincere. However syrupy this collection of emotive ballads becomes, his breathy delivery retains an air of authenticity, albeit amid largely derivative lyrics addressing love and loss. His polished sound is probably generic enough to attract a large audience – "I Belong To You" sits somewhere between David Gray and Sting, and is as smoothly produced as that suggests. One wonders whether rougher arrangements of highlights such as "This Is On Me" and "Somebody's Mother" would allow them added zest. As it is, Sirens lacks urgency and grit, though it does offer a certain warmth and intimacy that some will find moving.




  • Trade Wind - You make everything disappear

    Trade Wind - You make everything disappear






















    Obwohl das Trade Wind-Debüt nur acht Titel enthält, ist es trotzdem eine kleine Reise durch die Welt der Genres. Zu Beginn schlägt "I hope I don't wake up" noch am ehesten die Brücke zur musikalischen Hardcore-Herkunft der Bandmitglieder Jesse Barnett von Stick-To-Your-Guns und Tom Williams von Stray From The Path.

    Gleich danach kommt mit "Lowest form" als Alternative/Post-Hardcore Hybrid schon der stärkste Titel des Albums. Mit dem vierten Track "Radio songs" landet Trade Wind überraschend überzeugend in Singer/Songwriter-Gefilden und legt mit "Grey light" fast gleichwertig nach. Anschließend wird mit "Rare" ein Titel geboten, der auf einer Deftones-Platte nicht negativ auffallen würde. Am Ende kommt mit "Je t'aimerais toujours" noch fast Pop-Stimmung auf. "Je t'aimerais toujours" sage ich Trade Wind noch nicht zu, dafür ist mir noch zu unbestimmt, wohin es musikalisch gehen könnte, eine klarere Linie wäre da sicher ein Gewinn. Aber mit "Post-Hardcore-Singer/Songwriter" und "Deftones-nah" stehen ja schon mal zwei starke Optionen im Raum.

    Dann lasse ich doch mal das "New Noise Magazine" zu Wort kommen:

    The overall feeling of this album would be if Deftones’ self-titled release met Thrice’s The Alchemy Index and fused together in perfect harmony. The songwriting showcased on this release is absolutely phenomenal and may take fans of both Stick To Your Guns and Stray From the Path for a surprise. The music on this release is very mature and beautiful in nature.

    Das Video zu "Lowest form":


    "I hope I don't wake up":


    Trade Wind im Herbst live mit Sights+Sounds:
    • 04.10. Berlin
    • 05.10. Hamburg
    • 06.10. Köln
    • 09.10. München
    • 10.10. Aarau (CH)
    • 11.10. Karlsruhe
  • The Amazing - Ambulance

    The Amazing - Ambulance























    Gestern bemängelte ich noch die fehlende Melancholie auf dem letzten Album von Kent, heute liefere ich sie in Form anderer Schweden nach: 

    The Amazing sind Christoffer Gunrup (Gesang, Gitarre), Reine Fiske (Gitarre), Fredrik Swahn (Gitarre, Keyboards), Alexis Benson (Bass) und Moussa Fadera (Schlagzeug) und haben gemeinsam seit 2009 bereits vier Alben veröffentlicht. Das Erscheinen ihrer letzten Platte, "Picture You", liegt gerade einmal 15 Monate zurück. 

    "Ambulance" entstand nahezu live im Studio, so dass vielen Tracks, die häufig die 5-Minuten-Marke überspringen, ein gewisser Jam Session-Charakter inne wohnt. Sie driften dahin und sind so schwer greifbar wie die abgelichteten Personen auf dem Plattencover. Die schwarz-weiß gehaltene Albumhülle dient auch, um die eher düstere Atmosphäre zu beschreiben. Tame Impala, The Cure, Jose Gonzalez, Sigur Rós, War On Drugs, Nick Drake, The Radio Dept. oder Radiohead zu "The Bends"-Zeiten - die Plattenkritiker können bei ihren Vergleichen den zwischen Slow Core und Post-Rock schwebenden Sound von The Amazing auch nicht richtig greifen.   


    From its first moments, the album-opening title track establishes an instrumental template that carries through nearly every song: Fadera's militaristic drum roll accompanies stark piano stabs, intertwining guitar arpeggios from Fiske and Swahn, and keyboards that swirl atop glacial orchestration — all while Gunrup sings elusive lines like, "You know sometimes you have to change." Later, in "Moments Like These" and "Perfect Day For Shrimp," The Amazing blends fingerpicked acoustic guitar and shimmering synths with a breathy whisper that evokes the crestfallen hymns of Nick Drake or Jose Gonzalez. In "Floating," twangy pedal steel and warbling synths give the song an almost country-rock flavor.

    In "Through City Lights," Ambulance's longest and most stirring track, The Amazing conjures the winding story songs of Sun Kil Moon's Mark Kozelek by unfurling every stanza with dramatic pacing, leaving plenty of room to let the words that stick out hang in the air. In those moments, he's able to project desperation as gentle strumming and a simple, ghostly guitar motif glide underneath.

    While mostly striking a somber tone, "Blair Drager" does provide a change of pace in the form of smoky lounge-jazz and cosmopolitan trip-hop. Built around in-the-pocket break beats, slinky guitar upstrokes and sinister speak-singing, it's yet another satisfying color in the band's palette. The Amazing implies its heartbreak and haunted regret without explicitly defining it, and Ambulance succeeds by inviting listeners to interpret the meaning for themselves.
    (NPR)




    Ein Sirren und Flirren sendet die Musik von The Amazing auf dieser Platte aus, dass es einen beinahe aus dem Sessel transzendiert. Stets ist der freie Geist dieser Schweden zu hören, die offenbar niemandem etwas schuldig sind und fern jeglicher ökonomischer Begehrlichkeiten aufspielen können. Feine Melodien, gewoben aus teurem Gitarren-Garn, umschweben eine melancholische Grundstimmung in grau-weiß.
    (Radio Eins)


  • Kent - Då Som Nu För Alltid

    Kent - Då Som Nu För Alltid























    Es führt kein Weg dran vorbei, weder verschweigen noch ignorieren funktioniert, also müssen wir uns der Tatsache stellen: „Då Som Nu För Alltid“ ist das zwölfte und letzte Album von Kent.

    Wenn ich dieser traurigen Tatsache schon ins Auge sehen muss, dann ist heute ein guter Tag dafür, denn ich steige in einen Flieger in die schwedische Heimat der Band. Eigentlich bin ich dann einige Monate zu früh in Stockholm, denn die Abschiedstournee von Kent findet erst in den letzten Monaten des Jahres statt - leider nur in Skandinavien und die Tickets waren schneller ausverkauft, als dass ich einen winterlichen Konzertreise-Entschluss fassen konnte.
    Warum nur Skandinavien? Ein Blick auf die Chart-Platzierungen von „Då Som Nu För Alltid“ gibt die Erklärung: Dänemark #13, Finnland #3, Norwegen # 5 und Schweden #1.

    Also bleibt mir nichts anderes übrig, als in der nächsten Woche die neu aufgelegten Schallplatten von Kent in Stockholm zu kaufen und Konzerte von Sigur Rós, Kraftwerk, Mogwai, Patrick Wolf, Loney, Dear und einigen anderen zu besuchen. Jammern auf hohem Niveau.

    Das könnte jetzt eine gute Überleitung zu „Då Som Nu För Alltid“ sein, aber seien wir ehrlich, denn ganz großen Glanz haben die letzten Alben von Kent nicht mehr ausgestrahlt, denn synthetischer Dance-Pop hat zunehmend (oder konkreter: seit „En Plats I Solen“, 2010) die Oberhand gewonnen und gitarrige Klänge weit in den Hintergrund geschoben.

    Eine melancholische Stimmung und düstere Songs die zum morbiden Plattencover, dem Albumtitel (zu deutsch: „Damals wie heute für immer“) und dem Abschied von Kent passen würden, sucht man leider vergebens. Zum Schluss finden Kent, die ihre im März veröffentlichte Single „Egoist“ hier außen vor lassen, mit „Den sista sången“ („Das letzte Lied“) einen passenden Abschluss, wenn wir Joakim Berg gemeinsam mit seinen Kindern singen hören. Der Kinderchor bildet auch für das gesamte Album einen schönen Rahmen, denn auch beim Opener „Andromeda“ ist dieser bereits zu hören.

    In einer schwedischen Plattenkritik konnte ich lesen, dass „Då Som Nu För Alltid“ das achtbeste Album von Kent sei. Dem kann man, ohne groß nach zu rechen und zu vergleichen, vermutlich zustimmen.




    Geteiltes Leid ist halbes Leid, daher der Text von Sandra von Mittsommernachtsspitzen zum letzten Album von Kent. An einer Track-by-Track-Review arbeitet sie noch...

    Ich habe diesen Tag stets gefürchtet. Den Tag, an dem ich beginnen muss, Abschied zu nehmen. Den Tag, an dem das Ende einer Ära eingeläutet wird. An dem sich der müde, weiße Tiger ins Dunkle zurückzieht – sich schlafen legt – für immer.

    Nach 26 Jahren verlassen Kent die große Arena des schwedischen Popbusiness. Bereits im Trailer zum neuen Album und zu Kents Abschiedstournee trommelt das totenkopfgeschminkte Mädchen alle zum großen Begräbnis zusammen. Zur letzten andächtigen Feier. Auf dem Weg zur letzten Ruhestätte, vergegenwärtigt sich ein ganzes musikalisches Leben. Finden Kent im Marsch zurück zu ihren Anfängen, zu einer lange verschollenen Sensibilität und Kreativität. Schinden das letzte mal Eindruck – einen bleibenden – „Då som nu för alltid“ (Damals wie heute für immer).

    Seit der Veröffentlichung am 20. Mai, habe ich dieses Album bereits sehr oft gehört. Es hat mich paralysiert, meine Tränen fließen lassen, mein Herz brennen lassen und meine Füße beim Tanzen im Wohnzimmer. Ich gab ihm Zeit, sodass es wachsen konnte. Lasse auch Milde walten, ist es doch der letzte Gruß. Für mich hat das Schreiben über Kents letztes Werk eine große Wichtigkeit. „It’s the story of my life…“ Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, die Rezension des Albums nicht in einem einzigen, großen Text zu veröffentlichen, sondern Lied für Lied in chronologischer Reihenfolge. Für mich und alle anderen Kent-Fans endet mit den letzten Konzerten im Dezember ein wichtiger Lebensabschnitt und ein neuer beginnt. Doch erst werden wir es geniessen – unser letztes Album – unser letztes Jahr mit Kent.





  • Alexis Taylor - Piano

    Alexis Taylor - Piano























    Ganz dezent weist Alexis Taylor darauf hin, dass sich bei seinem nächsten Soloalbum nach "Await Barbarians" (2014) alles ums Piano dreht. 11 ruhige, intime Songs präsentiert uns der Hot Chip-Sänger darauf, zu hören gibt es nur seine Stimme und Piano-Klänge. Dass es dazu kam, liegt auch am Tod der Geigers Vince Sipprell, einem engen Freund von Alexis Taylor, der gemeinsam mit ihm an diesem Album arbeiten wollte. Die traurig-bedrückende Grundstimmung des Albums wird so noch verständlicher. 

    Auf Dauer drückt dies nicht nur aufs Gemüt, sondern es wird auch ein wenig monoton, so dass man sich das ein oder andere Streicher-Arrangement herbei sehnt. Gelegentlich zuckt der fast eingeschläferte Kopf aber noch einmal hoch, wenn einem ein Song irgendwie bekannt vorkommt, man eine Melodie mitsummen oder einen Text mitsingen kann. Denn Taylor beschränkt sich nicht nur auf neue Eigenkompositionen, sondern hat auch den ein oder anderen Klassiker dabei, etwa Elvis Presleys "Crying In The Chapel", oder Neu-Interpretationen von Songs seiner Bands About Group ("I Never Lock That Door") und Hot Chip ("So Much Further To Go").   


    These are tracks that could easily be ballads slipped into a Hot Chip record, but where there they’d be bolstered with synths and programmed beats, here they are stark and knowingly bold in their simplicity. ‘In The Light of The Room’ is a marked standout.

    Alexis himself observes the record as “an atheist’s gospel album” and indeed the songs have an almost religious tone. There is deep reverence at play here and it is effortlessly affecting and free from ambiguity. Though his cover of Elvis’ ‘Crying In The Chapel’ holds the most obvious connection to faith, even then the message of “I’ve searched and I’ve searched and I couldn’t find/ a way on earth to gain peace of mind” reflects more a universally relatable struggle of finding solace than a subscription to any dogma or deity. These songs are tactile, human and weaved with themes that transcend belief: loneliness, loss, perseverance, honesty and ultimately love. Human spirit triumphs and, equally importantly, so does Taylor.
    (DIY)




    Taylor has said that the album was inspired by the death of a close friend, and the effect of hearing his quavering tenor shorn of his parent band’s synthy adornments is like eavesdropping on a deeply private recital. At times it works beautifully: opener I’m Ready provides a reminder of just what a lovely, evocative voice Taylor has, while a reworking of Hot Chips’s So Much Further to Go brings out a soulfulness barely glimpsed in the original. But in its second half, Piano begins to suffer from its stripped-back simplicity, when its sparse arrangements and slow pace start to feel plodding rather than profound.
    (The Guardian)

  • Mikroboy - Leicht

    Mikroboy - Leicht























    PvG: Volker, der 31. Mai war ein trauriger Tag für dich, oder?

    Volker: Warum?

    PvG: Weil Mikroboy an diesem Tag ihr letztes Konzert gespielt und die Band aufgelöst haben.

    Volker: WAAAAASSSSS?

    PvG: Tröstet dich "Leicht", das dritte Album der Band, über diesen schlimmen Verlust hinweg?

    Volker: Jetzt nicht mehr, du hast mir den Tag versaut.

    PvG: Im Promo-Zettel schreibt die Band selbst: "Man würde stimmungstechnisch eher von "bedrückend" sprechen, doch so nennt wohl kaum jemand sein Album." Ist das so?

    Volker: Ich hätte die musikalische Grundstimmung der Songs eher als temporeicher als gewohnt bezeichnet, aber textlich mag das "bedrückend" hinkommen.

    PvG: Du lobst ständig "Nennt es, wie ihr wollt" (2009) und "Eine Frage der Zeit" (2011) - kann "Leicht" da mithalten?

    Volker: Ständig lobe ich vor allem Teles "Wovon sollen wir leben" ;-), aber im Ernst, mir gefallen alle drei Alben ausgesprochen gut, wobei ich die ersten Beiden einen kleinen Hauch vorne sehe, weil mir auf dem Neuen (s.o.) ein wenig die melancholischen Songs fehlen. Hymnen hat es aber auf jedem der Drei.

    PvG: Welche drei Titel aus "Leicht" würdest du Menschen, die Mikroboy verpasst haben, vorspielen?

    Volker: Da auf meine unglaublich guten Tipps zu deutschsprachiger (Indie)Pop-Musik eh niemand hört, würde ich Niemanden mehr zu überzeugen versuchen, aber meine kleine 7-Jährige singt das komplette Album mit. (von der Lautstärke, in dem sie es hört mal komplett abgesehen).




    PvG: Der Titelsong wurde als Single ausgewählt, zwischen welche beiden Songs anderer Bands würdest du ihn auf ein Mixtape nehmen?

    Volker: Vorher "Alle Menschen Verlieren Sachen", hinterher "Solang' Der Mut Den Zweifel Schlägt"

    PvG: Das sind doch auch Lieder von Mikroboy! Das verstößt gegen die Mixtape-Regeln. Da muss wohl jemand noch einmal "High Fidelity" lesen. Also: Zwischen welche beiden Songs anderer Bands würdest du "Leicht" auf ein Mixtape nehmen?

    Volker: Weil es vorm "klaren Morgenhimmel" gerne mal ein reinigendes Gewitter braucht, vorneweg "Regen" von Herrenmagazin, hinterher dann, in der Hoffnung, dass sich auch die Mikroboys Jungs sich Zeichen an die Wand gemalt haben zum irgendwann wieder Nachhausefinden, von Brückens "Immerhin (Für Die Trauer)".

    PvG: Und zum Abschluss noch einmal ein aktuelles Zitat der Band mit der Bitte um eine Stellungnahme von dir: "Stellt euch mal vor, wir würden irgendwann in den nächsten Wochen noch ein Album raus hauen. Einfach so für Umme. Mit all den Demos von Songs, die zwischen den Alben passiert sind und es nie auf eines rauf geschafft haben. Quasi unsere ehrliche, unperfekte Work in Progress der letzten 5 Jahre. Das wär ganz schön verrückt, oder?"

    Volker: Ich habe mein Statement eben schon auf der Facebook-Seite gegeben, "Mir wäre es lieber gewesen, man hätte sich nicht getrennt. (Das Album wäre natürlich dennoch eine schöne Sache, so als Abschiedsgeschenk)
    Am meisten ärgert mich, dass ich wirklich nichts davon mitbekommen habe, ansonsten hätte ich niemals den eigentlich angedachten Konzertbesuch im Circus Maximus gecancelt. F###!


    Willkommen in der Hochphase des deutschsprachigen Indie-Rock emotionaler Färbung. Genau hier setzt das dritte Mikroboy-Album an: Get Up Kids’ geschulter Midwestern-Pop-Core, der in Intonation und textlicher Ausgestaltung natürlich immer noch an Kettcars Marcus Wiebusch erinnert, aber auch deutliche Assoziationen zu der leider oft in Vergessenheit geratenen Ruhrgebiets-Combo Astra Kid hervorruft, die sich 2005 auf dem Höhepunkt der Indie-Welle aufgelöst hatte. Flächige Gitarren, nur noch angedeutete elektronische Nadelstiche, thematisch Liebe, Angst und offene Wunden verhandelnd. Pathos, du kannst mich mal. »Leicht« mag vielleicht etwas aus der Zeit gefallen wirken. Die Platte erinnert aber daran, was wir seit dem Indie-Rock Mitte der 2000er vermisst haben. Willkommen zu Hause!
    (intro)

  • Hot Hot Heat - Hot Hot Heat

    Hot Hot Heat - Hot Hot Heat























    Draußen sind es weit über 30°C - da ist das ideale Album für solche Temperaturen schnell gefunden.

    Die gute Nachricht für die Fans von Hot Hot Heat lautet: Das kanadische Quartett hat nach sechs Jahren Funkstille ein neues Album veröffentlicht. Die schlechte Nachricht direkt hinterher: Es handelt sich um das letzte Album der Band.

    Im Zuge der "Class of 2005" wurden auch Hot Hot Heat mit ihrem zweiten Album "Elevator" einem größeren Publikum bekannt und zogen in die Charts vieler Länder ein. Danach ging, es bzgl. der Plätze in den Hitparaden, der Größe der Konzerthallen oder der Slots auf Festivals, kontinuierlich bergab. Da ging es ihnen nicht anders als Art Brut, den Kaiser Chiefs und Co. Auch zahlreiche Wechsel im Lineup der Band und experimentellere Klänge auf ihrem letzten Album konnten daran nichts ändern.

    Für ihr letztes Album kehren Steve Bays (Gesang, Keyboards) und Paul Hawley (Schlagzeug), um die beiden verbliebenen Original-Mitglieder zu nennen, zu den Klängen ihrer ersten beiden Alben zurück: tanzbarer Gitarrenrock mit New Wave und Synth-Pop-Einschlägen irgendwo zwischen Vampire Weekend, The Strokes und Tears For Fears. Als Anspieltipps seien allen Nostalgikern die beiden Singles "Mayor Of The City" und "Kid Who Stays In The Picture" sowie "Pulling Levers" empfohlen.  




    Dass sie nun einen Schlussstrich unter ihre durchaus erfolgreiche Bandkarriere setzen und mit dem selbstbetitelten Album noch mal richtig ausholen, muss man ihnen hoch anrechnen. Knackig-tanzbare Rhythmen, feine Melodien und eingängige Hooks mit dem richtigen Schmiss werden hier in Kübeln ausgeschüttet. »Pulling Levers« hätte mit seinem aufgeputscht zuckrigen Refrain gar das Zeug zur Hit-Single. Aber die Zeiten von Hit-Singles, Plattenverkäufen, ja, sogar von CDs und Vinyl scheinen so passé, wie die Klangfindung von Hot Hot Heat zuletzt nicht mehr ganz auf dem Hier und Jetzt fußte. Was nach diesem starken Abschied definitiv ein bisschen sentimental macht. 
    (intro)


  • Mick Harvey - Delirium tremens

    Mick Harvey - Delirium tremens























    "Oh, ein Solo-Album von Mick Harvey. Wenn der Nick Cave- und PJ Harvey-Kollaborateur solo musiziert, kann das ja eigentlich nur gut sein."... dachte ich mir bei Sichtung der Neuveröffentlichungen. Dirk ließ mich ins offene Messer laufen. Kurz danach wurde mir klar, dass es sich bei "Delirium tremens" nicht nur um Harveys siebtes Solo-Werk sondern auch um sein drittes mit Songs von Serge Gainsbourg handelt. Bereits vor 20 Jahren sah es Harvey als seine Bestimmung, auch die englischsprachige Welt mit Gainsbourgs Werk vertraut zu machen. Damals veröffentlichte er mit "Intoxicated man" (1995) und "Pink elephants" (1997) bereits zwei Alben, die auf den Hits oder bekannteren Titeln des Franzosen basierten. Kürzlich wurden diese wiederveröffentlicht. Und nun legt der Australier Harvey nach und dabei kümmert er sich verstärkt um Gainsbourgs Spätewerk bzw. unbekanntere Titel. 

    Mit meiner Skepsis und Erwartung einer Zigarettenrauch-geschwängerten oder gar schwülstigen Atmosphäre lag ich weitgehend daneben. Musikalisch angeblich so gar nicht weit weg von den Originalen demonstriert Harvey die Vielseitigkeit von Gainsbourgs Output. Die auf "Delirium tremens" erklingenden Musikgenres lassen sich kaum aufzählen. 

    Zu behaupten, nun interessiere mich auch das Gesamtwerk Gainsbourgs ginge zu weit. Aber zumindest hat sich mein Bild des Franzosen durch "Delirium tremens" doch merklich gewandelt. Wahrscheinlich ist er doch mehr als nur "Je t'aime... moi non plus".

    "Deadly tedium", "The convict's song", "I envisage", "A day like any other" und "Boomerang" sind meine Favoriten auf "Delirium tremens". Und "SS C'est bon" macht mich nicht nur wegen der Nutzung des Deutschlandlieds im Hintergrund tatsächlich neugierig auf das Original. 

    Im Herbst soll übrigens ein weiteres Album erscheinen. Mit diesem wird Harvey sich verstärkt den Duetten des Franzosen widmen.

    Pitchfork.com:
    Harvey remains mostly reverential to his sacrilegious source, but Delirium Tremens is much more than just Gainsbourg fed through Google Translate. Rather, it amplifies the unsettling undercurrents that always stewed beneath Gainsbourg’s impeccable arrangements: The jazzy swing of late ’50s serenade “Deadly Tedium” (“Ce Mortel Ennui”) becomes a queasy cabaret of wobbly vibraphones; the busker-folk shuffle of “The Convict Song” (“Chanson de Forçat”) is horsewhipped into a cowpunk charge that proves, while Harvey is no longer a Bad Seed, he still has a firm grasp of their reins.

    Das Video zu "Don't say a thing":

  • Jack & Amanda Palmer - You Got Me Singing

    Jack & Amanda Palmer - You Got Me Singing























    Eine generationenübergeifende Platte: Während Amanda Palmer mit ihrem mittlerweile 10 Monate altem Sohn Anthony schwanger war, nahm sie gemeinsam mit ihrem Vater Jack ein Album auf. Aus mehreren Jahrzehnten suchten sich die Palmers Lieder ihrer liebsten Singer/Songwriter aus, um diese gemeinsam in den Dreamland Studios in New York aufzunehmen. Und so stehen nun Songs von Leonard Cohen ("You Got Me Singing") oder Richard Thompson ("1952 Vincent Black Lightning") neben denen von John Grant ("Glacier") oder Sinéad O'Connor ("Black Boys On Mopeds").

    Klein Anthony wird "You Got Me Singing" hören können, ohne aufgeschreckt zu werden (nur bei "Fuckers" und "Shit" im John Grant-Song muss man ihm die Ohren zu halten), denn Amanda singt sanfter als je zuvor, der kirchenchorerprobte Jack croont und lässt dabei Dank seiner tiefen Stimme an Johnny Cash denken, dazu erklingen nicht viel mehr als Piano, akustische Gitarre, Ukulele und Glockenspiel. Gelegentlich wird auch die Pedal Steel Guitar hervorgeholt und rückt das Ganze in Richtung Country. 

    Amanda Palmer lässt nach dem Radiohead-auf-der-Ukulele-Album ("Amanda Palmer Performs The Popular Hits Of Radiohead On Her Magical Ukulele", 2010) und ihrem David Bowie-Tribute ("Strung Out In Heaven", 2016) ein weiteres gelungenes Album mit Fremdkompositionen folgen. "You Got Me Singing" kann hier als LP, CD oder Download (1 Dollar) käuflich erworben werden.




    Nach einer Babypause kehrt die Frau von Comic-Zeichner Neil Gaiman mit einem gemeinsamen Album mit ihrem Vater Jack zurück. Zu Klavier und Gitarre singen die beiden Lieblingslieder ihrer musikalischen Sozialisation. Leonard Cohens „You Got Me Singing“ ist der perfekte Einstieg: Der junge Vater Jack sang an der Wiege der Tochter Amanda; Amanda fand ihre Stimme mit Hilfe von Daddys Plattensammlung. Das Motorraddrama „1952 Vincent Black Lightning“ vom britischen Folkie Richard Thompson ist besonders gelungen, Jack – Mitglied eines Chores in Washington – erreicht hier beinahe den stimmlichen Tiefgang von Johnny Cash. Bei Kimya Dawsons „All I Could Do“ greift Amanda zur Ukulele, mit der sie schon wunderbar Radiohead nachgespielt hat, den John-Grant-Song „Glacier“ singen die Palmers in leicht schiefer, aber absolut liebenswerter Zweisamkeit. „I love you so much“, singt Jack ganz am Ende, die Stimme brüchig, der Atem schwer. Etwas zu intim.
    (musikexpress)




  • Metronomy - Summer Of 08

    Metronomy - Summer Of 08























    Joseph Mount muss es wohl etwas nostalgisch zu Mute gewesen sein: Mit "Summer 08" kehrt er einerseits stilistisch zu "Nights Out" (2008), dem Album mit dem er erstmals den Weg in die Charts und eine breitere Öffentlichkeit fand, zurück, nachdem sowohl "The English Riviera" (2011) als auch "Love Letters" mit einer klanglichen Weiterentwicklung verbunden waren. Andererseits ist auch vom zuletzt gehandelten Band-Prinzip nicht mehr die Rede, Metronomy ist wieder einköpfig und "Summer Of 08" wurde wieder, wie zuletzt 2008, von Mount nahezu im Alleingang eingespielt.

    Air trifft Hot Chip, Daft Punk gesellen sich zu Giorgio Moroder, Kuhglocken hier, Falsettgesang da, der funky Bass ist fast überall, eine Duettpartnerin darf auch nicht fehlen (Robyn auf "Hang Me Out To Dry") und Mix Master Mike (Beastie Boys) darf auch einmal scratchen. "Summer Of 08" erhält reichlich gute Kritiken und auch wenn der Metascore von Metacritic aktuell nur 74/100 Punkte beträgt, bin ich gespannt, ob der ein oder andere Plattenrichter schon aufgrund des Albumtitels auf 08 Punkte aufrunden wird.


    ‘16 Beat’ is quite literally a track dedicated to Mount’s favourite drum pattern – an aural feast of powerful, textural production that purposefully forgoes any kind of real lyrical depth, and uses its title as a slightly twee prommy pun instead. ‘Miami Logic’ delves into sawtooth edged guitar solos, while ‘Night Owl’ ducks and swans about, busying itself with waltzing ambition. ‘Hang Me Out to Dry,’ meanwhile, stands up as the best of the entire bunch, inviting giant Robyn into the mix, and soundtracking dancefloor swell with pulsing, swaying euphoria.

    Nodding strongly towards everything from Hall & Oates, to Justice, and Patrice Rushen, and flaunting all of Mount’s influences without a hint of irony, Summer ‘08’ is from start to finish, a back to basics, pure-pop odyssey.
    (DIY)




    The album opens with the jerky post-punk guitars and discordant backing vocals of ‘Back Together’, which sees our put-upon hero dreaming about being reunited with someone he once had lunch with. It’s all very Sparks. Then the song explodes into a synth-powered sunburst of melody and all worries that ‘Summer 08’ might be some dreary Streets-style whine about tour buses, hotels and being interviewed are dispelled.

    ‘Old Skool’ is something to do with Mount, who lived in East London in 2008, being jealous of posh musicians who lived in West London. “You keep your friends / I’ll keep my friends” he waspishly intones over a fluttering electronic loop.

    Meanwhile, Robyn brings some Swedish pop inflection to ‘Hang Me Out To Dry’ and the result is an alternation between melancholy verse – all minor key digital washes – and the pulsing wall of noise chorus. The album’s best moment is ‘Mick Slow’, which sees Mount channelling the smeared, fretless bass style of ’80s pop intellectuals Japan on a genuinely moving song about missing people.

    Downsides? There really aren’t any. Mount has done it again. He could write music about the impact of Brexit on the UK’s trade with China and make it sound amazing. He’s that good.
    (NME)





  • Big Deal - Say Yes

    Big Deal - Say Yes























    Der Plattentitel klingt ein wenig trotzig, wenn man sich vor Augen hält, dass Alice Costello und Kacey  Underwood ihr neues Album selbst finanzierten und ein neues Label suchten mussten (Fat Cat statt Mute), dass im Vorfeld Beziehungen zerbrachen, neue Bandmitglieder gesucht und gefunden wurden (Jessica Batour (Bass) und Jesse Wong (Schlagzeug)) und Ende 2014 bei einem Einbruch auch noch der Klapprechner mit allen Demos und Songentwürfen gestohlen wurde. 

    Nachdem Big Deal auf "June Gloom" (2013) im Vergleich zu ihrem Debüt "Lights Out" (2011) ihren Sound deutlich in Richtung Rock streckten, legen sie mit "Say Yes" noch einmal eine Schippe drauf und schauen auch beim guten alten Grunge vorbei, ohne jedoch Abwechslung in Form des  fast schon epischen "Veronica" oder des in diesem Umfeld schon süßlich zu nennenden Pops von "Saccharine" zu vergessen.

    Freunde von The Kills, The Breeders, Yeah Yeah Yeahs oder Hole sollten also nicht nein zu "Say Yes" sagen.


    Die Neubesetzung merkt man zwar der Instrumentierung der Songs an, aber nicht der Dramatik. Big Deal scheppern immer noch irgendwo zwischen The Kills und Veronica Falls. Selbst in ihren aggressivsten Momenten auf „Kitty Pride“ und „Hold Your Fire“ schwingt immer noch eine bitter süße Melancholie mit. Die erinnert auf dem elektronisch angehauchten „Lux“ einen Ticken zu stark an The Temper Trap.

    Auch wenn Big Deal mit ihrem dritten Album keine große Innovation liefern können, ist es doch irgendwie schön, dass es in dem ganzen aktuellen Tohuwabohu noch Kids gibt, die so belanglos-schöne Musik machen.
    (musikexpress)


  • Biffy Clyro - Ellipsis

    Biffy Clyro - Ellipsis






















    Schon mit ihrem letzten (Doppel-)Album "Opposites" wähnte ich Biffy Clyro  nahe ihres Ziels auf der Suche nach der Rockkonsens-Weltformel. Mit ihrem siebten Versuch "Ellipsis" kommen die drei Schotten dieser aber noch merklich näher. Kurze Spieldauer, weitgehend knackige Songs, der Verzicht auf allzu opulente und orchestrale Arrangements und wenige Kanten sind im Jahr 2016 wahrscheinlich die Erfolgsfaktoren für ein kommerziell erfolgreiches Rock-Album. Die Nähe zu Muse liegt könnte der Wahl des Produzenten Rich Costey geschuldet sein. Wegen der glatten Stimme fühle ich mich darüber hinaus noch mehr als bei den älteren Alben an die Foo Fighters erinnert. Und wenn bei einem Song ("Howl") gar Gary Lightbody von Snow Patrol als Writer in den Credits auftaucht, sind bezüglich Massentauglichkeit alle Fragen beantwortet. 

    Allen voran "Flammable" und darüber hinaus "Wolves of winter", "Animal style" sowie überraschenderweise mit "Medicine" auch ein langsamer Song sind meine Favoriten auf "Ellipsis". In seiner Gesamtheit ist dieses sicherlich ein Anwärter auf den Titel "Rockalbum des Jahres 2016", aber das suchen wir hier ja nicht, oder?

    Rollingstone.de:
    Ja, die Platte ist größenwahnsinnig, und ja, die Platte ist bekloppt. Aber gut unterhalten wird man.

    Das Video zu "Wolves of winter":



    "Animal style":


    Biffy Clyro auf Tour im Herbst:
    • 23.10. München
    • 24.10. Berlin
    • 04.11. Hamburg
    • 05.11. Esch Alzette (Lux)
    • 08.11. Frankfurt
    • 11.11. Köln (!)
  • Deftones - Gore

    Deftones - Gore






















    Über den Sinn und Zweck von "Zwischenzeugnissen" kann man streiten: Während Halbjahreszeugnisse in der Schule zumindest noch ein Weckruf sein können, bin ich bei "Halbjahresmusikbestenlisten" skeptisch. Aber zumindest erinnerten mich gleich mehrere dieser Aufstellungen an ein Album, welches hier noch vorgestellt gehört.

    Manche Alben muss man sich schön hören. Positiv formuliert nennt man solche dann "Grower". Auch "Gore" der Deftones ist ein Grower. Überraschend ist, dass es bislang bei mir gar nicht aufhören mag zu wachsen. 

    Das letzte Album "Koi No Yokan" habe ich bereits zum stärksten seit "White pony" gekürt. Dann muss ich für das achte Album "Gore" wohl einen Schritt weiter gehen. Vier Jahre nach dem Vorgänger erscheint ein Werk, welches so souverän zwischen brachialem Alternative Metal, den stellenweise relativ harmonischen Passagen und Post-Metal Experimenten wandelt, dass ich mich in die zeitlose "White pony" Hochphase zurückversetzt fühle.  

    Trotz starker Songs und grundsätzlich positiver Einstellung meinerseits gegenüber der Kalifornier, gab es immer wieder Gründe für "Asynchronitäten": Sei es ein wie ich finde schwaches Konzert vor vielen Jahren oder eine musikalische Dynamik zwischen hart/soft pro Album, welche ich nie ganz nachvollziehen konnte. Das war dann über Albumlänge doch einfach zu anstrengend. 

    Obwohl ich inzwischen weniger harte Musik höre als vor einigen Jahren, komme ich mit "Gore" allerdings ganz vorzüglich klar. Die Ausbrüche kommen genau in den Momenten, wenn ich sie erwarte. Der Wechsel zwischen Forderung und Erholung ist stimmig wie selten zuvor. "Gore hätte schon vor einem halben Jahr erscheinen sollen. Dann nahm sich die Band den Mix noch einmal vor. Ohne die vorherige Fassung zu kennen: Es hat sich gelohnt. 

    Mein Einstieg war der unfassbar starke Song "Hearts / wires".   "Prayers / triangles", "Doomed user", "(L)Mirl" und "Phanom bridge" sind ebenso empfohlen wie das gesamte Album. 

    Und dann kann die Band noch mit einem besonderen Gast glänzen: Jerry Cantrell von Alice in Chains:


    Plattentests.de wird das Album wohl nicht auf seiner Jahresbestenliste führen:
    Ein verdammt gutes Album ist es geworden, einzig fehlt der letzte Schuss Genialität, der ihre Meisterwerke ausmacht. Von den Experimenten, die – so munkelt man – im Studio stattgefunden haben sollen, sind auf den finalen Songs kaum Anzeichen zu entdecken. Dass ein solches Album mit als schwächstes der Band seit über 20 Jahren bezeichnet werden kann, sagt allerdings lediglich aus, was für einen konstant hochklassigen Output die Truppe schlichtweg fabriziert. "Gore" ist also das Update, was Veränderung im Kleinen bringt und den Endanwender rundum zufriedenstellt.

  • Message To Bears - Carved From Tides

    Message To Bears - Carved From Tides























    Einer unserer liebsten Folktronic-Künstler, Jerome Alexander, hat vor einigen Tagen ein neues Album veröffentlicht. "Carved From Tides" hat der aus Bristol stammende Multi-Instrumentalist seinen vierten Langspieler genannt, der selbstverständlich auch als Platte käuflich zu erwerben ist: Über die Bandcamp-Seite des Künstlers, der unter dem Namen Message To Bears veröffentlicht, lässt sich das auf 300 Exemplare limitierte schwarze Vinyl erwerben.

    Stilistisch bleibt sich Alexander treu: seinen hauchenden Gesang setzt er sehr minimal ein, unterstützt wird er dabei aktuell von Will Samson ("I'll Lead You There") und der eigenen Schwester Gemma ("Spin/Float"). Ansonsten kombiniert er synthetische Ambient-Sounds und gelegentlich munter pluckernde Beats mit den Klängen traditioneller Instrumente, wie Gitarre, Viola oder Posaune, so dass Freunde von James Blake, Niels Frahm oder Olafur Arnalds sich den Namen Message To Bears notieren sollten, falls er ihnen bisher noch unbekannt sein sollte, obwohl hier bereits "Maps" (2013), "Folding Leaves" (2012) und "Departures" (2009) gelobt wurden.


    There's plenty to love on this album:the beautiful, swelling string arrangements, the glitchy electronics which provide a warm percussive hum; the droning ambient synths which collide and intertwine with violins in a loving embrace; the beautiful orchestra of natural and digital sounds.

    Alexander recently collaborated on the soundtrack for the documentary Planetary, a stinging criticism about human influence on the natural world, and you can hear his sympathy for mother nature in the pastoral beauty of tracks like “Blossom” and “Beneath Our Snow”. “They Ran” offers one of the most aurally pleasing moments Carved From Tides, with ambient reverse tape loops morphing into a track peppered with cinematic strings, skittering synths and subtle swells of slide guitar.

    Leaving the most poignant numbers for last, “When You’re Gone” thrusts Alexander’s vocals to the forefront, exposing a vulnerable human voice flanked by warm electric piano keys, sighing strings and bright guitar chimes. “Hold On” plays out the album with a saxophone led instrumental which builds layers of synths and keys, ending with an emotional and delicate crescendo.

    Carved From Tides is proof that Message To Bears are getting better and better. Alexander has crafted a sound and musical voice entirely of his own, an artist whose music has been nurtured to reach the distinct qualities heard on this exquisite release.
    (The Line Of Best Fit)






  • Linda Guilala - Psiconáutica

    Linda Guilala - Psiconáutica























    Für das Veranstalten von Konzerten im heimischen Wohnzimmer muss man schon ein wenig Enthusiasmus mitbringen und bereit sein, den ein oder anderen Euro aus der eigenen Tasche sowie etwas Zeit zu investieren. Wir waren bisher acht Mal so verrückt und wurden dafür zu Hause mit tollen Auftritten von Pelle Carlberg, Enno Bunger oder zuletzt Dirk Darmstaedter beglückt. 

    Das lässt sich natürlich nur steigern, wenn man die eigenen vier Wände verlässt, gleich mehrere Bands einlädt und diese auch noch extra aus einem anderen Land anreisen lässt. 
    So geschehen, bei Christoph vom Konzerttagebuch, der Anfang des Jahres gleich drei spanische Indie-Bands ins Kölner Tsunami bugsierte und nebenbei noch Instrumente und Unterkunftsmöglichkeiten organisierte!      

    Bei When Nalda Became Punk wusste ich bereits vorher, dass sie mir gefallen würden und die nach  Trembling Blue Stars klingenden The Royal Landscaping Society konnten mich ebenfalls überzeugen. Das traf auf die mir live zu punkrockigen Linda Guilala leider nur bedingt zu. Doch nun lassen Eva María Lopez Castro und Iván González Gancedo ihr zweites Album folgen, wandeln darauf auf den Spuren von My Bloody Valentine, Spiritualized und The Jesus & Mary Chain und können mich auf diesem Wege begeistern.

    "Psiconáutica" liefert in etwas weniger als einer Dreiviertelstunde gleich 20 Lieder, wobei es sich bei der Hälfte der Tracks nur um kurze, jeweils rund eine Minute dauernde Zwischenspiele handelt, die häufig auf Keyboard-Klängen basieren und die eigentlichen Songs einleiten oder in diese übergehen, wodurch einerseits die synthetisch-poppigen Sounds Hand in Hand mit den noisigen Gitarrenwänden gehen, andererseits das komplette Durchhören des Albums eher gefördert als gestört wird.    

    "Psiconáutica" wurde über Elefant Records veröffentlicht und ist einer auf 500 Stück limitierten Auflage auch als durchsichtig / rot gemustertes Vinyl käuflich zu erwerben. 




  • Peter Bjorn And John - Breakin' Point

    Peter Bjorn And John - Breakin' Point























    Jetzt also noch einmal mit Gewalt. Peter Bjorn And John packen 10 Jahre nach ihrem Hit "Young Folks"  und 5 Jahre nach ihrem letzten Album "Gimme Some" den dreiköpfigen Hammer aus, um uns ihre Songs einzubläuen. 

    Kopf 1- die penetrant eingängigen Melodien. Songs wie "What You Talking About?" oder "Between The Lines" kann man, einmal gehört, fast nicht mehr aus den Gehörgängen bekommen. Formatradios, freut euch auf neues Futter!

    Kopf 2 - die Riege an Star-Produzenten. Patrick Berger (Icona Pop, Robyn), Paul Epworth (Florence And The Machine, U2, Paul McCartney), Greg Kurstin (Sia, Adele), Emile Haynie (Lana Del Rey, FKA Twigs, Kanye West), Pontus Winnberg (Miike Snow) und Thom Monahan (Wild Nothing, Devendra Banhart) sorgen für glatt gebügelte und auf aktuelle Trends abgestimmte Synthie-Pop-Sounds mit Retro-Touch - da bleibt kein Auge trocken.

    Kopf 3 - das Pfeifen. Was bei "Young Folks" funktionierte, muss doch auch beim Titelsong des siebten Albums von Morén Yttling And Eriksson klappen, oder?  

    Passend dazu auch Auszüge aus drei Plattenkritiken und drei Songs aus "Breakin' Point":

    Endlich machen Peter Bjorn And John das, was man schon länger von ihnen erwartet hatte: Sie geben sich einem Pop hin, der für ihre schwedische Heimat so naheliegend ist wie kein anderer.

    Man merkt das an den unglaublich nach vorn gedrängten Pianoakkorden in „A Long Goodbye“. Gitarren bleiben außen vor, dafür stehen Keyboards aller Art, Chöre und natürlich diese unverschämt direkten Melodien im Vordergrund. Hier wird nichts umschrieben, vertuscht oder auf ein künstliches Niveau gehoben. Wenn es PBJ um Liebe geht (und das tut es oft), reden sie nicht um den heißen Brei her um. Dann sagen sie, wie es ist: „I will always see the fireworks in your eyes.“ Feuer, Funkeln, Freude überall.
    (musikexpress)






    Nützt aber alles nichts: weg ist der einmalige Charme, der den Sound der Schweden ausmachte. Der leichte Indie-Pop mit kreativer Verspieltheit ist leerem, abgedroschenem Beliebigkeitsquark mit Discokitsch-Elementen gewichen, für den die Band schon vor 30 Jahren zu alt gewesen wäre. Bei »Breakin’ Point« kann man skippen und skippen, irgendwann ist es einfach vorbei, und man hat nichts erlebt. 
    (intro)






    Auf Radiotauglichkeit gedrillt bewirbt sich fast jeder Track mit modernen Keys und einem Hauch 70er-Disco als nächste Singleauskopplung: eingängig, immer unter vier Minuten lang und schick arrangiert.

    Auf Albumlänge kristallisiert sich so auch schnell die Schwäche heraus: Die Grenzen verschwimmen so weit, dass man sich nicht mehr sicher ist, welches Lied gerade dran ist, geschweige denn, wie der Refrain des vorherigen geklungen hat. Isoliert gehört, zünden die einzelnen Tracks besser.
    (laut)





  • Band Of Horses - Why are you ok

    Band Of Horses - Why are you ok






















    In den zwölf Jahren ihrer Existenz weist die amerikanische Band Of Horses mit Ben Bridwell nur ein dauerhaftes Mitglied auf. Seit dem Jahr 2009 hat sich ein weitgehend stabiles Bandgefüge eingestellt. Gleich darauf konnte die Band mit "Infinite arms" ihren bislang größten Erfolg feiern. Dieses wurde gar für den "Best alternative music album"-Grammy nominiert. Damit stand es in einer Reihe mit Arcade Fires "The suburbs", dem Broken Bells-Debüt, Vampire Weekends "Contra" und dem Gewinner "Brothers" der Black Keys. Und nun ratet mal, an welche dieser Alben ich mich kaum erinnern kann. 

    Und ich fürchte auch mit dem aktuellen fünften Werk der Band Of Horses wird es mir so ergehen. Der Kombi-Opener "Dull times / The moon", "In a drawer" und "Barrel house" sind die überzeugenderen Titel auf "Why are you ok". Ansonsten ist das Album weitgehend harmlos bis belanglos geraten. Die Indierock-lastigen Titel sind stellenweise "gut", der Southern Rock-Einfluss erscheint zumindest eine Weile charmant. Die Country-/Folk-Elemente wirken selbst für dieses Genre recht lahm. 

    Aber was bedeutet schon meine Meinung, immerhin hat es in den "New Zealand Heartseekers Albums"-Charts zu einen zweiten Platz gereicht. Dann schaut mal nach, wie man sich für diese Liste qualifiziert....

    Intro.de:
    »Why Are You OK« klingt schlichtweg so, als wären Band Of Horses nun Profis im Band-Of-Horses-Sein. Vielleicht kommt in der Zukunft mal etwas Überraschendes, das ist bei dem Niveau aber auch nicht nötig.

    Das Video zu "Casual party":
    Wer seine Konzertbesuche langfristig plant, kann schon mal den 03.03.2017 für den Auftritt der Band in Hamburg eintragen. 

  • Die 10 besten Platten von Creation Records

    10. Teenage Fanclub "Thirteen"
    9. Primal Scream "Screamadelica"
    8. Slowdive "Souvlaki"
    7. The Boo Radleys "Giant Steps"
    6. Adorable "Against Perfection"
    5. Ride "Going Blank Again"
    4. My Bloody Valentine "Loveless"
    3. The House Of Love "The House Of Love"
    2. Oasis "Definitely Maybe"
    1. Oasis "(What's The Story) Morning Glory"

    (ausgewählt von Dirk)