Früher war auch mal mehr Indierock! Im Verlauf von mittlerweile fünf Waxahatchee -Alben hat sich Katie Crutchfield weiterentwickelt und ...


Früher war auch mal mehr Indierock! Im Verlauf von mittlerweile fünf Waxahatchee-Alben hat sich Katie Crutchfield weiterentwickelt und ist über die Stationen Folkrock und Folk mittlerweile auch bei Americana und Country angelangt. 

Seit ihrer letzten Veröffentlichung „Out In The Storm“ (2017) ist viel passiert bei der Singer/Songwriterin: Sie ist mit dem Musiker Kevin Morby liiert, verabschiedet sich von den Drogen und hat sich für „Saint Cloud“ entschieden, mit dem Ford Pickup Truck uramerikanische Musikstile zu erkunden und thematisch auf einen intimen Selbstfindungstrip zu begeben.    

Bei Metacritic sammeln die von Brad Cook (Bon Iver, Kevin Morby, Bruce Hornsby) produzierten elf Songs aktuell stolze 89/100 Punkten und damit deutlich mehr als ihr bisher am besten bewertetes Album „Ivy Trip“ (2015; 81/100). Neben der regulären CD und LP ist „Saint Cloud“ auch in einer limitierten Auflage bei unabhängigen Plattenläden erhältlich: Limited-edition pressing on coke bottle-clear vinyl in a gatefold jacket. Includes 24” × 36” full-color poster and digital download card. 




Auf SAINT CLOUD geht es um Katie’s Stimme, diese steht hier im Mittelpunkt. Auf keinem anderen Waxahatchee Album hat man auch nur ansatzweise diese Range in ihrer Stimme gehört. Man kann ihr bei jedem Song die Freude anmerken.
Musikalisch wird sie schmeichelhaft und absolut perfekt begleitet und umgarnt. Wirklich jeder Song ist etwas Besonderes. Hier die Melodie, dann wieder ihr Gesang, der nächste Tempowechsel, da noch eine Bridge und alles harmoniert.
(we love that sound)




Bei vielen Songs spielen die Beteiligten mit angezogener Handbremse. Produzent Brad Cook, Kumpel und Kompagnon von Justin Vernon, gelingt es nur an wenigen Stellen, die Gemütlichkeit zu durchbrechen.
„The Eye“ ist ein Positiv­beispiel, hier sind die Zügel locker, der Gesang ist weiter nach vorne gemischt, die Stimme dringlicher. Schön wird es auch am Ende, wenn die Balladen „Ruby Falls“ und „Saint Cloud“ an 90s-Alt.-Country-Acts wie Hazeldine oder Freakwater erinnern, die bei aller Traditionsliebe gerne windschief klangen.
(musikexpress)





Den Sonnenschein genießen, die Frühblüher und die Frühlingsgefühle sprießen lassen sowie sich selbst und andere fragen: „Are you in Love...


Den Sonnenschein genießen, die Frühblüher und die Frühlingsgefühle sprießen lassen sowie sich selbst und andere fragen: „Are you in Love?“ 
Barbara Josephine Bulat kann dies bejahen  und daher hören wir auf ihrem fünften Album sonnigen, flotten Indiepop, der auch von Soul und Country beschienen wurde. Gemeinsam mit Jim James von My Morning Jacket, der auch schon beim Vorgänger „Good Advice“ (2016) als Produzent fungierte, entstanden in den Hi-Dez-Studios in Joshua Tree 13 Songs, für die Basia Bulat ihr Markenzeichen, die Autoharp, größtenteils zur Seite stellte und statt dessen Piano, Orgel, Gitarren und Streicher weiter in den Vordergrund rückte. So ganz ohne melancholische und düstere Zwischentöne kommt der retro-seelige Wohlklang jedoch nicht aus, denn im Entstehungsprozess von „Are You In Love?“ konnte sich die 35-jährige Kanadierin nicht nur an einer neuen Liebe erfreuen, sondern musste auch den Verlust ihres Vaters betrauern. Der Titelsong, die erste Single „Your Girl“ und das großartige „No Control“ seinen besonders hervorgehoben.  

„Are You In Love?“ wird mit 77/100 Punkten aktuell bei Metacritic besser beurteilt als seine Vorgänger, die 72 oder 73 Punkte erreichen konnten, und ist seit dem 27. März als CD und LP (Opaque Beige Vinyl) erhältlich.


Dabei dürfen die Gitarren auch manchmal in den Verstärker gestöpselt und aufgedreht werden („You Girl“, „Homesick“, „The Last Time“, „Love Is At The End Of The World“), grundsätzlich beherrscht Basia Bulat eine weit reichende Klaviatur:
Ballade, Power Pop, Hymne, Uptempo: Wäre „Are You In Love?“ ein Album eines Stars, es würde in den Himmel gelobt werden, ob seiner Vielschichtigkeit. Basia Bulat aber ist ein Geheimtipp, arbeitet an der vordersten Folk-Front und holt die Kohlen aus dem Feuer.
(Musikblog)




Dass dabei jedoch der Schönklang, ein vollendetes, melodisches Strahlen überwiegt, zeigt auch eine gewisse Stärke und Disziplin Bulats. Anstatt sich in dissonanten Bruchstücken selbst zu zerfleischen, bleibt das Ziel, einen Song mit Hand und Fuß abzuliefern. Das kann eine beschauliche Country-Schunkelei mit maximaler Zärtlichkeit wie "Light years" sein, aber auch eine höchst amtliche Hymne der überbordenden Leidenschaften wie "No control", welches gesanglich Gebirge, ach was den Himmel stürmt. Hier gipfelt der Schmerz, die emotionale Anspannung in wuchtiger Entladung.
(Plattentests)




Basia Bulat kommt (hoffentlich) im Herbst nach Deutschland:
09.10.20 Hamburg, Häkken
10.10.20 Berlin, Musik & Frieden
14.10.20 München, Folks Club




Das ist doch ironisch gemeint, oder? Mit „Like A Kennedy“ eröffnet eine 70er Jahre Piano-Ballade das Album, die sich über ein Queen-Ged...



Das ist doch ironisch gemeint, oder? Mit „Like A Kennedy“ eröffnet eine 70er Jahre Piano-Ballade das Album, die sich über ein Queen-Gedächtnis-Gitarrensolo und ein Feuerwerk zu einem opulenten Finale langsam aufbauscht. 




Es folgt „Coming Apart“, das wie die Schnittmenge aus MGMT und Michael Jackson klingt. Für den eingängigen Synth-Pop-Song „Half Your Age“ wurde ein herrlicher Werbeclip für das fiktive Medikament „Brushitall“ gedreht - das hätten We Are Scientists auch nicht besser hinbekommen. 




Apropos spaßige bis großartige Videos: Auch „Obsession“ hat mit einer Sammlung zu Trailern zu fiktiven Filmen aus den 70er, 80er und 90er Jahren ein solches erhalten. Und das für „Blank Slate“, zu dem man vor dem inneren Auge auch Britney Spears tanzen sehen kann, kombiniert Knete und Science Fiction. Passend dazu auch die Plattenhülle, die auf die Voyager Golden Records anspielt, also die Datenplatten mit Bild- und Audio-Informationen, die an Bord der beiden 1977 gestarteten interstellaren Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 angebracht sind. Mehr zeitgenössische Sounds, irgendwo zwischen The 1975 und Billie Eilish, bietet die zweite Plattenhälfte.   




Joywave gründeten sich 2010, kommen aus Rochester, New York und bestehen aktuell aus Daniel Armbruster (Gesang, Gitarre, Piano, Produktion), Joseph Morinelli (Gitarre), Paul Brenner (Schlagzeug) und Benjamin Bailey (Keyboards, Synthesizer). „Possession“ ist nach „How Do You Feel Know“ (2015) und „Content“ (2017) das dritte Album der Band, das von Dan Grech-Marguerat (The Killers, Liam Gallagher, Lana Del Rey) abgemischt wurde.  




Joywave and “Possession,” however, do not disappoint. The production is lush and ambitious. And there is much beneath the racing riffs of “Half Your Age,” the dance-floor throb of “Obsession,” the creepy synth of “F.E.A.R.,” the spacey effects of “Blastoffff,” and the tribal, snarky, and ominous “Who Owns Who?”
Joywave can be self-mocking and satirical. That side is balanced by introspection and fragility. And it’s a daring move to open “Possession” with the most fragile song on the album — and the most gorgeous — the piano ballad “Like a Kennedy.”
(Rochester City Newspaper)



Wie, James Righton ist dir kein Begriff? Dann bist du wohl offensichtlich doch nicht so tief im Thema, wie du immer dachtest! Allen ande...


Wie, James Righton ist dir kein Begriff? Dann bist du wohl offensichtlich doch nicht so tief im Thema, wie du immer dachtest! Allen anderen Gala-Lesern ist selbstverständlich klar, dass James Righton der Ehemann von Keira Knightly ist. Seit Februar 2011 sind sie offiziell ein Paar, im Mai 2013 folgte die romantische Hochzeit in Südfrankreich und 2015 bzw. 2019 erblickten die Töchterchen Edie und Delilah das Licht der Welt. 

Jetzt verlassen wir aber das Gossip-Feld, denn James Righton war nicht immer der Ehemann von Keira Knightly sondern auch einmal Mitglied in der Band Klaxons, die drei Alben veröffentlichten und mit „Golden Skans“ 2007 einen Top Ten Hit in England verbuchten. 2017 veröffentlichte der Ehemann von Keira Knightly unter dem Namen Shock Machine ein erstes Album, war anschließend in die Entstehung von „Tranquility Base Hotel & Casino“ beteiligt, da er auf drei Songs Orgel spielte und nun veröffentlichte er die erste Platte unter seinem eigenen Namen. 

Ähnlich wie die Arctic Monkeys zeigt sich der Ehemann von Keira Knightly nun auf „The Performer“ als distinguierter Crooner zwischen Lounge und Psychedelic Pop. Die 8 Songs und der kurze instrumentale erste Teil von „Lessons In Dreamland“ könnten mit ihren Streicher-, Orgel- und Saxofon-Einlagen seit den 70er Jahren unauffällig jede Bar, jedes Hotel und jedes Casino dezent beschallen. 




Auch musikalisch hat sich Righton weiterentwickelt: Statt den knalligen Glam-Britpop der seit 2014 ruhenden Klaxons fortzuschreiben, versucht er sich an einem mondänen Pop-Entwurf, der zwar mit großer Geste weder Streicherarrangements noch Bläsersätze scheut, aber doch oft arg erwartbar ist: Das „Heavy Heart“ kommt im Zeitlupentempo daher, der „Start“ dagegen in einem federnd hüpfenden Rhythmus. Spannend wird es dann, wenn das Verhältnis zwischen Text und Musik ein gebrochenes ist wie in „See The Monster“, in dem die Abgründe, die Righton in sich selbst entdeckt, mit fröhlich fiedelnden Streichern ausgepolstert werden.
(musikexpress)






Hundreds wissen gute Coverversionen offensichtlich zu schätzen, denn bereits zu ihrem ersten Album gab es eine limitierte Auflage namen...


Hundreds wissen gute Coverversionen offensichtlich zu schätzen, denn bereits zu ihrem ersten Album gab es eine limitierte Auflage namens „Variations“, auf der sich andere Künstler, wie etwa Get Well Soon, Einar Stray oder Rue Royale ihren Songs widmeten. 
Auf eigenen Veröffentlichungen haben Hundreds nur gelegentlich eine Fremdkomposition in ihren Klangkosmos übertragen und bei der Auswahl stets ein glückliches Händchen bewiesen: Auf ihrem zweiten Album „Aftermath“ interpretierten sie das großartige „Foam Born“, ein Lied des mit ihnen befreundeten Musikers Touchy Mob, der sie auch schon auf Tourneen begleitete. Im Rahmen der akustischen „Tame The Noise“ EP wurde „Who Is It?“ von Björk gecovert, „Wonderful Life“ von Black gab es zeitgleich leider nur als digitale Single. Die Sache mit den akustisch gehaltenen Coverversionen fand mit Bon Ivers „Flume“ auf einer zusätzlich zu ihrem dritten Album „Wilderness“ veröffentlichten EP eine weitere gelungene Fortsetzung.  

Seit heute ist „The Current“, das vierte Album von Eva und Philipp Milner, als CD und LP (Aufklappcover, weißes Vinyl) erhältlich und darauf überraschen und verzücken uns die Geschwister mit ihrer Interpretation von „Consequence“ (The Notwist). Selbstverständlich nicht das einzige Highlight unter den elf Songs, auf die wir vier Jahre warten mussten. Da ich das Glück hatte, schon vor Wochen „The Current“ als Promo erhalten zu haben, läuft das Album hier rauf und runter. Mein Lieblingslied wechselt dabei ständig: Mal ist es der Opener „Vessel In The Sky“, der sich als Duett entpuppt und Elektro und Akustik zu kombinieren weiß, mal ist es das folgende „Calling“, das im Refrain Bläser-Bombast im Woodkidschen Sinn aufbrausen lässt und mal sind es die beiden ersten so unterschiedlichen und in ihrer extremen Eingängigkeit doch vereinten Singles „Body Of Water“ (leichtfüßig tröpfelnd) und „Ready Shaking Silent“ (treibend).




Im Chorus des Openers „In The Vessel“ übernimmt Phillip Milner den eingängigsten Part der ganzen Platte, der sich entlang seiner Worte zum Luftschloss erhebt, das umsegelt werden möchte: „Our world is a vessel in the sky/ Our world is a vessel passing by.“
So schön und formvollendet Eva Milner auch singt, die anschließenden Stücke haben einen vergleichsweise schwierigeren Stand, weil sie in ihren Elektro-Pop-Sphären mit weniger Überraschung und Abwechslung dahingleiten.
Es dauert bis zum wundervollen The-Notwist-Cover, bis sich der nächste Aha-Effekt einstellt. Dafür aber so richtig. (…)
Für gewöhnlich ist es nicht das beste Zeichen, wenn ausgerechnet eine Coverversion zu einem der Glanzpunkte eines Albums avanciert. Im Falle von Hundreds ist es allerdings vielmehr die erneuerte Visitenkarte, mit der sie seit 2010 ihre Geschmackssicherheit in Sound und Stil nochmals dick unterstreichen und dem Eskapismus in den eigenen vier Wänden Tür und Tor öffnen.
(Musikblog)




Das Angebot, neben dem Download auch die Schallplatte zugeschickt zu bekommen, habe ich dankend abgelehnt, da ich sie mir lieber direkt bei den Künstlern auf dem Konzert in drei Wochen in Frankfurt kaufen wollte. Nun sind alle Konzerte in den August verschoben, das Vinyl ist beim kleinen Plattenladen bestellt und die Tickets bleiben erst einmal hier liegen. Vielleicht haben wir bis dahin auch den Mut gefunden, um anzufragen, ob sich Hundreds nicht vorstellen können, sich irgendwann mit ihrem akustischen Set in die Riege unserer Wohnzimmerkonzerte (u.a. Enno Bunger, Dirk Darmstaedter, Loch Lomond und zuletzt Wolf & Moon) einzureihen. Bei unserer ersten Kontaktaufnahme durften wir statt dessen immerhin MissinCat bei uns Zuhause begrüßen, die sicherlich ein gutes Wort für uns einlegen würde.  

Hundreds auf Tournee:
10.08.2020 Heidelberg, Karlstorbahnhof
11.08.2020 Frankfurt am Main, Batschkapp
12.08.2020 Stuttgart, Wizemann
14.08.2020 Zürich, Papiersaal
15.08.2020 Freiburg, Jazzhaus
16.08.2020 München, Strom
17.08.2020 Wien, Werk
19.08.2020 Nürnberg, Z-Bau
20.08.2020 Dresden, Beatpol
21.08.2020 Jena, Kassablanca
22.08.2020 Rostock, Peter Weiss Haus
24.08.2020 Leipzig, Täubchenthal
25.08.2020 Dortmund, FZW
26.08.2020 Hannover, Pavillon
28.08.2020 Köln, Kulturkirche
29.08.2020 Bremen, Modernes
30.08.2020 Hamburg, Übel & Gefährlich
01.09.2020 Berlin, Huxleys




Schön, wenn sich Band und Fans auf eine Rückkehr freuen können, auch wenn The Slow Readers Club nicht in einer Liga mit den Editors spi...


Schön, wenn sich Band und Fans auf eine Rückkehr freuen können, auch wenn The Slow Readers Club nicht in einer Liga mit den Editors spielen, weil sie vielleicht nicht so einen charismatischen Frontmann wie Tom Smith haben oder noch nicht auf einen so reichhaltig mit Hits ausgestatteten Backkatalog zurückblicken können.  

Aber nun ist das 2009 gegründete Quartett aus Manchester mit seinem vierten Album „The Joy Of The Return“ zurück und nachdem mit dem Vorgänger „Build A Tower“ vor zwei Jahren erstmals die britischen Charts erreicht werden konnten (#18), darf man davon ausgehen, dass zumindest der Aufstieg in eine gemeinsame Liga mit den White Lies erfolgt ist.

Somit ist das musikalische Spektrum auch schon recht deutlich abgesteckt: energetischer, tanzbarer Indierock mit einer Prise Post-Punk. „All I Hear“, „Every Word“ oder „Killing Me“ werden sicherlich auf Konzerten bei Festivalauftritten und in der Indie-Disco für Begeisterung sorgen. Gelegentlich, wie bei „Something Missing“ oder „All The Idols“, fühlt man sich auch in die 80er Jahre, zu U2, Echo & the Bunnymen oder Simple Minds, zurückversetzt.   

„The Joy Of The Return“ ist als CD und LP erhältlich, das „Magenta Pink Vinyl“ ist auf 1500 Exemplare limitiert, nur 1000 Exemplare der „Magenta Pink with Black splatter“ LP sind exklusiv über den Shop der Band erhältlich.




A great catchy effort from one of Manchester’s most creative and exemplifies a variety in sounds and instrumentation that carry on the success of their previous record. Get your ears on this one.
(RGM)

It’s an album that, quite assuredly, raises its head above the parapet, combining their trademark indie and alternative stylings with poppier and more muscular compositions. Highlights include “Jericho,” “All the Idols,” and closing track “The Wait.” It all adds up to some of the most immediately compelling indie pop released in a long while.
A surprising and effortless release, The Joy of the Return feels like the start of something big for the band. One only hopes that they can keep this element of surprise going into the future.
(Under The Radar)

The Joy of the Return has more than its fair share of future singles; ‘Problem Child’, ‘Jericho’ and ‘Paris’. This is the album which will propel The Slow Readers Club to the next level of commercial success; prepare to hear them a lot more on the radio.
(On: Yorkshire Magazine)






Nach seinen zahlreichen verbalen Entgleisungen ist Morrissey nun auch musikalisch aus der Spur geraten. Und das kann, nachdem das zulet...


Nach seinen zahlreichen verbalen Entgleisungen ist Morrissey nun auch musikalisch aus der Spur geraten. Und das kann, nachdem das zuletzt veröffentlichte Cover-Album „California“ (2019) das überflüssigste seiner Karriere war, durchaus als Lob verstanden wären, denn auf „I Am Not A Dog On A Chain“ zeigt sich Morrissey so experimentell wie seit „Ringleaders Of The Tormentors“ (2006) nicht mehr. Die seltsam stolpernde Beats beim ersten Song „Jim Jim Falls“, der Versuch, auf „Once I Saw The River Clean“ mehr aus Synthesizern und Computertechnik herauszuholen, das Duett mit der Soul-Sängerin Thelma Houston  („Bobby, Don’t You Think They Know?“), der Kinderchor auf „My Hurling Days Are Done“ sowie ungewöhnliche und überraschende Instrumentierung (Saxophon, Zither, Slide und Pedal Steel Guitar, Trompete, Orgel, Akkordeon, Geige, Sitar) zeugen von der Experimentierfreude von Morrissey, seinen üblichen Mitstreitern und -komponisten (Boz Boorer, Jesse Tobias, Gustavo Manzur, Mando Lopez) und dem Produzenten Joe Chiccarelli - oder von einem Einbruch in eine Musikalienhandlung. 

Schade, dass es die Plattenhülle tatsächlich noch schafft, die von „California“ qualitativ deutlich zu unterbieten, dass ausgerechnet der mit fast 8 Minuten längste Song des Albums („The Secret Of Music“) der mit Abstand schwächste ist (und möglicherweise von besagtem Einbruch inspiriert wurde), dass ich den Hit, den selbst „Low In High School“ zu bieten hatte („Spent The Day In Bed“), noch immer suche, und dass ich die Musik von Morrissey aufgrund seiner Äußerungen nicht mehr so richtig genießen kann. 

Vielleicht hilft nur Humor, wie ihn ein Internet-User bewies, als er schrieb, dass bei einigen Song-Titeln folgende wichtige Informationen in Klammern vergessen wurden:

2. Love Is On Its Way Out (Of The EU, Thank God)
3. Bobby, Don’t You Think They Know (That The Media Are Liars, Especially The Guardian)

5. What Kind of People Live in These Houses? (Hopefully Not Foreigners)

10. The Secret of Music (Please Tell Me, Johnny Marr?)
…  




He appoints himself a witness to lost, kinder times (Love Is on Its Way Out), and a wise veteran of life’s cruelties that the rest of us are only now waking up to (Knockabout World). But looking back in despair lets Morrissey elide responsibility for his diminished reputation. He frequently references his taste for inconvenient truths – “I raise my voice, I have no choice!” he exclaims on the title track, an anthem for fake-news types – yet few such sentiments penetrate his lyrics, beyond references to animal rights and his contempt for the bovine masses (the “duckface in a duplex” of What Kind of People Live in These Houses?).
(…) Oleaginous and rasping, Morrissey is often lost among the strident music as he hectors people afraid to be themselves: the high camp of Bobby, Don’t You Think They Know? torments a closeted bloke, while torch song The Truth About Ruth wields insipid rhyme to suggest gendered subterfuge.
Morrissey knows exactly who he is: a victim, though he’ll never admit he does it to himself. His coyness undermines his apparent glee as a truth-teller, while his recourse to superannuated lamentation ignores the potential for later-in-life artists such as Bowie and Cohen to outdo their youthful glories. At this rate, he’ll never sit alongside them.
(The Guardian)






Baxter ist der Sohn von Ian Dury, die Ältere kennen ihn vermutlich als 5-jährigen vom Plattencover von „New Boots and Panties!!“ (1977),...


Baxter ist der Sohn von Ian Dury, die Ältere kennen ihn vermutlich als 5-jährigen vom Plattencover von „New Boots and Panties!!“ (1977), die Jüngeren haben vielleicht eines seiner Alben, die er seit 2002 sporadisch veröffentlicht. 

„The Night Chancers“ ist seine sechste Platte und Baxter Dury hat seinen Stil wahrlich mittlerweile gefunden: Zu stoisch pluckernden Downtempo-Beats schwelgen Streicher, gibt es funky Gitarren, trötet gelegentlich ein Saxophon und säuseln weibliche Backroundsängerinnen lasziv zu Durys tiefem, monotonem Sprechgesang, auch wenn alle Sänger diesen Begriff möglicherweise als Beleidigung auffassen werden. 

Ist das noch Easy Listening oder schon der Soundtrack zu einem Soft-Porno? Wäre Dury lieber Serge Gainsbourg oder doch der David Bowie der 80er Jahre? Da die 10 Songs, die erneut gemeinsam mit dem Produzenten Craig Silvey (Arcade Fire, John Grant, Artic Monkeys) entstanden sind, bereits nach 30 Minuten vorbei sind, bleibt einem kaum Zeit, sich eine Meinung zu bilden und so muss man „The Night Chancers“, mit „Baxter loves you“, dem Chorgesang des abschließenden „Say Nothing“, einfach noch einmal neu auflegen.

Das hoch gelobte Album (86/100 Punkten bei Metacritic) kann dazu als crystal clear oder phosphorescent Vinyl seit Freitag käuflich erworben werden.




Baxter kennt seine Beatnik-Heroen und deren Arbeitsethos: Was hundert Mal gegengecheckt und verändert wird, wird nicht automatisch besser. Als "Slumlord" führt er durch die Nacht und oszilliert zwischen Serge Gainsbourg auf Trip Hop und einer Sleaford Mods-Maxi auf 33 RPM. Unmöglich, wegzuhören. (…)
Das wehmütige "Daylight" klingt wie in der tiefsten Nacht ohne jeglichen Lichteinfall verfasst, bevor "The Night Chancers" mit 80er-Synthies den Türsteher spielt. Das Klangbild ist voluminös, die Melodien elektrisierend, sein Vortrag mitreißend und ganz am Ende rufen die Chöre in Dauerschleife: "Baxter Loves You". Es ist sein bestes Album.
(laut)




Die selbstzerstörerische Melancholie, die durch seinen Swagger durchscheint, ist genauso herzzerreißend wie die getragenen Geigen, die in „Daylight“ den Himmel aufreißen. Selbst wenn die Streicher gut gelaunt daherkommen, wie im abschließenden „Say Nothing“, tagträumt Dury davon, von einem Auto überrollt zu werden.
Die besten Momente des Albums klingen aber nicht selbstzerstörerisch, sondern mehr wie eine verzweifelte Party. Wenn der Tränenprinz seine Trauer herunterschluckt, seine Streicher Disco-Salven aus der Frank-Farian-Schule spielen lässt und sich in seinem glorreich verlotterten Sound badet. Wenn er in „Sleep People“ sein „Yeeeah“ herrliche fünf Sekunden lang streckt. Dann geht ein Schmunzeln durch seine Stimme – und die Ambivalenz verwandelt sich in Melancholie überwindende Euphorie.
(byte.fm)




Natürlich ist Luke Haines auch ein bildender Künstler. Wer hätte denn ernsthaft daran gezweifelt, dass der Musiker und Autor nicht auch ...


Natürlich ist Luke Haines auch ein bildender Künstler. Wer hätte denn ernsthaft daran gezweifelt, dass der Musiker und Autor nicht auch als Maler reüssieren könnte?


Aktuell lassen sich mehrere Kunstwerke aus den Serien „…In The Night Garden“ und „Lou Reed/NY In the '70s“ für 70 bzw. 99 Britische Pfund hier käuflich erwerben. Lou Reed kommt in beiden Serien von Haines vor und auch Peter Buck, der Gitarrist von R.E.M. (und ich weigere mich hier ein „ehemalige“ davor zu setzen), scheint einen Narren an ihm gefressen zu haben und hat eines der kleinen Gemälde des früheren The Auteurs- und Black Box Recorder-Kopfes erworben. Dass sie immer noch zum Verkauf stehen, liegt daran, dass Haines mehr als 70 Stück hergestellt hat, entsprechend der Nennung des Namen „Lou Reed“ in seinem Song „Lou Reed Lou Reed“.


Beide hatten sich zuvor noch nicht getroffen, beschlossen aber auf Haines’ Initiative gemeinsam einige Songs zu schreiben. Aus einigen wurde viele und daraus ein Album namens „Beat Poetry For Survivalists“. Das Album fügt sich mit seinen wilden Geschichten über einen post-apokalyptische Radiosender, der nur Lieder von Donovan spielt, Bigfoot oder den Raketenforscher und Okkultisten Jack Parsons sehr schön in die schillernde Diskographie von Luke Haines ein, wird aber dankenswerterweise um das psychedelische Gitarrenspiel mit Fuzz- und Wah Wah-Effekten von Peter Buck erweitert.    


The songs are pithy excursions. Ugly Dude Blues is exactly as the liner notes describes (“an old Troggs song that Reg Presley didn’t get around to writing so we wrote it for him”). Jack Parsons touches on elements of the real-life American rocket scientist and occultist to a background of throbbing, insidious psychedelia. Apocalypse Beach, meanwhile, invents the story of a radio station that only plays Donovan songs. Haines & Buck? Fripp & Eno for the jilted generation.
(The Irish Times)




If you like Nuggets-y garage pop, if you enjoyed either the Minus Five or the Auteurs, if you’re a sucker for fuzz guitar and end-times imagery, you’ll find plenty to entertain you. The songs are good. Both musicians are pros. The execution is offhandedly excellent, like they’re not even trying but nailing it anyway. But you never get the sense that these songs matter all that much to either principal. It’s a parlor trick, a juggling act that they could do all day without dropping anything, but the stakes don’t seem to be very high.
(Dusted)



10. Menswear - Nuisance: 25th Anniversary (LP) (24.4.2020) 9. Depeche Mode - VIOLATOR / 12" SINGLES (Box Set) (24.4.2020) ...


10. Menswear - Nuisance: 25th Anniversary (LP) (24.4.2020)







9. Depeche Mode - VIOLATOR / 12" SINGLES (Box Set) (24.4.2020)







8. Marillion - Script For A Jester’s Tear (Deluxe Edition, Box Set, 4 LPs) (3.4.2020)







7. DMA's - The Glow (Indie Retail Exclusive Tri Color, LP) (24.4.2020)







6. Art Brut - Bang Bang Rock And Roll (Limited Edition, Gold Vinyl, LP) (3.4.2020)







5. The Strokes - The New Abnormal (Opaque Red Vinyl, Limited Edition, LP) (10.4.2020)







4. Jonathan Bree - After The Curtains Close (180g, Limited Edition, Red Vinyl, LP) (24.4.2020)







3. Ezra Furman - Sex Education O.S.T. (LP) (24.4.2020)







2. Liam Gallagher - MTV Unplugged (Live At Hull City Hall) (Splattered Vinyl, Indie Retail Exclusive, LP) (24.4.2020)







1. Sophia - Holding On/Letting Go (LP) (24.4.2020)









Was für eine großartige Idee! Ende 2018 veröffentlichte Jófríður Ákadóttir ihre „Gravity“ EP in Kooperation mit dem ebenso teuren wie he...


Was für eine großartige Idee! Ende 2018 veröffentlichte Jófríður Ákadóttir ihre „Gravity“ EP in Kooperation mit dem ebenso teuren wie hervorragenden und vielfach ausgezeichneten, in Reykjavik beheimateten Bean-to-bar Schokoladenhersteller omnom. Der Download-Code war exklusiv in einer speziell kreierten Tafel Matcha-Schokolade erhältlich.


Nun hat die 25-jährige Musikerin, die man als Mitglied von Samaris oder Pascal Pinon (zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Ásthildur) kennt, unter dem Namen JFDR ihr zweites Album veröffentlicht. Leider ohne Schokolade, dafür als CD und LP erhältlich. 2017 war ihr Solodebüt „Brazil“ erschienen, es folgten 2018 zwei EPs und nun „New Dreams“. 

In 11 intimen und entspannten Songs trifft zarter, geflüsterter Gesang auf Folk und Electronica. Während das nur am Piano vorgetragene „I Wish I'd See The Way You See Me“ den Charme und Klang einer Demo-Aufnahme beibehält und neben „My Work“ und „Shimmer“ für den eher klassischen Folk-Anteil des Albums steht, öffnet sich an anderen Stellen das Fenster ganz weit für Gesangs-Loops, dezente Beats, synthetische Klänge und elektronische Stimmverfremdung („Taking A Part Of Me“, „Think Too Fast“).    




It’s the type of album that is served well through sensory deprivation. Put in your headphones, turn out the lights, and just listen. And then continue to listen and notice each of the details you didn’t notice before. The electronic influences that are ever-present beneath the surface and have an obvious shared influence with fellow Icelander Bjork. (…)
The wonder of New Dreams is its ability to trick us into thinking it’s a simple album, while really every single piece has been so clearly, beautifully, and perfectly orchestrated and executed.
(Sputnik Music)




Es gibt wenige Songwriter, die in bewusst so reduziertem Rahmen operieren wie JFDR und dabei einzigartige Kulissen fernab gewöhnlicher Strukturen schaffen. Das beginnt beim Sounddesign und endet bei der überlegten Abstimmung auf den Gesang. Was "New Dreams" darüber hinaus so besonders macht, ist, dass es zu keinem Zeitpunkt aktiv Aufmerksamkeit einfordert. Frei von jeder Theatralik musiziert JFDR im Zweifel lieber noch ein bisschen leiser als zu laut zu werden. Man verstummt gerne, um zuzuhören.
(laut)





Ist es der eigenen überbordenden Kreativität oder dem Vorbild der Foals, welche letztes Jahr mit der Veröffentlichung von „Everything No...


Ist es der eigenen überbordenden Kreativität oder dem Vorbild der Foals, welche letztes Jahr mit der Veröffentlichung von „Everything Not Saved Will Be Lost“ in zwei Teilen erfolgreich in den Charts reüssieren konnten (#2 und #1), geschuldet? 

Wir wissen es nicht, aber weniger als ein Jahr nach ihrem letzten Album veröffentlichen die Circa Waves 14 neue Songs. Ursprünglich waren diese auf die zwei thematisch getrennten EPs namens „Sad“ und „Happy“ verteilt und werden nun gemeinsam als Album veröffentlicht. Damit „Sad Happy“ auch endlich einmal höhere Top Ten-Regionen erreicht - „Young Chasers“ kam 2015 im Vereinigten Königreich auf Rang 10, „Different Creatures“ 2017 auf Platz 11 und „What’s It Like Over There?“ letztes Jahr erneut bis auf die 10. Position in den Charts - wird auf der Homepage des Liverpooler Quartetts zudem eine Vielzahl an unterschiedlichen Auflagen angeboten: CD, Kassette, schwarzes Vinyl, goldenes Doppel-Vinyl, eine zusätzlicher EP sowie ein Textblatt und alles gern auch signiert. 

Besonders viel Vergnügen bereitet die flotte erste Plattenhälfte, die wie ein Gitarrenrock-Mixtape mit Liedern von The Kooks, Catfish And The Bottlemen und Two Door Cinema Club klingt. Vielleicht sucht man das Alleinstellungsmerkmal von Circa Waves vergeblich, aber dafür haben sie mit „Jacqueline“, „The Things We Knew Last Night“ und „Love You More“ mindestens drei Volltreffer gelandet. Die zweite Plattenseite kann da leider nicht mithalten und setzt vermehrt auf Synthesizer, Keyboards und 80er Jahre Klänge, so dass sich Blossoms, Phoenix und Metronomy beim Titelsong, „Wake Up Call“ oder „Battered & Bruised“ als Vergleich aufdrängen.       




With Sad Happy, Circa Waves capture the broken dreams of youth and turn them into songs meant to be played at full volume before leaving you wrecked on the floor.
(All Music)

‘Sad Happy’ achieves its goal of communicating a messy, divided and confusing climate inhabited by torn-apart people always looking back to the past while being carried mercilessly into the future. It’s a contemplative, conflicted look at modern life and feels relevant in a breathless, always-on society. ‘Sad/Happy’ is bittersweet more than anything – which feels like the truest emotion for this album, one that successfully communicates the modern maelstrom of everyday pain and joy.
(NME)





Dreampop kenne ich - aber gibt es den Genrebegriff „Nightmarepop“ eigentlich schon? Hilary Woods stand einstmals in der Band JJ72 (Ka...


Dreampop kenne ich - aber gibt es den Genrebegriff „Nightmarepop“ eigentlich schon?

Hilary Woods stand einstmals in der Band JJ72 (Kategorie Geneva, Buffseeds, Puressence) und bescherte mir eines der lautesten Konzerte meines Lebens (Kategorie My Bloody Valentine). Mittlerweile ist die Irin fast 40 Jahre alt und hat mit „Birthmarks“ nach „Colt“ (2018) ihr zweites Soloalbum veröffentlicht. 

Vor rund einem Jahr konnte ich Hilary Woods im Vorprogramm von Low live sehen. Ohrenstöpsel wurden nicht benötigt, aber die düsteren, atmosphärischen und sehr getragenen Songs passten recht gut zum Hauptakt. Auf „Birthmarks“, das Woods hochschwanger zwischen Galway und Oslo im Winter 2019 aufnahm, hören wir beängstigende Soundcollagen, ein Rauschen und Knarzen aus Field Recordings, Bass, Cello, Saxophon, elektronische Sounds und ätherischen Gesang (Kategorie Drone, Ambient, Dreampop, Artpop). Als würde Anna von Hausswolff die Klangkulisse für einen Horrorfilm malen oder einen Alptraum vertonen. 

Bithmarks“ ist als Download, CD und LP (black / dark red / black marble Vinyl) seit dem 13. März erhältlich. 




Der Klang von Cello und Saxofon schält sich aus einem amorphen ambienten Soundbrei heraus, der experimentelle norwegische Produzent Lasse Marhaug ist für den Noise und den Donner und das Atonale auf BIRTHMARKS zuständig.
„Through The Dark, Love“ ist ein schönes Beispiel für die friedliche Koexistenz von Experiment und Folksong. Ohnehin fühlen sich diese dunklen Tracks wie lebendige Wesen an, sie ändern innerhalb ihrer Laufzeit mehrmals die Form („Mud And Stones“). Das finale „There Is No Moon“ klingt unter diesen Vorzeichen beinahe wie ein Wiegenlied.
(musikexpress)







Gut, die Gemäldegalerie Alte Meister kann man nach siebenjähriger Teilschließung im umfangreich sanierten Semperbau am Zwinger aktuell ...


Gut, die Gemäldegalerie Alte Meister kann man nach siebenjähriger Teilschließung im umfangreich sanierten Semperbau am Zwinger aktuell aufgrund der Corona-Krise nicht besichtigen. Aber das ist noch lang kein Grund, stattdessen nicht „How To Hear A Painting“ von Woods Of Birnam zu hören. 




Das vierte Album der Band hat wieder einmal einen ambitionierten Ansatz und umfasst zwölf Songs (plus zehn Interludes), die von den Alten Meistern inspiriert wurden. Im Idealfall legt man die Vinyl Deluxe-Box Edition auf und während man die Doppel-LP (transparentes Vinyl) hört, kann man sich im 52-seitigem Booklet die entsprechenden Gemälde in Ruhe anschauen. Wenn man dann irgendwann wieder die ebenfalls beigefügten Museumstickets für die Alten Meister Dresden nutzen darf, kann man die  beigefügte CD in seinen tragbaren CD-Player legen und die Musik sogar im Museum hören!




Glücklicherweise hat sich die Band vom Synth-Pop des Vorgängers „Grace“ (2018) verabschiedet und zeigen sich mindestens so facettenreich wie auf „Searching For William“ (2017) und „Woods Of Birnam“ (2014). „The Machine“ nutzt beispielsweise „Juno in der Unterwelt“ von Jan Brueghel der Ältere und Hans Rottenhammer als Assoziationsgrundlage - und die müssen ganz wilder Rocker gewesen sein. Der Komponisten und Arrangeur Sven Helbig steuert opulenter Orchesterarrangements („Amor“, „National Anthem“, „In de Klauwen van de Adelaar“) bei und Sänger Christian Friedel überrascht alle, die nicht die aktuelle Staffel von „Babylon Berlin“ gesehen haben, mit deutschen Texten („A Ship“). „Dark World Down“ kombiniert einen an „Holding Out For A Heroe“ (Bonnie Tyler) erinnernden Uptempo-Part mit Spoken Word-Beiträgen von Friedel. Das akustische, balladeske „Red Bird“ und das folgende technoidie „A Ship“ bilden wohl den größt möglichen Gegensatz auf „How To Hear A Painting“.  

Hier gibt es (ab 12:16) die Live-Aufführung von „How To Hear A Painting“ von ARTE Concert:







Wenn wir demnächst alle mies gelaunt mit Lagerkoller in Quarantäne sitzen, dann ist vielleicht das aktuelle Album von Peter Bjorn and Jo...


Wenn wir demnächst alle mies gelaunt mit Lagerkoller in Quarantäne sitzen, dann ist vielleicht das aktuelle Album von Peter Bjorn and John ein Gegenmittel. Legt man die Schallplatte von „Endless Dream“ auf, kann man einerseits den Gutelaune-Indiepop des schwedischen Trios lauschen und andererseits währenddessen auf dem beigefügten Spielbrett versuchen den Gipfel zu stürmen:


Ihren persönlichen Zenit hatten Peter Morén, Björn Yttling und John Eriksson sicherlich 2006 mit der Single „Young Folks“ erreicht, die weltweit die Charts nach oben kletterte. Seitdem sind sie als Komponisten, Musiker und Produzenten aktiv und veröffentlich kontinuierlich ihre gemeinsamen Alben ohne den ganz großen Erfolg wiederholen zu können.  Seit ihrem selbstbetitelten Debütalbum aus dem Jahr 2002 haben sie allen ihren Alben einen Zwei-Wort-Titel verpasst und 2012 mit weiteren schwedischen Künstlern (u.a. Lykke Li und zwei Mitglieder von Miike Snow) ihr eigenes Label INGRID gegründet. „Endless Dream“ ist der Gegenentwurf zum vorherigen recht düsteren „Darker Days“ (2016) bietet allen gute Unterhaltung, die Gitarrenpop zwischen Shout Out Louds und Fountains Of Wayne zu schätzen wissen.  

Mehr als die Hälfte der Songs kann man sich hier anhören:






Opener 'Music' is as PB&J as a song can get, but the following track 'Reason To Be Reasonable' is the one that really sets the tone for the rest of the album. It's a happy-go-lucky tune that really brings on the waves of nostalgia because it sounds like the lead-in to an episode of a wholesome early-2000s TV show. Kind of like OK Go's 'Don't Ask Me' off the 'Smallville' soundtrack. The rest of the album maintains this vibe, with a few interesting sidesteps along the way that do not in any way take you out of the experience that is 'Endless Dream’.
Following 'Reason To Be Reasonable', the album unfolds to reveal more 70s influences. 'Drama King', in particular, has a Bowie and Beatles-esque sound to it, but still keeps some of the peppiness of the other songs allowing it to blend right in with the rest of the album. (…)
(meaww)






As usual, Peter Moren comes up with the big, poppy songs with great choruses tailor-made for his warm embrace of a voice. "Reason to Be Reasonable" is expansive new wave pop with a lively arrangement that features timpani and zither, "Endless Reruns" has a lovely melody framed by sweetly jangling guitars, and both "Simple Song of Sin" and "On the Brink" are deeply felt, brilliantly put together songs; the latter even gets baroquely epic in the verses in a way the band haven't ever been before. Björn Yttling's songs are more restrained, a little weird around the edges, but still almost naggingly catchy. (…)
John Eriksson, as usual, isn't looking to write hits, though. He's the group's experimental tinkerer, and his tracks are filled with shifting dynamics, strange sounds, and treated vocals, especially on the restrained, slightly malevolent "Drama King" or the jittery new wave rocker "A Week-End." Add in the reverb-heavy, jazz-on-the-moon ballad "Idiosyncrasy," and you have a nice balance to the sugary pop the other two guys concoct. (…)
It's hard to believe that after two decades together as a band Peter Bjorn and John are still making records as intense, energetic, inventive, and vital as Endless Dream. It's true, though, and like Darker Days, the album is another reward to those who stuck around and a reminder to those who may have bailed that the trio are still knocking out some top-notch indie rock.
(allmusic)










10 Fakten zum neuen Album von The Boomtown Rats : 1. Rekordverdächtige 36 Jahre vergingen zwischen den letzten beiden Alben von The Bo...


10 Fakten zum neuen Album von The Boomtown Rats:

1. Rekordverdächtige 36 Jahre vergingen zwischen den letzten beiden Alben von The Boomtown Rats. Zwischen „In The Long Grass“ (1984) und „Citizens Of Boomtown“ lagen 430 Monate. 

2. In dieser Zeit hätte man das aus sechs Alben bestehende Oeuvre der Band, das innerhalb von 8 Jahren (1977 - 1984) veröffentlicht wurden, 78 528 mal durchhören können. Oder ihren größten Hit „I Don’t Like Mondays“ rund 282 700 800 mal.

3. The Boomtown Rats bestehen in ihrer aktuellen Besetzung aus Bob Geldof (Gesang, Gitarre), Garry Roberts (Gitarre), Pete Briquette (Bass) und Simon Crow (Schlagzeug). Damit sind vier der sechs Gründungsmitglieder wieder mit an Bord. Gerry Cott (Gitarre) war bereits 1981 ausgestiegen, Johnnie Fingers (Keyboards) nach dem Spilt der Band im Jahr 1986. 

4. 2013 reformierten sich The Boomtown Rats für einige Konzerte und Festivalauftritte und eine neue Best of-Zusammenstellung namens „Back to Boomtown: Classic Rats Hits“ - jedoch ohne neue Titel. Im April 2017 begab sich die Band ins Studio, um die Aufnahmen für „Citizens Of Boomtown“ zu beginnen.

Weniger stringent ist, dass die Klangästhetik auffällig stark variiert, zwischen dem clubtauglichen Rausschmeißer „The Boomtown Rats“ und „She Said No“, einem Bluesharp-Garagenrocker der Sorte Chocolate Watch Band, liegen nun wirklich Welten. Dass der Refrain der Single „Trash Glam, Baby“ entfernt an Chris Norman erinnert: nun gut. Deutlich irritierender wird es, wenn sich „Rock’n’Roll Yé Yé“ nicht zwischen Joan Jett und Bob Dylan entscheiden kann. (…)
Die Bürger der Boomtown verfallen jedoch ins andere Extrem: Multiple Persönlichkeiten, die Club-Sounds antäuschen, eine „Postcard“ aus dem Folkladen schicken und irgendwann beim Schweinerock landen. Man kann das natürlich auch positiv sehen: Zumindest ist für jeden was dabei.
(musikexpress)

5. Erstmals saß kein prominenter Produzent mit im Studio: Pete Briquette übernahm den Job, den zuvor bereits Peter Walsh (Pulp, Scott Walker, Simple Minds), Tony Visconti (David Bowie, T. Rex, Morrissey, Iggy Pop) oder Robert John "Mutt" Lange (Muse, Def Leppard, The Cars) inne hatten.  

6. „Citizens Of Boomtown“ bietet 10 neue Songs, die 41:13 Minuten laufen, und ist am 13. März über BMG veröffentlicht worden. 5 Songs stammen allein aus der Feder von Bob Geldof, vier komponierte er zusammen mit Pete Briquette sowie einen mit Darren Beale.

7. „Citizens Of Boomtown“ ist als Download, CD und LP erschienen. Eine exklusive Auflage der Schallplatte ist als Gold Vinyl erschienen.  

8. Am gleichen Tag ist mit „Tales of Boomtown Glory“ ein Buch von Bob Geldof veröffentlicht worden: Tales of Boomtown Glory is a collection of the complete lyrics from Bob Geldof’s Boomtown Rats and solo albums, accompanied by an introduction and 25 song stories written by Geldof, and exclusive scans from his notebooks over the years. The stories provide a witty and honest account of the background, inspiration and context of the songs. 

9. „Trash Glam, Baby“ kam im Januar vorab als Single heraus (auch als tatsächliche 7’’ Single) und  wurde mit einem Video ausgestattet:




10. Die Kritiker sind nicht wirklich von „Citizens Of Boomtown“ begeistert. Bei Metacritic steht das Album aktuell bei 60/100 Punkten:

It has nostalgic nods to their first musical loves, bits that nod back to the first records they made, plenty of vim and spark but without the fuel that was first ignited by that spark. And, of course, it has toe-curling attempts to be current, just in case there really are disenfranchised kids listening.
(The Guardian)

For his part, Geldof swaggers and snarls with plenty of charisma and acerbic wit while the group's strong vocal presence recalls the Rats of old. There is some good material here and they've certainly taken their reunion record somewhere unexpected, but as a whole, Citizens is a bit of an inconsistent mess.
(All Music)





Hyperriesen, Unterriesen, Weißer Zwerg, Brauner Zwerg, Heisser Unterzwerg, Kühler Unterzwerg, Doppelsterne, Neutronensterne - man hat es...


Hyperriesen, Unterriesen, Weißer Zwerg, Brauner Zwerg, Heisser Unterzwerg, Kühler Unterzwerg, Doppelsterne, Neutronensterne - man hat es nicht leicht mit den Sternen.

Aber man hat es auch nicht leicht mit Die Sterne: Frank Spilker ist nach dem Ausstieg von Thomas Wenzel und Christoph Leich vor zwei Jahren das einzig verbliebene Gründungsmitglied der 1992 gegründeten Band, die in ihrer aktuellen Besetzung laut Spilker „weniger Band, mehr Kollaboration“ ist. Das letzte Album „Flucht in die Flucht“ liegt auch schon wieder sechs Jahre zurück und nach einer Werkschau („Mach’s besser – 25 Jahre“) und dem folgenden Mitgliederschwund war zu befürchten, dass das Ende von Die Sterne erreicht sei. Zu besagter Kollaboaration gehörten im Studio etwa Philipp Janzen und Phillip Tielsch (Von Spar), Carsten Meyer (Erobique), das Kaiser Quartett und The Düsseldorf Düsterboys, so dass „Die Sterne“ trotz der Konstanten Spilker tatsächlich anders klingt als Die Sterne früher: Disco, Krautrock, Italo-Pop, New Wave, Easy Listening und vieles mehr erweitern nun das Stern(e)spektrum. Irgendein Sterne-Wortspiel musste ja noch kommen. 


Überkandidelt bis leicht übergeschnappt klingt hier eigentlich sowieso fast alles. Das muss so sein, das ist auf dem Planeten Spilker ganz normal. Ob es nun wirklich gelungen wäre, den Neuanfang auszurufen, scheint mir fraglich, denn die Fans der ersten Stunde können unbesorgt zugreifen. Und selbst für zukünftige Quereinsteiger dürfte es nicht allzu schwer werden, sich auf Planet Spilker zurecht zu finden.
(Neolyd)




Locker und beschwingt, so als wären sie an der Riviera 1983 nach dem Genuss von ein/zwei Negronis entstanden, führen die meisten der zwölf Songs durch das Album. Tanzhits zum Mitgrölen findet man (falls man die suchen sollte) nicht, es ist aber eine wahre Freude, Spilker zu folgen, wie er gar nichts muss und einfach mal loslegt. Zusammen mit weiteren Freunden vom Kaiser Quartett und den Düsseldorf Düsterboys spielt er einfach mal ein bisschen rum. Spaziert zwischen den Songs, die mal an PeterLicht oder Uijuijui, dann wieder an Gil Scott-Heron erinnern, durch seine ganz eigene Welt.
(Soundmag)




Die Songs von „Die Sterne“ erinnern öfter als seltener an alte Großtaten dieser Band. Opener „Das Herz schlägt aus“ prischt in bester „Posen“-Manier nach vorne, mit Dur-Gitarren und fröhlich neben der Spur tänzelnden Keyboards. In der Vorabsingle „Hey Dealer“ knarzt Tielschs Bass genauso trocken wie der früher von Wenzel. Und wenn übersteuernd fiepende Gitarren in „Das Elend kommt (nicht)“ über einen stolpernden Midtempo-Beat flirren und Spilker lakonische Weisheiten wie „Ein Elend muss tun, was ein Elend tun muss“ raushaut, dann ist das fast schon zum Totschlagen schön.
Neben altbekannten Pfaden erkunden Spilker und Konsorten aber auch neues Terrain.
(byte.fm)




In seinen Texten fragt sich Frank Spilker weiterhin, wie es gelingen kann, ein okayes Leben unter den allgemein widrigen Umständen zu führen, wobei es toll ist, wenn sich der Dichter selbst überrascht: In „Der Sommer in die Stadt wird gefahren“ erzählt Spilker zunächst von seiner Misanthropie, bevor er – er kann es selbst kaum glauben – im Refrain die Sonne aufgehen lässt. Man hatte sich ein solches Stück von der Band Kante erhofft, nun kommen Die Sterne damit um die Ecke, und wir nehmen es sehr gerne.
(musikexpress)

Die aktuell abgesagten Konzerte sollen im Sommer nachgeholt werden:

12.06.2020 Wien - Grelle Forelle
28.06.2020 Hamburg - Uebel und Gefährlich
29.06.2020 Berlin - Festsaal Kreuzberg

„Brimful Of Asha“ - wer kennt es nicht? Auch „Sleep On The Left Side“, das der britischen Nummer-Eins-Single nachfolgte, fällt mir noch ...


„Brimful Of Asha“ - wer kennt es nicht? Auch „Sleep On The Left Side“, das der britischen Nummer-Eins-Single nachfolgte, fällt mir noch ein, danach wird es auch schon dünn bei mir. Das dazugehörige Album „When I Was Born For The 7th Time“ aus dem Jahr 1997 kenne ich auch, oft gehört habe ich es nicht. Umsoüberraschter war ich, als die übrigen Plattenrichter „England Is A Garden“, das neue Album von Cornershop, auf Platz 1 unserer „10 Schallplatten, die uns gut durch März bringen“-Liste wählten. Kann die neunte Platte von Tjinder Singh, Ben Ayres & Kollegen den Vorschusslorbeeren gerecht werden?

Wer eine Affinität für den 60er Jahre Rock der Rolling Stones (bzw. von deren Wiederkehrern Primal Scream) mit Giospel Gesang, satte Bläserarrangements und Flötentöne, fernöstliche Instrumentierungen, Glam Rock, eingängige Melodien und Singhs typischen Gesang hat, wird sich tatsächlich von diesen 12 neuen Songs am besten durch den März gebracht fühlen. Die zahlreichen guten Plattenkritiken (82/100 Punkten bei Metacritic) bestätigen diesen Eindruck. 

„England Is A Garden“ ist als Doppel-LP in verschiedenen und unterschiedlich limitierten Vinyl-Farben (red & yellow / blue & green / clear / black) erschienen.




Two of the album’s most jubilant highlights – “Highly Amplified” and “Everywhere That W** Army Roam” – tackle the troubling politics of England’s growing nationalism beneath the exuberant and green-pasture surfaces. The former blends joyously free flute, tamboura and introspective strings with Punjabi and English vocals telling how “hell’s deep and the world is sinking”.
The latter urges you to dance to its celebratory, brass-injected grooves, as Singh observes, “Everywhere that w** army roam/ Policemen follow them”.
An album that’s as enchanting as it is astute, from a band to treasure. Long may Cornershop keep on a path less travelled by.
(Independent)




Overall, it's an exceedingly warm sound that almost renders the heartfelt political lyrics a secondary concern (except for when they can't be ignored, as on "Everywhere That Wog Army Roam"). Even if one manages to miss the details, it's easy to catch the drift and impossible not to hear England Is a Garden as an example of the brilliance that can occur when cultures come together to create something new and beautiful instead of clashing. Cornershop's music has always been proof of this, and many of their albums have come close to greatness. One -- When I Was Born for the 7th Time -- even came close to perfection. What this album has that those didn't is laser-like focus and the accumulated skill and experience gained from working together towards a goal for almost three decades. After a few listens to England Is a Garden, it's hard not to think that they have finally hit the target right in the center and reached their very particular and unique brand of perfection.
(All Music)




Bianca Cassidy sprechsingt mit krächzender Stimme irgendetwas über Dämonen, Teufel und Schamanen, dazu pluckert ein Beat, knarzt eine Gi...


Bianca Cassidy sprechsingt mit krächzender Stimme irgendetwas über Dämonen, Teufel und Schamanen, dazu pluckert ein Beat, knarzt eine Gitarre, klimpert ein Klavier, heult eine Sirene, zwitschern Vögel und wird ein Blechblasinstrument malträtiert, während Sierra Cassidy dramatisch um Gnade fleht und dies mit opernhaftem Belcanto-Gesang untermalt. 
Willkommen in der ebenso wundervollen wie wahnsinnigen Welt von CocoRosie!

Wir befinden uns gerade erst am Ende von „Mercy“, einem von 12 neuen Stücken, die uns CocoRosie auf ihrem siebten Album präsentieren. „Put The Shine On“ ist eine kunterbunte Revue, eine spinnerte Spielwiese an schrägen Ideen, ein innovatives Sammelsurium an unterschiedlichen Stilen sowie Instrumenten (oder was die Cassidy-Schwetsern dafür halten) und herrlich verrückt wie wir es uns von CocoRosie erhoffen. Man weiß gar nicht, wofür man sie mehr lieben muss, den wunderbaren Hit „Restless“ oder die Idee, mitten in diesem Song einen Hahn krähen zu lassen.




Manche Menschen ziehen eine Wurzelbehandlung einem CocoRosie-Album vor. Lieber ein kurzer Schmerz als nerviges Gezappel auf Albumlänge. Derartige Aversionen sind dem kindlichen Spieltrieb der beiden Schwestern zuzuschreiben, die als CocoRosie seit 16 Jahren gemeinsam musizieren.  (…)
Andernorts rappelt und zappelt es immer noch im Karton, wie eine Montessori-Klasse auf Zucker. Doch das Leben und seine Prüfungen verleihen den Songs der Schwestern eine Schwere, die ihnen gut ansteht. Nach fünf Jahren Absenz hat sich innerfamiliär und thematisch einiges auf gestaut. Von psychischen Erkrankungen und Scheidungen ist die Rede, und die Mutter der Schwestern ist gestorben. Noch auf dem Totenbett hat sie für den Song Ruby Red einen finalen Gastbeitrag eingesungen. (…)
Sosehr ihr Stilmischmasch manchmal fordern mag, über die volle Distanz erblüht daraus auf Put the Shine On wieder eine eigene Ästhetik, eine eigene Schönheit. (…)
Wer da immer noch lieber zum Zahnarzt geht, dem ist echt nicht mehr zu helfen. Ein schönes Album.
(Der Standard)






Fast zwei Minuten steigert sich Dana Margolin von den anfangs freundlich wiederholten Worten „Thank you for leaving me, thank you for ma...


Fast zwei Minuten steigert sich Dana Margolin von den anfangs freundlich wiederholten Worten „Thank you for leaving me, thank you for making me happy“ in emotionales, die Stimmbänder strapazierendes „Thank you for making me happy“-Geschrei. So ganz glücklich ist die Sängerin von Porridge Radio wohl doch nicht zurück gelassen worden. Und mit diesen Ausbrüchen erinnert sie mich gesanglich etwas an Amanda Palmer zu Dresden Dolls-Zeiten. Jedoch steht hier nicht das Piano im Vordergrund, sondern die Gitarren, die, passend zu Margolins Gefühlswelt, im nächsten Song „Sweet“ ausbrechen dürfen. Das folgende post-punkige „Don’t Ask Me Twice“ legt noch eine Schippe drauf und die junge PJ Harvey lässt schön grüßen. 

Die Effekte der sich bedächtig und bedrohlich steigernden Song-Finale sowie der mantraartig vorgetragenen Catch-Phrases setzen Porridge Radio auf ihrem zweiten Album noch mehrfach ein („Long“, „Lilac“, „Homecoming Song“) und damit die Songs in unserem Ohr fest. Neben der brachialen und eingängigen Karte können sie auch die elektronische ausspielen und vielleicht gelingt ihnen damit im Vereinigten Königreich ein ähnlicher Erfolg wie den artverwandten Wolf Alice - verdient hätten sie es. Und nach den 11 Songs und 42 Minuten von „Every Bad“ kommt man zum Fazit gern auf den Opener zurück und schreit verzückt: „Thank you for making me happy!“ 




Musikalisch abwechslungsreich, emotional dicht. Düster melodisch, schleppend, klar und aufgeräumt. Explosionsartig laut entladend, dichte Teppiche mit Noise.
Post-Punk, Alternative-Pop mit starkem Charakter.
(Musikblog)




Natürlich weiß die 26-jährige Sängerin, Gitarristin und Songschreiberin von Porridge Radio, dass ihre Band mit dem zweiten Album „Every bad“ einen ganz und gar eigenen Sound zwischen Emo-Shoegaze und angepunktem Dreampop definiert. Sie leugnet auch nicht, dass die um Selbstzweifel und Beziehungsunfähigkeit kreisenden Songs ihre Eindringlichkeit vor allem aus diesen mantra-artig wiederholten Textzeilen beziehen. „I’m stuck“, singt sie etwa wieder und wieder in „Lilac“, einem der Höhepunkte des Albums.
(kulturnews)





Mit wummernden Beats, düsteren Synthieklängen, melancholischem Gesang und eingängigen Melodien haben es Phantogram zuletzt bis in die T...


Mit wummernden Beats, düsteren Synthieklängen, melancholischem Gesang und eingängigen Melodien haben es Phantogram zuletzt bis in die Top Ten der US-Charts geschafft. Außerhalb ihrer Heimat ist das Duo, das aus Sarah Barthel und Josh Carter besteht, weniger bekannt, obwohl ihre Lieder schon in zahlreichen Werbespots (Apple), Video-Spielen („Fifa 17“) oder TV-Serien („Arrow“) zum Einsatz kamen.

In den vier Jahren seit ihrem letzten Album „Three“ durften sich Phantogram einerseits am kommerziellen Erfolg ihrer Musik erfreuen und mussten andererseits den Selbstmord von Sarahs Schwester Rebecca verarbeiten. Sie verlegten ihren Lebensmittelpunkt von der Ost- an die West-Küste, wo auch die elf neuen Lieder aufgenommen wurden. 




Zunächst führt das glucksende Klavier-Sample im Opener “Dear God” freudestrahlend aber auf die falsche Fährte. So unbeschwert klingen die New Yorker*innen spätestens ab dem dringlichen, zerfetzten “In A Spiral” ohnehin nicht mehr, die Freude am Konter-Tanzen ist ihnen hier zwar noch ins Antlitz geschrieben, aber selbst die zieht sich häufig zugunsten von einer düster gepinselten Atmosphäre zurück. Gerade das unverkennbare Geflecht der beiden Stimmfarben findet recht selten statt, einzig der treibende New-Wave-Schmachter “Into Hapiness” oder der unumstrittene Hit “Mister Impossible” zeugen noch prominent von der eigentlichen Stärke Phantograms.
Von klassischem Indie haben sich Phantogram größtenteils zurückgezogen, einzig die schneidene E-Gitarre in “Love Me Now” stellt sich gegen den allgegenwärtigen Synthie-Wahn.
(Minutenmusik)







Viel mehr als banale Synthie-Melodie-Schichten, unterlegt mit zeitgemäßen Hip-Hop-Beats, haben Phantogram nicht mehr zu bieten. Ihrer Umsiedlung nach Los Angeles und die Einrichtung eines eigenen Studios dort – Harmony West – zum Trotz.
Für das Radio wird es schon reichen, allerdings eher als Füllmaterial zwischen den großen Hits, die auf heavy rotation überall wiederholt werden. Einen echten musikalischen Fußabdruck hinterlässt Phantogram mit „Ceremony“ nicht, die leider herausstechendsten Merkmale lauten Austauschbarkeit und moderne Pop-Konvention.
(Musikblog)