Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Mull Historical Society - Wakelines

    Mull Historical Society - Wakelines




















    Immer, wenn ein neues Album von Suede erscheint, frage ich mich automatisch, was Bernard Butler eigentlich so treibt. Nach jeweils zwei Alben mit Suede, als Duo mit David McAlmond und solo, beendete er 2005 plötzlich seine Albumveröffentlichungen nach der Zusammenarbeit mit Brett Anderson unter dem Bandnamen The Tears. Seitdem ist Butler hauptsächlich als Produzent, u.a. für The Veils, Kate Nash, Black Kids oder zuletzt QTY,  aktiv. Seine neueste Arbeit erschien am gleichen Tag wie Suedes „The Blue Hour“, trägt den Titel „Wakelines“ und ist das sechste Album von Mull Historical Society.

    Colin MacIntyre arbeitete auf „Wakelines“ erstmals mit einem fremden Produzenten zusammen und nahm sein insgesamt achtes Album (zwei Soloalben kommen noch zu den Alben als Mull Historical Society hinzu) in Butlers Studio in London auf. Heraus kam melodischer, leicht nostalgischer Gitarrenpop („Wakelines“, „Clementine“) mit teilweise sehr schönen Streicher-Arrangements („Little Bird“, „Child Inside Of Me“). 




    The title track opens the album with a dreamy harp, which lures you into the song and the album proper. MacIntyre’s flair for a lyric has rarely been better and it's little surprise that he now spends much of his time penning stories. It’s an introspective record and, although there are flashes of the melodic indie-pop Mull Historical Society are known for, it’s overall more laid-back.
    One of the album's standout tracks is 14 Year Old Boy, inspired by the story of his late father wading in from the sea, bringing the mainland to his teenaged son in the shape of a Fender Telecaster held high above his head. To some this looking back to where you grew up may seem strange, but to those who have grown up in the Hebrides, it will seem natural as it's the kind of place that never leaves you.
    In his bid to do something new on Wakelines, MacIntyre enlisted the help of Bernard Butler on production duties. (…)
    The erstwhile Suede guitarist has added a welcome polish and gloss to MacIntyre’s folk-tinged tunes, and it seems like diversifying into the written word has sharpened MacIntyre’s creativity.
    (The Skinny)




    ‘Wakelines’ scissor-kicks into life, as McIntyre rocks and rolls through a study on leaving home. ‘Why do you need to go tonight?’ he wails, as he conflates the personal with the plight of political migrants, uprooted and rehomed to unknown and unwelcome landscapes. It’s a bold touch. Butler’s production, and occasional playing, brings a burst of febrile energy that we don’t often get from the Mull Historical Society. And it’s exciting.
    ‘Clementine’ is another stormer, recounting “50 I’m going to change my minds” as he travels over land and sea to a place of “finally feeling different”. So different, in fact, that he long for another self entirely.
    (Clash Music)

  • Paul Weller - True Meanings

    Paul Weller - True Meanings




















    „Has My Fire Really Gone Out?“ fragte Paul Weller 1993 auf seinem zweiten Soloalbum „Wild Wood“.  Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits 6 Alben mit The Jam veröffentlicht, 5 Platten mit The Style Council sowie ein Solowerk und die Frage konnte man getrost mit „Nein“ beantworten.

    Seitdem sind 25 Jahre vergangen sowie 7 weitere Alben seiner Diskographie hinzugefügt worden und wenn man ganz ehrlich ist, dann müsste man die Frage mit „Ja, es brennt noch, aber auf ziemlich kleiner Flamme“ antworten.

    Denn „True Meanings“ entsagt dem Rock und kommt, mit seinen Streicher- und Bläser-Arrangements, den getragen Rhythmen und der Fokussierung auf die akustische Gitarre, einem verträumten und entspanntem Alterswerk schon recht nahe. Das Album wurde innerhalb von drei Wochen in Wellers Black Barn Studios aufgenommen und von ihm selbst produziert. Neben Mitgliedern seiner Stammband schauten Rod Argent (The Zombies), die Folk-Legenden Martin Carthy und Danny Thompson, Little Barrie und Lucy Rose im Studio vorbei und steuerten Connor O’Brien (Villagers) und Erland Cooper (Erland & The Carnival, The Magnetic North) zahlreiche Texte bei. 

    Dass „True Meanings“ in England erfolgreich sein würde (#2) war keine Überraschung, aber Paul Weller kam mit dieser Platte erstmals in Deutschland unter die Top 20 (#19). Vielleicht greifen die anderen Richter jetzt auch endlich einmal überraschend bei Paule zu höheren Wertungstafeln…




    TRUE MEANINGS ist eine Meditation, der Songwriter sucht nach der Seele, durchstöbert alte Schlösser, macht sich Gedanken über die Schwerkraft und alte Bücher, wünscht ganz unironisch „May Love Travel With You“. Man denkt dabei an die tröstliche Schönheit der Verfilmungen von Shakespeare-Komödien oder Romanen von Jane Austen: Frauen in weiten Gewändern und Ehrenmänner im Frack tanzen im flotten Walzer über das satte Grün einer englischen Wiese. Kitschig, aber auch sehr tröstlich.
    Das schönste Stück heißt „Bowie“, eine lyrisch raffinierte und musikalisch herausragende Hommage an den Mann, von dem wir alle dachten, er sei nicht sterblich – was er auch nicht ist, solange derart großartige Lieder über ihn geschrieben werden.
    (Musikexpress)




    Paul Weller hat sich als Romantiker verkleidet, der sich selbst und die Welt im Spiegel der Natur betrachtet. „True Meanings“ ist eine Feier des Pastoralen, ein mit der Akustik­gitarre eingespieltes und mit Streicher- und Bläser­-Arrangements verfeinertes Singer-­Songwriter-Album voller unaufgeregt-sorgfältig inszenierter Musik, durch die hier ein Cello („Gravity“), da ein Mellotron („White Horses“) und dort bluesige Gitarrenlicks („Old Cas­tles“) tönen und in der immer wieder das 25 Jahre alte Stück „Wild Wood“ nachzuhallen scheint, im soulig eingefärbten „Mayfly“ ebenso wie im schlurfenden „What Would He Say?“.
    (Rolling Stone)





    Sämtliche Stücke seines neuen Albums hat Weller mit akustischer Gitarre aufgenommen, mal angereichert mit Klavier, mal mit Bläsern, Orgel, Streichern und Laid-Back-Schlagzeug. Der mittlerweile 60-jährige „Modfather“ singt von suchenden Seelen, von der Liebe, vom Weitermachen und Ankommen. „I got love all around, don’t need nothing else“, heißt es einmal. Das mag kitschig klingen und ist es manchmal auch – hübsche, melancholische Songs kommen dabei aber trotzdem heraus. Wer den politisch bewegten, wütenden The-Jam-Weller hören will, wird allerdings weniger Freude haben. Obwohl einer Zeile wie „In a world full of pain/Why add to it?“ gerade heute ja durchaus auch eine politische Di­­mension innewohnt.
    (Classic Rock)



  • The Chills - Snow Bound

    The Chills - Snow Bound




















    Gleich mit ihrem ersten Album „Brave Words“ (1987) haben es The Chills verbockt. Da halfen auch „Submarine Bells“, „Soft Bombs“, „Sunburnt“, „Sketch Book“, „Somewhere Beautiful“, „Silver Bullets“ und nun „Snow Bound“ nur noch wenig, das Debütalbum hatte einfach die falschen Initialen!

    „Snow Bound“ ist das zweite wirklich neue Album der Neuseeländer seit ihrem unerwarteten Wiederauftauchen und wurde erneut über Fire Records (white splatter vinyl) veröffentlicht. Aber zum ersten Mal seit 1992 knackte die Band um das einzig verbliebene Gründungsmitglied Martin Phillipps wieder die Top Ten ihrer Heimat (#9). Und das zurecht, denn auch mit weit über 30 Bandjahren auf dem Buckel schafft das Quintett sowohl mitreißenden Indierock („Complex“), als auch melodiös-melancholischen Gitarrenpop („Deep Belief“, „The Greatest Guide“), der so auch in jeder Phase der Chills-Historie hätte erscheinen können und Freunden von R.E.M. bis The Go-Betweens gefallen könnte.

    Mit „Silver Bullets“ konnten The Chills 2015 auch die Plattenrichter überzeugen und verfehlten die Top 50 nur denkbar knapp (Platz 53 mit 7,375 Punkten). Glaubt man den Plattenkritiken, so könnte es für „Snow Bound“ ähnlich gut laufen:


    Als Beweis legt das Quintett aus Dunedin SNOW BOUND vor, denn tatsächlich zeugen die zehn, auf ereignisreiche 33 Minuten verteilten Songs von einer großen Pop-Kraft, die immer noch in Phillipps und seiner seit Jahren wieder stabilen Band stecken. Vor allem weiß der charismatische Sänger und Gitarrist, dass man das beste Album ruinieren und schnell verblassen lassen kann, wenn die Texte von tagespolitischer Aufgeregtheit handeln. Diese Klippe umschiffen The Chills, Kinder des immer noch kräftig durchschimmernden Postpunk, galant in den Texten, die einen nachdenklichen Blick auf die Welt werfen. Schleppende Balladen finden sich trotzdem nicht auf SNOW BOUND, das über mehr Drive als der Vorgänger SILVER BULLETS verfügt.
    Die Platte teilt sich auf in flotte Popsongs (wie das irre gute „Complex“) und Rock-Nummern („Snow Bound“), die von großen Melodien mit einem bittersüßen Unterton getragen werden. Und natürlich den psychedelischen Vintage-Orgel-Sounds, die alles zusammenklammern. Man kann sich an diesen Liedern kaum satthören.
    (musikexpress)




    Und "Snow Bound" klingt auch ein wenig aus der Zeit gefallen. Die oft wechselnde Formation rund um Mastermind Martin Phillipps stand immer für melancholisch-distinguierten Gitarrenpop, der bittersüße Harmonien, große Melodieseligkeit und schimmernde Pop-Eleganz zusammenführte. Daran hat sich auch im Jahr 2018 nichts geändert.
    Schon die Single-Auskopplung "Complex" demonstriert das Talent der Chills auf beispielgebende Weise - die dominanten Gitarrenklänge und die betörenden Harmony-Vocals drücken dem Song einen zeitlosen Soundstempel auf. Martin Phillipps zeitlose Songwriting-Qualitäten sorgen auf fast magische Weise dafür, dass Wörter und Musik zusammen einen Resonanzraum für Assoziationen und Emotionen bilden. Unter einer wärmenden Klangdecke wohliger Melodien werden jedoch altersgerecht ernste Themen verhandelt.
    (Wiener Zeitung)


  • Metric - Art Of Doubt

    Metric - Art Of Doubt




















    Drückt der Albumtitel Zweifel an der eigenen musikalischen Entwicklung der letzten Jahre aus? Oder wie sind das hämmernde Schlagzeug und die druckvollen Gitarren auf Rock-Songs wie „Love You Back“ oder „Art Of Doubt“ zu erklären? Und warum steckt in „Die Happy“ so viel Garbage, dass man beim Blick auf sein elektronisches Abspielgerät überrascht ist, den Namen der Band von Emily Haines und nicht den von Shirley Manson & Co. zu lesen? Der Name des Produzent, Justin Meldal-Johnsen, sorgt dann auch für wenig(er) Erstaunen, wenn man weiß, dass dieser auch in die Entstehung der letzten drei Alben von Garbage involviert war.

    „Art Of Doubt“ ist das siebte und zugleich rockigste Album von Metric. Auch wenn sie dem New Wave / Synth-Pop („Now Or Never Now“, „No Light On The Horizon“) nicht ganz abgeschworen haben, so stellt dies doch eine deutliche Abkehr von den auf „Pagans In Vegas“ dominierenden Sounds dar. 





    Wirklich erstaunlich ist die jugendliche Frische, mit der Haines ihre Ohrwürmer platziert. Die Nonchalance, die sie auch jenseits der 40 noch an den Tag legt, erinnert stellenweise an Debbie Harry. Während die Blondie-Frontfrau jedoch stets unterkühlt und distanziert daherkam, sucht Haines die direkte Konfrontation. Wenn sie mit glockenheller Stimme "Dressed to suppress all kinds of sorrow" singt, erzeugt das eine angenehme kognitive Dissonanz. Das alles wäre ziemlich super, gäbe es da nicht diesen einen, großen Haken: So ausgefuchst Höhepunkte wie "Underline the black" daherkommen, so erschreckend eindimensional sind die über das Album verstreuten Powerpop-Nummern. Was beim Opener "Dark Saturday" noch recht passabel vorbeischrammelt, gerät bei "Holding out" und dem hübschen, aber drucklosen "Die happy" zum Rohrkrepierer. Dabei zeigen die komplexeren Songs, welch kompositorisches Talent in der Band schlummert. Allein die Entscheidung zu einer klareren künstlerischen Linie scheinen die Kanadier nicht treffen zu wollen.
    (Plattentests)




    ART OF DOUBT will alles riesig und rattendicht haben, die Gitarren ziehen den Raum über Keyboardgeschwadern und der präsent im Mix stehenden Stimme von Emily Haines regelrecht zu. Der Rock’n’Roll-Donner kann über die Leere in den Songs kaum hinwegtäuschen, die Stimme kreist im Emo-Dauerton, „Die Happy“ ist für die ganz, ganz große Crowd. Die Auftritte der Sängerin in ihrem Solo-Projekt und in den Reihen von Broken Social Scene zeigten zuletzt formstarke Ergebnisse.
    In diesem Mischmasch aus Stadion-Rock (Indie-Variante) und Synthie-Pop-Obertönen entsteht aber leider nur ein ausgelatschtes Etwas von, ja nennen wir es ruhig: Musik zur Zeit. Eine Musik, die nicht weiß, wo sie hin will; was kein Problem darstellt, wohl aber, dass sie nicht den Versuch unternimmt, die platten Pfade links und rechts des Mainstreams mit Ideen und neuen Entdeckungen zu bestücken. Zu wenig für Metric.
    (musikexpress)




    Metric in Deutschland:

    30.10.18 Hamburg, Knust
    31.10.18 Berlin, Kesselhaus
    05.11.18 München, Technikum
    14.11.18 Frankfurt, Gibson

  • We Used To Be Tourists - The Benefit Of Doubt

    We Used To Be Tourists - The Benefit Of Doubt



















    In Angst und Schrecken hat mich „The Benefit Of Doubt“ zunächst versetzt: Beim Einlesen der CD stand dort als Genre „Country-Folk“, die erste Single trägt den Titel „Nahville, TN“ und Dolly Parton taucht im Text auf. Es besteht das Gerücht, dass wir im Alter alle bei Country-Musik landen werden, aber so weit / schlimm ist es schließlich noch nicht gekommen, oder? 




    Glücklicherweise tendieren die 11 Songs auf „The Benefit Of Doubt“ aber deutlicher in Richtung Folk, Americana und sogar Pop, als ich es zunächst befürchtete. Das Kölner Quartett setzt auf feine Arrangements (Gitarre, Banjo, Klavier, Mandoline, Streicher) und besticht vor allem durch den feinen, teilweise vierstimmigen Harmoniegesang. Meine persönlichen Lieblingslieder sollen als Anhörtipps verstanden werden: „I Cried The Whole Way Home“ und „Counting Sheep“ könnten so auch einem Album von Sufjan Stevens entnommen worden sein.

    We Used To Be Tourists verkrochen sich für die Aufnahmen ihres zweiten Albums in einen leeren Raum an der Universität und ließen die Songs später von Jeff Stuart Saltzman und Adam Gonsalves, die auch schon mit Death Cab For Cutie, Sufjan Stevens oder Angel Olsen arbeiteten, in Portland abmischen und mastern. Im Vergleich zum Vorgänger „Making Friends With Ghosts“ (2015) hat sich das Lineup der Band leicht verändert: We Used To Be Tourists sind nun Benedikt Schmitz, Isabell Meiner, Konstantin Kreiner und Neuzugang Martin Simpson. 
    Fabio Bacchet (Hello Piedpiper) gehört nicht dazu, spielt aber die Hauptrolle im Video zu „Dirty Laundry“:




    Die meisten Stücke kommen mit feinen Melodien eher ruhig und melancholisch daher, wie das schöne “Nashville, TN”, “Barre, VT”, “Walls” oder das ganz reduziert sphärischer angelegte “Counting Sheep”. Man findet aber auch Midtempo-Nummern mit “I Cried The Whole Way Home”, “Muscle Memory” und dem trotz Trennungshintergrund fröhlich anmutenden “Anniversary”. Mit “Haven’t You Heard” gibt es zudem einen flotteren, stimmungsvollen Song.
    (Mucke und Mehr)


    Der im Titel des Albums angesprochene Zweifel ist ein hausgemachter: Es geht darum, die erstbeste Idee zu hinterfragen, um so zu immer besseren Ergebnissen kommen zu können. Das führte dazu, dass das Material - zu dem sich Benedikt auf seinen Reisen inspirieren ließ - dieses Mal noch eine Spur detailreicher und elaborierter ausgeführt ist, dass sich aber auch im allgemeinen eine nachdenklichere, melancholischere Stimmung einnistete, als bislang gewohnt. Es gibt ergo eine zurückhaltendere Version von WUTBT. Aber man kennt das ja: Stille Wasser trüben tief und was lange währt wird endlich gut. Das Ganze strahlt dann auch die notwendige Zeitlosigkeit für solche Art von Musik aus, so dass am Ende - trotz Zweifel - alles gut wird.
    (Gästeliste)




    We Used To Be Tourists unterwegs:
    04.10.2018 Köln, Artheater
    05.10.2018 Haldern, Haldern Pop Bar
    06.10.2018 Duisburg, Heimathafen
    07.10.2018 Münster, Pension Schmidt
    16.10.2018 Emden, Einstein
    17.10.2018 Hamburg, Ex-Sparr
    18.10.2018 Osnabrück, Grolsch Song Night
    19.10.2018 Dortmund, Sissi King Kong
    21.10.2018 Potsdam, Wohnzimmerkultur
    23.10.2018 Berlin, Alter Roter Löwe Rein
    24.10.2018 Helmbrechts, Filmwerk
    25.10.2018 Wiesbaden, Heimathafen
    26.10.2018 Freiburg, Bar am Funkeneck
    27.10.2018 Stuttgart, Galao
       
  • Motorama - Many Nights

    Motorama - Many Nights




















    Es nimmt nicht wunder, dass Motorama für die Hülle ihrer fünften Platte auf ein Foto von Vadim Gippenreiter, einem berühmten russischen Natur- und Landschaftsfotografen, der 2016 im Alter von 99 Jahren verstorben ist, zurückgegriffen haben. Und nicht nur ihre Plattencover und Videos waren schon häufig von einem einem gewissen Retro-Charme geprägt, sondern auch ihr musikalisches Output. Auf „Many Nights“ sind die New Wave-Einflüsse noch deutlich präsenter als auf ihren vorherigen Alben, so dass man das zuvor häufig verwendete Etikett Post-Rock diesmal besser stecken lässt. Die Plattenfirma spricht von „gothic Balearic beats and jangle pop guitars“ und nennt folgende Einflüsse, die man mehr oder minder deutlich auf den 10 neuen Songs heraushören kann: Soviet New Wave scene, the cinematographic electronic music of Eduard Artemiev, New Zealand kiwi pop and African percussion arrangements.

    Many Nights“ wurde von Vladislav Parshin und Maxim Polivanov, die aktuell den Kern von Motorama bilden, zwischen Februar und Juli 2018 in Vlads Appartement und im Proberaum der Band in Rostow am Don aufgenommen und ist als CD, LP (limitiertes clear Vinyl) und Kassette (limitiert) erhältlich. 




    Mit ihrem fünften Album MANY NIGHTS wagt die Band nun das, was man in Motoramaland wohl Eskalation oder gar Exaltation nennen würde.
    Im Opener wird getrommelt. Kein Witz. Richtig fetzig getrommelt. Nahezu unvorstellbar, wie Sänger Vlad Parshin dazu abzappelt. Der für Motorama typische Signature-Gitarrensound wird dabei so klug in die Songstruktur von „Second Part“ eingewebt, dass man das mythisch weltenbummlerische Moment beinahe überhört. Dabei spannt sich das Folklorehafte wie eine temperamentvolle Legende über die von Rastlosigkeit übermannten Stücke, die sich eigentlich alle einig sind: Sie wollen das Leben bejahen.
    (musikexpress)




    Geradezu ausgelassen und entspannt beginnt der Tag hier mit dem Opener "Second part", dessen dezente Bongo-Rhythmen sich bestens mit Motoramas typischem Twang-Gitarrensound vereinen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Derart fröhlich und befreit hat wohl noch kein Album der Russen begonnen. Morgenstund hat weiterhin Gold im Mund mit der New-Wave-Nummer "Kissing the ground", und der grandiosen Melodie von "You & the others" sei Dank hat der berühmt-berüchtigte frühe Vogel gleich einen ganzen Schnabel voller Würmer stibitzen können.
    (Plattentests)


  • Haiku Salut - There Is No Elsewhere

    Haiku Salut - There Is No Elsewhere




















    Aller guten Dinge sind drei: Haiku Salut sind ein Trio aus Derbyshire Dales, das aus den Multiinstrumentalistinnen Gemma Barkerwood, Sophie Barkerwood und Louise Croft besteht, und „There Is No Elsewhere“ ist ihre dritte Platte. Die beiden Vorgänger, „Tricolore“ (2013) und „Etch and Etch Deep“ (2015), wurden in der heimischen Presse ziemlich abgefeiert und werden bei Metacritic mit 79 bzw. 84/100 Punkten gelistet. 

    Haiku Salut haben sich dem instrumentalen Electronica-Sound verschrieben, der sich auch aus Dreampop, Neoklassik und Post-Rock speist, und sie verweben dabei sowohl elektronische Gerätschaften als auch akustische Instrumente (Akkordeon, Piano, Glockenspiel, Trompete, Gitarre, Ukulele, Melodica und Schlagzeug). Sie selbst sprechen hier von „loopery and laptopery“ und ich würde eher Referenzen, wie Amiina, múm, Yann Tiersen, Detektivbyrån, Efterklang oder Public Service Broadcasting, zur anschaulichen Beschreibung heranziehen.

    Die Tracks „The More And Moreness“ und „Cold To Crack The Stones“ sind in Zusammenarbeit mit Glastonbury Brass entstanden und sollen als Klangbeispiele dienen:




    (…) Haiku Salut have created an album both alluring in composition and intricate in arrangement. Thematically and in delivery There Is No Elsewhere is an album from a band revelling in their identity and in being true to themselves through a sound already highly recognisable as only theirs and at once formidable and fragile, beautiful and fascinating.
    (Drowned In Sound)




    Fresh, detailed and packed with surprises, every element of There Is No Elsewhere is carefully mixed. Their work — playfully branded "baroque-pop folktronica neo-classical something-or-other" — surprises and delights in equal measure.

    Take the addition of Glastonbury Brass on the aforementioned would-be club anthem "The More and Moreness" and on "Cold to Crack the Stones" — it makes no sense on paper. And to be sure, 1:45 into the pristine electronic intro of "Cold to Crack," a brass band is the last thing you expect. By 1:48, it is a heaven-made match. Don't be surprised if you see it imitated by a host of artists in the new year.
    (Exclaim)

    The beauty of instrumental music is that, when executed properly, it has the ability to form the deepest narratives – and paint the most detailed pictures - without words ever being a requisite. Haiku Salut use instruments as a tool to tell stories, and the band’s emotional gravitas is symptomatic of how this type of music can triumph against all the odds.
    (Clash Music)

  • William Fitzsimmons - Mission bell

    William Fitzsimmons - Mission bell



























    Vor geraumer Zeit ließ ich Serafyns "Foam" zu Hause laufen. Aus irgendwelchen Gründen wurde das Album zur bevorzugten Hintergrund-Musik für Yoga-Übungen auserkoren. Ohne Einfluss darauf zu haben, hörte ich "Foam" daher wesentlich häufiger, als ich es mir gewünscht hätte. Mir war nicht bewusst, dass mich ruhige Musik derart aggressiv machen kann.

    Kürzlich spielte ich William Fitzsimmons' neues Album "Mission bell" an. Ein "Oh, das könnte meine neue Yoga-Musik werden" ließ in mir Hoffnung aufkeimen. Ich werde berichten.

    Der 40jährige Singer/Songwriter aus Pittsburgh hat seit dem Jahr 2005 bereits einige tolle Alben (u.a. "Lions") und  veröffentlicht. Er wuchs als Kind blinder Eltern auf, in deren Haushalt Musik und Gesang eine wichtige Rolle spielten. Während seines Studiums zum Psychotherapeuten gerieten diese Elemente etwas in den Hintergrund. Aber zum Glück seiner Fans nahm er den Faden irgendwann wieder auf.

    Die Geschichte hinter diesem Album hat es in sich. Innerhalb von zwei Monaten intensiver Arbeit mit einem Freund und Bandkollegen nahm Fitzsimmons im Jahr 2017 in seinem neuen Heim-Studio sein siebtes Album auf. Nach dessen Fertigstellung stellte sich heraus, dass seine Ehefrau sich von ihm trennen werde und dass sie während der Aufnahmen eine Affäre mit eben diesem Freund hatte.

    Man kann nachvollziehen, dass dieses Album in dieser Form nicht veröffentlicht wurde. Es bedurfte einiger Zeit und des Zuspruchs einiger Menschen, bevor sich Fitzsimmons unter anderen Bedingungen in Nashville wieder an die Arbeit machte. Zum Ergebnis äußert sich der Künstler (ich habe mich schamlos der Pressemitteilung bedient):
    “Mission Bell“ ist nicht nur das Resultat der Asche eines gescheiterten Albums und einer gescheiterten Phase meines Lebens, sondern auch die Wiedergeburt des Wunsches und des Ziels, etwas zu schaffen, was zutiefst ehrlich, auf höchst unbequeme Weise persönlich und vollkommen leidenschaftlich sein würde. Es entstand mit absoluter Hingabe, ohne Rücksicht darauf, was ich jemals vorher gemacht hatte oder was noch in Zukunft kommen würde. Entstanden in einem Moment, wo ich so verletzlich und angreifbar war wie nie zuvor. Das ist der Grund, warum ich bis heute auf diese Arbeit so besonders stolz bin. Ich wollte diese Platte eigentlich nicht machen, aber sie ist das Beste, was mir je gelungen ist.

    "Mission bell" wurde übrigens auf Herbert Grönemeyers Label veröffentlicht. Der Herr beweist Geschmack. "Mission bell" ist ein tolles Album. Ich hoffe der traurige Hintergrund wirkt sich nicht negativ auf die Eignung als Begleitung für Yoga-Übungen aus.

    Besonders empfehle ich die Titel "Second hand smoke", "Angela", "Never really mine" und "Afterlife". Abby Gundersens und Rosie Thomas' Duett-Beiträge stellen eine schöne Bereicherung einiger Songs auf "Mission bell" dar.

    Übrigens habe ich das Album sowohl ohne Kenntnisse des Hintergrunds als auch später gehört. Es klingt nun anders. Tja, doof für alle, die erst nach der Lektüre dieses Beitrags neugierig geworden sind. ;-)

    Das Video zu "Second hand smoke":


    "Angela":


    William Fitzsimmons live:
    • 02.10. Dresden
    • 04.10. München
    • 08.10. Stuttgart
    • 17.10. Hamburg
    • 24.10. Berlin
  • Suede - The Blue Hour

    Suede - The Blue Hour



















    10 Fakten zum neuen Album von Suede:

    1. Das achte Album von Suede trägt den Titel „The Blue Hour“, bietet 14 Songs und läuft 51:36 Minuten.

    2. Auf 8 Songs ist das City of Prague Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Guy Protheroe zu hören. Für die Arrangements sorgten Neil Codling, Richard Oakes, Oli Langford und Craig Armstrong, der zuvor bei „Coming Up“ (1996) mit Suede zusammen arbeitete. Die Aufnahmen fanden in den Assault & Battery Studios in London statt.

    3. Die ersten drei Alben von Suede sowie die beiden Platten nach der Wiedervereinigung („Bloodsports“, 2013, „Night Thoughts“, 2016) wurden von Ed Buller produziert. Für „The Blue Hour“ übernahm erstmals Alan Moulder (Nine Inch Nails, Foo Fighters, Queens of the Stone Age) diesen Job.

    4. Ein Auftritt von Suede in Deutschland ist geplant: Am 29.09.18 in der Berliner Columbiahalle.




    5. „The Blue Hour“ ist als CD, Doppel-LP und in einem Box Set zu haben. Nur in England bei HMV erhältlich: blaues Vinyl.

    6. Das Box Set kostet rund 70 Euro und bietet: 2-disc 180g heavyweight LP, CD album, specially mastered instrumental CD, DVD featuring an album commentary from the band and Alan Moulder plus never-before-seen video for ‘Don’t Be Afraid If Nobody Loves You’, exclusive bonus track ‘Manipulation’ on 7” vinyl, Lyric sheets, a collection of art cards.

    7. Im Jahr 2003 standen Suede mit „Attitude / Golden Gun“, ihrer letzten Single vor ihrer rund 10-jährigen Pause, letztmals in den Single Charts ihrer Heimat (#14). Daran konnten nun auch „The Invisibles“, „Don't Be Afraid If Nobody Loves You“, „Life Is Golden“ und „Flytipping“ nichts ändern.




    8. Nur 3 Singles fanden übrigens den Weg in die deutschen Charts (und zwar gerade so: #98, #92 und #99). Aber nicht etwa „Animal Nitrate“, „Stay Together“ oder „Trash“, sondern überraschenderweise „So Young“, „Electricity“ und „Positivity“.

    9. Das Video zu „Life Is Golden“ wurde in Pripyat in der Ukraine gedreht. Die Stadt wurde 1970 im Zusammenhang mit dem Bau des Kernkraftwerks Tschernobyl gegründet und ist heute eine Geisterstadt:




    10. „The Blue Hour“ in der Plattenkritik: Bei Metacritic (10 berücksichtigte Kritiken) steht das Album aktuell bei 75/100 Punkten und damit hinter „Bloodsports“ und „Night Thoughts“, die jeweils 80/100 Punkten sammeln konnten.

    Ihr achtes Album THE BLUE HOUR ist definitiv das experimentellste im Katalog der Band. Angsterfüllte Zitate verbinden die 14 Songs, mit „Roadkill“ findet sich eine Spoken-Word-Performance, die später im Interlude „Dead Bird“ aufgegriffen wird. Die Prager Philharmoniker streichen die Stücke in Höhen, bei denen nur Hardcore-Jüngern der Gruppe nicht schwindelig wird. Das Urteil vieler anderer dürfte lauten: „Schwulst!“ – als Nomen und nicht als Superlativ früherer Unterstellungen gemeint. Eingängige Rocker wie „Wastelands“ oder „Don’t Be Afraid If Nobody Loves You“ sind Randerscheinungen und werden entsprechend behandelt: Die Leadsingle ist das fragile und durch weitgehenden Verzicht auf Drums radiounfreundliche „The Invisibles“, eröffnet wird die Platte mit der düster-hysterischen, also düsterischen Choralmusik „As One“, wie in einer verwitterten Kirche am Rande eines Felsvorsprungs über dem Ärmelkanal aufgenommen.
    (musikexpress)

    Nach wie vor unverwechselbar und, wie etwa in „All The Wild Places“, nahezu allein den Songs tragend, ist das Organ des Frontmanns (seit Frühjahr dieses Jahres mit „Coal Black Mornings“ auch als Literat vorstellig), dick das Fundament aus Pathos, elegisch die Melodiebögen, ausufernd, wenn Suede von den Streichern des Prague Philharmonic Orchestra unterstützt werden, Gitarren, die furiose Glanzpunkte („Chalk Circles“) setzen.
    Neue Stilmittel, Dialoge, Chöre, Spoken-Word-Parts und Feldaufnahmen lassen „Dead Bird“ & Co. so im Vernebelten wie die erzählten Storys aus maroden Biografien in ebensolcher Umgebung unvollendet bleiben.
    „Life Is Golden“? Nein, die Themen, die Anderson und Kollegen „aus dem urbanen in den ländlichen Lebensraum“ verlagerten, besagen im Kern: Suedeland ist nirgendwo Wohlfühloase, eher überall „Wastelands“, ist klagend, untröstlich, euphorisch, und zu Hause höchstens im Schoß der Melancholie.
    (musikblog)


  • 10 Schallplatten, die uns gut durch den Oktober bringen

    10 Schallplatten, die uns gut durch den Oktober bringen























     10. Echo & The Bunnymen - The Stars, The Oceans & The Moon (2 LPs) (5.10.2018)







     09. Element Of Crime - Schafe, Monster und Mäuse (2 LPs) (5.10.2018)







     08. Soap & Skin - From Gas To Solid / You Are My Friend (LP, Single 7") (26.10.2018)







     07. Primal Scream - Give Out But Don't Give Up-The Original Memphis (2 LPs) (12.10.2018)







     06. Die drei ??? - Die drei ??? und der Teufelsberg (Folge 19, Limited-Edition Picture Disc)(26.10.2018)







     05. This Mortal Coil - Blood (2 LPs) (26.10.2018)







     04. PeterLicht - Wenn wir alle anders sind (2 LPs, CD + Bonus EP, Limited Edition) (19.10.2018)







     03. The Joy Formidable - Aaarth (5.10.2018)







     02. John Grant - Love Is Magic (2 LPs Deluxe-Edition) (12.10.2018)







     01. Richard Ashcroft - Natural Rebel (19.10.2018)




  • Anna Calvi - Hunter

    Anna Calvi - Hunter


























    Und wieder David Byrne. Nach seiner Zusammenarbeit mit Annie Clark aka St. Vincent in Form des Albums "Love this giant" lief diese mit "St. Vincent" zur Höchstform auf. Anna Calvi wurde schon für ihre ersten beiden Alben mit Nominierung für den britischen Mercury Prize bedacht (wenn auch ihr Debüt bei den PvG-Richtern nur mäßig gut ankam). 2014 entstand dann die EP "Strange weather" und neben Brian Eno und Marianne Faithful kollaborierte sie dafür eben auch mit David Byrne. Und nun erschien mit "Hunter" ihr drittes Album, auf welchem sie wie entfesselt loslegt. Doch während St. Vincent sich eher weg von der Gitarre bewegte, zelebriert Calvi dieses Instrument auf "Hunter".

    Neben musikalischen Einflüssen fiel auch noch eine Trennung, eine neue Partnerschaft und ein Umzug nach Frankreich in die Zeit. Entsprechend kompromissarm klingt "Hunter" sowohl musikalisch als auch im Hinblick auf die Texte. Anna Calvi möchte sich offensichtlich mitteilen und gehört werden. Und Songs wie "As a man", "Hunter", "Indies or paradise" und "Eden" sind auch sehr gute Gründe, sich mit dem Werk der Engländerin zu befassen.

    Unter Mitwirkung von Nick Launay als Produzenten (u. a. Midnight Oil, David Byrne, Nick Cave & The Bad Seeds, Silverchair und Maxïmo Park), Adrian Utley von Portishead an den Keyboards und Martyn Casey von Nick Caves Bad Seeds lässt die ihre Stimme über einer vielseitigen Mischung aus Indierock, Alternative und Art Rock strahlen. 

    Das Video zum Titelsong:


    "As a man":



    Die Tour-Planung reicht schon bis ins nächste Jahr:
    • 09.11. Leipzig
    • 10.11. Weissenhäuser Strand, Rolling Stone Weekender
    • 15.11. Wien
    • 16.11. Europapark Rust, Rolling Stone Park
    • 16.01. München
    • 18.01. Berlin
    • 19.01. Hamburg
    • 22.01. Köln
    PrettyInNoise greift zur Höchstpunktzahl:
    Die Platte zeichnet sich durch eine nicht vorhandene Kontinuität aus. Kein Stück gleicht dem Nächsten. Da gibt es einen glasklaren engelsgleichen Gesang, aber auch kratzende Gitarren. Manchmal wirkt die Musik roh und brutal, ein anderes Mal sanft und besänftigend. Musikalisch wird hier wirklich vieles ausprobiert und auch mit der Stimme wird nicht nur einmal gespielt. Dadurch wird Hunter zu einem Album, dass voller Überraschungen steckt und den roten Faden nicht nur einmal verliert, um ihn am Ende doch wieder aufzunehmen.



  • Villagers - The Art Of Pretending To Swim

    Villagers - The Art Of Pretending To Swim




















    Dass Conor O’Brien zu musikalischen Großtaten fähig ist, belegt der Sticker mit der Nummer 311 in unserem Sammelalbum, denn dort wurde „Becoming A Jackal“ (2010), das Debütalbum der Villagers, verewigt.

    Alle drei Platten der Villagers gingen in ihrer irischen Heimat auf Platz 1 der Charts und O’Brien wurde mit Preisen überhäuft, obwohl die Band ihr Erfolgsrezept nicht immer wieder neu aufkochte, sondern sich für „{Awayland}“ (2013) und „Darling Arithmetic“ (2015) auch anderen musikalisches Einflüssen öffnete. Mit „Where Have You Been All My Life?“ (2016) sammelte sich die Band zuletzt und präsentierte ihre persönlichen Favoriten in umarrangierten Live-Versionen. 

    The Art Of Pretending To Swim“ wurde nun von Conor O’Brien nahezu im Alleingang in seinem Studio in Dublin komponiert, eingespielt, produziert und abgemischt. Seine Fähigkeiten als Songwriter sind so präsent wie gewohnt, jedoch überrascht er einerseits durch einen teilweise souligen Gesang („Long Time Waiting“) und andererseits mit einer vielschichtigen Produktion, die schlichte Folk-Arrangements auf groovende Trip Hop-Beats („Sweet Saviour“), opulente Streicher („Hold Me Down“) und Bläser („Ada“) sowie Samples („Real Go-Getter“) treffen lässt. Am besten zu überprüfen im sich windenden, die Richtung wechselnden „Love Came With All That It Brings“, das mit den Worten „We want more“ endet und damit auch ein treffendes Fazit bilden könnte. Denn „The Art Of Pretending To Swim“ überzeugt auf ganzer Länge, bietet aber leider nur 9 Songs. 

    Da lohnt sich der Kauf der Super Deluxe LP, auch wenn man ständig zum Plattenspieler laufen muss, da sich die beiden Bonus-Tracks („Ada“ in einer extended Version und „This Is the Art of Pretending to Swim“) auf einer zweiten, roten 10’’ Platte befinden.




    Song Nr. 1 „Again“ macht bereits klar, was alles in diesem Album steckt: Ein klassisches Zupfmuster, begleitet von mechanischen 808-Beats, bis am Ende ein mächtiger Moog-Synthesizer den Song verschlingt. O‘Briens Lyrik ist dabei voller abstrakter Melancholie: „I let it flow / Into a bottomless hole again“, säuselt er über dieses warme Gewitter von einem Song.
    O‘Briens spielerischer Umgang mit wieselflinkem Gitarrengezupfe und verstelltem Gesang erinnert an Dirty Projectors, seine mehrdimensionalen Arrangements an die barocke Schönheit von Grizzly Bear. Was er seinen KollegInnen auf dieser Platte voraus hat, ist Swagger: „Love came with all that it brings / Including the fact that it stings / Like a motherfucker“, ist die Zeile des Jahres, die O‘Brien in „Love Came With All That It Brings“ im zartesten Falsett vorträgt. In „A Trick Of The Light“ steuert ein warmer Bass-Groove eine Portion R&B zu diesem Stilmix bei, in „Long Time Waiting“ wird sogar ordentlich geglitcht und gefunkt.
    Dabei verlieren Villagers zum Glück nie, was ihre Musik so groß macht: Das Gespür für große Empathie und große Trauer. Im letzten Song „Ada“ umarmen sich Piano und Gitarre, umringt von astralen Chorstimmen und Bläsern, als würde O‘Brien kopfüber in den mondförmigen Pool springen, den Radiohead auf ihrem letzten Album geschaffen haben. Und dieser Mann muss einem nichts vormachen: schwimmen, das kann er.
    (byte.fm)




    Villagers in Deutschland:
    03.11.2018 Frankfurt – Zoom
    06.11.2018 Hamburg – Gruenspan
    08.11.2018 Berlin – Kesselhaus
    27.11.2018 Köln – Kulturkirche

  • Teleman - Family Of Aliens

    Teleman - Family Of Aliens



















    Es geht langsam aber stetig aufwärts mit Teleman. In den englischen Charts: „Breakfast“ (2014) erreichte Platz 65, „Brillian Sanity“ (2016) Platz 51 und „Family Of Aliens“ nun Rang 40. Bei Platten vor Gericht: „Breakfast“ kam auf 7,500 Punkte und damit auf den 33. Platz, „Brillian Sanity“ konnte am Jahresende 7,700 Punkte und den 26. Rang für sich verbuchen. Und nun steht „Family Of Aliens“ vor Gericht…

    … und setzt dabei nicht nur auf die gemeinsame kompositorische Kraft des gesamten Quartetts sondern auch auf eine deutlich stärkere elektronische Ausrichtung als bei den beiden Vorgängern. Allen zu empfehlen, denen auf den letzten Alben von Hot Chip das Elektro zu dominant und das Pop zu vernachlässigt war.




    Wenn ein Album in diesem Sommer die Allerweltsbezeichnung Elektro-Pop verdient hat, dann dieses von der britischen Band Teleman. Nicht etwa, weil FAMILY OF ALIENS ein Allerweltsalbum geworden ist, ganz im Gegenteil, in den elf Stücken spielen Teleman ihre Stärken auf den Punkt in Popsongs aus, die sich entlang der und um die Synthiemelodien und Elektroflächen herum kerzengerade aufstellen und fast immer nach vorne gehen, nein eilen. Flüssig, ja schon süffig ist diese Musik, gefällig will sie glücklicherweise dann doch fast nie werden, dafür sind die Pfade, die Sänger Tom Sanders beschreitet, doch etwas zu gewunden.
    (Musikexpress)




    Das - und ein Fokus auf mehr elektronische Elemente - gibt dem neuen Werk seinen Drive. Ansonsten ist eigentlich alles beim alten geblieben - was aber in diesem Fall als Lob durchgeht, denn nach wie vor überzeugen Teleman mit brillanten, leichtfüßigen und tatsächlich mittlerweile auch irgendwie zeitlosen Pop-Songs - nur dass diese dieses Mal mit deutlich mehr Spielfreude dargeboten werden und Raum für instrumentale Feinheiten bieten. Tatsächlich zählen Teleman nun zu den Meistern ihres Fachs, an denen sich nachfolgende Generationen messen werden lassen müssen.
    (Gästeliste)




  • Alpaca Sports - From Paris With Love

    Alpaca Sports - From Paris With Love




















    Der Albumtitel verwirrt zunächst, denn ein schwedisches Duo veröffentlicht auf einem spanischen Label ein Album, das in Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Freunden und einem britischen Produzenten entstanden ist. 

    Jedoch zog Andreas Johnson, der gemeinsam mit Amanda Åkerman die Band Alpaca Sports bildet, 2016 nach Paris und schrieb dort, beeinflusst von der Stadt und unter Mithilfe von Lisle Mitnik (Fireflies) die Songs, die nun „From Paris With Love“, das zweite reguläre Album der Band bilden. Das Debütalbum „Sealed With A Kiss“ stammt aus dem Jahr 2014, 2015 war über das Label Elefant Records das Mini-Album „When You Need Me The Most“ erschienen, das nun auch „From Paris With Love“ als weiße, auf 500 Stück limitierte Schallplatte herausbringt. Neben Lisle Mitnik (u.a. Keyboards, Gitarre, Bass) sind auf der Platte, die Ian Catt (Saint Etienne, The Field Mice, Trembling Blue Stars) in London produzierte, Gary Olson (Ladybug Transistor) an der Trompete und Hampus Öhman-Frölund am Schlagzeug zu hören, was diese zur konsequenten Fortsetzung von „When You Need Me The Most“ werden lässt, die auch die vom japanischen Illustrator Ray Kimura gestalteten Plattenhülle mit einbezieht.

    From Paris With Love“ ist mit seiner eingängigen Mixtur aus Indiepop und Twee nicht nur die beste Veröffentlichung von Alpaca Sports, sondern auch die stärkste Platte aus diesem Genre im Jahrgang 2018. Freunden von Camera Obscura, Club 8, The Field Mice, The Lucksmiths und Throw That Beat In The Garbeacan wärmstens zu empfehlen!




    Most of the record consists of gently swaying, midtempo love songs sung with wide-eyed innocence by Jonsson; tracks like "Feel Like Going Home" and "A New Boyfriend" have a light touch that sounds a bit like the Lucksmiths at their breeziest. They also mix in quiet ballads ("Baby What Can I Say?"), sparkling disco ("Summer Days"), bouncy sunshine pop ("Eiffel Tower"), and even a few tracks with some punch (the almost rocking "Without You" and the Motown-inspired "Saddest Girl in the World"). This time out, Åkerman adds her usual angelic backing vocals, but also gets a chance to sing a couple leads and definitely makes the most of it on the very pretty and sad acoustic ballad "Birds" and "Luxembourg Gardens," another slow one that drifts and floats like an indie pop take on 10cc's "I'm Not in Love" and ends the album on a powerfully emotional note. This song, and a few others, show a little more depth than previous efforts, and when paired with the excellent work of Alpaca Sports' collaborators, it makes for a listening experience that does more than just warm hearts and inspire smiles; it leaves a mark. They would be well served by delving even deeper into sadder, darker feelings next time out, but even if they don't, they've still made one heck of a nice album and fans of indie pop could do a whole lot worse than From Paris with Love.
    (All Music)





  • Craig Armstrong - Sun On You

    Craig Armstrong - Sun On You




















    Das Werk des schottischen Komponisten Craig Armstrong dürfte Kinogängern wohl bekannt sein, so ließ ihn zum Beispiel Baz Luhrman die Soundtracks für „Romeo and Juliet“, „Moulin Rouge“ oder auch „The Great Gatsby“ erstellen. Er arbeitete sowohl fürs Theater (Royal Shakespeare Company) als auch mit zahlreichen Rock-/Popstars zusammen (U2, Massive Attack, Madonna, Pet Shop Boys, Mogwai) und veröffentlichte auf Melankolik, dem Label von Massive Attack, mit „The Space Between Us“ (1998) und „As If To Nothing“ (2002) zwei tolle Soloalben, auf denen Neo-Klassik, Trip Hop und Ambient miteinander verschmelzen und u.a. Elizabeth Fraser (Cocteau Twins), Paul Buchanan (The Blue Nile), Evan Dando (Lemonheads) oder David McAlmont den Songs ihre Stimme leihen.

    Auf „Sun O You“, das Anfang September über Decca Records erschienen ist, fehlt leider dieser Aspekt der Arbeit Armstrongs. Die 16 Stücke konzentrieren sich auf Piano und Streicher und gleiten zwischen zeitgenössischer Filmmusik und Klassik dahin. Lediglich von „Marelle“ gibt es eine, auf dem Album nicht enthaltene, Fassung mit Gesang: Guy Garvey von Elbow zeigt mit „Cornflower (Marelle)“, was hier noch hätte möglich sein können…  




    The ingredients are, to fans of his earlier work, very familiar: the man himself to the fore on a Yamaha concert grand piano and the musicians of the Scottish Ensemble on all but a few of the tracks. Armstrong would probably make no claims to virtuosity on the keyboard, and the string players are not required to produce anything technically demanding either, although it is a measure of their accomplishment that every single note of it sounds precisely correct in terms of colour and timbre. This music is chiefly about atmosphere, but there are tantalising hints of narrative there too, which suggest the album may reveal further aspects of itself on longer acquaintance, and in these technology-drenched times its clarity of focus on natural acoustic sounds is a pure delight.
    (The Herald)



  • Pale Waves - My Mind Makes Noises

    Pale Waves - My Mind Makes Noises




















    Hat sich Robert Smith etwa durch die Gothic-Optik von Sängerin Heather Baron-Gracie täuschen lassen? Für das Festival zum 40. Bandjubiläum von The Cure waren von den Jubilaren u.a. Interpol, Ride, Slowdive und Editors eingeladen worden, jedoch sorgte, trotz Goldfrapp, eine noch recht junge Band namens Pale Waves für die deutlich poppigsten Klänge.

    In England herrscht um das Quartett aus Manchester, das 2017 seine erste Single veröffentlichte, ein ziemlicher Hype und Vinyl-Freunde kauften deren zweite Single „Television Romance“ und die „All The Things I Never Said“ EP auf Platz 2 bzw. 1 der Vinyl Charts. Freitag wird das Debütalbum „My Mind Makes Noises“ in den Plattenläden stehen und insgesamt 14 Songs präsentieren, wobei einerseits die vier Lieder der besagten EP ausgesparten, aber andererseits im Vorfeld bereits 6 Singles ausgekoppelt wurden, so dass der Synth-Pop mit 80ies-Touch und persönlichen Texten von Heather Baron-Gracie nur wenig Überraschungen zu bieten hat. Zu nennen wären „Drive“, bei dem die Gitarren am deutlichsten im Vordergrund stehen, und „Karl (I Wonder What It’s Like To Die)“, eine akustische, die Platte abschließende Ballade, die sich inhaltlich um den Tod ihres Großvaters dreht.

    Das Album wurde gemeinsam mit George Daniel und Matthew Healy, beide Mitglieder bei The 1975 und somit ebenfalls beim Label Dirty Hit, produziert. Diese Band, The Killers, La Roux oder Taylor Swift stecken den musikalischen Rahmen, in dem sich Pale Waves bewegen viel eher ab als die eingangs erwähnten Gruppen. 
    „My Mind Makes Noises“ ist als Kassette, CD und LP (schwarz bzw. transparent rot) erhältlich.




    This is pop with an undeniably dark undercurrent that’s often disguised by the sheer exaltation of their signature sound. The introduction to debut single “There’s A Honey” is the aural equivalent of a sugar fix, yet its choral hook is deeply insecure “I would give you my body but I’m not sure that you want me”. (…)
    “Black” is a high point, as the band meld unashamedly anthemic writing with absolute heartbreak; the melodic hook of “you don’t love us anymore, but I do” seems destined to be bellowed out en-mass by their ever-growing legion of fans. (…)
    Pale Waves’ presence may be gloomy, but their songwriting and ambition could not be brighter.
    (The Line Of Best Fit)






    With their open-chest songwriting and retro proclivities, the English synth-pop group make songs for a throwback teen comedy that doesn’t exist. Then there’s closer Karl (I Wonder What It’s Like To Die), where Baron-Gracie recalls losing a sibling with stark detail and unswerving honesty. There’s something jarring yet admirable about how straight-up her approach is.
    Unfortunately, the acoustic plucks of Karl aside, Pale Waves wrap the singer’s words in shabby electronic orchestration that’s sugary to the point of turning acidic and the occasional echoing guitar line that recalls Coldplay at their most trite. With grating instrumentation and melodies that struggle to stick, the album’s 14 tracks are a desperate slog – the last thing good pop music should be.
    (Irish Times)




    Pale Waves in Deutschland:
    14.10.18 Köln, Luxor
    16.10.18 München, Strom
    17.10.18 Berlin, Frannz Club
    18.10.18 Hamburg, Molotow


  • Low - Double Negative

    Low - Double Negative




















    Bisher war meine Begeisterung für die Band Low, äh, eher niedrig. Klar, „Christmas“ steht in meinem Plattenschrank und läuft regelmäßig in meiner Weihnachts-Playliste, aber selbst frühe, hoch gelobte Alben wie „Things We Lost In The Fire“ (2001) oder „The Great Destroyer“ (2005) waren mir immer ein wenig zu eintönig und so erhielt hier nur „Drums And Guns“ (2007) eine Vorladung und von mir lediglich 6,5 Punkte.

    Ein packender Auftritt beim diesjährigen Traumzeit Festival und das experimentelle „Double Negative“ haben meine Einstellung jedoch gründlich geändert.

    Zum 25-jährigen Bandjubiläum haben das Ehepaar Alan Sparhawk (Gitarre, Gesang) und Mimi Parker (Schlagzeug, Gesang) mit ihrem mittlerweile vierten Bassisten Steve Garrington erneut gezielt die Kooperation mit dem Produzenten B.J. Burton gesucht und ihre Heimat Duluth häufig in Richtung Eau Claire verlassen, um in Bon Ivers Studio den traditionellen Low-Sound zu brechen. Dumpfe, wabernde Bässe, fragmentierte Songstrukturen sowie knarzende Störgeräusche und Klangexperimente heben ihren sakralen Slowcore auf eine höhere Ebene. Ein großartiges Album, das zurecht aktuell bei Metacritic bei 86/100 Punkten steht und als Schallplatte in der limitierten farbigen Loser-Edition auf crystal clear Vinyl erhältlich ist.




    Not since Bon Iver’s aforementioned reinvention or even Radiohead’s Kid A have a relatively mainstream band made such an assured volte-face, wilfully pushing their audience away while they revisit, remake and remodel the tension that made them so very precious in the first place. Fierce and beautiful. Low are back.
    (Record Collector Magazine)




    What has always been so amazing about Low was the band's ability to coalesce these different sonic realms. The use of noise is always controlled in such a manner as to turn the extremity of the wall of sound approach into a warm fuzz. "Tempest" is an example of this ability, where Low plunge all elements into a sea of distortion, but instead of the result sounding extreme and detached, it brings out an emotive warmth. Similarly, the pop-y moments of Double Negative interchange with the heavy elements, the minimal investigations to create this kaleidoscopic sensation. It is what Low have been doing for a long time, but this is the record where they do it best.
    (Pop Matters)




    The addendum to the claim that Double Negative is Low’s most “brazen, abrasive” album was that it was also “paradoxically, [their] most empowering.” It’s hard to hear that on the first listen; it’s hard to hear that on the 20th listen. But it’s there. Hope might be a distant prospect on Double Negative, but there are hints of it. That fractured brightness in “Fly”? That reappears as much as the album’s more toxic qualities, eventually culminating in the epilogue of “Disarray,” the strained chance of transcendence that closes the album.
    There is no resolution on Double Negative. The album offers no easy answers. But it takes beautiful things and destroys them, and it takes ugly things and renders them celestial. All of the confusion, and disgust, and broken-down communication, and fear of the late 2010s — Double Negative captures that. Yet however distant it might be, it also shares glimmers of a sunrise somewhere on the horizon.
    (Stereogum)





    Low in Deutschland:
    08.10.18 Leipzig, UT Connewitz
    09.10.18 Berlin, Festsaal Kreuzberg
    10.10.18 Bochum, Christuskirche
    05.02.19 Erlangen, E-Werk
    06.02.19 Köln, Kulturkirche
    07.02.19 Frankfurt, St. Peter
    08.02.19 Hamburg, Uebel & Gefährlich


  • Neil And Liam Finn - Lightsleeper

    Neil And Liam Finn - Lightsleeper




















    Verweilen wir noch einen Tag in Neuseeland und kommen zum vielleicht international erfolgreichsten Musiker aus Neuseeland: Neil Finn (60), am besten bekannt als Sänger der Band Crowded House, hat nach seinem letztjährigen Album „Out Of Silence“ nun erstmals eine Platte gemeinsam mit seinem Sohn Liam (34) aufgenommen. Selbstverständlich ist dies nicht die erste Zusammenarbeit von Vater und Sohn, denn auf ihren Alben unterstützen sie sich seit 1998 gegenseitig und Liam war 2007 sogar kurzfristig als Mitglied bei den wiedervereinigten Crowded House eingestiegen, aber dies ist das erste Album, das als Neil and Liam Finn erscheint.

    Mit Sharon (Liams Mutter) und Elroy (Liams Bruder) bringen sich weitere Familienmitglieder auf „Lightsleeper“ musikalisch ein. Der prominenteste Mitstreiter ist jedoch Mick Fleetwood, der auf drei Songs am Schlagzeug sitzt, vermutlich, da Neil Finn auf der nächsten Tournee von Fleetwood Mac den wieder einmal ausgestiegenen Lindsay Buckingham ersetzt.

    „Lightsleeper“ zeigt die Finns in Experimentierfreude: Neils melodische Popsongs werden von Liam zerlegt und teilweise fragmentarisch wieder zusammengestückelt. Am besten zu überprüfen im siebenminütigen „Where’s My Room“. Man weiß beim Hören oftmals nicht, was einen als nächstes erwartet (Pianoballade? Elektronikspielereien? Soul? Jazzige Improvisationen? Kammerpop? Soundcollage?) - das kann teilweise auch durchaus verwirrend sein.

    Vorteil der schwarzen Doppel-LP von „Lightsleeper“: Mit „Troubles“ gibt es einen weiteren Song von Neil und Liam Finn zu hören.




    Songs wie der hymnische Opener „Island Of Peace“, das rhythmisch komplexe „Where's My Room“, das von der griechischen Ferienatmosphäre beeinflusste „Back To Life“ oder „We Know What It Means“ sind schon beeindruckend genug. Seine volle Pracht erreicht das Album aber in den von Streicher-Arrangements und intelligenten Elektronikspielereien verzierten Balladen. „Meet Me In The Air“, „Anger Plays A Part“, „Listen“, „Hiding Place“, der traumhaft schöne Schlusspunkt „Hold Her Close“ – McCartney dürfte sich in seinem Lob für Neil Finn bestätigt fühlen und Sohnemann Liam gleich mit einschließen.
    (Schwäbische Zeitung)




    In manchen Songs wie in „Any Other Way“ huldigen sie der handgemachten Akustik. In Anderen mischen sie elektronische mit orchestralen Klängen. Wer sich unter diesem Crossover nichts vorstellen kann, sollte direkt zu „Where’s My Room“ skippen und sich die Überraschung gönnen.
    In anderen Titeln hat sie sich ebenfalls versteckt. Die Finns lassen in „Hiding Place“ zu Beginn ein Ufo landen, um die Außerirdischen im selben Track auf die Insel der Freuden zu entführen.
    Bei „Back To Life“ kommt eine Geige zum Zug, die eine Melodie spielt, die Pärchen bekannt vorkommen wird. Beim Candlelight-Dinner vom restauranteigenen Fiedler überrascht zu werden, das passiert anscheinend nicht nur im Leben. Das passiert auch, wenn man „Lightsleeper“ hört.
    Wem das alles zu unwahrscheinlich und verrückt klingt, der sollte sich das Debütalbum von Neil & Liam Finn anhören, denn in den Ohren werden die letzten Sätze einen Sinn machen.
    (Musikblog)




  • Princess Chelsea - The Loneliest Girl

    Princess Chelsea - The Loneliest Girl




















    Wie man sich für eine Plattenvorstellung nach dem großartigen Paul McCartney qualifiziert? Zum Beispiel als ehemaliges Mitglied in einer Paul McCartney-/Wings-Tribute-Band namens Disciples of Macca.

    Wer für ein Mixtape noch ein passendes Album für die zweite Seite zu Jonathan Brees „Sleepwalking“ sucht, ist bei „The Loneliest Girl“ bestens aufgehoben. Das dritte reguläre Album von Princess Chelsea alias Chelsea Nikkel erscheint über Brees Label Lil’ Chief Records und wie bei dem YouTube-Hit „The Cigarette Duet“ (knapp 42 Millionen Aufrufe) lässt es sich Jonathan nicht nehmen seine Kollegin zu unterstützen. 

    Auf „The Loneliest girl“ lässt Princess Chelsea niedliche Arrangements mit Cembalo, Glockenspiel und Harfe auf süßlich-synthetische Popsongs treffen und trägt teilweise zynische Texte mit kindlichem Charm vor. Als würden sich Beach House, Dubstar und Saint Etienne in den Soundtrack eines Tim Burton Films verirren oder als würde man die neuseeländische Künstlerin möglichst kitschig und märchenhaft für ihr Plattencover in Szene setzen und ihr dann diabolisch rot leuchtenden Augen verpassen.

    Schallplatten-Freunde können sich freuen, denn neben „The Loneliest girl“ (orange Vinyl) sind auch die beiden Vorgänger „The Great Cybernetic Depression“ und „Lil’ Golden Book“ neu aufgelegt worden. 




    Auf The Loneliest Girl arbeitet Chelsea also weitestgehend mit bewährtem Material, unterfüttert sie ihren schwelgerischen Zuckerwürfel-Pop doch nur stellenweise mit neuen Versatzstücken: Achtziger-Synths, barocke Cembalo-Klänge und trockene Gitarrenbausteine. Die runden ihren Sound zwar ab, ändern aber nichts daran, dass diese zwölf Songs wie eine entrückte Fabel aus irgendeinem parallelen Du-und-ich-Kosmos klingen. Davon sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen. Trotz des regelmäßig auftauchenden Glockenspiels ist The Loneliest Girl kein Fluchtweg aus der Realität. Sondern ein subtiler Soundtrack zur post-apokalyptischen Gegenwart.
    (SPEX)




    Als Hörer sollte man aber den Teufel tun und bitte mit aller Seriosität an dieses verdammt tolle Werk herangehen. Nach einem kurzen "Stranger things"-Intro baut sich "Good enough" im Schatten von Beach House auf, tritt aus diesem mit einem elaboriert zusammengeschichteten Arrangement aus Glockenspiel und butterweichen Synths wieder heraus und holt für sein grandioses Finale auch noch einen männlichen Bariton ins Boot. "The pretty ones" stellt direkt im Anschluss Sound und Stimmung komplett auf den Kopf, platziert sich mit bedrohlichen Streichern, mächtiger Rhythmussektion und Tremolo-Gitarre irgendwo zwischen Lana Del Reys Definition eines Rock-Epos und Bond-Ballade. Nicht nur in den stellenweise bitterbösen Texten, auch akustisch bewegt sich "The loneliest girl" oft genug vom süßen Twee- und Elektropop weg. Eindrucksvoll gerät da etwa auch "Growing older", das seinen immer präsenter werdenden Stromgitarren am Ende ganz die Bühne überlässt.
    (Plattentests)




    Auf ihrer neuen Platte THE LONELIEST GIRL umkreist Nikkel nun einmal mehr glockenhell singend sich selbst und die Männerwelt. Zwar wird die naive Sehnsuchtshaltung von traumverloren hallenden, schlafliedhaften Songs wie „I Miss My Man“ oder „I Love My Boyfriend“ stets artig gebrochen – aber irgendwie war man auch im Ironie-Game schon mal weiter. Unterhaltsam wird es, wenn Nikkel sich in der Retro-Ramschecke bedient: In „Respect The Labourers“ dudelt das Saxofon so schmierig, dass einem augenblicklich eine Dauerwelle wächst; das Titelstück wiederum klingt verdächtig nach Nachmittagsprogramm auf „Viva 2“. Wenn gegen Ende das „Cigarette Solo“ verklungen ist, reicht’s einem dann auch erst mal mit der Augenzwinker-Kindchenschema-Show.
    (musikexpress)


    Princess Chelsea in Deutschland:
    20.09.18 Hamburg
    22.09.18 Berlin
    23.09.18 Dresden


  • Paul McCartney - Egypt Station

    Paul McCartney - Egypt Station




















    10 Fakten zum neuen Album von Paul McCartney:

    1. 12 Studioalben mit The Beatles, 7 mit den Wings, dazu das ein oder andere klassische Album oder Nebenprojekt wie The Fireman, und zudem hat sich vergangenem Freitag die Anzahl der Soloalben des mittlerweile 76-jährigen Paul McCartney durch „Egypt Station“ auf 17 erhöht. 

    2. Seit 1962 veröffentlicht Paul McCartney Musik. So lang wie zwischen „New“ (2013) und „Egypt Station“ mussten Fans aber noch nie warten. Exakt 1788 Tage.

    3. Die Aufnahmen mit dem Produzenten Greg Kurstin (Adele, Sia, Foo Fighters, Beck, Kylie Minogue) begannen kurz nach der Veröffentlichung von „New“ und fanden in Los Angeles, London und Sussex statt.

    4. Der Albumtitel leitet sich von einem Gemälde McCartneys ab, welches er in Form einer Lithografie 1988 in einer Auflage von 200 Stück verkaufte, und das auch den Hintergrund des Plattencovers darstellt.  

    5. „Egypt Station“ ist als CD, Doppel-LP (140g) und in der limitierten, 180g schweren Vinyl-Auflage käuflich zu erwerben. Stark limitiertes farbiges Vinyl gibt/gab es auch: grüne Schallplatten über Spotify, rote Platten in den USA bei Barnes and Noble und in Paul McCartneys Shop orange/blaue LPs

    6. „Egypt Station“ hat 14 Lieder (plus zwei kurze Instrumentals namens „Opening Station“ und „Station II“) und läuft 57:30. Die limitierte CD-Auflage bietet sieben zusätzliche Minuten Musik in Form der Songs „Get Started“ und „Nothing For Free“. 




    7. Am 20. Juni, zwei Tage nach Paul McCartneys Geburtstag und der Bekanntgabe des Albumtitels, erschien mit „I Don’t Know / Come On To Me“ eine Single mit doppelter A-Seite.




    8. Ryan Tedder von OneRepublic produzierte den Song „Fuh You“, den er auch mit komponierte. Dieser wurde am 15. August als zweite Single ausgekoppelt.




    9. „Egypt Station“ in der Plattenkritik: Metacritic steht aktuell bei 75/100 Punkten. Damit kommt die aktuelle Platte von Paul McCartney nicht ganz an „New“ (77/100) heran, schneidet aber deutlich besser ab als seine beiden davor veröffentlichten Alben („Kisses On the Bottom“, 2012, 62/100 und „Memory Amost Full“, 2007, 69/100).

    Mostly, ‘Egypt Station’ is a record that’s going to delight McCartney’s fans and – importantly – Beatles fans who might sniff at some of his solo work. It’s not wildly out there, like his work as The Fireman, but nor does it err on the safe side, like 2013’s ‘New’. It’s an album of upbeat and winsome notes, and it’s simple and honest, as if one of the most famous people in the world has left his diary open for us to read.
    (NME)

    So many records as reflective and evocative as Egypt Station prove to be career codas. Despite occasional misfires this one proves that, at 76, McCartney, socially and sonically, still has plenty to say.
    (The Independent)

    But, for the most part, this is an album that constantly projects joy and musical adventurousness, qualities which have signified this career for more than a half-century. The closing barrage of “Hunt You Down/Naked/C-Link” is vibrant and unexpected, encompassing everything from AC/DC to Fats Domino. Meanwhile, “Happy With You” is McCartney at his open-hearted best, just acoustic guitar, woodwinds, percussion thump and a sky-clearing melody, reminding us all over again that the correlation between love taken and love made is unaffected by the passing time.
    (American Songwriting)

    10. Paul McCartney live erleben? Dann ran an den „Schwarzmarkt“ und rein ins Flugzeug! 22 Auftritte sind bis Juni 2019 angekündigt, der nächst gelegene findet in Wien statt. Zur Veröffentlichung von „Egypt Station“ spielte Paul McCartney ein Überraschungskonzert vor 300 Zuschauern in der Vanderbilt Hall des New Yorker Bahnhofs Grand Central Station. Insgesamt wurden 26 Lieder gespielt, darunter 17 Songs von The Beatles sowie 3 neue Titel, die hier angehört /angesehen werden können. 

  • Die 10 besten Platten von Creation Records

    10. Teenage Fanclub "Thirteen"
    9. Primal Scream "Screamadelica"
    8. Slowdive "Souvlaki"
    7. The Boo Radleys "Giant Steps"
    6. Adorable "Against Perfection"
    5. Ride "Going Blank Again"
    4. My Bloody Valentine "Loveless"
    3. The House Of Love "The House Of Love"
    2. Oasis "Definitely Maybe"
    1. Oasis "(What's The Story) Morning Glory"

    (ausgewählt von Dirk)