Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Trevor Sensor - Andy Warhol's dream

    Trevor Sensor - Andy Warhol's dream






















    Mit seinen 23 Jahren verschafft Trevor Sensor aus Illinois auf seinem Debüt "Andy Warhol's dream" dem Folk-Rock eine Frizschzellenkur. Dank seiner Folk-/Americana-Einflüsse und stellenweise luftiger Melodien verfliegt der Folk-Rock-Mief weitgehend. Sensors Stimme ist dabei Fluch und Segen zugleich. Sie passt gut zu diesem Konzept, in dieser Form kann man sie sich aber auch kaum in einem anderen Kontext vorstellen. Mal sehen welche Musik Sensor macht, wenn sein Alter den Klang seiner Stimme eingeholt hat. Um das Publikum bei der Stange zu halten, muss er sich bis dahin noch ein paar Dinge einfallen lassen. 

    Produziert wurde "Andy Warhol's dream" von Foxygens Jonathan Rado und Richard Swift (The Shins, Damien Jurado, Foxygen). Als Band fungierten Musiker von Whitney. 

    Intro.de beschreibt "Andy Warhol's dream" treffend:
    So eingängig sind die kleinen, feinen Melodien zwischen Kinderlied und Jingle, so markant ist der Gesang, der klingt, als würden Henning May und Marcus Mumford wild übereinander herfallen und rumknutschen. Sensor spielt dazu einen performativen Americana ohne folkloristische Attitüde. Das Lagerfeuer bleibt dem Hörer dankenswerterweise und geschmackssicher erspart, stattdessen radelt er auf einem Faltrad nonchalant durch die von The Shins oder Foxygen gezeichneten Suburbs.
    Meine Anspieltipps sind "Lion's pride", "The reaper man" und "Starborne eyes".

    Das Video zu "High beams":


    Konzerttermine in Deutschland:
    • 22.09. Hamburg
    • 25.09. Berlin
    • 27.09. Köln
  • Fotoform - Fotoform

    Fotoform - Fotoform



















    Die erste Vorladung (VII)

    Personalien:
    Aus Seattle stammt das Quartett Fotoform, das aus Kim House (Bass, Gesang), Garrett Croxon (Schlagzeug), Geoff Cox (Gitarre) und Stephen Jones (Gitarre) besteht.

    Tathergang:
    Kim und Geoff, die miteinander verheiratet sind, waren zuvor gemeinsam mit mehrmals wechselnden Musikern in der Band C’est La Mort aktiv, die 2010 auch ein Album („Empty Words Fill Lonely Spaces“) veröffentlichte. Als sich das oben genannte Lineup entwickelt hatte, wollte sich das Quartett von dem düsteren Bandnamen verabschieden und wählte aus ästhetischen und inspirierenden Gründen den Begriff Fotoform (= eine zwischen 1949 und 1952 bestehende avantgardistische Gruppe deutscher Fotografen), der sicherlich Geoff eingefallen ist, da er einen Doktortitel in deutscher Literaturwissenschaft hat.
    Im April wurde das Debütalbum „Fotoform“ veröffentlicht, das als Download oder LP über die Bandcamp-Seite von Fotoform bestellt werden kann.

    Plädoyer:
    Der Bass von Kim House klingt schon ziemlich nach Peter Hook (Joy Division, New Order) oder frühen The Cure. Hinzu gesellt sich ihr entrückter Gesang, so dass man auch Cocteau Twins, Lush oder Siouxsie And The Banshees zu Vergleichen heranziehen könnte und „Fotoform“ mit den Aufklebern „Dreampop, Shoegaze und Post-Punk“ versehen könnte.

    Zeugen:

    (...) the description suggested a blend of Chameleons/Coctau Twins/4AD with some more contemporary shoegaze/dreampop influences in the vein of Pale Saints and the like.  To be honest, I did not expect to hear anything extraordinary, but, since I’m very much into the genre anyway, well, why not give it a try? And boy, I’m happy that I did. As mentioned before, the band does not offer much originality in terms of style (which in itself ain’t an issue for me), but that said, the execution is close to perfect – and that’s what ultimately counts. They sound just like a band of their kind should: guitars blend in the echoey ether, the bass thumps distinctively, the drummer (which is not so often the case) actually knows his trade and offers something way more developed than your average-day drummer does. And on top of that, great female vocals! The only thing that I might consider a minor slip is that they’re a bit too prominent in the mix, but it’s just my personal preference. The record as a whole has moments that sound so similar to For Against, that if not for the indie/shoegaze additions, one might as well call it “December II”. Which is quite probably better than the first. Overall, a very good album, give it a listen.
    (Bat-Cave)


    Indizien und Beweismittel:





    Ortstermine:
    Stehen aktuell keine fest.

    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...


  • Birthh - Born In The Woods

    Birthh - Born In The Woods




















    Die erste Vorladung (VI)

    Personalien:
    Vielleicht wurde, um die Google-Suche zu erleichtern, ein zusätzliches „h“ an den Bandnamen gehängt. Birthh ist das Alter Ego der aus Florenz stammenden, 20-jährigen Alice Bisi.

    Tathergang:
    Gemeinsam mit Lorenzo Borgatti und Massimo Borghi ist Alice Bisi seit 2016 unterwegs, um ihre Musik einem größeren Publikum näher zu bringen. Zuletzt sorgte sie beim SXSW und Eurosnic Noorderslag für Aufsehen. Die 10 Songs des Debütalbums „Born In The Woods“ wurden von Lorenzo Caperchi und Alessandro Paderno im RedCarpet Studio aufgenommen und über We Were Never Being Boring Collective veröffentlicht.

    Plädoyer:
    Genau wie ich es mir wünsche: Als würde Jamie xx das neue Album von Daughter produzieren.

    Zeugen:

    The album opens with Gospel style harmonies before an intermittent drum beat interrupts the smooth piano/vocal intro, towards the end of the track there are some St. Vincent-esque finger clicks and drum stick clicks (think the handclaps in Apocalypse Song) which bring an almost climax to the track. The first thing that is apparent when listening to this album is how smooth Alice’s vocals are, in fact, this album has a very smooth feel to it – perfect for Sunday morning listening.
    ‘Interlude for the Lifeless’ introduces itself with bubbling water, in fact it’s not unlike something you’d hear on a Zen mood compilation, well maybe, that is until we are told that ‘this is how I wanna die’ whilst wispy vocals meander in the background.
    The various ‘interludes’ throughout help to break the album up into parts, or chapters if you like, giving it a sense of purpose, a sense of direction and structure, it makes me wish I had this on vinyl so each ‘part/chapter’ would be self-contained on each side of the disc creating little vignettes of ideas and atmosphere.
    (Louder Than War)

    Indizien und Beweismittel:





    Ortstermine:
    Obwohl ein Song auf „Born In The Woods“ den Titel „(Bahnhof)“ trägt, stoppt Birthh ihre Tournee noch vor der deutschen Grenze.

    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...


  • Splashh - Waiting A Lifetime

    Splashh - Waiting A Lifetime





















    Die erste Vorladung (V)

    Personalien: 
    Vielleicht wurde, um die Google-Suche zu erleichtern, ein zusätzliches „h“ an den Bandnamen gehängt. Splashh sind ein Quartett, das zwar in London gegründet wurde, dessen Mitglieder aber aus anderen Städten bzw. Ländern stammen: Sasha Carslon (Neuseeland), Taddeo Vivian (geboren in Italien, aufgewachsen in Australien), Thomas Beal (England) und Jaie Gonzalez (Australien). 

    Tathergang:
    Nachdem Splashh 2013 mit „Comfort“ ein Debütalbum veröffentlicht hatten, das hauptsächlich auf den Demos beruhte, die Vivian allein aufgenommen hatte, entstanden die Grundlagen für „Waiting A Lifetime“ in gemeinsamen Sessions. Zwei Jahre arbeitete das Quartett am neuen Album, das im Vernhes’ Rare Book Room Studio aufgenommen und über ihr neues Label Cinematic Music Group veröffentlicht wurde.

    Plädoyer:
    Professionelle Aufnahmen in einem Studio, der Bassist und der Schlagzeuger sind plötzlich auch in das Songwriting integriert und zwei Jahre Zeit, um sich zu entwickeln. Kein Wunder, dass „Rings“ mit den Textzeilen “I would change if I could, I would / You should change if you could, you should” das Album eröffnet und plötzlich weniger Garage Rock offeriert als der Vorgänger. Melodischer Britpop, vom Synthesizer geprägte Songs und elektronische Experimente lassen das Album stilistisch fast so funkeln wie die Glitzersteine den Gitarrenkorpus auf der Plattenhülle.

    Zeugen:
    „Waiting A Lifetime“ steht aktuell bei Metacritic bei 74/100 Punkten:

    (…) they go all sorts of places on ‘Waiting A Lifetime’. And while labelling it ‘experimental’ might not quite be right, it does plenty to mix things up. ‘See Through’ proceeds sentimentally and almost lullaby-like, ‘Look Down to Turn Away’ induces an intense, six-minute synthy trance, and standout moment ‘Closer’ is surprisingly akin to Electronic’s ‘Getting Away With It’ going psychedelic – while the title track feels the most familiarly Splashh, only souped-up to the max.
    The group’s Toto Vivian has described the experience of making the record as a liberating one – and that’s reflected in the end product. Bolder, brighter and better than ever, ‘Waiting A Lifetime’ is the sound of a band having fun being free.
    (DIY)

    Kicking off with the raging rocker "Rings," which features some very grungy guitars, the album hits hard and fast before dialing down a bit for some songs that show off the quartet's skill at making melancholy indie rock. "See Through" is an aching last-dance-at-the-prom kind of thing; "Gentle April" is an atmospheric ballad with a huge chorus; "Comeback" has the exact right balance of restraint and guitar mutilation. This brace of songs has depth that the first album rarely reached, and the addition of Jaie Gonzalez's keyboards to the mix is welcome and sometimes surprising. The synths that pepper the album are one of the only vestiges of Splashh's drastic post-debut swerve that saw them delving into electronics. The squelchy techno-driven "Look Down to Turn Away" gives an interesting clue into what it might have sounded like if they had stuck with that sound. It was probably a good idea for them to go back to dream pop, since they do it so well. Songs like "Closer" and the title track have the kind of gauzy energy that the best dream poppers of the '90s had when firing on all cylinders; the calmer tracks have an autumnal sadness and richness; and vocalist Toto Vivian proves to be just as adept at crooning through ballads as he does casually wandering through the faster ones.
    (All Music)


    Indizien und Beweismittel:






    Ortstermine:
    Im Mai konnte man Splashh in Hamburg und Berlin sehen, jetzt folgen Asien, England und USA.

    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...


  • The Popguns - Sugar Kisses

    The Popguns - Sugar Kisses




















    Die erste Vorladung (IV)

    Personalien:
    Die aus Brighton stammenden The Popguns bestehen aktuell aus Wendy Pickles (Gesang), Simon Pickles (Gitarre), Greg Dixon (Gitarre), Pat Walkington (Bass), Tony Bryant (Schlagzeug) und Kate Mander (Gesang). Dass vier weitere Musiker unter „ehemalige Mitglieder“ gelistet werden können, ist nicht vollkommen unverständlich, bestehen The Popguns doch bereits seit 1986!

    Tathergang:
    4 Alben in den 90ern, dann eine Auszeit von rund 15 Jahren, die Rückkehr auf die Bühne und schließlich ein neuer Plattenvertrag bei Matinee Recordings mit „Pop Fiction“ (2014) und nun „Sugar Kisses“ als Folgen.

    Plädoyer:
    Drehen wir die Zeit um 25 Jahre zurück: nostalgischer Indiepop, eingängiger Janglepop und schrammelnder Powerpop, als wäre es 1992. Freunden von The Darling Buds, The Primitives (damals) und Allo Darlin’, Veronica Falls (heute) empfohlen. 
    Leider ist „Sugar Kisses“ nicht auf Vinyl erhältlich.

    Zeugen:

    But the album finds the band unwilling rely only on that traditional strength and listeners aiming for nostalgia.  So here melancholy janglers like the wonderful showcase song "So Long" are balanced by the robust tracks such as "We Don't Go Round There Anymore", "A Dream Of Her Own", "Gene Machine", "Fire Away", and the glorious "Finished With The Past".  The variety and quality of execution shows this Brighton band to be as vital, energetic and aggressive as are many new bands trying to make there way in music.  The difference is that The Popguns are pros at this, and it shows.  Wendy Pickles' voice still impresses with its power and range, but even more intriguing to any careful listener is her nuanced touch with the emotional content of the songs.  The result is an album as strong as any the band has done, and it will serve as a summer mix tape for the discerning indie pop fan.  Pop the champagne corks for The Popguns -- they have earned it!
    (When You Motor Away…)

    They still sound like they used to, albeit it a little more mature and a little cleaner in their sound. Plus the additional backing vocals of Kate Mander add another layer of harmonies to the songs. There's much of their classic sound at play here though with lots of regret and reminiscing about the past in the lyrics. This new album is also full of bittersweet pop songs with catchy choruses like on "A Dream Of Her Own" and it closes with two songs leaning more towards their power pop side. "Fire Away" features what will probably be the closest The Popguns get to a song with gang vocals and "Finished With The Past" is just classic Popguns and the highlight for me.
    (collective-zine)

    Indizien und Beweismittel:




    Ortstermine:
    Finden nur in Brighton (07.07. und 18.08.) und London (16.09.) statt.

    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...

  • Father John Misty - Pure comedy

    Father John Misty - Pure comedy






















    Father John Mistys drittes Album "Pure comedy" erschien bereits vor einigen Wochen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte ich mich schon mit diesem befasst, aber es ging neben anderen Alben unter. Als ich nun "Crack-up" der Fleet Foxes hörte, kam mir "Pure comedy" wieder in den Sinn. Während der Aufnahmen und Tour zu "Helplessness blues" agierte Josh Tillman aka Father John Misty als Schlagzeuger der Band. 2012 verließ er sie wieder. Im gleichen Jahr erschien sein Debüt unter dem Pseudonym Father John Misty. Vorher hatte er bereits acht Platten als J Tillman veröffentlicht. 

    Als Father John Misty lässt er seiner Kreativität freien Lauf. Das Vorgängerwerk "I love you honeybear" war ein sehr vielseitiges Werk. Es bedurfte der Interpretation als Konzeptalbum, um eine Klammer zu erkennen. "Pure comedy" benötigt diesen Kunstgriff nicht. Erschien mir Tillmans Stimme auf dem Vorgänger zu glatt und austauschbar, macht sie im Kontext von "Pure comedy" mehr Sinn. Die prägenden Stilelemente sind Kammerpop und orchestrale Arrangements. Dazu passt seine Stimme gut. Verknüpft mit der Idee, dass es sich auch ein Stück weit um "Comedy" handelt ist das Gesamtwerk ein Gegenentwurf zum verkopften Indiefolk seiner Ex-Band.  

    Über Albumlänge macht mich "Pure comedy" wegen der fehlenden Ecken und Kanten unruhig bis aggressiv. Man ist ja auch Spieldauern über 70 Minuten kaum noch gewohnt. In kleineren Dosen kann ich "Pure comedy" als Abwechslung empfehlen. "Total entertainment forever", "Ballad of the dying man", "Leaving LA", "Smoochi" und "So I'm growing old on Magic Mountain" sind für mich die besten Titel auf "Pure comedy". 

    Das Video zu Titelsong:


    "Total entertainment forever":


    Das hvv.demag
    Father John Misty hat einfach seinen Sound gefunden und mit diesen opulenten 75 Minuten einen komplexen Brocken menschlicher Empfindungen samt ihrer gesellschaftlichen Auswüchse geschaffen. Mit beißendem Witz und wundervollen Melodien gelingt es dem Dandy (nun auch ohne Rauschebart), seine mutigen, weil letztlich idealistisch-naiven Anschauungen unters Volk zu bringen.

  • Fleet Foxes - Crack-up

    Fleet Foxes - Crack-up






















    Ist es ein allgemeiner Trend oder nur der Einfluss Bon Ivers? Justin Vernon gab sich Mühe, sein aktuelles Album "22, A million" möglichst schwer hörbar zu machen. Bei James Vincent McMorrows "True care" stellte ich eine ähnliche Tendenz fest. Und nun erscheint nach sechs Jahren das dritte Album der Fleet Foxes und eingängige Ohrenschmeichler wie "White winter hymnal", "Your protector", "Blue ridge mountains" oder "Mykonos" suchte ich darauf vergeblich. So einfach wie zu Beginn ihrer Karriere macht es die Band um Robin Pecknold den Hörern nicht mehr. 

    Statt dessen werden die Beach Boys-Melodien und die heimelige Folk-Stimmung hinter stellenweise ausufernden Arrangements versteckt. Falls es "Post-Folk" als Kategorie noch nicht gab, für solche Musik sollte man sie nutzen dürfen. Den Weg dorthin wies bereits der Titel "The shrine / an argument" auf dem Vorgänger "Helplessness blues". "Crack-up" setzt die "Verkopfung" der Musik der Band aus Seattle fort. Durch den Vergleich mit "Crack-up" gefällt mir "Helplessness blues" nun sogar besser, als zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Vielleicht ergeht es mir mit "Crack-up" irgendwann ähnlich. 

    "Crack-up" ist ein gutes Album, aber beim nächsten Album sollten die Fleet Foxes wieder etwas mehr das Herz als den Kopf einsetzen. Meine Empfehlungen sind "Cassius,-", "Third of May / Ōdaigahara" und "Fool's errand". 

    Das Video zu "Fool's errand":


    "Third of May / Ōdaigahara":


    Im Herbst wird die Band Deutschland besuchen:
    • 12.11. Hamburg
    • 13.11. Berlin
    • 01.12. Köln
    Sounds & Books:
    Man benötigt etwas Geduld mit einigen ausgefallenen und vertrackten  Kompositionen von Crack-Up, aber die Fleet Foxes belohnen einen dafür mit einem mal wieder zauberhaften neuen Album.
    The Guardian:
    Unable to stop himself writing gorgeous melodies – the album is full of beautiful passages of music, garlanded with Fleet Foxes’ trademark luscious harmonies and wonderful orchestrations – Pecknold instead opts to repeatedly short-circuit them. At its most straightforward, Crack-Up features a digressive, segmented, prog-rock-style take on the sound of the band’s first two albums, with mixed results.
  • Chastity Belt - I used to spend so much time alone

    Chastity Belt - I used to spend so much time alone






















    Der Promotext zu "I used to spend so much time alone" schildert die folgende Situation: Julia Shapiro, Gretchen Grimm, Lydia Lund und Annie Truscott, also die Musikerinnen hinter Chastity Belt, vertrieben sich die Zeit um Tourbus, indem sie sich hemmungslos gegenseitig Komplimente machten. Ähnlich harmonische ging es wahrscheinlich auch bei den Aufnahmen des aktuellen Albums zu, denn das Ergebnis ist überaus harmonisch und leider auch weitgehend beliebig geraten. Melancholische Texte, vorgetragen als Shoegaze-verhuschter oder Dreampop-gesäuselter Gesang vergällt mir die Indierock- bzw. Post-Punk-Basis darunter. Produziert wurde von "I used to spend so much time alone" von Wire-Gitarrist Matthew Simms. 

    "5am", "Caught in a lie", "This time of night" und "It's obvious" können mich zumindest ansatzweise überzeugen. Dieses dritte Album der Band aus Walla Walla (im US-Staat Washington) soll ihr bislang bestes sein und Intro empfiehlt es traurigen Teenagern. Vielleicht gehöre ich einfach nicht zur Zielgruppe.

    Daher lasse ich Éclat zu Wort kommen: 
    Chastity Belt schweben genau zwischen den wunderbaren Melodien von Real Estate, dem Tiefgang von Elliott Smith und der Euphorie und den treibenden Elementen von Bands wie den Pixies. Nur, dass es nicht die genaue Mischung ist, sondern das große Ganze mehr ist als die Summe der Teile. So viele Menschen wie möglich sollten diese Platte hören! Mehr gibt es nicht zu schreiben, es ist in der Musik zu finden.
    Kaum zu glauben, dass dieses Video zu "Different now" mit seiner Anlehnung an "Hunger strike" bereits vor Chris Cornells Tod veröffentlicht wurde:


    "Used to spend":


    Die Tour führt die Damen in diese deutschen Städte:
    • 16.09. Köln
    • 17.09. Berlin
  • Fast Romantics - American Love

    Fast Romantics - American Love





















    Die erste Vorladung (III)

    Personalien:
    Eigentlich müsste man von den Fast Romantics 2.0 sprechen, denn zwischen 2009 und heute wurde das Line-Up der kanadischen Band stark durchmischt. Neben den beiden Gründungsmitgliedern Matthew Angus (Gesang) und Jeffrey Lewis (Bass) ergänzen vier neue Mitglieder nun das Sextett: Kirty (Gesang, Gitarre, Keyboards), Kevin Black (Gitarre), Nick McKinlay (SChlagzeug) und Lisa Lorenz (Keyboards).

    Tathergang:
    Nach zwei Alben („The Fast Romantics“ (2009) und „Afterlife Blues“ (2013)) stellt „American Love“ nun das erste Album der neu besetzten Fast Romantics dar. Bereits im Frühjahr 2015 wurde mit „Julia“ eine erste neue Single veröffentlicht, der „Why We Fight“ im Januar 2017 folgen sollte. Die 12 Songs von „American Love“ wurden von Gus Van Go (Wintersleep, Said The Whale) und Werner F. produziert. Der Songwriter und Sänger Matthew Angus erklärt den Albumtitel wie folgt: 
    "I was falling pretty hard in love when we started the record. But the songs ended up being paintings of what it felt like to fall in love while the rest of the world went mad. The American election went bizarre and took over the Canadian one, everybody's obsession with social media hit some kind of peak, and suddenly everyone — everywhere — was talking about America. Smartphones were going off like bombs everywhere I went. It started seeping into the songwriting, and now I'm not even sure how to describe it. Is it a collection of love songs about politics or is it a collection of political songs about love?"

    Plädoyer:
    Dass „Why We Fight“ ausgerechnet am Tag der Inauguration von Donald Trump veröffentlicht wurde, war kein Zufall und eigentlich müssten die Fast Romantics aufgrund ihrer Texte und der begleitenden Musik, irgendwo zwischen Wintersleep, Arcade Fire, The New Pornographers und Bruce Springsteen, auf viele offene Ohren in den USA stoßen.
    Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass der Indierock / Powerpop und die leicht raue Stimme von Matthew Angus noch häufiger durch weiblichen Gesang veredelt worden wären.

    Zeugen:

    It can be difficult to reconcile good and happy feelings in your own life, when the world at large is falling apart. What's great about American Love is love is not consumed by the problems of the world, but rather used as a source of determination and strength, like on "Why We Fight," with a synth/guitar riff right out of Springsteen's playbook. In fact, references to great American musicians are all over American Love, such as on "Radio Waves," a blissed-out Beach Boys number. The highlight of the album has got to be "Julia," a huge power pop jam with one of the catchiest choruses I've heard this year, as well as some amazing harmonies and Matthew Angus going full Costello on the bridge. In a time of uncertainty and fear, American Love is a welcome light in the darkness, and a nice reminder of the power of love.(Exclaim)

    The sound throughout the album remains full-bodied, with rare dips into slower, more introspective sounding bridge sections during some tracks. The core of most songs come straight from the roots of rock music with tastefully distorted guitar and driving percussion delivered in almost every track on the album. Sporadic synth rhythms and the distinct ringing of bells and chimes round out the musical arsenal, adding an extra layer of sonic depth to the music. One caveat to American Light is that, if you are looking for variety, this album is lacking it in some ways. The sound, tone and tempo is more or less consistent throughout the entire album, so don’t go into it expecting a rollercoaster of musical changes.(beatroute)


    Indizien und Beweismittel:







    Ortstermine:
    USA, Kanada, kein Europa.

    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...

  • Lorde - Melodrama

    Lorde - Melodrama




















    10 Fakten zum neuen Album von Lorde:

    1. Jack Antonoff, dessen Projekt Bleachers gestern hier vorgestellt wurde, ist Mitkomponist und -produzent des zweiten Albums von Lorde.

    2. Weitere Produzenten-Credits erhalten.a.: Jean-Benoît Dunckel (Air), Harley Edward Streten (Flume), Frank Dukes (Usher, The Weeknd, Drake) oder auch Andrew Wyatt (Miike Snow).

    3. Die Aufnahmen für „Melodrama“ fanden über einen Zeitraum von 18 Monaten zwischen Juli 2015 und Januar 2017 in Jack Antonoffs Heimstudio statt.

    4. Fast 45 Monate mussten Fans von Lorde auf den Nachfolger von „Pure Heroine“ warten, der am 16. Juni veröffentlicht wurde, 11 Titel enthält und 41 Minuten läuft.

    5. „Green Light“ wurde als erste Single ausgewählt und am 2. März veröffentlicht. Es ist für Lorde, die bürgerlich Ella Yelich-O’Connor heißt, nach „Royals“ und „Tennis Court“ die dritte Nummer 1-Single in ihrer Heimat Neuseeland. In anderen Ländern konnte der Song nicht an frühere Charts-Erfolge anknüpfen: USA #19, UK #20, D #33.

    6. Das Video zu „Green Light“ wurde von Grant Singer im MacArthur Park in Los Angeles gedreht und hat bereits über 71 Millionen Zugriffe bei YouTube:



    7. „Liability“ war der zweite Song aus „Melodrama“, der nur wenige Tage nach „Green Light“ veröffentlicht wurde. „Perfect Places“ sollte aber als zweite offizielle Single Anfang Juni erscheinen.



    8. Beim Songwriting waren Lorde und Jack Antonoff nicht ganz auf sich gestellt: Bei der Single „Green Light“ half der neuseeländische Musiker/Produzent Joel Little, der bei „Pure Heroine“ noch alle Songs mitkomponiert hatte, aus. Ein schwedisches Team, bestehnd aus Tove Lo, Jakob Jerlström und Ludvig Söderberg, war an „Homemade Dynamite“ beteiligt.

    9. Das Plattencover das Lorde zeigt, stammt von Sam McKinnis, einem 31-jährigen, in Brooklyn lebenden Künstler.

    10. Die „Melodrama World Tour“ wird Lorde auch nach Deutschland führen: München (11.10.17, Zenith), Köln (14.10.17, Palladium) und Berlin (15.10.17, Tempodrom) heißen die Stationen.


    Tatsächlich geht "Melodrama" mit dem Höhepunkt der Party los: "Green Light", die erste Single, könnte nicht weiter entfernt sein von der Ansage, die Lorde noch 2013 in ihrem Song "Team" machte: "Ich hab's einigermaßen satt, dass mir jemand sagt, ich sollte meine Arme in die Luft werfen." "Green Light" ist nun ein einziges Hände-in-die-Luft: Zwar singt Lorde darüber, wie sehr sie sich von ihrem Ex getäuscht fühlt. Doch mit dem Chorus setzt ein Piano ein, das einem die gute Laune buchstäblich einhämmert. So euphorisch klang Lorde noch nie.Doch es ist nur ein Ende des emotionalen, oder besser gesagt melodramatischen Spektrums, das das Album abdeckt. In der Piano-Ballade "Liability" übt sich Lorde in Selbstbezichtigung: Sie sei eine Belastung für ihre Freunde, singt sie, ihr Ruhm, die Aufmerksamkeit, die sie automatisch auf sich und alle in ihrer Nähe ziehe, all das sei für viele kaum zu ertragen. "Die Wahrheit ist, dass ich ein Spielzeug bin, mit dem die Leute gern spielen/Bis die ganzen Tricks nicht mehr funktionieren". So abgekämpft klang Lorde noch nie.(Spiegel)


  • Bleachers - Gone Now

    Bleachers - Gone Now



















    Die erste Vorladung (II)

    Personalien:
    In New York City lebt der aus New Jersey stammende, 33-jährige Musiker, Singer/Songwriter, Produzent Jack Antonoff, der nicht nur Mitglied bei den Bands Steel Train und Fun war/ist, sondern auch das Projekt Bleachers betreibt. Für den Song „We Are Young“ (Fun feat. Janelle Monáe) und seinen Beitrag zum Taylor Swift Album „1989“ wurde er mit dem Grammy Award ausgezeichnet.

    Tathergang:
    Nachdem Jack Antonoff unter dem Bandnamen Bleachers 2014 das Album „Strange Desire“ veröffentlicht hatte erschien mit „Terrible Thrills Vol. 2“ ein Cover-Album, auf dem sich Charli XCX, Carly Rae Jepsen, Sia u.a. den Songs annahmen. Seit diesem Monat steht mit „Gone Now“ das zweite Album von Bleachers in den Plattenläden, das dem Konzept des erfolgreichen „Strange Desire“ (USA #11, Kanada #19) treu bleibt und zahlreiche namhafte Produzenten wie Emile Haynie (Lana del Rey, Bruno Mars), John Hill (MIA, Shakira, BANKS), Greg Kurstin (Adele, Sia, Kelly Clarkson) oder Vince Clarke (Depeche Mode, Yazoo, Erasure) integriert und auf die Zusammenarbeit mit Lorde ("Don't Take the Money"), Carly Rae Jepsen oder Julia Michaels ("Hate That You Know Me") setzt. 

    Plädoyer:
    „Don’t Take The Money“ ist der offensichtliche Hit auf „Gone Now“, dafür sorgen allein die Paten Lorde, Greg Kurstin, Vince Clarke und Lena Dunham („Girls“), die nicht nur Antonoffs Freundin ist, sondern auch beim Video Regie führte. Andere Songs, wie „All My Heroes“, „Let’s Get Married“ oder „I Miss Those Days“ lassen die 80er Jahre-Referenzen und John Hughes-Film-Assoziationen noch deutlich hervortreten. Leider gibt es auch die ein oder andere Verbeugung vorm Zeitgeist („Goodbye“ und „Foreign Girls“ mit nervigem Autotune-Einsatz), die den schönen Retro-Touch etwas beschädigen. 

    Zeugen:
    „Gone Now“ steht aktuell bei Metacritic bei 70/100 Punkten:

    On ‘Strange Desire’, Antonoff excelled in making epic pop songs – the kind that could make even the tiniest of dive bars feel like a cavernous stadium. ‘Gone Now’ shows he hasn’t lost that knack, but he also explores a subtler, more keenly focused approach. ‘Good Morning’ is a brilliantly disorientating piece of piano-pop, sounds flying from one ear to the other. ‘All My Heroes Got Tired’, meanwhile, is perhaps the most minimal Bleachers track in existence. It slowly builds from a needling synth line and hushed vocals to a huge surge of sound, like a plane readying itself for that ear-popping takeoff, but never quite lifting off the runway.Despite the rest of Antonoff’s accolades – working with Taylor Swift, Carly Rae Jepsen and most recently on new album ‘Melodrama’ – ‘Gone Now’ proves he should be recognised as more than a writing partner or producer to the stars, but one of the stars himself.(NME)

    Jack Antonoff’s effervescent synth-based confections, especially for his outfit Bleachers, are deceptively cheerful: They have a buoyant pop sensibility, but come weighted with an unmistakable sense of loss. For his new Gone Now (it’s all right there in the title), Antonoff continues his exploration of the tragic, life-defining events of his youth, which include 9/11 and the loss of his younger sister Sarah to brain cancer while he was in high school. That remorse pervades the whole album, heard especially on songs like “Everybody Lost Somebody,” where he turns it into a gospel spiritual, complete with impactful choir and horn accent. On “All My Heroes,” his regrets turn inward as he knocks himself around the room, promising, “I’ll be something better yet.”Unfortunately, poignant moments like these are so successful, they make some of Antonoff’s other, lighter efforts look shallow by comparison. In particular, a highly touted collaboration reunion with Carly Rae Jepsen, “Hate That You Know Me,” really needed to be fleshed out more beyond just repeating the title phrase over some electronic music-box accompaniment. In “Goodbye,” Antonoff sounds like he’s singing about changing apartments (“Goodbye to my upstairs neighbor / Goodbye to the kids downstairs”), a somewhat banal story of life’s shifting backgrounds that’s elevated only slightly by some sentimental piano. And in “I Miss Those Days” he attempts a world-weary tone that falls flat, especially coming from someone whose music feels so young.(The A.V.Club)

    Indizien und Beweismittel:





    Ortstermine:
    Bisher nur in den USA.

    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...


  • Portugal. The Man - Woodstock

    Portugal. The Man - Woodstock




















    10 Fakten zum neuen Album von Portugal. The Man:

    1. Das achte Studioalbum von Portugal. The Man trägt den Titel „Woodstock“ und folgt vier Jahre nach „Evil Friends“ - so lang mussten Fans bisher auf kein Album der Band warten.

    2. Der Arbeitstitel lautete zunächst „Gloomin + Doomin“, dieser wurde aber, wie zahlreiche Songs, mit denen John Gourley, Zachary Carothers, Kyle O’Quin, Eric Howk und Jason Sechrist nicht zufrieden waren, wieder verworfen. Als Gourley bei seinem Vater zufällig den Abriss seines Tickets für das berühmte Woodstock Festival (1969) fand, stand der Albumtitel fest und mit der Idee, Musik als Kommentar auf soziales und politisches Unbehagen zu schreiben, begann das Quintett ein neues Projekt.

    3. „Woodstock“ beinhaltet 10 Titel, die 39 Minuten laufen. Es gibt keine Deluxe Version, aber eine schicke LP (12" vinyl with a gatefold jacket).

    4. Neben Casey Bates, dem langjährigen Produzenten von Portugal. The Man, arbeiteten auch John Hill (Bleachers, Florence + The Machine, BANKS), Danger Mouse (Broken Bells, U2, red Hot Chilli Peppers) und Mike D von den Beastie Boys an dem Album.

    5. „Noise Pollution“ wurde im November letzten Jahren als erster Song veröffentlicht. Auf diesem sind Zoe Manville, die Freundin von John Gourley und Mutter der gemeinsamen Tochter Frances, sowie die Scream-Queen Mary Elizabeth Winstead zu hören.




    6. Als „Global Smash Hit“ wird die zweite Single „Feel It Still“ auf der Homepage der Band angepriesen. Und tatsächlich: der Song erreichte Platz 1 der Billboard Adult Alternative Charts sowie Platz 2 der Billboard Alternative Songs Charts. Das war ihnen zuvor noch nicht gelungen.




    7. Eine interaktive Version des Videos zu „Feel It Still“ kann man hier finden.

    8. Die dritte Single trägt den Titel „Number One“, sampelt den Klassiker „Freedom“ von Richie Havens und ist eine Kollaboration mit dem R&B-Künstler Son Little.




    9. Der Hip Hop Künstler Fat Lip ist auf dem Song „Mr. Lonely“ zu hören.

    10. In Deutschland wird es die Band aus Alaska, die mittlerweile in Portland, Oregon, lebt, an folgenden Terminen vorstellen: 18.09.17 München (Muffathalle), 22.09.17 Berlin (Astra), 23.09.17 Hamburg (Reeperbahn Festival), 24.09.17 Karlsruhe (Substage) und 30.09.17 Dortmund (Way Back When Festival).


    Der Albumopener „Number One“ braucht zwei Minuten, bis er angenehm an Sufjan Stevens‘ „Vesuvius“ erinnert. Der Song nimmt sich Zeit, bei Portugal. The Man eilt es schon lange nicht mehr: Die hibbeligen Gitarren der Anfangsjahre sind Geschichte. „Those days are gone“ singt Gourley in „Live In The Moment“, als müsse er das nochmal klarstellen. Seine Stimme bleibt ein Alleinstellungsmerkmal der Band; sie fängt den Hörer ein, wenn die Musik im poppigen Gestrüpp falsch abbiegt. Das passiert zum Glück nicht oft, lediglich „Tidal Wave“ nutzt sich mit seinem zu offensichtlichen Refrain schnell ab. Ansonsten zeigen sich P.TM experimentierfreudig wie eh und je: es wird gerappt, französisch gesungen und Auto-Tune auf den Gesang gepackt. Nur das Grundgerüst fußt mittlerweile auf eingängigem Rock, der von dem früheren Durcheinander nichts mehr wissen will. Gerade bei den ersten Hördurchgängen freut man sich deswegen am meisten, wenn Songs wie „Easy Tiger“ die Church Mouth-Phase der Band zitieren. Auch dem Rest der Platte kann man nicht lange widerstehen: Während man sich noch fragt, ob das nach den Gorillaz oder Yeasayer oder doch bloß nach besserem Formatradio klingt, hat sich schon der nächste Refrain im Gehörgang verbissen.Interessant ist das allemal. Ob es zum Lieblingsalbum reicht, müssen Fans der ersten Stunde für sich selbst entscheiden. Der Band kann man daraus keinen Strick drehen: sie entwickelt sich Album für Album weiter und bleibt spannend. Dass da manche auf der Strecke bleiben – erwartbar. Tolle Songs schreiben Portugal. The Man nach wie vor, nur eben nicht für jedermann. Dafür aber für den Mainstream.(Pretty in Noise)

  • The Amazons - The Amazons

    The Amazons - The Amazons



















    Die erste Vorladung (I)

    Personalien:
    Aus Reading, Berkshire, stammen Matt Thomson (Gesang), Chris Alderton (Gitarre), Elliot Briggs (Bass) und Joe Emmett (Schlagzeug), die sich gemeinsam The Amazons nennen.

    Tathergang:
    Das 2014 gegründete Quartett veröffentlichte im folgenden Jahr „Don’t You Wanna“ auf eigene Faust und weckte dadurch das Interesse von Fiction Records, die sie unter Vertrag nahmen. Vor dem Debütalbum „The Amazons“ erschienen seit 2015 bereits sieben Singles, die bis auf „Nightdriving“ auch alle den Weg auf die Platte fanden und von fünf weiteren Liedern ergänzt werden. The Amazons tauchten in den Listen „Sound Of 2017“ der BBC und „Brand New 2017“ von MTV auf wurden vom NME und The Independent mit dem Label „Band to listen to in 2017“ versehen.

    Plädoyer:
    The Amazons spielten beim gestrigen Best Kept Secret Festival vor Circa Waves und The Boxer Rebellion auf der Hauptbühne. Eine treffende Wahl. Tatsächlich waren sie die einzigen aus diesem Trio, die ich mir live angesehen habe, was weniger an der mangelnden Qualität der anderen beiden Bands als viel mehr an den Auftritten von Honeyblood bzw. Mitski auf alternativen Bühnen gelegen hat. The Amazons haben mit „Black Magic“, „Little Something“ oder „Junk Food Forever“ überzeugende Indierock-Songs im Gepäck, die Fans von Palma Violets oder Royal Blood gefallen dürften. Das Debütalbum der ebenfalls vergleichbaren Sundara Karma, die ich ebenfalls beim Best Kept Secret sehen konnte, ist jedoch insgesamt gesehen stärker ausgefallen. 
    Dass es nicht immer nur der energetische, wuchtige Hau-drauf-Rock sein muss, zeigen The Amazons auf der Deluxe Edition mit sechs akustischen Versionen ihrer Songs. Vermutlich hätte eine Durchmischung der unterschiedlichen Song-Varianten dem Album gut getan, denn so sorgt nur die abschließende Piano-Ballade „Palace“ für etwas Abwechslung.

    Zeugen:
    „The Amazons“ steht aktuell bei Metacritic bei 65/100 Punkten:

    What the Amazons do particularly well is play together, locking tightly syncopated instrumental sections to catchy, impassioned songs. They like to get stuck into a headbanging groove, grungy riffs counterpointed with thrilling, effects-laden lead guitar, all fused together by a powerhouse drummer with a purpose and cohesion that seems almost unstoppable. There are no keyboards (apart from piano on striking closing ballad Palace), no hip hop inflections or modern pop touches. The whole thing might as well have been smashed together from Black Sabbath, Nirvana, Oasis and Queens of the Stone Age, with a pungently youthful flavour of sexual yearning.The Amazons share ground with Catfish and the Bottlemen, another young guitar band who have succeeded in filling arenas with singalong love songs. Perhaps romance is what it takes to make rock that sounds like pop music again. One thing is for sure: played with this kind of gusto, it is hard to imagine guitars ever going out of fashion.(The Telegraph)

    Opener ‘Stay With Me’ could be seen as a plea from the band to keep you listening, but with riffs this infectious it’s hard to tear your ears away regardless. Like the entirety of the album, it’s recorded live, taking away a clinically polished sound and instead opting to create a raucous gig experience in your headphones. Rising from the ashes left by their flame-filled tour van, and subject of the album artwork, Big Suze, ‘Burn My Eyes’ is as ferocious as its name would suggest, confirming only two tracks in that the quartet have gnarly rock ‘n’ roll down to a tee.‘Junk Food Forever’ was made to induce mass sing-a-longs in festival fields. With euphoria ingrained into its musicality, one can only imagine how exhilarating the atmosphere will be when this is played during their native Reading Festival performance this summer. Lashing riffs and building percussion make ‘Raindrops’ more fiery than it’s namesake, as an anthemic theme laced through the record owed in part to production whizz Catherine Marks, appears more prevalent than ever.Hardcore Amazons fans may recognise many of the tracks on the debut, which could be met with some mild scepticism, however it would be an understatement to say tracks like ‘Ultraviolet’ and ‘Something In The Water’ have been beefed up. Essentially they’ve grown up, graduated and have just passed their driving test and are now more than ready to take on the big bad world to their fullest potential. Or to put it more simply; they sound huge.(Clash)


    Indizien und Beweismittel:









    Ortstermine:
    29.09.17 Berlin, Privatclub
    30.09.17 Dortmund, Way Back When Festival
    15.11.17 Frankfurt, Zoom
    20.11.17 Schorndorf, Manufaktur

    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...



  • Cigarettes After Sex - Cigarettes After Sex

    Cigarettes After Sex - Cigarettes After Sex




















    Wir haben es schriftlich von intro, dass wir Bescheidwisser sind. Die Oberbescheidwisser kennen jedoch die Band Cigarettes After Sex bereits seit 2012 aufgrund ihrer ersten EP und über die auf YouTube veröffentlichten Songs. Ich habe die Band, die Greg Gonzalez 2008 in El Paso, Texas, gründete, erst dieses Jahr kennengelernt, als sie für die beiden Festivals, die ich diesen Sommer besuchen werde (Best Kept Secret und A Summer’s Tale) bestätigt wurde. Aber seitdem ich die vorab veröffentlichten Songs „K.“ und „Apocalypse“ gehört habe, bin ich Fan der Band, die stilistisch zwischen Dreampop und Slowcore anzusiedeln ist, Mazzy Star, Julee Cruise und Red House Painters als Vorbilder nennen dürfte und vom androgynen Gesang von Greg Gonzales geprägt ist. 

    Die 10 Songs des Debütalbums „Cigarettes After Sex“ kommen ohne die vier Lieder der „I.“ EP aus, verzichten auch auf die 2015er Single „Affection“ / „Keep On LOving You“ (ein REO Speedwagon Cover) und offenbaren zwar keine musikalische Weiterentwicklung, aber Stillstand auf hohem Niveau (bewegend, melancholisch, ergreifend, intim, sehnsüchtig, hypnotisch). Wäre ich David Lynch, dann hätte ich neben The Chromatics auch Cigarettes After Sex in der dritten Staffel von Twin Peaks auftreten lassen.




    Bei Metacritic steht „Cigarettes After Sex“ aktuell nur bei 76/100 Punkten und auch der musikexpress kann meine Begeisterung leider nicht teilen:

    Nun erst erscheint das Debütalbum CIGARETTES AFTER SEX, und der Zeitpunkt scheint klug gewählt zu sein: Wenn selbst alte Shoegaze-Recken wie Slowdive aus dem Exil schlürfen, kann man ruhig die musikalische Nebel­maschine anwerfen. Gonzalez sagte einmal in einem Interview, er sehe es als Kompliment, wenn seine Musik Menschen mit Schlafproblemen helfe. Folgerichtig kredenzt er das volle Methadonprogramm auf Albumlänge: Schwindsüchtige Gitarren hallen durch sphärische Weiten, während sich die Rhythmusgruppe am Verblassen versucht. Über allem schwebt erhaben Gonzalez’ androgyne Stimme. Die langsame Verführung beherrschen Cigarettes After Sex perfekt, doch wollen sich aus dem wolkigen Wabern leider keine Songideen schälen. Eine Zigarette danach für Tantra-Fans. (musikexpress)






    Cigarettes After Sex in Deutschland:

    06.11.17 Köln, Kulturkirche
    06.12.17 Berlin, Astra



  • Richard Dawson - Peasant

    Richard Dawson - Peasant






















    Richard Dawson wuchs in Newcastle auf. Seine musikalische Entwicklung begann früh, als er Sänger wie Mike Patton nachahmte. Später bildete er sich durch seine Arbeit in Plattenläden weiter. Irgendwann kaufte er sich eine günstige Akustik-Gitarre, die nach einer Reparatur "speziell" klang und sich zu seinem Hauptinstrumente entwickelte. "Lo-Fi" in seiner Reinform. Seit dem Jahr 2007 veröffentlicht Dawson fleißig Alben. Mit "Peasant" erschien nun sein jüngstes Werk.

    Nüchtern betrachtet ist Richard Dawson ein Folk-Musiker. Doch so herausfordernd und zugegebenermaßen stellenweise anstrengend klingt Folk selten. "Peasant" ist ein Konzeptalbum, angesiedelt im Reich Brynaich/Bernicia. In diesem Vorläufer der Königreichs Northumbria lebten Angeln im 6. und 7. Jahrhundert. Vermutlich sind die Aufzeichnungen der damaligen Musik nicht komplett bei Spotify oder sonstigen Diensten verfügbar, daher konnte sich Dawson die eine oder andere künstlerische Freiheit gewähren. Mittelalterliche Instrumente sorgen für die Grundstimmung, ansonsten ist "Peasant" vor allem Freak Folk. Dawson nutzt das gesamte Spektrum seiner Stimme von tief nach hoch und von flüstern bis schreien. Durch diese Reise in die Vergangenheit macht Dawson Folk spannend, aber das treibt er stellenweise an die Grenzen der Hörbarkeit. Verrückt, aber gut.

    "Soldier", "Weaver", das vergleichweise harmlose "Beggar" und der Höhepunkt des Wahnsinns in Form von "Masseuse" sind meine Empfehlungen für mutige Hörer. 

    The Guardian:
    The result is an album that’s out there on its own, and not merely because it’s a song cycle set in the early middle ages that doesn’t make you want to curl up and die of embarrassment. Abstruse but weirdly accessible, recherche but pertinent, Peasant is quite an achievement.

    Das Video zu "Ogre":



  • All We Are - Sunny hills

    All We Are - Sunny hills

     




















    Treffen sich eine norwegische Bassistin, ein brasilianischer Gitarrist und ein irischer Drummer in Liverpool... und gründen eine Band. Das ist kein schlechter Witz, sondern die Geschichte der Band All We Are. So trug es sich im Jahr 2011 zu und seitdem musizieren Guro Gikling, Luís Santos und Rich O'Flynn gemeinsam. Das gleichnamige Debüt im Jahr 2015 schlug nicht ein. Nur ansatzweise ließ sich erkennen, was die Band heute ausmacht. Auf "Sunny hills" klingt der überwiegend tanzbare Indierock / Post-Punk merklich ausgereifter und selbstbewusster. 

    "Sunny hills" ist vielseitig geraten. Die Hauptelemente sind der Falsett-Gesang, stellenweise klirrende Gitarren und tanzbare Rhythmen. Daraus zaubert All We Are sowohl düstere als auch verträumte Momente und stellenweise blitzt gar augenzwinkernder Optimismus durch. 

    "Burn it all out", "Animal", "Dreamer" und "Punch" sind meine Favoriten auf "Sunny hills". 

    Das Video zu "Animal":


    "Human":


    Musikexpress:
    Post-punkig angeschrägte Gitarren und wavige Elektronik werden hier mit viel Drive auf den Indie-Dancefloor überführt, womit All We Are zwar nicht das Rad neu erfinden, dafür jedoch zumindest einen kurzfristigen, jederzeit wirksamen Ausweg aus dem hier verhandelten Schlamassel anbieten: den Tanz.

  • Die 10 besten Alben von Nick Cave And The Bad Seeds

    10. Murder Ballads (1996)
    9. Let Love In (1994)
    8. The Boatman's Call (1997)
    7. Skeleton Tree (2016)
    6. Henry's Dream (1992)
    5. Tender Prey (1988)
    4. Push The Sky Away (2013)
    3. Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus (2004)
    2. No More Shall We Part (2001)
    1. The Good Son (1992)

    (ausgewählt von Dirk)