Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Dum Dum Girls - Too True

    Dum Dum Girls - Too True



















    Im Gegensatz zu den gestern vorgestellten September Girls, die das Plural-s tatsächlich verdienen, sind die Dum Dum Girls eine Mogelpackung für die der Titel der Talk Talk Single wesentlich treffender wäre. Denn "Too True" wurde von Dee Dee Penny im Alleingang geschrieben und aufgenommen, unterstützt nur von ihren Langzeit-Produzenten Richard Gottehrer und Sune Rose Wagner von The Raveonettes, der auch einige Instrumente einspielte.

    Das dritte Album nach "I Will Be" (2010) und "Only In Dreams" (2011) setzt den mit der 2012 veröffentlichten EP "End Of Daze" eingeschlagenen Weg fort, so dass Düster-Pop eine treffende Charakterisierung wäre. Dee Dee Penny nennt selbst Suede, Siouxsie And The Banshees, The Cure, Madonna und The Stone Roses als Einflüsse für diese Platte, die einerseits recht finster, andererseits auch sehr eingängig geraten ist. So lässt der Opener "Cult Of Love" zunächst an Ladytron denken, das folgende "Evil Blooms" an Blondie und die zweite Single "Rimbaud Eyes" möchte man tatsächlich einmal von Brett Anderson gesungen hören. Überraschende Rückkopplungen und dezent gestreute Balladen wie "Trouble Is My Name" lassen die Platte zu einem kurzweiligen Vergnügen werden. 

    Apropos kurz: "Too True" steht seit heute als CD und LP in den Plattenläden und läuft mit seinen 10 Titeln gerade einmal 30 Minuten. Über das Hinzufügen des in Japan erhältlichen Bonus Tracks "Girls Intuition" hätte ich mich nicht beschwert.

    A love of Suede, Stone Roses, Siouxsie Sioux and surrealism fed into her attempt to "chase pop into the dark". Which is to say she wants to make her earlier stripy-tights-and-bowl-cut garage-punk seem more sophisticated. For Dee Dee, that's by way of shoegaze: Cult of Love and Evil Blooms are all swirling vocals and rockabilly riffs, like School of Seven Bells penning grindhouse tunes with Goldfrapp. Are Your Okay?, meanwhile, paints Dee Dee as a woozier Chrissie Hynde. But by the time you reach Lost Boys and Girls Club, the album has overmedicated with reverb and fist-biting lyrics (pain, pleasure, exes, hexes). There are brief moments of greatness but between that and songs like Trouble Is My Name – naughty! – Too True is as squeamish as it is smouldering.

    (The Guardian)


    Penny recognizes, accepts, and moves beyond wistfulness to embracing the possibility of the open road at this point in her career. “There’s no particular place we are going, but we’re going,” she affirms on “Lost Boys and Girls Club”, plucking at the gauzy reverb of late ’80s Lush records. Still, there’s work to be done in order to give herself over to chance. On title track “Too True to Be Good”, Penny is still wrestling with her phantoms. “It’s hard to outrun the devil from behind,” she admits.

    The goth pop spirit of Siouxsie Sioux fittingly shadows this somber record, but Penny simply doesn’t possess the same cataclysmic presence as The Banshees’ volatile singer. A certain caustic texture is missing here for Penny to take full command, perhaps shed for the taut studio arrangements. The punchy Too True sheds the woozy energy that made the achy bedroom jangles of debut I Will Be feel so immediate, although it’s difficult to place the two records side by side — Dum Dum Girls have evolved so far at this point, they might as well be a different band.

    Still, a familiar shroud overcasts the ghoulish synths and fuzzy tambourines of “Evil Bloom”, and Penny manages to pull one hell of a line out of her studded leather jacket sleeve on “Lost Boys and Girls Club” (“Your eyes are black exes of hate and hexes”). The gossamer veils of ’80s dream pop, offering a sweet way to talk about sadness, are cast aside for more strobes, synthesizers, and Siouxsie. While the synth-happy instrumentation is laid on perhaps a little thick, the effort offers a handful of pop gems in return. “In the Wake of You” might be one of the catchiest songs about being completely devastated by someone, and the burning “Are You Okay” is instant hum material.

    But Dum Dum Girls have a special penchant for concluding their records on poignant notes. During closing track “Trouble Is My Name”, Penny admits that despite her best efforts otherwise, she can never escape trouble completely. Old habits die hard, and Too True explores the implications of trying — and perhaps failing — to give yourself over to the uncertainty of the future.

    (consequence of sound)





  • September Girls - Cursing The Sea

    September Girls - Cursing The Sea




















    "Named after a Big Star song as covered by the Bangles", so stellen sich die September Girls selbst vor. Und hätte die Band um Susanna Hoffs jemals schrammeligen Noise Pop in der Garage gespielt und in den 80ern auf den Einsatz von Keyboards und allzu liebliche bis kitschige Songs verzichtet, dann hätten sie vielleicht so klingen können wie nun dieses Damen-Quintett aus Dublin. Mit Paula Cullen (Gesang, Bass), Caoimhe Derwin (Gesang, Gitarre), Lauren Kerchner (Gesang, Keyboards) und Jessie Ward (Gesang, Gitarre) treten nämlich auch bei den September Girls gleich mehrere Mitglieder (einzeln oder gemeinsam) hinters Mikrofon - nur Sarah Grimes konzentriert sich allein aufs Schlagzeug spielen.   

    Seit 2011 musizieren die September Girls gemeinsam und veröffentlichten fleißig auf unterschiedlichen Indie-Labels limitierte 7''-Singles und Kassetten. 2013 fanden sie bei Fortuna Pop! ein längerfristiges Zuhause und  wohnen nun Tür an Tür mit Crystal Stilts, Tender Trap und The Pains Of Being Pure At Heart. Ihr erster Longplayer "Cursing The Sea" (12 Songs, 38 Minuten, auf CD und LP) versammelt fast alle frühen Singles und reiht sich stilistisch sehr schön zwischen den zuvor genannten Bands ein. Die treffende Selbstbeschreibung nennt derweil folgende Vorbilder: Drawing inspiration from the likes of Phil Spector, The Cure, My Bloody Valentine and Jesus and Mary Chain, the five-piece play reverb-soaked noise-pop of the finest order, with distant layered harmonies, swirling organ and distorted guitars once described as "sounds from a transistor radio abandoned in a rural cinema."

    Aber überzeugt euch selbst mit Hilfe der Videos zu "Green Eyed" und "Heartbeats":



    Es ist keine Schande, sich an Vorbildern zu orientieren, solange man dabei nicht so tut, als hätte man das Rad höchstpersönlich neu erfunden. Und so kann man der Band September Girls auch gar keinen Vorwurf machen, wenn sie sich mit ihrem Sound auf The Jesus And Mary Chain oder My Bloody Valentine beziehen – machen sie doch keinen Hehl aus ihrer großen Verehrung für diese Bands. Die fünf Mädels bewegen sich stilsicher in diesem Feld, scheuen sich nicht davor ihre Musik ordentlich mit Hall zu versetzen, sie durch den Verzerrer zu jagen und den Sound düster zu halten. Damit stellen sie sich in eine Reihe mit 60s-Noise-Pop-Pilgerinnen wie Vivian Girls oder Dum Dum Girls. Und machen dabei keine schlechte Figur.

    Nachdem in den letzen zwei Jahren bereits einige Tapes und Singles erschienen sind, folgt nun das erste Album der Band aus Dublin mit dem Titel „Cursing The Sea”. Es hat ein wenig Zeit und Experimente gebraucht, aus musikalischen Ideen albumreife Songs zu klöppeln. Denn September Girls wollen nicht länger nur ihren Helden nacheifern, sondern entwickeln sich als Band weiter. Eine spannende Frage ist dabei, wohin sie diese Entwicklung führt. „Cursing The Sea” ist jedenfalls ein Statusbericht, der Lust auf mehr macht. Für Fans von Noise Pop und Garage-Sound sind September Girls eine Band, die man unbedingt auf dem Radar behalten sollte.

    (artistxite)





  • Jordan Klassen - Repentance

    Jordan Klassen - Repentance



















    Allen Freunden der Musik von Sufjan Stevens und Chris Garneau sei heute nur ganz kurz Jordan Klassen empfohlen und das Album "Repentance" ans Herz gelegt: Kammerfolk mit Streichern, Bläsern, Ukulele, Chorgesang, Glockenspiel, akustischen Gitarren, Piano und Klassens Falsettgesang.

    Das Debütalbum des jungen Kanadiers erschien bereits im September 2013 jenseits des Atlantiks über Nevado Records, als erste Single wurde der Song "Go To Me" ausgewählt: 



    Über die Bandcamp-Seite von Jordan Klassen kann man das Album in digitaler Form für knapp 7,- € käuflich erwerben, amazon hat "Repentance" sowohl als CD als auch LP im Sortiment.



    The 12-track collection is packed with quiet folk ballads that swell to grandly ornate climaxes. "Sweet Chariot" and "I Am a Collector" recall the grandeur of Illinois-era Sufjan Stevens, while "Ranchero" is spiked with looming creepiness. Other tracks such as "Goodhart's Law" and "Strengthen Me with Raisins" are more low-key in their quiet intimacy.There's also the aforementioned "Go to Me," an ultra ukulele ditty that builds to soaring chorus with a heart-lifting, Shins-style melody. 
    (exclaim)

    Klassen has pruned the vine of his composition, and poured rich artistry from new wine skins. The oratorios are weighty in their echoes, yet swoop with the lightness of the air about a reunion of old friends. The apéritif is poured into Canada’s already rich goblet of alternative folk. Let the feast begin. 

    By the time I reach “The Horses Are Stuck,” I am sold on the record. Each time. But it is this song that suggests something fiercely sacred. I’m not sure if it is the staccato picking on the violin, or the potency of the baritone choir, or perhaps the simple beauty of a melody that gives better hugs than a grandparent. It is as though Klassen has captured the powerful hum only previously heard in Ladysmith Black Mambazo records and in the pages of Mandela’s autobiography. And all is somehow held within a Canadian folk song.

    With a title like Repentance, the album suggests a turning, a monumental journey, and a new direction in which to travel. It is easy to get on board. The songs operate between a shy folksy solemnity and haunting bursts of energy, as heard on “Piano Brother,” “Ranchero,” and “Balcony.” Many of the songs feel like they could have fit well on Sufjan Stevens’ 2004 release, Seven Swans. In particular, the Song of Songs inspired, “Strengthen Me With Raisins” tastefully displays Klassen’s similar faith convictions.

    All compositional footwork is made possible by the ingenuity of the melodies and an uncompromising vocal prowess. These are Jordan Klassen’s best songs to date. If you haven’t already picked up a copy, pour yourself a glass; the grapes are sweet.

    (southern souls)


  • Lacrosse - Are You Thinking Of Me Every Minute Of Every Day?

    Lacrosse - Are You Thinking Of Me Every Minute Of Every Day?



















    Ich muss gestehen, dass ich nicht jedes Minute eines jeden Tages an die Band Lacrosse denke. Aber ab und zu, zum Beispiel am 1. Januar, wenn ich traditionell deren großartiges "This New Year Will Be For You And Me" höre oder wenn ich immer wieder einmal bei anderen tollen Songs der Schweden hängen bleibe und feststelle, wie gelungen deren beide Platten waren. 2007 erschien deren Debütalbum "This New Year Will Be For You And Me", zwei Jahre später folgte "Bandages For The Heart" und danach wurde es still um Lacrosse, selbst deren Webseite wurde nicht mehr wirklich aktualisiert.

    Nun gibt es mit "Are You Thinking Of Me Every Minute Of Every Day?" endlich wieder eine neue Platte von Robert Arlinder, Nina Wähä, Henrik Johansson, Tobias Dahlström, Kristian Dahl und August Zachrisson. Auf 10 Songs in knapp 40 Minuten präsentieren uns Lacrosse flotten, eingängigen, von den beiden Leadstimmen von Nina und Kristian geprägten Gitarrenpop ("Don't Be Scared", "I Told You So (Didn't i?)"), wie man ihn auf dem letzten Album der Shout Out Louds schmerzhaft vermisste ("If Summer Ends").

    Doch auch Lacrosse öffnen sich wie ihre Landsleute dem Synthie-Pop und schlagen mit "I Need Your Heart/I Need Your Soul" einen Haken in Richtung quietschigen Twee-Pop, wie man sie früher auf Platten von Throw That Beat In The Garbagecan oft finden konnte. Vollkommen unerklärlich ist mir jedoch der Euro-Pop der Single "50% Of Your Love":




    "Are You Thinking Of Me Every Minute Of Every Day?" erscheint diese Woche über Tapete Records als CD und LP, wurde von Henrik Svensson (Moneybrother) produziert und steckt in einem tollen Food-Artwork der norwegischen Künstlerin Ida Frosk.

    The best tracks are the most straightforward: the slow-swell build of If Summer Ends favourably recalls fellow Swedes Shout Out Louds; I Told You So (Didn’t I?) instils its happy-go-lucky pop with just the right dose of peppiness; and Don’t Be Scared has a nicely uplifting, we’re-all-in-this-together vibe courtesy of unified boy/girl vocals and a rousing, string-backed refrain. But elsewhere things get saccharine (see: the break-up wibbling of The Key), while tracks like 50% of Your Love try something different but sound uncomfortable, diminishing Lacrosse’s chirpy charms. (The Skinny)


    The length of time they’ve taken over this album appears to have been a detrimental factor, resulting in chronic overegged pop-sludge, where there’s just too much going on at once to be able to appreciate it fully. It seems like Lacrosse have struggled to tread the tightrope between effervescent and suffocating. “The songs mirror the times we’ve lived in, but the general idea behind this album is unselfish love in times of extreme self-centering. The whole process was very organic, with the feeling that anything was possible,” say the band. It’s a noble notion indeed, but translating it into music has, on this evidence, been tough. Still, in spite of the editing issues Lacrosse have (in every facet – Are You Thinking Of Me Every Minute Of Every Day? is quite a mouthful), they’re endearing. It’s an unnameable quality, and even though this isn’t a spectacular record (though Don’t Be Scared is spectacular), you’ll find yourself listening for a long time. Far longer than you might expect yourself to. They may leave something of an aftertaste, like Snack-A-Jacks, but they’re somehow, inexplicably, insistently moreish. Like Snack-A-Jacks. (musicOMH)


  • Warpaint - Warpaint

    Warpaint - Warpaint





















    Dieses Jahr kann Warpaint Feiern zum zehnjährigen Bestehen begehen. Die Ausbeute von zwei Alben in dieser Zeit ist zumindest quantitativ mager. Der erste Longplayer wurde 2010 veröffentlicht, nun folgte mit “Warpaint” das zweite Album der Band aus Los Angeles. Qualitativ haben die Damen Emily Kokal, Theresa Wayman und Jenny Lee Lindberg die Dekade aber definitiv bereichert. Die vornehmlich positiven Kritiken (die P.V.G. Richter waren mehrheitlich skeptisch) verschafften dem Debüt “The fool” Aufmerksamkeit. Und mit Produzent Flood und Mixer Nigel Godrich erschuf die Band mit “Warpaint” innerhalb von drei Jahren einen würdigen und zeitgemäßen Nachfolger. Etwas reduzierter und elektronischer als “The fool” verfolgt die Band eine mitreißendere Variante der The XX-Idee.

    Emily Kokal und Theresa Wayman verzaubern und entführen mit harmonisch verträumten bis poppigen Gesängen die nicht selten an Beth Gibbons erinnern aber nicht zu dreampoppig-langweilig wirken weil die Rhythmusfraktion mal vertrackt schleppende Momente in bester Trip Hop Manier und mal treibende Disco Beats liefert und sich die Gitarren bedrohlich anschleichen. Grundsätzlich wirkt das fast durchgehend gedämpft und düster aber die erwähnten Vocals sorgen für erhabene Lichtstrahlen über dem Horizont.

    “Warpaint” ist nicht besser oder schlechter als “The fool” sondern “anders gut” und für den Hörer einen Tick hintergründiger und herausfordernder.

    Ähnlich äußert sich das “Smash-Mag”:
    Mit ihrer zweiten Platte gehen Warpaint einen ernsthafteren Weg, das Verspielte tritt ein wenig in den Hintergrund. Dabei entstehen Songs, die vordergründig nicht viel anbieten aber in den Details von großem künstlerischen Verständnis künden, minimale Verschiebungen im Songklima, der dezente Einsatz von rudimentären Melodiefiguren, das alles erschließt sich dem aufmerksamen Hörer, zum Anhören im Vorbeigehen taugt dieses Album jedenfalls nicht.
    Pop-Polit”:
    Entschleunigt, bedächtig und verzaubert hallt uns „Drive“ entgegen und das unendlich traurige und sanfte „Son“ beschließt ein graziles, erhabenes, würdevolles, aber auch verstörendes Album. Mit ihrem zweiten Longplayer erschaffen Warpaint den perfekten Soundtrack für die Morgendämmerung.
    Ob auch die Richter zu einem positiven Urteil gelangen?

    “Keep it healthy” fällt auf als einer der “fröhlicheren” Titel auf “Warpaint”. “Hi”, “Teese” und “CC” sind in meinen Ohren die Highlights der Platte.

    “Love is to die”:
  • I Break Horses - Chiaroscuro

    I Break Horses - Chiaroscuro





















    2011 trat Maria Lindén mit “Hearts” erstmalig als I Break Horses in Erscheinung. Unterstützt von Fredrik Balck war das Debüt erfolgreich genug um eine bedrückende Erwartungshaltung im Hinblick auf das Zweitwerk aufzubauen. Die adäquate Antwort lautet “Chiaroscuro” und erschien kürzlich.

    Neben diesem Album wird mit “Chiaroscuro” auch kontrastreise Hell-Dunkel-Malerei bezeichnet und dieser Titel stellt sich als passend heraus. Lindén schafft weitgehend synthetische Klangwelten die manchmal abgrundtief düster erscheinen und in den leichteren Momenten einen Funken Hoffnung versprühen. Sie spielt damit zweifellos im Umfeld ihrer schwedischen Landsleute von The Knife aber klingt meist ein Stück organischer und weniger unterkühlt. Fans von Fever Ray / The Knife und Menschen denen Austras “Olympia” einen Tick zu lebensfroh erschien sollten durch “Chiaroscuro” Freude bzw. die gewünschte Beklemmung finden können. Nicht umsonst hat sich I Break Horses als Support Act von Sigur Rós auf deren Tour im Herbst 2013 qualifiziert.

    Im Vergleich zu “Hearts” setzt Lindén einen Tick mehr auf Synthieklänge und Beats als auf Shoegaze-Verschwommenheit. Mir gefällt die dadurch gewonnene “Klarheit”.

    NME.com liefert noch weitere Vergleiche:
    Her 2011 debut 'Hearts' had the drift and shimmer of shoegaze, but 'Chiaroscuro' is sharper, even flirting with techno on the densely layered 'Faith' and handclapping electro on 'Denial' as Lindén tries out all the electronic styles of the 1980s. Through the darker passages of 'You Burn' or 'Berceuse' she's a softer Zola Jesus or a less forbidding Planningtorock, and when she finds a big chorus on 'Weigh True Words' it could be Chvrches. Lindén holds her own in that company.
    The line of best fit” gelangt zu diesem Urteil:
    Lindén has spoken about not feeling “at peace” with anything she does and yet, with her bandmates in tow, she has made some of the most strangely comforting and life-affirming music of the past few years. Rest assured, young worrier, Chiaroscuro is triumphant.
    Als Highlights empfinde ich den Opener “You burn”, “Denial” sowie “Weigh true words” und damit die etwas “helleren” Titel auf “Chiaroscuro”.

    Die Videos zu “You burn”:
    “Faith”:
    “Denial”:
  • The Hidden Cameras - Age

    The Hidden Cameras - Age



















    Wenn man mich fragen würde, was das Schlechte am neuen Album von Joel Gibbs The Hidden Cameras ist, dann müsste ich antworten: "Es ist zu kurz geraten und hat zu wenige Titel." Denn gerade einmal 35 Minuten laufen die 8 Titel und einen Ausfall sucht man vergebens. 

    Gibb schwelgt in herrlichen Melodien, übertreibt es eben so gezielt wie gekonnt in Sachen Pathos, Dramatik und repetitiven Elementen, lässt die Streicher groß aufspielen und entführt uns wahlweise in die Italo-Disco ("Carpe Jugular"), die 80er Jahre ("Afterparty"), die Kirche ("Skin & Leather") oder in eine Aufklärungskampagne gegen Homophobie ("Gay Goth Scene"). 

    Nach dem (für mich) enttäuschenden "Origin: Orphan" (2009) eine deutliche und unerwartete Qualitätssteigerung von The Hidden Cameras, zu der auch Chilly Gonzales (Piano auf "Year Of The Spawn") und Mary Margaret O'Hara (Gesang bei "Gay Goth Scene") ihren Teil beitrugen.   


     

    Der Pop ist in den vielen hymnischen neuen Songs von AGE auf breiter Front zurückgekehrt, mal wurde er in die Elektro-Disco verlegt, mal lugt er mit einer lieblichen Melodie aus den Cinemascope-Folksongs heraus. Es ist ein Jubilieren und Tirilieren auf diesem Album; die Cameras summen und seufzen wieder im großen Stil über all die neuen und alten Freuden und Leiden des Schwulseins. Allein den Streichersätzen hätte Joel Gibb etwas weniger Dramatik verabreichen können, so müssen wir da an die musikalische Untermalung von Abenteuervierteilern im ZDF denken. Das gilt vor allem für die Singleauskopplung „Gay Goth Scene“, die sich auch eines Videos im Aufklärungsfeldzug gegen die Homophobie bedient. Grundsätzlich gilt aber: Die Hidden Cameras haben den Partybetrieb wieder aufgenommen. Und in den sechs Minuten von „Afterparty“ betreten wir die Chill-out-Zone von Joel Gibb; sie ist mit frischer Dub-Ware und einem feinen Free-Jazz-Zitat ausgelegt. (Musikexpress)


    Leadoff "Skin and Leather" begins with Benedictine-monk-style chants. Blood follows. "Bread for Brat" builds tension with seesawing strings and flirts with catharsis via a temporarily sticky melody, yet ultimately holds off. And lead single and highlight, "Gay Goth Scene," runs through a house full of paranoia and chastisement topped off with a bat-shit assist from Mary Margaret O'Hara. The record is much more interested in problems than problem-solving, and that's what marks its maturity. Despite orchestral remnants, it's an ambitious and curious album, and frontman/mastermind Joel Gibb is as assured as ever. Throughout, there are moments of resignation (the downtempo comedown, "Afterparty"), sonic beauty ("Ordinary Over You"), and ill-advised light electro ("Carpe Jugular"). While it may lack an instantly infectious single, a la "Boys of Melody," it is a grower with plenty to appreciate. (exclaim)

    The Hidden Cameras live:
    26.01.14 München, Milla
    03.02.14 Berlin, Hebbel am Ufer

  • Ja, Panik - Libertatia

    Ja, Panik - Libertatia




















    Man singt Deutsch 05:

    Auch wenn man wie Ja, Panik aus, na klar, Österreich kommt (und wie Garish auch in diesem Fall aus dem Burgenland. Kreative Ecke?). Kennt ihr das, eine Band wird immer berühmter und berühmter und sagt euch persönlich irgendwie immer weniger zu? Und das nicht auf diese unsinnige "Früher war alles besser" Art, nicht bezüglich "Ach damals als nur ich die kannte, da machten die noch tolle Alben". So etwas ist, gelinde gesagt, affig. Nein, eher auf so eine Art, dass man das Gefühl bekommt, eine Band nimmt sich mit Zunahme des Erfolges irgendwann zu wichtig. So ging es mir mit Ja, Panik und ihrem letzten Album "DMD KIU LIDT". Mit ihrem Debüt damals, das noch etwas rumpelig, ich möchte sagen "auf der Suche nach dem Weg" war, hatten sie mich zwar nicht restlos überzeugt, aber immerhin so weit aufhorchen lassen, dass ich beschloss dran zu bleiben. Und das sich das lohnen sollte, zeigten die beiden Folgealben "The Taste..." und "The Angst And The Money". Dann kam "DMD KIU LIDT", die Musikpresse jubelte, der werte Rezensent war der Band indes verloren gegangen. Viel zu viel Message, viel zu viele, viel zu lange Lieder, viel zu ruppig, ein Konglomerat, das mich in den meisten Teilen leider schaudern ließ.

    Und nun also das neue Album, "Libertatia" benannt, und mit dem Titel "Platte des Monats" im Musikexpress und einhergehender !Höchstwertung!, schon mit reichlich Vorschusslorbeeren versehen. Soll mich das jetzt zuversichtlich stimmen? Ich gebe ohne Umschweife zu, mein Herangehen war etwas vorurteilsbelastet.
    Und dann beginnt "Libertatia" gleich mit dem Titelsong so dermaßen cheesy, catchy, fast ein bisschen  80er behaftet, der Sound erinnert ein wenig an den französischen Eurovision Song Contest-Helden Sebastien Tellier, dass ich sofort alle Vorurteile vergesse. Man höre selbst





    Und je länger das Album läuft, wird klarer und klarer, dass das Problem mit mir und dem letzten Album, wahrscheinlich nicht allein der Anspruch der Band war, sondern viel mehr der Sound. Dieses ganze Album klingt dermaßen geschmeidig, das es eine Freude ist. Man höre nur "Au Revoir" mit dieser leicht klingenden U2 Gitarre im Hintergrund. Später auf der Platte kommt auch noch ein Saxofon (Eigentlich Wissen Es Alle) ins Spiel, aber ich will die werten PvG-Mitstreiter nicht zu sehr erschrecken. Auch der Gesang von Andreas Spechtl scheint im Rahmen dieser Instrumentierung "sanfter" und melodischer geworden zu sein. Natürlich gibt es immer noch das bandmarkentypische Switchen zwischen Englisch und Deutsch, vielleicht sogar noch exzessiver als sonst, aber irgendwie klingt das alles feiner aufeinander abgestimmt. In manchen Momenten  muss ich kurz an die Entwicklung Blumfelds zu Zeiten von "Old Nobody" denken, und das meine ich ausschließlich als Kompliment. Selbst schwächere Momente des Albums, wie für mich z.B. "Chain Gang", sind nie so anstrengend, dass man weiterskippen wollen würde.

    Ja, Panik beweisen mit "Libertatia" also vor allem: Man soll sich nie zu sehr an seinen Vorurteilen festklammern UND man wird nie so positiv überrascht, als in den Momenten, in denen man mit nahezu nichts rechnet.
    Ach ja und eine weitere rein persönliche Erkenntnis des Rezensenten, die Entwicklung, die bei mir 2013 begann, dass Alben oftmals mit ihrem Soundgerüst und ihrer Produktion stehen und fallen (Arcade Fire, Woodkid, Vampire Weekend etc), scheint sich auch 2014 so fortzusetzen. Hier ist alles so wunderbar watteweich und flauschig, dass es eine Pracht ist. Ich beende hiermit die kurze "Man Singt Deutsch"-Serie und schmeiße mich passend zur Musik in meine Kissen.
    "Au Revoir".

  • Spaceman Spiff - Endlich Nichts

    Spaceman Spiff - Endlich Nichts





















    Man singt Deutsch 04:

    Kennt ihr "Hamburg", also nicht Hamburg, die schönste Stadt Deutschlands, sondern "Hamburg", den Song von Spaceman Spiffs letztem Album "Und Im Fenster Immer Noch Wetter"? Nein? Ok, dann können wir erst mal nicht weitermachen, bevor ihr nicht das hier angeschaut habt.




    "Hamburg" gehört nämlich zu meinen vielleicht 3 liebsten deutschsprachigen Liedern der letzten Jahre, des laufenden Jahrzehnts, whatsoever. Und auch wenn ich morgen wahrscheinlich wieder 3 komplett andere Tracks nennen würde, müssen auch die anderen Beiden noch hierher. Ein bisschen Werbung für das gesungene deutsche (und bitte, bevor Moralapostel tätig werden, es geht mir nur um gute deutschsprachige Musik, um nicht anderes, und nicht anders möchte ich dieses der Rubrik geschuldete hohe Aufkommen des Wortes "deutsch" verstanden wissen. Nicht dass man noch diesen Blog unter Generalverdacht stellt, wie vor Jahr(en) und Tag(en) unsinnigerweise mit Bands wie Virginia Jetzt! oder Mia. geschehen. Aber zurück zum Thema) Wort schadet nie. Also neben "Hamburg" tummeln sich

    Wolfgang Müller - Oktober (ok 2009)



    und Moritz Krämer - Hinterher (beide auch hier schon vorgestellt)



    Und nun also die große Hoffnung auf "Endlich Nichts" vielleicht ein, zwei weitere solche Kleinode zu finden. Und um es kurz zu machen, schon mit dem Opener "Vorwärts Ist Keine Richtung", wird einem ein so wunderbar feinsinniges, raffiniertes und vor allem treffendes Stück um die Ohren gesungen, dass die einzige Frage lautet, debiles Grinsen im Gesicht oder Taschentuch für die Freudentränen?
    Und es wird nicht schlechter, natürlich wird hier (erst mal) nicht gerockt, hier wird beobachtet, aus dem Leben erzählt, hier werden Städte zum Sinnbild der Planlosigkeit ihrer Einwohner. Dann kommen ab und an ein paar Effekte als Ergänzung zum Sound dieser wunderschönen Akustik-Gitarre dazu ("Was Wir Anders Wollten") die mich kurz an Karamel denken lassen, ohne dabei jedoch dessen Bedrohlichkeit zu erreichen.
    Und dann kommt im hinteren Teil der Platte mit "Der Tag An Dem Ich Nicht Verrückt Wurde" tatsächlich doch noch so etwas wie ein rockigeres Stück, und verdammt, auch das kann Hannes Wittmer aka Spaceman Spiff. Das sich mit Felix Weigt und Jonny König dabei zwei Musiker angeschlossen haben, die dem Ganzen noch einen volleren Sound verabreichen, einer davon übrigens auch bei "Die Höchste Eisenbahn" unterwegs (check it out!!!), ist nur ein weiteres kleines Mosaikteilchen, das sich in das gute Gesamtbild einfügt.

    Was sagen denn die Anderen so?

    "... der Songs schreibt, die so voller Lieblingssätze sind, dass man sie sofort twittern und alle Grimme Online Preise der nächsten Jahre gewinnen könnte..."

    "Wie verheulte Augen am Morgen, berührend ohne Kitsch" (Intro)

    "Spaceman Spiff singt Sätze, die man Neonrot an alle Fassaden sprayen will" (U-Mag)

    "... Es enthält 12 sehr gute Freunde. Manchmal geht darin die Sonne auf. Manchmal geht sie auch unter... Es wird gegen Wände gelaufen, in Löcher gefallen und wieder herausgeklettert... Manchmal knallen Schlagzeug und Streicher rein, dann wird es auch mal hymnisch. Meistens bleibt es aber ganz nah bei uns, ganz nah am Ohr. Eins ist klar: Dieses Album wird uns gut durchs nächste Jahr bringen."

    Und wem das noch nicht genug Anreiz ist, sich mit "Endlich Nichts" zu beschäftigen, der hört halt schnell noch den ersten Vorboten des Albums, "Teesatz".



    Ja, Panik werden sich im vorerst letzten Teil der "Man singt deutsch"-Serie anstrengen müssen wenn sie hier mithalten wollen.

  • Matula - Auf Allen Festen

    Matula - Auf Allen Festen



















    Man singt Deutsch 03:

    Ich gebe es gleich zu, wenn sich eine Band als Bandnamen den Namen eines prolligen Freitagabenddetektivs
    gibt, wird das in einschlägigen Kreisen wahrscheinlich unter lässig abgeheftet, bei mir erweckt es in erster Linie dann aber doch negative Assoziationen. Matula also, und ganz dunkel im Hinterkopf regt sich etwas, eine Erinnerung, dass ich den Bandnamen doch schon mal gehört habe und tatsächlich, beim Blick in mein CD-Regal findet sich tatsächlich "Blinker", deren Album von 2010. Dass dieses Album dort eher verstaubte, rechne ich jetzt großzügig weniger seiner fehlenden Güte, denn der Tatsache an, dass bei mir nahezu keine CD mehr den Weg in den Player findet (Jahres-Compilations von geschätzten PvG-Kollegen mal ausgenommen). Beim Einlegen von Blinker wird mir aber auch ganz schnell klar, warum es bei mir aber auch kein Dauerbrenner wurde. Es hat so dieses Problem, dass ich mit vielen Alben habe, die ich mal in ein näheres Band-Sound-alike-Umfeld einordnen würde, sprich Adolar, Love A, Captain Planet etc., sie ermüden mich ungemein schnell weil sie mir meist zu wenig Abwechslung bieten, und die Balance von Singen und "Schreien", mir zu oft in Richtung "Schreien" verloren geht.

    Umso positiver überrascht war ich, beim ersten Hören von "Auf allen Festen", dem neuen Album der Band aus Neumünster (btw gibt es eigentlich ein Gesetz, dass Kleinstadtbands sich vornehmlich in diese Richtung Gitarrenmusik mit punkigem Einschlag entwickeln müssen und in der Folge bei - natürlich -  einem meiner deutschen Lieblings-Label, GHvC, landen? (Anm. d. Red.: "Blinker" ist zwar im GHvC-Shop erhältlich, aber bei Zeitstrafe erschienen)). Die Melodien wirken plötzlich feiner, ausgeklügelter, umschmeicheln meine Ohren. Beginnt das Album mit "Tapete" und "Auf Allen Festen" schon sehr gut, kommt mit Song 3 "Schwarzweißfotos" ein absoluter HIT, der !Achtung Phrase! in einer besseren Welt im Radio rauf und runter laufen würde. Freunde von Kettcar würden sicher nicht abschalten.




    Natürlich hat nicht jeder Track des Albums diese Güte, und so etwas wie "Der Makler" läuft dann bei mir auch schon mal unter "Totalausfall", dann aber hat es wieder so Grinsemomente wie beim Anfang von "Für ein Leben", wo ich dachte "Hey jetzt haben sie sich Mikroboy ins Studio geholt" und in den besten Momente des Albums, erinnern Matula mich von der Eingängigkeit her ab und an sogar an mein deutsches Lieblingsalbum 2013 "Das Ergebnis wäre Stille" von Herrenmagazin. Und auch die wurden ja von Platte zu Platte besser. Somit ist "Auf allen Festen", das am 21. Februar veröffentlicht wird, am Ende des Tages zwar sicher kein Großereignis, hat aber doch einige wirklich tolle Momente.

  • Garish - Trumpf

    Garish - Trumpf



















    Man singt Deutsch 02:

    Auch wenn man, wie in diesem Fall die Band Garish, aus Österreich kommt. Dass man mit "Trumpf" auch schon das mittlerweile sechste reguläre Album herausbringt, ist leider allerhöchstens einem kleinen Insiderkreis in Deutschland bekannt. Und selbst das könnte angezweifelt werden. Ob dies wirklich daran liegt, dass, wie im Pressetext angedeutet, der kleine Bruder es in Deutschland immer etwas schwerer hat, oder nicht viel mehr daran, dass es deutschsprachige Musik per se in Deutschland ungemein schwer hat, wenn sie nicht gerade völlig unmelodisch ist oder irgendwelche hochintellektuellen politischen Parolen an den Mann bringen will (gerne auch in Kombination, siehe die Fucking Goldenen Zitronen), sei mal zur Diskussion freigegeben. Tatsache ist, eigentlich hatten Garish alles was es braucht, einen prägnanten Sänger, zu Beginn auf "Wo Die Nacht Erzählt Vom Tag" Melodien, die ohne den deutschen Gesang, jederzeit auf Alben der damals angesagten UK-Bands durchgegangen wären, und, für das vielleicht beste Album der Diskographie "Absender Auf Achse", mit Tom Liwa (irgendwie muss ich ihn immer unterbringen) einen durchaus angesehenen Fürsprecher (und Duett-Partner).
    Doch wirklich genutzt hat das alles nichts, und im Laufe der folgenden Veröffentlichungen, ich muss es gestehen, wurde mir das Ganze dann oftmals einen Tacken zu eintönig, ohne dabei im Vergleich mit vielen anderen Veröffentlichungen wirklich schlecht zu sein. Aber es fehlten mir dann doch immer häufiger die Widerhaken, die die Melodien in meinen Ohren fest verankerten.
    Und nun also "Trumpf", Album Nummer 6. Und auch wenn ich von Pressetexten in der Regel nicht wahnsinnig viel halte, muss ich diesen (oben schon mal erwähnten) doch mal zitieren, weil er wirklich mal recht witzig gehalten ist.

    "Schauen Sie kein "Braunschlag", wenn Sie "Die Wicherts von Nebenan" gucken wollen. Schauen Sie kein "Willkommen Österreich", wenn Sie "Riverboat" schauen wollen & hören Sie kein FM4, wenn Sie kein Radio Paradiso umspülen soll. Aber hören Sie GARISH, wenn Sie sich immer noch für Nachhaltigkeit und Herz, Melodie und Melodram interessieren.
    GARISH rocken auf "Trumpf alles kaputt, und zwar nicht durch die seit Jahren in aller Welt beliebte Kombination aus Schreien & tiefer gestimmten E-Gitarren, sondern dadurch, dass sie Leonard Cohen Gitarren mit männlichen Elfriede Jelinek-esken Texten kombinieren. eine tolle Winterplatte ist "Trumpf" geworden, und dennoch ist der Titel so unpassend wie Labskaus im Burgenland. Auf dieser Platte wird gescheitert, gezweifelt. Morbide versucht zu ficken, um es dann doch aus Sorge vor dem nächsten Tag zu lassen, um wenigstens zusammen noch einen G'spritzen trinken zu können."

    Nun ja, rocken ist relativ, und ob in der Zielgruppe noch jemand "Die Wicherts von Nebenan" kennt sei mal dahin gestellt (im Gegensatz zum sehr guten "Braunschlag"). Auch könnte man zweifeln ob die Kombination aus "morbide ficken" und "G'spritztem" in einem Satz die geschickteste Lösung ist, im Kern hat der Pressetext aber Recht, man sollte dem neuen Garish Album ein Ohr leihen.
    Denn schon der Opener "Zweiunddreißig Grad" zeigt, Garish sind wieder "wacher" geworden, nicht nur noch trübsinnig Moll, sondern durchaus abwechslungsreich. Das kann dann auch mal etwas gewöhnungsbedürftig klingen, wie im, beim ersten Hören abschreckenden, "Ganz Paris" (das wird aber tatsächlich, wenn man sich drauf einlässt, fast zum Ohrwurm), birgt aber auch mal eine kleine Reminiszenz an die Frühzeit ("Alte Bekannte"), biegt mal in Richtung Chanson ab ("Abendrot"), mäandert hypnotisch vor sich hin ("Noch einmal das Echo hören") oder schließt mit der schönen Ballade "Auf den Dächern".




    Auch wenn ich bezweifle, dass man in Deutschland, egal woher man kommt, damit wirklich, außer in kleinem Kreis, Erfolg haben kann, man kann nicht behaupten sie hätten es nicht wirklich versucht.

  • ClickClickDecker - Ich Glaube Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles

    ClickClickDecker - Ich Glaube Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles



















    Man singt Deutsch 01:

    Als Fan der ersten Stunde verfolge ich den Output ClickClickDeckers aka Kevin Hamann (+ neuerdings anscheinend noch Oliver Stangl) seit seinem Debüt "Ich habe Keine Angst Vor..." mit seinem kleinen Insiderhit "Wer Erklärt Mir Wie Das Hier Funktioniert", wobei ich zugeben muss, dass er mich mit seinem letzen regulären Album "Den Umständen Entsprechend", das nun auch schon 5 Jahre zurückliegt, ein klein wenig verloren hatte. Zwischenzeitlich erschienen ein Live-Album und Veröffentlichungen mit seinem Zweit-Projekt Bratze. Da ich aber kein großer Fan von "Live aus der Konserve" bin, und mir der elektronische Anteil bei Bratze zu wenig mit den Texten Hamanns funktionierte, war ich natürlich über die Meldung einer neuen ClickClickDecker-Veröffentlichung hoch erfreut.
    Und was beim Einstieg ins neue Album "Ich Glaube Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles" sofort ins äh Ohr fällt, er klingt ein wenig anders als gewohnt, sowohl stimmlich, als auch was die Instrumentierung betrifft. Dieser Einstieg "Tierpark Neumünster" war auch, in Form einer digitalen Single (wer braucht so etwas? 7" nachliefern bitte), der erste Vorbote des Albums:



    Doch schon beim zweiten Song, vielleicht DEM Hit des Albums "Und Darüber Nachdenken Nicht Nötig, erkennt man diesen unverschämt eingängigen, treibenden ClickClickDecker Rhythmus, wobei man wirklich konstatieren muss, dass man auf diesem Album alles in allem auf einen deutlich variantenreicheren Sound Wert gelegt hat, wo es früher oft so schien, als würden sich hauptsächlich die Texte ändern und weniger die Musik, erlebt man dieses Mal doch die ein oder andere Überraschung. Natürlich sind aber auch die typische bildreiche Sprache (die Furchen des Alters im Gesicht, werden mit Schlittenspuren in Zusammenhang gebracht) und diese unglaublich tollen memorablen Textstellen ("Als Du mir dann sagtest, das mit Uns Liegt glaube ich an Dir", "Im Nebensatz liegt Hoffnung, und im Hauptsatz suchst du mich") wieder reichlich vorhanden, also das, was ClickClickDecker, zumindest für mich, seit jeher ausgemacht hat.

    Unter anderem das sagt Plattentests.de dazu

    Mit den so genannten "Neuen Deutschpoeten" macht sich ClickClickDecker nicht gemein, wäre ja auch zu einfach gewesen, jetzt im Fahrwasser von Tim Bendzko, Bosse oder Philipp Poisel mitzuschippern. ClickClickDecker bleibt sich treu und singt unaufgeregte Lieder, mit unaufgeregten Arrangements, ohne polemisches Pathos, ohne klebrigen Historismus. Hier gibt's fragmentarische Momentaufnahmen, kleine Geschichten, in Zuckerwatte verpackt, in sanften Liedern zusammengefügt.

    Wenn  ein kleiner Kritikpunkt angebracht werden müsste, so dann vielleicht dieser, dass Hamann bei 1-2 Songs  etwas zu wenig auf den Punkt kommt, und dass mir, wenn solche Zwischenspiele wie "Myoklonien" weggelassen worden wären, nicht wirklich was gefehlt hätte. Aber das sind Marginalien, die den Eindruck der freudigen Überraschung, nach dem zuletzt etwas schwächeren Album, nicht wirklich mindern können.

    Es bleibt zu erwähnen, dass natürlich auch "Ich Glaube Dir Gar Nichts..." wie schon alle Alben zuvor, auch auf Vinyl veröffentlicht wird (sehr vorbildlich). Parallel dazu wird außerdem der Film "Emmelsbüll und die letzten 12", der Interviews mit Freunden und Wegbegleitern enthält, erscheinen. Dieser ist zusammen mit der Berliner Fotografin Sophie Krische, die sich auch für das Artwork des Albums verantwortlich zeichnet, entstanden.

  • Mogwai - Rave Tapes

    Mogwai - Rave Tapes




















    Bitte weder durch den Albumtitel in die Irre führen noch durch das Plattencover abschrecken lassen! Mogwai sind auch im 19. Jahr ihres Bestehens und auf ihrem 8. regulären Studioalbum immer noch Mogwai. Zumindest irgendwie.

    Ihr Label trägt den Namen Rock Action, das Studio, in dem aufgenommen wurde, heißt Castle of Doom und das passt alles wesentlich besser zu den schottischen Post-Rockern als "Rave Tapes". Songs wie "Master Card" oder "Hexon Bogon" mit ihrer typischen Laut-Leise-Dynamik sprechen Bände, wenn auch nicht so brachiale wie früher. 

    Dennoch haben sich diesmal auch verhaltene und verträumte Momente eingeschlichen, wie zum Beispiel im träge dahin fließende Opener "Heard About You Last Night". Auch werden den Synthesizern größere Räume zugestanden ("Simon Ferocious", "Deesh") und man muss tatsächlich bei "Remurdered" eher an Kraftwerk und Krautrock als an Post-Rock denken. Stimme und Gesang sind äußerst spärlich auf den insgesamt 10 Tracks (49 Minuten) gesät: beinahe zärtlich auf "Blues Hour", vom Vocoder verfremdet im abschließenden "The Lord Is Out Of Control" oder nur gesprochen von einem Erzähler namens Reverend Lee Cohen auf "Replenish".

    Für Fans der ersten Stunde könnte das in großen Teilen Soundtrack-artige "Rave Tapes" daher gewöhnungsbedürftig sein. Vielleicht sollte anhand des Streams zuvor geprüft werden, ob man bereit ist für das wirklich schicke Box-Set 70,- € auszugeben oder ob auch die reguläre LP-Version ausreicht.   

    Das Album, erschienen auf dem bandeigenen Label "Rock Action", klingt dabei runder, weicher, bildmächtiger als die Vorgängerplatten. Die Musik fließt, quillt auf und fällt wieder in sich zusammen. Pulsierende Soundflächen, oft elektronisch erzeugt, komplexe musikalische Texturen. Und darüber, meist zurückhaltend, aber immer effektvoll: die Gitarre. "Rave Tapes" ist ein Soundtrack für den Zustand zwischen Leben und Traum. Das Album kann aber auch schlicht die akustische Gleitcreme für den sonntäglichen Putznachmittag mit anschließend Kaffee und Kuchen sein. Das geht, weil der Musik zwar volle Aufmerksamkeit nicht schadet, sie braucht sie aber nicht. Für Art-Rock nicht selbstverständlich, finden Mogwai die Balance: Nicht zu viel Leidenschaft, aber auch nicht zu wenig. Sinn für das Wichtige. Sinn für das Richtige. (Süddeutsche)


    (...) Nun, es wird immer weniger juvenil und ungestüm, dafür runder, wärmer, weicher, eingespielter und – soundtrackiger. Die Zeichen stehen auf Deeskalation. Es gibt den Klängen nachfühlende Tracks voll feinsinniger Gitarrenarbeit, analogisch eingewobener Elektronik, wenigen empathisch klingenden Worten und sanft an- und abschwellender Flächen die, wenn man sich damit nicht gerade auf voller Lautstärke eincremt, das Bedürfnis nach Museumsbesuchen, Lektüre, Küchentätigkeit und gemütlichen Diskussionsrunden wecken. Oder nach Fahrten auf der laubbelegten Landstraße zwischen Tortoise, Boards Of Canada und Sonic Youth anno now, also fernab von Rock und Rave. Immer passend: Kerzenschein. (Spex)

    Mogwai in Deutschland:

    04.02.14 Frankfurt, Batschkapp
    05.02.14 München, Backstage Werk
    06.02.14 Berlin, Tempodrom
    26.03.14 Hamburg, Große Freiheit 36
    01.04.14 Karlsruhe, Substage
    02.04.14 Köln, E-Werk

  • James Vincent McMorrow - Post tropical

    James Vincent McMorrow - Post tropical

    cover

    Ollys fiktive Geschichte zu James Vincents McMorrows Debüt “Early in the morning” fand ich toll und passend. Zu “Post tropical” passt sie allerdings nicht…

    James Vincent McMorrow begeisterte mich 2011 mit seinem Song “If I had a boat”. Die anderen Titel seines Debüts “Early in the morning” rissen mich weniger mit. Trotzdem blickte ich erwartungsvoll auf die neue Platte des irischen Singer/Songwriters und ich freute mich auf neue akustische Songs und potentielle Hits. Und dann erschien Ende des letzten Jahres vorab der Song “Cavalier” und dieser passte so gut zu meinen Erwartungen wie ein Eisbär auf ein in Pastelltönen gehaltenes Albumcover mit einer Palmeninsel. So etwas kennt man ansonsten ja nur von “Lost”.

    Nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte ließ ich mich auf das neue Album “Post tropical” ein. Die Songs sind weitgehend so zarghaft und zurückhaltend wie James Vincent McMorrows Stimme, aber die teils akustische und teils elektronische Instrumentierung passt nicht weniger gut zu dieser als die fast ausschließliche akustischen Untermalung des Debüts. Im Gegenteil: Sie lässt dieser mehr Raum in den ergreifenden Momenten und an den anderen Stellen ergänzen die Bläser, Synthesizer, Handclaps vor allem McMorrows Falsett-Gesang oftmals perfekt. Ich halte die musikalische Entwicklung von “Early in the morning” zu “Post tropical” für mutig aber weitgehend gelungen.

    Für die Aufnahmen des Albums zog sich James Vincent McMorrow in die texanische Wüste zurück und heraus kam er mit der elektronischeren Version von Bon Ivers “For Emma, forever ago”. Ähnlich viele Albumdurchläufe sollte man auch “Post tropical” gönnen, bis man sich zu einem endgültigen Urteil durchringt.
    Als Einstiegssongs empfehle ich ”Gold”, “All points”, “Repeating” und “Glacier”. Einen sich aufdrängenden Hit konnte ich bislang nicht ausmachen, aber in seiner Gesamtheit ist “Post tropical” eine runde Sache die zwar nicht durchgehend fesselt aber für einen netten Start ins neue Musikjahr sorgt.

    The line of best fit” ist recht angetan:
    Post Tropical has lots of vivid imagery, much drawn from the great outdoors, but throughout the LP’s duration, there’s always a strident theme of strength. It’s grand and uplifting at moments, fragile and severe at others, but it’s always as if McMorrow’s giving you a gentle nudge and saying “kid, you done good.” Assuming that’s the sort of thing he’d say, of course. It’s empowering in subtle ways and life-affirming in ebullient ones, and a massive lunge in the right direction.

    Aber es gibt auch kritischere Stimmen, z. B. von “Exclaim”:
    Post Tropical never picks up any steam, never comes to life. Mere gorgeousness is, it turns out, not quite enough to sustain a record.

    Das Video zu “Cavalier”:

    Und das zu “Red dust”:

    Demnächst soll ein weiteres Video des Regiesseurs Aoife Mcardle eine Kurzfilmtriologie zum Album vervollständigen.

    James Vincent McMorrows Tour führt ihn im Februar nach Deutschland:
    • 08.02.14 Dortmund
    • 14.02.14 München
    • 15.02.14 Frankfurt
    • 17.02.14 Berlin
    • 18.02.14 Hamburg
  • Ringo Deathstarr - Gods Dream

    Ringo Deathstarr - Gods Dream


















    Darf es heute ein bisschen Shoegaze sein? (III)

    Wie Ceremony veröffentlichten Ringo Deathstarr Ende Dezember noch ein (Mini-)Album. "Gods Dream" erschien jedoch zunächst über Vinyl Junkie Records nur in Japan und (wenn ich mich nicht täusche) entgegen dem Namen des Labels nicht als LP. Eine Veröffentlichung für Europa ist, wie auch eine Tournee, angedacht, einen Termin gibt es jedoch noch nicht. Sollte dann auch die genaue Setliste für die europäische Version von "Gods Dream" feststehen, wird der ein oder andere Fan von Ringo Deathstarr vielleicht doch noch versuchen die japanische Ausgabe zu ergattern, schließlich sind dort mit "Romantic Comedy", "Frisbee" und "Convertible" gleich drei der neun Songs als "Japan Bonus Tracks" ausgewiesen.

    Alex Gehring, Elliott Frazier und Daniel Coborn konnten Adam Frankin (Swervedriver) und Jeff Schroeder (The Smashing Pumpkins) als Gastmusiker begrüßen und durchstreifen in 34 Minuten die Reviere von My Bloody Valentine ("Bong Load", "Convertible"), Pale Saints ("Gods Dream"), Dinosaur Jr. ("Frisbee") und Smashing Pumpkins ("Chainsaw Mornings", "Nowhere"). 

    The 9 songs are somewhat indicative of where they are headed musically rather than what has come before. You can expect to be sonically drenched with the usual My Bloody Valentine shoegaze leanings, but also realize that this label is too limiting. Play spot the influence if you want, but that might detract from enjoying a solid release from RD. For example, “God’s Dream” would not be out of place on a Pale Saints album, but it stands on its own as a classic slab of ‘gaze. “Chainsaw Morning Bubble Mix” channels Smashing Pumpkins, but the cool synth lines make it unique. The same goes for “Nowhere”, where discordant guitar and crashing percussion veer it away from the mainstream. “Frisbee” is a Japanese bonus track with muscular guitar riffs laying the foundation for vocals buried way beneath, and one of the other Japanese only tracks (“Convertible”) sounds like a lost MBV track. (The Big Takeover)


    The first single ‘Flower Power‘ impressed and the rest of the EP doesn’t disappoint. (...) ‘Gods Dream’ keeps you guessing, with ambient lullabies (‘Shut Your Eyes’) contrasted with bold rock numbers and the borderline industrial ‘Nowhere’. Without a doubt, this release includes some of Ringo Deathstarr’s best work. Take a listen to the dreamy title track featuring Alex Gehring on vocals, backed by some brilliant guitar tones. (Sounds Better With Reverb)


  • Ceremony - Distance

    Ceremony - Distance



















    Darf es heute ein bisschen Shoegaze sein? (II)

    Was als Band zu Beginn der Aufnahmen los ging, endete als Soloprojekt. John Fedowitz aus Fredericksburg, USA, verlor mit Paul, Chris und Ben gleich drei Mitstreiter im Entstehungsprozess des neuen Albums von Ceremony. Darüber scheint er im Nachhinein aber gar nicht so traurig zu sein, da nun alle Entscheidungen bezüglich der Aufnahme, der Auswahl der Songs bis hin zum Cover von "Distance" von ihm allein getroffen werden konnten. Zumindest beim letzten Punkt wären Verbesserungsvorschläge oder Impulse von Außenstehenden sicher hilfreich gewesen.

    "Distance" ist der Nachfolger von "Rocket Fire", das 2010 bei Platten vor Gericht auf den 9. Rang kam und einen beachtlichen Punkteschnitt von 8,000 aufweisen konnte. Im Unterschied zum Vorgänger ist kein Drum Computer mehr zu hören, sondern nur live eingespieltes Schlagzeug. Die 9 Songs wurden von Oliver Ackerman (A Place To Burg Strangers), mit dem Fedowitz einst zusammen bei Skywave spielte, abgemischt, so dass die obligatorischen Noise-Attacken auch hier zu hören sind ("On Holiday", "Throw Your Love Away"). Jedoch werden bei Ceremony im direkten Vergleich zu den Kollegen von A Place To Burg Stranges in einigen Songs die zuckersüßen Melodien nicht vollkommen geschreddert ("The Sunglass Kiss") oder tendieren eindeutig in Richtung The Jesus & Mary Chain ("I Want To Kiss").    

    "Distance" erschien Ende Dezember über Moon Sounds Records und ist bisher nur als CD oder in digitaler Form zu beziehen. 



    With their new album they continue doing hat they do best: Writing heartbreaking love songs with fuzz fuzz and more fuzz, lovely voices and punk rock attitude. With simple but awesome guitar lines they create this innocent athmosphere of some cute little teenage love. The sound of 'Distance' doesn't remind of A Place by Bury Strangers by accident. The good friend and former bandmate from Skywave times Oliver Ackermann mastered the whole albumand gave it this rich noisy over the top sound which makes all the APTBS songs so intense. (Shoegaze Love)



  • Deutschland Premiere: Dean Wareham - Holding Pattern

    Deutschland Premiere: Dean Wareham - Holding Pattern



    Im Dezember haben wir das Mini-Album 'Emancipated Hearts' von Dean Wareham an dieser Stelle vorgestellt - heute haben wir die große Freude, Euch den Song 'Holding Pattern' von seinem im März erscheinenden Album als Deutschland-Premiere präsentieren zu dürfen.



    Das selbstbetitelte Album wurde von My Morning Jacket-Mastermind Jim James in dessen Studio in Louisville, Kentucky produziert und erscheint auf Sonic Cathedral, dem Label, das uns letztes Jahr schon mit dem Black Hearted Brother-Album viel Freude bereitete. Deutschland-VÖ wird der 07. März sein.

    Hört den Song hier - er wird Euch ein Lächeln ins Gesicht zaubern, das Ihr den ganzen Tag nicht loswerdet:




  • The KVB - Minus One

    The KVB - Minus One



















    Darf es heute ein bisschen Shoegaze sein? (I)

    Der neue Longplayer von The KVB verdient diesen Namen eigentlich wieder nicht, denn wie bereits beim zuvor veröffentlichten "Immaterial Visions" dauern die 8 Titel von "Minus One" nur 33 Minuten. 

    Neu ist "Minus One" eigentlich auch nicht, denn zum einen liegt die Veröffentlichung als CD und LP über A Records fast schon zwei Monate zurück und zum anderen waren 6 der 8 Titel bereits 2011 unter gleichem Namen als digitaler Download zu haben. Hinzugefügt wurden in neuer Hülle die Titel "Kill The Lights" und "Radiant Hour", der Rest erhielt zumindest einen neuen Mix von Anton Newcomb (Brian Jonestown Massacre).

    Der Titel "Minus One" führt auch in die Irre, denn es wurden schließlich zwei Titel hinzugefügt und das Duo hat weder Kat Day noch Nicholas Wood verlassen.

    Alte Titel im neuen Soundgewand bedeutet, dass sich stilistisch nicht viel verändert hat: der Bass klingt weiterhin nach Joy Division und New Order, die Drum-Machine pluckert schlicht und monoton vor sich hin, Gesang und Gitarrenwände erinnern an The Jesus & Mary Chain oder Spaceman 3 und die Synthie-Schlieren lassen einen immer wieder in Richtung der Lautsprecher schielen, um zu überprüfen, ob sich daraus nicht die passenden Trockeneis-Nebelschwaden erheben. 
      
    Packed with sharp drum-machine beats, chorus-laden post-punk bass and distorted synthesizers, it’s by turns stately and red-raw. The stand-out track is ‘Dominance/Submission’ – an awesome, seven-minute motorik workout that runs fuzzy guitar and an octave-jumping synth riff together until you can’t tell which is which – but there’s plenty here that approaches that high point. ‘Passing By’ is all synths and bass like first-album New Order, while closing song ‘Radiant Hour’ recalls Interpol or ‘Faith’-era Cure. Sometimes those points of reference become almost overwhelming (check out the Mary Chain-lifting sneer on ‘Live or Die’), and just occasionally there’s not quite enough going on to stop that awful word ‘dirge’ drifting to mind. Generally, though, The KVB walk an impressive line between tradition and individual talent – especially considering that most of the tracks here were recorded and mixed by the band in their home studio. We’re not expecting ‘shoe wave’ to catch on, but here’s hoping that The KVB stick around for longer than the cybergrind movement: it sounds as if they’ve got plenty still to give. (Timeout)


    And this third full-length from London-based boy-girl duo The KVB has a misleading title, because it actually turns the amps, as well as the existential angst, all the way up. The darkwave greats of old haunt the glowering and gloomy drone of ‘Again & Again’ and ‘Radiant Hour’, while ‘Dominance/Submission’ rolls out seven and a half doom-laden minutes of abrasive buzzsaw genius. This is a fresh, fierce and frightening record all of its own. (NME)

  • Model Village - You Chose These Woes

    Model Village - You Chose These Woes




















    Heute erscheint mit "You Chose These Woes" das neue Album einer nicht ganz klar umrissenen Band aus London und Cambridge namens Model Village, die mit Dan, Ian, Piers, Rachel, Kev, Kenny, Lily, Ellie und Mark nicht nur derzeitige sondern auch ehemalige Mitglieder auflisten. Aktuelle Fotos zeigen ein Septett, das aus 2 jungen Damen und 5 jungen Herren besteht, von denen gleich drei in die Rolle des Leadsängers schlüpfen. 

    Bereits 2012 veröffentlichten sie mit "A Solution To Everything" eine Zusammenstellung früher Singles. Nun folgt über Little Red Rabbit Records somit das eigentliche Debüt, das über ihre Bandcamp-Seite als CD oder Download erworben werden kann, und dem die Single "Stockholm" voraus ging:




    "You Chose These Woes" liefert in 10 Songs und 38 Minuten fluffigen Indie-Folk-Pop für alle, denen 2012 die hier vorgestellten Platten von Marthas & Arthurs sowie Raymond & Maria Freunde bereitet haben. Insofern wären Dan & Rachel oder Ian & Lily auch passende Bandnamen gewesen. Kombinationsmöglichkeiten gibt es ja genug.
    Weiter Vergleichsmöglichkeiten bieten sich anhand von Songs wie "19" oder "Splitting The Risk" mit Belle & Sebastian (ja, ich höre jetzt auf damit), The Lucksmiths und Allo Darlin'.      

    Miniature model building and penning bright and tuneful alt-pop: two pastimes in which a delicate touch is a valuable asset. On their second album, Cambridge’s Model Village show a knack for the complex art of keeping things simple, with straightforward melodies that merrily dance their way into the memory banks and measured arrangements that ensure the songwriting its breathing space. With a trio of accomplished vocalists taking turns at lead, Fleetwood Mac circa Rumours are an acknowledged influence – and certainly, there’s a hint of Don’t Stop to Jaguar’s opening chords. But despite some nice AOR touches (for instance, the guitar solo that tails 19, or the soaring chorus of closing ballad No Personal Touch), You Chose These Woes sits closer in style to indie acts like Edinburgh’s Aberfeldy or Melbourne’s The Lucksmiths, with the outlying gothic folk of Oh My Sisters indicating the full variety of which they’re apparently capable. (The Skinny)



  • Northern Portrait - Ta!

    Northern Portrait - Ta!



















    Solltet ihr nach der gestrigen "Neuvorstellung" noch nicht dazu gekommen sein im Matinée Shop zu bestellen (was ihr sicherlich noch machen werdet), dann legt doch bitte auch "Ta!" von Northern Portrait mit in den Warenkorb.

    Die dänischen The Smiths-Jünger versammeln hier auf einem Silberling (jedoch leider nicht auf Vinyl) 15 Tracks, die bisher nur auf Singles, EPs und Compilations, die teilweise bereits ausverkauft sind, zu finden waren. Alle Songs wurden für "Ta!" neu abgemischt.

    Die Zusammenstellung setzt sich aus 3 Titeln ihrer ersten EP "The Fallen Aristocracy" (2008), 4 Liedern von der EP "Napoleon Sweetheart" (2008), der B-Seite "Some People" (im Original von Belouis Some und später bereits von Cliff Richards gecovert) der Single "Life Returns To Normal" (2010) und 4 Songs aus der letztjährigen "Pretty Decent Swimmers" EP zusammen. "Stirling Moss", "The Young And Hopefuls" und das weihnachtliche "Leave The Trees Alone" waren bisher nur auf Zusammenstellungen des Matinée Labels zu finden.

    Für Fans eine gute Gelegenheit ihre Sammlung zu vervollständigen und für Neueinsteiger eine prima Möglichkeit, um die Band kennenzulernen. Und für dieses Jahr wurde bereits ein neues Album von Northern Portrait angekündigt!



    OH! But they sound like The Smiths, don't they? Yeah, and this is their 'Hatful of Hollow'...
    Those good folk at Northern Portrait have seen fit to put all their b-sides and hard-to-find a-sides together on one tremulous, tremendous package, that, if it were released as a standalone record of new music, would pretty much wipe the floor with just about everything else released this year.
    If you can't remember where you were when you first heard the smart stomp of 'A Quiet Night in Copenhagen' or the sparkling serenity of 'I Feel Much Better' or the dark defiance of 'In an Empty Hotel' then you're missing out.
    'Ta!' is the sound of the last six years of indiepop for me. So many memories are wrapped up in these glorious songs, from hearing those first two dynamite eps to wailing along to Northern Portrait when the played the indoor stage at Indietracks, and cuddling up against the cold on the settee with the stereo on full blast, to teaching my little boy the words to the magnificent 'Fallen Aristocracy'. It's all pretty special.
    One hopes that the title of this compilation isn't some kind of farewell - a recognition that it's all over. It's been increasingly hard for the band to get together and play anywhere at all these last couple of years. There's talk of a second album next year, which fill my heart with joy, but it's about time they graced a nearby stage again.
    Oh, and can we just forget about the cover of Cliff Richard's 'Some People' on here, please. Ta.
    (a layer of chips)


  • Math And Physics Club - Our Hearts Beat Out Loud

    Math And Physics Club - Our Hearts Beat Out Loud


















    Eure Herzen werden auch lauter schlagen, wenn ihr

    a) das wunderschöne Plattencover von "Our Hearts Beat Out Loud" in den Händen halten werdet, das vom Brooklyner Künstler Tae Won Yu entworfen wurde. Dieser gestaltete bereits Cover für Bands wie Built To Spill, konzentrierte sich aber in den letzten beiden Jahren auf die Kunst des Kartonmodellbaus (Papercraft), so dass seine Arbeiten nun die aktuellen Hüllen (Album sowie die dazugehörige Single "Long Drag") des Math And Physics Clubs zieren. Besonders schön anzusehen natürlich in der LP-Version.

    b) die Platte auflegt, denn das Trio aus Seattle erweitert auf seinem dritten Album die bekannte Klangpalette zwischen C-86-Sounds und Gitarrenpop im Sinne von The Lucksmiths und Belle & Sebastian: "Lone Drag" kommt dem am nächsten, was Math And Physics Club wohl einen Rocker nennen würden, "We Didn't Run From Anyone" nähert sich Country-Gefilden und "I Know It's Over" lässt eine herrliche The Housemartins-Mundharmonika erklingen.

    Charles Bert (Gesang, Gitarre), James Werle (Gitarre) und Ethan Jones (Bass, Keyboards), der das Album zusammen mit Bob Schwenkler in dem Dub Narcotic Studio in Olympia co-produzierte, veröffentlichten "Our Hearts Beat Out Loud" im letzten November über Matinée Records, was für den ein oder anderen bereits ein Qualitätsmerkmal und Gütesiegel darstellt.



    The songs are catchy and direct (and lyrically usually deal with hearts breaking). Opener “We Won’t Keep Secrets” is a perfect, simple pop song as is “Tied to a Stone.”  The first single, “Long Drag” kicks it up a notch into nearly rock territory (a damn good rock song) while on “We Didn’t Run from Anyone’ has an almost country vibe to it as does the gorgeous “I Know It’s Over” (harmonica in da’ house).
    The band took a chance, expanded and it paid off for them. At times I worry that this band is almost too anonymous for its own good. I guess what I’m trying to say is that they’re too damn good to be so unknown. In a perfect world these guys would be knocking out radio hits, one after another.
    (blurt)


    The album delivers ten nuggets carefully crafted to tug your heartstrings, remind you of joy, take you to the bring of melancholy and then bring you back with a big sigh and expectation for a bright tomorrow.  There is classic twee pop, a few with a relaxed country feel ("We Didn't Run From Anyone" and "Thank God I Met You"), and a few that are more aggressive than is typical for this trio.  The basic set-up up is fleshed out with occasional organ, harmonica, cello and even a glockenspiel (Does one need a license for a glockenspiel?).  And the songs here bear that hallmark of good songwriting -- the ability to express raw emotions honestly without having to rely on excess drama.  And with the assured musicianship, warm vocals and pop hooks, we can take everything Math and Physics Club is serving.
    An excellent introduction to the record is "We're Not Lost", just under four minutes of delicious young heartache.  If you are keeping lists of best indie pop songs of the year, you can write this one in on the list even before you press play.
    One of the standout tracks is the previously released single, "Long Drag", on which the band shows a new dimension -- a narrator who is angry and willing to point out that his lover was the one who failed to work on the relationship.  With staccato percussion and handclaps, it is a great song with a killer refrain that underscores the power of music to heal wounded hearts.
    (when you motor away…)




  • Die 10 besten Alben von Prince

    10. Lovesexy (1988)
    9. Diamonds And Pearls (1991)
    8. 3121 (2006)
    7. 1999 (1982)
    6. The Gold Experience (1995)
    5. Dirty Mind (1980)
    4. Sign O' The Times (1987)
    3. Parade (1986)
    2. Purple Rain (1984)
    1. Around The World In A Day (1985)

    (ausgewählt von Volker)