Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Gliss - Pale Reflections

    Gliss - Pale Reflections
























    Heute sehen wir Garbage, die in Köln zum 20. Jubiläum ihr Debütalbum live aufführen werden. Warum ich das an dieser Stelle erwähne? Weil "Pale Reflections" von Gliss, einem dänisch-amerikanische Duo, das aus Victoria Cecilia und Martin Klingman besteht, auch aus dieser Zeit stammen könnte und Songs wie "Mirrored" oder "Is She Coming Down"  tatsächlich nach Shirley Manson, Butch Vig & Co. klingen. 

    Wenn sich Victoria Cecilia und Martin Klingman, wie bei "Across The Sea", den Gesang teilen, oder die Rückkopplungen mal etwas durchdringender werden ("High And Low"), so kommen einem The Raveonettes in den Sinn, der entrückte Dreampop mit Shoegaze-Einschag lässt einen mehrfach an Lush denken, die im nächsten Jahr auch wieder Konzerte spielen werden. Auch wenn man dazu nach aktuellem Stand nach London reisen muss. Was wir natürlich tun werden.

    "Pale Reflections" ist bereits das fünfte Album von Gliss, wurde in Los Angeles und Berlin aufgenommen und über das bandeigene Label Kraftwööd bereits im Sommer veröffentlicht.  


    Shoegaze style ’90s revivalism is not the only genre influence heard within this very diverse set of songs. “Heartbeat” and “Slow to the Kill” are pure electronic-based pop brimming with trip-hop atmospherics; “Across the Sea” and “Time” add a touch of Belle & Sebastian‘s twee jangle pop. After 10 years of writing and performing, the Danish-American duo shows they have a deep understanding of the dynamics behind a perfect pop song, no matter what the genre motif may be.
    Very few tracks on Pale Reflections fall flat – “Is She Coming Down” may have the least memorable chorus of these 10 songs, but it is partially redeemed with clap-along verses as well as a pretty killer guitar breakdown that hits about three-quarters of the way through. Youngsters take note – this is how you write lasting rock music.
    (mxdwn)




    10 songs merge Kick in Your Heart's '60s garage rock revivalism with newer modes explored in Langsom Dans: gossamers of synth and boy/girl whispers drape over the slow-burn of distortion that's simply to die for. It's hypnotic, it's carcinogenic — it's a brilliant return for the Copenhagen/Los Angeles veterans of the art pop underground, bridging the lustrous textures of The Kills and Beach House. Fans of The Vandelles and The Raveonettes will feel right at home with Pale Reflections' tenebrous instrumentation full of feedback and toxifying hooks.
    (the deli magazine)




    Poppige Melodien in schwer bohrende Gitarren, die umhüllt von schwebend-eiskalten Synthiewellen umspült werden, Gesangsparts, die an Lush zu Hochzeiten erinnern (Come Back), trendige Basslines (Heartbeat) a la Psychedelic Furs, hier wird viel Gutes versammelt und dann im Überfluss über uns ausgeschüttet.
    So haben wir hier kein typisch shoegaze-Album, sondern eines, das in seinem Spektrum weit darüber hinaus geht. Sounds aus den Achtzigern, den Neunzigern werden vermischt zu einer sehr persönlichen Melange, die vor allem dann funktioniert, wenn wieder einmal eine Überraschung die nächste jagt.
    Jeder Song bietet Potential, dass schwer zu fassen ist. Selbst in ruhigeren Nummern wie dem verträumt angelegten Across The Sea schaffen sie es (wie hier durch gebrochene Pianoklänge) und einen schnuckelig-schunkeligen Refrain eine Eigenständigkeit und einen Wiedererkennungswert zu präsentieren, der in einer gerechteren Welt auf Millionen Sommermixtapes eine wunderbare Figur machen würde.
    (gut hören ist wichtig)






  • Maritime - Magnetic Bodies / Maps Of Bones

    Maritime - Magnetic Bodies / Maps Of Bones
























    Aus den Emo-Ruinen von The Pomised Ring ließen Davey von Bohlen (Gesang, Gitarre) und Dan Didier (Schlagzeug) mit Maritime eine Band erwachsen, die sich deutlich dem Indiepop und Indierock zuwendete, Synthesizer und Gitarren zu kombinieren versuchte und dabei immer eine griffige Melodie anbieten wollte. Das gelang von Bohlen und Didier, die seit mehr als 20 Jahren gemeinsam musizieren und aktuell von Justin Klug (Bass) und Dan Hinz (Gitarre) unterstützt werden, auf vier Alben mal mehr, malweniger gut.

    "Magnetic Bodies / Maps Of Bones", ihre fünfte Platte, die diesen Monat über Grand Hotel van Cleef veröffentlicht wurde, gehört definitiv in die erste Kategorie. "Satellite Love" steht exemplarisch mit seinen eingebauten Synthie-Klängen für die poppige Seite des Albums, "Light You Up", "Drinking Peru" und "Inside Out" sind die temporeichen Speerspitzen des Gitarrenrocks. Zwischen diesen Polen wandelt ein Album, das, "Love You In The Dark" den alten Aztec Camera-Song "Somewhere In My Heart" noch einmal aufkochet, eher Freunden von Death Cab For Cutie, The Get Up Kids und Jimmy Eat World zu empfehlen ist. 

    Abschließend würde ich gerne von Maritime wissen, warum die im April diesen Jahres veröffentlichte Single "Milwaukee" nicht auf "Magnetic Bodies / Maps Of Bones" inkludiert wurde, obwohl sich die beiden Cover so ähneln und bei nur 10 Songs in 38 Minuten noch ein wenig Platz gewesen wäre.




    Maritime schreiben schöne, kleine Popsongs, aber der Sound ist zuweilen dünn. „Light You Up“ macht die Schwäche zur Stärke und rumpelt sich genüsslich durch seine vier Minuten und erinnert entfernt an den Vibe von The Gaslight Anthem. Ähnlich sieht es mit „Inside Out“ aus, das mit seinen zackigen Gitarren die Emo-Herkunft der Bandköpfe Davey von Bohlen und Dan Didier, ehemalige Mitglieder von The Promise Ring, aufzeigt. „War Tattoos“, im Gegensatz dazu, klingt eher nach Chuck Ragans The Revival Tour als nach Hot Water Music. In diesem Song, wie in anderen des Albums, streuen Maritime kleine, synthetische Verzierungen ein und doch ist MAGNETIC BODIES/MAP OF BONES eine ursprüngliche Platte geworden. Eine Platte, die nach frischem Harz und Sägespänen riecht und sich vermutlich am besten in den riesigen Waldgebieten Wisconsins, der Heimat der Band, genießen lässt.
    (musikexpress)


    Magnetic Bodies finds Maritime mostly lean and propulsive. After the midtempo leadoff track, “Nothing Is Forgot,” eases the listener into the album, the crackling “Satellite Love” (which nods to the thumping rhythm section of The Cure’s “Close To Me”) and the soaring “Roaming Empire” drive the record with surprising confidence. Then comes “Light You Up,” Magnetic Bodies’ blistering, bittersweet centerpiece. “I would start a fire to light you up,” sings Von Bohlen, followed by, “I might fight a war to shout your name.” It’s a nakedly emotional sentiment that sounds appropriately desperate in Von Bohlen’s delivery, and the song’s urgently beautiful chorus is Maritime at its best.
    The rest of Magnetic Bodies doesn’t quite live up to its early potential, but it comes impressively close. Mid-album tracks “War Tattoos” and “Collar Bones” are as unfocused as the first few songs are crystal clear, and “Inside Out” passes by inoffensively amid a flurry of distortion. “Love You In The Dark” squanders some of its goodwill by ending with a “la-la-la” refrain, but its arrangement, with acoustic guitars and electric 12-strings lending some jangle, makes up for any missteps.
    Album closer “When The Bone Moon Dies”—a swaying blur of indie-pop noise featuring Von Bohlen sweetly singing, “On and on, if you hear me now, come on / If you’re breathing hard, come on, come on”—sounds like one last plea for someone, anyone, to follow him into the darkness. Damned if it doesn’t work.
    (A.V.Club)




  • Julia Holter - Have you in my wilderness

    Julia Holter - Have you in my wilderness






















    Schon mit der Wahl der High School war für Julia Holter klar, dass Musik einen bedeutenden Teil ihres Lebens ausmachen soll. Das manifestierte sich in ihrem Studium am California Institute of the Arts. Nach dem Abschluss widmete sie sich ihrer musikalischen Karriere. 2011 erschien dann mit “Tragedy” das Debüt der Singer/Songwriterin. Ihr Zweitwerk “Ekstasis” gefiel mir nicht, “Loud city song” hingegen war merklich interessanter.

    Mit “Have you in my wilderness” legt sie nun ihr bereits viertes Album vor und solch positive Reviews sollten neugierig machen auf die neuen Songs der Kalifornierin.

    The Guardian (Höchstpunktzahl):
    The result is a genuinely exceptional and entrancing album, opaque but effective, filled with beautiful, skewed songs, unconventional without ever feeling precious or affected. From the title downwards, you’re struck by the sense of an artist who once seemed austere and forbidding beckoning you into their world. It’s an invitation that’s hard to resist.

    Plattentests.de (8 von 10 Punkten):
    Julia Holter, 30-jähriger Liebling der Kritiker, hatte ihre Probleme mit dem Erschaffen dieses Albums. Das hört man. In jedem einzelnen Song. Und genau das macht ihre vierte Platte so einzigartig, so großartig. Denn dem flüchtigen Sound des Vorgängers "Loud city song" hat sie eine bestechende Dringlichkeit hinzugefügt – mehr Rhythmen, mehr Strukturen, mehr Ausdruck. Klar ist das hier immer noch Nachtmusik in Pop, geschmückt mit Anleihen an Ambient und Folk. Wer sich durch die Nebenarme diverser urbaner Systeme treiben lassen mag, findet hier immer noch den entsprechenden Soundtrack mit den hellschwarzen Melodien. […] Sie ist Geschichtenerzählerin. Vermittlerin zwischen den Welten. Damit erschafft Holter nicht nur sich als Künstlerin, sondern auch ihre Musik, ihre Ästhetik – nachtdurchflutete Töne in untergehenden Songs, die in die Gassen führen, die keinen Namen haben.

    In den Lobgesang kann ich nicht vorbehaltlos einstimmen, aber die Entwicklung seit “Ekstasis” ist zugegebenermaßen bemerkenswert. Irgendwo zwischen Art- und Kammer-Pop und einigen experimentellen Passagen weiß Frau Holter durchaus erinnerungswürdige Melodien und Einfälle zu verstecken.

    “Feel you”, “Silhouette”, “Everytime boots” und “Vasquez” sind in meinen Ohren gute Gründe, “Have you in my wilderness” Freunden anspruchsvoller Pop-Musik zu empfehlen.

    Das Video zu “She calls me home”:

    JULIA HOLTER - Sea Calls Me Home from Claire Marie Vogel on Vimeo.

    Julia Holter besucht aktuell Deutschland:
    • 29.10. Frankfurt
    • 30.10. Hamburg
    • 05.11. Berlin
  • Joanna Newsom - Divers

    Joanna Newsom - Divers
























    10 Fakten zum neuen Album von Joanna Newsom:

    1. Mehr als fünfeinhalb Jahre mussten Fans auf ein neues Album von Joanna Newsom warten. Die amerikanische Singer/Songwritern und Harfenistin veröffentlichte am 23. Oktober mit "Divers" ihre vierte Platte und den Nachfolger von "Have One On Me" (2010).

    2. Dabei fasst sich Joanna Newsom, für ihre Verhältnisse recht kurz: die 11 Titel laufen nur 52 Minuten und nur der Titelsong überspringt die 7-Minuten-Marke. "Have One On Me" lief noch mehr als doppelt so lang und auf "Ys" war nur ein Song zu finden, der weniger als 9 Minuten dauerte.

    3. Kassetten sind das neue Vinyl, das wissen offensichtlich auch die 33-Jährige und ihr Label Drag City. "Divers" ist dem entsprechend als Doppel-LP, CD, Download und auf Kassette käuflich zu erwerben.


    Dafür bordet die Platte musikalisch über. Nicht einmal die Künstlerin selbst kann noch die Instrumente zählen, die hier zum Einsatz kommen. Vergleichbar ist die Liste mit dem Cast in Robert Altmans „Short Cuts“, selbst kurze Auftritte sind bestens ausgeleuchtet, es gibt brillant klingende Flöten, die nur für zwei Takte zu hören sind, wie ein Vogel, der verschwenderisch schnell über den Himmel huscht. Viele Instrumente hat Joanna Newsom selbst gespielt, aber auch das Verzeichnis der Gäste ist lang, allein schon zwei Orchester sowie mehrere Personen für die Gitarren und die Drums. Ja, die Gitarren und die Drums. Die Stücke im Herzen der Platte haben einen Blues- und Americana-Einfluss, manchmal singt Joanna Newsom tief, wie eine Südstaaten-Lady – und das ist großartig.
    Über die Brillanz von Joanna Newsom ist zu den vergangenen Alben viel geschrieben worden. Über ihre Sangeskunst, ihre Vortragskraft, das Harfenspiel. Doch noch nie zuvor hat sie so zwingende Songs geschrieben. „You Will Not Take My Heart Alive“ besitzt eine herzzerreißende Coda. Das Wasserspiel im Titelstück erinnert an Fever Ray und Philip Glass, „The Things I Say“ an Nina Simone, „Goose Eggs“ an Kate Bush in der Form ihres Lebens, „Waltz Of The 101st Lightborne“ an die Waterboys. So viele Ideen, so viele Gedanken, so viel Magie in den kleinsten Gesten: DIVERS ist eine Offenbarung.
    (musikexpress)


    4. Das passende Artwork zu "Divers" stammt vom 1955 geborenen Künstler Kim Keever, der mit seinen abstrakten Unterwasserweltbildern seit einigen Jahren für Furore sorgt. In einem Wassertank baut Keever Miniaturwelten und fotografiert, die von ihm erzeugten diffundierenden Farbwirbel.

    5. Am 10. August wurde mit "Sapokanikan" eine erste Single aus dem Album veröffentlicht. Das dazugehörige Video wurde vom berühmten Regisseur Paul Thomas Anderson ("Boogie Nights" oder "Magnolia") verantwortet. Ein weiteres Video zum Titelsong der Platte wurde wohl bereits ebenfalls von ihm gedreht.  




    6. In Andersons letztem Film, "Inherent Vice" (2014), übernahm Joanna Newsom die Rolle der Erzählerin Sortilège.

    7. 2013 veröffentlichte Joanna Newsom für eine Kampagne des Fashion-Labels Wren von Melissa Coker eine Coverversion des Songs "The North Star Grassman And The Ravens". Das Original erschien 1971 und stammt von von Sandy Denny. Die ersten neuen Klänge von Joanna Newsom nach "Have One On Me" finden sich jedoch nicht auf "Divers" wieder.  




    8. Dass sich Newsom so viel Zeit für die neue Platte nahm, lag nicht nur an ihrer zwischenzeitlichen Hochzeit mit dem Schauspieler und Komiker Andy Samberg, sondern auch an den langwierigen Arrangement-, Aufnahme- und Abmischprozessen: 
    Jeder Song wurde von einem anderen Arrangeur betreut, darunter alte Weggefährten wie Ryan Francesconi, es gab Streichquartette und ein ganzes Sinfonieorchester, um Newsoms klangliche Vision exakt so umzusetzen, wie sie ihr vorschwebte. Als Produzent diente, wie schon bei den Alben zuvor, Noise-Legende Steve Albini. Ans Mischpult setzte sich Newsom erstmals selbst. "Deswegen hat es auch ein halbes Jahr gedauert, das Album abzumischen, nicht zwei Wochen, wie sonst", lacht sie, "bei mir geht nun einmal nichts schnell."  (spiegel)

    9. Die Kritiker sind von "Divers" absolut begeistert. Metacritic steht aktuell bei einem Metascore von 88/100 Punkten bei 28 berücksichtigten Kritiken. 

    Not only a deftly realised, enchanting meditation on time and its vagaries, the record is effectively a celebration of what we, as time’s denizens, are able to accomplish within it.... Divers is a colossal achievement. (Drowned In Sound)
    Joanna Newsom’s fourth full-length, Divers, haunts you like an unanswered question. That’s what makes it so engrossing. You don’t listen to it to figure out what it means. You play it to revel in the mystery of the songs and who, exactly, is the marvelous, mercurial creature singing them. (Entertainment Weekly)
    Divers steps outside of itself. Its lyrics are obscure, and its melodies are more variable and complicated than those of the “overstuffed gorge” some saw in 2010’s Have One On Me. At particular moments, though, it is plainspoken and personal. (Tiny Mixtapes) 
    The sheer array of sounds on this record is amazing--not just in the variety of instruments employed, but also in the ways they are utilized. (The A.V.Club)

    10. Zwei Konzerttermine, für die es tatsächlich zurzeit noch Tickets gibt, sollten sich die deutschen Fans von Joanna Newsom vormerken:
    05.11.15 Berlin, Admiralspalast
    06.11.15 Köln, Kulturkirche

  • Here We Go Magic - Be Small

    Here We Go Magic - Be Small
























    Der Albumtitel "Be Small" soll, nachdem der Vorgänger "A Different Ship" (2012) noch von Nigel Godrich (Radiohead, R.E.M., Travis) produziert wurde, zeigen, dass es diesmal eine Spur kleiner ablaufen soll. Und so übernahmen Here We Go Magic auf ihrem vierten Album selbst den Produzentenstuhl ein und kehrten klanglich zu ihren Anfangstagen zurück. 

    Für die Hörer bedeutet dies, dass sie der Band von Luke Temple auf einem nicht immer einfachen Trip zwischen versponnenen, experimentellen Sound-Collagen, groovenden, futuristischem Synthie-Pop und vertracktem, künstlerischen Indierock zu folgen versuchen müssen. Als Referenzen tauchen immer wieder Brian Eno, John Cale, Roberty Wyatt, Steely Dan und MGMT auf - ich sagte ja bereits: ein nicht immer einfacher Trip.

    Mit Hilfe der Videos zu "Tokyo London US Korea" und "Falling" sowie die durchgängig positiven Kritiken dürfte einen ersten Eindruck davon vermitteln, was einen auf "Be Small" erwartet: 


     

    Here We Go Magic haben ihre Instrumente direkt ins Mischpult gespielt, was der Platte einen kompakten, fast ein wenig gedrungenen Sound gibt. Eindrücke der Weite entstehen hier eher durch den ausgiebigen Einsatz von Synthesizern, allerdings nicht nur analogen, die im nostalgischen Rückblick auf die Schrauber-Pioniere von vor 40 Jahren heute beinahe schon als „natürliche“ Instrumente durchgehen.
    Der gleich auf einem Dutzend Sequencer-Spuren den Hörer einkreisende Opener „Stella“ klingt eher wie eine teure 80s-Produktion von Peter Gabriel (damals war so was noch teuer); in dem groovenden „Tokyo, London, US, Korea“ fließen die Sounds ungenauer Herkunft in einem unentrinnbaren Strudel zusammen. Temple, der sich ausdrücklich eine „optimistische“ Platte in Dur vorgenommen hatte, nennt als ungewöhnlich eindeutige Bezugspunkte den Song „Spinning Away“ von dem Eno/Cale-Album WRONG WAY UP (1990) und Robert Wyatts „Heaps Of Sheeps“ von SHLEEP (1997). Allerdings sollten, wenn hier schon Klarnamen fallen, auch Steely Dan zur Sprache kommen. Wegen dieser leicht distanzierten Eleganz, dieser großen Souveränität im Vortrag der acht Songs (und zweier Zwischenstücke). Das Ergebnis klingt jedoch zu keinem Zeitpunkt ironisch oder gar snobistisch, wie es Walter Becker und Donald Fagen immer wieder gerne getan haben. Im Gegenteil: Je öfter man BE SMALL hört, desto näher kommt einem dieses Wunderding von einer Platte.
    (musikexpress)




    The two sides of Here We Go Magic blend beautifully. 'Stella''s choppy synths, dropping like rain, are warm and attractive even as Temple's asking the tough questions ("Who isn't marked with their own failure?"), and the busy, jittery 'Falling' overcomes elusive jazz chords to turn into a sprawling, grinning, jangly boogie. 'Girls In The Morning' and 'Ordinary Feeling' are hazy, deep-pile ballads that echo the dazed pace of MGMT's 'Congratulations, forensically constructed but blissed-out.
    Always intelligent but never too clever for their own good, Here We Go Magic finally break into a huge, dumb guitar solo on 'News'. That's where they are, making the challenging accessible, a band forging their own path at last. Never mind, 'Be Small', this thinks big.
    (NME)


  • Shoreline Is - Watch It All Go

    Shoreline Is - Watch It All Go
























    Nach ihrem ersten Album "Deal Kindly" (2012) war für die vier Jungs von Shoreline Is noch reichlich Luft nach oben, zumindest in den Ohren der Plattenrichter. Gleich drei Mal zückten sie das Täfelchen mit der Wertung "6 Punkte". Das nennt man wohl ein einstimmiges Urteil. 
    Jannick Frömming (Gesang, Keyboard), Julan Prott (Gitarre), Stefan Dierkes (Bass) und Sven Riehle (Schlagzeug) ließen sich davon jedoch nicht abbringen und zerrten nun die 9 Titel ihres zweiten Albums erneut vor Gericht.

    Zu gänzlich neuen Ufern sind Shoreline Is mit "Watch It All Go" nicht aufgebrochen, erneut schippern sie zwischen Shoegaze und Dreampop herum, jedoch ist die See ein wenig rauer geworden, treffen die Wellen in höherer Frequenz und Amplitude aufs Gestade. Songs wie "Eighteen" und "Watch It All Go" brandend tosend gegen meinen "zu verhuscht"-Kommentar, der nur noch für "Interlude" zutreffend ist, und Volkers "zu wenig catchy" dürfte nach "The Lay" und "A Place To" auch weggespült sein.

    Während "Deal Kindly" auch noch in physischer Form (als CD und Kassette) erhältlich ist, kann man das stärkere  "Watch It All Go" aktuell hier nur digital für 6€ erwerben. 


    Drenched in chiming guitars, soft synths and wonderful vocals, the ravishing melodies of the 9-track album seem to get better and better with every hearing and make for an album that is easy to repeat and hard to 'hear' it go. 
    (frompop2pop)




    Verträumte Gitarren mit dezenter elektronischer Untermalung. Kurz: Watch It All Go macht Spaß.
    (HEY)




    “Watch It All Go” begins ripe with soft ambient synths, will initially throw you off before the song settles into a nice indie pop groove. Guitars chime, basses hop around root notes, and the drums keep it nice and simple. It’s all indie by the books, but done extremely well. More importantly, it’s done with a passion – you can hear the instrumentation leap out and demand both your attention and your dance shoes.
    (Euphoria)




  • 10 Schallplatten, die uns gut durch den November bringen

    10 Schallplatten, die uns gut durch den November bringen


























    10. Underworld – Second Toughest In The Infants (20.11.15)















    9. Club 8 – Pleasure (20.11.15)















    8. Ride – Nowhere (06.11.15)















    7. Hurricane #1 – Find What You Love And Let It Kill You (20.11.15)















    6. The Album Leaf – In A Safe Place (White Vinyl) (13.11.15)















    5. Eels – The Complete Dreamworks Albums (Limited 8-LP Box) (30.10.15)












    4. Goldfrapp – Felt Mountain (White Vinyl) (13.11.15)















    3. Kent – Hagnesta Hill (20.11.15)






    2. Anna von Hausswolff – The Miraculous (2LP)  (13.11.15)















    1. Kent – Isola (20.11.15)














  • Meat Wave - Delusion moon

    Meat Wave - Delusion moon






















    Ab und zu ist es mal wieder Zeit für schrille Gitarren und punkigen Gesang. Und mehr als einen Durchgang kann mich so etwas fesseln, wenn der Gesang nicht zu nervig ist und etwas Alternative Rock mitschwingt. Recht gut vereint all das “Delusion moon” der Chicagoer Band Meat Wave.

    Ein Jahr zuvor gegründet veröffentlichte das Trio 2012 ihr selbstbetiteltes Debüt. Nun folgte der zweite Longplayer. Dieser lebt von der Mischung der punkigen Titel (meist an der Spieldauer von ca. 2 Minuten zu erkennen) und den etwas ausgefeilteren Noise/Alternative Songs. Nicht wirklich differenziert aber doch merklich definierter als pure Punkplatten richtet sich Meat Wave eine kleine aber feine Nische ein.  Den Vergleich mit Shellac und The Jesus Lizard der Pressemitteilung kann ich unterschreiben. Auch an Refused und Metz wurde ich an einigen Stellen erinnert. 

    Meine Empfehlungen sind “Network”, “Sunlight”, “Witchcraft” und “Sinkhole”.


    Delusion Moon is dark and cynical. It's full of disaster and it offers no comfort or conclusion. But for it's forty minute duration, Meat Wave's second record is one of the most engaging you're likely to find this year.

    Das Video zu “Sham king”:

    Das zum Titelsong:

    Delusion Moon von Meat Wave auf tape.tv.

    Und das zu “Cosmic zoo”:

    Cosmic Zoo von Meat Wave auf tape.tv.
  • The Dears - Times Infinity Volume One

    The Dears - Times Infinity Volume One
























    Nachdem wir vier Jahre lang nichts von The Dears gehört hatten und es bereits Spekulationen über ein stilles Ende der kanadischen Band gegeben hatte, veröffentliche das Quintett um Murray Lightburn und Natalia Yanchak vor einigen Tagen sein sechstes Studioalbum "Times Infinity Volume One". Und wenn sich diesmal die Gerüchte bewahrheiten, so folgt der zweite Teil im nächsten Jahr. 
    Nur schwer vorstellbar, wenn man Titel wie "We Lost Everything" und "Here's The Death Of All The Romance" betrachtet oder die im letzten Song mantra-artig wiederholte Textzeile "In The End We'll All Die Alone" hört, dass es sich bei Volume One um den positiveren der beiden Teile handeln soll.

    The Dears spielen wieder einmal eine Mischung aus vertracktem Alternative Rock und melodramatischem Kammerpop,  dem man endlichen den großen Durchbruch wünschen würde. Wenn Murray Lightburn, dessen Stimme einen wieder häufig an Damon Albarn denken lässt (und unausweichlich zur Frage führt, warum "The Magic Whip" nicht so gute Songs aufweist wie diese Platte), auf der rockigen Single "I Used To Pray For The Heavens To Fall" fragt "Whose Side Are You On?", dann möchte man bereits beim zweiten Titel des Albums "Auf Eurer!" ausrufen.




    On Times Infinity Volume One, the Dears' songs vary in terms of depth and intricacy, but each is a fully realized narrative, layered with wild intricacy. Murray Lightburn's guitar lines bloom in measured expanses and unspool in frenzied bursts; Natalia Yanchak's fingers dance across the keys like stones skipping across a pond; lyrics burst with secret revelations and wry truths.    
    Not every track is trying to shatter salt-lick hearts. There's a delectable, macabre humour about love at work throughout, particularly on the lead single, "Here's to the Death of All Romance," and the jangly, album-closing crooner "Face of Horrors." A funky lilt belies the tension of Lightburn and Yanchak's blended vocals on the taut "We Lost Everything."   
    "To Hold and Have" features Lightburn at his most vocally restrained, and everything about the instrumentation works. The swell of the strings, the dreamy guitar line — all of it adds a sorrowful warmth to the fraught, tragic romance of lines like, "This life that we fought so hard for / Well, I want more to hold and have." Like your new favourite anthology of short stories — think Alice Munro meets Edgar Allen Poe — Times Infinity Volume One is a magnificent testament to the human heart in all of its complexity.
    (exclaim)




    It opens with the rattling urgency of “We Lost Everything”, with a clanging guitar part that shatters restlessly over the skittery rhythm. “I Used to Pray for the Heavens to Fall” sounds like a more traditional Dears song, heavy on the melodrama and with a powerful vocal by Murray Lightburn. It’s shifting dynamics from theatrical rock to jittery funk/pop is an interesting musical contrast. “To Have and To Hold” features a lovely string arrangement over the dramatic lovelorn imagery.
    “You Can’t Get Born Again” is one of the best tracks, thanks to a chilly keyboard and a new wave vibe over a loping beat. It does fade away rather suddenly, though, as if it runs out of steam. “Here’s to the Death of All the Romance” harkens back to their classic track “22 and the Death of All Romance” from their brilliant 2003 album No Cities Left. It doesn’t quite have the same profound sense of drama, and it fades away a bit too quickly; it’s here and gone before it really makes much of an impact. “Someday All This Will Be Yours” is an acoustic-based number with one of Lightburn’s strongest vocals on the album. By and large, though, he’s more remote than on past Dears albums. He’s a powerhouse vocalist, and while that strength comes through at times, the moments are fleeting. There’s nothing like the yearning brilliance of “Meltdown in A Major” from the band’s stunning 2008 album Missiles. Times Infinity Volume One feels more detached overall, less piercingly direct and emotional.
    (PopMatters)




  • Georgia - Georgia

    Georgia - Georgia






















    Der Ausdruck “Schmelztiegel” wird sehr häufig im Zusammenhang mit London genannt. Und ich muss ihn gebrauchen, um Georgia Barnes’ Musik zu beschreiben: Sie ist die Tochter des Leftfield Gründers Neil Barnes. Als Kind wurde ihr ein kleines Schlagzeug geschenkt und offenbar war das ein wichtiger und willkommener Impuls. Später studierte sie Musik an der Londoner School of Oriental and African Studies. Während des Studiums jobbte sie im Rough Trade Laden und lernte auf diese Weise zahlreiche Musiker kennen. So durfte sie u. a. mit Kwes und Kate Tempest musizieren. Bis dahin agierte sie weitgehend hinter ihrem Drumkit.

    2014 wagte sie sich mit der EP “Come in” aus der Deckung und nun erschien der selbstbetitelte Debüt-Lonplayer “Georgia”. Die Musik darauf erschuf Georgia komplett im Alleingang und sie klingt so, wie man es von einer in einem musikalischen und kulturellen Schmelztiegel aufgewachsenen jungen Frau erwarten darf. Da wird auch mal pakistanische Musik zitiert, welche sie während einer nächtlichen Taxifahrt aufschnappte. Als Teenager wurde sie u. a. von Missy Elliotts “Get ur freak on” gepackt. Als prägendere aktuelle Einflüsse würde ich M.I.A., Kate Tempest und The Knife/Fever Ray nennen. 

    “Grime Pop” wird das von einigen Schreibern in England genannt. Und in der Tat schafft es Georgia, eine sehr zugängliche Variante dieser Mischung aus Electro, UK Garage und Hip Hop zu generieren. Vor allem die Songs “Kombine”, “Nothing solutions”, “Move systems” und “GMTL” sind in meinen Ohren echte Hits. Bei der Stimme und den Ideen sollten alle Freunde aktueller britischer Musik froh sein, dass Georgia Barnes nicht hinter dem Schlagzeug versauert.

    The Guardian bemüht gar einen Vergleich mit Kate Bush:
    With nods to hyperactive producers such as Rustie, it’s a collision of pop, grime and electronica that shows off MIA-esque magpie tendencies: Kombine, for instance, samples a Qawwali cassette tape she was given by a cab driver. At times the sonic chaos can feel a little overwhelming. But Heart Wrecking Animals – inspired, she says, after going to see a Oneohtrix Point Never show – shows off her versatility, a subtle, spacious love song with a dipping melody that packs the emotional punch of Kate Bush at her peak.

    Auch auf der Nachbarinsel wird Georgias Musik verstanden. The Irish Times:
    This debut album is gorgeous, full of smart, punky, edgy and very modern pop songs and sounds, with a big emphasis on crafting magnetic, percussive highs.

    “Move systems”:

    Georgia - Move Systems from Dan Stafford-Clark on Vimeo.
    “Kombine”:
  • Chvrches - Every Open Eye

    Chvrches - Every Open Eye

























    10 Fakten zum neuen Album von Chvrches:

    1. Zwei Jahre, fast auf den Tag genau, nach "The Bones Of What You Believe" veröffentlichten Lauren Mayberry, Iain Cook und Martin Doherty ihr zweites Album namens "Every Open Eye".

    2. In allen wichtigen Charts schnitt das zweite Album von Chvrches noch besser ab als das Debüt: Platz 4 (statt 9) im Vereinigten Königreich, Platz 8 (statt 12) in den USA, Platz 20 (statt 22) in Deutschland. In ihrer schottischen Heimat erreichten sie erstmals Rang 1 (statt 5) der Hitlisten. 

    3. Bei Metacritic stellt sich dies ein wenig anders dar: "The Bones Of What You Believe" kam auf einen Metascore von 80/100, "Every Open Eye" schneidet mit 77/100 etwas schwächer ab:

    The record feels like the kind a band releases just before it takes off. If Every Open Eyes turns out to be Chvrches’ breakthrough album, no one should be surprised. (The A.V. Club)
    CHVRCHES are a still a terrific alternative to the barrage of mind-numbing EDM and soulless euro trash of acts such as Icona Pop that permeate our airwaves and devour advertisements. Another heavenly and peerless collection from the Glaswegian synth-poppers. (Clash Music)
    Every Open Eye most likely won’t be the mainstream crossover CHVRCHES have the capacity for, but it does get them that much closer. (PopMatters)
    Every Open Eye is the sound of a band moving steadily forward, while keeping one foot grounded in the origin of their success. No, it isn't any gargantuan leap, but it is a collection of expertly constructed luminous and shimmering pop tracks, honed with care and delivered with clarity. (Under The Radar)
    A record like a deep gulp of cold air on a clear, bright morning after. (NME)


    4. Chvrches produzierten "Every Open Eye" selbst, holten sich aber fürs Mastern und Mixen mit Bob Ludwig und Mark "Spike" Stent prominente und erfahrene Unterstützung ins Studio. "High Enough To Carry You Over" ist der einzige Song, der nicht von Lauren Mayberry gesungen wird, statt ihr übernimmt Martin Doherty das Mikrofon. 

    5. Sechs Wochen nach der Tournee zu "The Bones Of What You Believe" begannen Chvrches in Iain Cooks Studio mit den Aufnahmen für ihr neues Album. Aus 30 Demos wurden 21 Songs ausgewählt und aufgenommen. 

    6. Die reguläre Version von "Every Open Eye" beinhaltet nun 11 Titel, die 42 Minuten laufen. Fans können über die diversen Versionen noch die Titel "Get Away", "Follow You", "Bow Down" und "Up In Arms" erwerben. Zudem lässt sich "Leave A Trace" als Remix von Four Tet und als Live-Version (wie auch "Clearest Blue") vom Pitchfork Music Festival finden.

    7. Nicht auf dem Album enthalten sind 3 Songs, die bereits im letzten Jahr veröffentlicht wurden: "Dead Air" (auf dem Soundtrack zu "The Hunger Games: Mockingjay, Part 1"), sowie die Coverversionen "Bela Lugosi's Dead" (im Original von Bauhaus; auf dem Soundtrack zu "Vampire Academy") und "Do I Wanna Know?" (von Arctic Monkeys; auf dem Sampler "Triple J - Like A Version 10").




    8. Der erste neue Song war Anfang des Jahres "Get Away", der auf Platz 52 in England und Rang 24 in Schottland charten konnte.

    9. Am 15. Juli präsentierte das Trio live drei weitere neue Songs ("Clearest Blue", "Leave a Trace" und "Make Them Gold"), zwei Tage später wurde "Leave A trace" als Single veröffentlicht, sowie das Album (mit VÖ-Termin, Trackliste, Cover) angekündigt. "Never Ending Circles" und "Clearest Blue" wurde anschließend ebenfalls als Singles ausgewählt.




    10. Chvrches halten auf ihrer Tournee auch für ein Konzert in Deutschland, und zwar am 12.11.15 im Hamburger Docks. 


    Bei Chvrches gehen Indie und Dance-Pop zusammen, das ist in dieser Selbstverständlichkeit außer gewöhnlich. Wie gut das klingen kann, zeigt der neue Song „Keep You On My Side“, vom Sound zunächst purer Pop, bis im Refrain die Drummaschinen das Tempo hochdrehen. „Clearest Blue“ wird auf dem Höhepunkt zum Stampfer, diese Rockdynamik ist neu. Und für „Make Them Gold“ würden Coldplay viel Geld ausgeben. Doch die Kohle brauchen Chvr ches gar nicht, in Stadien spielen sie selbst längst, zuletzt bei der Eröffnung der Commonwealth Games in ihrer Heimatstadt. So schön das alles ist: Am Ende des Albums ist man ein wenig ermüdet von den ganzen klugen Synthies und hypereingängigen Melodien. EVERY OPEN EYE? Aufpassen, dass sich nicht irgend wann eines schließt!
    (musikexpress)


  • Dave Gahan & Soulsavers - Angels & Ghosts

    Dave Gahan & Soulsavers - Angels & Ghosts
























    Das Ungewöhnlichste an diesem Album ist, dass die beiden Soulsavers, also Rich Martin und Ian Glover, erstmals bei einer Veröffentlichung den Namen ihres ausführenden Leadsängers mit aufs Plattencover nehmen. Das war zuvor bei "It's Not How Far You Fall, It's the Way You Land" (2007) und "Broken" (2009), die beide in Zusammenarbeit mit Mark Lanegan entstanden, und bei "The Light The Dead See" (2012), der ersten Kooperation mit Dave Gahan, noch nicht der Fall gewesen. Gahan wird im aktuellen Fall sogar an erster Stelle genannt, durch einen größeren Schriftgrad hervorgehoben und ist auf dem Plattencover präsent - ob damit die mediale Aufmerksamkeit etwas angehoben und die Verkaufszahlen von "Angels & Ghosts" ein wenig angeschoben werden sollen?

    Ungewöhnlich ist auch, dass Dave Gahan & Soulsavers gemeinsam einige Konzerte mit einer zehnköpfigen Begleitband bestreiten werden, so dass die Schwarzmarktpreise für die raren Tickets bereits ordentliche Höhen erklommen haben. Insgesamt gibt es weltweit nur sechs Mal die Gelegenheit, dieses Projekt live zu sehen: 
    19.10.2015 Los Angeles, The Theatre at Ace Hotel
    22.10.2015 New York, Town Hall
    26.10.2015 London, Shepherds Bush Empire
    30.10.2015 Berlin, Tempodrom
    02.11.2015 Paris, La Cigale
    04.11.2015 Mailand, Fabrique

    Nicht so ungewöhnlich ist das, was wir auf den 9 Songs, unter denen diesmal auch keine Instrumentals zu finden sind, in 39 düsteren Minuten zu hören bekommen: die bekannte Mischung aus staubigem Alternative Rock, Blues und Gospel (mit häufigem Chorgesang). Die Streicher fallen, trotz des cineastischen "One Thing", der Ballade "Lately" und dem bombastischen Schlussakkord "My Sun", weniger ins Gewicht als zuvor, dafür lässt sich eine etwas härtere, rohere Gangart, wie bei "Tempted", der Single "All Of This And Nothing" oder "Don't Cry", vernehmen. Dave Gahan, der die Songs gemeinsam mit Rich Martin komponierte, ist stimmlich präsenter und weiter in den Mittelpunkt gerückt als bei "The Light The Dead See", insofern ist es, Verkaufszahlen hin, mediale Aufmerksamkeit her, nur konsequent, ihn auch als ausführenden Künstler zu nennen.




    Angels & Ghosts is nothing like a Depeche Mode album in terms of atmosphere, with a dusty, sparse desert-rock sound that couldn't be less electronic. Earthiness is the gambit instead, with Gahan humming in the opening few seconds as if he's a weathered old bluesman readying his throat for an exorcism. "Shine" sets the template from the start: gritty guitar riffs, loping rhythms and a spirit that glows ("There's light here, and it shines on you") through even the darkest moods. "You Owe Me" moves even more slowly, with Gahan sounding a bit like the ghost of Jim Morrison in a trippy, menacing cantina before "Tempted" fills out around a snaky guitar part and vocal harmonizing that evokes younger guns like Sharon Van Etten and Midlake.
    Most of the album revolves around a formidable mix of electric guitar and electric piano, with gospel-inspired backing vocals summoning a sense of scale that swells. "Don't Cry" calls on all the elements at a forlorn speed that allows each of the pieces to make for maximum rock drama.
    There's plenty of space for Gahan to haunt with words that tip toward both loss and salvation. In "All Of This And Nothing," after equating himself with the dirt, the sun, a river and a storm, he sings, "I'm all of this and nothing" as if the chance to voice such a realization makes up for the ambiguity within it. In "One Thing," he's on to singing about "life on Mars" with a spirited sense of communion. But Earth, with all its grit and grief and grace, seems to be where he remains most at home.
    (NPR)


    Gahan said ideas for the second album had been brewing since the first was finished, but that Depeche Mode’s touring schedule kept them from fleshing them out. “I was skeptical at first because I wasn’t sure I had any good ideas at all,” Gahan told Pitchfork of going back to writing after the world tour. “You feel like that sometimes after a tour; it’s a depleted feeling like you just don’t have anything good to do anymore. You put out all that energy and the adrenaline’s flying and suddenly you’re back home with the wife and kids and you have to go get the groceries, a lot of changes.”
    He added that writing Angels & Ghosts didn’t come with the weight of a Depeche Mode album. “It was a record that was made not under pressure. For example, when I’m making a record with [Depeche Mode], there are expectations that you put upon yourself before you even get started. But this was really free of that completely…”
    The result is a nine-track effort that feels somehow sparser and more expansive than a Depeche Mode record. There’s a definite lack of the electronic atmosphere the iconic band is known for, but it’s been replaced with a grand scale of space in which Gahan is backed with neo-gospel vocals and dusty horns.
    (Consequence Of Sound)

  • Federal Lights - Coeur De Lion

    Federal Lights - Coeur De Lion
























    Dem kanadischen Quintett Federal Lights gelingt es einerseits leider nicht, noch einmal einen solchen Über-Song wie "I See Love" zu präsentieren, andererseits erweist sich "Coeur De Lion" im direkten Vergleich mit dem Debüt "We Were Found In Fog" als das insgesamt stärkere Album.

    Erneut überzeugt der schöne Harmoniegesang des Ehepaars Jean-Guy und Jodi Roy, auch wenn bei "Into The Ground" das hintergründige, einprägsame "Ooooh-oh-ooh" sich mehr als nur dezent an Thees Uhlmanns "Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf" orientiert. Darüber hinaus ist die zwischen Americana,  Folkpop und -rock angesiedelte Musik von Federal Lights spannender und abwechslungsreicher arrangiert: "Dark Of The Night" startet zunächst als sinistre Piano-Ballade, um zwischenzeitlich, unterstützt von Schlagzeug und Gitarre, merklich anzuschwellen. Ähnlich eindringlich steigert sich das folgende "Then Came The Night", das mit einem tanzbaren Beat unterlegt ist und am Ende an Arcade Fire denken lässt. Nick Caves "Abattoir Blues" kommt einem beim sich langsam dahin schleppenden "Ctrl.Alt.Delete" in den Sinn. Während sich "Amelia" auf akustische Gitarre, Piano und dezentes Schlagwerk beschränkt, dürfen andernorts zusätzlich Glockenspiel, Bläser, Handclaps oder Steel-Guitar erklingen. 
       
    Um so ärgerlicher, dass ich Federal Lights auf ihrer gemeinsamen Tournee mit dem gestern vorgestellten JP Hoe vor einigen Wochen verpasst habe. 

    Bei "We Were Found In Fog" kamen von mir 7 Punkte, "Coeur De Lion" wird besser abschneiden. 
    Bei "We Were Found In Fog" war ich der einzige Richter, der ein Urteil sprach, "Coeur De Lion" sollte doch bitte mehr Hörer finden!
    Bei "We Were Found In Fog" mussten Vinyl-Freunde noch traurig auf den leeren Plattenteller schauen, "Coeur De Lion" wird auch als LP erhältlich sein.




    Die Folk-/Indie-Pop-Combo sehnt sich dabei gar nicht mal permanent nach Romantik und der großen Liebe, sondern wirft gern auch einen genauen Blick auf die Realitäten des Alltags, in dem sie ebenfalls viel Schönes zu entdecken weiß. In diesem Sinne startet dann auch der Silberling mit dem entspannten „Into The Ground“ das mit Glockenspiel und Gebläse eine ganz besondere Stimmung aufbaut, nachdem „The Ghost (Rises)“ den Reigen mit einer kleinen Melodie eröffnet hat. Ab diesem Moment haben FEDERAL LIGHTS ihre Hörer dann auch bereits gefangen genommen und ermuntern mit dem federleichten „You & I“ zu Clap Hands, nickenden Köpfen und wippenden Füßen, um wenig später mit der Piano-Nummer „Dark of The Night“ leisere, dunklere Töne von enormen Dringlichkeit anzuschlagen. Währenddessen entführt das zarte „Then Came The Light“ auf den Indie-Dancefloor und geht „Amelia“ reduziert auf Akustikgitarre und  mehrstimmige Vocals zu Herzen, bevor der Titeltrack „Coeur de Lion“ zum folkigen Emotions-Rundumschlag ausholt und die Aufforderung „Lie To Me“ in perlende, rhythmusbetonte Indie-Tonfolgen verpackt wird. Ein großartiger Song und ganz klar mein Favorit! In scheppernder Slow Motion folgt derweil „Ctrl.Alt.Delete“ – mitsamt Slide-Guitar ein echter Gänsehaut-Garant und in meinem persönlichen Ranking ebenfalls ganz weit oben angesiedelt. „This Town“ nimmt wenig später wieder fröhlich Geschwindigkeit auf und wenn „The Ghost (Moves)“ sein kurzes instrumentales Piano-Intermezzo vollendet hat, erwartet den Hörer mit dem finalen „Parachutes“ noch ein echtes Gefühls-Schmankerl.
    (Terrorverlag)



  • JP Hoe - Hideaway

    JP Hoe - Hideaway
























    Billy Joel, bist du es? Nein, denn dafür ließe der "Piano Man" sein angestammtes Instrument viel zu selten erklingen ("I Need You", "That Word"). "Run Away From Me" und "We Try" schicken uns in Richtung der Turin Brakes, aber auch das ist wohl eine Sackgasse. 
    Rufus Wainwright vielleicht? Schließlich sind die Songs mit Streichern und anderem orchestralen Instrumenten gespickt. Wohl auch nicht, da der Gesang nicht nasal genug ist und die 10 Songs dem Popformat, das in den letzten vier Jahrzehnten problemlos die internationalen Radiowelten dominierte, viel zu nahe stehen. Dorthin gehören Songs wie "Beautiful Crazy", "Danger" oder "The Word" definitiv, damit sich Menschen, die sonst niemals über "Hideaway" gestolpert wären, den Namen des Sängers notieren und im nächsten Plattenladen nach ihm fragen oder ihn zur Not eben bei iTunes eingeben.

    JP Hoe heißt der aus Winnipeg stammende Singer/Songwriter, der mit "The Dear John Letters" (2008) und "Mannequin" (2012) bereits zwei Alben veröffentlichte und bereits sechs Nominierungen für den Western Canadian Music Award einheimste. Für "Hideaway" hat er sich fürs Produzieren, Mastern und Komponieren mit Dana Matyas (Imaginary Cities), João Carvalho (City & Colour, Serena Ryder, Sloan) bzw. Andy Stochanksy tatkräftige Unterstützung ins Boot geholt, das nun in Richtung zeitloser Erwachsenen-Pop/Rock segelt, ohne dabei in Untiefen zu geraten. 

    Sein diese Woche erscheinendes Album hat JP Hoe bereits im letzten Monat live in Deutschland auf einer gemeinsamen Tournee mit Federal Lights präsentiert, und ich ärgere mich ein wenig, die Konzerttermine übersehen zu haben. Dafür wird aber morgen die Vorstellung der neue Platte von Federal Lights nachgereicht...


    “Hideaway” opens with his single “Beautifully Crazy” the track is smooth and almost majestic. The whole thing just reminds me of something you would hear from the great U2. The lyrics describe people society deems crazy, but finding the beauty in that instead of trying to save them. This one really stood out to me and I found myself listening to it on repeat. Without giving you a full run down of every track and what makes it amazing (because trust me I totally could) the next one that really stood out to me was “That Word”.  This song is just incredibly well written with brilliant lyrics and a catchy chorus. It quickly became one of my favourites. This whole album is a stunning piece of work that showcases not only JP’s strong and very complex vocal abilities, but his distinctive song writing skills. It’s no wonder people are taking notice.
    “Hideaway” is full of extremely powerful tracks that will be an excellent addition to any music lovers playlist. I highly recommend it to anyone that really enjoys music to get lost in and lyrics with substance. 
    (Canadianbeats)




    If anything can be said about Hideaway, it is that – musically, at the very least – it connects emotionally with an audience. There are plenty of tearjerkers, particularly “I Need You” and “That Word”, but there’s a resonate feeling of hope that permeates the record. These are bright and sunny songs for the most part, song that are guaranteed to put a smile on your face and a spring in your step. True, nothing on Hideaway sounds remarkably startling in terms of sheer innovation, but Hoe has done right in capturing the feel of a long gone decade, and referencing other artists – there’s a slide guitar in “My Silhouette” that feels ripped from the George Harrison songbook – without sounding merely imitative. With this album, JP Hoe makes the case that he is an artist that is unique and somewhat original, one that transcends decades of songcraft. As much as these songs might have done well in the ‘70s, they do equally well in 2015. Part of that is the production – polished and polished to a glistening lustre. However, as much as these songs are smooth, they do not feel insincere or merely pap for the masses. There’s a depth in the musicianship, and all of these songs are undeniably catchy in their own right. I would be hard pressed to name a dud on this record, and, if today’s commercial radio landscape doesn’t mind an artist such as Hoe, I would imagine that these songs would do well if given the chance and audience. JP Hoe is an artist with nothing to hide, his emotions being laid bare. These songs stand up and showcase an artist who can leapfrog over pop genres, and those who love perfect pop are going to have a lot to dig into here.
    (zachary houle)


  • Cinerama - Valentina

    Cinerama - Valentina

























    "All bands make records differently," sagt David Gedge in der Einleitung seines Buches "Valentina - The Story Of A Wedding Present Album" und da es ein lange gehegter Traum war, ein Album seiner einen Band im Stile seiner anderen Band neu aufzunehmen, erschien dieses Jahr die Cinerama-Version von "Valentina". Nur mit der zeitgleichen Veröffentlichung beider Fassungen hat es nicht funktioniert, da die aufwendigen neuen Arrangements, für die sich Gedge die Hilfe des Spaniers Pedro Vigil einholte, Zeit benötigten. Viel Zeit, denn zwischen beiden Veröffentlichungen liegen 38 Monate.

    Vom Gitarrenlärm ist auf dieser "Valentina" nichts zu hören, dafür erklingen säuselnder weiblicher Gesang, schwelgende Streicher, Klaviergeklimper, Orgelläufer, Bläser, Banjo und recht schnell beginnt man zu verstehen, warum die Umsetzung von Gedges Idee so lange dauerte. "You Jane" steht nun dem Swing nahe, "Back A Bit... Stop" scheint auf die großen Bühnen von Las Vegas zu gehören und auf Tom Jones zu warten, "The Girl From The DDR" ist purer Bacharach & David-Schmachtpop und danach werden auch noch Abstecher in Richtung Jazz, Soul und Bossanova unternommen. 
    Mit The Wedding Present hat das alles nicht viel zu tun, insofern könnte man David Gedge durchaus zu seinem Coup gratulieren, jedoch erreicht "Valentina" leider irgendwie nicht die Klasse der anderen Cinerama-Alben oder -Compilations. 

    Hier einmal der Direktvergleich von "Mystery Date", zuerst von The Wedding Present, dann von Cinerama:






    On the original album, The Girl From The DDR was a slightly cloying mid-tempo number, but here it finds its true vocation as a sweeping, string-laden number that wouldn’t have sounded out of place on the last Dexys record. Back A Bit… Stop – a frenetic banger on the 2012 album – is transformed into suave disco-lite. On The Wedding Present’s album, Mystery Date was a noisy, guitar-crunching epic; Cinerama’s take is a pared-down piano ballad.
    Taken as a whole, though, Cinerama’s Valentina is the inferior work. The Wedding Present might be the Greenwich Mean Time of indie rock bands – dependable, unchanging – but they’ve always been adept at avoiding musical stagnation. On Valentina, The Wedding Present’s twitchy tempo changes and agitated guitars acted as the perfect backdrop to Gedge’s typically neurotic outpourings on love.
    (musicOMH)

  • Coheed And Cambria - The color before the sun

    Coheed And Cambria - The color before the sun






















    Coheed And Cambrias Ursprünge gehen zurück bis ins Jahr 1995. Seit 2002 veröffentlichte die Band unter diesem Namen Konzeptalben. Mastermind, Sänger und einziges ständiges Mitglied Claudio Sanchez verdingte sich parallel als Autor von Sci-Fi Comics und einer Novelle. Weitgehend ergänzten sich seine literarischen und musikalischen Werke. Das alles verschaffte Coheed And Cambria bei mir ein ziemlich abgehobenes und schwer greifbares Image. Nach Abschluss der “Amory Wars” Saga mit sieben Alben und 20 Comics erscheint mit “The color before the sun” nun das erste “normale” Album ohne Konzeptanspruch. Das alleine ist ja eigentlich schon wieder ein Konzept…

    Erstaunlich normal, ja fast gewöhnlich, ist dieser achte Studiolongplayer der Band aus Nyack, New York geraten. Die Progrock-Elemente der älteren Alben sind weitgehend verschwunden, statt dessen bietet Coheed And Cambria nun Emocore / Pop / Alternative und dazu passt Sanchez’ prägnante Stimme hervorragend. So schwer ich mich mit den Konzeptalben tat, so banal erscheint mir nun “The color before the sun”. Die Titel “Eraser” und “The audience” können mich jeweils mit ihren Gitarren packen, die weiteren Songs gingen bislang weitgehend teflonartig an mir vorüber.

    Whiskey-Soda.de:
    Es ist sehr ehrlich, sehr authentisch - auch wenn wohl viele Fans ihre geliebte Band nicht mehr wiedererkennen werden. "The Color Before The Sun" ist gemessen an früheren Alben verhältnismässig schlichter Alternative Rock. Mit echten Emotionen und wundervollen Melodien. 

    Das Video zu “You got spirit, kid”:

    Coheed and Cambria - You Got Spirit, Kid [Official Video] from Anthem Films on Vimeo.

    “Eraser”:
  • Saybia - No Sound From The Outside

    Saybia - No Sound From The Outside
























    In ihrer dänischen Heimat sind Saybia ein wesentlich größerer Name als Hierzulande: alle drei Alben (The Secnd You Sleep", 2002, "These Are The Days", 2004, und "Eyes On The Highway", 2007) erreichten Platz 1 der Charts. Auch in Norwegen, den Niederlanden und der Schweiz konnten sich alle Platten hoch in den Charts positionieren. 

    Betrachtet man aber die Veröffentlichungstermine, so erkennt man, dass es annähernd 8 Jahre still um Saybia wurde. Ein Grund dafür könnte sein, dass Camilla Jørgensen, die Lebensgefährtin von Sänger Søren Huss Ende 2007 bei einem Autounfall ums Leben kam und dieser daraufhin zunächst zwei Soloalben auf dänischer Sprache veröffentlichte ("Troen & ingen", 2010, "Oppefra og ned", 2012), die ebenfalls den ersten Platz seiner heimatlichen Hitlisten erreichten.   

    Nach der bandinternen Auszeit begannen Huss und der Bassist Jeppe Knudsen in wöchentlichen Treffen wieder mit dem gemeinsamen Komponieren, so dass Saybia Ende 2014 in Kopenhagen und Los Angeles mit leicht verändertem Lineup (Gitarrist Sebastian Sandstrom wurde durch Kasper Rasmussen ersetzt) mit den Aufnahmen starten konnten. Mittlerweile haben Saybia die elf neuen Songs unter dem Titel "No Sound From The Outside" veröffentlicht. Neben eher ruhigen, von Piano und akustischen Gitarren dominierten Songs wie "Black Hole", die erneut die Vergleiche zu Coldplay und Travis hervorrufen werden, experimentiert das Quintett auch dezent mit elektronischen Elementen ("No Sound From The Outside"), rückt a-ha klanglich auf die Pelle ("Hollow Is Your Promise") oder lässt den Bass wummern und zieht das Tempo an ("It's About Time" und im U2-artigen "It's Been Way Too Long").

    In Dänemark werden Saybia, zu denen noch Palle Sørensen (Schlagzeug) und Jess Jensen (Keyboards) gehören, sicherlich auch mit ihrem vierten Album Platz 1 der Charts erreichen - aber wie wird "No Sound From The Outside" bei Platten vor Gericht abschneiden? 


    Das erste Highlight ist der Titelsong „No Sound From The Outside“: Eine wunderschöne Ballade, die im Refrain Fahrt aufnimmt. „Black Hole“ direkt danach verdüstert die Stimmung aber sofort wieder.
    Der stärkste Song von Saybia – die ihren ursprünglichen Gitarristen Sebastian Sandström inzwischen gegen Kasper Rasmussen eingetauscht haben – versteckt sich in der Mitte: „It’s About Time“ ist ein energischer Popsong, der im Text sogar ganz Saybia-untypisch mit Ironie arbeitet.
    Die Vergleiche mit Coldplay und Travis, die noch immer im Raum schwirren, kann man getrost vergessen, denn Saybia hatten schon immer ihren ganz eigenen Stil. So auch, wenn sie nach mehreren Durchschnittssongs mit „I’m Still Waiting“ noch einen perfekten Schlusspunkt setzen.
    Mit „No Sound From The Outside“ kommen die fünf Dänen zwar nicht an ihre ersten beiden Ausnahme-Alben heran, aber das lange Warten hat sich dennoch gelohnt. Trotzdem darf es das nächste Mal gerne wieder etwas schneller gehen.
    (bleistiftrocker)




    Saybia knows how the capture the painful beauty in poignant lyrics and the colorful palette of sounds from No Sound from the Outside. At times the band leads back to the musical past, to continue thereafter in the rest of the guitars and the keyboard. The numbers in which the music has a more electric vibe are less powerful than the guitar driven songs. Huss has traded his high vocals for a fuller and warmer sound and knows how to put his voice down in full glory. Saybia takes a new future in which their adulthood drops a strong lyrically and production movement. 
    (platendraaier)




  • Farao - Till It's All Forgotten

    Farao - Till It's All Forgotten
























    Vor einigen Tagen führte ihre Europatournee die junge Norwegerin Kari Jahnsen, die sich als Künstlerin leicht irreführend Farao nennt, auch für drei Termine nach Deutschland, um ihr im September über Full Time Hobby erschienenes Debütalbum zu präsentieren. Da wollen wir natürlich die bisher unterlassene Vorstellung von "Till It's All Forgotten" noch nachtragen. 

    Aus einen kleinen norwegischen Dorf kommend, führte der Weg über London nach Island, wo große Teile des Albums gemeinsam mit Mike Lindsay (Tunng, Cheek Mountain Thief) aufgenommen wurde, nach Berlin, wo Kari Jahnsen aktuell residiert. Passend dazu werden vertrackte Großstadtbeats über atmosphärischen, schwermütigen Folktronic gelegt und mit einem bunt schillernden Allerlei aus Glockenspiel, Sitar, Orgel, Bläsern, elektronischen Spielereien und versetzten Stimmarrangements kombiniert. Eine spannende und ungewöhnliche Platte, die sich zwar nicht direkt erschließt, die hier aber auch nicht unberücksichtigt bleiben sollte.  


    Tatsächlich ist jeder Song auf Till It’s All Forgotten zum Reinlegen schön. Mal zackiger, mal entschleunigt, lässt das Album, aufgenommen im Frühling 2014 in Reykjavik, keine Längen aufkommen. „Bodies“ fesselt mit seinen Synthiklängen und aufgekratztem Beat, um dem weichen Gesang von Farao Raum zu schaffen. „Hunter“ hingegen zieht den Hörer in einen emotionalen Strudel aus selbstzerstörerischen Bedürfnissen und fehlender Empathie,  der zum Ende richtig Fahrt aufnimmt. In „Maze“ dominiert ein warmer und erdiger Sound, geschaffen durch einen stoischen Pianobeat, Bläser und widerhallenden Gesang. So ist Till It’s All Forgotten ein Gesamtkunstwerk, wie es versierter kaum sein könnte.
    (Popmonitor)




    Wer sich in seinem Unglück suhlen möchte, findet hier den passenden Soundtrack: Bodies beschäftigt sich laut Farao mit der unerfreulichen Situation, sich seinen schlechten Entscheidungen zu ergeben und bewusst dem falschen Weg zu folgen. In Warriors wird die Erschöpfung thematisiert, die einen ereilt, wenn man ständig kampfbereit sein möchte. Hunter ist ein etwas Angst einflößendes Liebeslied, das nicht nach Happy End klingt, so wie das ganze Album ohne optimistische Sequenzen auskommt. In den Texten geht es um das Gefühl von Unbehagen und die Gefahr, die Fassung zu verlieren. Sigur Rós und Radiohead kann man deutlich als Faraos musikalische Vorbilder erkennen. So wegweisend ist ihre Platte nicht, aber die Norwegerin ist auf einem guten Weg.
    (M945)




    Verdreht-brachiale Klanggebilde mit teils elektronischer Instrumentierung, die genauso gut von Warpaint oder aus dem Frühwerk von Patrick Wolf stammen könnten, formen den unsteten Teppich für Geschichten über Krieger, Jäger und Menschen, die nicht alt werden wollen. Jahnsen will mehr von allem: Davon berichtet sie nicht nur selbstbewusst in ihren Liedern, sie lebt dieses Verlangen auch aus.
    (Musikexpress)

  • Hurts - Surrender

    Hurts - Surrender
























    Ich gestehe: Der 80er-Jahre-Retro-Charme von "Happiness" sowie dessen starke Singles "Wonderful Life" und (das mir noch besser gefallende) "Better Than Love" konnten mich durchaus für Hurts begeistern. Der Pet Shop Boys-Look des Plattencovers schürte zudem die Hoffnung, dass es sich bei Theo Hutchcraft und Adam Anderson um ein Synth-Pop-Duo handeln könnte, an dem wir langfristig Freude haben könnten.

    Diese wurde mit dem Nachfolger "Exile" jedoch bereits getrübt.

    Nun steht das dritte Album in den Plattenläden und man muss einfach allen Käufern von "Surrender" gratulieren - zumindest denjenigen, die sich für die Standardversion entschieden haben, da diese nach gut 33 Minuten überstanden ist. "Schlimmer geht's immer" ist nämlich in diesem Fall gleichbedeutend mit "Deluxe Edition" und drei weiteren Songs, die die Leidenszeit auf eine Dreiviertelstunde ausweiten. Was einem beim Hören von "Surrender" bevorsteht, beschreibt der musikexpress recht treffend und wird noch einmal überhöht, wenn man der Kritik den Werbetext von Sony Music entgegensetzt:

    Sony: "Surrender" heißt ihr drittes Album, das erneut den Hurts-Spirit – diese anmutige Größe und stylische Breite – zelebriert, den die Band zu ihrem außergewöhnlichen Erfolg brachte. 
    Musikexpress: Vor fünf Jahren hegten einige Menschen durchaus den Gedanken, Theo Hutchcraft und Adam Anderson könnten der Popmusik etwas Erbauliches hinzufügen. Sie waren durch deren Debüt-Smasher „Wonderful Life“ wohl kurzzeitig benebelt. Und erinnern sich heute mit einem Gruseln daran. Denn Hurts sind inzwischen längst anerkannt als Dudel funk-Interpreten, die sich, grundiert im Synthesizer-Pop und allgemein in der Hitparadenmusik der Achtziger, im Prinzip mit allem bespielen lassen, was ihnen von Produzenten einprogrammiert wird.
    Sony: Hurts haben sich für "Some Kind Of Heaven" erneut mit ihrem langjährigen Kollaborateur Jonas Quant zusammengetan, um dieses glorreiche Stück Pop-Musik mit seinen erhabenen Vocals und dieser unglaublich ansteckenden Hook zu produzieren. Neben ihrer musikalischen Arbeit mit Quant steckten Hurts jetzt auch die Köpfe mit Grammy-Produzent Stuart Price (Madonna, The Killers, Take Thank) und Ariel Rechtshaid (Haim, Vampire Weekend) zusammen, um an dem Sound ihres heiß ersehnten, dritten Albums "Surrender" zu feilen.
    Musikexpress: Ihr aktueller Beraterstab mit Langzeit-Partner Jonas Quant, Stuart Price (Madonna, The Killers) und Ariel Rechtshaid (Haim, Vampire Weekend) hat sich auf ihrem dritten Album nun für eine leicht Dance-lasterige Version des Grundsounds entschieden. Also kommen zu Theos Drama in der Stimme und den auf- und abschwellenden Synthesizern noch ein paar Breaks mit akzentuierter Bassdrum zum Hände-in-die-Luft-Strecken – und dazu singt Hutchcraft mit Frauen im Chor wiederholt „Oh-ooh!“, weil man das aktuell so macht in den/für die Charts. Aber auch auf Hochzeitsmarsch-Tempo eingebremste Kitschsocken und Discofoxler mit Rest-TÜV kriegen hier frische Pürierkost in die Löffel. Schmatz, schmatz!





    They aim at big pop drama, at hooks and drops, at fist-in-the-air moments, and head-in-your-hands ballads. It’s a noble aim, and they’ve got there before, especially on their early singles, so it’s a shame that Surrender fails quite spectacularly. Never has such drama been so, so boring. Rarely has such sturm and drang felt so unremarkable. 
    (Drowned In Sound)




    'Surrender' begins with a stirring gospel-tinged intro and features some of the most euphoric pop songs Hutchcraft and Anderson have ever written. 'Nothing Will Be Bigger Than Us' is an EDM-flecked ode to togetherness, 'Kaleidoscope' gleefully pilfers the synth sounds from Fleetwood Mac's ’80s earworm 'Little Lies' and 'Some Kind Of Heaven' is a fist-pumping love song to rival The Killers. Though 'Why' features some pretty anguished lyrics ("If this is love, why does it hurt so bad?"), they're housed in a rousing chorus Coldplay would be proud of. 
    It’s not all swagger and bombast though. 'Wish', a relatively restrained piano ballad, and 'Lights', a slinky electro-funk nugget which sounds it like it belongs in an ’80s rom-com, prove Hurts can pull off subtle when they want to. But because gloomy electro-R&B tunes 'RollingStone' and 'Slow' are less entertaining in comparison, it's difficult to ignore their slightly iffy lyrics. "But all I can think when you take off your mink is it's over", Hutchcraft sings on the latter, sounding more sulky Peter Stringfellow than sophisticated modern pop star. Thankfully, these two misfires can’t spoil an album packed with skyscraping highlights.
    (NME)




    Hurts live:

    19.02.2016 Köln, Palladium
    21.02.2016 München, Kesselhaus
    22.02.2016 Zürich, Maag Halle
    26.02.2016 Wien, Gasometer
    15.03.2016 Berlin, Tempodrom
    16.03.2016 Wiesbaden, Schlachthof


  • Die 10 besten Alben von Prince

    10. Lovesexy (1988)
    9. Diamonds And Pearls (1991)
    8. 3121 (2006)
    7. 1999 (1982)
    6. The Gold Experience (1995)
    5. Dirty Mind (1980)
    4. Sign O' The Times (1987)
    3. Parade (1986)
    2. Purple Rain (1984)
    1. Around The World In A Day (1985)

    (ausgewählt von Volker)