Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

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Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Rasmus Kellerman - The 24th

    Rasmus Kellerman - The 24th

















    Jedes Mal, wenn ich ein Tiger Lou Album vorstelle, verweise ich auf den Sänger und Gründer der Band: Rasmus Kellerman.
    Nun kann ich den Spieß einmal herumdrehen: Rasmus Kellerman, um dessen erstes Soloalbum es sich hier drehen soll, ist der Sänger und kreative Kopf der schwedischen Rockband Tiger Lou.
    Dabei wurde der Begriff "Rockband" erst in den letzten Jahren so richtig passend und Kellerman stellte beim letzten Auftritt in Koblenz überrascht fest, dass er zum ersten Mal auf einem Tiger Lou Konzert Zuschauer beim Headbangen sehen konnte. Das gab ihm wohl zu denken und so verbannte er für "The 24th" nahezu alle elektrischen Gitarren aus dem Studio (mit Ausnahme des abschließenden "Now Hush") und kredenzt uns 11 getragene, größtenteils sparsam instrumentierte Akustiksongs. Bei "The Greatness & Me" gibt er uns den Springsteen oder stibitzt auf "Woodlands" einfach bei sich selbst ("Oh Horatio"), aber das darf er, der Herr Kellerman.

    Das Ergebnis dieser Bestandsaufnahme sind die elf Songs von Rasmus Kellermans erstem richtigen Solo-Album „The 24th“. Die vertrackten Strukturen und elektronischen Spielereien von Tiger Lou sucht man darauf vergebens, stattdessen findet man soliden Songwriterpop mit schönen Melodien und klugen, nachdenklichen Texten. Zwischen Kindheitserinnerungen und Zukunftsvisionen gelingt Rasmus Kellerman genau die richtige Balance zwischen eher minimalistischen Stücken („Five Years From Now“) und fast hymnischen Popsongs („Where Do You Go At Night“).

    „The 24th“ ist ohne Zweifel ein gelungenes, hörenswertes Album für die erste Zeit nach Tiger Lou. In Zukunft darf es dann aber gerne auch wieder etwas anspruchsvoller und herausfordernder sein.
    (roteraupe.de)


    Solo unterwegs, aber nicht in Koblenz:
    02.06.10 Berlin, Magnet
    03.06.10 Hamburg, Prinzenbar
    04.06.10 Köln, Studio 672
  • Angus & Julia Stone - Down The Way

    Angus & Julia Stone - Down The Way

















    Spricht man von den Stones, denkt man unwillkürlich an gealterte Rocker, die wieder und wieder auf ihre letzte Tour gehen und gelegentlich ein neues Album veröffentlichen, das von der Kritik bestenfalls mittelmäßig aufgefasst wird.
    Das könnte sich - zumindest in bestimmten, kleineren Kreisen - ändern, denn die Stones sind auch Angus und Julia, ein Geschwisterpaar aus Newport in der Nähe von Sydney. Beide teilen sich die Gesangsparts sowie das Komponieren und Produzieren der zumeist akustisch gehaltenen Folksongs. Im Mittelpunkt steht zumeist Julias Stimme, die hauchend wie Hope Sandoval oder kieksend wie Björk zu klingen vermag. Als Anspieltipps möchte ich das radiotaugliche "Big Jet Plane" nennen, bei dem Angus Stimme von Streichern umspielt wird.





    "Big Jet Plane" Video


    Ihr zweites Album "Down The Way" erhielt gute Besprechungen, auch wenn meistens zu lesen war, dass es die Qualität des Debüts "A Book Like This" (2008) nicht erreicht. Das mag vermutlich daran liegen, dass die Kanten zu sehr abgefeilt wurden und letztendlich zu viel entspannter Westcoast-Pop übrig geblieben ist.
    Das Album beinhaltet, bei einer Spielzeit von über einer Stunde, 14 Songs und ist auch in einer aufwendig gestalteten Special Editon im Hardbook Cover mit zusätzlicher CD erhältlich.

    “I’m Not Yours” ist ein sehr melancholischer Song, der ihrer Stimme in ähnlicher Weise schmeichelt. Das Eingangsstück des Albums “Hold On” beinhaltet ein Intro mit einem starken crescendo, das auflösend in den Song mündet. “Yellow Brick Road” hingegen ist der perfekte Soundtrack für eine abendliche Fahrt zum Strand, dessen langer Soloteil ein Genuss für den Hörer ist.
    Ähnlich lang ist das sechsminütige Stück “Draw Your Sword”, das ein bisschen an Travis erinnert. Außerdem lässt sich gelegentlich eine klangliche Ähnlichkeit zu Dear Reader feststellen.
    Eine wunderschöne Melodie und folgt dem so sanften Gitarrenintro in “The Devil’s Tears”, dass sich leicht ins Ohr setzt. Angus’ Stimme kommt aber auch in “Big Jet Plane” besonders zum Ausdruck, einem Song, der von dem Kontrast zwischen seinem raueren Gesang und dem verträumten Streicherarrangement lebt. Streicher finden sich auch im zuvor genannten “Walk It Off” wieder, indem sie allerdings die treibende, energiespendende Kraft sind, der man sich nicht entziehen kann.
    Dieses zweite Album erfüllt jegliche Erwartungen, die nach dem Erfolg der vorausgegangenen Veröffentlichungen gewachsen waren und ist in seiner Ganzheit zu genießen. Auch nach mehrmaligem Hören möchte man nach Ablauf der 13 Songs wieder von vorne beginnen.
    (mainstage.de)
  • MGMT - Congratulations

    MGMT - Congratulations

















    Neulich, als ich mich mit Florian kurz über das zweite Album von MGMT unterhielt, stellten wir fest, dass "Congratulations" hier auf keinen Fall fehlen dürfe (Veröffentlichung war bereits am 09.04.10), das aber alles, was es über das Album zu sagen gebe, bereits von Jan Wigger gesagt wurde:

    MGMT (haben) ein Album aufgenommen, das nach heutigen Maßstäben gar nicht existieren dürfte: voll von süchtig machendem weird Pop ("It's Working"), kosmischem Geflöte und Narreteien. Den Jingle-Jangle der frühen R.E.M. verbinden die New Yorker Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser mit der Zerschossenheit der Television Personalities ("Song For Dan Treacy") - und die Single "Flash Delirium" ist eine beglückend schwache Entschuldigung für einen Hit. "Congratulations" schließt an die haltbarere zweite Hälfte des Debüt-Albums "Oracular Spectacular" an, es hat nicht nur die traurigen Flausen von Syd Barrett und Julian Cope im Blut, sondern auch das Genie der Dukes Of Stratosphear und den barocken Cembalo-Pop von Michael Browns The Left Banke. In einem Interview erwähnten VanWyngarden und Goldwasser gar The Millennium, wohl im Vertrauen darauf, dass deren bahnbrechende Triple-LP-Compilation "Magic Time", die auch Stücke von Sagittarius, The Ballroom und Curt Boettcher versammelte, sowieso kein Mensch mehr kennt. Und ist das traumhafte, mit allen Vorzügen der Moody Blues ausgestattete "Siberian Breaks" wirklich zwölf Minuten lang? Grandios, ihr Knalltüten!
    (spiegel.de)





    "Flash Delirium" Live-Video


    Doch dann machte mich Florian auf eine Sache aufmerksam, die Wigger nicht erwähnt hatte und die auch sehr schön auf diesen Blog passen würde: Die Platte gibt es in einer limitierten Version mit "Scratch Off Cover", bei dem man mit einer mitgelieferten Münze einzelne Felder freirubbeln kann. Gewinne gibt es keine (das wäre doch auch einmal eine Idee: Rubbeln sie 3 Wildkatzen frei und gewinnen Sie ein MGMT-Konzert in ihrem Wohnzimmer!), aber trotzdem etwas zu entdecken. Wie das Ganze abläuft und letztendlich aussieht, kann man hier begutachten:





    MGMT in Deutschland - auch wenn man noch ein wenig warten muss:
    29.11.10 Düsseldorf, Stahlwerk
    30.11.10 Hamburg, Docks
    06.12.10 Berlin, Columbiahalle
    07.12.10 München, Tonhalle
  • Club 8 - The People's Record

    Club 8 - The People's Record

















    Schönes Retro-Cover, doch wenn man die Platte auflegt, fragt man sich unweigerlich: Ups, was ist denn da passiert? Denn auch die Musik klingt plötzlich als käme sie aus der ZDF Hitparade der 70er Jahre!
    Normalerweise kann ich den Indiepop von Karolina Komstedt und Johan Angergård jederzeit empfehlen, doch auf "The People's Record" experimentieren Club 8 mit Bongo-Rhythem, billigen Orgelsounds und Saxofon-Einschüben. Heraus kommen nerviges Easy Listening-Gedudel statt Twee, Calypso-Klänge und Samba-Rhythmen an Stelle von Electro-Pop.
    "The People's Record" - ich gehöre nicht zu den Leuten, für die diese Platte gedacht war.





    "Western Hospitality" Video

    tatsächlich zieht sich das thema "sambarhythmen" durch das gesamte immerhin schon siebte album des duos johan angergard und karolina komstedt und tatsächlich habe ich meine schwierigkeiten mit dieser ausrichtung der rhythmussektion. nicht weil mir eine verquickung mit klassichem indiepopsongwriting als unmöglich erschiene. aber basierend auf einer solchen idee des musikalisen brückenschlags ein ganzes album zu schreiben, scheint mir doch etwas einseitig. und so stellt es sich bei mehrmaligem hören denn auch genauso dar: hier wechseln sich licht und schatten ab, es gibt eine handvoll songs die gut gefallen. die grundlegende idee aber langweilt und nervt über die gesamte hörlänge und scheint einfach etwas überstrapaziert.
    und das ist tatsächlich schade, erinnern mich vereinzelte songs auf "the people's choice" - insbesondere durch die schöne stimme karolina komstedts - doch in ihren besten momenten an eine flotte moderne version von - der von mir sehr verehrten - astrud gilberto. es kommt dann vieles zusammen, sommerliche luftigkeit, melancholie, pop, südländisches temperament. vielleicht hätten club 8 einfach gut daran getan, diese höhepunkte in ein "konventionelles" indiepopalbum zu integrieren anstatt sie in einer art konzeptalbum zu verwässern?
    (revolver-club.de)
  • Villagers - Becoming A Jackal

    Villagers - Becoming A Jackal

















    Haldern-Pop (VI)

    Aus Malahide, in der Nähe von Dublin, stammt das Quintett rund um Frontmann Conor J. O'Brien. Die Irish Times platzierte die Villagers bereits im April 2009 auf Rang 6 der "50 Best Irish Acts Right Now" ("from what we’ve heard and seen live so far, Villagers generate the type of music (sparse, eerie, casually dishevelled, tangibly cool) that will spread beyond the confines of niche appreciation into a great blue yonder") und man muss sich fragen, wo sie denn derzeit, nachdem das Debütalbum "Becoming A jackal" über Domino Records erschienen ist, stehen würden.

    Conor J. O'brien sieht sich selbst in der Tradition von David Axelrod, Robert Wyatt und Rufus Wainwright, doch ließe sich diese Liste sicherlich auch gut um Conor Oberst oder Elliott Smith erweitern. "Becoming A Jackal" wird düster von "I Saw The Dead" so eröffnet, wie es Elbow nicht besser hinbekommen hätten. O'Brien schreitet weiter in Schwermut und Melancholie dahin, schreibt dabei aber herrliche Popmelodien ("That Day" oder "Set The Tigers Free", das zum Beispiel dem letzten Album der Kings Of Convenience gut zu Gesicht gestanden hätte) und bettet sie in ungewöhnliche und interessante Arrangements ("The Meaning Of The Ritual").





    "Becoming A Jackal" Video

    Dafür bietet nämlich bereits der Opener “I Saw The Dead” zu viel fesselnde Dramatik. Geigen ertönen, ein Piano gibt eine schnell gespielte Melodie wieder und Conor J. O’Brien sprechsingt vom Tod. Der Song nimmt Fahrt auf, eine E-Gitarre erschallt aus dem Dunkel und ein Chor verdichtet die Atmosphäre. Ein passender, wenn auch nicht repräsentativer Opener, der Augen und Ohren weit zu öffnen vermag, für das was da kommt. Mit dem Titel-Track kommt da ein folkig angehauchter Pop-Song, der leichtfüßig aufspielt und deutlich an den bereits erwähnten Sondre Lerche erinnert. Im folgenden perkussiv marschierenden “Ship Of Promises” wird hingegen wieder die Dramatik etwas hochgeschraubt. Der Song ist deutlich dunkler und lebt neben der dichten Instrumentierung vor allem von O’Brien’s leicht brüchiger, süßlich schmachtender Stimme. Zu den Orgelklängen von “The Meaning Of The Ritual” sorgt diese für eine wohlige Gänsehaut. Auch in den folgenden Stücken gibt es viel zu entdecken, seien es verspielte, sonnige Nummern, wie “The Pact (I’ll Be Your Fever)”, oder traurige, langsame Stücke, wie “Twenty Seven Strangers”. Eines muss man O’Brien hier besonders zu Gute halten, er schafft es perfekt die Spannung hoch zu halten und spart sich mit “Pieces” den größten Höhepunkt für den Endteil des Albums auf. Zu bittersüßen Geigen trägt er ein Klagelied vor, das sich im Refrain zu überwältigend schönen Chören steigert und spätestens dann einen Schauer über den Rücken laufen lässt, wenn gegen Ende die Schakale anfangen zu jaulen.
    (whitetapes.de)
  • Gil Scott-Heron - I’m new here

    Gil Scott-Heron - I’m new here

    cover

    So richtig neu ist Gil Scott-Heron nicht. 1970 veröffentlichte er sein Debütalbum. In den Folgejahren übte er durch den Einsatz seines Sprechgesanges einigen Einfluss auf die spätere Rap- und Hip Hop-Szenen aus. Dafür sollte man ihn nicht verdammen, seine Vorgaben haben sicher auch zu hörenswerten Ergebnissen geführt und nicht nur zu den Auswüchsen, mit denen man zeitweise in Charts, Radio, deutschem Unterschichten-TV oder Boulevard-Presse konfrontiert wird. Schon zu Beginn seiner Karriere hatte Scott-Heron etwas zu erzählen: Seine sozialkritischen Texte unterlegte er mit Blues und Jazz. Inzwischen hat er ein paar Jahrzehnte mehr auf dem Buckel. Konflikte mit dem Gesetz bezüglich seines Drogenkonsums brachten ihm in der jüngeren Vergangenheit auch Gefängniserfahrungen ein. Vermutlich hat er sich einige Songs seiner musikalischen “Enkel” angehört und so Lust auf den Knast bekommen. Auf jeden Fall hat Gil etwas zu erzählen.

    Bei “I’m new here” handelt es sich um das 13. Studioalbum des Amerikaners. Mit diesem schließt er an “Spirits” aus dem Jahr 1994 an. Zur Beschreibung seines Stils muss ich natürlich das “Spoken word”-Label ziehen. Ferner ändere ich für Scott-Heron “Singer/Songwriter” in “Poet/Songwriter” (wobei “Poet” vielleicht ein wenig zu hoch zielt, aber besser als “Singer” trifft es allemal). Musikalisch erinnert “I’m new here” erfreulich häufig an Trip Hop, während die Folk- und Soul-Momente sparsam eingestreut wurden.

    Obwohl auf dem Album mit allen Zutaten außer Worten sparsam umgegangen wird, handelt es sich um ein atmosphärisch äußerst dichtes Werk, welches mich weit über die knapp 30 Minuten Spieldauer mitriss. Alle “Bling-Bling”-, Ghetto- und Berlin-Größen sollten es sich anhören und sich dann vor Scharm hinter den brennenden Mülltonnen verkriechen. 

    Richard Russell (der Boss von XL Records) hat sich Scott-Herons angenommen und ihn noch zu Zeiten dessen Gefängnisaufenthaltes zu den Albumaufnahmen bewegt. Das hat er gut gemacht. Ich fühle mich an die Rick Rubin / Johnny Cash-Zusammenarbeit erinnert. Auch Pitchfork hofft auf eine Fortsetzung:

    Comparisons have been made to what Rick Rubin did for Johnny Cash in the 90s, and the parallels are there: I'm New Here and American Recordings are both cover-heavy, starkly-produced releases where rebellious icons become reflective as they hit their sixties. If Gil Scott-Heron's creative resurgence continues after this reintroduction to his poignantly aging voice, we could be looking at one of the most memorably resurrected careers of our time-- a man renewed.

    “Me and the devil”, “Running” und “New York is killing me” erscheinen mir aktuell als die Highlights des Albums.

    Das Video zu “Me and the devil”:

  • Stornoway - Beachcomber's Windowsill

    Stornoway - Beachcomber's Windowsill

















    Haldern-Pop (V)

    Stornoway liegt auf der Insel Lewis und ist mit ungefähr 8.000 Einwohnern die größte Stadt auf den Äußeren Hebriden. Die Inselgruppe ist jedem Engländer schon deshalb bekannt, weil sie in jedem Wetterbericht Erwähnung findet.

    Stornoway ist zudem der Name einer jungen, englischen Indiefolk-Band, die eben nicht aus dem besagten Örtchen, sondern aus Cowley in der Nähe von Oxford stammt. Brian Biggs (Gesang, Gitarre), John Quin (Gesang, Gitarre, Cello, Keyboard), Oliver Steadman (Gesang, Bass) und dessen Bruder Robert (Schlagzeug), die auf Konzerten von Adam Briggs (Trompete) und Rahul Satija (Violine) unterstützt werden, haben über 4AD soeben ihr Debütalbum veröffentlicht.
    "Beachcomber's Windowsill" wird aufgrund seines mehrstimmigen Gesangs und seiner Nähe zum Folk natürlich wieder mit den Fleet Foxes verglichen - man höre nur das wundervolle "Zorbing", und überlege, ob man dieses Jahr schon etwas Schöneres gehört hat.
    Beim Haldern Festival würde ich sie gerne direkt vor den ähnlich gelagerten Mumford & Sons sehen und wäre gespannt, wer letztendlich im direkten Vergleich besser abschneiden würde. Wie kann ich noch das Interesse für "Beachcomber's Windowsill" wecken? Vielleicht, wenn ich mit folgenden, sicherlich nachvollziehbaren Vergleichen locke: "The Codharbour Road" (Guillemots), "Boats And Trains" (Belle & Sebastian) und "Long Distance Lullaby" (James).





    "Zorbing" Video

    Their debut is a big, breezy set of feisty, haunting, organic, folk-inflected music. It sounds out of time but their original songs are big and bold enough to work in a contemporary context, marrying ancient musical values with the energy of youth.
    (telegraph.co.uk)

    Debut album Beachcomber’s Windowsill presents a shoal of original tunes that are immediately easy on the ears and plaintively delivered; when frontman Brian Briggs croons the lines: ‘The air is cooler/ And I feel just like I started uni’ on opening track Zorbing, you’ll either feel beguiled or want to steal his dinner money.

    It’s undeniably whimsical stuff but Stornoway’s songs regularly burst into jaunty action and there’s sharp creative imagery on numbers including the hearty chants and finger-picked riffs of We Are The Battery Human, the elegiac melody of The Coldharbour Road and the sweetly woozy Long Distance Lullaby. This pretty trinket also turns out to be a genuinely entertaining keeper.
    (metro.co.uk)





    "I Saw You Blink" Video
  • Udosson - Kurz unter Land

    Udosson - Kurz unter Land

















    Für welche Stimmungen "Kurz unter Land" gedacht ist, verrät das von der Plattenfirma mitgeschickte Windlicht, denn eine Papiertüte mit aufgedrucktem Cover-Logo und ein Teelicht erzeugen im abgedunkelten Raum visuell schlicht und schnell die entspannte, kuschelige Atmosphäre, die udosson mit seinen minimalistischen Klangwelten auditiv hervorruft. "Kurz unter Land" beinhaltet acht traumhaft-cinemastische Stücke mit Titeln wie "Rasthof 0.2" oder "Waldwanderer" zwischen klickendem Ambient und gefrickeltem Dreampop.





    Über den Künstler erfahren wir nicht viel (Sohn eines Udo, und über 2 Meter groß), aber die Info der Plattenfirma weiß uns über das Debütalbum folgendes zu berichten:
    "kurz unter land" ist subtile Dramatik, sphärischer Minimalismus und expressiver Impressionismus auf musikalischer Ebene. udosson webt in seinem ersten Album Klanglandschaften, die Erinnerungen wecken und vor allem das Gefühl, zu Hause zu sein.

    "Kurz unter Land" erscheint am 28.05.10 über Unique Records und ist sowohl im klassischen, teils handgefertigten Digi-Gewand, als auch in einer limitierten "Handmade Big Box" erhältlich.


    kurz unter land-Radioedit by udosson


    udosson (Klangerzeuger) und mredit (Pixelbastler) zusammen unterwegs:

    28.05.10 Leipzig, Paris Syndrom
    05.06.10 Tübingen, plattform:(no nudget)
    07.06.10 Berlin, Breipott
    08.06.10 Düsseldorf, damenundherren
    13.06.10 Dresden, AZ Conni
    18.06.10 Hamburg, Sichtbar
    19.06.10 Hamburg, Makrele Bar



  • Erland And The Carnival - Erland And The Carnival

    Erland And The Carnival - Erland And The Carnival

















    Apropos Erland & The Carnival: Hinter dem britischen Folkrock Trio stecken Erland Cooper (Gesang, Gitarre), David Nock (Drums, Percussion, Gesang) und Simon Tong (Gitarre, Harmonium, Gesang), der bereits Mitglied bei The Verve, Blur und The Good, The Bad & The Queen war. Ihr erstes Album bietet einen erstaunlich wohlklingenden Mix aus US-amerikanischem Folk und britischem Psychedelic-Pop und man mag gar nicht glauben, dass es sich um eine aktuelle Aufnahme und nicht um ein Album aus den späten 60er oder frühen 70er Jahren handelt. Das Gleiche dachte ich zuletzt bei The Corals "Roots & Echoes" und das ist sicherlich nicht die schlechteste Referenz.





    "Trouble In Mind" Video

    (...) The best example of this is The Derby Ram – an update of the traditional ballad about the giant ram which got the city its emblem. It recounts the story of 17-year-old Shaun Dykes who, in 2008, jumped from the top of a car-park in the city centre while the gathered crowd below had shouted "jump" and filmed him on their phones. Cooper uses the old A Day in the Life trick of lifting scenes straight from the newspaper, telling Dykes' story through quotes from the scene. It's a modern parable that's infinitely scarier than a big sheep.

    Elsewhere, William Blake's verse The Echoing Green is set to a hypnotic offbeat guitar part that Cooper hides his voice behind. Leonard Cohen's return-to-libido poem Disturbed This Morning is given a curious reworking that makes it more wanderlust than old-man lust, and My Name Is Carnival a cover of a track by tragic 60s folk singer Jackson C Frank (which gives the band their name) is a buxom, jazzy, introduction to the Carnival's shtick.

    It's a curiosity alright, one you can file next to similarly interesting backwards-looking modern bands like The Decemberists, The Coral and Mystery Jets. A freakbeat take on sample culture.
    (bbc.co.uk)





    "Was You Ever See" Video
  • Paul Weller - Wake Up The Nation

    Paul Weller - Wake Up The Nation

















    Nachdem Paul Weller bei mir mit ausufernd-experimentellen "22 Dreams" ein wenig an Kredit verspielt hatte, gewinnt er ihn nun teilweise zurück. In England waren die Kritiker (wie immer) aus dem Häuschen und auch Irvine Welsh spricht in einem Begleittext zum Album von "an astonishingly good album", "the first must-have record of this decade".
    Zum Wachrütteln der Nation suchte sich Weller prominente Mitstreiter, darunter Kevin Shields (My Bloody Valentine), Steve Cradock (Ocean Colour Scene), Bev Bevan (The Move, ELO) und Bruce Foxton (The Jam), für eine erste Zusammenarbeit seit 1982.

    Die 16 Songs auf "Wake Up The Nation" (40 Minuten) sind kurz, knapp, rauh, ruppig, grimmig und skurril. Für Fans jeder Phase des Wellerschen Schaffens dürfte etwas dabei sein: "Wake Up The Nation" und "7 & 3 Is The Striker's Name" lassen The Jam-Zeiten noch einmal aufleben, das instrumentale "In Amsterdam" und "Aim High" dürften Style Council-Fans erfreuen, in "Moonshine" gibt er uns den Britrock-Übervater, "Find The Torch, Burn The Plans" ist ein psychedelisch-schimmernder Britpop-Singalong ("Sha la la la") und "Andromeda" und das aus 5 Fäden verwobene "Trees" knüpfen an die "22 Dreams"-Experimente an.
    Für ein richtig gutes Album fehlen mir persönlich die ein oder andere akustische Ballade, die Paul Weller so großartig beherrscht, und es würde mir auch nicht schwer fallen, einige Songs zu nennen, die diese ersetzen könnten.

    Die limitierte Version erscheint in Buchform mit zusätzlicher Bonus-CD (12 Remixe plus 2 Original-Versionen, die ich jedoch noch nicht gehört habe): Tunng, Richard Hawley, Nick Zinner (Yeah Yeah Yeahs), Erland & The Carnival u.a. durften hier an Wellers Songs Hand anlegen.





    "Wake Up The Nation" Video

    The album shares 22 Dreams’ long tracklist (16 songs in all), but Weller has stripped each song down to bare bones, with few tracks straying past three minutes and many barely scratching two. This is a blessing and a curse. The album roars along at an impressive pace, taking the listener on a hallucinogenic expedition through Weller’s varied stylistic terrain. But while brevity mitigates the songs that fail (Fast Car/Slow Traffic, with bass by Bruce Foxton, feels like a discarded Jam curio), it also makes the album’s successes frustratingly fleeting. It’s only Trees, a magnificent, morphing epic centred on old folks recounting the strength and beauty of their youth, which gets a full four-minute hearing.

    Nevertheless, what the album lacks in depth, it more than makes up for in the length and breadth of Weller’s imagination. Above all, it’s an album that is entirely unsuitable for inclusion on a Top Gear dad-rock compilation, and for that it’s a parade-worthy triumph.
    (bbc.co.uk)




    "7 & 3 Is The Striker's Name" Video
  • Billie The Vision & The Dancers - From Burning Hell To Smile And Laughter

    Billie The Vision & The Dancers - From Burning Hell To Smile And Laughter

















    Es gibt sie, die Tage, die so toll sind, als würden Ostern und Weihnachten zusammenfallen. Zuletzt vor 2 Tagen, als ich ganz unverhofft erfuhr, dass unsere Blog-Lieblinge Billie The Vision & The Dancers ein neues Album aufgenommen haben, welches bereits 48 Stunden später erscheinen sollte. Also heute. Um so schöner, dass die CD dann auch heute Mittag bereits im Briefkasten war.

    Die letzten beiden Alben des schwedischen Septetts krankten ein wenig daran, dass die schmissigen Songs mit wieder erkennbaren Melodien rar waren und sich die Billies zu sehr auf ruhige Folksongs konzentrierten.
    Hört man sich nun "From Burning Hell To Smile And Laughter" an, so ist dieses Manko (und ich lamentiere hier auf hohem Niveau!) bereits nach den ersten 4 Songs behoben, denn in diesen steckt alles, was wir hören möchten: Prägnante Refrains mit "Ooh-ooh-ooh"s und "Sha-la-la"s, mehrstimmiger Gesang, Tempo, Trompeten, Glöckchen, Pablo und Lily.
    Natürlich gibt es auch wieder die bitter-süßen Balladen ("You Taught Me", "Secret Love") und mit "Golden Frame" auch erstmals ein Country-Lied mit Gospel-Einlage. Die Highlights des Albums folgen gegen Ende: "How Things Turned Out To Be" würde ich als Blaupause für den typischen BTV&TD-Song bezeichnen und man darf sich schon auf Konzerte freuen, wenn man gemeinsam mit Lars Lindquist den Erfolg der Billies (Top 10-Single und Konzerte vor zehntausend Zuschauern in Spanien, nachdem "Summercat" in einem Werbespot verwendet wurde, und zwei erfolgreiche Tourneen durch Deutschland) besingen darf:

    So raise your hands if you agree with me
    when I'm saying I'm so happy how things turned out to be
    So raise your voice and sing along with me
    when I'm singing I'm so happy how things turned out to be
    How Things turned out to be

    Das anschließende "Anywhere But There" ist jetzt schon Favorit auf den Ohrwurm des Monats, dürfte für Bewegung auf den Indiepop-Tanzflächen sorgen und man sollte nicht überrascht sein, wenn sich hier ihr erster Dance-Remix anbahnen würde (Hot Chip, bitte übernehmen sie!).

    "From Burning Hell To Smile And Laughter" ist großartig. Ohne jeden Zweifel. Vielleicht sogar so stark wie ihr Debüt. Auch wenn man das Album wie immer über die Homepage oder Bandcamp kostenlos herunterladen kann, bestellt es bitte über Meraklis Records, die das Album in Deutschland vertreiben. Selten waren 12,50 € so sinnvoll investiert.

    Die Gruppe hat ihren Sound in dieser Zeit merklich weiterentwickelt und die Lieder mit viel Liebe zum Detail arrangiert und aufgenommen. Die Billie-typischen akustischen Folk-Pop-Songs werden angereichert mit Country und Gospel, man fühlt sich an Bob Dylan und Calexico erinnert. In den von Sänger Lars Lindquist geschriebenen Texten vermischt sich Privates mit Politischem: "Let's make love until the crises is over". Die Band hat nach eigener Aussage versucht, ein Album aufzunehmen, das schlechter wird als das davor. Nicht ernsthaft natürlich. Mit "From burning hell to smile and laughter" sind sie grandios gescheitert. Es ist das vielseitigste, druckvollste und wahrscheinlich bisher beste Album von Billie the Vision & the Dancers geworden.
    (Presseinfo)





    "Summercat" Live in Spanien
  • CocoRosie - Grey Oceans

    CocoRosie - Grey Oceans

















    Außen pfui, innen hui! Es gab dieses Jahr schon einige schön hässliche Cover, aber "Grey Oceans" dürfte in seiner Gesamtheit Spitzenreiter sein. Den Augen tut das vierte Album von CocoRosie weh, für die Ohren ist es eine Wohltat - wenn man denn die Stimmen der beiden Damen ertragen kann, denn selbstverständlich krächzt sich Bianca (Coco) weiterhin durch die Songs, während sich Sienna (Rosie) wieder in ihren opernhaften Arien verliert.
    Doch "Grey Oceans", der vierte Wurf der Casady-Schwestern, hat auch überraschendes zu bieten: Die Hip Hop-Anleihen, die den Vorgänger noch bereicherten, sind fast gänzlich verschwunden, die schrägen Geräusche und Soundfetzen der ersten beiden Platten sind zwar noch vorhanden, wurden jedoch glatt gebügelt und in den Hintergrund verschoben und mit Gaël Rakotondrabe haben Bianca und Sienna einen zusätzlichen Mitstreiter in ihre so eigene Zauberwelt entführt, der die Songs nicht nur um Piano-Klänge erweitert, sondern auch in ruhigere und entspanntere Gewässer steuert. Dadurch könnten CocoRosie neben einem neuen Label (Sub Pop) auch neue Hörer gewinnen...





    "Lemonade" Video





    "Fairy Paradiese" Live-Video

    Im verführerischen Wechsel der Stimmen - die eine keck, die andere klassisch - öffnen die Schwestern Bianca und Sierra Casady tiefe Abgründe. Schon beim Hüpfspiel "Hopscotch" fließen bei aller Honky Tonk-Begeisterung die ersten Tränen ("I got a hopscotch tear drop / ready to drop"), bis spätestens mit der Gruselballade "Undertaker" klar wird, was das Album so stark macht: Das alles ist nicht bloß ein Spiel. Es geht um Leben und Tod.

    Ob "R.I.P. Burn Face", das in einem elektrisierten Mantra den Verstorbenen nachtrauert, oder "Gallows", das mit verhallter Akustikgitarre von einer Hinrichtung erzählt: Überall Vergänglichkeit. Doch damit nicht genug. Seinen Höhepunkt erreicht das Album im Jenseits des Titeltracks "Grey Oceans". Bei klaren Klavierklängen erscheint Biancas leicht versetzte Stimme genau richtig. Sogar seltsame Textzeilen machen beinahe Sinn: Seelen von Würmern flattern mit Rosenkränzen vorbei? Wer weiß, es könnten Schmetterlinge sein.

    Zwischen den Welten entdecken Cocorosie den Pop. "Lemonade" erreicht die perfekte Spannung zwischen einer Mordgeschichte, die von Klavier und Bläsern getragen wird, und einem 50s-Refrain, der in seiner übersüßten Art veranschaulicht, wo das Grauen herkommen könnte. Im letzten Stück fällt dann der Vorhang: "Here I Come" gelingt mit Souldivengesang und Nintendo-Tonspur ein gebührendes Finale für ein kleines, fast erwachsenes Kunstwerk.
    (laut.de)





    Das Cover der Vinyl-Version ist anders - aber auch nicht besser.

    CocoRosie auf Kultur-Trip durch Deutschland:
    20.07. Stuttgart, Wagenhallen
    21.07. Kassel, KulturZelt
    23.07. Jena, KulturArena
  • Black Francis - Nonstoperotik

    Black Francis - Nonstoperotik

    cover

    Geboren wurde er als Charles Michael Kittridge Thompson IV. Bei den Pixies machte er sich unter dem Namen Black Francis bekannt, um nach deren Auflösung als Frank Black Solo-Alben zu veröffentlichen. Als Frank Black and the Catholics bewegte er sich wieder einen Schritt in die “Anonymität” einer Band. Die Pixies-Reunion und sein Album “Frank Black Francis” (nun wieder ohne die “Catholics”) im Jahr 2004 stellen anscheinend einen Höhepunkt der Namenswirrungen dar. Seit 2007 prangt nun wieder “Black Francis” auf den Covern seiner Alben. Wenn er gemeinsam mit seiner Gemahlin Violet Clark musizierte, lief das 2009 unter dem Namen Grand Duchy. Markenmäßig ist Black eindeutig der VW-Konzern unter den Indie-Musikern.

    Nonstoperotik” ist das vierte Album der Marke Black Francis. Charles Thompson hält sich weder an Ideen zur Pflege einer Marke noch an Konventionen im Bereich der Veröffentlichungen seiner Musik. So macht er es seinen Fans nicht leicht und mäßig interessierten Hörer fast unmöglich, seinem Gesamtwerk zu folgen.

    Mit “Lake of sin” respektive “Cinema star” findet Black einen verheißungsvollen Einstieg und ein starkes Ende. Dazwischen spielt sich alles zwischen Blues-Rock, Balladen und Indie ab. “Nonstoperotik” ist ein solides Album, welches weder Überraschungen noch zwingende Hits bereithält. Aber es ist sein bestes Soloalbum, welches ich bislang gehört habe (vermutlich habe ich einige ausgelassen). Bei unter 40 Minuten Laufzeit mussten einfach nicht so viele Lückenfüller untergebracht werden.

    It is always going to be hard hard for Black Francis to follow an act like Pixies as his solo material is constantly compared to that phenomenally popular sound. Indeed, it is great when Francis does sound like the Pixies on his albums but he also has an edgy, crazy sound of his own which has come through in his previous solo albums.

    Nonstoperotik is something else though and features a tenderness and maturity that we’ve not seen before. It is an incredibly varied album that takes you on quite a journey and each song is worthy of mention. blogcritics.org

    In der angegeben Quelle werden die Songs des Albums auch einzeln vorgestellt. Vielleicht findet Charles Michael Kittridge Thompson IV irgendwann zu sich und zu einer Konstanz, die zu einem wirklich durchgängig guten Album führt. Dafür kann er auch gerne wieder einen neuen Namen würfeln. Fans sollten zuschlagen, Skeptiker oder Unwissende sich erst einmal mit Pixies-Alben konditionieren.

    Ein aktuelles Video fand ich nicht, aber eine nette Cover-Version von Fatboy Slims “Rockafeller Skank”:

    Auf der Website des Künstlers stehen alle (?) Frank Black-, Frank Black And The Catholics-, Black Francis- und Grand Duchy-Alben als Stream zur Verfügung.

  • Gisbert zu Knyphausen - Hurra! Hurra! So nicht.

    Gisbert zu Knyphausen - Hurra! Hurra! So nicht.



















    Dieses Jahr nicht im Line-Up, aber im Forum des Haldern Festivals immer wieder zu Recht gefordert: Gisbert zu Knyphausen, dessen zweites Album dieser Tage veröffentlicht wurde.
    "Hurra! Hurra! So nicht." knüpft dort an, wo das Debüt vor 2 Jahren aufhörte, also an melancholischen Singer/Songwriter-Pop zwischen Kettcar, Element of Crime und Reinhard Mey, dessen größte Stärke die Texte sind. Als Schwäche kristallisiert sich schnell heraus, dass die meisten Melodien nicht zwingend greifen (Ausnahme: "Melancholie").
    Neue Klänge gibt es aber auch zu hören und vielleicht sind sie Tobias Levin (Tocotronic, Slut, Kante) zu verdanken, der das Album in seinem Electric Avenue Studio produzierte: So zum Beispiel wenn "Hey" von Lärmeruptionen unterbrochen wird wie weiland "My Iron Lung" oder wenn der Wahlhamburger am Ende von "Grau, Grau, Grau" die Gitarren in bester Blumfeld-Tradition kreischen lässt und dazu "Wir brauchen einen neuen Anfang!" wütet oder wenn ihn bei "Dreh dich nicht um" eine jazzige Trompete begleitet.





    "Melancholie" Video

    Trotz aller Melancholie gelingt es zu Knyphausen, nie verzweifelt oder depressiv zu klingen. Immer ist da auch ein Wille zum Aufbruch zu hören und die Erkenntnis, dass Trauer und Glück nur zwei Seiten einer Medaille sind: "Die Welt ist grässlich und wunderschön" heißt es dazu treffend in "Die Stille auf dem Rastplatz". Das mag eine simple Erkenntnis sein, doch nur wenige haben das so gut in Popsongs verpackt wie Gisbert zu Knyphausen auf "Hurra! Hurra! So nicht!". Und das macht dieses Album absolut empfehlenswert.
    (ard.de)


    Bei Gisbert ist die Welt stets "grässlich und wunderschön" zugleich. Kaum ein deutscher Künstler, der diese Alltags-Dialektik zurzeit in so treffende Worte zu gießen vermag wie der gebürtige Hesse. Zwei, drei Ohrwürmer mehr hätten der neuen Platte trotz alledem gut zu Gesicht gestanden. Stücke in der Art des tollen "Sommertag" vom 2008er Debütalbum.
    Dafür schenkt uns Herr zu Knyphausen eine der schönsten Textpassagen des Jahres, seine ganze persönliche Abrechnung mit eben jenem Seelenzustand, dem er offensichtlich viel zu verdanken hat: "Fick dich ins Knie Melancholie, du kriegst mich nie klein", heißt es nach gut zwei Drittel des Albums. "Was hast du der Menschheit jemals Gutes gebracht"? Eine Frage, die zumindest bei uns, den Rezipienten seiner zweiten Platte, nur eine Antwort zulässt: Gisbert zu Knyphausen!
    (laut.de)


    Gisbert zu Knyphausen mit Band unterwegs:

    15.05.2010 Karlsruhe, Tollhaus
    17.05.2010 Saarbrücken, Sparte 4
    18.05.2010 Aarau, Kiff
    19.05.2010 Basel, 1. Stock
    20.05.2010 Dornbirn, Spielboden
    21.05.2010 München, Ampere
    22.05.2010 Freiburg, Albert-Ludwigs-Universität
    24.05.2010 Leipzig, Nato
    25.05.2010 Düsseldorf, Forum Freies Theater
    26.05.2010 Dresden, Societaetstheater
    27.05.2010 Leipzig, Nato
    08.07.2010 Hamburg, Übel & Gefährlich
    09.07.2010 Hamburg, Übel & Gefährlich
    02.09.2010 Braunschweig, Nexus
  • Madsen - Labyrinth

    Madsen - Labyrinth

















    Mutig, Madsen! Mit dem Titelsong, der das vierte Album von Madsen eröffnet, ist dem Quartett nämlich das bandeigene, kleine "Bohemian Rhapsody" gelungen.
    Danach geht es im gewohnten Stil - der Madsen für Rock am Ring (und eben nicht das Haldern Festival) prädestiniert - weiter, also einer Mischung aus Sportfreunde Stiller ("Sieger"), Tomte ("Zwischen den Zeiten" - oder doch Oasis?) und Die toten Hosen ("Das muss Liebe sein").
    Meine persönlichen Highlights sind der Song, der ab sofort auch offizielle Hymne meiner Schul-AG ist ("Mit dem Moped nach Madrid"), und das tolle "Obenunten", ein Duett mit der neuen Keyboarderin Lisa Nicklisch, deren Stimme so ungemein an die wundervolle Judith Holofernes, erinnert, dass man erkennt, wie sehr man diese vermisst und dass wir so etwas Schönes von Wir sind Helden in den letzten 5 Jahren nicht hören konnten.


    Madsen haben zwar den chronischen Stampffuß, der sich bisher durch die meisten Lieder zog, abgelegt. Doch während die Melodien leise im Kopf herumsurren, stolpert der Verstand über die Texte: Das Pathos geriet hier zur Überdosis, sodass es schwerfällt, die Musik ernst zu nehmen.
    Und man nimmt ihnen Zeilen wie „Weil du liebst / Weil du lebst / Weil du gibst und vergibst / [...] / Wirst du geliebt / Lass es passieren / Lass die Liebe regieren“ einfach nicht ab. Ist das noch die Schule von Virginia Jetzt! oder doch schon Florian Silbereisen? Madsen, das darf man nicht außer acht lassen, funktionieren sicher noch für irgendwen. Aber nicht mehr für die Fans aus den Anfängen, denn die sind erwachsen geworden und genervt von einem weiteren Hauptstadtlied („Berlin, was willst du von mir?“) und Generationshymnen („Denn wir werden wie Sieger sein“).
    (intro.de)

    Man hört dem Album die Arbeit an, die Madsen zusammen mit Produzent O.l.a.f. O.p.a.l. hineingesteckt haben. Ausgefeilte Arrangements und ein bunter Stilmix zwischen großem Pop und Adrenalin gepeitschtem Rock machen "Labyrinth" zum bislang anspruchsvollsten und vielleicht besten Madsen-Album.
    (pop100.com)





    "Lass die Liebe regieren" Unplugged Clip
  • UNKLE – Where Did The Night Fall

    UNKLE – Where Did The Night Fall

    cover

    Sorry, nicht Haldern Pop (I)

    Machen wir es kurz: “Where did the night fall” ist

    • weniger abwechslungsreich und weniger großartig als “Psyence fiction”
    • weniger elektronisch und weniger dancelastig als “Never, never, land”
    • weniger rockig als “War stories”
    • UNKLEs bestes und am wenigsten enttäuschendes Album seit “Psyence fiction”
    • interessanter als alle Remix-Alben der Band.

    Obwohl UNKLE-Alben einen großen Teil meines “Special Edition & Co.”-Regals besetzen, handelt es sich bei “Where did the night fall” erst um das vierte “echte” Album der Band (“End titles... stories for film” zählt nicht) um James Lavelle. Pablo Clements darf sich anscheinend inzwischen (bis auf weiteres) als festen UNKLE-Bestandteil ansehen. Auch Tour-Musiker James Griffith stellt eine der wenigen Konstanten auf “Where did the night fall” dar, welches ansonsten von vielen Gästen (z. B. Mark Lanegan, Gavin Clark, The Black Angels, Sleepy Sun) bereichert wird. Trotz dieser Vielzahl an durchaus pro Song jeweils prägenden Einflüssen ist “Where did the night fall” das schlüssigste und konventionellste Album der Band der letzten zehn Jahre. Die Vielfalt der Stile ist kaum definierbar, reicht sie doch von psychodelischem Rock über Elektro (ohne wirklich “Elektro” zu sein) und Trip Hop (ohne Trip Hop-Rhythmen) bis zu Massive Attack-Atmosphäre. Auffällig ist die Abwesenheit offensichtlicher Lückenfüller, welche “Never, never, land” und “War stories” nachhaltig geschädigt haben.

    Besonders hörenswert erscheinen mir aktuell “Follow me down” (wegen Rachel Williams’ coolen Vocals irgendwo zwischen PJ Harvey und Björk), “On a wire”, “Ablivion” und “The runaway”. Entbehrlich ist “Another night out”, aber als Ausklang kann man den Song durchgehen lassen.

    CDStarts.de lässt sich vor allem durch die weiblichen Stimmen betören:

    Diesmal haben die Tracks mit dem weiblichen Gesang dem Rest etwas voraus, etwas faszinierend Hypnotisierendes, dass den Unkle-Sound fast schon düster-erotisch wirken lässt. „Follow Me Down“ mit Sleepy Sun, „The Runaway“ mit Elle J oder „Caged Bird“ mit Katrina Ford von Celebration laufen hinterhergucktechnisch allen davon. Die großflächigen Synthie-Soundwände, Chöre und Tempiwechsel auf „The Answer“ berauschen auch verdammt ordentlich, während der Closer mit Mark Lanegan einen Untergang, der schöner nicht sein könnte, heraufbeschwört.

    Hypnotisch, streckenweise düster und trotzdem irgendwie optimistisch klingt “Where did the night fall”. Laut James Lavelle hat er mit seinen ersten drei Alben einen Zyklus geschlossen. “Where did the night fall” erscheint mir als Extrakt dieser Werke. Wirklich neu erfunden wurde hier nichts. Hätte Lavelle “Psyence fiction”-Genialität mehr Raum gelassen, wäre ein großartiges Album entstanden. Aber nach einer Dekade der Enttäuschungen bin ich auch mit diesem guten Album zufrieden.

    Die Special Edition wartet neben der tatsächlichen CD mit den Instrumental-Versionen aller Songs, dem Booklet und einem daumen-dicken Bildband in schicker Box auf.

    Das freizügige Video zu “Follow me down”:








  • Micachu - Jewellery

    Micachu - Jewellery

















    Haldern Pop (IV)

    Hinter dem Namen Micachu verbirgt sich die 22jährige Mica Levi aus Surrey, England. Zusammen mit Raisa Khan (Keyboards) und Marc Pell (Schlagzeug) gründetet sie die Band The Shapes und veröffentlichte als Micachu and the Shapes das Album "Jewellery" - und zwar fast auf den Tag genau vor einem Jahr.
    Stünde Micachu nicht im Line-Up des Haldern Festivals, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, den vielleicht ungewöhnlichsten Akt der Veranstaltung vorzustellen, denn "Jewellery" ist mir einfach zu experimentell, springt dabei von einem Stil zum nächsten und kaum hat man sich daran gewöhnt, ist sie schon beim überübernächsten, ohne dass man den Zwischensprung mitbekommen hätte. Für mich anstrengend, über ambitioniert, ziellos und größtenteils fragmentarisch, für andere die Zukunft des Pop.
    So sprach der Musikexpress zum Beispiel von einer "genialen Popplatte" und mir verbleiben noch einige Wochen, um einen Zugang zu "Jewellery" zu finden...

    Die Songs bewegen sich im traditionellen Rahmen (Strophe: ja, Refrain: ja), innerhalb dieses Universums aber stürzen bei Micachu Mauern ein: Haushaltsgegenstände übernehmen kurzzeitig die Melodieführung, während sich im Hintergrund ein Haufen Geräusche zu einem Dröhnen aufbaut, das noch nicht weiß, ob es Punk oder Folk ist. Oder ein Slits- Remix im Stop-And-Go-Betrieb. Wenn diese Lieder kurz den Atem anhalten, kann man eine Küchenmaschine leise singen hören oder Mica Levis Texten lauschen, von denen die Autorin sagt, dass sie Unfug seien – zu großen Teilen jedenfalls. Mica Levi kann über alles singen, nur nicht über Zweiminutendreißig, mehr braucht ein Micachu-Popsong nicht. (...)

    JEWELLERY wird uns das Herz aus der Hose treiben und eine Neubewertung des Wörtchens „Ohrensauen“ verlangen. Dieses Album ist auch die große Chance des Britpop: Mica Levi erinnert daran, wie schön und verwirrend dieser Moment sein kann, der seit Ewigkeiten Pop heißt.




    "Lips" Video




    "Turn Me Well" Video
  • Local Natives - Gorilla Manor

    Local Natives - Gorilla Manor

















    Haldern Pop (III)

    Ein Quintett junger Männer aus Silver Lake, Los Angeles lebt nicht nur zusammen in einem Haus (namens Gorilla Manor), sondern schreibt auch alle Songs und kreiert die Plattencover gemeinschaftlich. Von Vampire Weekend entleihen sie sich die Afro-Pop Gitarren, von den Fleet Foxes den Harmoniegesang, hinzu kommt die Experimentierfreude von Yeasayer und fertig ist das viel gelobte Debütalbum "Gorilla Manor".
    Wer nicht viel Zeit erübrigen kann, sollte es zumindest mit "Airplanes" und "Camera Talk", die das Spektrum der Local Natives sehr schön abstecken, einmal versuchen:














    In der limitierten Version erhält man zur CD noch eine knapp halbstündige DVD mit akustischen Versionen einzelner Songs.

    The opening tracks may be interspersed with a chorus of boos, but Local Natives are being hard on themselves – ‘Gorilla Manor’ is as inventive and imaginative as anything you’ve heard this year. Launching into the epic sparsity of 'Wide Eyes', Local Natives owe much to the inventive drumming of Matt Frazier and the fragility of singer Taylor Rice’s soaring vocals. And with the beautifully pompous ode to lost love in ‘Airplanes’ and the dance-riffs of ‘Sun Hands’, ‘Gorilla Manor’ continues to march through influences without a pause for thought. At twelve songs, it could be accused of being a little one-paced, before the rejigged Talking Heads classic ‘Warning Sign’ stomps along to pick up proceedings, but it’s a minor gripe on an otherwise brilliant debut.
    (the fly)




    "Airplanes" Video
  • The Tallest Man On Earth - The Wild Hunt

    The Tallest Man On Earth - The Wild Hunt

















    Haldern Pop (II)

    Der größte Mann der Welt ist vermutlich derzeit wohl mit 2,47 m Körpergröße Sultan Kösen aus der Türkei. Robert Wadlow (2,72 m, USA, 1918-1940) ist der größte Mensch in der Medizingeschichte, dessen Körpergröße einwandfrei belegt ist.

    The Tallest Man On Earth ist definitiv der 27jährige Kristian Matsson aus Dalarna, Schweden. Über seine Körpergröße ist mir nichts bekannt.

    "The Wild Hunt" ist nach "Shallow Grave" (2008) das zweite Album von The Tallest Man On Earth und der Mann wird nicht zu Unrecht als der skandinavische Bob Dylan abgefeiert. Die Parallelen zu Dylan - und zwar zu Zeiten, bevor jemand "Verräter" rief - sind deutlich, denn Matsson setzt hauptsächlich auf die Wirkung seiner Songs, seiner Texte (rund um Heimat, Tod, Alkohol und Frauen), seiner akustischen Gitarre und seines ausdrucksstarken, markanten Gesangs. Doch genau wie Dylan hat er (für mich) ein Problem: Die Stimme, denn Matsson krächzt sich inbrünstig durch sein Oeuvre, so dass es (mir) schwer fällt, die Platte wirklich zu genießen.





    "The Wild Hunt" (Live)

    Doch trotz ihrer Gebrochenheit besitzen die Songs eine Naivität, die bis in ihren Minimalismus hinein ausstrahlt. "You're going back" schaukelt sich zu seiner Titelzeile hoch und presst die Fingerkuppen auf die Stahlsaiten. Das ist keine Attitüde, sondern einfach Energie, Fabulierlust und Leben. Zum Ende ist es "Kids on the run", das als einziges Stück nur mit Klavier auskommt und jede Kindheitserinnerung aus dem Gedächtnis des Hörers zu ziehen versucht. "But will we ever confess what we've done? / Guess we're still kids on the run." Die Finger drücken energisch auf die Tasten und Töne poltern zärtlich in die Melodie. Matssons Stimme bohrt in Erinnerungen und wirft sie gleich wieder in die Flammen. Die Erkenntnis ist so schmutzig, so gemein und unfair, dass nur noch die kindliche Flucht bleibt. Dann klingt "The wild hunt" aus in die Stille, und der Schutt an Erinnerungen ist um zehn Perlen reicher.

    In allen Momenten, in denen der Schmerz mitschwingt, klingt immer auch die Hoffnung mit. Nichts ist verloren. Was auf dem Debüt noch in manch schmutziger Produktion unterging, blüht hier auf. "The wild hunt" besitzt Tiefe, obwohl es so schlicht ist. Matssons Ideen und Wünsche sind meist liebenswerte Abgedrehtheiten, seine Geschichten so bitter und traurig, so naiv und glücksversoffen.
    (plattentests.de)





    "The Gardener"





    "These Days" (Nico Cover)
  • The National - High Violet

    The National - High Violet

















    #3 The National

    Mittlerweile ist das Lineup des 27. Haldern Pop Festivals (12.-14.08.10) ziemlich komplett und die Tickets sind wohl auch ausverkauft. Neben den bereits vorgestellten Beach House, Dan Deacon, Delphic, Frightened Rabbit, Mumford & Sons, Yeasayer, Fyfe Dangerfield, Seabear und Laura Marling sind dieses Jahr auch noch Beirut, Fanfarlo, Helgi Jonsson und The Low Anthem am Niederrhein zu sehen. Da die drei Letztgenannten es in der Endauswertung 2009 in unsere Top 20 schafften, darf man sich auf ein feines Festival freuen.

    Der Hauptakt dürfte jedoch definitiv The National sein, die als 3. Vorstellung des Tages für einigen Nummernsalat hier sorgen, denn gleichzeitig sind sie die 10. Neuvorstellung aus dem Programm des Haldern Festivals und außerdem der erste Starter der alljährlichen Reihe um weitere Bands unseres beliebtesten Festivals. Also:

    Haldern Pop (I)

    Das fünfte Album von Matt Berninger und den beiden Brüderpaaren Aaron und Bryce Dessner sowie Scott und Bryan Devendorf wurde wie die beiden Vorgänger zusammen mit Peter Katis (Interpol, Frightened Rabbit, Fanfarlo) produziert, wird über 4AD veröffentlicht und ist sowohl auf Vinyl, als auch CD und in einer limitierten Version erhältlich. Das Albumcover ziert ein Kunstwerk ("The Binding Force") von Mark Fox.





    "Terrible Love" Castle Rock Session


    Die Musik auf "High Violet"? Großartig. Angefangen bei Berningers Bariton, seinen düster-melancholischen rezitierten Texten, über den epischen ("England"), bedächtigen ("Afraid Of Everyone", "Runaway") oder hymnisch-drängenden ("Bloodbuzz Ohio", "Terrible Love") Momenten der Platte, bis hin zu den dezenten, detailreichen, nie überladenen Arrangements mit Chorgesang, Streichern, Bläsern und Piano hinter dem sich auftürmenden Schlagzeug und den verhallten Gitarrenwänden.





    "Little Faith" Castle Rock Session

    Vertrauend darauf, dass sich Qualität irgendwann durchsetzt, macht die in Cincinnati, Ohio, gegründete, in Brooklyn ansässige Band das Gleiche wie eh und je - nur noch besser, noch ausgefeilter, weshalb die Bastelphasen im eigenen Studio von Album zu Album länger werden und fortan wohl in Jahren gezählt werden müssen. Nach wie vor wummert die Stimme Berningers wie ein Tiefenbass durch die mit allerlei Chören, Klavieren und Bläsern üppig ausstaffierten Songs; wie eh und je scheuen die Musiker dabei das Strophe-Refrain-Erfolgsrezept des Pop wie ein zotteliger Rocker aus dem Mittleren Westen den Frisör. Die Songs leben vom Rhythmus, dem satten Schlagzeug Bryan Devendorfs, der leichten Modulation in der Stimme des Sängers.

    Dennoch klingt ein Album von The National nie monoton. Das liegt vor allem an den klugen Arrangements mit ihren Anleihen bei Jazz und Klassik. Den Fehler der Überorchestrierung begeht die Band anders als bei den wenigen schwachen Stücken aus früheren Tagen nicht. Doch selbst damals dienten Geigen und Bläser nie, wie bei vielen Durchschnitts-Balladen aus der Massenproduktion des Pop, als süßlich-kitschige Beilagen zu einem an sich ungenießbaren Song. Sie waren stets dosiert eingesetzte musikalischer Geschmacksverstärker für den Text, den Satz, das Wort.
    (faz.net)




    "Anyone's Ghost" Castle Rock Session
  • Lena - My Cassette Player

    Lena - My Cassette Player

















    #2 Lena

    Gestern erst die Vorladung verschickt - heute bereits die Anhörung.
    Schnell muss es bei Lena Meyer-Landrut gehen, damit der Hype um die 18jährige genutzt und in klingende Münze umgesetzt werden kann. 450 000 verkaufte Einheiten von "Satellite" und der Rekord mit 3 Songs gleichzeitig in den deutschen Top 5 sprechen für sich. Ein Skandälchen um ein Nacktvideo kann da auch nicht schaden.
    Schnell musste es daher nicht nur mit "Satellite" sondern auch mit dem ersten Album gehen, das zwischen dem Finale von "Unser Star für Oslo" (12.03.10) und dem Eurovision Song Contest (29.05.10) erscheinen sollte.
    So schnell musste es gehen, dass Lenas Nachname irgendwo auf der Strecke blieb.

    Was kommt also heraus, wenn man in weniger als sechs Wochen ein Album schreiben, aufnehmen, produzieren, herstellen, vertreiben und bewerben muss?
    Mit "Satellite", "Bee" und "Love Me" drei bereits bekannte Songs, dazu zwei Coverversionen aus den Vorentscheidungen zu "Unser Star für Oslo" (selbstverständlich "My Same" von Adele und dazu "Mr. Curiosity" von Jason Mraz - leider nicht "Foundations", "Mouthwash" (Kate Nash) oder Cures "The Lovecats") und einige Songs aus der Feder von Stefan Raab, die mit einer gehörigen Portion an Funk, Jazz und Swing daherkommen und so typisch wie vorhersehbar sind. Spätestens auf dem Tonträger, wenn Lena nicht durch ihr Äußeres bezirzen kann, wird einem deutlich, dass ihre Stimme Songs eben nicht wirklich tragen kann. Würde man, wie es dem Albumtitel, der eine Hommage an Lenas Kinderzeit und Bibi Blocksberg darstellt, entspricht, "My Cassette Player" auf Tape hören, müsste man den Vorspielknopf häufig gedrückt halten und würde sich über Bandsalat nicht wirklich ärgern.


    Darauf gibt's 13 Songs im typischen Lena-Sound: Mal klingt sie lässig beschwingt, manchmal auch süß-melancholisch – und immer beeindruckt sie dabei mit ihrer tollen Stimme!(...)
    Längst hat Lena ihren eigenen Stil gefunden, trotzdem kann man in den Songs Vorbilder wie Kate Nash und Amy Macdonald heraushören. (...)
    Mit ihrem Debütalbum hat sich die hübsche Sängerin jetzt einen Traum erfüllt – aber der ist noch lange nicht zu Ende.
    (bild.de)






    "Satellite" TV- Auftritt und Video
  • Foals - Total Life Forever

    Foals - Total Life Forever

















    Geht man heute in den Plattenladen seines Vertrauens, so stehen gleich sechs frisch ausgepackte Alben in den Regalen, die hier relevant sein könnten: neben den bereits vorgestellten Keane und Marina And The Diamonds, die endlich auch in Deutschland erhältlich ist, sind dies auch die neue Platte von Ólafur Arnalds, die ich jedoch (noch) nicht habe, und die folgenden drei Alben...


    #1 Foals

    "Total Life Forever" heißt der zweite Schlag der fünf Jungs aus Oxford und er fällt wesentlich sanfter aus als der erste. Bestand bei "Antidotes" noch die Gefahr ausgenockt zu werden, so fragt man sich, nachdem man die neuen 11 Titel einstecken musste, zunächst verwundert, ob es das bereits war. Denn verschwunden sind größtenteils die Experimente und überraschenden Wendungen und Tempowechsel, die viele beim Vorgänger noch von einer Symbiose aus Math Rock und Dance sprechen ließen. Man darf gespannt sein, ob sich Foals bei dieser Entscheidung nicht verrechnet haben.
    Doch man sollte "Total Life Forever" nicht vorschnell abschreiben, denn die Kritiken sind durchwegs überschwänglich und oft wird nicht zu Unrecht der Begriff "Grower" genannt. So dauert es vielleicht ein wenig, bis einen das an The XX erinnernde "Spanish Sahara", das in seinen fast 7 Minuten Spielzeit stetig wächst und eine Soundschicht über die andere schiebt, packt. Aber das wird es.





    "Spanish Sahara" Video


    Oder "This Orient", die aktuelle Single, die genau so klingt, wie man sich Bloc Party derzeit wünschen würde, oder "Alabaster", ruhiger emotionaler Indierock, wie man ihn bei Elbow oder Doves liebt, bei dem Foals den mehrstimmigen Gesang für sich entdecken oder "Miami", das Yannis Philippakis näher an The Cure heranrückt als jemals zuvor und auch auf "Kiss Me Kiss Me Kiss Me" (als Robert Smith die Vielfalt des Pop für sich entdeckte) enthalten sein könnte.
    Verrechnet haben sich Foals also nicht. Bleibt also abzuwarten, ob die Richter hier ihre Punkte richtig zusammenzählen können.





    "This Orient" Video

    From the opening chimes of ‘Blue Blood’ to the futurisitic riff stomp climax of closer ‘What Remains’, ‘Total Life Forever’ is a record injected with heart – the paranoia, melancholy and anguish at its centre making it a 2010 companion piece to the last truly great album to emanate from Oxford, ‘OK Computer’. If that’s a lofty comparison, then it’s an entirely worthy one – here, Foals make an intergalactic leap on from their Skins soundtracking, houseparty-invading introduction in 2007. The first major shift is evident as soon as Yannis starts singing – gone is the yelp of yore, replaced with a soulful, solemn croon. If the bass-grooves of ‘Blue Blood’ hint at something more stylish and suspenseful than their debut, then the full-on FM-bling of ‘Miami’ ramraids the point home. A contagious cross between thumping Timbaland-production and ‘Just Like Heaven’-era Cure, it’s the poppiest thing they’ve ever done and thrilling to boot – its chorus will be so synonymous with this summer’s festivals you may as well let it steal your tentpegs now. ‘Black Gold’, meanwhile, adds layers of shrill guitar-play over a percussive groove on the way to its skyscrapingly euphoric climax and ‘This Orient’ resembles an ADD Arcade Fire, the band once again flexing their newly found FM pop-hook muscle. It’s after the 45-second broken piano interlude of ‘Fugue’ that ‘Total Life Forever’ truly kicks into a gear, though, the four-song suckerpunch of ‘After Glow’ (Battles-on valium slow build with a big fucking ending), ‘Alabaster’ (grinding, industrial sonic venom), ‘2 Trees’ (baggy, if it was invented in Terminator’s post-doomsday scenes) and ‘What Remains’ (a monumentally epic ending and, astoundingly, almost discarded) all jaw-droppingly brilliant post-shoegaze neo-classics. At a time when there’s a dearth of new guitar bands, ‘Total Life Forever’ will establish Foals as one of the UK’s most important – their second album is an inventive, thrilling and flawless masterpiece.
    (the fly)

    "Total Live Forever" wurde von Luke Smith (Ex-Clor) produziert und in den Svenska Gramofon Studios in Göteborg, Schweden aufgenommen und ist als Download, CD, Doppel-CD und Vinyl erhältlich.

    Foals in Deutschland:
    20.05.10 Hamburg, Übel & Gefährlich
    21.05.10 Berlin, Tempodrom
    28.05.10 Köln, Luxor
  • Steve Mason – Boys Outside

    Steve Mason – Boys Outside

    cover

    Die Beta Band war Ende des letzten Jahrtausends mal die Band der Stunde auf der Insel. Oasis und Radiohead beriefen sich auf sie als Vorbilder. Drei sehr gute EPs und drei ebenfalls hörenswerte Alben blieben als Bilanz zurück, als sich die Band 2004 endgültig auflöste. “Folktronica” war ein Begriff, der zur Beschreibung der Musik oftmals herangezogen wurden. Spätestens durch die Erwähnung in “High Fidelity” errang die Beta Band eine gewisse Bekanntheit außerhalb der engen Grenzen des Vereinigten Königreichs, der große Erfolg blieb ihr allerdings verwehrt. Der lead singer Steve Mason veröffentlichte während und nach der Beta Band-Zeit Musik unter den Namen King Biscuit Time und Black Affair.

    Mit “Boys outside” veröffentlicht er nun erstmals ein Album unter seinem Namen. Bei der Entstehung wurde Steve Mason von Richard X unterstützt, der auf der Insel einen Namen hat für seine Arbeiten mit M.I.A., Róisín Murphy und weiteren Künstlern (u. a. wenig schmeichelhaften Pop-Sachen, deren Namen ich verschweige). Diese theoretisch unpassende Kombination erinnert mich schlagartig an Broken Bells.

    musicOMH betrachtet diese aber nicht skeptisch:

    Now he's comfortable enough to record under his own name, the results are a revelation. Boys Inside is Mason's best work since his Beta Band days - a rich, dark slice of mournful, glacial electronica with a heart. Richard X has smoothed away the edges, yet lets Mason stamp his personality on proceedings.

    Ohne Richard X wäre “Boys outside” wahrscheinlich ein reduziertes Singer/Songwriter-Album mit zurückhaltender Instrumentierung und viel Piano geworden. So hat dieser entsprechend seiner Kernkompetenz einige triphoppige Beats hinzugefügt, welche einige Kanten von Steves Songs glätten. Im direkten Vergleich zur Beta Band wurden die “Folk”- und “Tronica”-Elemente zurückgefahren. Dafür wird Steves fesselnder und unverwechselbarer Stimme mehr Raum geboten. Es wäre spannend, das Album als “ohne Richard X”-Version zu hören.

    Anhänger der Beta Band werden an diesem Album Gefallen finden und an den ein oder anderen früheren Song der Band erinnert. Wer Steves Stimme mag, kommt an “Boys outside” eh nicht vorbei. Liebhaber gefühlvoller Musik mit Melodie und Melancholie können ebenfalls bedenkenlos zugreifen.

    “Understand my heart”, “The letter” und “Lost & found” sind meine aktuellen Lieblingssongs.

    Die Aufmachung des Albums kommt entsprechend Steves schottischer Herkunft schlicht daher: Das Case von “Boys outside” ist schwarz und weiß und… reduziert. Die CD ist auch weiß… und reduziert. Das Booklet beschränkt sich auf einige mehr oder minder verwaschene s/w-Aufnahmen und die Credits.

    Das Label stellt sich mit dem Video ein wenig an, aber vielleicht ist dies das offizielle Video zum Song “Lost & found”:

    Auf der Website des Künstlers gibt es das Album als Stream und den Song “All come down” als Download gegen eine E-Mail Adresse.

  • Die 10 besten Platten von Creation Records

    10. Teenage Fanclub "Thirteen"
    9. Primal Scream "Screamadelica"
    8. Slowdive "Souvlaki"
    7. The Boo Radleys "Giant Steps"
    6. Adorable "Against Perfection"
    5. Ride "Going Blank Again"
    4. My Bloody Valentine "Loveless"
    3. The House Of Love "The House Of Love"
    2. Oasis "Definitely Maybe"
    1. Oasis "(What's The Story) Morning Glory"

    (ausgewählt von Dirk)