Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Leslie Clio - Purple

    Leslie Clio - Purple




















    Mit „überraschend“ oder sogar „überraschend gut“ lässt sich das dritte Album von Leslie Clio treffend beschreiben. Während die 30-jährige Hamburgerin mit „Gladys“ (2013) und „Eureka“ (2015) auf der Neo-Soul-Pop-Welle surfte, Charterfolge (Platz 11 bzw. 14) feiern durfte und nur bei Platten vor Gericht abschmierte (6,67 bzw. 5,25 Punkte im Durchschnitt), macht sie bei „Purple“ vieles anders. 

    Nach einer Auszeit auf Hawaii beweist Leslie Clio Mut, setzt nicht weiter auf fröhlichen und eingängigen Retro-Soul fürs Formatradio und fabriziert nicht einen weiteren Aufguss ihrer Erfolgsmasche, sondern zeigt uns ihre düstere, elektronische und experimentelle Seite. Lykke Li statt Adele oder Duffy. Eine gute Entscheidung. 

    „Lies Are Gold“ und „Darkness Is A Filler“ seien stellvertretend für die dunklen Momente auf „Purple“ genannt, „And I’m Leaving“ und „Aquarius“ stehen für die tanzbaren Hits, den Sprechgesang-Part in „Riot“ hätte sie sich jedoch schenken dürfen, „Game Changer“ ist eine spannende Mischung aus modernem Soul-Ballade und dramatischem James Bond-Titellied und „Bad Habit“ überrascht als letzter Song mit dem Gesangspartner Drangsal. 

    Am Ende kam „Purple“ nur auf Platz 64 in Deutschland, aber ich möchte wetten, dass die Punktezahl bei Platten vor Gericht am Ende höher sein wird als bei den Vorgängern. Das dürfte Leslie Clio, wie auf dem Plattencover zu sehen, etwas zwiespältig zurück lassen…


    Um auf „Purple“ auf eine gänzlich fröhliche Nummer zu stoßen, muss man sich bis zum siebten Song durchhören, „In And Out“. Das ist auch die einzige. Allerdings schimmert hier und da ein Refrain durch, eine Bridge, die nicht so ganz zu Leslie Clios neu erfundener Identität passen will („Sad Games“, „And I’m Leaving“, „In And Out“).Auf „Purple“ sind nur noch wenige tanzbare Tracks zu finden, wie der slightly 80er-Jahre geprägte Song „Aquarius“ zum Beispiel. Ein Song wie das Gefühl, betrunken im Club jede Sorge und allen Herzschmerz wegzutanzen – insbesondere zum starken Ende, wenn sich die Sound-Schichten dissonant übereinander legen.Auf ähnliche Art und Weise verschwimmen auch die visuellen Bilder und Aufnahmen der Sängerin in ihren Musikvideos zu „Darkness Is A Filler“ und „And I’m Leaving“ sowie auf ihrem Album-Artwork. Es hat hier fast den Anschein, als oszilliere Leslie Clio zwischen den Identitäten.Und so ist ihr auch der Imagewechsel noch nicht vollends, aber schon fast gelungen.(musikblog)




    „Lies Are Gold“ heißt der Opener des Albums, und er baut eher auf perkussive Patterns als auf Melodien. Sie werden früh gesetzt, rasch akzentuiert und bis zum Ende in wechselnder Intensität durchgehalten. Ein Spiel, das man kennt aus dem kontemporären Mainstream und das sich im Lauf der Platte einige Male wiederholt, etwa in „Riot“, dessen Refrain vielleicht einen Zacken zu viel aus der Pathoskelle abbekommen hat. Aber prinzipiell gilt: Das Paukige wird an den richtigen Stellen aufgebrochen. Balladen wie das Anker zu Größen des Soul werfende „Game Changer“ oder das flächige „Aquarius“ verstehen es sehr genau, dem Wumms auch eine atmosphärische Grundierung mitzugeben. Am Ende des Albums kommt es zu einer interessanten Begegnung: In „Bad Habit“ erhebt plötzlich Drangsal seine Stimme. Gemeinsam kleiden die beiden alle Räume in dunkelgrau aus. Schön.(musikexpress)




    Es gibt fett produzierte Hits (»And I’m Leaving«, »Sad Games«), düstere Klänge (»Darkness Is A Filler«), vertrackte Balladen (»Game Changer«) und zarte Nummern wie »Fragile« und »Bad Habit«. Das letztgenannte zauberhafte Duett mit Drangsal hat das Potenzial und Recht, zukünftig auf jedem Soundtrack der Welt zu landen. »Ihre ersten beiden Alben waren am besten«, wird man sich über Leslie Clio daher nie erzählen. Fick dich ins Knie, Nostalgie. (intro)


  • The Wooden Sky - Swimming in strange waters

    The Wooden Sky - Swimming in strange waters






















    Indie-/Folkrock mit psychedelischen Momenten. 

    Kyle MacLachlan ist gerade wieder in seiner Paraderolle als Dale Cooper in der neuen "Twin Peaks"-Staffel zu sehen. Über einen Zeitraum von 25 Jahren haben sich viele Fans der Serie eine Fortsetzung gewünscht und MacLachlan hat mit seiner Rolle sicherlich großen Anteil am Erfolg der Staffeln in den 90er Jahren. Seinen ersten Filmauftritt hatte er zuvor im Film "Dune", bzw. "Der Wüstenplanet". Die Verfilmung des Romans von Frank Herbert war ein ziemlicher Reinfall. Ich erinnere mich eigentlich nur an Stings Auftritt. Einen nachhaltigeren Eindruck hat offensichtlich der Roman selbst gemacht, denn das Zitat "Survival is the ability to swim in strange water" inspirierte nun über 50 Jahre nach Veröffentlichung die kanadische Band The Wooden Sky zum Titel ihres fünften Albums.

    Die Band aus Toronto hatte bereits Songs für ein neues Album als Demos produziert, als sie die Arbeiten wegen einer Tournee unterbrachen. Als sie sich später an die Produktion der "polierten" Version der Songs machen wollten, erlagen sie dem Charme der Rohentwürfe und nahmen die finalen Versionen in ähnlicher Weise wie die Demos. Auf "Swimming in strange waters" vermischt sich solider Indie- und Folkrock mit psychelischen Einflüssen. Diese und ein paar weitere genre-untypische Ideen sorgen dafür, dass "Swimming in strange waters" stellenweise durchaus "besonders" und nicht zu sehr nach "Irish Pub" klingt. Der Titelsong, "Deadhorse creek" und "Black gold" sind meine Favoriten auf "Swimming in strange waters".

    Der Titelsong:


    The Wooden Sky auf Tour:
    • 06.06. Würzburg
    • 07.06. Nürnberg
    • 08.06. Hamburg
    • 09.06. Berlin
    • 16.06. Wuppertal
    Außerdem tritt die Band auf dem "Summer Pie"-Festival am 17.06. in Palma de Mallorca auf. Ich denke das gilt im weitesten Sinn auch als Auftritt in Deutschland.

    Popmatters:
    Swimming in Strange Waters is, by far, the Wooden Sky’s most ambitious album to date. This is so regardless of whether we are focusing on a lyrical, vocal, or quite clearly instrumental standpoint when saying this. For fans of the band, they’ll find more here to bask in all at once than perhaps any of the band’s first records upon first listen, and for those just being introduced to them, this is a great spot to jump in. They’ve made a conscious effort to leave their mark with this one and they’ve succeeded.
  • James Vincent McMorrow - True care

    James Vincent McMorrow - True care























    Offenbar überrascht James Vincent McMorrow sein Publikum gerne. Mit dem Album "Post tropical" wandelte er sich 2014 plötzlich zum Soul/R'n'B-Musiker, "We move" tat 2016 so, als hätte sich JVM mit dieser Ausrichtung angefreundet. Und nun erschien überraschend schon sein neues Album "True care". Mit diesem setzt er sich über einige Konventionen des Musikgeschäfts hinweg. 

    Was sagt der Ire selbst zu seinem jüngsten Werk?
    5 months it took,  itʼs the best thing iʼve ever created… is it weird to say that?? fuck it. tʼs the life iʼve  lived up to this point, itʼs the one that might be ahead of me. And sometimes life is magical. But other times itsʼ scary and fucked… honestly most times itʼs scary and fucked. [...] I have no answers for anyone… No truths. No wider wisdom. I view things through the prism of my own world,  thatʼs where iʼm creating from. 
    Das stammt aus einem lesenswerten Statement, in welchem McMorrow auf seiner Website die Hintergründe zur Entstehung von "True care" erläutert. Es wird klar, dass es sich um sein bisher persönlichstes Werk handelt. 

    Ich bin geneigt, McMorrows eigener Einschätzung zuzustimmen: "True care" enthält zwar leider keinen Hit wie "If I had a boat", aber es versöhnt die Stärken seines Debüts mit den Soul-/R'n'B-/Electro-Spielereien der letzten Alben. Stellenweise klingt "True care" wie die weniger zerschredderte Variante von Bon Ivers "22, A million". Auf produktionstechnische Feinschliffe verzichtete McMorrow bei den Aufnahmen zu "True care" weitgehend und so klingt es merklich weniger steril als "Post tropical" und "We move".

    The Irish Times:
    The songs here, on the other hand, are sometimes flawed, occasionally faltering, but always within the grasp of the listener. By being “reactive to the world” he lives in, McMorrow has learned a crucial tortoise/hare lesson: instinct beats intellect every time.
    McMorrows musikalische Fähigkeiten und seine Stimme geben ihm viele Möglichkeiten, "True care" erscheint mir als weiterer Schritt auf der Suche nach seiner musikalischen Identität. Wir werden sehen, wohin es ihn in Zukunft treibt. Hoffentlich übertrifft die Spannung seiner Musik dauerhaft die Spannung auf die neue Musik. Bislang gewann "True care" in meiner Wertschätzung während jedes Durchlaufs. 

    Anspieltipps: "National" (toller Text), "Thank you", "Bend your knees" und "Don't wait forever".

    "True care":

    Für seine Tour (ausgenommen Festival-Auftritte) hat James Vincent McMorrow angekündigt, das neue Album komplett zu spielen und anschließend die Hits der Vergangenheit zu liefern. In Deutschland tritt er zu diesen Terminen auf:
    • 18.08. Köln
    • 19.08. Hamburg

  • Tom Hickox - Monsters In The Deep

    Tom Hickox - Monsters In The Deep




















    Nicht immer haben diejenigen den Erfolg, denen man ihn gönnen würde, was uns von Harry Styles zu Tom Hickox bringt.

    Der englische Singer/Songwriter mit der tiefen Stimme veröffentlichte kürzlich sein zweites Album „Monsters In The Deep“ und zeigt sich darauf stilistisch vielfältiger als auf „War, Peace And Diplomamcy“. Ein Mehr an melancholischen Kammerpop-Dramen wäre auch kaum möglich gewesen. Zwar verwaltet Tom Hickox auch auf „Monsters In The Deep“ das Erbe ("Korean Girl In The Waiting Room") seines Vaters Richard, der ein klassischer Dirigent war und 2008 verstarb, wagt sich aber auch vermehrt an rockige Uptempo-Songs ("The Dubbing Artist", "Monsters In The Deep") oder Folk-Ausflüge ("Mannequin Heart"), so dass die Kritiker häufig Leonard Cohen für Vergleiche heran ziehen oder das musikalische Spektrum durch Nick Drake und Nick Cave begrenzen.

    „Monsters In The Deep“ hat weniger bewegende und ergreifende Momente als „War, Peace And Diplomamcy“, das 2014 in meinen persönlichen Top 5 und bei Platten vor Gericht auf Rang 18  landete, schillert aber einerseits, das Plattencover (bunt vs. monochromatisch) deutet es bereits an, stilistisch reichhaltiger, offeriert andererseits einen Song mehr (10 vs. 9) und ist auch auf Vinyl erschienen.  




    A key objective was to create an album that you could play for the first time and not have any idea what the next song would sound like on the basis of the one before it. As a result of these open-ended sessions, The Plough found its natural place away from the piano, its spare acoustic arrangement leaving a sense of space which echoes its protagonist’s awe at their own insignificance beneath the cosmic canopy. Certainly, it couldn’t be more different to the two songs that sit either side of it: the sybaritic schemer exhorting his companion to come and make a fresh new start in Istanbul; and then, the bright rhythmic rhapsodising of The Dubbing Artist. (Bowers & Wilkins)




    All in all, this is a really great album from a man of undoubted talent, both musically and lyrically. There are a couple of fillers, but generally it comes together as a cohesive, compelling, whole. Hopefully, it will manage to forge a path through the current landscape of banal pop and be properly heard.(Louder Than War)




    Opener Man of Anatomy is a haunting lament on addiction that sounds like a coal-black Fleet Foxes, while Perseus and Lampedusa’s “sail away” refrain jars with its account of the migrant crisis. It’s a far more experimental record than his first – The Dubbing Artist, for example, is a near-danceable piece of acoustic EDM about a woman who voiced popular western flicks in Soviet-era Romania. And while it’s a little high on filler, it proves his ability to be a creator as well as an imitator.(The Guardian)


  • Harry Styles - Harry Styles

    Harry Styles - Harry Styles



















    10 Fakten zum ersten Album von Harry Styles:

    1. Das Debütalbum voin Harry Styles ging im Vereinigten Königreich direkt auf Platz 1 der Albumcharts, stürzte Kasabians „For Crying Out Loud“ von der Spitze und ließ Paul Wellers „A Kind Revolution“ deutlich hinter sich.

    2. Harry wer? Harry Edward Styles ist 23 Jahre alt, nahm 2010 bei „The X Factor“ teil, wurde dort mit vier anderen Jungs in eine Band gesteckt, One Direction waren geboren und nahmen 5 Alben auf, die sich weltweit über 21 Millionen Mal verkauften.

    3. Beim One Direction-Label Columbia Records unterschrieb Harry Styles einen Vertrag für 3 Soloalben. Die Erfolgsgeschichte kann also weitergehen und man darf (mehr oder weniger) gespannt sein, welches One Direction-Mitglied, nach Zayn Malik und Harry Styles, das nächste Soloalbum / Nummer Eins-Album veröffentlichen wird. 

    4. „Sign Of The Times“ wurde als erste Single ausgewählt und erreichte natürlich ebenfalls Platz 1 der englischen Charts sowie Rang 4 in den USA.

    5. „Sign Of The Times“ verdrängte Ed Sheerans „Shape Of You“ nach 13 Wochen an der Spitze der Singles-Hitliste.

    6. Das Video wurde auf der Isle of Skye in Schottland von Woodkid gedreht und trotz anders lautender Gerüchte kamen CGI und ein Stuntman zum Einsatz. 




    7. „Harry Styles“ beinhaltet 10 Songs, die 40 Minuten laufen, von einem Team, bestehend aus Harry Styles, Jeff Bhasker, Tyler Johnson, Ryan Nasci, Mitch Rowland und Alex Salibian, komponiert wurden und häufig mit dem Etikett „Soft Rock“ versehen werden. 
    Jeff Bhasker, Tyler Johnson und Alex Salibian werden gemeinsam mit Kid Harpoon auch als Produzenten gelistet.

    8. „Harry Styles“ konnte im Shop von Harry Styles in 12 unterschiedlichen Versionen / Kombinationen gekauft werden. Für schlappe 74 Euro gab es die limited Edition inkl. Hardcover Book CD, White Colour LP und Photo Set - das T-Shirt musste hier gesondert geordert werden.

    9. Metacritic sieht „Harry Styles“ (bei 23 berücksichtigten Kritken) durchschnittlich bei 69/100 Punkten. Der Spiegel sagt:

    Nicht alle Songs können die Grandezza von "Sign Of The Times" halten, aber sie haben eins gemein: Styles und sein Produzent Jeff Bhasker arbeiten mit Mitteln, die mit der Gegenwart herzlich wenig zu tun haben, sondern an verschiedensten Spielarten angloamerikanischer Rockmusik andocken, deren Wurzeln mindestens 20, manchmal über 40 Jahre in der Vergangenheit liegen"Carolina" kreuzt Stealers Wheels 1973 aufgenommenen Hit "Stuck In The Middle With You" mit Mittneunziger-Britpop der Blur-Schule. "Ever Since New York" könnte man sich gut von Travis-Mann Fran Healy gesungen vorstellen, der Refrain ist dann doch eher Fleetwood Mac. Und im abschließenden "From The Dining Table" muss man an den angezauselten Folk von Künstlern wie Devendra Banhart oder M. Ward denken. Nur in der Mitte des Albums wird es albern, die Lehre, die man aus Liedern wie "Only Angel" und "Kiwi" ziehen kann: Den entfesselnd riffrockenden Macker nimmt man Styles nicht ab.(Spiegel)


    10. In Deutschland ist Harry Styles weniger erfolgreich: „Sign Of The Times“ erklomm Platz 20, „Harry Styles“ Rang 5 der Charts. Er kommt dennoch für zwei Konzerttermine (bereits ausverkauft):
    27.10.17 Köln, Palladium
    07.11.17 Berlin, Tempodrom



  • Paul Weller - A Kind Revolution

    Paul Weller - A Kind Revolution



















    England, was ist los mit dir? Erst Brexit und nun, zum ersten Mal seit 25 Jahren, ein neues Album von Paul Weller nicht in die Top 4 vordringen lassen, obwohl er - bis auf „As Is Now“ (2005) - sonst immer auf die Plätze 1 oder 2 gebucht war?!

    „A Kind Revolution“ ist das dreizehnte Soloalbum von Paul Weller und neben den 10 regulären Tracks liefert die Deluxe Version nur einen bedingten Mehrwert: zehn Instrumentals, acht Remixe und ein Bonus-Lied („Alpha“) können mich nicht zum Kauf bewegen. Auch kann ich mich wenig an den Ausflügen in Richtung Funk („She Moves With The Fayre“), Rhythm & Blues („Woo Sé Mama“, „Satellite Kid“), Dancefloor („One Tear“) oder Jazz („The Cranes Are Back“) berauschen, so dass ich mir nur wenige Stücke (etwa „Long Long Road“, „New York“ oder „The Impossible Idea“) in eine Konzertsetliste, schließlich kommt der Mann für acht Termine nach Deutschland (siehe unten), wünschen würde. 

    Neben seinen üblichen Mitstreitern (Andy Crofts, Ben Gordelier, Steve Cradock und Steve Pilgrim) durfte Paul Weller u.a. P.P. Arnold, Boy George, Robert Wyatt und Josh McClorey (The Strypes) im Studio begrüßen. Wirft man einen Blick auf die Kritiken, so können offensichtlich viele Titel von „A Kind Revolution“ überzeugen, schließlich steht es aktuell bei Metacritic bei 86/100 Punkten - besser als alle anderen gelistete Alben (seit 2003) von Weller. 
    Da liegen England und ich wohl mit unserer Ein- und Wertschätzung falsch.




    Das Album beginnt mit „Woo Se Mama“, einem Rhythm & Blues nach Art des Hauses Weller, serviert mit Chor-Beilagen und zwei kurz gebratenen E-Gitarrensoli. „Nova“, direkt im Anschluss kriegt ganz locker die Kurve vom Ziggy-Stardust-Bowie in den Space-Rock. „Long Long Road“ darf ein paar Momente an die „Long And Winding Road“ der Beatles erinnern, „One Tear“ tänzelt selbstvergessen zwischen Pop und Dub. Und im schön zurückgenommenen Funktrack „She Moves With The Fayre“ hören wir Robert Wyatts Jazz-Trompete und Gesang. Allein das ist ein Geschenk.Ach ja, und Weller kann Blues-Rock spielen, ohne, dass man sich dabei fremdschämen möchte. Der Mann wechselt die Stimmungen nonchalant, er singt jeden Song noch irgendwie ins Hier und Jetzt, die Zeile aus seinem 1995er Solo-Highlight STANLEY ROAD im Programm: „I‘m the changingman, waiting for the bang“. Zwischen den Stühlen und den Zeiten hat er seinem Soulrockjazzblues-Kaleidoskop auf Soloalbum Numero 13 wieder einige funkelnde Glassteine hinzugefügt. Well done, Paul!(musikexpress)




    Paul Weller in Deutschland:
    30.05.2017 Hamburg, Markthalle
    31.05.2017 Berlin, Huxleys
    02.06.2017 Darmstadt, Centralstation
    03.06.2017 Köln, Kantine
    04.06.2017 Bielefeld, Ringlokschuppen
    03.09.2017 Saarbrücken, Garage
    04.09.2017 München, Technikum
    05.09.2017 Leipzig, Täubchenthal

  • British Sea Power - Let The Dancers Inherit The Party

    British Sea Power - Let The Dancers Inherit The Party



















    Vielleicht steht Oliver heute im Kölner Gebäude 9 vor der Bühne und möglicherweise fällt ihm, genau in dem Moment, wenn British Sea Power diese betreten, ein, dass er „Let The Dancers Inherit The Party“ hier vorstellen wollte. Vermutlich wird er dann die vielen Hits dieses Albums („Bad Bohemian“, „Keep On Trying (Sechs Freunde)“ oder „The Voice Of Ivy Lee“) und die zahlreichen Klassiker der Band aus Brighton abfeiern und, geplagt vom schlechten Gewissen mir gegenüber, der zuhause sitzen, sich das Album nur digital anhören und diesen Text schreiben darf, am Merchandise-Stand die Vinyl-Version käuflich erwerben. Da er weiß, dass ich die Deluxe Version (mit richtiger Songreihenfolge, da diese auch auf die vier Seiten der Doppel-LP passen, und einer verlängerten Version von „Saint Jerome“) zu schätzen weiß, greift er auch gern etwas tiefer in seine Geldbörse, um diesen Fauxpas, schließlich ist „Let The Dancers Inherit The Party“ bereits Ende März erschienen und seine Vorstellung mehr als nur überfällig, wieder gut zu machen. 

    Während „Let The Dancers Inherit The Party“ im englisch sprachigen Raum positiver (Metacritic: 78/100) aufgenommen wird als ihre vorherigen Alben („Machineries Of Joy“ 71/100, „Valhalla Dancehall“ 70/100), sind die Kritiken in Deutschland eher mau:


    Denn das Sextett proklamiert sich auf der Single "Keep on trying (Sechs Freunde)" mehrfach, endlos, bis zur Püreewerdung des Gehirns, als ebendiese "sechs Freunde". Dank der leicht windschiefen Aussprache klingt das wie "Sexfreunde" und sorgt bestenfalls für pubertäres Kichern. Immerhin eine Reaktion, denn der Rest des Songs ist wahrlich einfach vollkommen egal. Schlimmer wird es davor in "International Space Station", dem vielleicht schlechtesten Song, den British Sea Power je aufgenommen haben. Ekelhafter Keyboardschleim wird vom stampfenden Beat großzügig in der Hörmuschel verteilt, in der Bridge wird der Songtitel ausgiebig buchstabiert. Waren die schon immer so seicht und platt? Man erkennt sie in der ersten Hälfte kaum wieder vor lauter Zuckerguss und Turtelei. Auch wenn dann und wann gefällige Momente aufblitzen, holt das die Kohlen nicht mehr aus dem Feuer. (…)Alle kleinen und großen Verbrechen dieser Platte sind vergeben und vergessen, wenn "Don't let the sun get in the way" die Sache mit dem Pop tatsächlich richtig hinbekommt und "Alone piano" sich mit dem titelgebenden Instrument und sanft wiegendem Schaukelstuhl-Rhythmus verabschiedet.(Plattentests)




    Weil British Sea Power jedoch so gekonnt 1980er-Bands und 1980er-Bands imitierende Bands imitieren, kann man dem Sextett aus Brighton nicht wirklich böse sein. Einzig der »Sechs Freunde«-Killers-Kokolores in »Keep On Trying« hätte nicht sein müssen. Mit »What You’re Doing To Me« und »Saint Jerome« gibt es dafür zwei ihrer bis dato besten Songs, und auch sonst fühlt sich das Album wie ein unterhaltsamer Streifzug durch Clubs an. Altbekanntes Terrain, kurzweilige Unterhaltung und am Ende zu dem zarten Rausschmeißer »Piano Alone« mit einer neuen Liebe oder einsam mit einem verdammten Laugenbrötchen an der Haltestelle frieren.(intro)




    British Sea Power setzen mit shoegaze-affinen Stücken wie „Electrical Kittens“ oder dem wunderschönen „The Voice Of Ivy Lee“ vielmehr auf Melodie und dezente New Wave-Versatzstücke. Damit knüpft die Gruppe an ihren nonchalant verträumten Vorgänger „Machineries Of Joy“ an, wenngleich dessen melodisches Niveau auf ganzer Länge nicht erreicht werden kann.Gesangliche Ausbrüche wie in „Saint Jerome“ sind die Ausnahme. Die der Band oft nachgesagten Postpunk-Züge werden auch in „Don’t Let The Sun Get In The Way“ eher in Schach gehalten. Das macht „Let The Dancers Inherit The Party“ alles in allem eine Spur zu gezügelt und seicht.(musikblog)


    Oh, vielleicht hat Oliver „Let The Dancers Inherit The Party“ auch nicht so richtig gefallen und er war gar nicht auf dem Konzert… 


  • 10 Schallplatten, die uns gut durch den Juni bringen

    10 Schallplatten, die uns gut durch den Juni bringen























    10. Sufjan Stevens, Bryce Dessner, Nico Muhly & James McAlister - Planetarium (09.06.)



    9. Algiers - The Underside Of Power (23.06.)



    8. UNKLE - The Road Part 1 (2LP) (23.06.)



    7. Saint Etienne - Home Counties (2LP) (02.06.)



    6. Cigarettes After Sex - Cigarettes After Sex (graues Vinyl) (09.06.)



    5. Kraftwerk - 3-D Der Katalog (9LP) (26.05.)



    4. alt-J - Relaxer (02.06.)



    3. Radiohead - OK Computer (Boxed Edition, 3LP) (23.06.)



    2. U2 - The Joshua Tree (30th Anniversary) (Ltd. 7LP Set) (02.06.)



    1. Ride - Weather Diaries (2LP) (16.06.)










  • BNQT - Volume 1

    BNQT - Volume 1






















    "Supergroup" - diese Bezeichnung soll allein schon durch die Kombination potentiell angesprochener Fan-Gruppen für Aufmerksamkeit und Verkaufszahlen sorgen. Nun hatte ich gar nicht auf dem Schirm, dass es sich bei BNQT um eine solche Gruppe handelt. Im Gegenteil erwartete ich wegen des Namens und des Albumtitels beim unbedarften Anklicken eher eine blutarme Electro-Compilation. 

    Schon der Opener lehrte mich, dass ich mit meiner Vermutung falsch lag. Der vierte Song klang dann nach Fran Healy von Travis und der nächste Titel nach Alex Kapranos von Franz Ferdinand. Da wurde ich dann aufmerksam und siehe da, BNQT vereint tatsächlich diese beiden Sänger mit Ben Bridwell (Band Of Horses), Jason Lytle (Grandaddy) und Eric Pulido von Midlake. Die Rest wird ebenfalls von Midlake gestellt. Eigentlich handelt es sich also um Midlake erweitert um vier Gastsänger, die friedlich das Mikro kreisen lassen. Das Projekt hat einen Namen, der noch sperriger klingt als "Supergroup". Ausgesprochen möchte er als "Banquet" werden. 

    Mit "Mind of a man" (Healy), "Hey banana" (Kapranos) und "Fighting the world" (Kapranos) gelingen der Band drei richtig starke Titel. Kapranos steht damit als Gewinner des Sänger-Contests fest. Anscheinend passt er ideal zu Midlakes Melodieverliebtheit. Die Suche nach verführerischen Melodien scheint auch die Mission des Projekts zu sein. In den rockigen Abschnitten klingt "Volume 1" allerdings manchmal einen Tick zu sehr nach Supertramp in deren weniger inspirierten Phasen. Wegen der Abwechslung durch die Sängerschar ist das Album aber auf jeden Fall hörenswert. 

    "Mind of a man":

    "Hey banana":

    The Guardian stuft diese Kombination etablierter Musiker als gelungen ein:
    Backed by Pulido’s Midlake bandmates, egos are set aside for the greater good. All provide great tunes – they write and sing two each – and they entertain rather than indulge in introspection.
    Das Paste Magazine erscheint skeptischer:
    At its best, the collection unfurls a succession of sugared, shimmering, time-swept confections seemingly torn from an alternate-universe ‘70s AM playlist, and even those relatively throwaway numbers boast a masterful leftfield popcraft whose flawless form never masks the profound eccentricities bleeding through each track. Though certain similarities of sound may be unavoidable when like minded contemporaries deploy weaponized hooks via the same Laurel Canyon-steeped instrumental backdrop, the artists lovingly indulge their own stylistic quirks for distinctly different effects. Given the variety of approaches employed within, just about everyone scrolling through these 11 tracks should find an addled anthem easy to love…even as the album itself remains frustratingly difficult to like.

  • Fazerdaze - Morningside

    Fazerdaze - Morningside

     




















    Indierock, Pop (auch in der verträumten Beach House-Variante), Lo-Fi, Synthies und Shoegaze sind die Zutaten, mit denen Amelia Murray aka Fazerdaze experimentiert. Die gleichnamige EP erschien im Jahr 2014 und nun folgte das Debütalbum "Morningside". Es klingt so schön und entspannt, wie man sich die neuseeländische Heimat der Sängerin vorstellt. Echte Abenteuer bietet "Morningside" nicht, aber eine nette Wohlfühlatmosphäre. 

    "Last to sleep", "Friends" und "Half-figured" sind meine Anspieltipps für "Morningside". Ein Video gibt es zu dem Titel "Little uneasy":

    "Shoulders":


    Fazerdaze werden am 27.05. auf dem "Immergut Festival" in Neustrelitz auftreten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Songs in Verbindung mit lauen Sommerabenden auf entspannten Festivals gut funktionieren werden.

    Der österreichische Kurier kürte Fazerdaze zum "Star der Woche":
    Zuerst waren die Beatles. Dann 90s Gitarrenbands, Slackermusik von und für orientierungslose Jugendliche auf Skateboards, wenn sie nicht gerade mit Dosenbier in Opas abgewetztem Fauteuil vor der Glotze sitzen – also ganz einfach großartig. Für Amelia Murray ist das alles Geschichte, aber eine, die sie im heimatlichen Wellington regelrecht aufgesogen hat. Und so schmiedet sie unter dem Künstlernamen FAZERDAZE derart bezaubernde kleine Songperlen zur elektrischen Gitarre, Bass und Drumcomputer, dass man jede einzelne von ihnen ganz einfach umarmen möchte.
  • At The Drive-In - In•ter a•li•a

    At The Drive-In - In•ter a•li•a






















    "Relationship of command" tauchte in vielen Jahresbestenlisten des Jahres 2000 auf. Die Reichweite des Albums wurde erst später klar, als dieser Post-Hardcore-Kracher immer wieder als Referenz genannt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war At The Drive-In bereits in The Mars Volta und Sparta zerfallen. Um das Jahr 2010 fand die Band wieder zusammen. So recht klappte es aber nicht mit der Chemie und so war 2012 wieder Schluss. Anscheinend als Therapie gründeten die beiden Protagonisten Omar Rodríguez-López und Cedric Bixler-Zavala die Band Antemasque. Deren gleichnamiges Debüt war ein solides Alternative-Album aber kein Ersatz für At The Drive-In.

    Nun erschien nach 17 Jahren mit "In•ter a•li•a" der Nachfolger von "Relationship of command". Langzeit-Mitglied und Sparta-Gründer Jim Ward ist nicht mehr dabei, an seine Stelle tritt Sparta-Gitarrist Keeley Davis. "In•ter a•li•a" ist Post-Hardcode, (Art) Punk und Alternative. Hätte At The Drive-In dieses Album im Jahr 2002 veröffentlicht, wäre es Abklatsch des starken "Relationship of command" bezeichnet worden. Im Jahr 2017 ist es ein gutes Album und ein souveräner Rückblick auf die Stärken der Band. Alles richtig gemacht. 

    "In•ter a•li•a" ist sehr homogen geraten. Der Song "Ghost-tape no. 9" fällt auf, weil er der relative Ruhepol des Albums ist. Generell klingt "In•ter a•li•a" in meinen Ohren weniger hektisch und daher hörbarer ist als "Relationship of command". Ungeheuer kraftvoll klingt dieses Comeback trotzdem. 

    Das Video zu "Hostage stamps":

    "Incurably innocent":

    Für den 23.08. ist ein Konzert der Band in München angekündigt.

    NME.com:
    Likewise, anyone concerned that Ward’s absence might result in Rodríguez-López’s proggier, Mars Volta-esque impulses going unchecked can rest easy. Aside from the gothic industrial churn of ‘Ghost-Tape No. 9’, everything here is as visceral and immediate as a leg-break, even when the subject matter goes to dark places. Perhaps most significantly, ‘in•ter a•li•a’ feels like an ATDI album, which is no small achievement – just ask The Stone Roses, who’ve thus far struggled to rediscover their mojo after a similarlength of time away. All of a sudden, At The Drive In’s reason for being has become thrillingly self-evident: they’re back to finish what they started.
  • Cast - Kicking Up The Dust

    Cast - Kicking Up The Dust




















    Seien wir ehrlich: Cast waren nie die coolen Kids des Britpop. Zum einen waren Bands wie The Bluetones, Shed Seven oder sogar Menswear sicherlich häufiger auf den Covern von NME, Select oder Melody Maker abgebildet, zum anderen haftet der Band immer der Makel an, dass sie nicht so gut war wie The La’s, die John Power zuvor verlassen hatte und deren zweites Album wir auch nach 27 Jahren noch sehnlichst erwarten. 2005 wurden übrigens bereits erste neue Songs (die „Gimme The Blues“, „Sorry“, „I Am The Key“, „Fishing Net“, „Raindance“ und „The Human Race“ heißen sollen) live gespielt, John Power war auch wieder mit an Bord, aber Lee Mavers soll sich die Zeit nehmen, die er braucht und sich nicht hetzen lassen.

    Zurück zu Cast: Das Debütalbum „All Change“ (1995) war toll, auch noch die folgende Non-Album Single „Flying“, danach ging es stetig bergab und nach vier Platten löste sich die Band auf. 2012 tauchten Cast mit dem mediokren „Troubled Times“ wieder auf. Mittlerweile ist mit leicht veränderter Besetzung, nämlich John Power (Gesang, Gitarre), Liam Tyson (Gitarre), Keith O’Neill (Schlagzeug) und Jay Lewis (Bass), ein weiteres Album, „Kicking Up The Dust“, erschienen, das zwischen Britpop, Adult Orientated Rock, Country und 70s Rock wandelt und möglicherweise ihr drittbestes ist.




    The bold bass and stomping drums opening the existential 11 song album, has title-track 'Kicking Up The Dust', bringing reality home via John Power's words and gritty, spacey guitar tones. With a merry melodic intro that moves to a half-Bossa beat, 'Roar'  keeps it calm till the chorus kicks in, which instantly displays the band's characteristic growl. The addition of Jay Lewis on bass and backing vocals since 2015, seems to provide a cool breeze to things vintage and new.It can be said that this album has evident textbook rock songwriting examples, with its evenly well-thought arranged sections. There is a nice golden blend of 70s rock-ballad stylings on tracks such as 'Paper Chains' and 'How Can We Lose', possessing warm vocals and guitars, that reach down deep into your soul, similar to iconic forerunners The Eagles and Thin Lizzy.There are swift moments where the songs take a slight style detour down the pop-rock route, the relationship withdrawal 'Birdcage', additionally 'Clear Blue Water', a bit heavier and yet cheerfully pounds along, thanks to Keith's stickwork.However, for those of us wanting to hear songs bathed in that rich enchanting Cast essence, experienced in the manner of their early albums, hold on. There is the down-home country stomper 'Further Down The Road', a dreamy layered 6/8 light bringer 'Every Little Thing You Do', and one of the album's strongest songs, the hook-tastic mid-tempo groover 'Baby Blue Eyes'.A simmered down melancholic love lost finale, 'Out Of My Hands' wrings out a decent country-rock ballad and brings Kicking Up The Dust to a gentle close. A mature outlook for Cast has delivered a thoughtful package of mixed emotions and certainly mixed song energies. Not to quell the fires of expectation, but it could engage a mixed reception equally.(Soundlab)




    Stonking title track ‘Kicking Up The Dust’ erupts with a ferocious drum beat that signifies intent from the opening seconds.  With a sense of anger in front-man John Power’s vocal the powerful track will whet the appetite of any existing fan whilst possibly attracting some new ones at the same time. The rousing vibe continues with‘Roar’, a track that has all the makings of a live favourite that is bound to be sung back at the stage with intensity from the floor. With a tasty guitar riff by Liam ‘Skin’ Tyson ‘Do That’ also has a real groove to it with Jay Lewis on bass and Keith O’Neill on drums completing the line-up. The track is a real grower and is another that delivers in classic CAST fashion and with Power’s stirring vocal and is an early highpoint.The delicate ballad ‘Paper Chains’ provides an opportunity for the listener to take stock of the moment as John Power appears to reflect on life to date “been a lot of days, been a lot of nights, been a lot of times in my life”. Accompanied by a beautiful female backing vocal the track is simply stunning with the fragile vocal touching the soul. ‘Birdcage’ follows and builds an almost hypnotic chant and when the vocals are peeled away towards the end of the track it feels like the bird has flown.Released some time ago, ‘Baby Blue Eyes’ appears to have been re-recorded and is arguably the album standout track with a spirited, euphoric, punch the air chorus that leaves nothing behind. There’s a country feel as ‘Out Of My Hands’ closes out the album ensuring there is plenty of variation.  All in, Kicking Up The Dust delivers throughout and proves sometimes the wait is worth it.(kulbritania)


  • Hajk - Hajk

    Hajk - Hajk



















    Wer für ein sommerlich, leichtes Mixtape noch einen Indiepop-Song sucht, der gut zu den Hits aus dem aktuellen Album von Tennis („Yours Conditionally“) passt, dem seien „Magazine“ oder „Medicine“ von der norwegischen Band Hajk und ihr gleichnamiges Debütalbum empfohlen. 
    Obwohl, wenn Sigrid Aases das Mikrofon von Preben Andersen (Gitarre) entrissen bekommt, dann könnten die Lieder auch gut zu Metronomy („Nothing Left To Say“, „Common Sense“) oder Phoenix („Best Friend“) passen. Das Quintett aus Oslo, das Ende 2015 seine erste Single veröffentlicht hatte und seitdem viel Lob und Beachtung erhielt, wird durch Knut Olav Sandvik (Bass), Johan Nord (Schlagzeug) und Einar Næss Haugseth (Keyboards) komplettiert.




    Auf dem selbst betitelten Debütalbum schwelgen die Fünf aus Oslo in flirrenden Gitarrensounds mit dezentem Tropicana-Einschlag. Das klingt mehr nach kalifornischem Strand als nach norwegischem Fjord! (…)Die Synthies schwelgen in souverän leichtfüßigen Songs wie »Nothing Left To Say« durch sanft angesoulte Soundwelten. Und sind ein ganz klein wenig wehmütig, was übertriebener Süßlichkeit erfolgreich einen Riegel vorschiebt. Das ist Musik für Menschen, die federleicht durch ihre Wohnung steppen wollen, ohne dabei zu sehr ins Schwitzen zu geraten. Das ist spielerischer, zärtlicher Pop, der sich nicht anbiedern muss und mit Songs wie »I Don´t Remember« beweist, dass zurückhaltende Eleganz das neue Laut ist!(Nordische Musik)




    In „Best Friend“ übernimmt Andersen den Lead-Gesang und treibt legere dreieinhalb Minuten durch überraschend funkige Gefilde, die dabei stets irgendwo im eingängigen und dennoch leicht entrückten Indie-Mikrokosmos spielen. „Somebody Else“ setzt hingegen auf Atmosphäre mit einem Hauch von Elektronik, angedeuteten Beats und dem gekonnten Wechselspiel aus synthetischem Minimalismus und großen, bandgesteuerten Gefühlen. Mit dem fluffigen, hibbeligen „Nothing Left To Say“ findet sich sogar ein weiterer kleiner Sommersong auf dieser Platte.Hajk haben hörbar Spaß auf ihrem Debütalbum und schicken eine Reihe kleiner, feiner Songperlen ins Rennen. Dieser selbstbetitelte Einstand ist mehr als ’nur‘ Indie Pop, streckt seine Fühler in alle musikalischen Himmelsrichtungen aus, tanzt und groovt stellenweise, nur um dann wieder introvertiert und melancholisch zu werden. Der Soundtrack der zweiten Frühlingshälfte mobilisiert und umarmt zugleich mit einem durchgehend unterhaltsamen, unheimlich sympathischen Album.(Beatblogger)




  • Diagrams - Dorothy

    Diagrams - Dorothy



















    Noel Gallagher berichtete einmal, dass ihm das Texten besonders schwer falle und rief dazu auf, ihm gute Lyrics zu zu schicken, und in einer retrospektiven Albenbetrachtung sprach er nicht nur über das fehlende „s“ im Titel von „Standing On The Shoulder Of Giants“ (Schuld daran waren Alkohol (er) + fehlender Mumm (alle anderen), ihn darauf hinzuweisen), sondern auch über einen Song, den er niemals hätte mit auf das Album nehmen sollen. Auch ohne Titelnennung dürfte Dank der Textzeile „I can see a liar, sitting by the fire“ ziemlich klar sein, was er mit diesen Aussagen meinte.

    Was das mit Sam Genders (Tunng, The Accidental, Throws) zu tun hat? Er kontaktierte die 90-jährige Dichterin Dorothy Trogdon und ließ sich von ihr die Texte für das dritte Album seines Projektes Diagrams schreiben, nachdem er ihr Buch „Tall Women Looking“ gelesen hatte und von ihrer Dichtung sowie den behandelten Themen ergriffen war. Mit Hilfe von Crowdfunding wurde das gemeinsame Projekt finanziert und zu Ehren der Autorin „Dorothy“ betitelt. 
    Sam Genders kann einfach nicht anders, als samtweiche und warme Folksongs zu komponieren, die sein ehemaliger und irgendwie auch wieder aktuelle Mitstreiter Mike Lindsay gelegentlich mit dezenter Electronic untermalt, die zuweilen von Streichern, Bläsern, Flöte oder weiblichen Backing Vocals durchweht werden oder zu denen sich Field Recordings von Orcas Island, auf der Dorothy lebt, gesellen. Eingerahmt wird das Album, dessen einziges Manko seine Kürze ist, von „Under The Graphite Sky“ in Form der Genderschen Songvariante bzw. des Trogdonschen Urgedichts. 

    Ach, wäre ich doch ein großer Lyriker und würde ein Oasis-Album meinen Namen (oder wahlweise eine kluge, originäre Weisheit, die ich nicht betrunken vom Rand einer Münze abgeschrieben hätte) tragen...




    Aus den Texten auf »Dorothy« spricht ein ehrfürchtiges und fasziniertes Staunen vor der Natur, das oft an Walt Whitman erinnert. Die thematisch passende Untermalung bastelt Genders aus einem Mix von sanften Folk-Klängen und Electro-Sounds, ähnlich wie bei seiner früheren Band Tunng. Manchmal kämpft er etwas damit, die Gedichtform auf seine Musik zu übertragen, da müssen die Zeilen mit sanfter Gewalt auf die Musik gebogen werden. In Songs wie »It’s Only Light« hingegen funktioniert die Fusion perfekt. Wer hätte gedacht, dass man so berührend über ein so abstraktes Thema wie Teilchenphysik würde schreiben können?(intro)


    Und Genders kann ja, das hat er schon oft bewiesen, ganz formidable Songs schreiben, diese hier kommen mit der sanften Wucht des Majestätischen, sie triumphieren in den nur minimal elektrisierten, weit offenen Arrangements von Kelly Pratt (Beirut, Arcade Fire, David Byrne). Ein Album wie eine Umarmung – Worte, Klangfarben und Melodien halten sich gegenseitig fest. Am Ende gibt uns Dorothy Trogdon in einer Art Field Recording ihr Gedicht „Under The Graphite Sky“ mit auf den Weg: „Let the kindness of rain and the darkness fall on your shoulders“.(musikexpress)





  • Perfume Genius - No Shape

    Perfume Genius - No Shape




















    Hoffentlich kann Mike Hadreas den Abwärtstrend bei Platten vor Gericht stoppen. Als Perfume Genius veröffentlichte er seit 2010 drei Alben mit deutlich sinkendem Punktedurchschnitt: „Learning“ (2010) 7,5 Punkte, „Put Your Back N 2 It“ (2012) 6,6 Punkte und „Too Bright“ (2014) 6,375 Punkte.

    Nun als „No Shape“, das Perfume Genius auf 13 Kompositionen stilistisch so vielfältig zeigt wie nie zuvor. Mit „Kirchenmusik, Goth Radio Formaten, Art Pop, Krautrock, Queer Soul, Rhythm and Blues“ reiht der Pressetext die Einflüsse auf und man möchte das wilde Nebeneinander durch Trip Hop, Piano-Balladen und Walzer ergänzen, auf schmachtende Streicher, Tribal-Drums, zirpende Harfe und spooky Electronica verweisen und zudem das Duett mit Natalie Mering (Weyes Blood), ungewöhnliche, intime Texte über erotische Asphyxie-Spiele und die herausragenden Kritiken erwähnen. Metacritic sieht „No Shape“ aktuell bei 85/100 Punkten - aber auch die drei vorherigen Alben lagen jenseits der 80-Punkte-Marke.


    Despite gorgeous string arrangements and moments of heavenly ecstasy, this is no orchestral-pop wankfest. Songs are short but pack in so much. Some artists embrace success by making their work longer – Hadreas goes deeper. Granted, one of the highlights is Sides, a stunning, near-five-minute duet with Natalie Mering of Weyes Blood, full of heady melodies and textures.No Shape is not defined by any one sound, genre or instrument. Just Like Love is all waltzy romance; there are overtones of Sade in the smouldering Die 4 You; Valley has a jaunty pace and a hook befitting a pop song, but the fragmented lyrical imagery is more like poetry; and Choir pairs an urgent string arpeggio with eerie spoken word to disembodying effect.Many influences are apparent, but the delight is how much No Shape lives up to its title. On 2014’s Too Bright, Hadreas expressed liberationist sentiments, played with gender and made his queerness confrontational. This time, those themes are felt more heavily in the way he channels familiar riffs, structures and themes into something so singular, unsettling and beautiful.(Now Magazine)




    The centrepiece of the record, Wreath, is a semi-title track dedicated to fluidity. 'I wanna hover with no shape,' he muses. 'I’m gunna call out every name until the one I’m meant to take / sends a dove.' A whirling, spinning, breathless testimony to Hadreas’ unique vision and aesthetic, Wreath sparkles with power, beauty and truth.Perfume Genius’ magic lies in transforming struggle into folklore, mythologizing a daily endurance against patriarchal bullshit. These are vital hymns to unite and strengthen, and his press release states in no uncertain terms that Hadreas intends to change your life. It feels an almost outdated artistic intention in pop’s current economic climate, but this revolution isn’t necessarily one of grand gestures. Alan – the album’s closing lullaby – comforts, soars and then slips away, asking, 'Did you notice, we slept through the night?'(The Skinny)




    Perfume Genius in Deutschland:
    14.06.17 Berlin, Kantine am Berghain

  • Low Roar - Once In A Long, Long While…

    Low Roar - Once In A Long, Long While…

















    „Low Roar waren bis jetzt eine Herzensangelegenheit für Bescheidwisser“, sagt intro, und die müssen es ja wissen, schließlich nennen sie ihre monatliche Albenbewertungsrunde ja auch Platten vor Gericht. Wir sind also nun ausgewiesenermaßen Bescheidwisser und belegen dies mit den Plätzen 19 und 36 in unseren Jahresendauswertungen für „Low Roar“ (2011) und „0“ (2014). 
    Dass das Projekt des kalifornischen Musikers Ryan Karazija, der zwischenzeitlich von Reykjavik nach Warschau umgesiedelt ist, zuletzt nicht verdient gewürdigt wurde, hat nicht an mir gelegen. Alle die keine Bewertung für „0“ abgegeben haben, haben etwas verpasst, Ingo hat vermutlich nicht richtig hingehört. 

    Nun präsentiert Ryan Karazija 12 neue Songs und kombiniert erneut dezente, manchmal zeitlupenhafte elektronische Beats, sanfte Synthieflächen und melancholischen Gesang im Spannungsfeld zwischen Ambientpop und Folktronic. Dass seine Verbindungen nach Island noch nicht ganz gekappt sind, zeigt sich in „Bones“, einem Duett mit Jófríõur Ákadóttir, die man von Pascal Pinon oder Samaris kennt, oder dem extrem nach Sigur Ras klingenden „Miserably“. Akustische Gitarre und Bläser erweitern das Klangspektrum von „St. Eriksplan“, „Gosia“ ist auf rein akustischen Grundpfeilern errichtet, während der anschließende Titelsong ein zirpendes und quietschendes Elektro-Experiment ist.




    In Low Roars elegischem Ambient-Postrock war immer schon Platz für eine Prise Pop, auf »Once In A Long, Long While…« gibt es nun spürbar weniger Haken und Ösen, durch die sich die flächig aufgeschichteten Soundscapes schlängeln. Die Single »Bones«, auf der Karazija zusammen mit Jófríður Ákadóttir von Pascal Pinon singt und flüstert, ist ein so dramatisch schönes wie zärtliches Duett. Doch insgesamt betört dieses Album weniger als dass es plätschert. Während die beiden Vorgänger noch als poppigere Versionen von Sigur Rós durchgingen, sind Low Roar sich nun nicht mehr sicher, ob sie schön spielen oder berühmt werden wollen. Dadurch steigt die Band aus der eigenen Liga leider in eine Wohlfühl-Mittelklasse ab.(intro)




    Um mit diesen Emotionen umzugehen, setzt Karazija auf einen intelligenten Mix aus Elektropop, folkig-balladigen Elementen, Weirdpop und Neoklassik. Und ist doch im Herzen ein Popster, der Mädchenmusik macht! Dem tieftraurigen »Bones«, das er im Duett mit dem isländischen Shootingstar Jófríõur Ákadóttir« (Pascal Pinon, Samaris, JFRD) singt, kommt bei allem Selenschmerz doch leicht daher. Und die Sehnsucht, wie sie der Meister im synthieumschmeichelten »Give Me An Answer« besingt, trägt keinesfalls Trauerflor!
    Samtpfötig schleicht sich das singer-songwriteraffine »Gosia« heran und erhebt das Tagträumen zur Kunstform. Nein, die Hoffnung auf Glück hat Low Roar auf dem dritten Album definitiv nicht aufgegeben! Mit ein wenig Hilfe von den weltweit verstreuten Freunden wie dem Tunng-Mastermind Mike Lindsay, der übrigens ebenfalls enge Beziehungen zur isländischen Musikszene pflegt. Ob Ryan Karazija Reykjavík aus Liebeskummer verlassen hat - oder weil die isländische Hauptstadt derzeit von Touristen überrannt wird: Wir wissen es nicht. Der Musiker ist in die neueste europäische Metropole des Cool gezogen: Nach Warschau!(Nordische Musik)




    Low Roar in Deutschland:
    25.05.2017 Köln - Artheater
    26.05.2017 Frankfurt - Zoom
    06.06.2017 Berlin - Bi Nuu

  • Die 10 besten Alben von Prince

    10. Lovesexy (1988)
    9. Diamonds And Pearls (1991)
    8. 3121 (2006)
    7. 1999 (1982)
    6. The Gold Experience (1995)
    5. Dirty Mind (1980)
    4. Sign O' The Times (1987)
    3. Parade (1986)
    2. Purple Rain (1984)
    1. Around The World In A Day (1985)

    (ausgewählt von Volker)