Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Neue Gerichtstermine: Dezember / Januar / Februar

    Neue Gerichtstermine: Dezember / Januar / Februar




















    Dezember

    07.12.
    LP - Heart To Mouth
    Morrissey - Low In High School (Deluxe Edition)
    Annenmaykantereit - Schlagschatten

    14.12.
    CHVRCHES - Hansa Session EP


    2019 
    Januar

    18.01.
    Deerhunter - Why Hasn't Everything Already Disappeared?
    Juliana Hatfield - Weird
    Sharon Van Etten - Remind Me Tomorrow
    Steve Mason - About The Light
    The Twilight Sad - It Won/t Be Like This All The Time
    Lost Under Heaven - Love Hates What You Become

    25.01.
    Blood Red Shoes - Get Tragic
    Swervedriver - Future Ruins
    The Dandy Warhols - Why You So Crazy
    TOY - Happy In The Hollow
    Balthazar - Fever

    Februar

    01.02.
    Beirut - Gallipoli
    White Lies - Five
    Moritz Krämer - Ich hab' einen Vertrag unterschrieben 1 & 2

    08.02.
    Bob Mould - Sunshine Rock
    Mercury Rev - Bobbie Gentry's The Delta Sweete Revisited
    Die Goldenen Zitronen - More Than A Feeling
    The Lemonheads - Varshons 2

    15.02.
    Charlotte Brandi - The Magician
    Piroshka - Brickbat
    Yann Tiersen - All



  • The Good, The Bad & The Queen - Merrie Land

    The Good, The Bad & The Queen - Merrie Land



















    Ach Damon, wenn ich mir hier meine Bewertungen für deine letzten Alben so anschaue, dann weiß ich gar nicht, warum ich mich auf neue Platten von dir noch freuen soll. Egal, ob solo („Everyday Robots“, 2014, 7 Punkte), mit Blur („The Magic Whip“, 2015, 6 Punkte) oder den Gorillaz („Humanz“, 2017, 3 Punkte, und „The Now Now“, 2018, 5,5 Punkte) - am Ende sind wir beide enttäuscht. Ich von deiner Musik und du von meinen vergebenen Punkten. 

    Jetzt versuchst du es mit The Good, The Bad & The Queen, der „Supergroup“, die du mit Paul Simonon (The Clash), Simon Tong (The Verve) und Tony Allen (u.a. Fela Kuti) betreibst und von der wir alle dachten, dass sie nur eine einmalige Sache wäre. Aber 2007 war ich von eurem einzigen Album „The Good, The Bad & The Queen“ auch nicht wirklich begeistert. Erinnerst du dich?
    das einzige stück, das sich aus diesem größtenteils langweiligen und monotonen, mitunter sogar zähem brei ein wenig abhebt ist "three changes" - und das ist ziemlich schrecklich.
    diese supergroup brauche ich nicht wirklich.

    Jetzt also „Merrie Land“, ein knapp 38 Minuten langer, melancholischer, wehmütiger Blick auf seine britische Heimat in Zeiten des Brexit. Tony Visconti produziert das Album, so dass mir, neben Blur-Balladen und einem versponnenen Sixties-Song zwischen Kinks und Beatles („Gun To The Head“), tatsächlich häufiger David Bowie in den Sinn kommt („The Great Fire“). Und den Sonderpreis für den besten Einsatz eines Männerchores hast du Aurora („It Happend Quiet“) auch noch in letzter Minute Dank „Lady Boston“ entrissen. Vielleicht finden wir in der Verzweiflung über den Großteil deiner Landsleute doch wieder zusammen, Damon.  




    (…) ein All-Star-Ensemble, mit dem Albarn bereits 2006 ein Album aufgenommen hatte, auf dem es ebenfalls um England ging. Damals gelang eine zauberhafte Verschmelzung aus Dub, Afrobeats, Britpop und Folk.
    Dieser Überraschungseffekt ist auf "Merrie Land" naturgemäß nicht mehr gegeben, aber langweilig ist das Album deswegen nicht, ganz im Gegenteil. Es enthält eine volatile und ätherische, auf die britische Folktradition zurückgreifende Musik: Dichte Texturen, nahtlose Übergänge, die scheinbar ziellos tänzelnden Dub-Beats von Allen und Simonon ergeben fast schon paranoide Meditationen über verpasste Möglichkeiten und vertane Chancen.
    (Spiegel)




    Albarn ist zu klug, um von vergangener Größe zu träumen. Doch spürt man in diesem Abgesang, wie großartig dieses Königreich immer noch sein kann. Albarn mag Stimme, Kopf, Herz der Formation sein, aber mon Dieu!, diese Rhythmusgruppe: Paul Simonons Bassläufe schaffen Spannung aus dem Platz, den sie lassen, derweil Tony Allen ebenso präzise wie swingend seine Ghost ­Notes setzt. Macht lässig-synkopierte ­Grooves, eher Off-Beat, Dub-beatmet. Nicht stolpern auf der Tanzfläche!
    „Merrie Land“ ist kein Pamphlet für oder gegen den Brexit und schon gar kein zynischer oder seliger Blick zurück. Es ist einfach so vielschichtig wie alle Kunst, die poetisch, skeptisch und, ja, auch nostalgisch in ­ihre Zeit dringen will. Ray Davies wird träumen, zumindest der Titelsong wäre ihm selbst eingefallen.
    (Rolling Stone)




    Und so hören wir eine sehr andere Musik, eine, die weniger verklöppelt wirkt (die Ausnahmen sind „Nineteen Seventeen“ mit seinen synkopierten Beats und der kleine Reggae-Shanty „The Truce Of Twilight“), und stattdessen, nachzuhören in „Ribbons“, bisweilen nahtlos an der Melancholie andockt, die man von großem Blur-Balladenmaterial in Erinnerung hat. Dementsprechend wichtiger ist Albarn für diese Platte, aus dem Primus inter Pares ist ein Bandleader geworden, was auch damit zu tun haben mag, dass es nun eben Geschichten zu erzählen gibt.
    (musikexpress)


  • Julia Holter - Aviary

    Julia Holter - Aviary


























    Mit einigem aber durchaus auch gedämpften Interesse verfolge ich Julia Holters Entwicklung. Ihr Album "Ekstasis" verursachte bei mir keine Ekstase, "Loud city song" und "Have you in my wilderness" konnten zumindest stellenweise mein Wohlwollen erhaschen. Und nun versucht es die Amerikanerin mit ihrem fünften Werk "Aviary" erneut. Zu diesem Zweck veröffentlichte sie ein Monster von 15 Titeln und 90 Minuten Spieldauer.

    Mir ihrer Mischung aus experimentellem Art / Baroque Pop und elektronischen Ambient-Klängen macht sie es weder sich noch ihren Hörern leicht. Ihre Herangehensweise an die Musik kann man in jeder Hinsicht als "akademisch" bezeichnen: Zwei Studienabschlüsse im Bereich Musik / Komposition haben ihr viele Ideen und Möglichkeiten an die Hand gegeben und anscheinend versucht die Amerikanerin fast alle davon zu nutzen. Diese Ambitionen zeigten sich schon früh in ihrer Karriere, aber so langsam scheinen die Ergebnisse ihrem eigen Anspruch gerecht zu werden. Zumindest hört sich für mich "Aviary" um einige Stufen schlüssiger an als die mir bekannten Vorgängeralben. Inzwischen schafft es Holter m. E. nun schon fast perfekt, die relative poppige Wirkung von "Have you in my wilderness" mit der Komplexität ihrer Kompositionen zu vereinen.

    "Whether", "I shall love 2", "Underneath the moon" und "Les jeux to you" sind meine Einstiegshilfen für mutige und / oder neugierige Hörer.

    Der Musikexpress:
    AVIARY gleicht einer Wunderkammer, in der ständig neue Eindrücke um die Aufmerksamkeit buhlen. Es ist eine große Leistung Holters, dass einem dabei nicht der Kopf platzt. So mühelos scheint diese eigensinnige Bildungsbürgermusik ihr aus den Fingern zu fließen, dass man die literarischen Referenzen gar nicht dechiffrieren muss, um die Stücke in ihrer Aufrichtigkeit schätzen zu können.

    "Words I heard":


    "I shall love 2"


    Julia Holter ist aktuell auf Tour in Deutschland:
    • 30.11. Berlin
    • 02.12. Frankfurt
    • 03.12. München
  • 10 Schallplatten, die uns gut durch den Dezember bringen

    10 Schallplatten, die uns gut durch den Dezember bringen





















     10. Toad The Wet Sprocket - Box Set (Limited Edition, 5 LPs, RSD) (23.11.18)







     9. Super Furry Animals - Rings Around The World (180g, Limited-Numbered-Edition, Pink/Purple Mixed Vinyl, 2 LPs, Single 7") (14.12.2018)







     8. Manic Street Preachers - This is My Truth Tell Me Yours: 20 Year Collectors’ Edition (180g, 2 LPs) (7.12.2018)







     7. The Good, The Bad & The Queen - Merrie Land (180g LP, Limited-Edition) (16.11.2018)







     6. Chromatics - Night Drive (180g, 2 LPs, Pink Vinyl) (7.12.2018)







     5. The Beta Band - Hot Shots II (Limited-Edition, 3 LPs, Colored Vinyl) (7.12.2018)








     4. The Beta Band - Heroes To Zeros (Limited-Edition, LP, Colored Vinyl) (14.12.2018)







     3. Die drei ??? - Die drei ??? Geheimnis des Bauchredners (Folge 196) (180g 2 LPs, Limited-Edition) (30.11.2018)







     2. Art Brut - Wham! Bang! Pow! Let's Rock Out! (LP) (23.11.2018)







     1. Kaiser Chiefs - Employment (LP) (7.12.2018)







  • The Smashing Pumpkins - Shiny and oh so bright, Vol. 1 / LP: No past. No future. No sun.

    The Smashing Pumpkins - Shiny and oh so bright, Vol. 1 / LP: No past. No future. No sun.


























    Ja, es gab schon einige Comebacks oder Neustarts der The Smashing Pumpkins. Und ich habe mich über jedes und jeden gefreut, weil ich einerseits auf ähnlich starke Songs hoffte und  hoffe, wie die Band sie Mitte der 90er Jahre fabriziert hat und andererseits zumindest an diese für mich musikalisch aufregende Zeit erinnert werde. Aus Anlass des 25. Jubiläums von "Siamese dream" feierten wir die Band erst kürzlich ausgiebig mit einer Revision

    Vor 30 Jahren fanden sich in Chicago zuerst Billy Corgan und James Iha, etwas später stieß D'arcy Wretzky hinzu und noch im gleichen Jahr vervollständigte Jimmy Chamberlin das erste Line-Up der Band. Ab 1996 zerfiel des Ensemble langsam. Im Jahr 2000 löste es sich auf. Fünf Jahre später wurde der Band wieder Leben eingehaucht, von der Urbesetzung waren aber nur Corgan und Chamberlin vertreten und trotz durchaus fähiger anderer Musiker an der Gitarre fehlte vor allem James Iha. Das Zerwürfnis zwischen Corgan und Wretzky erwies sich als unüberbrückbar, so dass man nur auf Ihas Rückkehr hoffen durfte. Und zu der kam es nun tatsächlich und mit dem zehnten Album "Shiny and oh so bright, Vol. 1 / LP: No past. No future. No sun." veröffentlichen die Smashing Pumpkins nun erstmals neue Songs mit zumindest 75 % der Urbesetzung.

    Und auf dem aktuellen Album finden Fans so ziemlich alles, was die Band ausmachte: Melancholie, Gitarrenausbrüche, Pomp und durchaus ein paar hymnische Momente. Und zu der Geschichte der Band gehören nun einmal auch alle Alben seit dem "Machina"-Doppelschlag und auch diese Zeit klingt durch. Höhepunkte wie auf dem Meisterwerk "Mellon Collie and the Infinite Sadness" finden sich auf "Shiny and oh so bright, Vol. 1 / LP: No past. No future. No sun." (selten war "copy and paste" so wertvoll wie heute) leider nicht, aber von "Knights of Malta", "Silvery sometimes (Ghosts)" und "Alienation" sollten die Anhänger der poppigeren Klänge ebenso angesprochen werden, wie die Gitarrenfans "Solara"feiern können. 

    Von Ihas Rückkehr (und Rick Rubin an den Reglern) habe ich mir etwas mehr erwartet, aber das Album hätte auch wesentlich schlimmer ausfallen können. 

    Pitchfork sieht das Album merklich negativer, aber mit einem Killers-Vergleich gehört es m. E nicht bestraft:
    The songs here are absent of feeling or inspiration, but even creepier, they feel absent of intent. Corgan’s lyrics scan as if they have been translated into numerical code and back into words again: “I’ve seen enough/It’s all undone/Tis the secret of the Irishman,” he mumbles on “With Sympathy.” “When doldrums age in platinum/ I’ve a starship you can use,” he offers on “Knights of Malta.” How does a wishing tree run dry?” Corgan asks on “Alienation,” a query about as meaningful as “Are we human or are we dancer?” and six-thousand times less memorable.

    Das Video zu "Silvery sometimes":


    "Solara":


  • ClickClickDecker - Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten

    ClickClickDecker - Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten




















    Käme ich auf die Idee, in meiner iTunes Bibliothek nach „Arsch“ zu suchen,  würde diese natürlich beim Erdmöbel Song „Am Arsch, Welt, kannst du mich kaputtschlagen“ fündig. Ich glaube, dass Markus Berges dieses kryptische Zitat irgendwo in Dortmund an eine Wand gesprüht sah, ich kann mich aber auch irren und vielleicht war es vollkommen anders. Und das passt irgendwie auch perfekt zu ClickClick Decker, denn einerseits findet mein iTunes seit einigen Tagen auch deren neues Album mit dem ebenfalls unergründlichen Titel „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ und andererseits bleiben Kevin Hamanns Texte und Alltagsbeobachtungen charmant, lakonisch und schwer zu deuten. Songtitel wie „zwei Klettergerüst“, „Minutenklopfer“ oder „fast nie eigentlich immer“ weisen einen Weg in die Irre.

    Da aus dem Soloprojekt mittlerweile ein Trio - Oliver Stangl und Sebastian Cleemann ergänzten Kevin Hamann bei den Aufnahmen, die in ihren (Heim-)Studios in Hamburg und Berlin sowie der ehemaligen Dorfschule in Nordfriesland stattfanden - geworden ist, sind Songstrukturen, Arrangements und Instrumentierung vielschichtiger und -fältiger geraten. Melancholischer, warmer und unerwartet guter Folkpop, den unser Plattenrichter Volker mit „Ich hab’ es euch ja schon immer gesagt“ kommentieren und mit einer hohen Bewertung honorieren wird.

    Auch überraschend: Mein iTunes findet bei dem eingangs erwähnten Suchbegriff übrigens auch „Haarschneider auf Flamme“ von Perrecy.




    Denn auf „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ gibt es Momente, die einem in ihrer Schönheit den Atem rauben können: „Palmaille“ zum Beispiel, ein Song, der auf dem Papier von Element Of Crime stammen könnte, in ClickClickDeckers Händen aber zu einem wunderlichen Stück Kunst-Pop wird, mit klimpernden Kalimbas und zart gezupften Gitarren. Oder „Fast nie eigentlich immer“, dass mit aus dem Nichts explodierenden E-Gitarren überrascht – und das Album genauso beendet wie es angefangen hat, mit wunderschönem Lärm. (…)
    ClickClickDecker haben keine Angst vor unbequemen Selbstreflexionen oder vor großen Sound-Experimenten. Diese Band ist furchtlos und einfühlsam. Und einer der größten Schätze der Pop-Musik dieses Landes.
    (byte.fm)




    Der stärkste Song des Albums ist auch der kürzeste. "Schreckmensch" bringt innerhalb von nur 1:33 Minuten und drei Zeilen eine ganze Depression auf den Punkt. "Was ich von mir sagen will / und was ich von mir halte / ich bin der schrecklichste Mensch der Welt."
    Weil ClickClickDecker eine kluge Band sind, lassen sie ihren Frontmann damit nicht alleine, etwa in einem pathetisch-traurigen Song, nur untermalt von einer gezupften Akustikgitarre. Stattdessen unterstützt ihn raumgreifender Sound, der zwar düster daherkommt, aber auch einen ganz subtilen Groove besitzt.
    Das Zwillingsstück hierzu dauert ebenso keine zwei Minuten. Für "Liebchen" zieht die Band das Tempo an, während der Text vom Weg aus der Depression handelt. "Der lange Marsch zu dir selbst" nach "deinen Wiederbelebungsversuchen unten am Elbstrand".
    Die E-Gitarre bekommt in "Am Arsch Der Kleinen Aufmerksamkeiten" immer wieder ihre Auftritte, zum Beispiel direkt nach "Schreckmensch", im Intro zu "Festschwimmen". Wie entfesselt spielt sie auf und spült dabei die Gehörgänge von der schweren Kost davor frei.
    Solche Momente bleiben nach dem ersten Durchlauf aber nicht unbedingt im Ohr kleben, sie fügen sich in diesen warmen Klangteppich aus Akustik-Gitarre, Perkussion und Klavier ein. Erst bei zwei-, dreimaligem Hören lässt sich ganz begreifen, was alles vor sich geht.
    (laut)




    ClickClickDecker unterwegs:
    07.03.2019 Berlin, Funkhaus
    08.03.2019 Leipzig, Neumanns
    09.03.2019 Nürnberg, Club Stereo
    10.03.2019 München, Kranhalle
    11.03.2019 Wiesbaden, Schlachthof
    12.03.2019 Oberhausen, Druckluft
    13.03.2019 Köln, Artheater
    14.03.2019 Bremen, Tower
    15.03.2019 Hannover, Lux
    16.03.2019 Hamburg, Knust

  • Hannes Wittmer - Das große Spektakel

    Hannes Wittmer - Das große Spektakel



















    Gerade hat er sich als Spaceman Spiff einen Namen gemacht und den Einzug in unser Sammelalbum geschafft („Endlich nichts“ ist das Bildchen mit der Nummer 195), da veröfffentlicht er erst mit einem Nebenprojekt ein Album in englischer Sprache („Otago“) und legt dann auch noch seinen Calvin & Hobbes entliehenen Künstlernamen ab, weil dieser wahlweise falsch ausgesprochen oder die Anspielung nicht verstanden wurde. Generell sollte man, so erklärt es der Würzburger Singer/Songwriter, „sicher länger als 3 Minuten über einen Namen“ nachdenken.

    Über die Trennung von seinem Alter Ego hat Hannes Wittmer auf jeden Fall länger und intensiver gegrübelt und alle Beweggründe auf seinem Blog dargelegt. Dass diese Entscheidung auch negative finanzielle Auswirkungen haben wird spielt dabei keine Rolle, denn der Musiker geht noch einen Schritt weiter, klinkt sich aus dem Konsumsystem Musik aus und wird sein neues Album weder auf Spotify, iTunes usw. stelllen noch auf CD in den Handel bringen. „Das große Spektakel“ steht seit Anfang November zum freien Download und Streaming auf seiner Website. Dennoch kann man Hannes Wittmer freiwillig finanziell hier unterstützen, denn selbst der Eintritt zu seinen Konzerte (Termine siehe unten) sollen zukünftig ausschließlich auf Pay-What-You-Want-Basis erfolgen.  

    Da Wittmer Vinyl als Medium zum Musik hören nach eigener Aussage super findet, wird es „Das große Spektakel“ im Februar 2019 beim mairisch Verlag in einer limitierten Auflage als Schallplatte (schwarzes Vinyl, Inside-out-Cover, dazu Textposter) geben, die bereits jetzt vorbestellt werden kann. Sollten dabei Gewinne entstehe, gehen diese an Ärzte ohne Grenzen.

    Die 10 Songs von „Das große Spektakel“ wurden von Hannes Wittmer (Gesang, Gitarre, Mellotron) gemeinsam mit Clara Jochum (Cello, Gesang), Jonny König (Drums) und Felix Weigt (Bass, Synthesizer, Piano) aufgenommen und stehen glücklicherweise in schöner Spaceman Spiff-Tradition. Mein aktuelles Lieblingslied heißt „140 cm“ und das schönste Bild zeichnet Wittmer in „Affen“ (Ein Holzweg in Beton gegossen / Führt uns überall hin / Aber wer will überall sein?), aber davon kann sich jeder selbst überzeugen…
     



    Wie schon beim ebenso tollen "Endlich Nichts" hat sich Wittmer das Talent bewahrt, das gesellschaftlich Große und Ganze aus dem persönlichen Blickwinkel einzufangen. Wenn er etwa in "Rom" zu hüpfender Percussion und unruhigen Synthies anerkannte Wege und waghalsige Umwege zum Erwachsenwerden einfängt und die spießige Norm nicht nur mit dem Bild des Carports für die Familienkutsche verschmitzt abtut: "Wer jetzt nicht da ist, wo er alt werden kann / Wird niemals wieder ernst genommen / Über dankbare Umwege geschlendert / Bist Du gerade so davon gekommen."
    Der kleine Bruder im Geiste von Gisbert zu Knyphausens "Wer kann sich schon entscheiden?" ist "Norden", das mit den Versen "Meine elende Freiheit ist zu groß für uns beide / Komm wir binden sie fest, auf dass ich noch bleibe" den Spagat zwischen heimeliger Treue und Freiheitsdrang versucht, bevor Wittmer zum Ende hin ungeahnt romantisch wird: "Raub mir den Atem / Bis ich vergesse wie Luft schmeckt, bleib' ich bei Dir." In "140cm" richtet sich der Blick weiter nach vorn. Nicht komplett negierend, aber zweifelnd sinniert Wittmer über Ehe und ewiges Zusammenleben, und trommelt "all die geschiedenen Eltern" zum Chor der gutgemeinten Ratschläge zusammen. Nein, auch wenn mit dem tiefnachdenklichen "Schatten" ein weiteres schüchtern-introvertiertes Stück über die Einsamkeit inmitten all der Hektik zum Innehalten anstiftet, bewahrt sich "Das große Spektakel" auch das Schelmige, das Bittersüße, das beinahe Positive. Bestes Beispiel ist der kleine Hit "Nachts", der mit Schalk im Nacken das Schlagzeug mal Schlagzeug sein lässt und sich gleich mehrmals zu feschen Indie-Gitarren auf der Tanzfläche windet.
    (Plattentests)





    Hannes Wittmer unterwegs:
    01.02.19 Stuttgart - Club Cann
    02.02.19 Freiburg - Artik
    03.02.19 Wiesbaden - Schlachthof
    05.02.19 Leipzig - Werk 2
    06.02.19 Dresden - Scheune
    07.02.19 Erlangen - E-Werk
    08.02.19 München - Ampere
    09.02.19 Würzburg - Cairo
    12.02.19 Bremen - Tower
    13.02.19 Münster - Sputnikhalle
    14.02.19 Hannover - Lux
    15.02.19 Berlin - Lido
    16.02.19 Hamburg - Uebel & Gefährlich
    19.02.19 Trier - Exhaus
    20.02.19 Aachen - Musikbunker
    21.02.19 Köln - Gloria
    22.02.19 Essen - Zeche Carl
    23.02.19 Heidelberg - Halle 02


  • Mumford & Sons - Delta

    Mumford & Sons - Delta




















    Auszüge aus dem geheimen Tagebuch von Paul Epworth:

    „Am ersten Studiotag habe ich ihnen erst einmal die Stecker gezogen und ein Banjo bestellt, denn so wie auf „Wilder Mind“ konnte es nicht weiter gehen. Die Rocker-Nummer hat den Mumfords doch sowieso keiner abgenommen.“

    „Liebes Tagebuch, heute haben wir nur langweilige Songs aufgenommen, hoffentlich streichen die Mumfords „October Skies“ und „Forever“ aus der Trackliste für das Album. Immerhin kann man sich für die 10 besten von insgesamt 25 Songs entscheiden.“

    „Liebes Tagebuch, vergiss, was ich gestern geschrieben habe! 14 Songs sollen auf das Album, das dann über eine Stunde läuft. Wer will denn so etwas?!“

    „Heute habe ich mir im Studio einen Scherz erlaubt und „Guiding Light“ auf U2 getrimmt. Die Mumfords fanden es gut. Ich soll morgen so weiter machen…“

    „Haha, heute habe ich sie auf „Picture You“ nach Coldplay klingen lassen. Sie müssen ja nicht wissen, dass von deren „Ghost Stories“-Sessions hier noch etwas unbenutzt herum lag…“ 

    „Leider verstehen die Mumfords meine Scherze nicht. Heute habe ich Marcus’ Stimme am Computer verzerrt („Forever“). Und die fanden das wieder gut und wollen moderner klingen! Nun gut, zumindest ihre von mir versteckten Lederjacken suchen sie immer noch.“

    „Ich werde schließlich dafür bezahlt, dass ich meine Kundenwünsche erfülle, oder? Ein bisschen Elektro-Geplucker hier („Rose Of Sharon“), ein wenig R’n’B da („Woman“) - sie wollen ja wieder mehr Platten verkaufen, die Mumfords… Und wehe, es sagt am Ende jemand, ich trage die Schuld!“ 

    „‚Wenn wir das Album so veröffentlichen, gehen wir mit Pauken und Trompeten bei den Kritikern unter‘, habe ich Marcus und seinen Söhnen heute gesagt. ‚Pauken und Trompeten?‘, sagt da Marcus, ‚die brauchen wir auch noch!‘ Also habe ich heute „The Wild“ und „If I Say“ dramatisch aufgebauscht.“

    „Liebes Tagebuch, halte dich gut fest, die Mumfords sind gar nicht ein Vater und seine drei Söhne.“




    Mumford & Sons ist der Albtraum, in dem es Ed Sheeran viermal gibt. Das ist das Netteste, was man über die Band sagen kann. Mit jedem neuen Album bekennt sich der Zirkel um den pastoral drauflos singenden Pastorensohn Marcus Mumford zu einem Weltbild der unerfüllten Ausbruchswünsche. Je heftiger sie das tun, desto schnurzpiepiger werden sie. Die vierte Platte von Mumford & Sons heißt Delta, das ist Griechisch für vier, aber es ist auch ein Service: Der Hinweis darauf, dass sie zum vierten Mal infolge ihre bisher schlechteste Platte gemacht haben. (…)
    Delta ist der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung, also ein neuer Tiefpunkt. Mumford hat alle dynamischen Veranlagungen aus seinem Songwriting verbannt: Es gibt nur noch eine Richtung, immer hoch den Hügel, bei langsam anschwellender Dramatik und Lautstärke. Ein paar Mal schieben programmierte Beats mit an, nicht als Zugeständnis an 2018er Popstandards, sondern zur Verdoppelung der rhythmischen Mannschaftsstärke. Chorgesänge, Orgelgeorgel und plötzlich Richard Strauss aus allen Rohren. Gegen Ende der deutlich zu langen Platte singt Mumford sechsmal hintereinander: "If I say I love you, then I love you."
    Das ist nicht nur ein grammatikalisch korrekter if-clause, sondern auch ein eigener Gedanke. Der Rest seiner Texte klingt auf Delta, als hätte Mumford eine Bibel zerschnitten und die Papierschnipsel beliebig neu angeordnet: Buße hier, Hoffnung dort, ein "guiding light" in Song Nr.1 und 2, Nächstenliebe hüben wie drüben. Mit gutem Willen könnte man daraus einen Kommentar auf die Floskelei vieler Selbsthilferatgeber ableiten, aber schon das würde wohl Mumfords subversives Potenzial überschätzen. Vermutlich ist er einfach ein Spießer, der Spießerdinge für sein Spießerpublikum singt.
    (Zeit)




    Bei „Rose Of Sharon“ wird so das Banjo vom Computer generiert: Billo-Techno, der Fußfaule zum Tanzen bringt, indem er Folkseligkeit simuliert. Bei „Woman“ und „Picture You“ lässt Epworth die Band auf den Neo-R’n’B-Zug aufspringen. Dass die das mitmacht, zeigt, wie schwach ihr Rückgrat ist.
    Mal das DELTA-Cover mit BEAUTIFUL WORLD von Take That vergleichen, auch die standen 2006 in einer Einöde, aber sie gingen. Die Mumfords stehen in einer Diagonale herum, mehr Leben ist da nicht mehr. Moment, doch, die Ausnahme heißt „The Wild“, ein fünfminütiger Versuch, Folk und Drama zusammenzubringen, mit meterhohen Streichern, Pauken und Trompeten. Toll! Hier weitermachen!
    (musikexpress)

    Mumford & Sons auf Tour:
    01.05.19 München, Olympiahalle
    11.05.19 Berlin, Mercedes Benz Arena
    13.05.19 Frankfurt, Festhalle
    15.05.19 Köln, Lanxess Arena
    21.-23.06.19 Scheesel/Neuhausen, Hurricae/Southside Festival

  • Esben And The Witch - Nowhere

    Esben And The Witch - Nowhere



















    Was eindeutig ist: 
    Esben And The Witch sind Rachel Davies, Daniel Copeman und Thomas Fisher, ein Trio aus Brighton, das über das französische Metal-Label Season Of Mist sein fünftes Album veröffentlicht hat. „Nowhere“ versammelt 6 Songs, die knapp 38 Minuten laufen, und der Song „Golden Purifier“ wurde mit einem Video versehen. Zwischen Dezember und Februar werden Esben And The Witch mehrmals in Deutschland gastieren, um ihr Album vorzustellen. Das sind die Termine:
    07.12.18 Wiesbaden, Schlachthof
    08.12.18 Berlin, Frannz Club
    31.01.19 Hamburg, Molotow
    01.02.19 Köln, Artheater
    06.02.19 Hannover, Lux
    07.02.19 Leipzig, UT Connewitz
    11.02.19 München, Ampere
    12.02.19 Regensburg, Alte Mälzerei




    Was nicht eindeutig ist: 
    Ob, falls bisher nicht geschehen, noch eine der weltweit auf 600 limitierten weißen Schallplatten im Deluxe Jacket (laminiert mit UV Spot Gloss) käuflich zu erwerben ist. Und, wie man das benennen soll, was man auf „Nowhere“ zu hören bekommt, vielleicht episch-düsteren Post-Rock, bombastisch-atmosphärischen Gothic-Pop, progressiven Noise, dem Drone verfallender Dream-Pop oder fragilen Post-Rock? Vielleicht auch alles zusammen. Esben And The Witch beschrieben anfangs ihren Sound als „Nightmare Pop“, aktuell sind sie selbst bei der Bezeichnung „Expansive Primal Goth-Punk“ angelangt.


    "The Unspoiled", das als Vorbote ins Rennen geschickt wurde, schreibt sich dröhnend und langsam in die Höhe, rechtfertigt mittig noch am ehesten die Veröffentlichung auf einem Metal-Label, und lässt uns am Ende aber versöhnlich zurück.
    "Golden Purifier" und "Seclusion" dagegen gehen es getragener an und stellen mit ihrem dream-poppigen Charakter ein sanftes Gegengewicht zu "The Unspoiled" dar. Allen Songs von Esben And The Witch ist aber vor allem zwei Sachen gemein: ihre enorme Emotionalität und ihre außergewöhnliche Poesie.
    (Tonspion)


    Die verzerrten Riffs versprühen eine geradezu ursprüngliche Punk-Atmosphäre, während Rachel Davies einmalige Stimme ungefilterte Freiheiten genießt. "Nowhere“ besitzt Kanten an allen Ecken und Enden, wirkt jedoch in seiner Natürlichkeit stets authentisch und rund. Hierzu leistet auch die harmonische Mischung aus ausufernden Epen ("Desire For Light“) und melancholisch-zarten Balladen ("Golden Purifier“) ihren Beitrag.
    Doch die wahre Essenz des Werkes liegt in seiner Emotionalität und der stets vorhandenen unterschwelligen Poesie. Selten bis nie klingt der neue Longplayer des Trios berechnet oder konstruiert, sondern atmet den unvollkommenen Charme Musik gewordener Leidenschaft.
    (Burn Your Ears)


  • Styrofoam - We Can Never Go Home

    Styrofoam - We Can Never Go Home



















    Nach 8 Jahren Funkstille gibt es wieder ein neues Album von Arne Van Petegem. Der Belgier veröffentlicht seit 2000 seine Musik unter dem Namen Styrofoam und lieferte mit „Nothing’s Lost“ eine meiner liebsten Platten des Jahres 2004 ab. Damals war er noch eng mit dem Berliner Morr Music Label verflochten, so dass u.a. Ben Gibbard, Andrew Kenny und Valerie Trebeljahr Gesang beisteuerten. 

    Auf dem aktuellen Longplayer von Styrofoam wird erstmals komplett auf Gesang verzichtet, um den Fokus auf die versponnen Melodien und die pluckernden Rhythmen zu richten. Eine Electronica-Kopfhörer-Platte also. „We Can Never Go Home“ bietet 8 Songs in knapp 41 Minuten, könnte Fans von Ulrich Schnauss, The Postal Service (ohne Gesang) und B. Fleischmann gefallen und ist leider nicht als LP erhältlich, sondern nur als handgefertigte, auf 300 Stück limitierte CD: It is packaged in a lovely hand-stamped 127mm x 127mm 260 gsm light cream cardboard envelope with the front cover image printed on a polaroid style photo paper and an insert sheet containing tracklist and information printed on a 170 gsm azure cardboard.

    Arne Van Petegem nahm die Lieder in seinem eigenen Studio in Antwerpen auf, das vermutlich seinen Namen „Silent Face“ von diesem New Order Titel hat. „Also: I love nine minute songs to close a record,“ sagt er zum letzten Track auf „Nothing’s Lost“, und zumindest das behält er auch auf „We Can Never Go Home“ so bei.






  • PeterLicht - Wenn wir alle anders sind

    PeterLicht - Wenn wir alle anders sind


















    Nach 7 Jahren Funkstille gibt es wieder ein neues Album von PeterLicht. Hier sind die Top 5 Fehler, die ihm auf „Wenn wir alle anders sind“ besser nicht unterlaufen wären:

    5. Texte zwischen Surrealismus, Dada und Nonsense - das kennen wir schon von PeterLicht, daran haben wir uns teilweise erfreut und häufig damit abgefunden. Wenn, dann aber bitte grammatikalisch richtig! „Erst wenn der letzte Chips gegessen ist, werdet ihr merken, dass man Chips nicht essen kann“, singt er im Opener „Chipslied“, dabei lautet der Singular von Chips doch Chip

    4. 1983 entschlossen sich Kiss, ihre Masken abzulegen. Ein Fehler, den sie erst 1996 wieder korrigieren sollten. PeterLicht wird seinen Fehler, die Abkehr von seiner Ablehnung persönlicher Fotos oder Bilder von ihm, nicht wieder gut machen können. Das Tragischste daran: Das  grässliche Plattencover, das er und sein neues Label Tapete Records sich für „Wenn wir alle anders sind“ ausgesucht haben. 

    3. Seit 2003 ist die Musik von „Die Internationale“, dem weltweit am weitesten verbreiteten Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung, das 1888 vom Belgier Pierre Degeyter komponiert wurde, lizenzfrei verwendbar. Leider. Denn nun hat PeterLicht einen neuen (gefühlt nicht enden wollenden) Text ersonnen („Emotionale - Hört die Signale!“). Textauszug: „Die hinterfotzigen Hintergründe des Systems kommen jetzt ans Licht.“

    2. Reggae? Warum schunkelt „Liebeslied von unten - Optionslied“ ausgerechnet in der schlimmsten aller musikalischen Stilrichtungen!?

    1. Der stark an The Cure („Just Like Heaven“) erinnernde Hit des Albums, die Misanthropie-Hymne „Menschen“, wird durch den Einsatz von AutoTune leider verunstaltet. Aber es kommt noch schlimmer: Der exzessive Einsatz von AutoTune in „Letzte Tote des grossen Krieges“.




    Natürlich gibt es sie: die großen, augenzwinkernden Momente, die schrägen Metaphern, der Ulk, der dem Ernst innewohnt. Also all das, was PeterLicht in der Vergangenheit ausmachte. Dass sich nicht die gewohnte Begeisterung einstellen mag, hat nun freilich verschiedene Gründe, doch am schwersten wiegt sicherlich die mangelnde musikalische Spannung: Zu oft pumpt recht stereotyper Electro-Deutschpop durchs Brachland, da fehlt schon ein wenig der Witz, die Raffinesse. Gerade gegen Ende des Albums dominieren jene Nummern, die weder auf musikalischer noch auf lyrischer Ebene an das übliche PeterLicht-Niveau heranreichen. "Letzte Tote des großen Krieges" beispielsweise nervt mit seinem exzessivem Autotune-Gebrauch so sehr, dass wohl sogar Cher und Kanye West Reißaus nehmen würden.
    (Plattentests)

    PeterLicht live:
    24.11.18 Essen – Zeche Carl
    13.12.18 Konstanz – Kulturladen
    14.12.18 Schorndorf – Club Manufaktur
    
04.04.19 Berlin – Festsaal Kreuzberg

    30.04.19 München – Feierwerk (Zusatzshow)
    
01.05.19 Wien – Theater Akzent
    
06.07.19 Leipzig – Geyserhaus

  • Dean Wareham And Cheval Sombre - Dean Wareham Vs. Cheval Sombre

    Dean Wareham And Cheval Sombre - Dean Wareham Vs. Cheval Sombre



















    Der 55-jährige New Yorker gründete die Bands Galaxie 500 (1987 - 1991) und Luna (1991 - 2005, 2015 - …), die sich zwischen Dreampop, Slowcore und Indierock bewegten. Über diese Zeit schrieb Dean Wareham auch ein Buch mit dem Titel „Black Postcards“, das 2008 veröffentlicht wurde. Zwischendurch und seitdem gab es sowohl Solo-Alben von Wareham als auch Platten mit seiner Frau Britta Phillips unter dem Namen Dean & Britta. Insgesamt kamen mehr als 15 reguläre (zzgl. Soundtracks, B-Seiten-Sammlungen, Live- und Demo-Alben, und EPs) Alben zusammen.
      
    Cheval Sombre: 
    Der ebenfalls in New York lebende Cheval Sombre heißt mit bürgerlichem Namen Christopher Porpora und ist sowohl als Poet (2 Bücher: „Becoming“ und „In Mine Eyes“) als auch Musiker (2 Alben: „Cheval Sombre“ und „Mad Love“) aktiv. Sein erstes Album wurde von Sonic Boom produziert, der auch die Verbindung zu Dean & Britta herstellte, auf deren Label es 2009 erschien. 

    Dean Wareham Vs. Cheval Sombre: 
    Das erste gemeinsamen Album von Dean Wareham und Cheval Sombre ist ein entspannter Ritt auf geliehenen Pferden (die 10 Songs stammen u.a. von Bob Dylan, Stephin Merritt oder Townes Van Zandt) durch die Prärie in Richtung Sonnenuntergang. Dort treffen sie nicht auf Bisons oder Kojoten, sondern auf Britta Phillips, Anthony LaMarca (The War On Drugs) oder auch Jason Quere (Papercuts). Statt Gewehren haben sie Westerngitarre umgeschnallt und singen abends zusammen an den Lagerfeuern Lieder zwischen Folk und Country. 




    Die beiden Musiker wissen, dass ein Song berühren muss, um wahrgenommen zu werden. Dabei ist es egal, ob es sich um eine sentimentale Schnulze aus einem Western oder um einen coolen, bizarren, elektrischen Folk-Song handelt. Wareham & Sombre zelebrieren ohne großen Schnickschnack die aufbauende, helfende Kraft, die einem Song innewohnen kann. Dass dabei die eine oder andere Träne verdrückt wird, gehört dazu. Denn auch die harten Männer in den Western hatten häufig einen weichen Kern und das hat sie schließlich liebenswert erscheinen lassen. Diese von den Künstlern als „Western Dream Pop“ bezeichnete Musik ist auf natürliche Weise berührend. Sie setzt auf die Wirkung von übersichtlich angeordneten Tönen, die transparent erschallen und eine gedämpfte Stimmung verbreiten. Flirrender und filigraner Folk-Rock mit psychedelischen Spritzern und leicht vernebelter Gesang bilden dabei die Basis dieser sympathischen Nabelschau. Der Sound ist nicht neu, wird aber mit Übersicht und Gefühl aufbereitet, so dass das Ergebnis durchaus als zeitlos bezeichnet werden kann.
    (CD Starts)




    Sowieso, sein Ansatz, zusammen mit Chris Porpora alias Cheval Hombre Western- und Americana-Songs der 60er- und 70er-Jahre einzuspielen, wirkt befremdlich. Klar, der Einfluss der Lieder von Dylan oder Townes Van Zandt auf die Musik von Wareham und Porpora groß – und selbstverständlich spielen die beiden diese Vorlagen so dreampoppig-schlurfig – was vor allem beim Traditional „Wayfaring Stranger“ auch wunderbar funktioniert.
    Doch beim Hören ertappt man sich dann doch beim schlimmsten aller Gefühle: man langweilt sich.
    (musikexpress)





  • Soap&Skin - From Gas To Solid / You Are My Friend

    Soap&Skin - From Gas To Solid / You Are My Friend



















    Die finale Liste mit den besten Alben des Jahres darf sicherlich nicht ohne „From Gas To Solid / You Are My Friend“ erstellt werden, das dritte Album von Soap&Skin

    Hier eine Liebeserklärung in Form von Schlagwörtern aus Plattenkritiken in Form einer Wortwolke:











    Soap&Skin unterwegs:

    10.04.2019 München, Muffathalle 
    11.04.2019 Köln, Gloria 
    13.04.2019 Berlin, Universität der Künste

  • Bosse - Alles ist jetzt

    Bosse - Alles ist jetzt



























    Durchhaltevermögen hat Axel Bosse eindeutig bewiesen: Bereits 2005 erschien sein Debüt. Erst mit seiner vierten Platte "Wartesaal" erreichte er die Album Top 20. Umso eindrucksvoller waren die Steigerungen zu Platz vier ("Kraniche", 2013) und sogar zur Spitzenposition mit "Engtanz" vor zwei Jahren. Ich denke in Bosses Fall war das Erfolgsrezept einfach das erwähnte Durchhaltevermögen. Über die Jahre haben sich die potentiellen Hörer vermutlich einfach an ihn und seine gefälligen Songs gewöhnt. 

    Bereits bei "Engtanz" erkannte ich Ähnlichkeiten zu Thees Uhlmann und eine Orientierung in Richtung "Poprock". Nun folgt mit "Alles ist jetzt" Bosses echtes "Tanzalbum", zumindest spielt er mit tanzbaren Rhythmen. Gepaart mit seinen eingängigen Texten ergibt das im Schwerpunkt radiotauglichen Indiepop. Grundsätzlich klingt Bosse noch immer stellenweise nachdenklich, aber die besagten Rhythmen spülen die Melancholie-Vorwürfe weitgehend hinweg.  Daher funktionieren für mich die Songs "Alles ist jetzt" und "Augen zu Musik an" ganz gut.

    Von Thees Uhlmanns letztem Album war ich nicht begeistert, aber im direkten Vergleich mit Bosse dürfte Thees gerne mal wieder nachlegen. Oder Tomte zusammentrommeln.

    Das Video zu "Augen zu Musik an":


    Minutenmusik:
    Denn trotz der musikalischen Weiterentwicklung ist Bosse seinen persönlichen und auf den Punkt gebrachten Texten und wunderschönen Metaphern treu geblieben und kann somit bestimmt auch Fans seiner letzten Alben erneut überzeugen. Denn auch wenn „Alles ist jetzt“ vielleicht nicht seine stärkste Platte bisher ist, kommen mit ihr so einige neue Ohrwürmer, catchy Refrains und Tracks mit Lieblingssong-Potenzial.

    Bosse auf Tour:
    • 22.11. Fulda
    • 24.11. Freiburg
    • 26.11. Ravensburg
    • 27.11. Nürnberg
    • 28.11. Regensburg
    • 02.12. Heidelberg
    • 11.03.  Stuttgart
    • 12.03.  München
    • 13.03.  Saarbrücken
    • 15.03.  Offenbach
    • 16.03.  Münster
    • 17.03.  Erfurt
    • 19.03.  Berlin
    • 20.03.  Berlin
    • 22.03.  Hamburg
    • 23.03.  Hamburg
    • 25.03.  Leipzig
    • 26.03.  Hannover
    • 27.03.  Bremen
    • 29.03.  Köln
    • 30.03.  Köln
    • 22.08.  Bochun
    • 23.08.  Dresden
    • 24.08.  Braunschweig



  • Jens Friebe - Fuck Penetration

    Jens Friebe - Fuck Penetration



















    10 Fuck..., Entschuldigung, Fakten zum neuen Album von Jens Friebe:

    1. Das sechste Album von Jens Friebe erschien etwas mehr als 4 Jahre nach „Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus“. Das entspricht 1505 Tagen. Damit wurde der Rekord der bislang längsten Wartezeit (zwischen „Abändern“ und „Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus“ lagen 1442 Tage) knapp gebrochen.   

    2. Erstmals greift Friebe beim Albumtitel („Fuck Penetration“) auf die englische Sprache zurück: „Vorher Nachher Bilder“ (2004), „In Hypnose“ (2005), „Das mit dem Auto ist egal, Hauptsache dir ist nichts passiert“ (2007), „Abändern“ (2010) und „Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus“ (2014).

    3. Bei Liedtexten kam schon früher gelegentlich das Englische zum Einsatz („(I Am Not Born For) Plot Driven Porn“ oder „Guess Which Celebrity Partied Too Hard On Their 18th (Or Not)“), aber noch nicht in dieser Häufigkeit: rund 55% der Lieder werden nicht auf deutsch gesungen. 

    4. Insgesamt gibt es auf „Fuck Penetration“ 11 Lieder zu hören, die 42:39 Minuten laufen. Jedoch gibt es nach „Argonaut“ (11:31 Minuten) einen Hidden Track, so dass die „Wartezeit“ mit minutenlanger Geräuschkulisse überbrückt wird.

    5. „Fuck Penetration“ ist nach „Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus“ das zweite Album von Jens Friebe, das bei Staatsakt erscheint. Die anderen vier Platten waren bei Zickzack erschienen. Das Album ist als CD oder LP erhältlich, limitierte Auflagen oder Bonus-Tacks gibt es nicht. 

    6. Gemeinsam mit dem Autor und Musikjournalist Linus Volkman wurde der Song „Es leben die Drogen“ geschrieben/vorgetragen. „Tränen des Hundes“ wird von der Jodel-Expertin Doreen Kutzke gesungen. Chris Imler (Die Türen) schnappt sich im Song „Herr der Ringe“ das Mikrofon.

    7. Das Plattencover wurde von Stefan Papst von der Gruppe Ja, Panik gestaltet und zeigt eine Kupferstichcollage mit dem Motiv der Lomonossow-Universität Moskau, die eigentlich selbst ein "10 Fakten über..." verdient hätte. Heute hier nur: Der Asteroid (6355) Univermoscow ist nach ihr benannt. 




    8. Als Singles wurden „Only Beacause You're Jelous Doesn't Mean You're In Love“ und „Fuck Penetration“ ausgewählt. Letzteres erhielt sogar ein Video:




    9. „Fuck Penetration“ konnte sich nicht in den Top 100 der deutschen Album Charts platzieren und  wird von der Kritik durchaus zwiespältig gesehen - zitieren werden wir aber nur wohlwollende Reviews:

    Thematisch wechselt Friebe zwischen ernsten, unterhaltenden und abgedrehten Sujets. Er vermengt Hoch- und Populärkultur, singt über Drogen, Nerds und Argonauten. Auch komplexe Themen geht er lässig an. Musikalisch hat sich Friebe von seinem Schepper-Synthiepop der Anfangstage verabschiedet, auch Gitarren erklingen nur selten. Stattdessen bestimmen Klavier, Bass und das experimentierfreudige Schlagzeugspiel seines langjährigen Weggefährten Chris Imler nun den Sound.
    Viele Songs sind tanzbar, Friebe verarbeitet darin Elemente von Pop, Soul und Chanson. (…)
    Aus der Fülle an tollen Songs sei noch „Charity/Therapy“ hervorgehoben. Friebe entwirft darin die Utopie einer Gesellschaft, in der die Bedürfnisse aller befriedigt werden, die Maschinen den Menschen dienen.
    (TAZ)

    Das Schönste an diesem an Schönheit nicht armen Album sind die drei Klavierballaden. Zu ihnen stellt man sich Jens Friebe im weißen Anzug am Flügel vor, vielleicht auf einer Benefiz-Gala für die nun verarmte Bourgeoisie, ein paar Jahre nach der Revolution. "Fuck Penetration", die sechste Solo-Veröffentlichung des in Berlin lebenden Musikers und Pop-Kritikers, beginnt mit "Worthless" einem der geglücktesten Liebeslieder seit Monaten. (…)
    "Körperfresser oder Das Vergessen" und "Es leben die Drogen" sind zwei weitere, euphorisierende Abgesänge auf dieser Platte, gleichfalls wunderbar.
    Die flotteren Lieder des Albums sind dann nicht dermaßen bezaubernd, aber immer wieder von einer strahlenden Intelligenz. Es ist, wie oft bei Friebe, ein bunter Strauß an Möglichkeiten, der einem hier in die Arme geworfen wird. Manche sind realisiert, andere verweisen auf eine sehr gute Idee oder interessante Haltung, verpuffen dann aber als Songs. "Tränen eines Hundes" und "Herr der Ringe" beispielsweise lassen einen ratlos zurück. Was ja aber auch nicht unbedingt schlecht ist.
    "Fuck Penetration" ist eine schillernde Mischung aus tanzbarem, thesenverliebten Pop, Sprachwitz, mondäner Wehmut und einer befreit schwebenden, absichtlich ungreifbar gehaltenen Meta-Ebene.
    (Spiegel)

    10. Jens Friebe wird sein Album auch live vorstellen und dabei von Pola Schulten (Zucker) an Gitarre und Synths, Chris Imler (Die Türen, Der Mann, Chris Imler) am Schlagzeug und Andi Hudl (Mondo Fumatore) am Bass unterstützt werden. Das sind die Termine im kommenden Januar:
    11.01.2019 Nürnberg, Club Stereo
    12.01.2019 Schorndorf, Club Manufaktur
    13.01.2019 München, Kranhalle
    15.01.2019 Wiesbaden, Schlachthof
    16.01.2019 Köln, Subway
    17.01.2019 Hamburg, Hafenklang
    21.01.2019 Ulm, Hudson Bar
    22.01.2019 Wien, Chelsea
    23.01.2019 Dresden, Ostpol
    24.01.2019 Leipzig, Ilses Erika
    25.01.2019 Berlin, Festsaal Kreuzberg


  • Papercuts - Parallel Universe Blues

    Papercuts - Parallel Universe Blues



















    Kein Grund zur Sorge, Jason Robert Quever bricht seine Indierock-/Shoegaze-Zelte nicht ab, um sich dem Albumtitel entsprechend in bluesigen Gefilden neu aufzustellen. Der Einzige Umzug, der stattfand, war der von San Francisco nach Los Angeles und so bleiben für Papercuts weiterhin The Velvet Undergroud („Clean Living“, „Kathleen Says“), Spiritualized („Mattress On The Floor“) oder The Jesus And Mary Chain („Sing To Me Candy“, „All Along St. Mary’s“) die bestimmenden Koordinaten.

    „Parallel Universe Blues“ ist das sechste Album von Papercuts und erscheint vier Jahre nach ihrer letzten Veröffentlichung „Life Among The Savages“ über Slumberland Records auf weißem Vinyl.

    Through enough attention to sound, great writing can be transformed into something instantly iconic. In his latest step out, Jason Quever makes pop brimming with influence as Papercuts while never feeling unoriginal in the slightest. This makes for an album that’s utterly distinct but memorable at every turn, as Papercuts make a big step forward.
    (Northern Transmissions)




    Parallel Universe Blues continues that trend, and as always, it’s a collection of pop gems that will undoubtedly be overlooked. It’s not for lack of trying, Quever has taken the band from its humble lo-fi beginnings and evolved it into a fully formed act with anthems and choruses that demand participation from the crowd. (…)
    Props to Quever on the length of the album, something others in this genre aren’t great at is letting their creative juice just gush and gush out making for long and boring albums. Papercuts keep it simple and have kept the string of accessible lo-fi, dreamy pop alive and well. And while the album doesn’t mark a significant change in their stature with indie rock elitists, it does provide a nice break from the over saturation of other nostalgia rock. Papercuts won’t “wow” anyone, but it’s minimal pop harmonies will continue to keep the project well within that “background noise” genre.
    (Soundblab)




    Loaded with crisp electronic melancholia and produced with a shoegaze sheen, "Laughing Man" is a highlight. Another must-hear, "How to Quit Smoking," follows in the same vein, with a touch more surf punk vibe. (…)
    Parallel Universe Blues is a dreamy, laidback record made for easy listening. It's a great album with a step up in its production. It would be more interesting for Quever to do something a little bit different this time around, but staying true to your roots isn't a bad thing.
    (Exclaim)

  • Paul Smith - Diagrams

    Paul Smith - Diagrams




















    Nachdem ich letztes Jahr ferienbedingt auf die vierte Ausgabe des A Summer’s Tale leider verzichten musste, bin ich froher Hoffnung, im nächsten Sommer wieder zu den Festivalbesuchern zählen zu können. Letzte Woche wurden die ersten Bands bestätigt und mit Elbow, The Charlatans und Maximo Park sind für mich gleich drei Treffer dabei (Die höchste Eisenbahn und Die goldenen Zitronen würde ich mir wohl auch ansehen).
    Die letzten Alben von Elbow („Little Fictions“), The Charlatans („Different Days“) und Maximo Park („Risk To Exist“) stammen alle aus dem letzten Jahr und lassen einerseits eher auf eine Best of-Set auf dem Festival und neue Alben im Frühjahr 2019 hoffen.

    Zumindest der umtriebige Paul Smith legt jetzt schon einmal vor: „Diagrams“ ist nach „Margins“ (2010), „Frozen By Sight“ (mit Peter Brewis, 2014) und „Contradictions“ (als Paul Smith and The Intimations, 2015) eine weitere Platte abseits von Maximo Park. Und anders als bei seinen anderen Solo-Ausflügen sind nicht alle Songs als klare Abgrenzung zu seiner Hauptband zu verstehen, so dass er sich „Silver Rabbits“, „John“ oder „Syrian Pylais“ auch gut für deren nächstes Album hätte aufsparen können. 
    Aber wer weiß, was die Kollegen vom Saxofon-Gedudel im Opener „The Public Eye“ und in „Hollywood Hills“ oder dem weiblichen Backroundgesang in den ruhigeren „The Beauty Contest“ und „Lake Burley Griffin“ sowie der insgesamt eher als Lo-Fi zu nennenden Produktion gehalten hätten?




    Das hat sich auf DIAGRAMS nicht geändert, aber es gibt doch zwei, drei Songs, die sich dem Adrenalin-Rock von Maximo Park annähern, allen voran die Singleauskopplung „Silver Rabbit“, und es ist definitiv der trockene Indierock der Heydays der MPs, der in diesen zwei Minuten aufscheint und nicht der wenig bissfeste Indiepop des aktuellen Bandalbums RISK TO EXIST.
    Welch ein großartiger Songwriter und wunderbar unangestrengter Sänger Smith sein kann, demonstriert er auf dem Track „Lake Burley Griffin“, einer Blues-Seance mit Spuk-Gitarren und -Chor, mit seiner Stimme packt er den Song in eine warme Decke ein.
    Für dieses Stück alleine möchte man Smith ein paar Mal herzen, und weil jede seiner Solo-Platten solche Stücke hat, wünschen wir dem Sänger noch viele, viele Solo-Trips. Die Uhren dürfen dort ruhig anders ticken als bei Maxïmo Park.
    (musikexpress)




    "Diagrams" ist an sich ein rundes Album, es ist kein schlechtes Album, aber eben auch wieder mal kein richtig geiles Album. Trotz Smiths Mühen mit grungigen Gitarren, ein paar Bläsern, einem Synthie hier und da sowie einer Reihe wirrer Field-Recordings ein wenig Staub aufzuwirbeln und seine Musik dabei zu entfesseln, fesselt "Diagrams" von allen Paul-Smith-Alben seine Hörer vielleicht sogar am wenigsten. Vermutlich auch, weil die Platte zwar immer wieder interessante Experimente wagt, diese aber schließlich keine Ausformulierung finden. Es ist fast ein wenig ermüdend, wie hier reihenweise Chancen vergeben werden. Vielleicht klappt's ja dann beim fünften Versuch.
    (Plattentests)


  • Dan Mangan - More Or Less

    Dan Mangan - More Or Less



















    Das nennt man wohl Abwärtstrend: „Nice, Nice, Very Nice“ konnte die Plattenrichter überzeugen, so dass durchschnittlich 8,25 Punkte vergeben wurde, was in unserer Endabrechnung 2010 sogar fürs Siegertreppchen (Platz 3) reichte. Das folgende „Oh Fortune“ schnitt weniger glücklich ab und verpasste 2011 mit 7,18 Punkten knapp die Top 60. Danach folgten Auszeit / Hochzeit / Vaterschaft / Gründung einer Band und das überambitionierte bis sperrige „Club Meds“, das nur noch 6,5 Punkte im Durchschnitt sammeln konnte.

    „More Or Less“ soll nun diesen Trend stoppen, indem sich Dan Mangan einerseits auf seine Anfänge als folkiger Singer/Songwriter besinnt („Fool For Waiting“, „Just Fear“, „Cold In The Summer“) und andererseits auch vor experimentelleren Sounds und Songstrukturen nicht zurückschreckt („Lynchpin“, „Can’t Not“). In „Peaks & Valleys“ (oder auch „Lay Low“) gelingt ihm auch die Kombination aus beiden Aspekten: Der Song zieht einen in seinen Sog, wie es Mangan auf „Nice, Nice, Very Nice“ so häufig gelang, und überrascht dennoch mit elektronischen Versatzstücken und holpernden Rhythmen. 




    Und wenn die Gedanken an eine Endzeit dem Sänger den Kopf zu zerbrechen drohen („Just Fear“), zimmert er einen astreinen, ganz standfesten Song drumherum, der aus der Liga der Greatest Hits von Neil Young stammen könnte, begleitet von einem Satz reichlich streichelnder Streicher – Katharsis komm!
    Die in den letzten beiden Jahren entstandenen zehn neuen Songs folgen musikalisch durchaus dem leicht finsteren Ton der EP UNMAKE (2016), Mangan singt entlang der Bahnen, die ihm Piano und Gitarre weisen, er lässt seine Stimme in Echoräumen zirkulieren, manchmal bleibt das dabei. An anderen Stellen führen Synthesizer („Which Is It“) und ein großer Chor („Cold In The Summer“) die Musik noch einmal weit hinaus, wo das Denken so viel Platz bekommt.
    (musikexpress)




    Einige Songs erlauben sich, die ganz klassischen Kompositionsstrukturen alter Helden wie Neil Young oder Bruce Springsteen aufzugreifen. "Just fear" gefällt sich als ermüdete Folk-Rock-Hymne in aller Bescheidenheit, hat den Kampf aber scheinbar schon aufgegeben, "every road feels traveled / while we get lost in struggle". Die Kraft, sich dem entgegenzustellen, fehlt Mangan, doch herrlich traurig darüber meditieren, das geht immer. Ein wenig aufgeweckter gibt sich "Cold in the summer", die Inszenierung als Verlierertyp gelingt gleich viel nachhaltiger mit schwingendem Bass und munterem Bar-Piano, das alles könnte direkt ausgelassen genannt werden, wäre da nicht wieder die zurückhaltende Melancholie in Mangans Gesang. (…) Doch ganz auf das experimentelle Spiel mit verschiedenartigen Arrangements und Songstrukturen konnte Mangan auch diesmal nicht verzichten.
    (Plattentests)




    Befreit wirken Songs über Lebensstützen (“Lynchpin”), über gesellschaftliche und politische Ängste (“Just Fear”) – ja fast schon verspielt, immer wieder mit kleinen Raffinessen versehen. Hier wirken besonders die Tracks “Can’t Not” und “Never Quiet”, die vielleicht etwas aus der Reihe fallen und eine nicht ganz so gradlinige Form besitzen. Der anschließende Closer “Which Is It” ist eines der gefühlvollsten Stücke, die ich je gehört habe. Wie auf dem gesamten Album klingt Mangans Stimme zurückhaltend, nicht voll, jedoch keineswegs schwach.
    Dan Mangan steht mit “More Or Less” nicht lethargisch da und säuselt seine großen Sing-A-Long Künste runter. Die Songs verkörpern Kraft, Wärme und dennoch wie bei “Troubled Mind” und “Cold In The Summer” eine wundervolle Eingängigkeit.
    (I Can Guarantee)



  • Revision: a-ha

    Revision: a-ha




















    Am 11.11. (also heute) vor 33 Jahren kletterten a-ha mit „Take On Me“ auf Platz 1 der deutschen Charts und löste damit „Cheri, Cheri Lady“ von Modern Talking ab, bis fünf Wochen später Elton Johns „Nikita“ die Spitzenposition erklimmen konnte. Wenn das nicht ein schönes Jubiläum ist, damit wir (nach U2, Morrissey und The Smashing Pumpkins) in unserer Rubrik „Revision“ einen Blick zurück zu werfen auf alle Alben von a-ha. 


    „Hunting High And Low“
    1985, Warner Bros. (10 Songs, 37:02)



    Dirk: 8,5 Punkte
    Jedes Mal, wenn ich „Take On Me“, „The Sun Always Shines On T.V.“ oder „Hunting High And Low“ höre, bin ich mir sicher, dass dies die stärkste Single aus dem Debütalbum von a-ha ist. Alle drei sind so großartig! 
    „Train Of Thoughts“ kann da nicht mithalten und vielleicht wäre „Living A Boy’s Adventure Tale“ sogar die bessere Single-Alternative gewesen. Zwischendurch gibt es den ein oder anderen Füller („And You Tell Me“ oder „I Dream Myself Alive“), aber was spielt das schon für eine Rolle, wenn man die drei eingangs genannten Songs auf seinem Debütalbum hat?! Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es dennoch: Die Albumversion des Titelsongs enthält leider nicht die schönen Orchester-Arrangements der Single.
    Überrascht war ich, als ich laß, dass „Hunting High And Low“ damals nur bis auf Platz 10 der deutschen Charts kam. Das wurde nur von einem ihrer Alben unterboten und schlägt sich hier nicht in der Wertung nieder.

    Ingo: 7,5 Punkte
    Mit “Take on me”, “Hunting high and low” und “The sun always shones on T.V.” liefert das Album drei Hits, die nach einer längeren Verachtung der Musik dieser Zeit sich bei mir dann doch noch zu Songs für die Ewigkeit entwickelt haben. Ansonsten habe ich wenig Anlass, mir das Album komplett anzuhören. Ich war nie a-ha-Fan, da ich keines ihrer Alben durchgehend gut fand. Aber auf (fast?) jedem Album fand ich Songs, die ich über die Jahre lieb gewonnen habe. Für dieses Album gebe ich 2,5 Punkte pro Hit. 

    Oliver: 8,5 Punkte
    "Ach wird das schön, wenn ich [Dirk] „Memorial Beach“ zum ersten Mal höre [und] Oliver [ich] von seiner tollen „Take On Me“-Single berichtet."
    Dirks Ankündigung zu dieser Revision warf mich spontan 33 Jahre zurück ins Jahr 1985. Jeder in meiner Klasse hatte seine ganz persönliche Lieblingsband, von der er alles (wirklich ALLES und jeden Schnipsel) sammelte. Ich brauchte auch unbedingt eine solche Lieblingsband. Duran Duran war schon vergeben, The Jesus And Mary Chain hatte ich noch nicht auf dem Schirm – aber da war noch diese norwegische Band mit dem coolen Video, die nahm ich. „Take On Me“ hieß die erste Single von a-ha, die ich mir auch schnell besorgte. Allerdings handelte es sich ja jetzt um meine Lieblingsband – mit nur einer Version des Songs konnte ich mich wohl kaum als Fan bezeichnen. Also auch noch die 12“ gekauft (oder bei Disc-Center bestellt). Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es in anderen Ländern die Single mit anderen Covern gab, sonst hätte ich danach auch noch suchen müssen. Was ich aber wusste: Es gab die Single in einem Gatefold-Cover inklusive einem Comic, welches Szenen aus dem Video enthielt. Die musste ich unbedingt haben! Keine Ahnung mehr wie ich da ran kam (wahrscheinlich auch Disc-Center), aber irgendwann war sie in meinem Besitz.





    Die Folge-Singles wurden selbstverständlich auch alle in 7“- und 12“-Versionen besorgt (das hielt ich allerdings nur noch bis zum zweiten Album durch…). Als ich mir die „Hunting High And Low“-Single auf einer Klassenfahrt in Frankreich kaufte schnallte ich dann auch die Geschichte mit den verschiedenen Covern in anderen Ländern (es blieb aber trotzdem bei der einen Version der 7“ – die deutsche Auflage habe ich mir nicht mehr gekauft).
    Dass mein Zimmer voll war mit a-ha-Postern und dem Bravo-Starschnitt wird wohl nicht groß überraschen (es wurde wirklich JEDER Schnipsel gesammelt!). Die Erwähnung der Lederarmbänder, die ich mir bei Morten abgeguckt hatte, überlasse ich aber Volker.
    Ach so: Das Album lief natürlich rauf und runter. Aus der Ferne betrachtet hat es durchaus seine Schwächen, aber es war ein wichtiger Bestandteil meiner musikalischen Sozialisation. 
    Volker: 9 Punkte
    Das Leben war noch einfach, die Musikwelt halbwegs überschaubar. Nicht jeder Hansel konnte seine Ergüsse über Youtube und Co der Welt zum Fraß vorwerfen. Information gab es über diverse Musikzeitschriften und über “Formel Eins”. Und ich bin sicher, wir alle erinnern uns an diesen Moment, als wir zum ersten Mal dieses wunderbare Comic-Video gesehen haben. Es würde mich nicht wundern, wenn das sogar bei Oliver war. Am Ende habe ich das Ganze rein fantechnisch nicht ganz so exzessiv ausgelebt (obwohl es diese Lederbändchen auch bei mir gab), aber der Musik von a-ha bin ich bis heute treu geblieben. Das erste Album hatte dann auch noch Einiges mehr zu bieten, als “Take On Me” und selbst die etwas schwächeren Tracks gingen in der Euphorie des Neuentdeckten problemlos durch.

    Gesamturteil: 8,375 Punkte





    „Scoundrel Days“
    1986, Warner Bros. (10 Songs, 38:41)



    Dirk: 8 Punkte
    Bis heute kann ich nicht verstehen, warum „Scoundrel Days“ und „The Swing Of Things“, die das Album eröffnen, nicht als Singles ausgewählt wurden. a-ha vermutlich selbst nicht, denn als ich sie zuletzt live sah, standen beide Stücke nacheinander in ihrer Setliste. Danach folgt das großartige „I’ve Been Losing You“ und gut, dass sich das eher blasse „October“ dazwischen gemogelt hat, damit man vor dem - und hier muss ich „großartig“ einfach wiederholen - großartigen „Manhattan Skyline“ etwas Luft holen kann. Die beste Plattenseite von a-ha zeigte mit zwei ungewöhnlich rockigen Songs, dass sie mehr sein können als nur eine (Synth-)Pop-Band.
    Da kann die B-Seite natürlich nicht mithalten. Mortens Wolfsgeheul auf „Cry Wolf“ hat mich immer genervt und wird dann von „Maybe, Maybe“ sogar noch übertrumpft. 

    Ingo: 7,5 Punkte
    Allein mit den ersten drei Titeln “Scoundrel days”, “The swing of things” und “I’ve been losing you” war dieses zweite Album schon spannender als das Debüt. Leider folgt im weiteren Verlauf kein weitere Höhepunkt. Mit diesem Album war der Weg zur Soft-Pop-Band noch keinesfalls vorgezeichnet. Was hätte aus a-ha ansonsten werden können? Ich denke gemessen am Erfolg haben sie vieles richtig gemacht. Auch hier gibt es 2,5 Punkte pro Hit.  

    Oliver: 9 Punkte
    Wahrscheinlich mein meistgehörtes a-ha-Album. Musikalisch ausgereifter als das Debüt und viele tolle Songs – mit dem Titelsong, „The Swing Of Things“, „I’ve Been Losing You“ und „Manhattan Skyline“ vor allem auf der ersten Seite. „Cry Wolf“ als ersten Song auf der zweiten Seite konnte man zum Glück ja auch analog ganz gut skippen, Seite B fing bei mir immer mit „We’re Looking For The Whales“ an. 9 Punkte trotz Wolfsgeheul.

    Volker: 9,5 Punkte
    Das Meisterwerk der Band, und wäre da nicht dieses unsägliche “Cry Wolf”, eine Höchstwertung wäre alles andere als unwahrscheinlich gewesen. Außerdem hat das Album mit “Manhattan Skyline” mein ewiges Lieblingslied der Band enthalten.

    Gesamturteil: 8,500 Punkte





    „Stay On These Roads“
    1988, Warner Bros. (10 Songs, 43:16)



    Dirk: 6 Punkte
    Kein gutes Zeichen: Mein Blick auf die Trackliste sorgte bei der Hälfte der Songtitel nur für Schulterzucken. Dabei habe ich die Schallplatte damals gekauft und sicherlich auch oft gehört. 
    Mit „Stay On These Road“ und „The Living Daylights“ sind aber zwei Klassiker von a-ha enthalten, die auch 30 Jahre nach ihrer Veröffentlichung nichts von ihrem Glanz eingebüßt haben. Das gilt nicht für „Touchy!“ - und dieser Song war auch 1988 schon schwer zu ertragen und löste „Cry Wolf“ als nervigste a-ha Single ab.    

    Ingo: 6 Punkte
    Aus meiner Sicht ist mit “The living daylights” alles zu “Stay on these roads” gesagt. Da a-ha-Alben aber immer gefällig sind und nie weh tun, gibt es für dieses Album von mir einen Zusatzpunkt zu den 2,5 Punkten pro Hit. 

    Oliver: 6 Punkte
    Mit diesem Album war es schon wieder vorbei mit dem Status „Lieblingsband“. „The Living Daylights“ habe ich mir als Bond-Fan natürlich noch als Single gekauft – ist ja auch ein klasse Song. „Touchy“ sollte dann aber meine letzte a-ha 7“ sein. Das Album hatte ich mir tatsächlich auch schon gespart und gar nicht mehr gekauft.

    Volker: 7 Punkte
    Schon das Cover schien mich damals anzuschreien: Wir wollen jetzt erwachsen sein! Und dieser leicht gediegene Ansatz setzte sich dann auch in der Musik fort. Mir war das alles etwas zu poliert, auch wenn es den ein oder anderen Höhepunkt hatte.

    Gesamturteil: 6,250 Punkte





    East Of The Sun, West Of the Moon
    1990, Warner Bros. (11 Songs, 45:46)



    Dirk: 5,5 Punkte
    Morten als Pirat verkleidet, Magne mit Vierwochenbart sowie langer Mähne und Pal sucht als erste Single nicht einen seiner Songs sondern eine Coverversion der Everly Brothers aus. a-ha versuchen, sich mit „East Of The Sun, West Of The Moon“ vom Image und Klang der Synth-Pop-Band zu lösen und präsentieren einen neuen Look sowie handgemachte(re), erwachsene und teilweise düstere Musik. Bei der - zugegeben schweren - Auswahl der selbst komponierten Singles („Early Morning“, „I Call Your Name“) trifft das Trio nicht die glücklichste Wahl, schließlich gab es mit „Slender Frame“ zumindest eine sinnvollere Alternative. Experimente, die a-ha danach nicht mehr wiederholen wollten: die blues- bis prog-rockige „Sycamore Leaves“ und „Cold River“ sowie Magne als Sänger („The Way We Talk“). 
    „East Of The Sun, West Of The Moon“ stellte 1990 das Ende der Freundschaft zwischen a-ha und mir dar und war das letzte Album der Norweger, das ich mir als Schallplatte kaufte.  

    Ingo: 6 Punkte
    Mit “Sycamore leaves” lieferte a-ha einen veritablen Prog-Rock-Song ab. Dieser Titel ist der Höhepunkt auf “East of the sun, west of the moon” und ein willkommener Kontrapunkt zum arg dick aufgetragenen Pop in “Crying in the rain”. Beide lasse ich als Hit gelten und mit dem Bonuspunkte komme ich auf… genau. 

    Oliver: 6 Punkte
    Höhepunkte kann ich auf diesem Album nicht wirklich entdecken, es ist aber auch nicht schlechter als der Vorgänger. Viel mehr kann ich kaum dazu sagen. Dieses und das folgende Album gingen ziemlich bzw. ganz an mir vorbei.

    Volker: 7,5 Punkte
    Glattes Erwachsensein weicht Pathos und Kitsch. Für mich ein Schritt in die richtige Richtung. Daher auch eine leicht bessere Wertung im Vergleich zum Vorgänger, obwohl der die etwas hervor stechenderen Einzelsongs hatte.

    Gesamturteil: 6,250 Punkte





    Memorial Beach
    1993, Warner Bros. (10 Songs, 49:33)



    Dirk: 4,5 Punkte
    Shoegaze, Dreampop, Britpop, Indierock - 1993 interessierte ich mich nicht mehr für a-ha. Die zwei Jahre zuvor veröffentlichte erste Single „Move To Memphis“ untermauerte diese Einstellung und gab einen deutlichen Fingerzeig für das Album, das in den USA aufgenommen wurde und zum Beispiel Gospel Sängerinnen erklingen lässt. Mittlerweile habe ich „Memorial Beach“ erstmals gehört und verstehe, warum sich a-ha eine Auszeit nahmen und 7 Jahre später, sich auf ihre Anfänge besinnend, neu starten sollten.    
    Und wie peinlich ist überhaupt dieses Plattencover?!

    Ingo: 5,5 Punkte
    Ich verschenke hier Bonus-Punkte. Aber was bekomme ich dafür, dass ich mir nun dieses Album angehört habe? Ich hätte es bei dem mir bekannten “Move to Memphis” belassen sollen. Bei “Memorial beach” komme ich auch mit gutem Willen nicht auf eine gute Bewertung. Das Album war ein guter Grund für eine lange Pause. 

    Oliver: 5,5 Punkte
    "Ach wird das schön, wenn ich [Dirk] „Memorial Beach“ zum ersten Mal höre."
    Dirks Ankündigung zu dieser Revision machte mich stutzig. Hatte ich „Memorial Beach“ jemals gehört? Die Antwort lautet: „Nein“. Wie Dirk schon schrieb, lagen die musikalischen Präferenzen 1993 ganz woanders. So richtig viel verpasst habe ich aber nicht.

    Volker: 6 Punkte
    Trotz anderer aufgetretener musikalischer Interessen (nein, kein Shoegaze) war ich schon immer jemand, der dennoch den Begleitern aus der Zeit der musikalischen Sozialisation gerne ein Ohr schenkte.
    Dennoch blieb “Memorial Beach” auch immer mein ungeliebtes a-ha-Album. Dieser “amerikanische Ansatz” stand der Band, obwohl Amerika zu dieser Zeit recht groß auf meiner musikalischen Landkarte vertreten war, nicht wirklich. Allerdings habe ich vor ein paar Monaten, nachdem ich mir die Platte endlich auf Vinyl zugelegt habe, entdeckt, dass frei nach Jennifer Rostock: Es War Nicht Alles Schlecht, auch hier ein paar wirklich tolle Songs versteckt sind (Dark Is The Night For All, Angel In the Snow).

    Gesamturteil: 5,375 Punkte





    Minor Earth Major Sky
    2000, WEA (13 Songs, 58:52)



    Dirk: 7,5 Punkte
    Die Comebackplatte führte a-ha erstmals an die Spitze der deutschen charts. Zurecht, denn „Minor Earth Major Sky“ ist vielleicht das konstanteste Album des Trios. Dieser Aspekt würde noch deutlicher zum Tragen kommen, hätte man sich, wie bei den Vorgängern, auf 10 oder 11 Titel beschränkt. „Minor Earth Major Sky“ liefert mehrere radiofreundliche Hits („Summer Moved On“, „The Sun Never Shone That Day“ sowie den Titelsong), hat Duette/weiblichen Gesang als neue Punkte ins Programm von a-ha aufgenommen („Velvet“ und „You’ll Never Get Over Me“) und allein mit diesen fünf Songs Überzeugenderes zu bieten als die drei Alben zuvor zusammen. 

    Ingo: 6,5 Punkte
    Ja, die Gnade der späten Geburt. “Minor earth, major sky” war das erste a-ha Album, welches ich schon zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung wahrgenommen habe. Der Titelsong sowie “Summer moved on” erwiesen sich als nachhaltig. Im Schnitt ist a-ha eine “Zwei Hits /gute Songs pro Album”-Band. Auf diesem Album gefiel mir auch Grundstimmung. Gut, “To let you win” ist eigentlich nicht zu ertragen. Aber ich mochte “The company man” ganz gerne. 

    Oliver: 8 Punkte
    12 Jahre nach dem Kauf der „Touchy“-Single landet wieder ein a-ha-Tonträger in meinem Einkaufskorb und neben Sigur Rós, Weeping Willows, Belle & Sebastian, Trembling Blue Stars, My Life Story, JJ72 sogar in meiner Jahres Top 10. Zu Recht!

    Volker: 8 Punkte
    Von mir aus darf sich jede Band gerne auflösen, wenn im Anschluss ein solches Comeback-Album rauskommt. Konstant gutes Songwriting, keine Ausfälle. Besser waren a-ha seit “Scoundrel Days nicht.

    Gesamturteil: 7,500 Punkte





    Lifelines
    2002, WEA (15 Songs, 61:24)



    Dirk: 6 Punkte
    Vermutlich angespornt durch den Erfolg von „Minor Earth Major Sky“ ließen a-ha recht schnell die nächste Platte folgen. Zu schnell für meinen Geschmack. „Forever Not Yours“ ist natürlich toll und auch „Did Anyone Approach You?“, „Oranges On Appletrees“ und den Titelsong kann man auf der Habenseite verbuchen. Dies zeigt, das a-ha ein gutes Händchen bei der Single-Auswahl hatten, aber leider trifft dies nicht auf die Zusammenstellung der kompletten Trackliste zu, denn die übrigen 11 Lieder sind eher Lückenfüller und vermutlich der Tatsache geschuldet, dass Magne Furuholmen (und sogar Morten Harket) zunehmend als Songwriter auftauchen. Der Rotstift und eine längere Wartezeit hätten „Lifelines“ gut getan. 

    Ingo: 5,5 Punkte
    Der Titelsong geht, “Forever not yours” kann ich manchmal ertragen, “Did anyone approach you” lässt sich nicht einmal durch die dumpfen Beats komplett verschandeln. “Lifelines” wäre ein guter Grund für eine erneute Pause gewesen. Kurz darauf erschien allerdings das Live-Album “How can I sleep with your voice in my head”. Dieses stellt für mich das Extrakt der Karriere der Band dar. Ich liebe dieses Album. Also “How can I sleep…”, nicht “Lifelines”. 

    Oliver: 6 Punkte
    Obwohl ich den Vorgänger so gut fand, habe ich dieses Album wieder komplett ignoriert. Sigur Rós, Weeping Willows und JJ72 waren mit ihren Alben 2002 wieder in meinen Top 10. „Lifelines“ hätte es, wenn ich es gehört hätte, aber definitiv nicht geschafft.

    Volker: 6 Punkte
    Leider hatte man für das Comeback-Werk anscheinend alles rausgehauen, was sich an starken Titeln über 7 Jahre Auszeit angesammelt hatte, und die 2 Jahre seit “Minor Earth…” haben nicht wirklich ausgereicht um genug ansprechendes Songmaterial zu sammeln. “Forever Not Yours” war toll, dafür gab es aber auch den ein oder anderen richtig fiesen Ausrutscher.

    Gesamturteil: 5,875 Punkte





    Analogue
    2005, Polydor (13 Songs, 55:51)



    Dirk: 7 Punkte
    Was sich auf „Lifelines“ andeutete, setzt sich hier fort: Magne Furuholmen steuert mehr und mehr Songs zu den Alben bei. Zum zweiten Mal in der Geschichte von a-ha darf er singen („The Summer Of Our Youth“), sechs der dreizehn Songs stammen aus seiner Feder (Pal Waaktaar liefert nur vier Lieder, hinzu kommt der gemeinsam komponierte Titelsong) und drei der vier Singles sind von ihm. 
    „Celice“ und „Analogue (All I Want)“ sind die Highlights des Albums, ungewöhnlich ruhig ist die zweite Hälfte geraten und bei „Over The Treetops“, „Halfway Through The Door“ und „Keeper Of the Flame“ versuchen sie - so kommt es mir zumindest vor - ein wenig die Beatles in Erinnerung zu rufen. 

    Ingo: 6,5 Punkte
    Da mein Streaming-Anbieter dieses Album als einziges a-ha-Album nicht in seinem Angebot hat, dachte ich mir mein Urteil sparen zu können. Immerhin hatte ich in den letzten Woche mehr a-ha gehört, als jemals in meinem Leben. Die anderen Richter machten mich durch positive Rückmeldungen zu “Analogue” jedoch auf meine “Pflicht” aufmerksam. Die flotten Titel auf diesem Album zeigen wieder, dass auch a-ha eine veritable Rockband hätte werden können, hätten sie nach “Scoundrel days” einen anderen Weg eingeschlagen. 

    Oliver: 7 Punkte
    Auch dieses Album höre ich im Rahmen dieser Revision zum ersten Mal. Neben den immer präsenten Balladen gibt es den ein oder anderen druckvolleren Song, was dem Album sehr gut tut. Finde ich.

    Volker: 7,5 Punkte
    Man besann sich auf das was man kann, und hatte damit Erfolg. Große Balladen, das Songwriting mehr auf den verschiedenen Schultern verteilt, das alles führte zu einem sehr geschlossenen Album, das wieder deutlich positiver im Katalog der Band einzuordnen war.

    Gesamturteil: 7,000 Punkte





    Foot Of The Mountain
    2009, Polydor (10 Songs, 40:45)



    Dirk: 5,5 Punkte
    Vier Jahre vergingen seit ihrem letzten Album und Morten, Pal und Magne veröffentlichten zwischenzeitlich Solo-Alben. Das hört man „Foot Of The Mountain“ leider an, denn neben dem Opener „The Bandstand“ und dem Titelsong kann mich hier wirklich wenig packen. Und warum klingen a-ha jetzt plötzlich wie O.M.D. („Start The Simulator“)?! Das ein Jahr später als Single (und auf einer weiteren Best of-Platte) veröffentlichte „Butterfly, Butterfly (The Last Hurrah)“ hätte auf jeden Fall nicht geschadet. 

    Ingo: 6 Punkte
    Weniger als 6 Punkte verdient in meinen Augen kein a-ha-Album. Zumindest keines, welches vor “Memorial beach” erschienen ist. Mehr als 6 Punkte verdienen nur wenige der seitdem veröffentlichten Alben. Auch wenn mir außer dem Titeltrack kein Song im Gedächtnis geblieben ist, liegt “Foot of the mountain” bei mir fast auf “Minor earth major sky”-Niveau. 

    Oliver: 6 Punkte
    Beim ersten Wieder-Hören vor ein paar Tagen dachte ich, dass die Platte mit seinem gefälligen Synthiepop vielleicht doch mehr verdient hätte, als meine damals hier vor Gericht vergebenen 6 Punkte. Beim wiederholten Wieder-Hören offenbart sich dann aber doch wieder die Schwachstelle: Gefälliger Synthiepop.

    Volker: 6 Punkte
    Leider blieb der Rhythmus der Band, der seit dem Comeback Einzug gehalten hatte, erhalten. Auf ein starkes Album folgt ein im besten Falle durchschnittliches. Dabei war die vorab ausgekoppelte Single “Foot Of The Mountain” eigentlich ein Versprechen auf mehr. Leider konnte es nicht eingehalten werden. Vielleicht sah man aber auch einfach schon das erneute “Ende” der Band durchscheinen, die sich nach einer letzten großen Tournee endgültig trennen wollte...

    Gesamturteil: 5,875 Punkte





    Cast In Steel
    2015, Polydor (12 Songs, 47:01)



    Dirk: 7 Punkte
    Nach einer erneut langen Auszeit sind a-ha 2015 wieder zurück und können auf „Cast In Steel“ Dank „Under The Makeup“, „Forest Fire“, „Mythomania“ und „Giving Up The Ghost“ wieder einmal überzeugen. Bei der Verteilung der drei Singles zeigt man sich demokratisch (jeweils ein Song von Morten, Pal bzw. Magne), bleibt nur die Frage, wann das Trio dies besprochen hat, denn im Studio sind sie während der Aufnahmen der 12 Songs niemals gemeinsam gewesen. 
    Ärgerlich: Auf der Schallplatte fehlen „She’s Humming A Tune“ und „Giving Up The Ghost“. Warum?

    Ingo: 6 Punkte 
    Im Erscheinungsjahr hatte ich 7 Punkte gegeben. Im direkten Vergleich und mit etwas Abstand korrigiere ich etwas nach unten. “Giving up the ghost” ist aus meiner Sicht der einzige noch erwähnenswerte Titel des soliden erneuten Comeback-Albums ohne Risiken und Überraschungen. 

    Oliver: 8 Punkte
    Ich bleibe bei meinen 8 Punkten, die ich ursprünglich vergeben habe. Die Platte flacht zum Ende hin zwar ein wenig ab, macht mir aber insgesamt nach wie vor sehr viel Spaß.

    Volker: 8,5 Punkte
    ...was aber doch wieder nur in einer erneuten längeren Auszeit mündete. Und was wissen wir über Comeback-Alben von a-ha? Eben.

    Gesamturteil: 7,375 Punkte




  • Die 10 besten Alben von Nick Cave And The Bad Seeds

    10. Murder Ballads (1996)
    9. Let Love In (1994)
    8. The Boatman's Call (1997)
    7. Skeleton Tree (2016)
    6. Henry's Dream (1992)
    5. Tender Prey (1988)
    4. Push The Sky Away (2013)
    3. Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus (2004)
    2. No More Shall We Part (2001)
    1. The Good Son (1992)

    (ausgewählt von Dirk)