Revision: The Smashing Pumpkins




















Im dritten Teil unserer Reihe "Revision" knöpfen wir uns (nach Morrissey und U2) die Alben der Smashing Pumpkins vor. Der Grund: Heute vor 25 Jahren erschien mit "Siamese Dream" ihr Meisterwerk. Oder eines ihrer Meisterwerke. Aber schaut (und hört) selbst...



“Gish” 
1991, Caroline, Hut (10 Songs, 46:16)



Dirk: 6 Punkte
Keine Einstiegsdroge für mich. Das war mir damals zu brachialer US-Gitarrenrock und nur Songs wie „Crush“ oder „Snail“ ließen erahnen, dass The Smashing Pumpkins auch mehr drauf hatten. Viel spannender als dieser ganze Grunge-Kram war, was zeitgleich in England mit Bands wie Ride, Slowdive und My Bloody Valentine begann.

Ingo: 7,5 Punkte
“Grunge-Kram” bewahrte mich davor, mich mit dem lahmen Rock-Kram Großbritanniens beschäftigen zu müssen. Sowohl Vielfalt als auch die bloße Anzahl “relevanter” amerikanischer Alternative-Veröffentlichungen nahmen mich komplett in Beschlag. “Gish” zählte für mich nicht zum Grunge. Chicago war nicht Seattle und Billy Corgan war nicht Kurt Cobain oder Eddie Vedder. Daher lernte ich die ergreifende Bass-Line des Openers “I am one” sowie die weiteren starken Titel “Sica”, “Rhinoceros”, “Suffer” und “Tristessa” erst später schätzen. Eigentlich bot “Gish” schon fast alles, was die Smashing Pumpkins später perfektionierten. Nur auf Albumlänge konnte mich “Gish” bis heute nie fesseln. 

Oliver: 8 Punkte
Ich weiß gar nicht mehr, ob ich durch die MTV-Show 120 Minutes auf die Smashing Pumpkins aufmerksam wurde oder dadurch, dass das britische Indie-Label Hut Records den Vertrieb im UK übernahm. Damals habe ich mit Begeisterung viele Veröffentlichungen des Unterlabels von Virgin Records blind gekauft. Kein Wunder, hatten sie doch Bands wie Revolver, Verve (noch ohne ‚The‘), Moose, These Animal Men, The Auteurs oder Placebo im Programm. Auch wenn ich zu der Zeit eher auf britische Bands stand, war Gish ein gern gehörtes Album. Und ist es auch heute noch.

Volker: 7 Punkte
Das Album hatte ich damals noch gar nicht auf dem Schirm, warum auch immer. Im Nachgang natürlich zugelegt, aber irgendwie dann doch nicht so oft auf dem Plattenteller wie die Großwerke.

Gesamturteil: 7,125 Punkte





“Siamese Dream” 
1993, Virgin (13 Songs, 62:09)



Dirk: 8 Punkte
Liste ich meine Top 5-Songs der Smashing Pumpkins auf, dann sind „Today“ und „Disarm“ selbstverständlich dabei. Bei wem denn auch nicht!? Beste Nicht-Single auf „Siamese Dream“: „Mayonaise“.
„The album fused diverse influences such as shoegazing, dream pop, heavy metal and progressive rock“ weiß Wikipedia zu berichten. Haben die Smashing Pumpkins also auch mitbekommen, was jenseits des großen Teichs Großes seinen Anfang nahm. Toll wäre es gewesen, hätten Corgan & Co. auf den Heavy Metal-Einfluss verzichtet und Songs wie „Quiet“ oder „Geek USA“ gestrichen!

Ingo: 9 Punkte
Auf diesem Album sind “Today” und “Disarm” enthalten. Das muss man eigentlich gar nicht mehr zu sagen, aber Dirk hat sich ja auch Mühe gegeben. Keine Rock-/Indiedisco kam Mitte der 90er Jahre ohne diese beiden Titel aus. Die Videos liefen im Musik-TV rauf und runter. Der Erfolg der Titel hat sicherlich die Arbeit am Nachfolgealbum geprägt. Gerade die harten Songs “Silverfuck” und “Geek U.S.A.” zeigen eindrucksvoll, dass die Smashing Pumpkins von mächtiger Energie angetrieben werden, diese aber nur dosiert abrufen. 

Oliver: 8,5 Punkte
Von einem gern gehörten Album zu einem sehr gern gehörten Album. ‚Cherub Rock‘, ‚Today‘ und ‚Disarm‘ machen heute noch genauso viel Spaß wie damals und waren wahrscheinlich der Auslöser dafür, dass dieses Album den internationalen Durchbruch für die Band bedeutete. Wie ‚Gish‘ wurde ‚Siamese Dream‘ von Butch Vig produziert, was zur Folge hatte, dass die Smashing Pumpkins gerne mit in die Grunge-Ecke gestellt wurden. 

Volker: 8 Punkte
Ich denke, man muss hier gar nicht viele Worte verlieren, die Tatsache, dass unsere beiden UK-Experten in den frühen 90ern dieses Album auf dem Schirm hatten, sagt wahrscheinlich schon alles. Und vielleicht sind “Today” oder “Disarm” tatsächlich größer als “I Alone” oder “Mr. Jones”, obwohl…. nein.

Gesamturteil: 8,375 Punkte





“Mellon Collie And The Infinite Sadness”
1995, Virgin (28 Songs, 121:44)



Dirk: 8,5 Punkte
Über 2 Stunden Spielzeit, 28 Songs und eine extreme musikalische Spannweite - mit Recht darf man „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ als Magnum Opus der Smashing Pumpkins bezeichnen. Vielleicht hätte Corgan die Band danach auflösen sollen, denn was sollte nach dieser Platte noch folgen?
Es bleibt nicht aus, dass sich bei so viel Musik und unterschiedlichen Stilrichtungen natürlich neben zahlreichen Lieblingslieder (alle 5 Singles, der instrumentale Titelsong, „Stumbleine“, „Lily (My One And Only“) auch einige Streichkandidaten („Fuck You (An Ode To No One)“, „Where Boys Fear To Tread“, „Tales Of A Scorched Earth“, „X.Y.U.“) finden lassen. Die Trackliste meines persönlichen (annähernd) 10-Punkte-Albums sähe so aus:
1. Mellon Collie And The Infinite Sadness
2. Tonight, Tonight
3. Zero
4. Bullet With Butterfly Wings
5. To Forgive
6. Love
7. Galapogos
8. Muzzle
9. Bodies
10. Thirty-Three
11. In The Arms Of Sleep
12. 1979
13. Stumbleine
14. We Only Come Out Tonight
15. Lily (My One And Only)
16. Farewell And Goodnight

Ingo: 9,5 Punkte
Eines der Alben des Jahrzehnts. Unter den 28 Titeln ist kein Ausfall dabei, im Gegenteil stehen für jede erdenkliche Stimmung diverse Songs zur Untermalung und Potenzierung dieser zur Verfügung. Der Beginn mit dem Titelsong-Instrumental, dem orchestralen “Tonight, tonight” und dem ersten Brecher “Jellybelly” wurde von einem Bekannten mal als die perfekte Aufwach-Sequenz beschrieben. Ich habe bisher keine bessere gefunden. 
Die Compilations “Pisces iscariot” (1994) und “The aeroplane flies high” (1996) werden hier nicht einzeln besprochen. Aber sie belegen die unfassbare Schaffenskraft, welche die Band in dieser Phase ausmachte. Daher weigere ich mich auch, “beste Titel” auf “Mellon Collie…” zu benennen. Das Album ist ein unerreichtes Gesamtkunstwerk und gehört als solches genossen. 

Oliver: 7,5 Punkte
1995 kamen so viele Britpop-Platten raus, dass ich offenbar gar keine Zeit hatte, ein neues Smashing Pumpkins Album  zu hören. Und schon gar nicht so ein langes! Zwei der fünf Singles hatte ich mitbekommen und die fand ich auch durchaus gut. Das komplette Album habe ich aber erst viel später gehört. Und ja: Es ist echt lang… 

Volker: 8 Punkte
1995 hätte ich hier wohl einen 10er rausgerückt, wobei wahrscheinlich ein Bonuspunkt für Größenwahn dabei gewesen wäre. Zum Reissue der x-fach LP vor ein paar Jahren ist mir dann allerdings aufgefallen, wie wenig neben den bekannten “Hits” dann doch über die Jahre hängen geblieben ist. Dafür war es dann trotzdem ein sehr erfreuliches Wiederhören.

Gesamturteil: 8,375 Punkte





“Adore” 
1998, Virgin (16 Songs, 73:18)



Dirk: 7,5 Punkte
Billy Corgan musste seinen Schlagzeuger und besten Freund Jimmy Chamberlin aus der Band werfen, eine Scheidung und den Tod seiner Mutter verkraften und stellte die Smashing Pumpkins nebenbei musikalisch neu auf. Dies gelingt erstaunlich gut und erstmals muss ich keine Heavy Metal beeinflussten Songs als Ausfälle aufzählen. Obwohl mit „Eye“ und „The End Is The Beginning Is The End“ zwei Songs dieser Phase auf Soundtracks landeten, die „Adore“ gut zu Gesicht gestanden hätten, ist das vierte Album der Smashing Pumpkins, welches ursprünglich als Doppelalbum geplant war, in sich sehr stimmig aber etwas zu lang geraten. Gerade die zweite Hälfte kann mit dem sehr starken Anfang nicht mithalten.

Ingo: 8 Punkte.
Mit Jimmy Chamberlin hatte der Drummer die Band verlassen und diese Lücke wurde genutzt: Dieses fehlende Element war ein guter Anlass für einige akustische Songs und Experimente mit der Drum-Maschine. Songs wie “To Sheila” wären bei anderen Platten der Band nicht als Opener zu finden. Anschließend lässt die besagte Drum-Maschine Chamberlin nicht vermissen. Mit “Tear” und “Crestfallen” folgen in der ersten Albumhälfte noch zwei weitere starke Titel. Danach wird es vor allem sehr ruhig. Dirk erwähnte bereits den aus dieser Zeit stammenden und auf dem Batman-Soundtrack veröffentlichten Titel “The end is the beginning is the end”. Billy Corgan verkündete zu diesem Song, dass das Ende der Rock-Musik gekommen sei und damit schlug er in die gleiche Kerbe wie kurz zuvor David Bowie mit “1. Outside”. Es ist kurios, dass nun, 20 Jahre später die Smashing Pumpkins (Alternative-)Rock wieder live zelebrieren.  
“Adore” ist das Smashing Pumpkins, welches erst lange nach Veröffentlichung in seiner Schönheit erkannt wurde. Der im Vergleich zu “Mellon Collie…” magere Erfolg des Album war einerseits eine Befreiung allerdings offensichtlich auch ein Problem für das Ego der Band.

Oliver: 8,5 Punkte
Als wir unser Sammelalbum zusammengestellt haben, habe ich die Smashing Pumpkins ziemlich vernachlässigt. Mindestens 30 Platten aus den 90ern waren für mich besser, als die vier Alben, die die Smashing Pumpkins in diesem Jahrzehnt veröffentlicht hatten. Vielleicht ist Adore das Album, das es verdient gehabt hätte, in meine Top 30 zu kommen. Schließlich war ich doch schon immer Fan von den eher ruhigeren Songs der Band. Vielleicht hätte dem Album aber auch der ein oder andere Gitarrenausbruch gut getan. 

Volker: 8,5 Punkte
Wie hat Dirk es im Vorfeld formuliert: Und Volker wird uns dieses Album wieder als Meisterwerk der Smashing Pumpkins verkaufen wollen (oder so ähnlich). Recht hat er! Was für eine großartige Alternative Popmusik. Süßer und sonniger waren sie nie und sollten sie nie wieder werden. 

Gesamturteil: 8,125 Punkte





“Machina/The Machines Of God” 
2000, Virgin (15 Songs, 73:13)



Dirk: 7 Punkte
Während der Aufnahmen verließ D’arcy Wretzky die Band, dafür wurden Jimmy Chamberlin und der rockigere Sound der Smashing Pumpkins wieder zurück geholt. Für Billy Corgan hängen die enttäuschenden Verkaufszahlen damit zusammen, dass „Machina/The Machines Of God“ in Zeiten, da Korn und Limp Bizkit erfolgreich waren, nicht hart genug war. Für mich ist es das und „The Everlasting Gaze“ und „Heavy Metal Machine“ entgehen immer nur knapp der Skip-Taste. Meine persönlichen Highlights sind „Stand Inside Your Love“, „This Time“ und „Blue Skies Bring Tears“. Die Platte ist mit 15 Songs, darunter das 10-minütige „Glass And The Ghost Children“, erneut zu lang geraten und das undurchsichtige Konzept des Albums habe ich bis heute nicht verstanden.

Ingo: 7,5 Punkte
Jimmy Chamberlin saß wieder an den Drums, allerdings hatte Bassistin D’arcy Wretzky sich von der Band verabschiedet. Ersetzt wurde sie durch die Ex-Hole Bassistin Melissa Auf Der Maur. Das mit “The end is the beginning is the end” durch Corgan verkündete Ende der Rock-Musik fand offensichtlich noch nicht statt. “Machine/The machines of God” zelebrierte die Heavy-Gitarren, an denen auf “Adore” gespart wurde. Diese Gitarren wurden selbst mir an der einen oder anderen Stelle zu viel. Das Album steht auch für das erste Ende der Band. Mit ausuferndem Konzept (irgendwas mit Gott) und Tour wollten es Corgan und die Band noch einmal krachen lassen. “Machina/The machines of God” ist näher an “Mellon Collie…” als “Adore”. 
“The everlasting love”, “Stand inside your love”, “Heavy metal machine”, “Wound” und “Age of innocence” sind meine Lieblingstitel auf dieser Platte. 

Oliver: 6 Punkte
Kommen wir zu den Smashing Pumpkins Alben, die absolutes Neuland für mich sind. Eigentlich hab ich bei Machina/The Machines Of God  Schlimmeres erwartet. Eigentlich schließt es musikalisch ja an Adore an. Aber eigentlich ist die Platte auch ziemlich durchschnittlich. Um nicht zu sagen: Langweilig. 

Volker: 4 Punkte
Ein Jubel ging durch die Menge. Jimmy Chamberlain seines Zeichens Schlagzeuger ist wieder an Bord! Doch muss man ihn deswegen derart in den Vordergrund mischen, bei einer Produktion die sich scheinbar die Perfektion des Soundbreis zum Ziel gesetzt hat? Wunderbar verzerrte Gitarren konkurrieren mit Schlagzeug und Effekten und Corgans Gesang ist tatsächlich zeitweise zu erahnen. Nichts ist geblieben von der zugegeben poppigen Leichtigkeit des Vorgängers Adore. Wo bitte sind die Songs versteckt? Nach vielen tollen Platten ein riesiger Rückschritt, aber wenigstens war Chamberlain jetzt angeblich clean - tja man kann wohl nicht alles haben. 

Gesamturteil: 6,125 Punkte





“Machina II/The Friends & Enemies of Modern Music” 
2000,Constantinople (14 Songs, 49:31)



Dirk: 6,5 Punkte
Im September 2000 sah ich die Smashing Pumpkins erstmals live - gerade noch rechtzeitig, denn sie waren auf ihrer Abschiedstournee. Nur wenige Tage zuvor war „Machina II/The Friends & Enemies of Modern Music“ umsonst im Internet veröffentlicht worden und so wurden uns in der ausverkauften Arena Oberhausen gleich 13 Songs aus dem Machina-Zyklus präsentiert, wodurch der ein oder andere tolle ältere Song leider nicht den Weg auf die Setliste fand. Hier konnte Billy Corgan plötzlich aussieben! 
Das noch aus „Adore“-Zeiten stammende „Let Me Give The World To You“, das an U2 erinnernden „Home“ und das nach The Cure klingende „In My Body“ sind für mich noch die Highlights dieses Sammelsuriums, das durch 3 EPs mit B-Seiten noch aufgebläht wurde.

Ingo: 7 Punkte
Die Plattenfirma wollte Corgan kein weiteres Doppel-Album zugestehen, daher gab es “Machina II/The friends & enemies of modern music” als trotzige Zugabe zu “Machina/The machines of God”. Ursprünglich wurden nur 25 Exemplare des Albums veröffentlicht und zum kostenlosen Download freigegeben. Alternative Versionen von auf “Machina/The machines of God” enthaltenen Songs sowie die Struktur aus zusammengeworfenen EPs lässt dieser Kompilation zumindest zum Teil das Label “Resterampe” anhaften. Doch dadurch würde man der durchschnittlichen Qualität der 25 Songs nicht gerecht. Gerade die Tatsache, dass die Titel nicht auf Hochglanz poliert äh produziert wurden, verleiht “Machina II/The friends & enemies of modern music” (würde ich nach Worten bezahlt, würde ich diesen Albumtitel lieben) einen rohen Charme. 
“Soul power”, “Speed kills (but beauty lives forever)” und “Cash car star” sind für mich die Stars auf dieser Sammlung.  

Oliver: 6,5 Punkte
Ich weiß gar nicht, warum ich im Vorfeld so eine große Angst vor der Smashing Pumpkins Revision hatte - vor allem vor den Alben, die ich noch nicht kannte. Richtig schlecht ist Machina II ja jetzt auch nicht. Und es gibt wieder mehr Rock gegen zwischenzeitliche Langeweile! 

Volker: -
Muss ich nach der Bewertung des Vorgängers, der für mich an sich schon mit B’Sides an Rarities zu positiv betitelt gewesen wäre, erwähnen, dass ich mir diesen Nachschlag geschenkt habe?

Gesamturteil: 6,667 Punkte





“Zeitgeist” 
2007, Reprise (12 Songs, 52:22)



Dirk: 5,5 Punkte
Im Nachhinein betrachtet hätte es dieser „Reunion“ nicht bedurft. Worüber soll man sich denn mehr aufregen: Über die Holzhammer-Metapher des hässlichen Plattencovers (da helfen auch die unterschiedlichen Farbvarianten nichts)? Die Bonus-Track-Politik, die die Fans verärgert hat? Darüber, dass Smashing Pumpkins drauf steht, aber nur 50% drin stecken? Oder über die Tatsache, dass Corgan in 7 Jahren keinen packenden Song komponiert zu haben scheint („Neverlost“ ist so etwas wie ein Hoffnungsschimmer) und sich mit Kollege Chamberlin ziemlich uninspiriert durch 16 Songs (wenn man denn aller Zusatzsongs fündig wurde) rockt?
„Zeitgeist“ verdient nur ein Fazit auf diesem Niveau: Lady Liberty steht das Wasser bis zu den Knien, Billy Corgan bis zum Hals.

Ingo: 6,5 Punkte (Dank Comeback-Bonus)
Bislang das rockigste Album der Band. Für das Comeback sieben Jahre nach der Auflösung verzichtete die Band weitgehend auf eine ihrer größten Stärken: Die Dynamik. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Band aus Corgan und Chamberlain. Ich erinnere mich an die Singles “Doomsday clock” und “Tarantula” und daran, dass ich irgendeine Limited Edition gekauft habe. Die Songs “Starz” und “Neverlost” gefiel mir auch, er zeigte wenigstens etwas von der berühmten Smashing Pumpkins “laut-/leise-Dynamik”. Die Freude über die Reunion war größer als die über das Album an sich. Kurioserweise ist “Zeitgeist” als einziges Album (neben „Machina II/The Friends & Enemies of Modern Music“, aber da verstehe ich es) nicht im Katalog meines Streaming-Anbieters enthalten. So schlecht ist es nun wirklich nicht. 

Oliver: 6 Punkte
Ich stimme Ingo zu: So schlecht ist das Album nun wirklich nicht. Hatte ich nicht bei ‚Adore‘ noch gesagt, dass ich Fan der ruhigeren Songs bin? Bei ‚Machina II‘ hingegen feierte ich dann die rockigen Parts, die gegen die Langeweile eines durchgehend ruhigen Albums ankämpfen. Und nun? Wieder ZU rockig? Ja. Es ist wohl echt schwierig, mich zufrieden zu stellen. Zumindest wenn man Billy Corgan heißt.

Volker: 6 Punkte
Um die Smashing Pumpkins war es ruhig geworden. Corgan hatte mit seiner neuen Bands Zwan und solo veröffentlicht. Beides fand ich nur leidlich gut. So stand mir der Kopf auch irgendwie gar nicht nach einem neuen Album der Band, schon gar nicht ohne D’Arcy (die ja schon auf Machina nicht mehr dabei war) und James Iha (stimmt es eigentlich, dass er seit diesem Jahr wieder Bestandteil der Band ist?). Angehört habe ich es mir damals natürlich trotzdem, und wirklich weh getan hat es nicht.

Gesamturteil: 6,000 Punkte





“Oceania” 
2012, EMI (13 Songs, 60:02)



Dirk: 7 Punkte
Spätestens jetzt ist alles klar: Die Smashing Pumpkins sind allein Billy Corgan, die Mitstreiter austauschbar, und unterhalb eines größenwahnsinnigen Konzept geht eigentlich gar nichts. In diesem Fall heißt es „Teargarden By Kaleidoscope“ und ist ein fortlaufender Song-Zyklus, der seit 2009 auf 44 Titel erweitert wurde. Die damalige Behauptung Corgans, „Oceania“ sei ihr bestes Album seit „Mellon Collie“, hält der heutigen Nachbetrachtung nicht ganz stand, auch wenn Streicher, akustische Gitarren und Keyboards zumindest klanglich deutlich in diese Richtung weisen.

Ingo: 6,5 Punkte
“And then there was Corgan.” Das Comeback mit Chamberlain war nicht von Dauer. Ohne ihn machte sich Corgan an ein Mammut-Projekt: “Teargarden by kaleidyscope”. In den Jahren 2009 bis 2011 veröffentlichte er die beiden EPs “Songs for a sailor” und “The solstice bare” sowie zwei weitere Titel. Das war wohl sein Umgang oder Experiment mit neuen Veröffentlichungsstrategien. Erst mit “Oceania” lieferte er 2012 wieder ein Album ab, welches offiziell zu “Teargarden by kaleidyscope” gehört. Mit Jeff Schroeder, Nicole Fiorentino (Damen am Bass sind eine der Konstanten der Smashing Pumpkins) und Mike Byrne hatte er wieder ein Band um sich versammelt. “The celestials” war eine starke Vorab-Single. “Pale horse”, “Glissandra” und “Quasar” blieben mir darüber hinaus in Erinnerung. “Oceania” bietet im Vergleich zum “Zeitgeist” mehr Smashing Pumpkins-Feeling und Vielfalt. 

Oliver: 8 Punkte
An die Großtaten der 90er-Jahre kommt die Platte nicht ganz heran. Aber es gibt durchaus Songs, die daran erinnern: ‚The Celestials‘ zum Beispiel oder ‚Violet Rays‘. Oder… oder… oder… Naja, offensichtlich kommt sie doch ganz nah an vergangene Großtaten heran. Schön, so eine Platte noch im Nachhinein zu entdecken. Danke, Platten vor Gericht!

Volker: 8 Punkte
5 Jahre nach dem Comeback eigentlich schon fast als zweites Comeback zu beurteilen, und entweder war die Zeit bei mir einfach mal wieder reif für diese Art Musik, oder das Album war tatsächlich deutlich besser als alles, was Corgan seit 1998 veröffentlicht hatte. Eine große Überraschung, die für mich in der Reihe der 3 Großtaten der 90er kaum abfällt.

Gesamturteil: 7,375 Punkte





“Monuments To An Elegy” 
2014, BMG (9 Songs, 32:35)



Dirk: 7 Punkte
Das ich das noch einmal sagen darf: Dieses Smashing Pumpkins Album ist zu kurz geraten. 32 Minuten sind gerade einmal ein Viertel von "Mellon Collie", da hätte Billy Corgan gern noch etwas in seinem Archiv kramen dürfen. Aber ursprünglich war mit "Day For Night" noch ein zweites Album fürs gleiche Jahr angekündigt worden, das nie erschienen ist. Ob die mauen Verkäufe von "Monuments To An Elegy" der Grund dafür waren? Ansonsten ist es ein solides, fast schon poppiges Smashing Pumpkins-Album ohne die ganz großen Ausreißer nach oben oder unten.

Ingo: 6 Punkte
Vom “Oceania”-Personal blieben Corgan und Schroeder. Vielleicht ist Corgan wirklich so ein schwieriger Zeitgenosse, wie immer wieder verlautet wird. “Monuments to an elegy” ist das neunte Album der Band und ebenfalls Teil des “Teargarden by kaleidyscope”-Zyklus. Tommy Lee am Schlagzeug war ein weiterer Beitrag zum personellen Kuriositätenkabinett der Smashing Pumpkins. Merklich weniger rockig als die beiden Vorgänger wirkt “Monuments to an elegy” wie eine lose Sammlung von Ideen. Drum-Computer und Synthesizer erinnern an “Adore”, vielleicht waren einige der Songs “Reste” aus dieser Phase. “Anaise” und “Anti-Hero” sind die relativen Höhepunkte des “aktuellen” Albums der Band. Wenn ich die letzten Jahre Revue passieren lasse frage ich mich, warum ich mich über ein neues Album freuen sollte. Egal, es wird eine Limited Edition geben. 

Oliver: 7 Punkte
Fällt im Vergleich zum Vorgänger wieder ein wenig ab. Hat aber endlich mal eine vernünftige Länge. Was bleibt: Der Vorsatz, neue Smashing Pumpkins Alben zeitnah zum Erscheinungsdatum zu hören und nicht wieder vier bis achtzehn Jahre zu warten.

Volker: 6 Punkte
Und schon war der Hurra Effekt wieder verpufft. Aber vielleicht sollte man auch nicht zu viel verlangen. Vorübergehend scheint Corgans Pulver durch Oceania wieder verschossen, fast klingen die Songs wirklich wie B-Seiten des Vorgänger Albums. Positiv, so tief wie zu Machina-Zeiten geht es nicht runter, negativ, wirklich brauchen tut man davon nichts.
Ich würde mir ja weiterhin eine Revival der Originalbesetzung wünschen, aber ich hoffe ja auch noch auf solche Absurditäten wie eine Reunion von Talk Talk. Träumer halt.

Gesamturteil: 6,500 Punkte



1 Kommentar:

Olly Golightly hat gesagt…

Was wurde eigentlich aus den Mädchen vom "Siamese Dream" Cover?

https://www.instagram.com/p/BfRhkAZH4Dt/