Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Guillemots - Walk The River

    Guillemots - Walk The River



















    Himmelhochjauchzendundzutodebetrübt. So lassen sich die Gefühle zusammenfassen, die die ersten beiden Alben der Guillemots nicht nur bei mir auslösten. Schön abzulesen am Notendurchschnitt bei Platten vor Gericht: 8,67 Punkte (und damit Platz 3 in der Jahresendabrechnung 2006) für „Through The Windowpane" und 4,5 Punkte (und damit das fünft schlechteste Album des Jahrgangs 2008) für „Red".
    Zwischendurch erschien mit „Fly Yellow Moon" (2010), dem ersten Soloalbum von Fyfe Dangerfield (6,9 Punkte), ein Hoffnungsschimmer, den „Walk The River" jetzt noch ein wenig heller leuchten lässt.

    Das dritte Album der Guillemots zeigt, dass Dangerfield als Songwriter weiter gereift ist, dass die Synthie-Experimente des Vorgängers als Fehlgriffe erkannt und nahezu ausgemerzt wurden, dass die Band klanglich eher am Debüt anknüpfen wollte, auch wenn nicht so überschwänglich am Pop-Rad gedreht wurde und dass Dangerfield vielleicht doch den 2 Jahres-Rhythmus bei Veröffentlichungen beibehalten hätte sollen.
    Großes, sentimentales bis melodramatisches Gefühlskino führen die Guillemots bei „Walk The River", „Vermillion" und „I Don't Feel Amazing Now", den ersten drei Titeln der Platte, auf. Danach versandet „Walk The River" jedoch etwas und man fragt sich unweigerlich, warum ein Album mit 12 Titeln über eine Stunde laufen muss, vor allem, wenn ein Song wie „Sometimes I Remember Wrong", mit Ideen für gerade mal 3 Minuten, auf deren 9 ausgewalzt wird. Die abschließenden „The Basket" und „Dancing In The Devil's Shoes" können aber qualitativ wieder mit dem Auftakt mithalten, bevor „Yesterday Is Dead" (8:25 Minuten) wieder kein Ende zu finden scheint.





    „The Basket" Video

    Walk The River opens with a song of the same name, a track which builds and builds, starting out with a sole drumbeat, soon followed by Dangerfield's soft vocal, before culminating into a really richly textured, melancholy melody. The lyric "Walk the river like a hunted animal" is striking and delivered with pinching emotion that invites listeners to stop, and to truly absorb the message of the song. It's a raw, honest opening tune, augmented by a beautiful harpsichord-esque sound and is a real taste of the sentiment to expect from the rest of the album. 'Walk The River' trickles into track two 'Vermillion' which retains the structural style of the first track, something which has been carefully considered on this record in ordder to make each song slide perfectly into the next. There's a bit of a Midlake feel to 'Vermillion' with lots of layered vocals and a very rhythmic acoustic guitar. This smooth soundtrack is presented alongside gently distorted vocals which add a real sense of depth and darkness. It's quite comforting to hear Dangerfield's voice again, for his is a truly honest talent - no pretention, nothing fake - every syllable that he utters is soaked in beliveable longing, love, heartache or whichever emotion the song requires.

    Each track on Walk The River carries something sentimental. The lyrics are tinged with nostalgia, everything about the compositions feels very personal and there's a lasting sense of loss throughout the album. Musically, this album is gorgeous. It's atmospheric, full of reverb and clinging tones. Closing track 'Yesterday Is Dead' continues the sprawling, melancholic feel of the album in an eight and a half minute track which fades into ghostly children's vocals as the end of the song draws the album to silence. The overall tone of the album is more calculated than on previous releases. There's none of the frantic chanting found on 'Kriss Kross' or euphoric romanticism of 'Made Up Love Song #43_, it's slower paced and sadder. Walk The River is the most mature sounding Guillemots record to date, full of tender songwriting and stingingly poingnant lyrics. It's not what I was expecting, but it's completely beautiful.
    (thelineofbestfit.com)





    „Walk The River" Video
  • The Wombats - This Modern Glitch

    The Wombats - This Modern Glitch



















    Für ihr zweites Album "This Modern Glitch" begaben sich The Wombats ins MRG Recording Studio in Los Angeles und arbeiteten dort gleich mit einer Vielzahl an Produzenten (Rich Costey, Eric Valentine, Butch Walker und Jacknife Lee) am Nachfolger für "A Guide To Love, Loss & Desperation" (2007) und heraus kam dabei: ein lupenreines Pop-Album!

    Vorbei - zumindest nahezu - sind die Zeiten der schrammelnden, im Vordergrund stehenden Gitarren, der Postpunk-Attitüde und des voran preschenden Schlagzeugs, das innerhalb der einzelnen Songs ein Wettrennen mit den anderen Instrumenten zu veranstalten schien, um bloß vor ihnen am Ende des Song anzulangen.
    Geblieben sind die großartigen, zupackenden Melodien, von denen bereits die drei Vorab-Singles zeugten (insbesondere "Tokyo (Vampires & Wolves)") und der herrliche Hintergrundgesang, den die Herren Haggis und Øverland-Knudsen gekonnt beisteuern.
    Neu hinzu gekommen sind die Keyboards und Synthies, die den Songs alle Ecken und Kanten nehmen und dafür Dancebeats und 80er-Flair verpassen, der Hang das Tempo auch einmal zu drosseln, so dass man bei "Anti-D" mit seinen "Bitter Sweet Symphony"-Gedächtnis-Streichern schon fast von einer Ballade sprechen darf.

    Die erste Hälfte des Albums ist deutlich stärker als die zweite und die drei Wombats scheinen mehr und mehr zu den drei neuen Ashs zu werden, denn "Free All Angels" lässt hier an allen Ecken und Enden schön grüßen. In den Song "1996", in dem diesem Jahr und der unbeschwerten jugend nachgetrauert wird, würden diese sicherlich mit einstimmen, denn 1996 waren Ash mit ihrem Debütalbum noch das Ding.

    Mit „This Modern Glitch" legen The Wombats nicht die Platte vor, an der sich die nachfolgenden britischen Gitarrenrockbands messen lassen müssen, denn das haben bereits The Vaccines mit ihrem Debüt getan.





    "Tokyo (Vampires & Wolves) Video

    Don't believe the anti-hype: pop album of the year, by at least a dozen choruses.
    (bbc.co.uk)





    "Jump Into The Fog" Video

    Album standout "Tokyo (Vampires and Wolves)" is the throwback jam dressed to the nines with plenty of dance floor hormones and bass; its message of celebrating the blissful ignorance of self-destruction adds a sheen of darkness and depth to a song referencing mythical monsters. "Jump Into The Fog" accomplishes the same feat, making the horrifying task of facing life's uncertainties feel as big and anthemic as it should without losing the intimacy of being scared shitless.

    The rest of the LP is backed up by equally impacting selections. From cheesy wordplay in "Anti-D ("Please allow me to be your anti-depressant/I too am prescribed as freely as any decongestant") that amazingly works to accepting the wonders of maturing enough to like techno ("Techno Fan") and accepting your mortality without actually being less of a cock ("Last Night I Dreamt..."), and even reminiscing about 1996 (God, does that feel like forever ago..) in the eponymous song , the album so wonderfully sums up the existences of the 20-somethings of planet Earth. The effort's as sweet as any candy and just as jarring as inhaling 11 inches of the stuff in one sitting.
    (consequenceofsound.net)





    "Anti-D" Video
  • The Pigeon Detectives – Up, Guards And At’Em!

    The Pigeon Detectives – Up, Guards And At’Em!




















    Bevor wir zum zweiten Album der Wombats kommen, noch schnell eine weitere britische Gitarrenrock-Hoffnung für 2011. Zumindest in England wird dies so gesehen, denn dort verkauften sich die beiden ersten Alben der Pigeon Detectives „Wait For Me“ (2007) und „Emergency“ (2008) über 500.000 mal.

    Up, Guards And At’Em!“ wurde nach einer etwas längeren Pause mit dem Produzenten Justin Gerrish in New York aufgenommen, stellt aber keine wesentliche Weiterentwicklung im Konzept des Quintetts dar, wenn man von den unerwarteten elektronischen Spielereien im Opener „She Wants Me“ einmal absieht. Ähnlichkeiten zu The Strokes („Turn Out The Lights“) können vielleicht als Hommage an oder Konsequenz aus dem Aufnahmeort angesehen werden, differenzieren den Sound der Band aber nur um Nuancen. Leider lässt das Album zudem den alles überstrahlenden Hit, den die Vorgänger mit „I Found Out“ oder „This Is An Emergency“ noch lieferten, vermissen. Dem kommt wohl die Vorab-Single „Done In Secret“ noch am nächsten.
    „Up, Guards And At’Em!“ bietet 37 Minuten kurzweilige Unterhaltung, aber die Krone des britischen Indierocks wird an andere verliehen werden. Vielleicht an The Wombats...





    “Done In Secret” Video

    It seems The Pigeon Detectives are mired deep in their furrow, as from track two onwards Up, Guards and at ‘Em! retreads exactly the same ground as their previous two albums – chant-worthy, Kaiser Chiefs-y indie-pop of a laddish hue, heavy on catchy choruses, light on lyrical subtlety. Matt Bowman is never going to win any Nobel prizes for poetry: when melodic stand-out Through the Door manages to lift itself out of the general indie sludge that weighs down the rest of the record, Bowman’s lyrics, as clunky as a brick dropped off the Empire State, drag it off into the realms of comedy. One minute it sounds like he’s singing mid-burgling job ("We came in here through the window / But we’ll be leaving through the door"), the next he appears to end up at a firebombed nightclub ("I wanna dance with you but my hands are on fire!"). Ludicrous.

    Otherwise the band struggles to dredge up any sort of sparkle, no matter how finely-forged the hook. Go at It Completely and What Can I Say? boast a little of their debut’s florid fire and there’s a scratchy charm to the moments where some fragility emerges (the Strokes-y Turn the Lights Out and the painfully warped I Don’t Know You). But a good third of the album – Done in Secret, What You Gonna Do?, Need to Know This – is a drag to plough through: phoned in, zoned out, treading water, joyless.

    (bbc.co.uk)


    The Pigeon Detectives live:

    14.05.11 Köln, Luxor
    15.05.11 München, 59:1
    16.05.11 Berlin, Lido
    17.05.11 Hamburg, Molotov
  • The Head And The Heart – The Head And The Heart

    The Head And The Heart – The Head And The Heart




















    Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk! Doch sind wir, aber nicht mitten im Grunge-Revival, auch wenn diese Platte über Sub Pop veröffentlicht wird. Wiederveröffentlicht müsste es eigentlich heißen, denn The Head And The Heart brachten ihre Platte zunächst auf Eigeninitiative unters Volk.
    Für die aktuelle Version wurden alle Songs remastered, sowie “Sounds like Hallelujah” neu aufgenommen und der Live-Favorit “Rivers and Roads” hinzugefügt.


    Die Band besteht aus Josiah Johnson (Gesang, Gitarre), Jonathan Russell (Gesang, Percussions), Charity Thielen (Geige, Gesang), Kenny Hensley (Piano), Tyler Williams (Schlagzeug) und Chris Zasche (Bass). Deren Harmoniegesang und Americana-Anleihen lassen vermutlich wieder schnell die Fleet Foxes-Vergleiche aufkommen, vor allem da deren Alben zeitnah über das gleiche Label veröffentlicht werden. Hier gibt es in den guten Momenten aber mehr Piano-lastigen Folkrock, wie der, den Mumford & Sons berühmt werden ließ, und Songs, die auch im Repertoire des Singer/Songwriters Dan Mangan auftauchen könnten. Als Anspieltipps seien „Down In The Valley“ und „Rivers And Roads“ genannt, denn die dürften überzeugend genug sein, um sich einmal mit The Head And The Heart auseinanderzusetzen.

    Besondere Highlights sind Rivers And Roads und Honey Come Home. Rivers And Roads beginnt, einhergehend mit der besungenen Sehnsucht, schleppend und schwermütig. Der Song steigert sich jedoch immer weiter, was der authentischen Stimme von Violinistin Charity zu danken ist und endet in der mit allen Leibeskräften gesungenen Zeile: Rivers and Roads ’till I reach you. Honey Come Home ist ein Friedensangebot an die einstige Liebe, in der alles als selbstverständlich vorausgesetzt wurde. Der Protagonist hat sogar den Kühlschrank geputzt und seine Wäsche weggeräumt und bettelt nun: Honey, come home.

    Musikalisch setzen The Head And The Heart auf klare Strukturen, alles sehr ehrlich, passend zu den offenherzigen Texten. Klavier, Gitarre, Violine, Bass und Drums, hier und da mal ein Glockenspiel, aber das wars dann schon an Schnickschnack. Die Stimmen der Bandmitglieder harmonieren perfekt miteinander, sodass ein sehr kraftvoller, klarer und unendlich weiter Sound entsteht. So etwa, als würde man im Umland von Seattle auf einem Berg stehen und an einem klaren Morgen den weiten, ungetrübten Blick über die Stadt genießen.
    (detektor.fm)



    Und wie sind The Head And The Heart live? Das kann man hier erfahren.
  • finn. – I Wish I Was Someone Else

    finn. – I Wish I Was Someone Else




















    Ausgewischt ist das Gesicht von finn., Coverfigur und Synonym des Singer/Songwriters Patrick Zimmer, der in Zukunft wohl unter seinem bürgerlichen Namen musizieren und Platten veröffentlichen wird.
    Als finn. schaut er auf drei Alben zurück, darunter das 2009 veröffentlichte „The Best Low-Priced Heartbrakers You Can Own“, das die Messlatte für seinen Nachfolger recht hoch legte. Nimmt man zum ersten Mal die auf der Rückseite von „I Wish I Was Someone Else“ aufgedruckten Songtitel in Blick, reibt man sich zunächst verwundert die Augen, denn sie kommen einem hinlänglich bekannt vor. Entweder treibt Herr Zimmer einen Scherz mit einem, indem er sich die Titel bekannter (bis gefürchteter) Songs der 70er und 80er Jahre entleiht oder finn.s Schwanengesang ist ein Coveralbum geworden. Das Letztere möchte man sich eigentlich nicht wünschen, denn dann stünden einem „Private Dancer“, „Kiss“ oder „I Shot The Sheriff“ bevor!

    Legt man den Rohling dann ein, erschallen passenderweise die ersten Töne von Crowded Houses „Don’t Dream It’s Over“, dargeboten in einer aufs Spärlichste instrumentierten Version. In einer LoFi-Produktion hören wir in 13 Songs vor allem Zimmer an der akustischen Gitarre, dazu nur gelegentlich Schlagwerk, Handclaps, ein Piano oder Streicher. Aber gerade dann, wenn mehr Instrumente ins Spiel kommen, gewinnt das Album an Spannung und Intensität. Als zweiter Kritikpunkt kann Zimmers Falsettgesang angeführt werden, der auf Dauer doch recht enervierend wirkt. Dass es auch anders geht (und vielleicht in Zukunft auch gehen wird), beweist das Gainsbourg-Cover „Ne Dis Rien. Logische Konsequenz aus diesen beiden kritischen Punkten ist, dass sich „Crying In The Rain“, welches a-ha in ihrer Version in den 80ern bekannt machten, zum Highlight der Platte entwickelt, denn zu Zimmers hohem Gesang kommt ein grummelnder Dirk von Lowtzow (Tocotronic) hinzu und lässt diese Version des Lieder zu einer gern gehörten, weniger schmalzigen Neu-Interpretation werden. Dies gelingt leider bei zu wenigen anderen Titeln der Platte („Dancing With Tears In My Eyes“ von Ultravox) und Zimmers Anspruch, „manch popmusikalischer Verirrung eine bezaubernde Seite abzugewinnen“, lässt sich weder bei „Love Is In The Air“, noch bei „Moonchild“ oder „Georgia On My Mind“ in die Tat umsetzen. Und schon gar nicht bei „Private Dancer“.

    Vor einigen Jahren hatte Maximilian Hecker eine ähnliche Idee und veröffentlichte auf der „Once I Was“ EP 6 Coverversionen (u.a. Radioheads „Creep“ oder „Homesick“ von den Kings Of Convenience) - das wäre auch für finn. der passendere Rahmen gewesen.



    finn. auf Tour:

    19.06.11 Hamburg, Prinzenbar
    20.06.11 Köln, Studio 672
    21.06.11 München, Ampere
    22.06.11 Wiesbaden, Walhalla
    23.06.11 Berlin, Comet
    24.06.11 Halle, Objekt 5
    25.06.11 Magdeburg, Projekt 7
  • Those Dancing Days – Daydreams & Nightmares

    Those Dancing Days – Daydreams & Nightmares




















    Noch ein paar schwedische Staatsbürger direkt hinterher. Eigentlich müsste es Staatsbürgerinnen heißen, denn Those Dancing Days sind Linnea Jönsson, Lisa Pyk, Rebecka Rolfart, Mimmi Evrell und Cissi Efraimsson.
    Als sie vor 3 Jahren ihr Debütalbum „In Our Space Hero Suits“ vorlegten, war die Begeisterung in den Medien recht hoch, konnte sich aber im Punktedurchschnitt von 6,75 bei Platten vor Gericht nicht recht widerspiegeln. Nun wurde das zweite Album des Quintetts wochenlang ignoriert, was die Vermutung nahe legt, dass es noch weniger überzeugend ist. Aber weit gefehlt!





    „I’ll Be YoursVideo


    Daydreams & Nightmares“ bietet erneut kurzweilige Unterhaltung zwischen poppigem Garagenrock („Fuckarias“) und flottem Sixties-Pop mit Girlgroup-Flair („Can't Find Entrance“), der erneut einige Hits abliefert („I’ll Be Yours“) und dennoch eine gewisse Weiterentwicklung dokumentiert (hörbar in „Help Me Close My Eyes“ oder in „One Day Forever“, einem Duett mit Orlando Weeks von The Maccabees). Kein Wunder, denn die fünf Mädels haben mittlerweile nicht nur die Schule hinter sich gelassen, sondern auch die halbe Welt bereist (Russland, China, Brasilien…) und zahlreiche Konzerte gespielt.
    Von seinen Live-Erlebnissen berichtet Christoph hier.





    Reaching ForwardVideo

    Denn "Daydreams And Nightmares" macht das, was sich für ein gutes Album schickt: Es versucht nicht, schon wieder alles umzuschmeißen und sich seltsam eitel gegen die eigene Ursprungsidee zu verschwören, nein, es feuert einfach noch mal ab. Ein kleiner Hang zum Retro-Sixties-Pop steht so wieder im Raum, allerdings umzingelt von zeitgemäßem Electro-Klingklang. Und wieder türmen die Stücke auf, nur um sich ekstatisch im Refrain oder ähnlicher Klimax zu ergießen. Musik als permanente Auslösung. So hätte das Debütalbum von Phoenix klingen können, wenn die Franzosen schwedische Girls gewesen wären und ihre Melancholie noch mehr auf Halleluja getrimmt hätten. Versteht man das? Egal, der dringende Hinweis, mit dieser Band und Platte gefälligst glücklich zu werden, dürfte ja wohl angekommen sein.
    (intro.de)





    FuckariasVideo
  • I’m From Barcelona – Forever Today

    I’m From Barcelona – Forever Today




















    Nach drei unterschiedlichen Alben, die auch höchst unterschiedlich aufgenommen wurden, durfte man gespannt sein, in welche Richtung es für I’m From Barcelona gehen würde.
    Das 2006 erschienene „Let Me Introduce My Friends“ war die ideale Musik zur Untermalung eines Kindergeburtstages, qietschvergnügt und höchst eingängig, dazu simple bis alberne Texte. Zwei Jahre später schlug „Who Killed Harry Houdini?“ auch düstere und melancholische Töne an, war eine deutliche Entwicklung zu hören, auch wenn nicht alle begeistert waren. Weitere zwei Jahre später erschien mit „27 Songs From Barcelona“ die erste Platte, die nicht allein aus der Feder von Mastermind Emanuel Lundgren stammte. Jedes Bandmitglied durfte einen Song beisteuern und eben so divergierend und leider unausgegoren fiel das Ergebnis dann auch aus.

    Seit einiger Zeit gibt es nun „Forever Today“ und die 10 Titel, die etwas länger als eine halbe Stunde laufen, markieren einen Rückschritt in die Anfangszeit des Kollektivs, sind also wieder quietschvergnügt, höchst eingängig und stammen wieder von Lundgren, der sich keine Gedanken machen muss, für seine Lyrics vielleicht einen Literaturpreis verliehen zu bekommen. Aber immerhin haben sicherlich alle Bandmitglieder die oftmals repetitiven Texte schnell einstudiert bekommen. Das war auch notwendig, da die Platte mit der kompletten Belegschaft in nur zwei kurzen Sessions eingespielt wurde.
    Gleich der Opener „Charlie Parker“ spielt in einer Klasse mit „Treehouse“ und ist damit (noch) überzeugender als die erste, sich auf dem Album anschließende Single „Get In Line“. „Battleships“ folgt mit einem herrlichen Ba-da-da-Chorgesang, der an „Mingus“ denken lässt. So geht der bunte und unterhaltsame Reigen weiter, jeder Titel ist sofort im Ohr und wird dieses auch so schnell nicht mehr verlassen. I’m From Barcelona können sich auf Lundgrens Gespühr für Refrains verlassen und dürfen schon einmal Luftschlangen und Konfetti für die nächsten, euphorischen Konzertabende bereit halten.





    “Get In Line” Video


    Popmatters vergibt 9 von 10 Punkten, Plattentests.de (5/10) ist bei Weitem nicht so zufrieden:
    Nahezu jeder Song setzt auf Handclap-Rhythmen, einen mal mehr, mal weniger emphatischen choralen Background und Bläsern. Um es überspitzt zu sagen: Wo Bands wie Fanfarlo erst richtig anfangen, kratzen I'm From Barcelona lediglich an der Oberfläche des Machbaren.
    Großer Hit? Fehlanzeige. "Always spring" schmiegt sich im Refrain an Alphabeats "Fascination" an, nur "Get in line" bleibt nach mehrmaligem Hören mit seiner einfachen Melodie als Ohrwurm im Gedächtnis. Die undefinierbare Mischung aus Kazoo und Keyboard bietet Nachschub für die Indie-Disco. "Skipping a beat", das sich ebenfalls vermehrt solcher Keyboard-Sequenzen bedient, wirkt dagegen wie der Versuch eines schüchternen Außenseiters, der unnahbaren Angebeteten seine Liebe zu gestehen. Süß gemeint und mit dem Herz an der richtigen Stelle, am Ende bleibt der Erfolg aber aus, und es schmeckt doch wie Zuckerwatte mit Glassplittern.
  • Cargo City – Dance/Sleep

    Cargo City – Dance/Sleep

    cover

    2007 gründete Simon Konrad Cargo City als Soloprojekt. Im Laufe der Jahre und Alben versammelte er feste Bandmitglieder um sich. Die ersten beiden Alben und die Soundtrack-Beiträge zum Film “Vincent will Meer” dürften schon den ein oder anderen Musikhörer auf die Band aufmerksam gemacht haben. Mit “Dance/Sleep” steht nun das dritte Album in den Regalen.

    Mit der Zeit und den neuen Musikern wandelte sich der Singer/Songwriter zum Vortänzer einer Indiepoprock-Band, die mit ein paar elektronischen Elementen, Balladen und dem Radio liebäugelt. Entgegen dem Albumtitel reicht das nicht wirklich für die Tanzfläche aber in den Schlaf wird man durch die zehn Titel auch nicht geschickt. Doch zwischen anderen “Extremen” spielt sich das Geschehen auf “Dance/Sleep” ab. Wenn es flott ist, klingt es nach Placebo. Die ruhigeren Parts ließen mich an Embrace denken. Durch die große Spannbreite der Songs zwischen emotional-düster (z. B. “The choir”) und Indierock (z. B. “All that you need”) dürfte für fast jeden genreaffinen Hörer etwas dabei sein. In der Gesamtheit könnte man “Dance/Sleep” abwechslungsreich nennen. Mir fehlt allerdings der rote Faden für eine vollständige Begeisterung meinerseits.

    Neben den bereits erwähnten Songs gefallen mir außerdem “The tale of the careless man” und “Life in reverse”. Uii, das sind ja mehrheitlich die ruhigen Songs des Albums. Vielleicht sollte ich mich mal mit den Vorgängerwerken der Band befassen.

    Der Terrorverlag über das Album:

    CARGO CITY bleiben auch mit der dritten Konserve abwechslungsreich, eingängig und hörenswert. Mehr noch, die Musik ist im Vergleich zum Vorgänger sogar gewachsen und offeriert „Dance/ Sleep“ nunmehr als durch und durch organischen Band-Sound, der mit analog-elektronischen Elementen perfekt kombiniert wurde.

    Erwähnenswert finde ich auch diesen Absatz von Whiskey Soda:

    'Dance/Sleep' ist beileibe nicht leicht zu komsumieren, da die Platte manisch-depressiv anmutet: Erst zu Tode betrübt, plötzlich ohne Grund völlig euphorisch. Die Klänge sind oft dermaßen vielschichtig, dass es beinahe anstrengend wird, einen roten Faden im Lied zu erkennen. Das verleidet einem ein wenig den Spaß an der Platte, da weniger manchmal mehr ist und trotzdem genug Emotionen vermitteln kann.

    Dort gibt es den Titelsong des Albums als Stream und kostenlosen Download und da als Video.

    Cargo City auf Tour:

    • 26.04. Hannover – Cafe Glocksee
    • 27.04. Braunschweig – Luke 6
    • 28.04. Bremen – MS Treue
    • 29.04. Düsseldorf – Pretty Vacant
    • 30.04. Münster – Amp
    • 01.05. Regensburg – Die Heimat
    • 02.05. Innsbruck – Weekender
    • 03.05. München – 59to1
    • 05.05. Biberach – Abdera
    • 06.05. Freiburg – KTS
    • 07.05. Wiesbaden – Kreativfabrik
    • 08.05. Bensheim – PiPaPo
    • 10.05. Potsdam – Waschhaus
    • 11.05.  Hamburg – Haus 73
    • 12.05. Leipzig – Werk2
    • 13.05. Berlin – NBI
    • 14.05. Plauen – Club Zooma
    • 17.05. Frankfurt – Sinkkasten
  • The Middle East – I Want That You Are Always Happy

    The Middle East – I Want That You Are Always Happy




















    Auf den Spuren der Band The Middle East geht es nicht in den Nahen Osten, sondern noch ein wenig weiter bis nach Townsville in Queensland, Australien. Das Kollektiv (je nach Quelle und Foto variiert die Anzahl der Bandmitglieder zwischen vier und sieben), dass sich 2005 gründete und bereits mehrere Umbesetzungen und Auflösungen hinter sich brachte, hat mit „The Recordings Of The Middle East“ (2009) und „Jesus Came To My Birthday Party“ (2010) bereits zwei EPs veröffentlicht. Nun folgt der erste Longplayer, jedoch bisher nur in Australien und Neuseeland.

    Bitte einmal das Video zu „Blood“ ansehen/-hören, eine positive Review lesen, die Namen The Low Anthem, Bon Iver, Fleet Foxes und Sufjan Stevens im Kopf kreisen lassen und der melancholischen bis schaurig-schönen Platte „I Want That You Are Always Happy“ eine Chance geben. Bei 14 Titeln und einer Spielzeit von fast einer Stunde kann man auch verschmerzen, dass die zweite Hälfte den ein oder anderen Füller parat hält.





    BloodVideo (2009)


    Opening track Black Death 1349 stays true to the title as a fairy sombre song with singer Jordan Ireland driving the song with his classic vocals; this carries on to My Grandma Was Pearl Hall, which resembles a depressed Empire Of The Sun.

    Previous single Jesus Came To My Birthday Party breaks the sombre vibe that the album presents in the first three tracks with the welcome introduction of Bree Tranter's voice and an upbeat melody with light-hearted lyrics. This trend follows into track five Land Of The Bloody Unknown, which boasts a catchy melody along with a simple time structure. An obvious selection for a future single.

    Deep Water is hauntingly beautiful with the collaboration of timely instruments which include an acoustic guitar, piano and slide guitar to create a ten minute long masterpiece. The clear standout on this album.

    Although there are seven members of The Middle East, the album does not suffer from an overload of sound. In songs like Mount Morgan and Dan’s Silverleaf each element works perfectly with Ireland to create a spacious sound.
    Ireland’s vocals are undoubtedly a vital element. At times there's a clear resemblance to Jeff Buckley, this is especially present in Hunger Song, where Ireland’s clear and faultless vocals will make you instantly fall in love.

    There is no way to easily lump this album into one genre; with the band serving up a mixed pot of folk, ambience, pop, country and alternative rock. The guys prove their mature musical abilities, as well as a wide appreciation for beautiful music; no matter what genre it may belong to. Each track brings a necessary element to the album, which upon removing would be similar to skipping a chapter in a book.

    The band have managed to produce a classic sounding album, filled with tracks that are too good to simply be lost in the background.
    (themusicnetwork.com)
  • Steffaloo – Meet Me In Montauk

    Steffaloo – Meet Me In Montauk




















    Montauk ist ein kleines Örtchen an der Ostspitze von Long Island, New York, mit knapp 4 000 Einwohnern.

    Montauk beheimatete auch den Luftwaffenstützpunkt Camp Hero und ist damit Ausgangspunkt der Montauk-Projekt-Verschwörungstheorie.

    Montauk ist nicht nur Handlungsort der gleichnamigen Erzählung von Max Frisch, sondern der dortige Leuchtturm findet auch Erwähnung in Frank Schätzings "Der Schwarm".

    Montauk ist auch Handlungs- und Drehort von "Eternal Sunshine Of The Spotless Mind", dem Drama von Michel Gondry nach einem Drehbuch von Charlie Kaufmann.

    Montauk könnte auch der verabredete Treffpunkt zwischen dir und Steph Thompson, alias Steffaloo, sein, wenn du verträumten, intimen und aufs Wesentliche reduzierten Folk-Pop magst. "Meet Me In Montauk" ist das Debütalbum der jungen Singer/Songwriterin, das so klingt, als wäre es nicht nur im Bett geschrieben und aufgenommen worden (Lo-Fi-Rauschen inklusive), sondern als wäre dies auch der ideale Ort um ihrer Musik (Gesang, Akustikgitarre, dazu gelegentlich bzw. alternativ Keyboards, Ukulele und Handclaps) zu lauschen.



    Her music is entirely her- a warm youthfulness. Ethereal harmonies, and a certain kind of wonder in all of her songs. She’s got this ability to pull the beauty out from the world that she sees, and effortlessly packages it her own prose that sound like she’s retelling a dream she had last night.
    (friendswithbotharms.com)

    The previously mentioned opening track “Meet Me In Montauk” deliver a swayingly upbeat tunefulness that is hypnotizing. The song consists of little more than her lovely vocals, soft acoustic guitar and some finger claps, and yet if you let yourself fall into it – you’d swear there was so much more going on. That magic – making so much out of so little – is a trick that Steffaloo pulls off again and again on this record. “Oh My God” spins a delicate web of longing and love that calls to mind both Feist and Sufjan Stevens: “oh my god / you are so good / so good to me.” The warmly, enveloping track “When The Sun Goes Down” is another highlight, as is the delicate, intimate and beautiful cut “Fly Away.” And I honestly don’t think there is a weak spot in the collection. A truly solid first effort.
    (turntablekitchen.com)


  • Cat's Eyes - Cat's Eyes

    Cat's Eyes - Cat's Eyes




















    Angeblich soll im Sommer das dritte Album der Psychedelic-Rocker The Horrors erscheinen, doch zwischenzeitlich hatte Sänger Faris Badwab scheinbar noch ausreichend Zeit, um mit der kanadischen Sopranistin und Multi-Instrumentalistin Rachel Zeffira ein ungewöhnliches Nebenprojekt ins Leben zu rufen. Für den Sound von Cat's Eyes zeichnete sich Steve Osborne (Suede, New Order, Starsailor) mit verantwortlich, die visuelle Umsetzung lag in den Händen des englischen Künstlers Chris Cunningham, der auch schon Videos für Björk ("All Is Full Of Love"), Aphex Twin ("Windowlicker") und The Horrors ("Sheena Is A Parasite") drehte.
    Auf dem Debüt von Cat's Eyes hören wir als Gegenpol zu Badwabs düster grummelndem Gesang Zeffiras helle, säuselnde Stimme, dazu Musik, die zwischen sakralem Pop, gruselndem Gothic-Rock und opulentem Sixties Pop (welcher Phil Spector und The Ronettes ebenso im Hinterkopf hat wie die Liaison zwischen Nancy Sinatra & Lee Hazlewood), hin und her springt (oder besser: schwebt).
    Ein äußerst ungewöhnliches Album, teils sperrig und verstörend, teils bewegend und ergreifend.
    Wie ungewöhnlich dieses Projekt ist, belegt vielleicht die Live Darbietung von "I Knew It Was Over" während einer Messe in der Peterskirche in Rom, die nicht nur vom Vatikan abgesegnet wurde, sondern (wohl) auch in Anwesenheit von sieben Kardinälen und des Papstes statt fand.




    They do employ alt-rock touchstones. Over the course of 35 minutes, Cat's Eyes stir up the spirits of Cowboy Junkies, My Bloody Valentine (who had a big effect on the Horrors' last album), and, when Badwan and Zeffira combine voices, Nancy Sinatra and Lee Hazlewood. Backed by guitars and drums under a screen showing fragments of black-and-white films, they are not reinventing the wheel, but are inarguably striking.

    The first few songs, which include a Pink Floyd cover, Lucifer Sam, do not have what you would call structure; instead, they derive their clout from the ethereal sighs of Zeffira and a backing vocalist. During The Best Person I Know, a shoegazing throwback of organ and vocal, the backing singer literally stares at her footwear. Are Badwan's eyes glazing over? No – he is readying himself for the distortion-pop assault of Face in the Crowd, which gives listeners a resounding thwack in the head. Then the delicate I'm Not Stupid delivers a lovely surprise: a female choir appear in the balcony to add feathery harmonies.

    Despite the drifty troughs, there are enough peaks here to make Cat's Eyes a side project worth listening out for.
    (guardian.co.uk)




    Cat's Eyes, zwar nicht in Kirchen und Domen, aber immerhin live in Deutschland:

    21.05.11 Köln, Gebäude 9
    24.05.11 Berlin, Magnet
    25.05.11 München, 59:1
  • The Sounds - Something To Die For

    The Sounds - Something To Die For




















    Vielleicht sollte ich wirklich dazu übergehen hier nur noch die Kommentare zu lesen und einfach immer alles gegen die Kritik der Richter kaufen. Das funktioniert scheinbar sehr gut ;-)
    (Volker)

    Dann nimm das, Volker!

    Nanu, eine neue Ace of Base Single? Diese Frage könnte man sich bei "It's So Easy", dem ersten Song der neuen Platte von The Sounds berechtigterweise stellen. Das nachfolgende "Danc With The Devil" klingt wie ein typischer Pet Shop Boys Song aus den Achzigern, inklusive des in "Paninero" oder "I Want A Dog" verwendeten Loweschen Sprechgesangs. "The No No Song" verbindet quengelnde Strokes-Gitarren mit Dance-Pop und man beginnt sich zu fragen - und im weiteren Verlauf wird es nicht gerade besser -, ob der Titel nicht auch auf das Album übertragbar ist: "The No No Album". Das passt, denn für diese Platte möchte sicherlich niemand sein Leben lassen.
    Zu vorhersehbar, glatt und austauschbar bleiben The Sounds. Konnte man früher bei The Ark und deren Synthese aus Pop, Glam Rock und New Wave noch Selbstironie heraus hören, so scheinen es Maja Ivarsson und ihre Mannen tatsächlich ernst zu meinen. Ihre Entscheidung, in Eigenregie zu produzieren war nicht besonders glücklich, da Impulse von außen sicherlich weitergeholfen und Schlimmeres verhindert hätten. Das Schielen auf Mainstream und Charts jagt einem während des Hörens Schauer über den Rücken. Und zwar keine wohligen. Das akustisch gehaltene "Wish You Were Here" entschädigt einen am Ende dann zumindest fürs Durchhalten.

    Der Opener, „It’s So Easy“, lässt Schlimmes befürchten. Eine gesichtslose Elektro-Pop-Wave-Nummer, die man schon vergessen hat, bevor sie zu Ende ist. Ganz so schlimm geht es zwar nicht weiter, aber die Band um Sängerin Maja Ivarsson und Gitarrist Felix Rodriquez schielt in Richtung kommerzielle Verwertbarkeit. An und für sich ist das ja kein besonderer Makel, aber in diesem Fall geht das Ganze komplett nach hinten los.

    Wohl auch, weil die Schweden diesmal auf einen Produzenten verzichtet und alles selbst in die Hand genommen haben. Das erklärt die klangliche Eindimensionalität des Albums. The Sounds haben sich mit Something To Die For nicht weiterentwickelt, sondern ihren Sound nur in die Breite ausgedehnt. Die Band wirft zwar in Songs wie „Won’t Let Them Tear Us Apart“ mit durchaus gut gemeinten Zitaten, vor allem aus den 80er-Jahren, nur so um sich, aber zu einer eigenen musikalischen Handschrift führt das nicht.
    (musikexpress.de)



    Das Album erstreckt sich über eine grandiose Vielfalt und bedient dabei fast jeden Geschmack. So bildet es beispielsweise auch den Ersatz für das typische Automixtape.

    In der Mitte des Albums gelangt man zum Titelsong Something to die for. Dieser macht gleich am Anfang klar, warum er den Tonträger betitelt. Er repräsentiert das Album mit seiner Soundvielfalt, mit klugen Textpassagen und mit einer in sich geschlossenen Harmonie. Eine Harmonie, die das schwedische Fünferpack im Übrigen auch auf der Bühne repräsentieren kann. Geschlossen und vor allem echt tritt das Quintett vor das Publikum. Das Ganze wird unterstützt von einer gehörigen Portion Selbstvertrauen, aber genau diese sollte bei dieser Band selbstverständlich sein. Sie können es sich leisten.

    Beachtlich am neuen Werk der The Sounds ist auch der Faktor, dass der Hörer ein bisschen an der Nase herumgeführt wird. Wie die Sounds das machen? Mit Sounds. So passiert es doch recht häufig, dass der Beginn eines Songs eine komplett andere Erwartung an den Rest des Liedes aufwirft, als es später zu vernehmen ist. Das Gute an der Sache ist, dass die Anfangserwartung stets übertroffen wird.

    Am Ende des Albums stehen die Songs The Best Of Me und Wish You Were Here. Ersterer erscheint wie eine Art Resümee. »Wir haben es geschafft!« könnte die Aussage darüber sein, da er den großartigen Abschluss des Albums einleitet. Interessant wäre es zu wissen, ob der Song auch als einer der letzten produziert wurde. Wish You Were Here beginnt, wie ein letzter Song auf einer grandiosen Platte anfangen muss: Mit einer akustischen Gitarre. Es entwickelt sich eine Ballade, die den Hörer abschließend noch einmal an die Hand und mit auf eine kurze Reise nimmt. Am Ende lässt sie los und man steht alleine da. Im Idealfall ist genau hier der Zeitpunkt gekommen, um Something to die for noch mal zu hören.
    (titel-magazin.de)

  • Malachai – Return to the ugly side

    Malachai – Return to the ugly side

    cover

    Die Band Malachai (ehemals Malakai) stammt aus Bristol und das Debütalbum “Ugly side of love” wurde von Portisheads Geoff Barrow produziert. Diese beiden Tatsachen sagen schon einiges über das zu erwartende Resultat aus.

    Das zweite Album “Return to the ugly side” entstand ohne nennenswerte Beiträge des Portishead-Masterminds aber nach Bristol passt Malachai noch immer und Portishead-Sphären erreichen sie ab und zu auch ohne ihn. Das Duo (Gary Ealey und Scott Hendy) liefert eine wilde Soundcollage ab, die man in ähnlicher Form von Massive Attack oder Unkle erwarten könnte. Da werden auf eine Trip-Hop Plattform verschiedenste Elektro-Stile hemmungslos kombiniert. Das klingt mal nach einem James Bond-Soundtrack, zu erfreulich großen Teilen nach Unkle zu Psyence Fiction-Zeiten und wären die Männer von The Prodigy mit dem Alter “milde” geworden, könnte auch einige Songs von ihnen stammen.

    CDStarts.de vergleicht “Return to the ugly side” mit dem Vorgängeralbum:

    Worin sich „Return To The Ugly Side“ am meisten vom Debüt unterscheidet ist also seine dramaturgische Stringenz. Alpdruckartig wankt man beim hören gleich durch mehrere diffuse Träume, doch der Wolkenhimmel bleibt die ganze Zeit bedrohlich geladen und tiefdunkel. […] Die Drums- und Percussionsamples sind auch im Weiteren das, was „Return To The Ugly Side“ pointiert zu gefährlich guter Musik werden lässt.

    Die Kürze der Songs (nur drei der 14 Tracks werden mehr als drei Minuten Dauer eingeräumt) macht “Return to the ugly side” zu einem sehr dichten und abwechslungsreichen Sounduniversum. Besonders wird dieser Schmelztiegel durch Ealeys markante Stimme, den Anklang britischen Pops der 60er Jahre und die recht harte Rock- und Hip-Hop Elemente. Letztere sind auch für die begrüßenswert düstere Grundstimmung verantwortlich.

    Besonders gut kommen bei mir die Songs “Monsters”, “Mid antartica”, “The don’t just” und “Let ‘em fall” an. Portishead- und Unkle-Fans könnten an diesem Album Freude finden.

    Das Video zu “Let ‘em fall”:

    Dort gibt es einige abwechslungsreiche Malachai-Mixtapes im Stream.

  • Architecture In Helsinki – Moment Bends

    Architecture In Helsinki – Moment Bends




















    Drei Viertel aller finnischen Gebäude wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut. Daher sind nicht häufig Bauten im Stil des Funktionalismus, dessen bedeutendster Repräsentant Alvar Aaltos war, und des Modernismus anzutreffen.
    Eindrucksvolle Beispiele sind das Hauptgebäude der Technischen Universität und die Finlandia-Halle in Helsinki. Im Jahre 1987 entstand dort auch das Einkaufszentrum Itäkeskus, das den gleichen Charme ausstrahlt wie zeitgleich entstandene Gegenstücke in deutschen Großstädten.
    Das führt uns auch zu „Moment Bends“, das seine Geburtsstunde ebenfalls Mitte der 80er Jahre haben könnte und im Vergleich zu den anderen, eindrucksvollen Platten von Architecture In Helsinki nur bedingt zu glänzen und zu überzeugen weiß.

    Verabschiedet hat man sich vom Twee Pop früherer Tage, weggeschlossen wurden die zahlreichen Saiten-, Blas- und Schlaginstrumente, dafür wurden Synthies und Keyboards eingestöpselt. Quietschfidel ist der Sound der Australier immer noch, auch die ein oder andere wiedererkennbare Melodie ist ihnen gelungen, aber mit dem 80er Jahre Retro-Sound, der sich in den schlimmsten Momenten an R&B anbiedert, und der allzu glatten Produktion ging leider auch das Besondere von Architecture In Helsinki verloren.



    Moment Bends ist glatt und euphorisch, ideenreich, aber subtil, damit der Einfallsreichtum nicht gleich so auffällt – ein PS-starkes Popalbum, das sich auf Dauer als Grower erweist. Die Songs, bei denen Bandchef Cameron Bird das Mikrofon an Kellie Sutherland abtritt, also die erste Single That Beep oder W.O.W., gehen ohne Anlauf in die Vollen: wie Saint Etienne im Autoscooter. Ein bisschen World Music hier, knackkalte Elektronik dort – Architecture In Helsinki machen Musik für moderne Menschen.
    (intro.de)



    Entspannte Stücke wechseln sich mit schwungvollen Liedern ab, immer unterlegt von einem markanten Beat, der mal locker-peitschend, mal getragen-entspannt daherkommt und von einem fröhlichen, oftmals hüpfenden Bass vervollständigt wird. Garniert wird dieses Gerüst mit stets erfrischend-spritzigen Synthesizer-Tönen, die das Hoch und Tief einer solchen Synthie-Klaviatur komplett abdecken. Ihre Instrumente spielt die Band jedenfalls sehr lebhaft und mit großem Spaß.

    Warum nur bleibt kaum etwas von alledem im aufmerksam zuhörenden Ohr hängen? Die Rede ist nicht von klebrigen Ohrwürmern – die gibt es schließlich zuhauf. Vielmehr sind interessant und lohnenswert anzuhörende Stücke, die durch ihre Spannung glänzen, gemeint. Wahrscheinlich, weil “Moment Bends” ein glattes und geschmiertes, aber astreines Popalbum ohne Kanten ist, das einfach so durchläuft, auf die für Nachhaltigkeit nötigen Widerhaken jedoch verzichtet. Live ist das bestimmt ein großer Spaß, will man die Musik aber zu Hause hören, findet sich im Backkatalog von Architecture in Helsinki spannenderes und faszinierenderes wie das Vorgängeralbum “Places Like This”, das es sich eher zu Hören lohnt. Andererseits – so extrem kurzweilig wie auf “Moment Bends” gestalten sich die dreieinhalb Popminuten eines Liedes gar nicht so häufig.
    (byte.fm)


    Architecture In Helsinki kommen, um die Architektur in Köln und Berlin zu betrachten:

    18.04.11 Köln, Gebäude 9
    20.04.11 Berlin, Maria
  • Glasvegas – Euphoric /// Heartbreak \\\

    Glasvegas – Euphoric /// Heartbreak \\\




















    So kann es kommen:
    Eine Band wird von Alan McGee entdeckt, veröffentlicht erfolgreich erste Singles auf einem Indielabel, wechselt anschließend zu einem Major (Columbia), räumt mit dem Debütalbum „Glasvegas“ in den englischen Charts (Platz 2) ab, bestreitet eigene Tourneen in größeren Hallen und bespielt die bekanntesten Festivals.

    So kann es aber auch weiter gehen:
    Die guten Songs („Geraldine“! „It's My Own Cheating Heart That Makes Me Cry“!) wurden für das erste Album verwendet, schnell müssen neue (oder weniger gute alte) Lieder für das zweite Album her. Da landet plötzlich ein Song wie „You“ auf der Platte, der nichts zu bieten hat als einen, eben aus diesem einen, in die Länge gezogenen und mehrmals wiederholten Wörtchens bestehenden Refrain, oder „Whatever Hurts You Through The Night“, das sich als fürchterlich kitschiges Überbleibsel aus der Weihnachtsplatte „A Snowflake Fell (And It Felt Like A Kiss)“ entpuppt.
    Ausgestattet mit dem Vorschuss der Plattenfirma wird mit Flood (Depeche Mode, Placebo, Editors) ein bekannter Produzent verpflichtet, der in einem teuren Studio noch die kleinste Idee zu einem pompösen Nichts aufbauschen kann. In den wenigen guten Momenten („Euphoria, Take My Hand“, „Lots Sometimes“) ist ein akuter U2ismus zu attestieren, ansonsten ist eine zunehmende Runrigisierung von Glasvegas nicht zu verleugnen.
    Vielleicht lassen sich fehlende Ideen mit einem bedeutungsschwangeren Albumtitel überdecken, denn die Schrägstriche stehen laut Mastermind James Allen für "the ascent, the crest of a wave, and then the crash." Spoken Word Beiträge, wie hier im Opener „Pain Pain, Never Again“ und dem abschließenden „Change“ zielen in die gleiche Richtung. Wäre doch jemand vor Ort gewesen, der die vier Schotten mit dem Hinweis, dass weniger oft mehr ist, vor zu viel Bombast und Größenwahn bewahrt hätte!

    Die Anzahl der beim Hören des Platte frei gesetzten Dopamine und Endorphine erleichtert es einem, sich als Fazit gemäß dem Albumtitel zwischen „Euphoric“ und „Heartbreak“ zu entscheiden.



    Darf man eine Band, die noch vor nicht allzu langer Zeit als wichtigste und beste schottische Kapelle bezeichnet wurde, des Irrsinns bezichtigen? Irrsinn, weil keiner der Songs auf „Euphoric ///Heartbreak\\\“ ohne diese vollkommen übertriebene Dosis pompösen Glamours auskommt, ja nur schwerlich bestehen könnte? Eingerahmt vom sphärischen Intro „Pain Pain, Never Again”, bei dem eine Freundin des Frontmanns James Allan aus Montreal zu hören ist, und der ebenso tragenden Schlussnummer “Change” (hier Allans Mutter am Mikro) übergießen Titel wie „Euphoria, take my Hand“, „Lots sometimes“ oder “You” den Hörer mit einer nur schwer zu greifenden Mixtur aus markantem, aber auf Dauer an den Nerven zehrendem Gesang, meilenweiten Synthie-Flächen und Gitarreneffekten, bei denen selbst U2s The Edge noch die Kinnlade gen Süden streben würde.
    Melodien haben die Songs allesamt im Überfluss, aber nur wenige davon tragen eine ausreichende Ladung Nachhaltigkeit in sich. Da wird höchst repetitiv ein und das selbe durchschnittlich ansprechende Motiv immer wieder strapaziert, während das Schlagzeug unter den Fittichen der neuen Drummerin munter das Bumm-Tschikk spielt und wenn da nicht die Songs wie „Shine like Stars“ oder „Whatever hurts you through the Night“ (erinnert ja doch sehr an T’Pau und Richard Marx) wären, die mehr Struktur und Einfallsreichtum beweisen, könnte man sich wirklich fragen, was Glasvegas da im Studio (oder in der Sonne Kalifornias – dort ist das Album zusammen mit Produzent Flood entstanden) getrieben haben. Man darf hier und da doch schon verwundert den Kopf schütteln - und doch ist da dieser leise Anflug von Reue, wenn „Shine like Stars“ oder „Whatever hurts you through the Night“, diese natürlich ebenfalls gnadenlos überbaute, aber doch sehr eindringliche Vertonung eines Road Movies ihren Weg in die Ohren findet.
    (valve-magazin.de)

    Auf “Euphoric /// Heartbreak \\\” ist alles groß: die Geste, der Weltschmerz, das Leiden, die Liebe, der Sound. Nur wirkt diese Größe hier ein wenig aufgeblasen. Wie ein Hefeteig, der bei der geringsten Berührung in sich zusammenfällt. Von den ersten Tönen des dramatischen Intros bis zu den letzten, gesprochenen Worten von “Change” ist das zweite Album der Schotten darauf aus, Eindruck zu schinden. Es drängt sich quasi auf die große Bühne. Trotzdem scheint noch immer das außerordentliche Talent der Band durch.
    Am besten gefallen mir eigentlich die Songs, die ein wenig Luft zum Atmen haben und nicht duch Powerchords und Bombast-Refrains erdrückt werden. Das spannende “I Feel Wrong (Homosexuality Part I)” zum Beispiel oder auch “Lots Sometimes”, welches sich über sechs Minuten kontinuierlich aufbaut und in einem Drama endet. Auch das bereits erwähnte “The World Is Yours” ist ein großartiger Song, trotz des mächtigen Sounds. Oder “Euphoria, Take My Hand”, auch wenn es sich ein wenig im Dunstkreis von Coldplay (“Life In Technicolor”) bewegt.
    Ein durchwachsenes zweites Album mit einer handvoll guter Songs, etwas zu bombastisch produziert.
    (nicorola.de)


    Glasvegas in Deutschland:

    14.05.11 Köln, Live Music Hall
    15.05.11 Berlin, Postbahnhof
    17.06.11 Scheessel, Hurricane Festival
    18.06.11 Neuhausen op Eck, Southside Festival
  • The Kills - Blood Pressures

    The Kills - Blood Pressures




















    The Kills sind Alison Mossharts leicht rauchiger Gesang und Jamie Hinces dreckig-knarzige Gitarrenriffs. Hinzu kommen schlicht polternde Beats, um die sich hauptsächlich der Drum-Computer zu kümmern hat. Schmückendes Beiwerk schenken sich die Beiden größtenteils, wie ich mir die Erwähnung von Kate Moss oder die Vergleiche zu den White Stripes.

    "Blood Pressures", das vierte und von Tom Elmhirst (Amy Winehouse, Goldfrapp, Hot Chip) abgemischte The Kills-Album, startet mit "Future Starts Now", "Satellite" und "Heart Is A Beating Drum" genau so, wie man es nach dem tollen Vorgänger "Midnight Boom" (2008) erwarten durfte. Nach Mossharts Zusammenarbeit mit Jack White bei The Dead Weather und der Ankündigung, dass die neue Platte deutlich reduzierter als ihre Vorläufer sein werde, war bereits zu befürchten, dass ein deutlicher Schritt in Richtung Blues und Stonerrock erfolgen würde. Da und durch Songs wie "Nail In My Coffin", "DNA" oder "Damned If She Do" muss der Hörer nun durch. Ob man bei einer Sängerin von Mossharts Kaliber wirklich einen von Hince gesungenen Song nahe der Lagerfeuer-Romantik ("Wild Charms") braucht, sei hiermit kritisch hinterfragt. Als Höhepunkt des Albums und eine absolute Überraschung präsentiert sich die Piano- und Streicher-Ballade "The Last Goodbye", in der Mosshart eine extrem soulige Darbietung abliefert. Unterlegt ist es mit dem Knistern und Knirschen einer alten Langspielplatte, die den Retro-Charakter, der sich komplett durch "Blood Pressures" zieht, noch unterstreicht.




    Wie The Kills live waren, verrät Oliver im Konzerttagebuch.

    Blood Pressures klingt eckig und schmutzig, nach alten Gitarren und kaputten Drums, nach Schmerz, Sehnsucht und Selbstzerstörung. An jeder Ecke knattert, knistert, knirscht und zischt es. Man weiß nicht genau, aus welcher verstaubten Spielzeugkiste Jamie Hince das Optigan ausgegraben hat, ein Keyboard aus den frühen 70ern. Das verleiht der Platte den nötigen Vintage-Sound und auch Streicher werden durch das Optigan in die Songs integriert, wie in Last Goodbye, dem stillsten Song auf Blood Pressures – eine leise Ballade mit Klavierbegleitung.

    Doch auch die Kills-typischen knarzigen Gitarren, die teilweise verstimmt klingen und dem englisch-amerikanischen Duo eine gewisse punkige Attitüde verleihen, fehlen auf Blood Pressures nicht. Im Opener Future Starts Slow klingen sie trotzig, in Nail In My Coffin röhren und quietschen sie und in DNA klingen sie einfach nur rotzfrech und extrem lässig. Alles auf's Wesentliche reduziert, nicht zu dick aufgetragen – Lo-Fi eben. Kombiniert mit dem zügellosen Gesang von Alison Mosshart, die faucht und zugleich schreit, ergibt sich so der düstere und eigenwillige Charme der Kills.
    (detektor.fm)
  • Erland And The Carnival - Nightingale

    Erland And The Carnival - Nightingale




















    "Let's do the time warp again!" Erland And The Carnival entführen uns erneut in die 60er und 70er Jahre. Damals erscheinen die Alben noch fast im Jahrestakt und genau so handhabt es auch das Quintett um Sänger Gawain Erland Cooper und das ehemalige Mitglied von The Verve und Blur Simon Tong, denn deren Debütalbum ist nicht einmal 15 Monate alt. Dem Sound entspricht das antiquierte Plattencover, passend zur Qualität von "Nightingale" ist das darauf befindliche, Luftsprünge vollführende Mädchen. Diese Platte mit ihrer Mixtur aus folkigem Britpop mit psychedelischem Einschlag überzeugt so sehr, wie sie überrascht, denn das Debüt basierte im Gegensatz zu "Nightingale" noch auf Interpretationen alter englischer und schottischer Folksongs. "Emmeline" und "Springtime" sind die Hits, die das letzte The Coral Album vermissen ließ, "I'm Not Realy Here" mit seinen spooky Orgelsounds wäre die ideale Untermalung für jede Edgar Wallace-Verfilmung und - wenn wir schon bei schwarz-weißen Bildern sind - "This Night" verlangt regelrecht nach einer Visualisierung im Stile eines Auftritts im legendären Beatclub.



    Mit elektronischen Hilfsmitteln wurde der Longplayer in einem alten Schiff aufgenommen, welches seit Jahren auf der Londoner Themse vor sich hin modert. Diese Tatsache erklärt sicherlich diese extreme Kreativität und Verspieltheit, die man auf Nighingale findet. Nichts will typisch klingen, oder wie einmal gehört. Dazu kommt dann noch das Talent es nicht belanglos sondern fesselnd aufzunehmen. Lieder, die im Gedächtnis haften bleiben.

    Und nebenbei klingen die 13 Stücke folkig und irgendwie auch psychedlisch. Eine seltsame aber auch frische Mischung. Alles wirkt leicht düster und als würde nur der Mondschein für winziges Licht sorgen. Mit viel Liebe zum Detail wurde ein Sound entwickelt, der vielversprechend süchtig macht. Bestes Beispiel ist sicherlich Wealldie, mit dem wohl wenig ansprechendem Titel, aber extrem verspielten Klänge lenken davon ab. Wenn der Gesang ein Gang zurück genommen wurde und ein kaputt klingendes Schlagzeug im Vordergrund steht, lauscht man ungewohntes Terrain.
    Auf jeden Fall eine Steigerung zum Vorgänger, der ein wenig in der Masse unterging. Der Nachfolger dagegen weißt Stärke und Eigensinn. Selbst wenn manche Tracks gruselig klingen, hier steckt Leben drin. Von Erland & The Carnival werden wir garantiert noch mehr in 2011 hören und sehen.
    (der impuls)



    Die späten Sechziger und frühen Siebziger Jahre bleiben mit Folk und Psychedelic Rock der Kern der Inspiration, doch wählen Stücke wie das eingängige „Springtime" und die im Albumdurchschnitt eher schwache Vorabsingle „Map Of An Englishman" musikalisch modernere Wege und ersetzen die Hammondorgel durch wavig klingende Synthies. Am stärksten bleiben Erland & The Carnival, wenn sie Gruselgeschichten erzählen, die aus uralten Zeiten zu stammen scheinen und damit eine derartig dichte Atmosphäre kreiiern wie im bedrohlichen „Emmeline" oder dem Titeltrack. Ein weiterer Höhepunkt findet sich in dem fragilen Folksong „East & West". Die zarte Melodie klingt vertraut, so als habe man dieses Lied bereits in einem Dutzend von Frühlingen gehört, schwach in der Ferne, wie durch das offene Fenster hereingetragen. Heimat statt anheimelnd, die Art Lied, die man zum Einschlafen und Aufwachen zugleich hören möchte.
    (crazewire.de)


    Erland And The Carnival auf Tour:

    27.04.11 Köln, Blue Shell
    28.04.11 Hamburg, Prinzenbar
    29.04.11 Berlin, Privatclub
    30.04.11 Dresden, Beatpol
    02.05.11 Frankfurt, Das Bett
    06.05.11 Schorndorf, Manufaktur
  • Die 10 besten Alben von Stephen Duffy

    10. Stephen Duffy - The Ups And Downs (1985)
    9. The Lilac Time - lilac6 (2001)
    8. The Lilac Time - Paradise Circus (1989)
    7. Stephen Duffy and The Lilac Time - Keep Going (2003)
    6. The Lilac Time - The Lilac Time (1987)
    5. Stephen Duffy - Duffy (1995)
    4. The Lilac Time - And Love For All (1990)
    3. Stephen Duffy featuring Nigel Kennedy - Music In Colours (1993)
    2. The Lilac Time - Astronauts (1991)
    1. Stephen Duffy - I Love My Friends (1998)

    (ausgewählt von Dirk)