Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

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Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Urteilsverkündung durch Volker (2017)

    Urteilsverkündung durch Volker (2017)





    Ein für mich gutes musikalisches Jahr 2017 neigt sich dem Ende zu (wie gut das Jahr war, zeigt sich schon daran, dass es wirklich von mir hoch bewertete Alben wie das von The National, Conor Oberst, Underground Lovers, Manchester Orchestra oder Elbow nicht unter die besten 30 geschafft haben). Es sind leider weiterhin noch nicht alle Platten gehört (The Magnetic Fields, Destroyer, Jessie Ware u.a.), aber aus den Gehörten lässt sich dennoch spielend eine Top 30 zusammenstellen.
    Alte Helden hatten auch bei mir Konjunktur, wobei Noel mal wieder vor Liam landet. Aber auch andere britische Urgesteine kamen zu ihrem Recht, Slowdive, Ride, Shed Seven, Michael Head (Shack) komplettierten die britische Reunion.
    Ansonsten wie üblich viel Deutschsprachiges, ein Hauch von Country und Härte und und etwas französisches Flair. (fast hätte es auch Mali noch in die Liste geschafft, allerdings kam das Album von Oumou Sangaré so kurz vor knapp auf meinen Schirm, dass ich es nicht noch als Schnellschuss unterbringen wollte. Reinhören lohnt aber!)
    Ganz oben findet sich allerdings mein erstes 10-Punkte-Album seit sehr langer Zeit. Mit Deacon Blue Sänger Ricky Ross auch ein meiner alten Helden. Ein Zeichen fortschreitenden Alters?



    01. Ricky Ross – Short Stories Vol.1
    02. Jason Isbell & The 400 Unit – The Nashville Sound
    03. Klez.E – Desintegration
    04. Alphaville – Strange Attractor
    05. Noel Gallagher's High Flying Birds – Who Built The Moon
    06. Max Prosa – Keiner Kämpft Für Mehr
    07. Pain Of Salvation – In the Passing Light Of Day
    08. Gisbert zu Knyphausen - Das Licht Dieser Welt
    09. U2 – Songs Of Experience
    10. Judith Holofernes – Ich Bin Das Chaos

    11. The Jesus And Mary Chain – Damage And Joy
    12. LCD Soundsystem – American Dream
    13. Kettcar - Ich vs. Wir
    14. Trevor Sensor – Andy Warhol’s Dream
    15. Alex Cameron – Forced Witness
    16. Slowdive - Slowdive
    17. The Katherines – To Bring You My Heart
    18. Brand New – Science Fiction
    19. Helgen - Halb Oder Gar Nicht
    20. Faber – Sei Ein Faber Im Wind

    21. Lana Del Rey - Lust For Life
    22. Kirin J Callinan - Bravado
    23. Michael Head & The Red Elastic Band – Adiós Señor Pussycat
    24
    . Arcade Fire – Everything Now
    25. Shed Seven – Instant Pleasures
    26. Nick & June – My November My
    27. Tristen – Sneaker Waves
    28. Liam Gallagher - As You Were
    29. Ride – Weather Diaries
    30
    . Camille – OUÏ


  • Urteilsverkündung durch Oliver (2017)

    Urteilsverkündung durch Oliver (2017)



    Leider haben es die Chromatics dieses Jahr nicht in meine Top 30 geschafft. Was? Ach so, die haben es gar nicht geschafft, dieses Jahr überhaupt ein Album rauszubringen? Das entwickelt sich ja zu einem Running Gag. Wie? Ach so, das ist es schon längst? Na ja, so ist immerhin mehr Platz für andere Platten:





    01. The War On Drugs – A Deeper Understanding
    02. Slowdive – Slowdive
    03. Klez.e – Desintegration
    04. Mt. Wolf – Aetherlight
    05. Manchester Orchestra – A Black Mile To The Surface
    06. Einar Stray Orchestra – Dear Bigotry
    07. Shed Seven – Instant Pleasures
    08. QTY – QTY
    09. Cigarettes After Sex – Cigarettes After Sex
    10. Max Richter – Three Worlds

    11. The National – Sleep Well Beast
    12. Lea Porcelain – Hymns To The Night
    13. Ride – Weather Diaries
    14. The xx – I See You
    15. alt-J – Relaxer
    16. Fast Romantics – American Love
    17. Communions – Blue
    18. Pale Seas – Stargazing For Beginners
    19. Heat – Overnight
    20. Indochine – 13

    21. Cloud Nothings – Life Without Sound
    22. Mark Lanegan Band – Gargoyle
    23. Marc Almond – Shadows And Reflections
    24. Billie The Vision & The Dancers – What’s The Matter With You Boy?
    25. Elbow – Little Fictions
    26. Tom Hickox – Monsters In The Deep
    27. Underground Lovers – Staring At You Staring At Me
    28. The Luxembourg Signal – Blue Field
    29. Foxygen – Hang
    30. Love A – Nichts ist neu


    Dies und ein paar meiner Lieblingssongs 2017 findet Ihr hier:



  • Urteilsverkündung durch Ingo (2017)

    Urteilsverkündung durch Ingo (2017)























    Musikalisch steht 2017 für mich für keine überragenden aber viele gute Alben. Nur vier echte Debüts (Pale Seas, Inheaven, Tom Adams und Mt. Wolf) schafften es in meine Top 30 und dazu zwei "Debüts" von Künstlern, die eigentlich nicht mehr als Debütanten durchgehen (Billy Corgan und Liam Gallagher). Ansonsten treffen sich alte Bekannte. Das sind meine Lieblingsalben des Jahres:













    1.   Einar Stray Orchestra - Dear bigotry
    2.   Pale Seas - Stargazing for beginners
    3.   Algiers - The underside of power
    4.   Fever Ray - Plunge
    5.   War On Drugs - A deeper understanding
    6.   The Jesus And Mary Chain - Damage & joy
    7.   Mount Eerie - A crow looked at me
    8.   Underground Lovers - Staring at you staring at me
    9.   Alt-J - The relaxer
    10. Girls In Hawaii - Nocturne
     
    11. The National - Sleep well beast
    12. Manchester Orchestra - A black mile to the surface
    13. Tom Hickox - Monsters in the deep
    14. Big Thief - Capacity
    15. Björk - Utopia
    16. Kasabian - For crying out loud
    17. The XX - I see you
    18. William Patrick Corgan - Ogilala
    19. Inheaven - In heaven
    20. Echobelly - Anarchy and alchemy

    21. Tom Adams - Silence
    22. Liam Gallagher - As you were
    23. Wolf Alice - Visions of life
    24. Loney, Dear - Loney dear
    25. Blaudzun - Jupiter (Part II)
    26. Elbow - Little fictions
    27. Public Service Broadcasting - Every valley
    28. Los Campesinos! - Sick scenes
    29. Mt. Wolf - Aetherlight
    30. Makthaverskan - III
  • Urteilsverkündung durch Dirk (2017)

    Urteilsverkündung durch Dirk (2017)





















    Die Rückkehr alter Helden (Slowdive, Ride, The Jesus And Mary Chain), Noel vs. Liam, endlich wieder einmal viele tolle Platten aus Schweden (Säkert!, Loney Dear, Jens Lekman, Billie The Vision & The Dancers) und leider ganz wenig Debütalben (Cigarettes After Sex, The Dayoffs, Vil). 

    Hier sind meine 30 persönlichen Lieblingsalben 2017:











    1. Slowdive - Slowdive
    2. Säkert! - Däggdjur
    3. The XX - I See You
    4. Noel Gallagher's High Flying Birds - Who Built The Moon?
    5. Cigarettes After Sex - Cigarettes After Sex
    6. Dillon - Kind
    7. Secret Shine - There Is Only Now
    8. Loney, Dear - Loney Dear
    9. Underground Lovers - Staring At You Staring At Me
    10. Billie The Vision & The Dancers - What's The Matter With You Boy?

    11. Arcade Fire - Everything Now
    12. Liam Gallagher - As You were
    13. Jens Lekman - Life Will See You Now
    14. alt-j - Relaxer
    15. Blaudzun - Jupiter (Part 2)
    16. Monster Movie - Keep The Distant Voices
    17. Saint Etienne - Home Counties
    18. Wooden Arms - Trick Of The Light
    19. Ride - Weather Diaries
    20. Feist - Pleasure

    21. Dear Reader - Day Fever
    22. Kettcar - Ich vs. wir
    23. The Dayoffs - The Dayoffs
    24. The Pains Of Being Pure At Heart - The Echo Of Pleasure
    25. Love A - Nichts ist neu
    26. The Jesus And Mary Chain - Damage And Joy
    27. Vil - Mens Vi Falder Stille
    28. Morrissey - Low In High School
    29. Tom Hickox - Monsters In The Deep
    30. Pete Fij / Terry Bickers - We Are Millionaires



  • Gisbert zu Knyphausen - Das Licht dieser Welt

    Gisbert zu Knyphausen - Das Licht dieser Welt



















    Die Übersehenen (IX)

    Da habe ich doch gestern tatsächlich bei den Bestätigungen für das A Summer’s Tale Festival den Liedermacher Gisbert zu Knyphausen vergessen. Welch ein Zufall, dass auch sein drittes Album „Das Licht dieser Welt“ seit Ende Oktober auf seine Vorstellung hier wartet!

    Nicht vergessen haben ihn seine Fans, denn obwohl sein letztes reguläres Album „Hurra! Hurra! So nicht.“ bereits 7 Jahre zurück liegt, kauften sie die von Jean-Michel Tourette (Wir sind Helden) produzierte Platte bis auf Platz 10 der deutschen Charts. Die vielen guten Plattenkritiken belegen, dass die Käufer zuhause nicht unzufrieden gewesen sein dürften, die vielen ausverkauften Konzerte bestätigen diese These. 

    Bei mir hat Gisbert sowieso ein Stein im Brett: Denn als ich bei seinem Label nachfragte, ob man auch eine instrumentalen Version von "Immer muss ich alles sollen" kaufen könne, weil wir dieses Lied gern mit mehreren Klassen auf einer Schulfeier aufführen wollten, schickte mir der Künstler selbst kurze Zeit später ohne viel Federlesens das Instrumental zu.  


    Fröhlicher geht es deshalb trotzdem nicht zu, der 38-Jährige begibt sich weiter auf Sinnsuche, singt in poetischen Zeilen von verlorenen Leben, Einsamkeit, Kindstod, Demenz, Sterbehilfe, Sehnsüchten oder dem ganzen Irrsinn dieser Welt. Auch musikalisch stellt sich der Hesse neu auf, die Gitarre gibt ihre Dominanz ab, Keyboards und Bläser tauchen auf. Im Opener „Niemand“ donnern die Drums wie bei Phil Collins’ „In The Air Tonight“, und „Cigarettes & Citylights“ zeigt den Liedermacher von einer lässigen und jazzigen Seite.Kein Song des Albums fällt durch, aber einer auf: „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall“. Man ahnt schon beim von den Bremer Stadtmusikanten entlehnten Titel, um wen es hier geht. Tatsächlich schlüpft Gisbert zu Knyphausen in die Rolle von Nils Koppruch, der dieses Lied zu Lebzeiten begonnen hatte. Ganz am Ende taucht der Tote dann aus dem Off auf und singt aus der Entfernung ein paar Zeilen … (musikexpress)




    Die Tragik des allein gelassenen Vaters in »Sonnige Grüße aus Khao Lak, Thailand«, die unsagbar tiefe Liebe des Titelsongs, der jedem neuen kleinen Menschen dieser Welt gehört, zwei erstmals englischsprachige Songs – sie alle beweisen: Wie Gisbert schreibt und singt, kann das sonst keiner. Die ungeheure Weisheit dieses Albums, die musikalische Öffnung in breitere Klangwelten, die oft kaum erträgliche emotionale Tragweite seiner Songs: All das macht dieses dritte Knyphausen-Album zur besten deutschsprachigen Platte des Jahres. Wenn Kettcar mit ihrem »Ich & wir« nichts dagegen haben.(intro)




    (…) wobei Sterben, wie wir von Gisbert zu Knyphausen erfahren, ebenso schön wie das Leben sein kann, weil das eine wie das andere einem zu schenken vermag, wonach man sich als Mensch doch im Innersten sehnt: Freiheit.Wer so denkt und traurige Männer mag oder selbst einer ist oder einem traurigen Mann ein schönes Geschenk machen möchte – denn Weihnachten steht, wie zu Knyphausen auf diesem Herbstalbum zutreffend feststellt, vor der Tür –, der sollte zu „Das Licht dieser Welt“ greifen. Die zwölf Songs sind mit Klavier und Gitarre und gelegentlichen stimmungsaufheiternden Bläsereinsätzen ansprechend instrumentiert und gefühlvoll getextet, auch wenn die Versform (reimt sich „Speaker“ wirklich auf „Kiefer“?) ab und zu klappert.(Rolling Stone)




    Gisbert zu Knyphausen unterwegs:

    Do 11.1.2018 in München

    Fr 12.1.2018 in Berlin
    
Sa 13.1.2018 in Flensburg

    So 14.1.2018 in Hamburg
    
Mo 15.1.2018 in Köln
    
Mi 17.1.2018 in Heidelberg

    Do 18.1.2018 in Losheim

    Fr 19.1.2018 in Bern
    
Sa 20.1.2018 in Basel

    So 21.1.2018 in Freiburg

    Di 23.1.2018 in Erlangen

    Mi 24.1.2018 n Dresden
    
Do 25.1.2018 in Wien
    
Fr 26.1.2018 in Graz

    Sa 27.1.2018 in Salzburg

    Mo 29.1.2018 in Wiesbaden

    Di 30.1.2018 in Dortmund
    
Mi 31.1.2018 in Bremen
    Do 1.2.2018 in Rostock
    
Fr 2.2.2018 in Magdeburg

    Sa 3.2.2018 in Erfurt
    
Mo 26.2.2018 in Hannover
    
Di 27.2.2018 in Zürich
    
Mi 28.2.2018 in Schorndorf
    Do 1.3.2018 in Köln
    Di 19.6.2018 in Kiel

    Do 21.6.2018 in Ulm



  • Kettcar - Ich vs. Wir

    Kettcar - Ich vs. Wir



















    Die Übersehenen (VIII) - Unterkategorie: GHvC-Spezial

    Apropos A Summer’s Tale: Es scheint in Mode gekommen zu sein, dass die Sommer-Festivals bereits im November und Dezember Teile ihres Lineups bekannt geben. Dem folgte auch eines meiner liebsten Festivals und gab mit Fury In The Slaughterhause, Passenger, Kat Frankie und Kettcar bereits erste Namen bekannt. Mit den Highlights (The National, Arcade Fire, Franz Ferdinand, Nick Cave) anderer Festivals, die ich in den letzten Jahren besuchte, kann dies nicht mithalten, ist aber zumindest ein guter Anfang. 

    „Ich vs. wir“ steht noch gar nicht so lang in meinem Plattenschrank (farbiges Vinyl im gestanzten Gatefold-Cover und 30x30cm Booklet), ist in meinen Augen aber deutlich besser gelungen als zuletzt „Sylt“ (2008) und „Zwischen den Runden“ (2012). Der Sound ist wieder dringlicher und gitarriger, die Texte weniger „befindlichkeitsfixiert“ als sozial engagiert und kritisch. Und noch eine weitere gute Nachricht, bevor wie zu den Videos zu „Sommer ’89“ und „Ankunftshalle“, vielen guten Plattenkriken und weiteren, oftmals bereits ausverkauften, Konzertterminen kommen: Marcus Wiebusch hat auf die Rap-Versuche seines Soloalbums „Konfetti“ (2014) verzichtet.


    "Ich vs. wir" ist keine Platte, die den Zweck verfolgt, ein paar Indie-Rock-Veteranen endlich mal wieder miteinander musizieren zu lassen. Kettcar sind angetreten, um notwendige Ausrufezeichen hinter notwendige Sätze zu stellen: moralisch, leidenschaftlich, folgerichtig. Auf die Frage bezogen, ob der Künstler eine Verantwortung gegenüber der eigenen Anhängerschaft, dem Rezipienten per se, oder auch dem Gesamtkonstrukt Gesellschaft trägt, haben Wiebusch und Co. hier ein knallhartes Exempel statuiert.(Plattentests)




    »Sommer 89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)« gab als erste Single im Vorfeld den Weg vor, es ist ein Plädoyer für Humanismus und privatpolitisches Engagement trotz widriger Umstände. Durch das Einziehen der AfD in den deutschen Bundestag braucht es Bands wie Kettcar, denn in diesen diffusen Zeiten liefern die Hamburger nun den wichtigen Protest-Soundtrack. Plumpes Dagegen-Sein ist nicht ihr Mittel, stattdessen die genaue Beobachtung der sich verschärfenden Zustände, die in ihrer Direktheit ins Herz trifft. Die Wut gegen kollektive Aufmärsche von rechts wird in »Wagenburg« thematisiert. 
    Aber auch mikrokosmische, privatpolitische Befindlichkeiten der Mittelschicht sind in »Die Straßen unseres Viertels« Thema – wenn zwischen Yoga, Leistungsanspruch und Überforderung die Empathie für das Wesentliche abhandengekommen ist. Empathie ist überhaupt das große Thema auf dieser Platte. Auch geht es um das Eintreten für die richtigen Dinge, mit Nachdruck, sich »von den verbitterten Idioten nicht verbittern lassen«. Aus der Komfortzone heraustreten, sich engagieren. Das Album hinterlässt ein Gefühl der wohligen Unruhe, und das hat es dringend mal wieder gebraucht.(intro)




    Und dann, tja, legen sie auf ICH VS. WIR kompakte Kurzgeschichten hin wie „Trostbrücke Süd“, die aufhören und dann wieder anfangen, um in einer groß­artig hymnischen Zeile zu münden wie „Wenn du das Radio ausmachst, wird die Scheißmusik auch nicht besser“. Noch großartiger nur die längstens überfällige Anti-Fußball-Hymne „Mannschaftsaufstellung“ mit ihrer eleganten Engführung von Nationalismus und Sport – und dem Chorus: „Und als wir gemeinsam vor dem Radio saßen, die Aufstellung hörten und unser Abendbrot aßen, nahmst du meine Hand und sagtest: Liebling, ich bin gegen Deutschland“. Nachspiel? Okay: „Irgendjemand sagt Gutmensch, und du entsicherst den Revolver“.Yeah. Ich bin für Kettcar, zu meiner eigenen Überraschung. Und überraschend sollte Musik doch sein, oder?(musikexpress)


    Kettcar unterwegs:

    18.01.2018 Saarbrücken, Garage (Ausverkauft)
    19.01.2018 München, Tonhalle (Ausverkauft)
    20.01.2018 A-Wien, FM4 Geburtstagsfest
    21.01.2018 A-Graz, Orpheum
    22.01.2018 CH-Schaffhausen, Kammgarn
    23.01.2018 CH-Bern, Bierhübeli
    24.01.2018 Erlangen, E-Werk(Ausverkauft)
    25.01.2018 Stuttgart, Theaterhaus
    26.01.2018 Dortmund, FZW (Ausverkauft)
    27.01.2018 Bremen, Schlachthof (Ausverkauft)
    28.01.2018 Kiel, Max
    30.01.2018 Magdeburg, Altes Theater
    31.01.2018 Dresden, Schlachthof
    01.02.2018 Leipzig, Haus Auensee
    02.02.2018 Wiesbaden, Schlachthof (Ausverkauft)
    03.02.2018 Köln, Palladium
    05.02.2017 Hamburg, Große Freiheit 36 (Zusatzshow)
    06.02.2018 Hamburg, Große Freiheit 36 (Ausverkauft)
    07.02.2018 Hamburg, Große Freiheit 36 (Ausverkauft)
    08.02.2018 Hannover, Capitol
    09.02.2018 Bielefeld, Ringlokschuppen
    10.02.2018 Berlin, Columbiahalle (verlegt aus Huxleys) (Ausverkauft)
    23.03.2018 Essen, Weststadthalle
    24.03.2018 Bremen, Schlachthof

  • Sylvan Esso - What now

    Sylvan Esso - What now

























    Die Übersehenen (VIII)

    Da habe ich Dirk doch glatt in die Vorstellung der Alben, an deren Finanzierung er beteiligt war (siehe dort und dort), reingefunkt. Dann darf ich nun auch zur Reihe der "Übersehenen" beitragen, hoffe ich.

    In einem meiner liebsten Musik-Podcasts wurde Sylvan Esso schon zu Zeiten des Debüts im Jahr 2014 gelobt. Doch irgendwie schreckte mich der Name der Band ab und das Genre "Electropop" bestätigte mich in meinem Vorurteil.

    Doch mit dem zweiten Album "What now" erhoben sich erneut die Lobeshymnen auf die Band und gut ein halbes Jahr später wurde ich weich. Da amerikanische Duo Sylvan Esso besteht aus der Sängerin Amelia Meath und dem Produzenten Nick Sanborn. Meath ist bereits seit 2009 mit Mountain Man aktiv, dort setzten die drei Musikerinnen vornehmlich auf ihren Gesang und liefern unaufgeregten Indie Folkrock. Auch Sanborn war bisher in Folk-Projekten unterwegs, u. a. mit Megafaun (deren Protagonisten mit Justin Vernon vor dessen Solo-Karriere musizierten) und Made Of Oak. Als Sylvan Esso liefern die beiden wundervollen Electropop. Prägend sind dabei Meaths Gesang und vielfältige Electro-Klänge, die zwischen Lo-Fi und Dance wabern und wahlweise treibend be- oder trocken entschleunigend eingesetzt werden. Schön, noch vor Jahresende eines der besten Electro-Pop Alben des Jahres "entdeckt" zu haben. Und besonders schön, dass dieses auch noch Indie-Flair versprüht. 

    Die Highlights sind "The glow", "Die young", "Just dancing" und "Rewind". 

    Das Video zu "Die young":


    "Rewind":


    Intro.de:
    Sylvan Esso reflektieren den gesellschaftlichen Wandel textlich auf ihre eigene Art, abstrakt, schonungslos, nachdenklich, während die Musik erneut durch unerhörte Klänge, zerkratzte Rhythmusschleifen und geniale Tüftelarbeit begeistert. Dabei sind sie zugleich poppiger geworden, in einem Sound voller Hoffnung, dessen musikalische Kanten unterstreichen, dass diese Welt erst interessant wird, wenn man sich traut, ihre Komplexität zu erkunden.

  • Intergalactic Lovers - Exhale

    Intergalactic Lovers - Exhale



















    Die Übersehenen (VII) - Unterkategorie: GHvC-Spezial

    Im letzten Sommer sahen wir die Intergalactic Lovers beim tollen A Summer’s Tale Festival. Es war nur ein Teil der Band angereist und Sängerin Lara Chedraouis war mit den Umständen auch gar nicht zufrieden, denn es stellte sich heraus, dass sie nicht auf einer Bühne spielen sollten und im offiziellen Zeitplan auftauchten, sondern vermutlich nur als „Notnagel“ engagiert worden waren und, da keine andere Band ausfiel, sich nachmittags auf dem Festivalgelände ein Plätzchen suchen mussten, um vor ca. 25 Zuschauern unverstärkt einige akustische Songs vorzutragen. Zumindest wir waren aber mit den dargebotenen Liedern und dem kurzen Auftritt zufrieden. 

    Ob auch Lieder aus ihrem dritten Album „Exhale“ gespielt wurden, kann ich im Nachhinein nicht sagen, denn zu unterschiedlich klingen die Belgier in voller Bandbesetzung. Gemeinsam mit ihrem Produzenten Gil Norton (Pixies, Maximo Park, Jimmy Eat World) wurde ihr Indiepop („Talk! Talk!“, „Rivers“) ein wenig in Richtung New Wave und Post-Punk („Between The Lines“, „Give It Up“) verschoben. Das hohe Niveau der ersten fünf Songs können die Intergalactic Lovers im weiteren Verlauf nicht ganz halten, dennoch ist „Exhale“ Freunden von Metric oder Blondie zu empfehlen.




    Ein Zugewinn für die belgischen Musiker, denn schon die erste Single Between The Lines ebnet den Weg zur vollkommenen Verschmelzung des Post-Punks, wie man ihn von The Cure oder Interpol kennt. Immer mittendrin, Lara Chedraoui und ihre aussagekräftige Stimme. Diese macht sich auch in den Titeln Give It Up und Fears bemerkbar, die ohne dieses liebenswürdige Organ einiges an ihrem charmanten Charakter einbüßen würden. Und auch musikalisch bewegten sie sich nach vorne. Während bei vielen Bands keine große Sprünge mehr zu erwarten sind, schütteln sie doch noch den ein oder anderen Ohrwurm, wie in Talk!Talk! oder Ego Wars aus den Ärmeln.Exhale ist durchaus abwechslungsreich und vielschichtig. Hin und wieder etwas vorhersehbar, was die Qualität jedoch nicht mindert. Wer die Band also noch nicht auf dem Schirm hatte, sollte dies schnell nachholen, denn eines ist sicher: Intergalactic Lovers ist definitiv eine gute Wahl.(Bedroomdisco)


    Eröffnet wird das Album gleich mit der aktuellen Single-Auskopplung „Between The Lines“, einem griffigen Indie-Pop-Song mit britischem Flair und schöner Hookline-Melodie, die sich nicht etwa der Radiokultur anbiedert, sondern eine sehr eigenständige Pop-Kultur entwickelt. Schon hier spürt man, genauso wie im Verlaufe des gesamten Albums, den britischen Einfluss, der auf belgische Musik-Kreativität trifft. Und dass es, wenn es um Beziehungsprobleme geht, auch richtig hart zur Sache gehen kann, beweist „Ego Wars“ mit solch beeindruckender Textzeile: „To learn how to love again, got to kill your ego“, während das faszinierende „Fears“ mit einer allseits durch SIMON & GARFUNKEL bekannten Textzeile: „Hello darkness my old friend“ zur kleinen Hymne wird.(musikreviews)





  • Fortuna Ehrenfeld - Hey Sexy

    Fortuna Ehrenfeld - Hey Sexy



















    Die Übersehenen (VI) - Unterkategorie: GHvC-Spezial

    Fortuna Ehrenfeld? Ist das ein von Fans gegründeter Club, der sich ähnlich wie FC United Of Manchester, gegen die Kommerzialisierung des Fußballs richtet? Oder vielleicht emigrierte Düsseldorfer, die auch in der Nicht-Hauptstadt von NRW ihre Fortuna unterstützen wollen? 

    Nein, hinter diesem ungewöhnlichen Bandnamen steckt der Kölner Musiker, Texter und Multiinstrumentalist Martin Bechler, der, ähnlich wie gestern Tim Neuhaus, nahezu im Alleingang sein neues, zweites Album aufgenommen hat. Der Liedermacher kombiniert sehr minimalistisch Reibeisenstimme, Tasteninstrumente, Gitarre sowie elektronische Beats und Spielereien mit zynischen, romantischen, bösen bis durchgeknallten Texten, die überall viel Lob erhalten haben. „Hey Sexy“ darf Fans von Niels Frevert, Die Höchste Eisenbahn oder Gisbert zu Knyphausen ans Herz gelegt werden und hat, neben zahlreichen guten Kritiken, auch prominente Fürsprecher gewinnen können:

    „Cool und eigenwillig.“ (Gisbert zu Knyphausen)

     „Die besten durchgeknallten Texte seit ... eh ... ja, seit  wann eigentlich?“ (Marcus Wiebusch)

    Knyphausen und Wiebusch - da steht ja noch etwas aus, aber dazu kommen wir erst Donnerstag und Freitag. Erst einmal die angesprochenen guten Reviews sowie das Video zu „Zuweitwegmädchen“:


    Supersaumegastarker deutschsprachiger Indiepop. Textlich ist das in meinen Augen Champions League, weil gut, durchgeknallt, lyrisch und witzig. Manchmal fragt man sich kurz „hat er das jetzt echt gebracht?“, realisiert und schmunzelt aufgrund selbiger Zeile und freut sich des Lebens eine solche Platte hören zu dürfen. Fortuna Ehrenfeld ist mit „Hey Sexy“ ganz weit hoch hineingeschossen in die deutschsprachige Indie-Pop Schiene, was einfach an den so abwechslungsreichen, wenn auch simplen musikalischen Facetten, aber noch mehr an der anspruchsvollen, ansprechenden Lyrik von Martin Bechler liegt. Danke für diese Platte, Fortuna Ehrenfeld!(Handwritten-Mag)





    Es ist verdammt hart, gute, anspruchsvolle, nachvollziehbare und ja, gefühlvolle Texte zu schreiben und der Versuch endet nicht selten in peinlichen Auswüchsen, von denen es halt immer noch zu viele in die Top Ten der Landescharts schaffen. Hier gelingt die Kür des lyrischen Anspruchs fabelhaft und die Inhalte werden mit einer Leichtigkeit vorgetragen, dass man sich sofort darin verliert. Musikalisch herrschen hier vorwiegend Tasten, Digidrums und eine eher erwachsene Stimmung, die passender gar nicht sein könnte…(Pretty In Noise)


  • Tim Neuhaus - Pose I + II

    Tim Neuhaus - Pose I + II




















    Die Übersehenen (V) - Unterkategorie: GHvC-Spezial

    Der Song „As Life Found You“ hat bereits vor Jahren Einzug gehalten in die Playlist meiner Lieblingssongs und läuft dort im Idealfall vor oder nach Loney, Dear. 

    Dieses Jahr veröffentlichte Tim Neuhaus nach „The Cabinet“ (2011) und „Now“ (2013) auch sein offiziell drittes Soloalbum über Grand Hotel van Cleef. Auch wenn man den Musiker aus Hagen bisher noch nicht bewusst wahrgenommen hat, so gab es doch in den letzten Jahren reichlich Gelegenheiten ihn als Schlagzeuger, zum Beispiel bei der Blue Man Group oder bei Konzerten von nationalen (Marcus Wiebusch, Clueso, Boy) wie internationalen Größen (Glen Hansard), live zu sehen oder ihn auf Platten anderer Künstler zu hören, zum Beispiel als Instrumentalist, Komponist und Co-Produzent beim letzten Clueso-Album. Seit einiger Zeit ist er auch Bestandteil der „Tour Of Tours“ einem gemeinsamen musikalischen Projekt mit Honig, Town of Saints, Ian Fisher und Jonas David.

    Auf „Pose I + II“ zeigt Neuhaus, der das Album nahezu im Alleingang aufnahm, zwei Facetten: einerseits detailversessene Popmusik (von rockiger („The Music That You Are“, „American Dream In Berlin“) bis balladesker („Anyone You Need To Call“) Ausprägung) andererseits experimentelles Gefrickel und etwas weniger zugänglichen Soundspielereien („Control“, „Shine On“). 




    Nicht ganz zufällig ist es dann besonders spannend, wenn deutlich wird, wie sehr etliche der Songs auf ihrem Beat schwingen und sich von diesem aus entwickeln. Musikalisch klingt das Ganze letztlich, als hätte David Byrne mit den Jungs von Primus und Paul Simon zusammen ein Indie-Wave-Album aufgenommen.(intro)


    Statt auf Autopilot den verdrossenen Mann mit der Gitarre zu mimen, geriert sich TIM NEUHAUS auf "Pose I + II" endgültig zu einem Singer-Songwriter neuen Typs, der das traditionelle Schreiben von Liedern im ursprünglichen Sinn (Strophe-Refrain-Strophe) in gleichem Maße schätzt wie das Ausprobieren unkonventioneller Ideen. Dass ihm beides am Ende glückt - das eine ohne Ausrutscher aus dem Hit-Setzkasten, das andere ohne avantgardistische Ungenießbarkeiten -, adelt ihn spätestens jetzt als Vordenker unter vielen Epigonen.(Musikreviews)


    Nicht nur die Zweiteilung dieses Album macht „Pose I + II“ zu einem ganz besonderen Werk. Ja! „Werk“, weil Abwechslungsreicher und mehr Tim Neuhaus geht kaum. Er spielt sämtliche Instrumente auf der Platte selbst, braucht wenig Schnörckel um zu einer ganz besonderen Art eines Songwriters zu werden. Pose I + II ist zu 100% Tim Neuhaus und die Bezeichnung des Singer/Songwriters trifft hierbei ganz besonders zu.Abzüge gibt es lediglich beim zweiten, dem schwereren Teil von „Pose“, was aber absolut auf subjektive Wahrnehmung zu beziehen ist, da „Lila“ mit Ian Fischer und der letzte Song „Pose“ wieder unglaublich starke Nummern sind und das Album perfekt ausklingen lassen.(Handwritten-Mag)





  • Säkert! - Däggdjur

    Säkert! - Däggdjur




















    Die Übersehenen (IV) - Unterkategorie: Lieblingsalben

    Wenn ihr bisher noch nicht „Inte jag heller“ von Säkert! gehört habt, dann ist euer Jahr 2017 noch nicht vollständig und vielleicht auch irgendwie noch zu retten. Und wenn ihr „Däggdjur“, das dritte Album von Säkert! - die englisch sprachige Zusammenstellung „På Engelska“ einmal außen vor gelassen - noch nicht kennt, dann solltet ihr besser noch einen Platz in den Top Ten* eurer persönlichen Jahrescharts frei halten.

    Irgendwann war es Annika Norlin leid zu singen, sie wollte sich auf das Komponieren konzentrieren und daraus resultierend sollte „Däggdjur“ eine Sammlung ihrer Lieblingsstimmen werden, die ihren Liedern besondere Nuancen verleihen würden. Daher hören wir auf den 12 Songs viele Unterschiedliche Stimmen, u.a. von Alina Björkén (Könsförrädare), Jakob Hellman, Ola Klüft (The Perishers), Jakob Nyström (Isolation Years), Lina Högström (Skator) oder Martin Hanberg (Vapnet), die, bei zurückgenommener Instrumentierung, deutlich im Mittelpunkt des Albums stehen. Am eindrucksvollsten sicherlich bei „Inte jag heller“, das von Emil Svanängen (Loney, Dear) eröffnet wird, und zu dem sich mehr und mehr Sänger gesellen und zu einen bewegenden Chor anschwellen. So ganz konnte Annika Norlin aufgrund ihrer sehr persönlichen Texte doch nicht auf das Mitsingen verzichten - welch ein Glücksfall für uns! Genau so wie „Däggdjur“. 




    Die „9“ neben der Kritik von „Däggdjur“ ist sicherlich die vollkommen zutreffende Bewertung von Olivia Nordell (Festivalrykten): 

    Samtidigt är det absolut bästa med Säkert! att man får perspektiv på saker och ting, typ att allt kan få vara som det är trots att det är för sent att bli dansare. Att ens liv inte behöver skrivas om i en bok. Att det är okej att vägra arbetslinjen och att våren kommer komma varje år oavsett hur skit vintern har varit. Att man som i Modifering kan få vara kär utan att bli räddad från sin ångest – det är den allra rimligaste kärlekslåten som finns för att den är lagom cynisk och lagom realistisk men samtidigt superromantisk. Allt ryms i Däggdjur, det som skaver och det som bara klaffar. Det är ett nästintill fulländat album som antagligen aldrig kommer sluta växa – utan floskler, bara rå vardagsskildring.





    *Ich schreibe „Top Ten“, meine aber eigentlich die 3 Podestplätze.


  • Beck - Colors

    Beck - Colors



















    Die Übersehenen (III) - Unterkategorie: Lieblingsalben

    „Colors“ steht in der aktuellen Zwischenwertung bei Platten vor Gericht auf Platz 1. Ohne bisher vorgestellt worden zu sein! Der Grund? Felix und Florian haben ihre Bewertungen per Email eingereicht und unsere Liste des Jahrgangs 2017 um das ein oder andere Album (Bonobo, Godspeed You! Black Emperor, …) erweitert. Zumindest der Spitzenreiter der beiden musikbegeisterten Gastjuroren soll daher auf jeden Fall hier noch erwähnt werden. Wie es sich bei Zwillingen gehört, erhielt das dreizehnte Beck-Album von beiden 9 Punkte. Das gleiche Kunststück gelang übrigens nur Arcade Fire mit „Everything Now“. Offensichtlich schätzen Felix und Florian sowohl bei den Kanadiern als auch bei Beck Hansen die Hinwendung zum Pop. 

    Nahezu im Alleingang nahm Beck gemeinsam mit Greg Kurstin (Adele, Sia, Kelly Clarkson, Pink) seit 2013 die 10 neuen Songs auf. Die Studioexperimente führten bereits im Sommer 2015 und 2016 zu ersten Singles („Dreams“ und „Wow“), die sich auch auf Rang 2 bzw. 10 in den US Alternative Song Charts platzieren gekonnten und sogar noch vom im September erschienen „Up All Night“ getoppt werden konnten - Becks dritter Nummer 1-Single nach „Loser“ (1994) und „E-Pro“ (2005).
    Auch „Colors“ konnte Chart-Erfolge feiern: Platz 3 in den USA, Platz 4 in Kanada und Rang 5 im Vereinigten Königreich. In Deutschland konnte der Erfolg von „Morning Phase“ (2014, #13) mit Position 32 nicht ganz wiederholt werden. Das schätzt Metacritic ähnlich ein, denn „Colors“ hat dort einen Durchschnittswert von 77/100, der nicht ganz an Becks stärkste Alben („Morning Phase“ 81/100, „Sea Change“ 79/100 und „Midnite Vultures“ 83/100) heranreichen kann.

    Jetzt stellen sich noch folgende Fragen: Haben die Fan-Boys Felix & Florian „Colors“ als Deluxe Vinyl (Limited Edition Deluxe Vinyl pressed on 2x red 45 rpm 180g LPs. Customizable cover transparency prints. 24 page lyrics art book.) und gehen die übrigen Plattenrichter bei diesen hohen Vornoten mit oder orientieren sie sich eher an den mittelprächtigen Kritiken in Deutschland?


    „Up All Night“ ist reinstes Vers-Chorus-Vers-Werk. Und der Titelsong rückt Panflötenklänge in den Vordergrund – als hätte Beck sich mit Ar­cade Fire abgesprochen, dem Instrument 2017 seinen Durchbruch im Pop zu verschaffen. Nur gelegentlich – immer wenn nicht klar ist, ob er eine Par­odie oder eine Hommage darbieten will – blitzt die bekannte Abgrenzungs­schwäche auf. „Wow“ richtet sich nun an die „Like, ­really!“- und eben die „Like, wow!“-Teenager Amerikas, deren formelhafte Begeisterungs­stürme von allen anderen nur schwer zu ertragen sind. Auch der Song ist schwer zu ertragen, klingt wie ­Katy Perry auf Halbmast, die Binsen sind altersgemäß: „Your life, live it once, can’t live it twice.“ Den R&B-Stakkato­gesang von „I’m So Free“ wiederum kriegt Pink besser hin.Aber das sind zwei Ausnahmen. „Colors“ ist ein Popcharts-Stürmer per Ansage. (Rolling Stone)




    Dass sein neues Album sich an den Zeitgeist ranschmeißt, das ist das Problem. Und zwar so aggressiv, dass nach ersten Hörproben echtes Entsetzen in den Gesichtern gestandener ME-RedakteurInnen zu erkennen war.Was COLORS, das sich ja schon länger durch die beiden merkwürdigen Singles „Dreams“ (penetrant) und „Wow“ (albern, aber unterhaltsam) angekündigt hatte, offensichtlich sein möchte: aktionistisch kurzweiliger, Sounds-und-Gimmicks-gestopfter, extrem komprimierter PWR-Pop, der sich in eine angenommene Marktlücke zwischen Carly Rae Jepsen, OK Go und Tame Impala (die aktuellen) zu quetschen versucht. Was COLORS dadurch aber geworden ist: nix als nett und flach und beliebig an- und ausschaltbar, allein mit der eigenen Aufmerksamkeitskontrolle … (musikexpress)




    Das fertige Album bestätigt den Eindruck dieser Songs, steckt aber zugleich voller nostalgischer Referenzen. „Dear Life“ ist von den Beatles der Sgt.-Pepper’s-Ära inspiriert, „Square One“ lässt goldene Westcoast-Softpop-Zeiten auferstehen, „No Distractions“ prangert zu einem hopsigen Wave-Beat den Zeitgeist an. Im Grunde genommen hat Beck schon immer so gearbeitet: Er saugt seine Einflüsse von überallher auf und spuckt sie als neue Musik aus. Das ist prima, selbst wenn es auf den Mainstream schielt. Und mit der fragilen Selbstkritik „Fix Me“ schleicht sich auch noch eine Fußnote ins Hitkonzept ein.(Spex)




    »Colors« greift nun wieder die unberechenbare Spontaneität von »Odelay« auf, allerdings ohne Samples und mit einem starken Hang zu tanzbarem Chartsgetöse. An der Grenze zur Ironie groovt sich Beck zwischen Disco, Electro und R’n’B in die fremdelnde Dance-Pop-Abteilung. Musiktheorie, die im Radio als plärrende Nerverei auf Heavy Rotation läuft, erstrahlt in Becks Händen nunmehr als smartes Partygold. (intro)


  • Binoculers - Sun Sounds

    Binoculers - Sun Sounds



















    Die Übersehenen (II)

    So viele Parallelen zu den gestern vorgestellten Kraków Loves Adana! Erneut ein deutsches Duo, dessen Musik mit dem Label „Dreampop“ versehen werden darf und welches zunächst („There Is Not Enough Space In The Dark“, 2012) hier vor Gericht stand, um mit dem folgenden Album („Adapted To Both Shade And Sun“, 2015) übergangen zu wurden. Trotz vorheriger guten Noten! Auch die letzte Veröffentlichung von Nadja Rüdebusch & Daniel Gädicke harrt seit dem Frühjahr auf seine mehr als überfällige Erwähnung und die berechtigten lobende Worte. Auf geht’s, hier sind die Lobpreisungen für „Sun Sounds“ von Binoculers:


    Mit »Sun Sounds« klingen die beiden endgültig wie eine Hamburger Inkarnation der Doves, nur mit mehr Miniaturen und Fragmenten, einem Hang zu melancholisch ausgewaschenem Gitarre/Schlagzeug-Spiel à la Contriva und großer Freude an echter Pop-Verspieltheit wie bei World Party. Nicht umsonst sagten die beiden einmal in einem Interview, dass der Song, den sie am liebsten selbst geschrieben hätten, ausgerechnet »Bohemian Rhapsody« sei. Selbstredend fehlt beim Dream-Pop der Binoculers jedes Drama und jegliche große Geste, alles andere ist hier aber durchaus zu finden: von Melodieverliebtheit über Tempowechsel, aufwendige Arrangements und raffinierte Produktionen bis hin zu einem dunklen Glamour.(intro)




    Krautiger Dream-Pop voller Gefühl und Sinnlichkeit, in dem die Sonne beschworen wird, aber auch die dunklen Seiten unseres Daseins nicht unbeachtet bleiben. Wir dürfen wieder in den Klangwelten von HARMONIA, NEU! und CLUSTER schweben. So (ähnlich) klingt „Sun Sounds“ von BINOCULERS. Ein echter Hoffnungsschimmer am sich immer mehr verdunkelnden Musik-Horizont!(musikreviews)




    Bedacht gespielter Kammer- und Dreampop trifft unvermutete Klangflächen und ganz vorsichtig eingestreute, ins psychedelische schielende Elemente. Am Ende klingt das Ganze ziemlich genau so, wie das Cover aussieht. Nach einem Dazwischen, einer Phase des Grenzübergangs, nach ausgewaschenen Farben und ausgefransten Enden. Das mag diffus anmuten, bringt aber immer dann, wenn man "Sun sounds", wie etwa im wundervollen Closer "Parallels", zu fassen bekommt, ein ungemeines Vergnügen. Und das passiert im Laufe der Zeit immer öfter. Kein Album für einen Moment, nicht mal eines für einen Sommer. Aber eines, das sich ein Stück von den genannten Referenzen emanzipieren kann. Und vor allem eines, das man vielleicht auch Jahre später von Zeit zu Zeit noch gerne auflegt.(Plattentests)



  • Kraków Loves Adana - Call Yourself New

    Kraków Loves Adana - Call Yourself New



















    Die Übersehenen (I)

    In den letzten Tagen des Jahres kann noch ein Blick auf Alben geworfen werden, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Das Durchwühlen des Stapels der übersehenen und unberücksichtigten Platten förderte den dritten Longplayer des Duos Kraków Loves Adana zu Tage. 
    Deniz Cicek und Robert Heitmann verließen ihr Label und gründeten ihr eigenes namens Better Call Rob und stellten sich auch hinsichtlich ihrer Aufgabenverteilung neu auf: Während sich Robert um das Administrative kümmerte (Label), konzentrierte sich Deniz allein aufs Songwriting.
    Bisher standen die Wahl-Hamburger nur mit ihrem Debüt „Beauty“ (2010) vor Gericht, konnten mich aber nicht richtig überzeugen, so dass ich den Nachfolger „Interview“ (2012) auch nicht weiter beachtete. Glücklicherweise ist mir dies bei „Call Yourself New“ nicht passiert, wie folgende Videos und Kritiken unterstreichen. 

    Am 6. April 2018werden Kraków Loves Adana bereits ihr viertes Album „Songs After The Blue“ veröffentlichen - dies ist auch als Vorladung zu verstehen.




    Der Sound des Hamburger Duos ist freilich immer noch hochklassig: Über den schummrigen Synthie- und Dream-Pop-Stücken, die klanglich und in ihren Arrangements den mächtigen The xx nahestehen, thront wie ein düsterer Engel mit ungeheurer Flügelspannweite das tief-dunkle Timbre Ciceks, das dem zurückgezogenen Spuk der Sounds von Krakow Loves Adana eine äußerst konkrete große Präsenz verleiht. So mäandert »Call Yourself New« in keiner künstlichen Zwischenwelt, sondern greift abermals gekonnt in die Schnittstelle zwischen Dancefloor und Wohnzimmer. Das ist für dieses Duo alles andere als neu, aber weiterhin hochklassig.(intro)




    Die zehn Stücke entpuppen sich als homogenes Gesamtgebilde. Der Infozettel bezeichnet das Ganze als Dream-Pop, was für mich aber nicht so richtig zu passen scheint. Gerade der Einfluss von Filmen und Serien auf das Songwriting gibt dem Album eher einen Avantgarde-Anspruch, ohne Avantgarde zu sein. Und die Stimme? Die Stimme passt spätestens bei der B-Seite perfekt zum warmen Klang des Vinyls.Es ist eine persönliche Platte und es ist ein Neuanfang für die Band, die sich von ihrem alten Label getrennt hat. Es ist aber auch eine perfekte Platte. Perfekt um neu zu starten. Perfekt um an dunklen und kalten Winter- bzw. Frühjahrs-Nächten auf dem Sofa zu sitzen, um einfach nur zuzuhören. Perfekt um sich als Musikjournalist noch mal daran zu erinnern, dass man manchmal nicht auf den Namen, sondern das Bauchgefühl hören sollte.(Crazewire)




    Ein fulminanter Start, denn diese Platte ist eine kleine Offenbarung. Langsame, gefühlvolle und irgendwie aus der Zeit gefallene Musik, die schnell einen Sog entfaltet, dem man sich nur entziehen kann, wenn draußen die Sonne scheint.Die warme Instrumentierung steckt voller Details und bildet das perfekte Fundament für das einnehmende, dunkle Timbre von Cicek. Anfänglich war mir ihre Stimme in manchen Passagen zu aufdringlich, aber mit der Zeit relativierte sich dieser Eindruck.Denn von dieser Stimme geht die Faszination aus, die dieses Album zu etwas Besonderem macht. Ihre Gesangslinien sind durchzogen von Wehmut, Melancholie, Hoffnung, Verzweiflung und Liebe.Call Yourself New ist ein berührendes und hochklassiges Album.(Nicorola)



  • Dan Michaelson - First Light

    Dan Michaelson - First Light



















    Die erste Vorladung (XII)

    Personalien:
    Dan Michaelson stammt aus Northampton und ist mittlerweile 41 Jahre alt. 

    Tathergang:
    Der Singer/Songwriter kann inzwischen auf 9 Alben zurückblicken: Zunächst veröffentlichte er zwischen 2004 und 2008 im Zweijahresrhythmus Platten mit seiner Band Absentee („Hawaiian Disco“,, „Schmotime“ und „Victory Shorts“), dann folgten zwei Alben als Dan Michaelson and The Coastguards („Saltwater“, „Shakes“) bis 2011 sein erstes Soloalbum „Sudden Fiction“ erschien. Gemeinsam mit The Coastguards schloss sich eine aus „Blindspot“ (2013), „Distance“ (2014) und „Memory“ (2016) bestehende Trilogie an.
    Zum Jubiläum des zehnten Albums ist Dan Michaelson wieder solo unterwegs - obwohl dies natürlich so nicht stimmt, denn neben Michaelsons Bariton sind acht Violinen, vier Violas, zwei Cellos, zwei Kontrabässe und Posaunen auf „First Light“ zu hören, die von Arnulf Lindner arrangiert wurden. 
    Die 9 Songs können im Shop von Michaelson wahlweise als Download, CD oder LP (gatefold) käuflich erworben werden.

    Plädoyer:
    Wenn man am 8. Dezember ein Album veröffentlicht, dann hat man das Pech, dass viele Bestenlisten  bereits geschrieben sind. Dieses Schicksal wird vermutlich auch das Kammerpop-Kleinod „First Light“ ereilen. Mit knarzender tiefer Stimme singt Dan Michaelson über einen Streicherteppich hinweg und evoziert in der Presse Vergleiche zu Townes Van Zandt, Lee Hazlewood, Leonard Cohen und Nick Drake. Für mich klingt es so, als würden zahme Arab Strap einen Score von Craig Armstrong stimmlich unterstützen. 

    Zeugen:

    On the evidence of First Light, Northampton’s Dan Michaelson isn’t the sort who leaps out of bed to greet the day. His seventh album (two solo, five with the Coastguards) concerns itself with that first moment of consciousness, and his weary voice sounds suitably hypnopompic. Indeed, there are echoes of Bill Callahan in his delivery, the sense that his measured baritone could imbue even the most mundane line with emotion. Arnulf Lindner’s orchestral arrangements are a subtle delight, meanwhile, violins, cellos and violas beautifully framing Michaelson’s at times almost positive lyrics. If there’s a criticism, it’s just that too little distinguishes one song from another.(The Guardian)


    Indizien und Beweismittel:





    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...


  • Philip Selway - Let me go

    Philip Selway - Let me go
























    Philip Selway ist Schlagzeuger bei einer nach einem Talking Heads-Song benannten Band aus Oxford. Bereits 2010 und 2014 ("Weatherhouse") veröffentlichte er Solo-Alben, nun liefert er den Soundtrack zum Film "Let me go". Dieser schildert die Geschichte der Österreicherin Helga Schneider, die im Alter von vier Jahren von ihre Mutter verlassen wurde, weil sie einen Job in einem NS-Konzentrationslager annahm. 

    Den Film habe ich nicht gesehen, aber ich stelle ihn mir nur mäßig heiter vor. Dazu liefert Philip Selway die passende Musik. Die Instrumentals werden meist von Piano, Streichern und Akustik-Gitarren getragen. Wie es sich für einen Soundtrack gehört, stören diese nicht weiter und Stimmungen vermögen sie zweifellos zu transportieren. Zur Jahreszeit passt das Album somit zweifellos.

    Darüber hinaus liefert Philip Selway aber auch einige vollwertige Songs: "Walk" glänzt vor allem dank Louise Rhodes' (Lamb) Gesang, "Wide open", und der Titelsong (jeweils mit Selways Gesang)  sind ebenfalls eine willkommene Abwechslung zwischen den Instrumentals.

    Der Titelsong:


    Musikblog.de:
    Die meisten Stücke, ausgenommen die Vocals, funktionieren schwer ohne den Film. Andererseits muss man den Film gar nicht gesehen haben, um die Beklemmung zu spüren. Selway hat es auf beeindruckende Art und Weise geschafft, Bilder, ja fast den kompletten Film nur durch Musik im Kopf entstehen zu lassen. Ansehen sollte man sich den Film aber dennoch, weil man gerade heute wieder nicht genug gewarnt werden kann, wohin Indoktrination von Fremdenhass führt.
  • Die 10 besten Platten von Creation Records

    10. Teenage Fanclub "Thirteen"
    9. Primal Scream "Screamadelica"
    8. Slowdive "Souvlaki"
    7. The Boo Radleys "Giant Steps"
    6. Adorable "Against Perfection"
    5. Ride "Going Blank Again"
    4. My Bloody Valentine "Loveless"
    3. The House Of Love "The House Of Love"
    2. Oasis "Definitely Maybe"
    1. Oasis "(What's The Story) Morning Glory"

    (ausgewählt von Dirk)