Hundreds - Sirens


Ein Blick in die deutschen Album Charts kann Kurioses und Erschreckendes bieten. Diese Woche gleich beides. Von den 10 Alben, die letzte Woche die Top 10 bevölkerten (Die Toten Hosen verhinderten mit einem 30 Jahre alten Album zumindest eine Nummer 1 für Böhse Onkelz, denen Kaffkiez, ein Stranger Things Soundtrack, Ufo361, Only The Poets, Michael Jackson, Taylor Swift, HeavySaurus und Don Toliver folgten), konnten sich nur zwei in diesen halten (Taylor Swift und Don Toliver), hinzu kamen fünf Neuzugänge (der Soundtrack zu einem Videospiel, Sophia (nein, leider kein neues Album von Robin Proper-Sheppard), Joji, Kanonenfieber und Mayhem) sowie drei Aufsteiger (Olivia Dean, der Soundtrack zu KPop Demon Hunters und Bad Bunny, dessen aktuelles Album in der 52. Chartwoche Dank des Super Bowls auf Platz 1 sprang).

Warum ich mir die deutschen Album Charts angesehen habe? Um herauszufinden, welchen Platz Hundreds mit ihrem fünften Album „Sirens“ erreichten konnten. Zwar blieben zuvor „Aftermath“ (2014; #49), „Wilderness (2016; #77) und „The Current“ (2020; #57) nur für jeweils eine Woche in den Top 100, aber die sehr guten Plattenkritiken und die vorherigen Platzierungen ließen erwarten, dass zumindest ein Platz im Mittelfeld erreicht werden könnte. Jedoch Fehlanzeige, es gab zwar 13 Neuzugänge, aber das Hamburger Trio war nicht dabei. Der Grund dafür könnte sein, dass „Sirens“ zwar am 6. Februar digital veröffentlicht wurde, aber CD und LP (black Vinyl) erst eine Woche später folgten. Da muss ich mir die deutschen Album Charts wohl nächste Woche noch einmal ansehen und hoffentlich kann „Sirens“ viele Käufer*innen becircen und in die Plattenläden locken.

Sängerin Eva Milner, ihr Bruder Philip (Tasteninstrumente) und ihr Ehemann Florian Wienczny (Schlagzeug) verknüpfen auf „Sirens“ mystische Bilder mit aktuellen Themen (wie Migration, Identität, Eskapismus) und tauchen in Klangwelten zwischen dunklem, orchestralen Artpop („Sirens“, „Eliot“), atmosphärischer Electronica („Walk On Walls“), tanzbarem Elektropop („Blueberry Dream“) und an die 80er Jahre erinnernden Synthpop („Five Rivers“) ein.   

Hundreds unterwegs in Deutschland:
14.04.3026 München, Strom

15.04.2026 Jena, Kassablanca

16.04.2026 Leipzig, UT Connewitz

17.04.2006 Heidelberg, Karlstorbahnhof

18.04.2026 Stuttgart, Im Wizemann

20.04.2026 Wiesbaden, Kesselhaus

21.04.2026 Köln, Gebäude 9

22.04.2026 Nürnberg, Z-Bau

24.04.2026 Hamburg, Mojo

25.04.2026 Berlin, Columbia Theater

26.04.2026 Hannover, Musikzentrum


 


Generell lassen sich innerhalb des Albums wenige instrumentale Melodien, dafür eher Sequenzen und Fills finden. Das titelgebende "Sirens" bildet, genau mittig platziert, den Übergang zwischen den bereits bekannten Tracks der ersten Hälfte des Albums und dem deutlich akustischer instrumentierten, zweiten Teil. Obwohl "Eliot" kein klassischer Radiohit ist, gehört der Song zu den Highlights der Platte. Er zeigt auf kunstvolle Weise, was vielen Produktionen fehlt: das Verständnis dafür, dass das zwischen den Tönen Liegende keine bloße Abwesenheit von Klang ist, sondern sich diese Bereiche voller Wärme und Größe entfalten können, um dann ebendiesen erschaffenden Raum wiederum der Instrumentierung darzubieten. Zurückgenommenes Zusammenspiel von Klavier, Schlagzeug, Streicher, Bass und dezenten Bläsern: Man fühlt sich zart an Talk Talk erinnert. 


 


Erneut umschließen sich elektronische und orchestrale Instrumente zu einem Klangbild, das nach zeitloser Vergangenheit klingt. Der Fokus liegt diesmal jedoch stärker auf den reinen Kompositionen und noch weniger auf treibenden Synth-Pop-Beats.
Und die sind vielfältig: Mal verspielt, mal mit mechanischer Präzision tickend, mal mit kathedralischem Hall, filmreifem Sounddesign und steilen Spannungskurven.
Eva Milners Gesang schwebt über alledem – weniger sirenenhaft, als der Albumtitel vermuten lässt, sondern stets klar, präsent und mindestens genauso samtig wie die harmonische Grundlage.


 


Eine Musik, die ihre eigene Spiritualität in sich trägt und ebenso bodenständig wie transzendent wirkt. Dabei bleiben sich Hundreds stilistisch treu und bewegen sich erneut durch ein Spektrum, das von elektrifizierten Clubsounds bis zu sinfonieartiger Grandezza reicht. Ein wirklicher Hochgenuss und eine Platte, die zwar das oft verschriene Label „Made in Germany“ trägt, sich den damit verbundenen gängigen Klischees jedoch verweigert und stattdessen einen internationalen Anspruch verfolgt und erfüllt. Es ist ihr bestes Album seit dem grandiosen Zweitwerk „Aftermath“ (2014)!




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