Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • 10 Schallplatten, die uns gut durch den September bringen


    10. Catherine Wheel - Adam & Eve (LP) (20.9.2019)













    9. Oasis - Definitely Maybe 25 (Yellow Vinyl, 2 LPs) (30.8.2019)













    8. Niels Frevert - Putzlicht (180g LP) (6.9.2019)













    7. a-ha - Minor Earth,Major Sky (2 LPs, Deluxe Edition) (27.9.2019)













    6. Arab Strap - The Week Never Starts Round Here (180g LP) (13.9.2019)













    5. Liam Gallagher - Why Me? Why Not. (Indie Retail Exclusive Limited-Edition, Coke Bottle Green Vinyl, LP) (20.9.2019)













    4. Belle & Sebastian - Days of the Bagnold Summer (OST) (LP) (13.9.2019)













    3. Thees Uhlmann - Junkies und Scientologen (Limited-Deluxe-Box-Set, 3 LPs, 2 CDs) (20.9.2019)











    2. The Boo Radleys - Wake Up (LP) (20.9.2019)












    1. My Life Story - World Citizen (LP) (6.9.2019)














  • Ride - This Is Not A Safe Place


    Spätestens mit ihrem dritten Album „Carnival Of Light“ hatten Ride 1994 den Shoegaze-Mantel abgelegt und sich in traditionellere Psychedelic Rock-Umhänge gehüllt. Das zweite Album nach ihrer 21-jährigen Funkstille untermauert diese Entwicklung und lässt shoegazige Songs, wie beispielsweise „Pulsar“, das im letzten Jahr auf der „Tomorrow’s Shore“ EP veröffentlicht worden war, etwas missen, zeigt die Band jedoch stilistisch breiter aufgestellt. 

    Beim Hören des  ersten Songs „R.I.D.E.“ stellt man sich unweigerlich die Frage, ob Andy Bell zu seinen Oasis-Zeiten vom instrumentalen Konzert-Opener „Fuckin’ In The Bushes“ so angetan war, dass er etwas ähnliches auch für Ride haben wollte. So hören wir bollernden Beats, eine „Ride“-flüsternden weiblichen Stimme, My Bloody Valentine-artigen Gitarrenklängen und denken dabei, dass das Quartett zu diesen Klängen zumindest gut eine Bühne betreten könnte. Das anschließende „Future Love“ ist ein luftiger Gitarrenpop-Song, der sich auch gut 1992 auf „Going Blank Again“ hätte wieder finden können, aber im Rennen um eine Single-Auskopplung gegen „Twisterella“ doch knapp den Kürzen gezogen hätte. 

    Das an New Order erinnernde „Repetition“ lebt tatsächlich von seinen Wiederholungen und zeigt vermutlich am deutlichsten den Einfluss von DJ/Remixer Erol Alkan, der nach dem Comeback-Album „Weather Diaries“ (2017) erneut als Produzent fungierte. Der rockigste Song von „This Is Not A Safe Place“, das auch beim Mixer Alan Moulder (Suede, Editors, Foals, Interpol) auf eine bewährte Kraft setzt, folgt mit „Kill Switch“, das man eher Primal Scream als Ride zuordnen würde. „Clouds Of Saint Marie“ und sein packender Nana Naa, Na Nana Naa-Chor bieten den zweiten Höhepunkt des Album („End Game“ und „In This Room“ sollen später diese Kategorie vervollständigen), bevor „Eternal Recurrence“ einen langatmigen Dreampop-Abschluss der ersten Plattenhälfte bildet.

    This Is Not A Safe Place“ bietet als Doppel-LP 12 Songs in knapp 51 Minuten, ist qualitativ ähnlich einzuschätzen wie sein Vorgänger „Weather Diaries“ (somit ebenfalls besser als „Tarantula“) und bietet einige Songs, die sich gut in die Setliste für die im nächsten Jahr anstehenden Deutschland Konzerte einfügen lassen:
    30.01.2020 Köln, Gloria
    31.01.2020 Hamburg, Gruenspan
    02.02.2020 Berlin, Festsaal Kreuzberg
    03.02.2020 München, Strom

    Dreampop ist jedoch nicht die allein bestimmende Atmosphäre des sechsten Albums, mit Songs wie "Repetition" oder "Kill Switch" dominiert hart peitschender Noise-Pop und Ride zeigen, dass sie schon immer im Shoegaze den eher rockigen Part besetzten.
    Ein Track wie "Jump Set" wird das Herz von Ride-Fan Robert Smith höher springen lassen, ist es durchaus The-Cure-inspiriert. Und "In This Room" erinnert an die zweite berühmte Oxford-Band: Radiohead. Man merkt, dass Andy Bell, der in der Ride-Pause Bass bei Oasis und in Liam Gallaghers Band Beady Eye Gitarre spielte, nun wieder befreit aufspielt – ist er doch neben Mark Gardener die treibende Kraft in Rides Musik. (…)
    Aber alles in allem ist Ride mit diesem Album nach "Nowhere" und "Going Blank Again" – zwei Klassikern des Genres – ihr drittbestes gelungen.
    (Tonspion)




    Im Stile eines Gemischtwarenladens versammeln Ride darauf herrlich hookige Indiepop-Songs („Future Love“), eine astreine New-Order-Hommage („Repetition“), dreckig aufgemotzten Postpunk („Kill Switch“) und mit „Eternal Recurrence“ auch eine entschleunigte Shoegaze-Nummer à la Slowdive. Nur geht bei so viel stilistischer Umtriebigkeit und Retromanie die eigene Handschrift etwas verloren.
    (musikexpress)




    „This Is Not A Safe Place“ ist Shoegaze und gleichzeitig der Beweis dafür, dass etwas, nur weil es aus dem letzten Jahrhundert kommt, nicht im Sud der ritualisierten Selbstbeweihräucherung untergehen muss.
    So sind „Future Love“ und „Jump Jet“ vielleicht die besten Smiths-esken Songs der letzten Jahrzehnte, und das obwohl Brexit-Bad-Boy Morrissey sich alle Mühe gibt, seinen eigenen Heiligenschein möglichst hell scheinen zu lassen.
    Dem einen gehen die Batterien aus, gegen Lithium-Ionen-Akkus hat der werte Werteverfechter und stolze Fortschrittsgegner sicher auch etwas, die anderen sind zwei Jahre nach ihrem Comeback in der Form ihres Lebens.
    Und das nicht nur, weil sie besser darin sind, Indie-Rock in Rohform zu produzieren als diejenigen, die selbst für dessen Entstehung verantwortlich waren, sondern auch, weil sie dem aktuellen Zeitgeist einen ebenso großzügigen Platz auf „This Is Not A Safe Place“ einräumen.
    (musikblog)


  • A Tale Of Golden Keys - Tyry (Music for the film)




    Wo nimmt man am besten einen Soundtrack zu einem Film über eine Reise durch Sibirien auf? Richtig... in Franken. Daher und wegen der Freundschaft zum Filmemacher Kilian Reil kam nur die Band A Tale Of Golden Keys für diese Aufgabe in Frage. Dafür wurde auch gerne die eigentlich geplante kreative Pause nach "Shrimp" unterbrochen.

    Die Kreativität reichte offensichtlich locker für zwei Instrumentals und fünf "vollwertige" Titel. Und mit diesen sieben Tracks präsentiert die Band große Teile ihres Spektrums von melancholischem Post-Rock über sanfte Folk-Einschläge bis zu kräftigen Gitarren. Und plötzlich wird offensichtlich, dass die Kompositionen der Band sowohl als eigenständige Werke taugen aber auch wunderbar als Soundtracks funktionieren können.

    Mit sieben Tracks ist "Tyry" für ein komplettes Album etwas kurz geraten... mit den drei starken Songs "Deep in the woods", "Puzzles" und "Golden" gewinnt allerdings Qualität vor Quantität.

    Und laut Soundmag wirkt das Album auch fast wie ein Film: 
    Auch wer den Film nicht sieht, kann mit „Tyry (Music For The Film)“ zumindest einen imaginären Trip unternehmen. Das Trio schafft es nämlich, mit seinen Stücken ein Gefühl für die sibirischen menschenleeren Weiten zu erzeugen, die genauso schön wie einschüchternd wirken.
    Das Video zu "Puzzles":




    Für Dezember sind drei Konzerte angekündigt:
    • 07.12. Nürnberg
    • 21.12. Berlin
    • 22.12. Hamburg
  • Die Höchste Eisenbahn - Ich glaub dir alles


    Berlin, ca. 1920: Die Wendung „Es ist die allerhöchste Eisenbahn“ kommt auf, nachdem Adolf Glaßbrenner in seinem Theaterstück „Ein Heiratsantrag in der Niederwallstraße“ den zukünftigen, zu Besuch weilenden Schwiegersohn der Familie Kleisisch seinen überstürzten Aufbruch mit diesen Worten erklären lässt. 

    Berlin, ca. 2011: Die Singer/Songwriter Francesco Wilking (Tele) und Moritz Krämer, beide aus Südbaden stammend, treffen aufeinander, planen einen gemeinsamen Auftritt, aus dem sich das Projekt Die Höchste Eisenbahn entwickelt, das im folgenden Jahr von Max Schröder (Tomte, Olli Schulz und der Hund Marie) und Felix Weigt (Kid Kopphausen, Spaceman Spiff) komplettiert wird.

    Hamburg: Tapete Records nimmt Die Höchste Eisenbahn unter Vertrag und veröffentlicht nach der „Unzufrieden“ EP (2012) die Alben „Schau in den Lauf, Hase“ (2013) und „Wer bringt mich jetzt zu den anderen“ (2016).




    Baden-Baden: Die GfK Entertainment GmbH ermittelt die Offiziellen Deutschen Charts und am 2.9.16 erreicht „Wer bringt mich jetzt zu den anderen“ Platz 18 der Album Charts und hält sich drei Wochen in diesen.

    Wendland: In der Ferienwohnung eines Freundes erspielt sich die Band eine Woche lang das, was später das dritte, erstmals von einem außen stehenden Produzenten (Moses Schneider) betreute Album werden wird. 




    Südchina: Eine Frau spricht auf kantonesisch die Grußworte „Hallo. Wie geht es dir? Ich wünsche dir Frieden, Gesundheit und Glück“ ein, die „Aufregend und neu“ und das Album eröffnen. Mit den Plattenkritiken kann Die Höchste Eisenbahn zufrieden und glücklich sein:

    Es sind eine Menge an Eindrücken, die in diesem einen Song auf den Hörer einprasseln. Aber am Ende ergeben sie ein großes Ganzes, denn das kann die Eisenbahn: Hits schreiben. Auf dieser Platte mal solche, die rasch knallen („Job“), mal welche, die smart an den Power-pop der Spätsiebziger erinnern („Louise“), mal welche, mit denen man spielen möchte wie mit einem kleinen Dackelwelpen („Aufregend und neu“). Musikalisch leben all diese Lieder von einer im Vergleich zum Vorgänger gewachsenen Varianz, die sich aber nie allzu ernst nimmt, von einer Vielseitigkeit, die nie dazu neigt, vom Ausstellen der eigenen Fähigkeiten in die Ecke gedrängt zu werden.
    (musikexpress)

    Bei allem Überschwang vergessen Die Höchste Eisenbahn die kleinen Schattenseiten des Lebens nicht, man höre hierzu nur mal das feinsinnige „Enttäuscht“. Und als Idealist hat man es auch nicht immer einfach („Umsonst“). (…) Moritz Krämer und Francesco Wilking sind Meister darin, Alltägliches und Absurdes  zu poetisieren. Auf „Ich glaub dir alles“ werden aus Songs Freunde. Kluge Köpfe, unsere Eisenbahner.
    (Sounds and Books)

    Eingeschworenen Fans wird sicherlich nicht alles gefallen. Aufregend und neu, heißt nicht gleich stimmungsvoll und extatisch. Doch muss man Die Höchste Eisenbahn eines lassen: Glauben würden wir ihnen einfach alles.
    (Bedroomdisco)

    Ghana: Der Künstler Ataa Oko zeichnet das tanzende, grüßende Mensch/Tier/Geist-Weisen, welches das Plattencover von „Ich glaub dir alles“ ziert. Neben der CD und LP gibt es eine limitierte Vinyl-Deluxe Edition: limitierte Deluxe LP (colored Vinyl - orange), Bonus-10“ mit 4 exklusiven Akustik-Versionen (Colored Vinyl - orange), exklusive Baumwoll-Tasche mit Aufdruck und CD in Stecktasche.

    Deutschland / Schweiz / Österreich: Die Höchste Eisenbahn geht von Oktober bis Dezember 2019 auf Tournee:
    18.10.2019 Magdeburg, Moritzhof
    19.10.2019 Leipzig, Täubchenthal
    20.10.2019 Rostock Helgas Stadtpalast
    21.10.2019 Köln, Gloria
    24.10.2019 Hannover, Musikzentrum
    25.10.2019 Erlangen, E-Werk
    26.10.2019 A-Wien, Flex
    27.10.2019 München, Technikum
    29.10.2019 Stuttgart, Im Wizemann
    30.10.2019 CH-Zürich, Papiersaal
    21.11.2019 Berlin, Festsaal Kreuzberg
    22.11.2019 Berlin, Festsaal Kreuzberg
    23.11.2019 Kiel, Die Pumpe
    24.11.2019 Hamburg, Dock’s
    25.11.2019 Bochum, Bahnhof Langendreer
    27.11.2019 Dresden, Tante Ju
    28.11.2019 A-Salzburg, Rockhouse
    29.11.2019 A-Graz, Autumn Leaves Festival
    01.12.2019 Regensburg, Alte Mälzerei
    02.12.2019 Mannheim, Alte Feuerwache
    04.12.2019 Frankfurt, Zoom
    05.12.2019 Münster, Sputnikhalle
    06.12.2019 Trier, Mergener Hof
    07.12.2019 Erfurt, HsD


  • The Murder Capital - When I Have Fears


    Dublin muss man dieses Jahr definitiv auf dem Schirm haben, wenn man die Liste der besten Indie-Rock-Newcomer zusammen stellt. Denn nach Fontaines D.C. schickt die irische Hauptstadt mit The Murder Capital einen weiteren vielversprechenden Starter ins Rennen. 

    Der düstere Post-Punk der Quintetts (James McGovern, Damien Tuit, Cathal Roper, Gabriel Paschal Blake und Diarmuid Brennan) hat sich nach zwei Singles („Feeling Fades“ und „Green & Blue“) als zehn Song starkes Debütalbum manifestiert, das mit „When I Have Fears“ einen passenden Titel gefunden hat. Produzent Flood (PJ Harvey, U2, Nick Cave And The Bad Seeds) belässt der Band ihren rohen unterkühlten Sound, der Erinnerungen an Joy Division, die frühen U2, The Twilight Sad und Idles weckt. 

    Das Album kommt in einer Aufklapp-Hülle als schwarzes oder (in der limitierten Auflage) rot-marmoriertes Vinyl mit Textbüchlein und steht aktuell bei Metacritic bei 82/100 Punkten:

    It’s an outstanding debut from a great new band who play it like they mean it.
    (The Guardian)

    It’s early to say, and its bold for sure, but there are a fair few legendary bands out there that were never quite as good as The Murder Capital are right now.
    (DIY Magazine)




    WHEN I HAVE FEARS erinnert an die Großstadtsumpfmusik, wie sie in den 80er- und 90er-Jahren von Bands wie Crime & The City Solution und Gallon Drunk, The Birthday Party und The Flaming Stars gespielt wurde. Manchmal zieht The Murder Capital das Tempo an, das ausgespuckte „More Is Less“ stellt auch die immer zahlreicher werdenden Idles-Fans zufrieden. Das längste Stück auf dem Album, „On Twisted Ground“, hingegen brodelt scheintot und verdächtig wie die besten Songs von The Twilight Sad – man spürt das Unheil, aber man sieht und hört es nicht. „Feeling Fades“ ist dann einer der vielen großen Momente von Sänger James McGovern, ungerührt vom Auf- und Abschwellen der Musik singt er seine Zeilen über das Umherstreunen in der Stadt, am Ende kulminieren Krach und Stimme im galligsten La-la-la-Refrain aller Zeiten.
    (musikexpress)




    The Murder Capital in Deutschland:
    12.11.19 Hamburg, Molotow Musikclub
    13.11.19 Berlin, Krieg und Frieden
    14.11.19 Köln, Artheater




  • Penny & Sparrow - Finch


    Wer die Wartezeit auf das Ende August erscheinenden neuen Albums von Bon Iver nicht mehr aushält - wollte ich ursprünglich schreiben - dem sei bis dahin „Finch“ von Penny & Sparrow ans Herz gelegt. Doch dann veröffentlichte Justin Vernon letzte Woche überraschend „I, I“ digital und mein Einstieg war hinfällig.

    Aber was soll’s, zerren wir das Duo aus Texas dennoch vors Richterpult: Penny & Sparrow sind Andy Baxter und Kyle Jahnke. Vielleicht auch anders herum. Eindeutiger ist, dass Baxter der Songwriter mit der Gitarre und Jahnke der Lyriker sowie Sänger mit Falsett ist. Beide trafen sich erstmals an der Universität in Austin und neben einer Freundschaft entwickelte sich die Erkenntnis, dass sich sich musikalisch und textlich sehr gut ergänzen. 2013 veröffentlichten Penny & Sparrow selbst „Tenboom“, dem auf unterschiedlichen Indie-Labels drei weitere Alben (sowie eine Sammlung von Weihnachtsliedern) folgen sollten. „Finch“ bietet zehn ruhige bis entrückte Folksongs, die an R&B nicht vorbei schielen, Streicher inkludieren und textlich gegen die in den konservativen Südstaaten vorherrschende „weiße evangelikale christliche männliche Perspektive“ anzugehen versucht.

    Das Album wurde via Thirty Tigers als CD, LP und digital veröffentlicht. Und zwar zeitgleich am 2. August.   




    Sonically, there is a smooth and soaring feel to most of the tracks, yet each has its own distinct energy. "Recuerda" is love song heavy on crooning, while "Don't Wanna Be Without Ya" gives way to a galloping pace as the concept of reincarnated lovers is explored. "Long Gone" is sexy and sultry and highlights the fact that Baxter can absolutely sing a slow jam.
    Ultimately, rich and breathy vocals with a slight choral effect carry the day here. There's a dependable luster to Penny & Sparrow's songs. Songs begin dour, but eventually find their footing and reveal hope amid bass lines and light guitar.
    (abc News)





  • Fionn Regan - Cala


    Außerhalb seiner irischen Heimat scheint Fionn Regan ein Geheimtipp zu bleiben. Schon im benachbarten Königreich schwindet sein Ruhm deutlich, wie Platz 123 für sein Debütalbum „The End Of History“ (2006) deutlich belegt. Da hat es auch wenig geholfen, dass Bon Iver ihn auf seinem Album „22, A Million“ sampelte, der Schauspieler Rhys Ifans sich Lyrics („Be Good Or Be Gone“) von ihm auf dem Arm verewigen ließ und sich Ellie Goulding oder Andrea Corr als Fans von ihm outeten. 

    Zumindest die Kritiker wissen den 38-jährigen Iren zu schätzen, denn schließlich war er bereits für zahlreiche Preise nominiert (Meteor Music Award, Choice Music Prize, Mercury Music Pricze, Shortlist Prize) und auch sein neues, mittlerweile sechstes Album erhielt gute Reviews.

    „Cala“ entstand, wie auch das Debütalbum, in Fionn Regans Haus in Bray, einem Küstenstädtchen unweit von Dublin, wurde von ihm im Alleingang eingespielt, setzt größtenteils auf verhaltenen Gesang, Akustikgitarre sowie dezente Percussion-, Elektronik- und Piano-Untermalung, schreibt Melancholie groß, wurde letzten Freitag veröffentlicht und ist Freunden von José González, Bon Iver, William Fitzsimmons und Charlie Cunningham zu empfehlen.




    Erst bei mehrmaligem Hören eröffnen sich kleine Nuancen, und man beginnt zu verstehen, dass genau in dieser Ruhe die Attraktivität der Stücke liegt. Die ersten drei Songs "Collar of fur", "Head swim" und "Riverside Heights" lullen den Hörer mit ihren frohstimmenden Melodien, die sowohl an José González, als auch an Damien Jurado erinnern, ein, bevor mit "The ocean wave" der verträumte Ambient-Teil des Albums beginnt, der teilweise auch erstaunlich düstere Songs ("Glaciers") bietet. Der Titeltrack erinnert anfangs an The xx, öffnet sich dann allerdings gegen Ende in eine dichte Soundwand, deren einzelne Elemente nach und nach zu versickern scheinen. Der Closer "Under the waves / Tokyo" weckt zu Beginn Erinnerungen an Elliott Smiths "Independence day" und kurz darauf entfernt an die Zartheit von Sufjan Stevens' "Mystery of love", das Gitarrenspiel löst Regan zum Schluss in ein bedrohliches Brummen auf.
    (Plattentests)




    Der zunächst nur schwach wahrnehmbare, später eindringlicher werdende Gesang entwickelt sich von einer Art weiterem Instrument zum dominanten Faktor, die gemächliche Atmosphäre zwischen Folk, Pop und ein wenig Ambient-Leichtigkeit reißt ganz unvermittelt vom Hocker, wenn auch in aller Gemächlichkeit. Ähnliches gelingt „Glaciers“, dessen dezent schroffe Note mit fortlaufender Spieldauer an Intensität gewinnt und das unorthodoxe Beat-Konzept abermals befeuert.
    Natürlich serviert der Ire dennoch ebenso klassiche Kost. Der Opener „Collar Of Fur“ serviert feinste Singer/Songwriter-Klänge, „Head Swim“ vertieft die folkige Ausprägung mit zusätzlichen Spuren und reduzierter Kauzigkeit – ein wenig an J Mascis‚ Solo-Balladen angelehnt – während „Brass Locket“ bewegende Leichtigkeit durch archetypische Pop-Schemata klopft. Im abschließenden „Under The Waves / Tokyo“ finden sämtliche Welten schließlich zusammen für ein losgelöstes Stück Musik der ungewohnten wie harmoniebedürftigen Sorte.
    Wer Regans bisherigen Output mochte, wird auch „Cala“ lieben.
    (beatblogger)





  • Dirk Darmstaedter - Strange Companions


    Neulich beim A Summe’s Tale Festival hatte ich bis zuletzt gehofft, dass The Jeremy Days noch bestätigt werden würden, denn der Festivalveranstalter ist auch in „The Unlikely Return“ Tour involviert, welche die Band im kommenden November/Dezember in acht deutsche Städte führen wird. Leider gab es keinen Auftritt in der Lüneburger Heide, aber mit Enno Bunger war dann in der letzten Bandwelle noch ein Volltreffer dabei und der kurzfristige Ausfall von Dermot Kennedy wurde durch Kettcar weit mehr als nur gut ausgeglichen. So werde ich das Frankfurter Konzert der Jeremy Days, die ich vor 27 Jahren erstmals in Köln live sah, besuchen und nicht mehr traurig sein, dass ich im Januar nicht nach Hamburg zum „einmaligen“ Comeback-Auftritt fahren konnte.
    Nachdem aus einem Konzert eine ganze Tournee wurde, fragte ich mich natürlich auch, ob es vielleicht auch neue Musik der Jeremy Days geben würde - um so überraschter war ich, als ich die Ankündigung eines neuen Soloalbums von Dirk Darmstaedter las.

    Auf „Strange Companions“ hält uns Darmstaedter mit nur 10 Songs zwar etwas knapp, merzt im Gegenzug jedoch das einzige Manko des Vorgängers „Beautiful Criminals“ (13 Lieder; 2016) aus, denn das Album ist auch wieder als Langspielplatte erhältlich. Seit 1988 hat er zahlreiche Alben mit The Jeremy Days , unter dem Namen Me And Cassity oder in Zusammenarbeit mit Bernd Begemann veröffentlicht, aber „Strange Companions“ ist jetzt das dritte Album unter seinem eigenen Namen in Folge und gleich beim ersten Song, der Hamburg-Stadtteil-Ode „Wilhelmsburg“, stellt sich das klassische Darmstaedter-Gefühl ein, das man mit zeitlosem Gitarrenpop treffend beschreiben kann. Der Titelsong und „Thirty Seconds“ sind wieder einmal schwerlich aus den Gehörgängen zu bekommen, werden aber noch von „Don’t Want To Feel Like Myself Tonite“ übertroffen, das tatsächlich die Antwort auf die Frage „Kennst du einen guten Song, auf dem gepfiffen wird?“ gibt. „Love Will Find Me A Wheel“ lässt Bläser groß aufspielen, der Rock ’n‘ Roll-Song „Deborah“ ist sicherlich das Lieblingslied von Bernd Begemann und das abschließende „You Can Do Anything“ beschwört tatsächlich The Jeremy Days herauf, was die Vorfreude auf deren Konzert sowie die im nächsten Jahr folgende Solo-Tournee (Termine stehen noch nicht fest) noch einmal steigert. 




    Dirk Darmstaedters Musik auf „Strange Companions“ erinnert zeitweise immer häufiger an John Hiatt, nicht die schlechteste Reverenz. Und natürlich scheint auch der von Darmstaedter verehrte Lloyd Cole immer mal wieder durch, in „The Sea Bevor Us“ mit einem düsteren Unterton. Klassisches Singer-Songwritertum und Catchyness-Pop gelingt ihm in schönster Weise beim Titelsong „Strange Companions“. Ein aufmunterndes Pfeifen begleitet das durch seine Fröhlichkeit geprägte, ansteckende „Don’t Want To Feel Like Myself Tonite“, das vom sehnsüchtigen „Thirty Seconds“ abgelöst wird. Kein Song auf „Strange Companions“ fällt gegenüber den anderen qualitativ ab. Das flotte Rock’n’Roll-Stück „Deborah“ gefällt, das bläserverstärkte und majestätische „Love Will Find Me A Wheel“ sowieso und der abschließende, fast gespenstische Eighties-Indie-Rock bei „You Can Do Anything“ erst recht. Ja, so funktioniert sie, die intelligente Songwriter-Popmusik.
    (Sounds And Books)

    The Jeremy Days unterwegs:

    22.11.19 München, Ampere
    23.11.19 Berlin, Lido
    24.11.19 Hamburg, Gruenspan
    26.11.19 Hannover, Musikzentrum
    27.11.19 Bochum, Zeche
    29.11.19 Köln, Stollwerck
    30.11.19 Frankfurt, Zoom
    01.12.19 Stuttgart, Wizemann




  • Enno Bunger - Was berührt, das bleibt


    Vom Regen in die Traufe. Sah Enno Bunger auf seinem letzten Albumcover noch aus wie ein begossener Pudel, so hat ihn das Leben erst vor seinem aktuellen Album unter die Tropfkante des Daches gestellt und so richtig mit Schicksalsschlägen übergossen. „Was berührt, das bleibt“ ist Pop gewordene Selbsttherapie und wenn der Titel stimmt, dann wird Bungers viertes Album lange Zeit überdauern. 

    Wir hören das Leben feiernde Durchhalteparolen („Kalifornien“) und fürchten im Hier und Jetzt zelebrierenden „Bucketlist“ ein wenig die Max-Giesingerisierung von Enno Bunger. In der als Song verpackten Trauzeugenrede „Ponyhof“ werden wir selbst Zeugen seiner langjährigen Freundschaft mit seinem Schlagzeuger Niels Dietrich. Wir schöpfen Trost aus „Stark sein“, welches die Zeit der Chemotherapie seiner Freundin Sarah thematisiert und finden Halt im bewegenden „Konfetti“, einem ergreifenden Klagelied für Lena, die viel zu früh verstorbene Frau seines besten Freundes. Und dann drehen wir die Schallplatte rum…

    Wenn ich auf „Was berührt, das bleibt“ etwas vermisse, dann sind dies die wichtigen politischen und gesellschaftskritischen Worte, die Enno Bunger auf „Flüssiges Glück“ neu gefunden hatte. Jedoch konnte ich mich neulich beim A Summer’s Tale Festival davon überzeugen, dass er auf Konzerten zu „Wo bleiben die Beschwerden?“ weiterhin deutliche Statements abgibt. 

    Das sind die anstehenden Konzerttermine von Enno Bunger:

    08.10.19 Essen, Zeche Carl
    09.10.19 Hannover, Musikzentrum
    10.10.19 Dresden, Beatpol
    11.-12.10.19 Nürnberg, Nürnberg.Pop Festival
    13.10.19 München, Ampere
    14.10.19 AT-Wien, Chelsea
    16.10.19 Leipzig, Werk 2
    17.10.19 Göttingen, Musa
    18.10.19 Hamburg, Grosse Freiheit 36
    19.10.19 Berlin, Festsaal Kreuzberg
    21.10.19 Würzburg, Cairo
    22.10.19 Frankfurt, Mousonturm
    23.10.19 Stuttgart, Im Wizemann (Club)
    24.10.19 Heidelberg, halle02 club
    25.10.19 CH-Zürich, Bogen F
    26.10.19 Freiburg, Jazzhaus
    28.10.19 Erfurt, Franz Mehlhose
    29.10.19 Bremen, Schlachthof
    30.10.19 Köln, Gloria
    01.11.19 Osnabrück, Rosenhof
    02.11.19 Magdeburg, Moritzhof
    03.11.19 Rostock, Helgas Stadtpalast






    Musikalisch wird WAS BERÜHRT, DAS BLEIBT im Laufe seiner Spielzeit immer beerdigungstauglicher: Je länger das Album dauert, desto mehr wird der bisweilen aufdringlich konventionelle Indie-Rock zurückgefahren, bis nur mehr Bungers zurückhaltendes Klavier, ein paar karge elektronische Sounds und seine Sprechstimme bleiben.
    (musikexpress)




    Was beim letzten Mal noch luftig locker in Richtung Mittagssonne schielte („Flüssiges Glück„) schiebt diesmal alle Oberflächlichkeiten rigoros beiseite. Piano-Balladen, minimalistische Elektro-Spielereien und atmosphärische Pop-Klänge bilden das Fundament auf dem Enno Burger seine Gefühle und Gedanken ausbreitet.
    Ungefiltert, ungeschönt und tiefgehend bis ins Mark bohren sich die Lieder in die Köpfe all jener, die deutschsprachiger Musik vor allem abseits des Mainstreams etwas abgewinnen können. Enno Bunger steht im Sommer 2019 ganz oben auf dem Tiefgang-Treppchen. Und das auch völlig zu Recht.
    (musikblog)






  • Hand Habits - Placeholder


    Gestern fielen hier bei der Vorstellung von Bon Ivers „I, I“ die Namen Chris Messina, Brad Cook und Hand Habits, daher ist dies der passende Zeitpunkt, um auch noch die Vorladung für „Placeholder“ nachzuholen.

    „Placeholder“ ist nach dem vor zwei Jahren erschienenen „Wildly Idle (Humble Before The Void)“ das zweite Album von Hand Habits, dem Projekt von Meg Duffy, einer aus der Nähe von New York stammenden, aber derzeit in Los Angeles residierenden Gitarristin und Singer/Songwriterin. Chris Messina sorgte für das Engineering der 12 größtenteils verträumten Folk-Songs, die übrigens in Justin Vernons „April Base“ Studio aufgenommen wurden, und Brad Cook spielte auf nahezu allen Liedern Bass und zudem Synthesizer, Mellotron oder Omnichord.   

    Dass Meg Duffy für „Placeholder“ von Saddle Creek Records unter Vertrag genommen wurde, ist bei der musikalischen Nähe zu Azure Ray, Bright Eyes, Adrianne Lenker, Tomberlin und Big Thief  nur allzu verständlich. Die Kritiker können sich der Magie von „Placeholder“ nicht entziehen und daher steht das Album bei Metacritic aktuell bei 83/100 Punkten - und damit etwas besser als „I, I“.




    placeholder is the sound of Hand Habits hitting their stride, and playing to their strengths before anyone listening even realised what those strengths were. The guitar heroics of Duffy’s time in Morby’s band have yielded to an inspired flair for arrangements, piercing turns of phrase and the sound of an artist—and a person—truly finding themselves. It may be too soon to start pondering year-end lists at this point in time, but you should definitely consider about holding a place for Hand Habits.
    (The Line Of Best Fit)




    Duffy's latest full-length album, placeholder, is a lethargic collection of breezy soft rock, one that's free of excess—besides the minute of glitchy oblivion on "heat," though it still fits in rather snugly—and instead a direct and addictive batch of songs that will shatter your heart one minute and help you pick up the pieces a few minutes later. On "pacify," one of the album's most memorable moments, Duffy incorporates each of placeholder's exact highlights—gentle, infinitely melodic acoustic guitars, and a richly layered aesthetic that is well defined and easily identifiable. This is where placeholder takes shape and eventually unfolds into a mesmeric journey of tedious attention to detail and songwriting.
    (Under The Radar)





  • Bon Iver - I, I


    10 Fakten zum neuen Album von Bon Iver:

    1. Digital ist besser, sag(t)en Tocotronic. Ob das stimmt, sei einmal dahin gestellt. Offensichtlich ist digital aber schneller, denn als Download ist das viert Album von Bon Iver seit dem 9. August verfügbar. Eine Veröffentlichung als CD und LP erfolgt erst am 30. August.

    2. Die LP erscheint auf schlichtem schwarzem Vinyl, hat aber folgende Spezifikationen zu bieten: 33 1/3 RPM 12" vinyl LP inside a matte finished gatefold jacket with spot gloss inks, wrapped in a clear plastic printed sleeve, and contains a full-color 28 page booklet.

    3. Menschen, die noch CDs kaufen bekommen dies geboten: 6-panel matte finished wallet with spot gloss inks, wrapped in a clear plastic printed sleeve, and contains a full-color 28 page booklet + disc with special varnishes.

    4. Der Albumtitel „I, I“ wird folgendermaßen ausgesprochen: „I Comma I“. Insgesamt laufen die 13 Songs 39:34 Minuten.

    Wieder hört man auf dem Album die oft in Falsett-Höhen schwebende Stimme des Musikers aus Wisconsin, umgeben von Elektro-Experimenten («iMi»), gelegentlich aber auch traditionell begleitet von Klavier («U Man Like») oder Bläsern («Naeem», «Marion»). Damit klingt die Platte wie eine logische Fortsetzung des Vorgängers «22, A Million» - auch hinsichtlich der oft kryptischen Songtitel.
    (Stern)

    5. Wie bei den drei Vorgängern fungierte Justin Vernon selbst als Produzent, wurde diesmal jedoch von Chris Messina (Bruce Hornsby, S. Carey, Big Red Machine, The Staves, Hand Habits) und Brad Cook (Hiss Golden Messenger, Waxahatchee) unterstützt. Die Aufnahmen fanden erneut in seinem eigenen „April Base“ Studio, einer umgebauten Tierklinik, in Eau Claire, Wisconsin statt. Zudem im weltgrößten Studiokomplex, der Sonic Ranch in El Paso, Texas.

    Gewohnt frickelig geht es los, kaum noch Autotune, eine Prise Gospel, tieftraurige Melodien und Songstrukturen, die man eigentlich Songchaos nennen müsste. Eingangs muffelt, kratzt und zwitschert noch etwas zu sehr, mittlerweile weiß man, dass das – ja, ja – nach dem dritten Durchhören nicht mehr auffällt, spätestens beim fünften ein Highlight wird und zwei Tage später sowieso schon die ganze Zeit toll war.
    Stichwort Highlight: Hey, Ma. Kleiner Skrillex-Vocal-Chop, In-the-Air-Tonight-Atmosphäre UND ein funky Bass um diese ewig klagende Stimme, in deren Drama man sich sofort verliert. Dieses Mal nicht nur Depression, sondern auch Protest, auch sichtlich genervt sein.
    (…) Was ein bisschen fehlt: der Groove. Überall schwebt und trägt und falsettot es, dass sich sich die Balken biegen. So ganz ohne Drums, ohne Funkyness ist das zeitweise ein wenig neblig. Aber nur ein klitzekleines Wenig.
    (Pretty in Noise)

    6. Sonderzeichen, Symbole und Zahlen sind aus den Liedtiteln seit „22, A Million“  verschwunden. An der ungewöhnlichen Groß- und Kleinschreibung wird teilweise festgehalten („iMi“, RABi“), Songtitel wurde möglichst kurz gehalten (10 Titel bestehen nur aus einem Wort) oder gekürzt (aus dem Arbeitstitel „We Maddie Parry“ wurde „We“).

    7. Bon Iver schreiben jedes Album einer bestimmten Jahreszeit zu: „For Emma, Forever Ago“ (Winter), „Bon Iver“ (Frühling), „22. A Million“ (Sommer) und „I, I“ folglich dem Herbst.




    8. „Hey, Ma“ und „U (Man Like)“ wurden vorab im Juni als Singles ausgekoppelt und konnten sich auf Rang 17 bzw. 50 der US Rock Charts platzieren.




    9. Kommen wir zu den bekanntesten der zahlreichen Gastmusiker: James Blake und Aaron Dessner sind auf „iMi“ zu hören, Moses Sumney und Bruce Hornsby bei „U (Man Like)“ und Bryce Dessner u.a. auf „Faith“.

    10. Bei Metacritic schneidet „I, I“ mit 82/100 Punkten sehr gut ab, jedoch nicht so herausragend wie seine Vorgänger: „For Emma, Forever Ago“ (88/100; 2008), „Bon Iver“ (86/100; 2011) und „22. A Million“ (87/100; 2016).



  • The Supernaturals - Bird Of Luck



    Im gleichen Jahr wie die gestern vorgestellten Hurricane #1 feierten auch The Supernaturals ihr Comeback, auch wenn die Phase ohne Albumveröffentlichung bei der Band aus Glasgow „nur“ 13 Jahre dauerte.  

    Zwischen 1996 und 1999 hatten the Supernaturals fünf Top 40 Singles im Vereinigten Königreich und „Smile“ konnte in der Britpop-Hochzeit bis auf Platz 23 klettern. Das dazugehörige Album „It Doesn’t matter Anymore“ erreichte sogar die Top Ten (#9). Nach „A Tune A Day“ (1998; #21) konnte „What We Did Last Summer“ 2002 kaum noch Käufer finden und die Charts verfehlte, so dass sich die Band eine längere Auszeit gönnte. Nachdem vor vier Jahren „360“ bei einem kleinen Indielabel erschienen war, vertreibt die Band ihr fünftes Album nun selbst.

    „Bird Of Luck“ bietet elf sommerliche, entspannte Gitarrenpop-Songs, die den Geist von The Beatles („Bird Of Luck“, „Summer Girl“) bzw. John Lennon („Well Well Well“), The Kinks („Magpie“) oder Madness („At This Time Of Year“) in sich tragen.




    And if Bird of Luck is more mellow than previous Supernaturals records, stuff like "Chill Pill", for example, suggests that the band have been looking farther afield for inspiration than just the sort of power pop that fueled the first two perfect Supernaturals albums. James McColl and crew are taking some real chances here, and they mostly pay off. I mean, "Summer Girl" is elegant, and an indication that a band who rose to fame for tunes that were largely bright and punchy is capable of making music that's more deliberate and considered. That the tune cribs from "Something" doesn't hurt too much either. It's on the stunning "Country" where things all come together this time around. The song celebrates the band's home of Scotland while using love of country as a metaphor for love for a partner. And while that sounds awkward on paper, it works spectacularly here, with the cut one of the best the band's ever recorded. Concise and clever, and built upon a chord structure that suggests Bacharach and Wilson, and maybe even McCartney, "Country" is a reminder of just what a spectacularly talented lot The Supernaturals are and remain.
    (A Pessimist Is Never Disappointed)





  • Hurricane #1 - Buddha At The Gas Pump


    Offensichtlich war dem vor vier Jahren bei Tapete Records veröffentlichten „Find What You Love And Let It Kill You“ nicht besonders viel Erfolg beschienen, denn seitdem hat man von Hurricane #1 hierzulande nichts mehr gehört. Das Comeback-Album nach 16 Jahren Funkstille kam hier bei Platten vor Gericht zumindest auf einen glatten 7-Punkte-Durchschnitt und das Vinyl fand zumindest Einzug in meinen Plattenschrank, was dem deutschen Indie-Label offensichtlich nicht ausreichte, um die Kooperation fortzuführen. 

    Die Band von Sänger Alex Lowe hat aber dennoch seitdem mit verändertem Lineup (Jon Roberts (Gitarre), Stuart Fletcher (Bass) und Chris Campbell (Schlagzeug)) weiter musiziert, Alben aufgenommen und veröffentlicht! 

    2016 erschien über Rooster Records „Melodic Rainbows“. Jedoch nur als CD und ausschließlich in Japan. Mitbekommen hatte ich das damals nicht. Und nur durch Zufall entdeckte ich, dass seit April „Buddha At The Gas Pump“ erhältlich ist. Bei Blossöm Records und bisher nur als digitaler Download. Wenn das Label die Musik den Genres „shoe-gaze, punk rock“ zuschreibt, muss man sich jedoch fragen, ob sie die Musik jemals gehört haben, denn die akustische Gitarre dominiert den getragenen Britpop von Hurricane #1, zu dem sich an den passenden Stellen auch Streicher, Orgel und Piano gesellen. „No Escape“ ist der rockige Ausreißer (mit Abstrichen könnten noch „Shine On Through“ und „Broken Hearted“ genannt werden) und „What About Love“ wäre der potenzielle Single-Nachfolger für „Step Into My World“ oder „Only The Strongest Will Survive“.




    Leider konnte ich keine Plattenkritik zu „Buddha At The Gas Pump“ finden und es existiert auch keine Homepage oder Bandcamp-Seite von Hurricane #1. Somit wird wohl auch dieses Album eher unbeachtet bleiben...


  • Marika Hackman - Any Human Friend


    Und der Sonderpreis für das beste - nein, nicht Plattencover - Gimmick zu einer Plattenveröffentlichung geht dieses Jahr an Marika Hackman. Denn als „Full Package“ gibt es neben der signierten, farbigen LP, CD, limitierten Kassette und dem rosa-schwarzen Ferkel-Anstecker noch die formschöne Unterhose (Y-Front Pants). Und anstatt „Calvin Klein“ gibt es dort, passen zum Chorgesang des Songs „The One“ den Aufdruck „Attention Whore“ zu lesen. 

    Ein Plattencover mit Schweinchen hatte Tori Amos für „Boys For Pele“ auch schon einmal ausgewählt, aber mit deren Piano-Pop hat „Any Human Friend“ von Marika Hackman wenig zu tun. „Wanderlust“ präsentiert die Engländerin ähnlich spärlich instrumentiert wie sie selbst auf der Plattenhülle bekleidet ist. Doch schon beim zweiten Song „The One“, den Hackman selbst als „probably the poppiest song I’ve ever written“ beschreibt, überrascht sie erst- und nicht letztmals durch den Einsatz von Synthesizern. Möglicherweise ist dies der Einfluss ihres Co-Produzenten David Wrench, der selbst mit Synthpop experimentiert und als Mixer und Toningenieur bereits für Caribou, The xx, Bat For Lashes, Guillemots, Fanfarlo, Everything Everything oder Beth Orton tätig war. 

    Neben diesem, zieht sich ein weiterer roter Faden durch das dritte Album von Marika Hackman, denn textlich wendet sie sich - Titel wie „Blow“, „Hand Solo“ oder „Conventional Ride“ lassen es schon erahnen - den Themen Sexualität und Intimität zu: “This whole record is me diving into myself and peeling back the skin further and further, exposing myself in quite a big way. It can be quite sexual. It’s blunt, but not offensive. It’s mischievous.” 







  • Swain - Negative space



    Als Grunge in aller Munde war, wurde häufig vom den Verbindungen dieses Genres zum Punk gesprochen. Nachvollziehbar war das für mich nur in begrenztem Umfang. Mit ihrem Debüt "Howl" im Jahr 2013 feierte die Band Swain noch den Punk, während sie sich mit dem Nachfolger "The long dark blue" drei Jahre später Grungeklängen zugeneigt zeigte. Eine mögliche Begründung dafür lieferten sie mit dem Song "Punk-rock messed you up, kid!". Zumindest in der Entwicklung der Band scheint sich die oben erwähnte Behauptung bezüglich Punk und Grunge zu bestätigen.

    Mit "Negative space" legt Swain nun das dritte Album vor und dieses ist eine gelungene Mischung aus Alternative, Grunge und Indierock. Beim ersten Durchlauf war ich überrascht über den Verlauf des Albums: Spätestens am dem vierten Titel "Skin on skin" zeigt sich die Band sehr introvertiert und dieser Eindruck wird durch einige wirklich mitreißende Melodien und Harmonien in den folgenden Songs unterstrichen. Ich bin gespannt, wie es mit Swain weitergeht!

    Meine Anspieltipps sind "Negative space", "Skin on skin" (mit Gast-Beitrag von Casper), "Fistful of hair" und "Self".

    Minutenmusik meint:
    Swain lassen einen in ihre düstere Gefühlswelt ein und machen dabei keine Kompromisse – weder in den Texten, noch in der Musik oder der Produktion. Diese Konsequenz und Zielorientierung machen „Negative Space“ zu einem der spannendsten Alben des laufenden Jahres. Trauer kann doch manchmal so schön sein.

    Das Video zu "But then what?":


    Und das zum Titelsong:
  • Die 10 besten Alben von Prince

    10. Lovesexy (1988)
    9. Diamonds And Pearls (1991)
    8. 3121 (2006)
    7. 1999 (1982)
    6. The Gold Experience (1995)
    5. Dirty Mind (1980)
    4. Sign O' The Times (1987)
    3. Parade (1986)
    2. Purple Rain (1984)
    1. Around The World In A Day (1985)

    (ausgewählt von Volker)