Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

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Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • The S.L.P. - The S.L.P.



    Kasabian ist eine tolle Band. Auf vier starke Alben seit Veröffentlichung des Debüts vor 15 Jahren folgte das mittelprächtige "48:13". Mit "For crying out loud" fand die Band aus Leicester wieder zurück in die Spur. 

    Nun veröffentlichte Gründungsmitglied und Gitarrist / musikalisches Multitalent / Songwriter Sergio Pizzorno als The S.L.P. sein erstes Soloalbum. Wenn der musikalische Kopf einer Band eine Solowerk veröffentlicht, drängt sich natürlich der Vergleich mit seiner Stammmannschaft auf: "The S.L.P." verleugnet die Nähe zu Kasabian nicht, doch an die Stelle von "Rock" tritt Pizzornos Experimentierfreude. Über die Jahre und seine Arbeit für TV Musik hat er offensichtlich genügend Ideen und Fragmente gesammelt, um ein intensives, extrem vielseitiges und rundum gelungenes Album zu füllen. Experimentierfreudig war sicherlich auch "48:13", aber "The S.L.P." geht im besten Sinn wesentlich souveräner mit den Ideen um.

    Die Highlights sind der atmosphärische Einstieg "Meanwhile... in Genova", "Lockdown", "The Wu" und "Favourites" (auch dank Little Simz' Gastbeitrag). Irgendwie "besonders" ist auch "Nobody else".

    NME:
    This album is the stylish and streetwise mash-up of genres that you’d hear on an UNKLE or Gorillaz record. It never really blasts off, but this time it’s more about the journey than how fast you get there.

    Das Video zu "Nobody else":


    "Favourites":

  • Belle & Sebastian - Days Of The Bagnold Summer


    Das bisher schwächste Album von Belle & Sebastian ist - da muss man nicht diskutieren - „Storytelling“, der Soundtrack zum gleichnamigen Film von Todd Solonz, aus dem Jahr 2002. Mit Sorge vernahm man daher, dass es sich bei „Days Of The Bagnold Summer“ ebenfalls um die musikalische Untermalung eines Film - in diesem Fall um die filmische Umsetzung der Graphic Novel gleichen Titels von Joff Winterhart - handeln würde. 

    Aber Regisseur Simon Bird überraschte wohl auch die Band mit dem Wunsch nach der Verwendung von Belle & Sebastian-Klassikern („I Know Where The Summer Goes“ und „Get Me Away From Here I’m Dying“), die hierzu neu aufgenommen wurden, und outete sich als Fan der Schotten, der auch das ältere und bisher sowohl unveröffentlichte als auch nicht fertiggestellte „Safety Value“ in seinem Film haben wollte. 

    Zwar wurde im Gegensatz zu „Storytelling“ glücklicherweise auf das Einfügen kurzer Monologe verzichtet (sie finden sich im abschließenden „We Were Never Glorious“ integriert), an den Instrumentals „Jill Pole“ und „The Colour’s Gonna Run“ führte aber leider kein Weg vorbei. Die musikalischen Tendenzen der letzten Veröffentlichungen von Stuart Murdoch & Co. (Stichworte Disco, Elektropop und Funk) blieben außen vor und mit „Safety Value“, dem nach „Sally Cinnamon“ (The Stone Roses) klingenden „Sister Buddha“, „Did The Day Go Just Like You Wanted?“ und dem zarten, von Sarah Martin gesungenen „Another Day, Another Night“ finden sich klassische Folk- und Indiepopsongs, die auch gut in die Frühphase der Band passen würden. Besser als „Storytelling“ ist „Days Of The Bagnold Summer“ somit auf jeden Fall.




    Ganz anders dagegen die leisen "I'll keep it inside" und "Another day, another night", die von nicht viel mehr als einer Gitarre und den Stimmen von Sarah Martin und Stuart Murdoch zehren. Die zarte Fragilität wird noch dadurch unterstrichen, dass beide Songs zusammengenommen auf gerade einmal dreieinhalb Minuten kommen und ihnen aufgrund ihrer Kürze etwas Skizzenhaftes, Unfertiges anhaftet. Da glimmt er für einen Augenblick wieder auf, der Zauber der vergangenen Zeiten. (…)
    "Days of the Bagnold summer" verzichtet auf den ganz großen Pomp und knüpft an die frühe und mittlere Phase der Band an. Einziger Ausreißer ist die erste Single, "Sister Buddha", die mit ihrem breiten Sound, dem treibenden Schlagzeug und den perlenden Gitarren locker "Girls in peacetime want to dance"" entsprungen sein könnte. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Belle & Sebastian heuer nicht mehr diese prickelnde Begeisterung entfachen wie zu ihren Anfangszeiten. Müssen sie aber auch nicht. So lang ist man nun schon miteinander gegangen, so vertraut ist man mittlerweile, da bereitet jedes Wiederhören einfach Freude.
    (Plattentests)






  • The Lumineers - III


    10 Fakten zum neuen Album von The Lumineers:

    1. Der Albumtitel „III“ weist nicht nur darauf hin, dass es sich um das dritte Album der Lumineers handelt, sondern bezieht sich auch auf die 3 Kapitel, in welche die Platte unterteilt ist: Jedes Kapitel konzentriert sich auf eine Figur der fiktiven Sparks-Familie, deren drei Generationen umspannende Geschichte (Gloria, ihr Sohn Jimmy und ihr Enkel Junior) erzählt wird.

    2. Das freut die Fans der Lumineers: Die Wartezeit zwischen den Alben hat sich verkürzt. Vergingen zwischen „The Lumineers“ und „Cleopatra“ noch 1467 Tage, so mussten sie auf das am 13. September veröffentlichte „III“ nur 1254 Tage warten.

    3. Das freut die Fans weniger: Mit 10 Liedern, darunter das 50-sekündige Instrumental „April“, gibt es weniger Songs als auf den beiden Vorgängern zu hören. Zumindest die Spielzeit (37;47 Minuten) liegt zwischen den beiden anderen Alben.

    4. Wie bei den Vorgängern gibt es auch Bonustracks, aber auch hier hat die Band etwas gespart, denn es sind nur deren drei. Darunter ist auch wieder eine Coverversion: Nach Bob Dylan und Talking Heads widmet sich die Band nun Leonard Cohen („Democracy“). Nicht auf dem Album enthalten ist „Nightshade“, das  im April auf „For the Throne: Music Inspired by the HBO Series Game of Thrones“ erschienen war.

    5. Bei den Lumineers, die im Kern aus Wesley Schultz und Jeremiah Fraites bestehen, gab es einen Wechsel im Lineup: Lauren Jacobsen vervollständigt die Live-Band um Stelth Ulvang, Byron Isaacs und Brandon Miller. Neyla Pekarek hat diese nach acht Jahren verlassen, um sich auf eine Solo-Karriere zu konzentrieren.

    6. Kontinuität gab es jedoch hingegen bei der Wahl des Produzenten: Simon Felice übernahm wie auf „Cleopatra“ diese Aufgabe.




    7. Als erste Single wurde „Gloria“ ausgewählt und wurde zur vierten Nummer 1 der Band in den Charts der US Alternative Songs. Ihr größter Hit bleibt „Ho Hey“, das bis auf Platz 3 der Billboard Hot 100 kam.

    8. „III“ ist als Download, CD und Doppel-LP (schwarzes Vinyl) erhältlich. Die limitierte Auflage bietet die beiden Schallplatten auf weißem Vinyl.




    9. Als zweite Single wurde „It Wasn't Easy To Be Happy For You“ ausgewählt. Die einzelnen Kapitel der Familiengeschichte werden jedoch in weiteren Videos weiter erzählt. Hier sieht man beispielsweise „Donna“, „Life In The City“, „Leader Of The Landslide“ oder „Left For Denver“.

    10. Auf ihrer im November startenden Europa-Tournee werden the Lumineers auch in Deutschland gastieren: München (07.11.19, Zenith), Hamburg (13.11.19, Sporthalle), Berlin (14.11.19, Verti Music Hall) und Köln (19.11.19, Palladium) sind die vier Stationen.

    Sänger Wesley Schultz wechselt zwischen zartem und angerautem Säuseln, während die Gitarrensaiten ihr Bestes geben. Sanftes Klirren, emotionales Saitenhauen oder rhythmisches Klopfen auf dem Korpus spielen musikalisch die Hauptrolle auf „III“.
    Gleichzeitig leidet das Album an fehlender Instrumentenvielfalt: Jede, dahererzählte Melodie, jeder Ton, ja sogar jede spannende Erhebung auf „III“ gehen von Song zu Song sehr nah ineinander über. Zwar entsteht so eine glaubwürdig-flüssige Geschichte, aber leider zu wenig Spannung.
    Die Etablierung weiter weg vom Mainstream und hin zu konzentrierterem Songwriting bleibt den Lumineers. Und das ist vielleicht auch mehr wert.
    (musikblog)


  • MissinCat - 10


    Vor 13 Jahren gründete die aus Mailand stammende Singer/Songwriterin Caterina Barbieri ihr Projekt MissinCat, letzte Woche hat sie ihr Album Nummer 4 veröffentlicht, auf  dem sich 9 Lieder befinden und ich komme einfach nicht dahinter, warum sie diesem den Titel „10“ gegeben hat.

    Ach, jetzt habe ich es! Selbstverständlich strebt MissinCat die höchst selten vergebene Höchstwertung von 10 Punkten bei Platten vor Gericht an und hat daher ihr Album so betitelt sowie einige Veränderungen vorgenommen: Nachdem es erst einmal einen italienischsprachigen Song von ihr gegeben hat („Capita“ featuring Dente auf „Wow“ (2011) ), singt sie nun erstmals alle Lieder in ihrer Muttersprache. Zudem wurde „10“ von Philipp Milner produziert, wodurch sich ihr Indiepop deutlich in Richtung Elektronik verschiebt. „Per Un’ora“ oder „Bisogno Di Te“ klingen daher deutlich nach Hundreds, der Band, die Philip Milner gemeinsam mit seiner Schwester Eva betreibt, und mit der MissinCat durch Tourneen und Kooperationen (wie auf „Luna“ von ihrer „Forces“ EP (2017) oder der Coverversion von Bon Ivers „Flume“) eng verbandelt ist.

    Ein besonderes Augenmerk sei auf das abschließende „Mare“ gelegt, denn in diesem Song thematisiert sie die Seenotrettung im Mittelmeer und ruft in folgendem Statement zur Unterstützung von Sea-Watch auf:

    „Since 2014 more than 18.000 people fleeing war, violence and persecution, have died or gone missing in the Mediterranean Sea.

    My name is unknown
    I lie on the bottom of the sea
    I have no name
    War has taken my freedom and my children from me
    Nobody will look for me
    Nobody will tell the love of my life that I am not coming back

    This may sound like something from a work of fiction but it is the story of thousands of people who have lost their lives trying to escape war, violence, misery.
    And we watched while it happened.
    Have we forgotten that he is a father, a husband, a brother, a human being, first and foremost?
    No different from our own father, brother, husband, mother, sister, or ourselves.
    When we see it from this perspective, his story and his life become so much more than just a number
    and a face without a name.“
    (Missincat)

    Hier die Spendenmöglichkeit:

    Please donate to Sea-Watch to help them save lives:
    Reference: MARE
    IBAN: DE77 1002 0500 0002 0222 88
    BIC: BFSWDE33BER
    Bank für Sozialwirtschaft AG Berlin
    Inhaber: Sea-Watch e.V., 10405 Berlin








    MissinCat unterwegs, diesmal nicht in unserem Wohnzimmer:

    27.09.19 Halle – Objekt 5
    28.09.19 Magdeburg – Moritzhof
    29.09.19 Bielefeld – Bunker Ulmenwall
    30.09.19 Münster – Pension Schmidt
    01.10.19 Frankfurt – The Cave
    02.10.19 Stuttgart – Café Galao
    03.10.19 Zwickau – St. Barbara
    04.10.19 Hannover – Pavillon
    05.10.19 Berlin – Badehaus
    01.11.19 Nyon (CH) – Bar La Parenthese
    07.02.20 Göttingen – Nörgelbuff
    08.02.20 Plauen – Malzhaus
    13.02.20 Dresden – Ostpol
    14.02.20 Leipzig – Horns Erben
    15.02.20 Braunschweig – Staatstheater
    20.02.20 Weiden – Klein & Kunst
    21.02.20 Schwerin – Speicher
    22.02.20 Rostock – Helgas Stadtpalast


  • Niels Frevert - Putzlicht


    „Ich würde dir helfen, eine Leiche zu verscharren, wenn’s nicht meine ist“ und „Himmelhochjauchzendzutodebetruebt“ gehören zu meinen Lieblingsliedern von Niels Frevert bzw. seiner früheren Band Nationalgalerie. Hätte er dem Song „Tütensuppe“ den Titel „Tütensuppe mitten auf dem Ozean“ verpasst, wäre die Liste der Lieblingslieder mit gleichzeitig langen Titeln perfekt gewesen.

    Beim Blick auf die Songliste seines sechsten Soloalbums „Putzlicht“ bietet sich auf den ersten Blick „Ich suchte nach Worten für etwas das nicht an der Straße der Worte lag“ für diese Liste an. Doch bereits sein direkter Vorgänger, das Trost spendenden „Immer noch die Musik“, lässt diese Theorie wackeln, denn das vermeintliche Albumhighlight hat Frevert doch wohl offensichtlich nach einer kurzen Prelude an zweiter Stelle seines Albums platziert. 




    „Ich suchte nach Worten für etwas das nicht an der Straße der Worte lag“ erklärt, warum seit seinem letzten Album „Paradies der gefälschten Dinge“ fünf Jahre vergangen sind. Aber wenn eine Schreibblockade zu solchen Ergebnissen führt, warten wir gern etwas länger.  




    Gar nicht lang auf sich Warten lassen die nächsten tollen Gitarrenpopsongs: „Als könnte man die Sterne berühren“ ist mit seinen Bläsern der beste Erdmöbel-Song seit einiger Zeit, „Leguane“ zieht das Tempo an und nistet sich mit Synthieklängen in den gehörgängen fort, bis der Titelsong - erneut mit dominantem Bläsereinsatz -  einen verwundert fragen lässt, wie man sich denn hier (es kommt ja schließlich mit „Brückengeländer“ auch nioch eine opulente Streicherballade) für sein persönliches Lieblingslied entscheiden soll. 




    „Putzlicht“ ist nach „Paradies der gefälschten Dinge“ sein zweites Album, das über Grönland Records veröffentlicht wird (LP als 180g schweres oranges Vinyl). Im Oktober wird Niels Frevert mit Band unterwegs sein, im Dezember geht es dann noch einmal „akustisch“ auf Reisen:

    09.10.19 Essen – Zeche Carl
    10.10.19 Köln – Clubbahnhof Ehrenfeld
    11.10.19 Frankfurt – Nachtleben
    12.10.19 Münster – Gleis 22
    16.10.19 München – Orangehouse
    17.10.19 Dresden – Scheune
    18.10.19 Berlin – Heimathafen
    19.10.19 Hamburg – Mojo
    02.12.19 Freiburg – Jazzhaus
    03.12.19 Stuttgart – Im Wizemann Studio
    04.12.19 Augsburg – Soho Stage
    05.12.19 Ulm – Roxy
    06.12.19 Mannheim – Alte Feuerwache
    07.12.19 Hannover – Pavillon
    08.12.19 Oldenburg – Wilhelm13
    09.12.19 Leipzig – nato
    12.12.19 Rostock – Helgas Stadtpalast
    13.12.19 Magdeburg – Moritzhof

    Die Musik, die er dazu zusammen mit seinem neuen Produzenten Philipp Steinke (unter anderem Boy, Revolverheld) fand, treibt auf wuchtigen Drums voran wie ein Zug, der wieder Fahrt aufnimmt oder jener "laufende Motor", der die Songs des Albums mit Prelude und Schlussdrama zusammentackert. Die zarten Streicher vergangener Alben sind fast verschwunden, stattdessen dominieren beherzt angeschlagene Klavierakkorde und kraftvolle Gitarren.
    "Putzlicht" ist somit ein sehr gediegenes, fast zu gefälliges Rockalbum klassisch US-amerikanischer Prägung, dessen musikalischer Gestus manchmal an Springsteen erinnert, manchmal ("Leguane") auch an Blumfeld. Aber es ist keine Rückkehr zu Nostalgie und Neunzigern für Frevert, es wirkt vielmehr wie eine Ankunft, auch wenn die Dinge im Rückspiegel näher scheinen, als sie sind, wie er einmal singt.
    (Spiegel)



  • Eamon McGrath - Guts

     



    Gleich zwei Zitate aus den Promomitteilungen übernehme ich gerne:

    • "Musikalisch je 33 % Okkervil River, Dan Mangan und vielleicht Frank Turner"
    • "Canadiana - der dunkle, kühle, nordische Cousin des warmen, lebensfrohen Americana"
    Grob eingeordnet ist Eamon McGraths Album "Guts" damit schon einmal. Seit gut zehn Jahren veröffentlicht der Kanadier bereits Musik und in der Zeit hat er es bereits auf ein halbes Dutzend Veröffentlichungen gebracht. Die entsprechende Erfahrung und Gelassenheit meine ich auf "Guts" herauszuhören. Da sind sind ruhigen und betörenden Tiel wie der Titelsong und "Givin up" sowie die Indierocker "Yellow sticker on an empty fridge" und "City of glass" die unweigerlich an Okkervil River erinnern.

    Als schwer zu gänglich empfinde ich "Guts" nicht, aber ansonsten stimme ich mit "Handwritten Mag" ein Stück weit überein:
    Anspruchsvollere Songwritermusik zu machen ist kein Makel, schränkt aber vermutlich den Grad der Kommerzialisierung ein. Werde ich schwerer zugänglich, brauchen die Menschen länger mich abzufeiern. Und so verhält es sich mit Eamon McGrath. Aber lässt man sich darauf ein, wird der eine oder andere Hörer definitiv belohnt. Ich freu mich auf jeden Fall sehr diesen Typ entdeckt zu haben. Reinhörempfehlung für Songwriter- und Indiefreunde!

    Das Video zum Titelsong:


    "Guts" ist ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Album, welches gerade genug "Canadiana" mitbringt, um athenisch zu wirken und tolle Indierock-Songs, die eine intensive Live Show versprechen.

    McGrath live:
    • 09.10. Berlin
    • 10.10. Bremen
    • 11.10. Bremerhaven
    • 15.10. Oberhausen
    • 16.10. Dortmund
  • The Futureheads - Powers


    Nachdem die ersten drei Alben von The Futureheads im Vereinigten Königreich jeweils die Top 20 erreichen konnten („The Futureheads“ (2004) #11, „News And Tributes“ (2006) # 12 und „This Is Not the World“ (2008) #17), ging es für „The Chaos“ (2010; #48) und das A Capella-Album „Rant“ (2012; #125) bei weitem nicht so hoch hinaus, so dass die Band 2013 zum letzten Mal gemeinsam tourte. 

    Vielleicht lag es am Hype um Bands wie Idles, Shame oder Fontaines D.C. und der Renaissance von Post-Punk und Punk Rock, dass sich die Brüder Barry und Dave Hyde, Ross Millard und David „Jaff“ Craig entschieden, es mit einem Comeback zu versuchen. Das Ergebnis dieser Bemühungen trägt den Titel „Powers“ und bietet die klassischen Futurheads-Zutaten, nämlich energetisch-zackigen Post-Punk und tollen Harmoniegesang des Quartetts.  

    In England konnten mit pro-europäischen Tönen wie auf „Across The Border“ (Where were you when it all fell apart? What did you do to stop it happening?) dann doch nicht alle überzeugt werden, so dass „Powers“ nur auf Platz 53 der Charts kam. Aber die Kritiker sehen im sechsten Album der Futureheads ihr zweitbestes nach dem Debüt, denn Metacritic listet es derzeit bei 80/100 Punkten.  

    „Powers“ ist über das bandeigene Label Nul Records als CD, Kassette und LP erschienen. Sehr schick ist die „Limited Mackem Edition“ auf „Red & White Vinyl“. Unabhängige Plattenläden bieten zudem „Magenta Vinyl“ an.




    Opener ‘Jekyll’ buzzes with a dark foreboding, while ‘Headcase’ sees narrator Barry Hyde tackling his own mental health struggles head on. It’s ‘Across The Border’ - the near stream-of-consciousness led by Ross Millard - which hits home hardest. A frenetic diatribe staring square in the eye of Brexiteers everywhere, before gleefully teasing “Wouldn’t it be nice to go on holiday somewhere in Italy / How about a beer in Germany?”, it channels the absurdity of our everyday attitudes and the current political agenda perfectly. An album which proves a bit of time off can make a huge difference, ‘Powers’ sees The Futureheads fight fiercely once again.
    (DIY)




    Like Razorlight’s return last year, Powers feels fresh, raw and concise, showcasing what made us fall in love with The Futureheads in the first place while adding invaluable new ingredients.
    For example, standout song Electric Shock is one of the most intriguing entries to their back catalogue, built around sparse snares, sprinkling synths and glacial guitars before erupting into an infectious chorus and those irrepressible harmonies. Likewise, the nuanced, melodic Don’t Look Now shows their has been welcomed maturity since the days of their debut, while the jagged gut-punch opening of Jekyll almost cuts through the speakers with its bludgeoning riff.
    (Louder Than War)






  • Pixies - Beneath The Eyrie


    10 Fakten zum Neuen Album der Pixies:

    1. Über eine 12-teilige Podcast-Serie wurden die Entstehung der 12 Songs von „Beneath The Eyrie“ interessierten Fans seit dem 27. Juni näher gebracht.

    2. Am 13. September wird das siebte Album der Pixies über BMG/Infectious veröffentlicht. Mit seinen 38:54 Minuten Laufzeit hat es Pixies-Standard. Nur die EP-Compilation „Indie Cindy“ knackte die 40-Minuten-Marke. „Surfer Rosa“ und „Head Carrier“ sind mit knapp 33 bzw. 34 Minuten die kürzesten Platten der Pixies.

    3. Mit „On Graveyard Hill“ wurde am 17. Juli ein erstes Video veröffentlicht, das vom Designer/Künstler/Regisseur Kii Arens und dem Produzenten/Regisseur Bobbi Rich stammt und Allison Harvard, ein amerikanisches Model, in der Hauptrolle zeigt:  




    4. „Beneath The Eyrie“ kann als Kassette, Deluxe CD (DVD sized hard-back book containing 20-24 pages, CD housed in pocket on inside right) und als LP (12” single 180g black LP in gatefold sleeve) käuflich erworben werden. Unabhängige Plattenläden bieten white Vinyl an.

    5. Für rund 60€ kann man die „Deluxe Double Clear Vinyl And CD Boxset“ von „Beneath The Eyrie“ erhalten, die folgendes anbietet: 12” hard-back book, clear 180g vinyl x 2 in loose sleeves. CD housed in aperture on inside left of book. Book housed inside slipcase. Full package housed and shipped in cardboard mailer. Includes an exclusive second vinyl that features 9 new never heard before demo tracks. 
    Das sind die Titel der Demo Tracks: 1. The Good Works Of Cyrus, 2. Please Don't Go, 3. Chapel Hill, 4. Caught In A Dream, 5. Mal De Mer, 6. Hey, Debussy, 7. Under the Marigold, 8. How I Learned to Earn Rewards, 9. I Just Can't Break It to You.

    6. Am 06. August wurde ein zweites, animiertes Video von Neirin Bset und Lianne Pierce zum Song „Catfish Kate“ veröffentlicht:




    7. Mit „Los Surfers Muertos“ wird die Tradition spanischer Textzeilen („Isla De Encanta“, „Vamos“, „Jaime Bravo“) wieder aufgegriffen - auch wenn diesmal Paz Lenchantin und nicht Black Francis singt. 

    8. Wie der Vorgänger, „Head Carrier“, wurde auch das in den Dreamland Recording Studios in New York aufgenommene „Beneath The Eyrie“ wieder von Tom Dalgety (Rammstein, Royal Blood, Therapy?, The Mission) produziert. Der Art Director für die Plattenhülle war wie gewohnt der britische Grafikdesigner Vaughan Oliver.

    9. Der Titel der Platte: Während einer Aufnahmepause fiel Drummer David Lowering außerhalb des Studios über sich ein Adlerhorst (=„Eyrie“) auf, schon war die Idee zum Albumtitel „Beneath The Eyrie“ geboren.

    Black Francis und Co. haben versponnene Erzählstücke über allerlei zauberhaftes Außenseiter-Volk zusammengestellt, zu dem sie sich vermutlich auch selbst zählen. Dass sich Neu-Bassistin Paz Lenchantin (u.a. A Perfect Circle) noch aktiver als auf dem Vorgänger "„Head Carrier“" beim Komponieren einbrachte, hat sich zweifelsfrei gewinnbringend ausgewirkt.
    Das von ihr gesungene 'Los Surfers Muertos' bietet mustergültigen Shoegaze mit reichlich Reverb und steht dem hauchzarten Swinger 'Bird Of Prey' in nichts nach, wohingegen 'Long Rider' etwas kraftvoller zupackt, aber ebenso zurückgelehnt anmutet wie der gesamte Rest des Materials, das atmosphärisch wie aus einem Guss daherkommt - vermutlich wegen des locker gespannten roten Themenfadens. Das leutselige 'Catfish Kate', das im besten Sinn schrammelige 'Ready For Love' und das semi-akustische Finale 'Death Horizon' weisen in ihrer narrativen Anlage dementsprechend Singer-Songwriter-Qualitäten auf.
    'Daniel Boone' ist dann so ähnlich wie das schlurfende 'Silver Bullet' nahezu klassischer Dream Pop, derweil Francis nirgendwo sonst so aggressiv raunt wie im Uptempo-Halb-Blues 'St. Nazaire', dessen Exaltiertheit sich während 'This Is My Fate' (ginge glatt als Tingeltangel- bzw. Varieté-Nummer durch) in sachte torkelndem Ambiente fortsetzt.
    (musikreviews)

    10. Am Tag der Veröffentlichung von „Beneath The Eyrie“ startet auch die dazugehörige Tournee in Cardiff. Drei Stopps sind auch in Deutschland geplant: am 05.10.19 in Berlin (Columbiahalle), am 07.10.19 in Köln (Palladium) und am 15.10.19 in München (Tonhalle).
    Fans in Australien können sich besonders freuen, denn sie bekommen im nächsten Jahr von Black Francis (Vocals, Gitarre), Joey Santiago (Gitarre), David Lowering (Drums) und Paz Lenchantin (Bass) live „Come On Pilgrim“ und „Surfer Rosa“ komplett zu hören.  



  • Sheryl Crow - Threads

     


    Sheryl Crow legt ihr nach eigenen Angaben letztes Album vor. Für diese Abschiedsparty lud sie Freunde und musikalische Vorbilder ein. Unter anderem waren das Stevie Nicks, Chris Stapleton, Chuck D, Eric Clapton, Sting, Johnny Cash (!), Jason Isbell, Keith Richards, Willie Nelson, Kris Kristofferson, Joe Walsh, St. Vincent und Emmylou Harris.

    Bei so viel Vielfalt braucht der Hörer erst gar nicht nach einem roten Faden zu suchen. Die jeweiligen Gäste bestimmen meist den Stil des jeweiligen Songs, und so finden sich auf "Threads" Rock und Pop neben Country, Folk, Blues, Hip Hop, Soul sowie etwas Funk. Den Grundstein für dieses mit 17 Titeln wirklich umfangreiche Album legte eine Anfrage von Krist Kistoffersons Frau Lisa. Diese bat Crow einigen Titeln ihres Mannes die Stimme zu leihen, da er krankheitsbedingt beeinträchtigt war. Das veranlasste Crow, auf ihr eigenes musikalisches Vermächtnis zu blicken.

    Die Highlights sind für mich "Tell me when it's over" (mit Chris Stapleton), Redemption day (Johnny Cash), "Still the good old days" (so ein wenig auch das Motto des ganzen Albums, hier war Joe Walsh mit von der Partie) und "Wouldn't like to be like you" (stark u. a. wegen St. Vincent).

    "Threads" ist Crows elftes Album. Vielleicht qualifiziert sie sich mit diesem ja auch noch für ihren zehnten Grammy. Der sehr präsente Anteil an Country-Songs macht das Album für mich etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch dieses Genre spielte während Crows Karriere eine wichtige Rolle.

    "Tell me when it's over":


    Auf ihrer aktuellen "World tour" spielt sie ihre Hits und lässt die Songs dieses Albums außen vor. Vielleicht findet ja der eine oder andere je nach Verfügbarkeit der Gastmusiker ja auch noch den Weg auf die Bühne. Termine sind aktuell nur für die USA und Mexiko angekündigt.

    Laut.de:
    Dass Crow sich vom Album-Format verabschiedet, muss nicht traurig machen. Sie hat den alten Willie Nelson für eine wunderschöne Aufnahme reaktiviert und würdigt ihn zu Lebzeiten. Zugleich zeigt sie junge Leute mit viel Potential. Sheryl führt vor, dass Country wieder überraschen kann, wenn das Segment sich anderen Musikarten öffnet. "Threads" ist eine sehr gute Umsetzung großartiger Ideen.

  • Adam Green - Engine Of Paradise


    Für die B-Seite einer C60 Kassette

    Mit gerade einmal 9 Songs in 21:58 Minuten passt „Engine Of Paradise“ ideal auf eine Kassettenseite mit der Spielzeit von 30 Minuten. Seine persönlichen Lieblingssongs - ich schlage den Titelsong, „Freeze My Love“, „Cheating On A Stranger“ und „Reasonable Man“ vor - kann man locker noch einmal ans Ende packen. Vermutlich hat der 38-jährige Musiker aus New York auch ausreichend Hipster-Fans, die mittlerweile wieder beim Tape angekommen sind.

    „Engine Of Paradise“ ist das mittlerweile achte Album von Adam Green, denen man noch das Album mit The Moldy Peaches, das mit Binki Shapiro und „Musik For A Play“ (2010), das nur in einer Auflage von 500 Stück erschienen war, hinzufügen könnte. Es entstand in Zusammenarbeit mit Florence Welch (Florence And The Machine), James Richardson (MGMT) und Jonathan Rado (Foxygen). 

    Von seinen vorherigen Alben bieten sich „Aladdin“ und „Friends Of Mine“ am direktesten als Vergleiche an. Wie „Aladdin“ ist auch „Engine Of Paradise“ so etwas wie ein Soundtrack - in diesem Fall zur 152-seitigen Graphic Novel „War And Paradise“, die man hier sehen kann. Und wie auf „Friends Of Mine“ croont Adam Green zu melodischen Baroque Pop-Songs mit reichlich Streicherbegleitung.

    „Engine Of Paradise“ wurde am 06. September über 30th Century / Rough Trade veröffentlicht und ist als CD und LP erhältlich.




    Denn Adam Green wandelt mit seinem lakonischen Bariton wieder verstärkt auf den Spuren von Scott Walker und Serge Gainsbourg.
    Mit ein bisschen Alkohol im Blut („Wines And Champagnes“), anatolischem Bezirze („Gather Round“), lieblichen Streichern („Escape From My Brain“) und in Hall gebetteter Melancholie („Rather Have No Thing“) lässt sich jeder Abend ausklingen als gäbe es kein Morgen.
    Adam Green liefert den perfekten Soundtrack für das Candlelight-Dinner mit Tiefgang. Darauf ein Glas Schaumwein. Cheers!
    (musikblog)




    Wo andere Songwriter ganze Litaneien auf die Hörer loslassen, beschränkt sich der New Yorker auf wenige Verse. "Wer zu viel sagt, hat nichts zu sagen", lautet sein Credo. Leider vergisst Green bei aller Prägnanz die Punchlines. Die meisten Songs plätschern dahin und enden viel zu früh. Eine alte Marotte von ihm, schon klar. Ein bisschen ausgearbeiteter hätten Tracks wie "Escape from the brain" oder "Freeze my love" aber schon sein können.
    Dabei deutet er durchaus an, was er kann, wenn er denn Lust hat. Das opulent arrangierte "Reasonable man" überzeugt beispielsweise mit einer tollen Refrainmelodie. Auch "Rather have no thing", ein melancholischer Blick hinter die Kulissen des Materialismus, gefällt. Doch die Magie von früher will sich einfach nicht einstellen.
    (Plattentests)

    Adam Green in Deutschland:

    28.10.19 Hamburg - Stage Club
    29.10.19 Berlin - Bi Nuu



  • Ezra Furman - Twelve Nudes


    Für die A-Seite einer C60 Kassette

    Mit gerade einmal 11 Songs in 27:38 Minuten passt „Twelve Nudes“ ideal auf eine Kassettenseite mit der Spielzeit von 30 Minuten. Seinen persönlichen Lieblingssong - ich schlage „Transition From Nowhere To Nowhere“ oder „In America“ vor - kann man locker noch einmal ans Ende packen. Vermutlich hat der 32-jährige Musiker aus Chicago auch ausreichend Hipster-Fans, die mittlerweile wieder beim Tape angekommen sind.

    „Twelve Nudes“ ist das mittlerweile siebte Album von Ezra Furman, der seine Mitmusiker (Sam Durkes, Jorgen Jorgensen und Ben Joseph) aktuell als „The Band With No Name“ führt, da seine vorherigen Alben von „Ezra Furman And The Harpoons“ oder „Ezra Furman & The Boy-Friends“ oder „Ezra Furman & The Visions“ veröffentlicht wurden.

    Mit seinen vorherigen Alben, die zwischen Art Pop, Alternative Rock oder Indie Folk anzusiedeln waren, ist „Twelve Nudes“ nur bedingt vergleichbar, denn Furman selbst stellt klar: „This is our punk record. We made it in Oakland, quickly. We drank and smoked. Then we made the loud parts louder. I hurt my voice screaming. This was back in 2018, when things were bad in the world. The songs are naked with nothing to hide.“

    „Twelve Nudes“ wurde am 30. August über Bella Union veröffentlicht und ist als CD und LP (180g Yellow Vinyl) erhältlich.




    Der sensible Künstler gehört zu der Majorität der an der schlechten Welt leidenden Pop-Menschen, und er hat jetzt einfach mal rausgehauen: Rock’n’ Roll-Gestotter auf reichlich Hall mit einer Art „Sympathy For The Devil“-Uuuh-Uuuh („Calm Down Aka I Should Not Be Alone“), einen schwer kratzigen Rock-Donner („Trauma“), die kleine Ballade „I Wanna Be Your Girlfriend“. Der 56-sekündige Wahnsinn namens „Blown“, der kaputt macht, was uns kaputt macht.
    (musikexpress)




    "Calm down aka I should not be alone" ist eine amtliche Meckerei, die Stimmbänder Furmans werden ordentlich drangsaliert und doch geistert aufgrund des Rhythmus etwas Spielerisches durch diese garstige Nummer. Mit welcher Inbrunst dann jedoch der "Evening prayer aka Justice" angegangen wird, lässt keine relativierenden Zwischentöne zu. Die Akustikgitarre wird herzlich geschreddert, der Gesang verwurschtelt sakrale Wut in einen Hochdruck-Hymne, die Traurigkeit in grimmige Verzweiflung übersetzt. Furman kommt auf "Twelve nudes" über wackelige Brücken und schwer gangbare Pfade erstaunlich direkt auf den Punkt. Man will mitgrölen, mit ausrasten, Kleider und Glaubenssätze verbrennen.
    (Plattentests)

    Ezra Furman in Deutschland:

    16.11.2019 Köln – Luxor

    17.11.2019 Berlin – Festsaal Kreuzberg
    23.11.2019 Hamburg – Molotow



  • Iggy Pop - Free


    „I wanna be free“, spricht Iggy Pop wiederholt im Opener und Titeltrack seines achtzehnten Studioalbums „Free“ und im Kopf ergänzt man mit „… to do what we wanna do, and we wanna get loaded, and we wanna have a good time, that’s what we're gonna do“ fast automatisch das  auf dem Song „Loaded“ (Primal Scream) gesampelte Zitat aus „The Wild Angels“.

    Nach seinem in den Charts erfolgreichsten Album seiner Karriere („Post Pop Depression“, erreichte vor 3 Jahren Platz 17 in den USA und toppte damit „The Idiot“ (1977, #72) und Rang 5 in UK (Rekordhalter war zuvor „Lust For Life“ (1977) mit #28)) und im Alter von 72 Jahren nimmt sich Iggy Pop alle Freiheiten: vom frühen Iggy Pop („Loves Missing“) bis zum späten David Bowie („Sonali“), von Jazz mit dem Trompeter Leron Thomas („Glow In The Dark“) bis zu zwei Spoken Word Beiträgen („We Are The People“ und „Do Not Go Gentle Into That Good Night“) mit Texten von Lou Reed und Dylan Thomas zu Ambient-Klängen reicht das Spektrum dieser 10 Tracks in schlanken 34 Minuten.

    „Free“ ist am 6. September als CD und LP veröffentlicht worden. Die limitierte Auflage der Schallplatte kommt als „sea blue Vinyl“ daher.




    Von Online-Pornos erzählt Iggy, „trying to infiltrate desires that are not my desires“, und von einem weiblichen James Bond. „Loves Missing“ klingt am ehesten wie business as usual, es gibt einen Beat und verlorene Gitarren, es könnte ein Hit werden, ein kleiner, schiefer, dessen Riffs (von Weitem) fast von Josh Homme, Pops Partner auf „Post Punk Depression“ (2016), eingespielt sein könnten. (…)
    So sind die strukturfreien, poetischen, dunklen Stücke/Gedichte allesamt Hits, auf diesem ungewöhnlichsten aller Rock-and-Roll-Hall-of-Fame-Mitglieder-Alben. Iggy ist wirklich „Free“. Dass sich nach dem Hören ein ähnliches Gefühl im Bauch einfindet wie nach einem von Jack Kerouacs Beat-Poetry-Alben, ist wunderbar.
    (Rolling Stone)




    Iggy Pops Fragen lauten stattdessen: Steht irgendwo im Salon ein Blumenkübel, in den ich noch nicht gepinkelt habe? Gibt es im Museum eine teure neue Skulptur, die ich mit dem Hintern umstoßen kann? Und läuft hier vielleicht noch ein Anzugträger herum, der an seine kunstbeflissene Armseligkeit erinnert werden muss?
    Free findet darauf Antworten, die es nicht bis auf den Grabstein von Iggy Pop schaffen werden. Es ist ein kurzes und vergleichsweise kleines Album, und das darauf bekundete Interesse an Ambient und Jazz erscheint weniger aufrecht empfunden als zuvor der abgewetzte Lederjackensound von Post Pop Depression. Wer glaubt, dass es deshalb auch weniger bedeutsam sei, hat jedoch weder Iggy noch Pop verstanden.
    Erst als Einzelkämpfer, der oberhalb seiner eigentlichen Gewichtsklasse boxt, läuft der Künstler zur Höchstform auf. In der Beschäftigung mit dem Schmuddeligen, Geschmacksverirrten und potenziell Blutigen stößt er vor bis an die Grenzen der von ihm gewählten und gelebten Kunstform.
    (Zeit)





  • Casino Garden - Get Your Shit Together


    „Hallo, mein Name ist Dirk, ich habe das Shoegaze-Triumvirat mehrmals live gesehen (Ride 5x, Slowdive 4x, My Bloody Valentine 2x) und besitze nahezu alle Tonträger dieser drei Bands (gut, es fehlt das Remix-Album von Ride sowie die ein oder andere EP von My Bloody Valentine) auf CD oder LP, teilweise auf beiden Formaten.“ So oder so ähnlich würde ich mich bei einem Treffen der Anonymen Shoegazer vorstellen.

    Würde diese Treffen in Wuppertal stattfinden, könnten auch Matthias (Gitarre, Gesang), Oliver (Bass), Alexander (Schlagzeug) und Helene (Keyboards) Teil der Selbsthilfegruppe sein. Alle müssten in ihrer Vorstellung jedoch noch ergänzen, dass sie Mitglieder in der seit 2017 bestehenden Band Casino Garden sind.

    2018 veröffentlichten Casino Garden mit „Slide“ digital ihr Debütalbum, dem jüngst „Get Your Shit Together“ folgte, das über deren Bandcamp-Seite zu beziehen ist. Von den oben genannten Shoegaze-Bands dürften Ride dem Sound des Wuppertaler Quartetts vermutlich am nächsten stehen, was man auch mit Blick auf die Trackliste der beiden Alben schon erahnen könnte, denn dort finden sich die Songs „Ride“ und „Blank (Again)“, die als Anspielung an die Band aus Oxford bzw. deren zweites Album „Going Blank Again“ verstanden werden kann. Zumindest von jemandem, der zu einem treffen der Anonymen Shoegazer gehen sollte.

    Aber gerade der mit der Textzeile „She was going blank again“ eröffnende Song zeigt auf, dass sich Casino Garden nicht nur auf Shoegaze konzentrieren und sich auch bei Indierock und Postrock zu bedienen wissen. Die frühen R.E.M., Catherine Wheel, Ride, Smashing Pumpkins und Interpol würden ein gutes Playlist-Umfeld für Casino Garden bilden. Als Anspieltipps und als Empfehlungen für ein starkes Album füge ich „Blank (Again)“,  „Fallen Leaves In Summertime“ und „Sunrise In Jail“ hier ein:









  • The Slow Show - Lust And Learn


    Rasend schnell ging es zwischen dem Debütalbum „White Water“ (2015; Platz 4 bei Platten vor Gericht mit 8,357 Punkten) und dessen Nachfolger „Dream Darling“ (2016; Platz 5 bei Platten vor Gericht mit 8,083 Punkten) zu. Erst jetzt machten The Slow Show ihrem Bandnamen alle Ehre und nahmen sich 18 Monate Zeit für die Aufnahmen von „Lust And Learn“, das knapp drei Jahre nach seinem Vorgänger erschienen ist.

    Das Tempo ist auch auf den 12 neuen Songs äußerst getragen und Sänger Rob Goodwin rezitiert mit seiner sonoren Stimme beinahe häufiger als dass er singt. Ähnlich wie bei dem Song „Dresden“, der, via Haldern Pop Recordings 2014 veröffentlicht, für The Slow Show so etwas wie den Durchbruch darstellte, setzt auch das neue Album wieder vermehrt auf üppige, feierliche bis theatralische Bläser- und Streicheruntermalung sowie auf den Chorgesang des Manchester Hallé Youth Choir. Auf mehreren Songs („The Fall“, „Hard To Hide“ und „Exit Wounds“) dient die Sängerin Kesha Ellis als Gegenpol zu Goodwins Bariton.  

    The Slow Show haben den Ausstieg ihres Bassisten James Longden zu verschmerzen und sind in der aktuellen Besetzung Rob Goodwin (Gesang, Gitarre), Frederik 't Kindt (Keyboards), Joel Byrne-McCullough (Gitarre) und Chris Hough (Drums). „Lust And Learn“ steht seit Ende August in den Plattenläden, und zwar als „Limited Edition 180 g White Vinyl“.




    Der Opener Amend ist ein langsames nahezu pastorales Klavierstück, das während der 3-minütigen Laufzeit nur durch Bläser, Streicher, Chor und Schlagzeug unterstützt wird. Es gehört schon ganz viel Selbstvertrauen dazu solch ein Stück an den Beginn des Albums zu stellen. Eye to Eye beginnt dann gleich mit der sonderbar tiefen Stimme Goodwins, die man im Anfangsstück vermisst hat. Es geht ganz tief rein in die verwundete Seele und gleitet wie durch die dunkle Nacht. Ein zweiteiliges Gitarrensolo trägt hier das Licht in den Song und leitet das lange Outro ein.
    Es folgt Hard to Hide, die erste Single-Auskopplung des Albums. Eine gute Wahl, der Song zählt zum Besten, was die Band bisher produziert hat.
    Mit St. Louis gibt es dann einen fast schon fröhlich-beschwingten Song mit schönem Refrain, der sich hier wohltuend in das Album einfügt. Loser’s Game ist der nächste Höhepunkt, der – wie der Titel schon sagt – die Geschichte eines Verlustes erzählt. Mit viel Streichern und Orchester ist das ganz großes Sehnsucht-Kino und geht fast nahtlos in das akustische 1-minütige Breath Air über.
    Die Tracks The Fall und Vagabond fließen schön ineinander und sind eine enge musikalische Einheit. Tolle Arrangements mit einem wunderbaren Trompeten-Solo und eingängigen Lyrics. Es folgt mit Sharp Scratch die zweite Vorab-Auskopplung des Albums, die leider nicht an Tempo und Tiefe gewinnt und trotz der orchestralen Aufrüstung im Mittelteil doch etwas enttäuscht. Exit Wounds ist ein Duettgesang, der schnell in Schwung kommt, dann aber nicht mehr zusetzen kann und leider der schwächste Song auf dem Album bleibt.
    (Pretty In Noise)




    The Slow Show unterwegs:

    17.10.19 Köln - Gloria-Theater
    18.10.19 Essen – Zeche Carl
    20.10.19 Hamburg – Uebel & Gerahrlich
    21.10.19 Berlin – Columbiatheater
    22.10.19 München – Freiheiz
    23.10.19 CH – Zürich – Mascotte
    25.10.19 CH – Fribourg, Fri – Son
    26.10.19 Reutlingen – Franz K.
    27.10.19 Mainz – KUZ




  • Like Lovers - Everything All The Time Forever


    Weitere Künstler, die wir gut finden: Jeff Buckley, Björk, Radiohead, Sonic Youth, The Paper Chase, Mice Parade, Here We Go Magic, At The Drive-In, Apparat, The Beatles, Juno, Beastie Boys, Blackstreet, Massive Attack.

    So steht es auf der Facebook Seite von Like Lovers geschrieben und nachdem man das Debütalbum „Everything All The Time Forever“ gehört hat, müssen vier Künstler dick unterstrichen werden: 1. Björk: Das versponnene „Infinite“ spiegelt mit seinen Harfenklängen die Schaffensphase von Björk wider, die mir selbst am besten gefällt und so könnte der Song, dann natürlich von der Isländerin selbst gesungen, auch auf ihrem besten Album „Vespertine“ zu finden sein. 2. Radiohead: Die eröffnenden Klavierklänge, dann der einsetzende hohe Gesang und vor dem inneren Auge sitzt Thom Yorke am Klavier und trägt eine für seine Band typische Ballade vor. Dass das folgende „Levitation“ mit vertrackten Rhythmen und unkonventionellen Songstrukturen aufwartet, zeigt auf, dass auch dieser Aspekt von Radiohead Widerhall findet. Der Schritt hin zu Electronic erfolgt nicht so konsequent wie auf Thom Yorks Soloalben, denn da sind die Parallelen doch deutlicher bei 3. Apparat zu sehen. Wie Sascha Ring, so möchte man auch Jan Kerscher, der hinter Like Lovers steckende Produzent, gern in die Kiste der Studiotüftler stecken, die Popmelodien, elektronische Klänge immer weiter aufeinander türmen und analoge und digitale Sounds zu kombinieren versuchen. 4. Massive Attack: Der Trip Hop Beat des fast sechsminütigen, schwermütigen „Fall“ lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass hier jemand sein Herz an „Mezzanine“ verloren hat.

    Everything All The Time Forever“ steht ab dem 6. September in den Plattenläden, und zwar als clear Doppel-Vinyl im Gatefoldcover.




    Mit „Everything All The Time Forever“ erscheint das erste Solo-Album des gebürtigen Stuttgarters, das den Hörer wie ein hypnotischer Sog nach unten zieht und einmal umgekrempelt wieder ausspuckt.
    Nichts auf „Everything All The Time Forever” lässt sich leicht einordnen. Ist das jetzt Elektro, Singer/Songwriter oder sperriger Pop? Wo ist hier der Refrain beziehungsweise gibt es überhaupt einen? Eins ist sicher: Like Lovers macht keine Musik zum Mitsingen.
    Und trotzdem zieht der durchdringende Gesang von Kerscher einen bereits in den ersten Sekunden in seinen Bann. Man braucht ein bisschen Zeit, um sich mit „Everything All The Time Forever“ anzufreunden, aber dafür geht die Freundschaft anschließend umso tiefer.
    (musikblog)




    Zwischen veritablen Kopfnickern wie People Shaped Mirrors, I Float On Your Love und Health, bittersüßen, fast zerbrechlichen Songs wie Infinite und Gone und sphärischen Midtempo-Groove-Monstern wie dem Titeltrack, Am I Still Here und Something Else sitzt als vorletzter Track das akustische Finale: Fall. Langsam, fast schwerelos baut sich da über fast sechs Minuten ein Druck und eine Größe auf, wie man sie aus Angel von Massive Attack oder Love is not enough von Nine Inch Nails kennt.
    Zwischen Industrial, Trip Hop, Indiepop und Disco mäandert und zuckt Everything All The Time Forever mühelos hin und her. Und bei aller elektronischen Klangfärberei ist das Album trotzdem so organisch, so dynamisch, dass man große Lust auf das Live-Erlebnis bekommt. Ohne plump zu kopieren, sind die Referenzen überdeutlich, zaubern aber in ihrer Raffinesse beim Zuhören immer wieder ein Schmunzeln auf die Lippen.
    (Pretty In Noise)


    Like Lovers unterwegs:

    09.10.19 Frankfurt a.M., The Cave
    11.10.19 Luxemburg, De Gude Wellen
    
12.10.19 Nürnberg, Nürnberg Pop Festival

    13.10.19 Mannheim, Peer 23

    14.10.19 München, Heppel & Ettlich

    16.10.19 Jena, Trafo
    
17.10.19 Berlin, Badehaus
    
18.10.19 Hamburg, Hebebühne
    
19.10.19 Moers, Bollwerk 107
    28.01.20 Darmstadt, Schlosskeller
    29.01.20 Stuttgart, Juha-West
    31.01.20 Göttingen, Nörgelbuff
    01.02.20 Celle, MS Loretta
    03.02.20 Würzburg, Cairo
    04.02.20 Mainz, Schon Schön
    05.02.20 Neunkirchen, Stummsche Reithalle


  • Die 10 besten Alben von Prince

    10. Lovesexy (1988)
    9. Diamonds And Pearls (1991)
    8. 3121 (2006)
    7. 1999 (1982)
    6. The Gold Experience (1995)
    5. Dirty Mind (1980)
    4. Sign O' The Times (1987)
    3. Parade (1986)
    2. Purple Rain (1984)
    1. Around The World In A Day (1985)

    (ausgewählt von Volker)