Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Alex Lahey - The Best Of Luck Club


    Dass große Teile des zweiten Albums von Alexandra Lahey in Nashville entstanden sind, hört man diesem glücklicherweise nicht an. Von Country-Einflüssen keine Spur, statt dessen bleibt die Australierin ihrem gitarrenlastigen Alternative Rock treu und pointiert ihn mit Keyboards, Streichern oder Piano. Dabei spielte sie nahezu alle Instrumente selbst ein und ließ sich offensichtlich auch nicht vom Einsatz eines Saxophons in „Don’t Be So Hard On Yourself“ abbringen.

    Auf den 10 Songs von „The Best Of Luck Club“ arbeitet Alex Lahey textlich die Erlebnisse im Leben einer 26-jährigen auf: Selbstzweifel, Burn-out, Trennung, psychische Gesundheit, Einzug bei ihrer Freundin und Vibratoren.

    Ihr Debütalbum „I Love You Like A Brother“ (2017) setzte zwar noch deutlicher auf Indierock und Powerpop, dafür bietet das ambitioniertere „The Best Of Luck Club“ (erhältlich auf weißem und roten Vinyl) mehr Abwechslung. Am deutlichsten lässt sich dieser Wandel bzw. Gegensatz am punkrockigen „Misery Guts“ und dem anschließenden Piano-Pop von „Isabella“ nachhören.




    Hits setzt es hier in lockerer Abfolge. „Don’t Be So Hard On Yourself“ entpuppt sich als muskulöser Rocker mit markantem Riff, packender Melodie und, ja wirklich, einem Saxophon-Solo zum Abschluss. Lahey studierte einst Jazz-Saxophon an der Universität, der Kreis schließt sich. Mindestens so stark: „I Don’t Get Invited To Parties Anymore“. Der Opener legt vergleichsweise langsam und unscheinbar los, nur um breitbeinige, souveräne Zwischensprints mit Power und Nachdruck einzuschieben. Dicke Gitarren und feinsinnige Synthi-Spielereien zum Schluss ergeben den nächsten Volltreffer.
    (Beatblogger)




    Es kommt nicht von ungefähr, dass die Kombination aus Synthies und wuchtiger Gitarre in "Am I doing it right?" an ein Liebeskind von frühen The Killers und Avril Lavigne denken lässt, ein wenig oberflächlich vielleicht, aber die Killer-Hook lässt das Herz jubeln. Es mag sich zwar bei Laheys Songs um basales Songwriting handeln, doch funktionieren sie passgenau und treffen immer den popaffinen Nerv des Hörers. Dass zum Beispiel die Abkehr von Saufen und Feiern in "I don't get invited to parties anymore" mit hedonistischem Rausch-Rock begossen wird, ist ein netter Kniff. Varianz ist übrigens trotz der "All killer no filler"-Attitüde ein wichtiger Bestandteil des Albums. Wenn "Isabella" luftig, von einem frühlingshaften Klavier motiviert, durch die Gegend hopst, könnte sich Ben Folds ein Lächeln sicher nicht verkneifen. Auch die filigrane Balladen-Kleinigkeit "Unspoken history" überzeugt durch luftige Instrumentierung, die durch ein Cello jedoch dezent dunkler geschminkt wird. Immer im Gepäck ist aber auf jeden Fall eine selbstbewusste Hook, darauf kann man zählen.
    (Plattentests)



  • Wy - Softie


    Und in Schweden so? (6)

    Ups, da habe ich doch tatsächlich den sechsten und letzten Teil dieser Serie unterschlagen. Dabei sollte doch, neben Stockholm und Göteborg, noch zumindest eine weitere Stadt vertreten sein. Uppsala wurde es leider nicht, aber Dank Wy ist nun auch Malmö mit dabei.

    Das 2015 gegründete Duo besteht aus Ebba Ågren und Michel Gustafsson. Wy (auch die Schreibweisen WY oder wy habe ich schon gesehen) veröffentlichten 2016 eine erste EP namens „Never Was“ und vor zwei Jahren ihr Debütalbum „Okay“, der Nachfolger trägt den Titel „Softie“ und ist auf schwarzem und, in einer limitierten Auflage, blauem Vinyl erschienen. 

    Ebba ist auch als Fotografin und Regisseurin aktiv und hat u.a. das Video für „Rapture“ von Kraków Loves Adana gedreht. Eine treffende Wahl, denn musikalisch würden sich Wy auch tatsächlich recht gut für die zweite Seite eines Mixtapes mit Kraków Loves Adana eignen. Düster, verletzlich, eine Sängerin mit ungewöhnlicher Stimme und eine gelungene Mischung aus Gitarren- und Synthesizerklängen zu eingängigen Songs.

    Hier gibt es die Videos zu „Pavements“, „Softie“ und „Tired II“ zu sehen und einige lobende Worte zu lesen:




    Wy sound like what we want alternative rock’s next iteration to sound like: As catchy as HAIM but with their own raw, dark and vulnerable flavor, the pair make music so mesmerizingly special that you have to hear it to believe it. (…)
    “Softie” follows the release of Wy’s lead single “Pavements” at the top of the year, and while the latter has its share of infectious excitement, “Softie” is the sort of track that will steal our hearts forevermore. (…)
    Ebba Ågren sings her heart out in a profound assertion of vulnerability and desire, growing out of a faraway whisper in the verses to a close roar in the chorus. “Softie” is in so many ways an expression of an individual’s inner pain and self-doubt, and the hardship that goes alongside those personal experiences. Wy evoke a stirring mix of emotions through the pre-chorus’ beautiful poetry.
    (Atwood Magazine)




    Just like the rest of the project, “Softie” was inspired by the turbulence of human existence and by Ebba‘s experience of being bipolar. Thematically, it’s a logical follow-up to “Pavements” as the song was dealing with depression and starting by “who the hell made me like this?”. Sonically softer around the edges, the aptly named “Softie” remains a disconcertingly raw testimony loaded with vulnerability and a willingness of trying to become a better person.
    (High Clouds)




    The whole album feels like a celebration of being human and allowing yourself to feel, to grow, to cope, with each individual song playing a part in this journey of self-acceptance.
    The standout track for me is Twenty-two Dreaming. The twinkling guitar and atmospherical synth lend a convivial tone to the song, contrasting to the lyrics which Wy themselves say are “kind of dark”. It takes you on a journey as the guitar merges with a heavier more distorted sound as Ebba’s poignantly tender vocals gain depth as she sings “Don’t want to feel the grey of it, always”.
    What I love about Softie is that however real it is, it’s not downbeat. It has a lovely sense of hopeful optimism because guys; it’s ok to feel and talk about these things. We’re all human.
    (IMN)




  • The Get Up Kids - Problems


    Erinnert sich noch jemand an Emo? Was Mitte der 80er Jahre als Emotional Hardcore begann, ging in den 90ern mit Bands wie Jimmy Eat World oder Weezer in den Alternative/Indie-Rock über, um in den frühen 2000ern mit Dashboard Confessional, My Chemical Romance oder auch Fall Out Boy auch in den Mainstream und in die Charts einzuziehen.

    The Get Up Kids, ein Quintett aus Kansas City, waren zwischen 1995 und 2005 mit vier Alben involviert, auch wenn der ganz große Chart-Erfolg ausbleiben sollte („On A Wire“ (2002) und „Guilt Show“ (2004) erreichten auf dem Vagrant Label knapp die Top 60 der US-Charts).
    Nachdem man sich kurzzeitig aufgelöst hatte, fanden Matt Pryor (Gesang, Gitarre), Jim Suptic (Gitarre), Rob Pope (Bass), Ryan Pope (Schlagzeug) und James Dewees (Keyboards) Ende 2008 wieder zusammen und veröffentlichte mit „There Are Rules“ (2011) ein neues Album. Platz 124 in den USA dürfte ihr neues Label (Quality Hill) nicht zufrieden gestellt haben.
    Letztes Jahr gab es mit der „Kicker“ EP (auf Polyvinyl Records) ein erneutes Lebenszeichen der Get Up Kids und nach 8 Jahren Albumpause gibt es mit „Problems“ nun eine neue Platte der Band, die von Peter Katis (The National, Interpol) produziert wurde. Neben der hellblauen Schallplatte kann man auf der Bandcamp-Seite noch Exemplare der limitierten 180-Gram Pink/Light Blue Starburst LP käuflich erwerben.
    Bei Metacritic steht „Problems“ tatsächlich deutlich besser dar (80/100 Punkten) als die drei vorherigen Alben, die in die Charts einziehen konnten. Offensichtlich hat die Pause den Get Up Kids gut getan:


    Every song on this album is strong, starting from the compelling opener, “Satellite,” which firmly establishes the return to the classic Get Up Kids style which is as strong of an opener as “Holiday” or “Man of Conviction.” “The Problem is Me” is one of the bounciest, catchiest pop songs that The Get Up Kids have ever put out. “Lou Barlow” starts and ends as a tribute to the Dinosaur Jr. bassist, and in the middle it fills in as one of Matt Pryor’s classicly angsty emo songs. “Fairweather Friends” succeeds thanks to perhaps drummer Ryan Pope’s best performance to date, giving an absolutely electrifying performance. “The Advocate” is a welcome return to the experimental style of On a Wire rather than the over-experimentation of There are Rules. And, while the first three Get Up Kids albums were notable for their excellent closing tracks, that sort of ended with Guilt Show’s mediocre closing track, “Conversation.” On Problems, they return with another strong ballad of a closer in “Your Ghost is Gone” and, while it may not be on par with “I’ll Catch You,” it’s certainly on par with “Michele with One L” and “Hannah Hold On.”
    (Punk News)




    Problems opens with "Satellites," a headbanger that opens with soft acoustic guitar before kicking into an anthemic chorus that's reminiscent of '90s pop punk. Lyrics about feeling anxious and isolated even in a crowded room are instantly relatable.
     "Salina" and "Fairweather Friends" are absolute standouts; the guitar work is flawless, a fuzzy bass line is warm and inviting and pairs perfectly with the bright guitar riffs — the interlude is utterly magnificent. (…)
    The Get Up Kids have a talent for writing catchy and infectious hooks and choruses and it's what has kept them on the map for over two decades. Both old and newer fans will find songs they enjoy and hopefully never stop listening to on Problems.
    (Exclaim)




    Most of the record jabs and punches like a heavyweight on the comeback trail with tracks like "The Problem Is Me" or "Fairweather Friends" sounding like the work of a band with lots to prove and little time to do it. They charge through the verses with purpose and blast into the verses with a feverish glow that cuts through the noise of the day and forces the listener to take notice. The songs that dial down the energy still have a tightly wound emotional core that comes through in the aching vocal harmonies, the swell of the keys, guitar solos that threaten to tear up speakers, and Pryor's intimate, everyman tone. The band at its best never relied on speed or noise alone to get the point across, and songs like the lovely midtempo melancholy ballad "Salina" or the tightly wound "The Advocate" have the same kick as the faster songs and maybe a little more emotional impact.
    (All Music)

    The Get Up Kids in Deutschland:
    21.05.19 Wiesbaden, Schlachthof
    22.05.19 Berlin, SO36
    23.05.19 Köln, Luxor





  • The National - I Am Easy To Find


    10 Fakten zum neuen Album von The National:

    1. So schnell war gar nicht mit dem achten Album von The National zu rechnen, denn die Veröffentlichung von „Sleep Well Beast“ liegt erst 20 Monate zurück. Mit einem Abstand von 616 Tagen zwischen zwei Alben, verfehlte das Quintett somit seinen persönlichen Uralt-Rekord (588 Tage zwischen „Sad Songs For Dirty Lovers“ (2003) und „Alligator“ (2005)) nur knapp.

    2. Dafür bricht „I Am Easy To Find“ andere individuelle Rekorde von The National: 16 Songs? Gab es zuvor noch nicht auf einem Album (Rekordhalter bisher: „Alligator“ und „Trouble Will Find Me“ mit 13 Songs). Eine Laufzeit von 63:35 Minuten? Ebenfalls neuer „nationaler“ Rekord. (Rekordhalter bisher: „Sleep Well Beast“ mit 57:32 Minuten).

    3. Neben der CD und der Doppel-LP (black Vinyl) ist „I Am Easy To Find“ auch als limitiertes Deluxe Vinyl erhältlich: Pressed on 3x12" standard weight vinyl.  Set includes opaque red, yellow, and grey colors as featured in the imagery.  Tri-fold LP jacket with 3 x printed inner sleeves. Includes a 24 page booklet and foldout poster. Sides A - D features full album tracklist with side E featuring the "I Am Easy To Find Original Film Score" with a side F etching.    

    4. „I Am Easy To Find Original Film Score“ auf der ersten Seite der dritten Schallplatte? Was soll das denn sein? „I Am Easy To Find“ ist auch ein 24-minütiger Kurzfilm von Mike Mills (Regisseur von „Beginners“, „20th Century Women“ oder zahlreichen Videos von Air, Pulp, Mansun oder The Divine Comedy sowie Designer) mit Oscar-Gewinnerin Alicia Vikander in der Hauptrolle. Mills kontaktierte Matt Berninger 2017 und schlug eine gemeinsame Zusammenarbeit vor, aus der sich der Kurzfilm und das Album entwickelten. Hier ist der Film von Mike Mills zu sehen:




    5. Das Album wurde folgerichtig gemeinsam von Mike Mills und The National produziert. Als Hauptstudio wird Long Pond im Hudson Valley genannt, jedoch fanden die Aufnahmen auch an zahlreichen anderen Orten, zum Beispiel in Berlin, Paris, Dublin oder New York, statt. 

    6. Auch die Anzahl der Gastsängerinnen ist rekordverdächtig: Lisa Hannigan, Sharon Van Etten, Mina Tindle, Gail Ann Dorsey, Eve Owen, Diane Sorel und Kate Stables (This Is The Kit) unterstützen Matt Berninger. Dazu der Sänger: „Yes, there are a lot of women singing on this, but it wasn't because, ›Oh, let's have more women's voices‹, it was more, ›Let's have more of a fabric of people's identities.‹ It would have been better to have had other male singers, but my ego wouldn't let that happen.“

    7. Weitere Musiker, die in die Entstehung von „I Am Easy To Find“ involviert waren: Justin Vernon (Bon Iver), Thomas Bartlett (Doveman), Alexander Ridha (Boys Noize), Mélissa Laveaux, Jan St. Werner und Andi Thoma von Mouse On Mars sowie der Brooklyn Youth Chorus. Die Texte stammen aus der Feder von Matt Berninger und/oder Carin Besser, die Songs wurden von Aaron und Bryce Dessner komponiert („You Had Your Soul With You“  gemeinsam mit Thomas Bartlett). 




    8. Vorab veröffentlichten The National drei Singles aus „I Am Easy To Find“: „You Had Your Soul With You“ eröffnete den Reigen im März, blieb aber ohne eigenes Video. Im April folgte „Light Years“ (Video oben) und 3 Wochen vor der Albumveröffentlichung am 17. Mai „Hairpin Turns“ (Video unten).




    9. Metacritic listet sieben der acht Alben von The National auf. Die letzten sechs Platten kommen auf eine durchschnittliche Bewertung von über 80/100 Punkten! Hier der Überblick: „Sad Songs For Dirty Lovers“ (78/100, 2003), „Alligator“ (82/100, 2005), „Boxer“ (86/100, 2007), „High Violet“ (85/100, 2010), „Trouble Will Find Me“ (84/100, 2013), „Sleep Well Beast“ (83/100, 2017) und „I Am Easy To Find“ (81/100, 2019).

    I AM EASY TO FIND bricht gewohntes Terrain auf und bedient sich dabei zweier Strategien. Zum einem versprüht die Platte jenen Geist der Kooperative, den schon das von den Dessner-Brüdern mitkuratierte „People“-Festival im Funkhaus Berlin ausstrahlte.
    Die Songs erlauben sich Umwege, verlassen gängige Schemata. Sie tun das nicht so radikal wie beispielsweise die Stücke des letzten Bon-Iver-Albums 22, A MILLION: The National erlauben sich auch kleine, sehr analog inszenierte Songs wie „Not In Kansas“ (wobei auch dieser Song seine Brüche hat). Aber die Bereitschaft, andere musikalische Gebiete zu erforschen, sei es Gospel, sei es Klassik, sei es Neue Musik, sei es Elektronik, ist durchaus vergleichbar.
    (musikexpress)

    10. The National scheinen ständig auf Tournee zu sein. Erst wurden nur zwei Konzerte in Deutschland im Sommer angekündigt, dann kamen irgendwann sechs weitere Auftritte im Winter hinzu. Das sind die Termine:
    15.07.19 Frankfurt, Jahrhunderthalle
    16.07.19 Hamburg, Stadtpark (ausverkauft)
    26.11.19 Berlin, Columbiahalle
    27.11.19 Berlin, Columbiahalle
    01.12.19 Bochum, RuhrCongress
    02.12.19 Köln, Palladium
    04.12.19 München, Zenith
    05.12.19 Stuttgart, Porsche Arena



  • Kevin Morby - Oh My God


    Der Begriff Gospel leitet sich vom Altenglischen gōdspel ab und beschreibt eine gute Nachricht. Im Christentum ist damit die Botschaft gemeint, die Gott durch Jesus Christus an die Menschen richtet und deren Verkündigung Aufgabe der Christen ist. Zudem beschreibt dieser Begriff jene christliche afroamerikanische Stilrichtung, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Negro Spiritual sowie Elementen des Blues und Jazz entwickelt hat.

    Kein Wunder also, dass sich Kevin Morby auf einem Konzeptalbum über Religion und Spiritualität mit dem Titel „Oh My God“ reichlich bei dieser Musikrichtung bedient. Egal, ob Rock ’n‘ Roll- oder Folksong, egal, ob Harfe, Piano, Flöte, Orgel, Saxophon oder Handclaps die Lieder begleiten, der E-Gitarre ein verzerrtes Solo entrungen oder sich im Walzertakt gewogen wird, der Gospel-Chorgesang ist allgegenwärtig.

    Kevin Morby ist ein 31-jähriger, aus Texas stammender Singer/Songwriter, der mit „Oh My God“ (Kassette, CD, 2LP auf schwarzem oder blauem Vinyl) sein fünftes Album vorgelegt hat und dafür von der Kritik, die auch vor ernst gemeinten Vergleichen mit Bob Dylan, Leonard Cohen oder Van Morrison nicht zurück schreckt, ziemlich abgefeiert wird. Hören wir uns doch drei Songs des Album, „OMG Rock n Roll“, „No Halo“ und „Nothing Sacred / All Things Wild“, an, während wir einige begeisterte Reviews lesen:




    Not a single cut on Oh My God feels out of place. Each song is effulgent in its composition and intention, from the hymnal boogie "OMG Rock n Roll," to the wholly intimate "Seven Devils" to the bashful and bluesy "Ballad Of Faye." Despite always feeling full and fleshed-out, Oh My God is comparatively and intentionally sparse when held up Morby's earlier albums. (…)
    To decree a record as an artist's "epic" is always a paradoxical accomplishment, suggesting heights that may never be reached again, and casting past works, great though they may be, into a comparative pale. But it's hard not to be awed by a record that has you saying its name to simply describe it.
    (Exlaim)




    There are rich variations in mood. On the opening “Oh My God,” the singer’s prayerful refrain (“Oh my lord / Come carry me home”) is a quiet, solitary plea that rises out of a rickety piano melody that sounds as if it’s emanating from your grandparents’ attic. Three songs later (“OMG Rock n Roll”), it’s a rollicking doomsday anthem, all bleating organs and grimy guitar fuzz as Morby combines the same lyrics with the ambient anxieties of the mass shooting age. And six songs after that, the singer is awed at the simple daily fact of being alive: “This life is a killer! / But oh, what a ride! / Just to wake up each morning! / Just to open your eyes!” goes the messy celebratory shuffle of “Congratulations.” Oh My God is full of lines that teeter on the brink of hippie-dippie inanity, and sometimes they cross over, but Morby delivers them with enough conviction and musical restlessness to make you rise from your couch and join him in wondering where the hell a baby bluebird goes when it dies.
    (Paste Magazine)




    ‘Oh My God’ is a dense listen and though there are more immediate moments (the raucous ‘OMG Rock n Roll’ and the shapeshifting ‘Hail Mary’ are two examples), you can let this album wash over you and wallow in its most intense songs, for they are the ones that will linger longest. Like the twinkling ‘Sing A Glad Song’, a cut not too dissimilar to the aura of ‘Singing Saw’, or the pensive ‘I Want To Be Clean’, a song that’d nestle in nicely into the folksy spirit of second album ‘Still Life’.
    This is a remarkable achievement, one that proves that Morby remains on top form. Let ‘Oh My God’ be your companion and guide. You won’t immediately learn the meaning of it all, but there’s more than enough here to spark some seismic internal reflection, wherever you’ve come from or are heading to next.
    (NME)



  • Vampire Weekend - Father of the bride




    Bereits im Februar machten mir Vampire Weekend mit diesem Song richtig Lust auf deren neues Album:


    Ich nehme es vorweg: Nicht alle Titel auf "Father of the bride" spielen auf diesem Niveau, aber ein echter Ausfall ist auch nicht dabei. Und bei sage und schreibe 18 Tracks ist das eine Leistung.

    Sechs Jahre sind seit Veröffentlichung des Vorgängers "Modern vampires of the city" vergangen. Da blieb genug Zeit für eine Tour, Ezra Koenigs eigene Radiosendung, seine Netflix-Serie und die eine oder andere weitere musikalische Tätigkeit. Und Vater wurde er letztes Jahr auch noch.

    Gründungsmitglied Rostam Batmanglij hat die Band bereits vor einiger Zeit verlassen, aber zu "Father of the bride" hat er ebenso beigetragen wie viele Gäste. Besonders prägend ist Danielle Haims Gesang, welcher auf der Hälfte des Songs zu hören ist. Selbst ohne die Gäste hätten Koenigs Ideen dieses Album eindrucksvoll gefüllt. Vampire Weekend war schon seit dem Debüt schwer berechenbar und vielseitig. Doch nun auf "Father of the bride" klingen sie dazu noch souverän, erwachsen... und trotzdem nie langweilig: Das ist nahezu perfekter Indiepop.

    Neben dem bereits gelobten "Harmony hall" stechen vor allem "This life", "How long?", "Sympathy" und "Flower moon" hervor. Insgesamt kann man "Father of the bride" nur als äußerst gelungen bezeichnen und für die Jahresbestenlisten vormerken.

    "Sunflower":

    "This life":


    NME:
    Depending on your mood, there’ll be songs you’d happily lop off for a more streamlined listen, but by and large, all of these songs make the patchwork much more vibrant. If there’s another wait this long for album five, we trust that they’ll make use of the time.


  • HÆLOS - Any Random Kindness


    Davon dass Trip Hop lebt, kann man sich auf „Any Random Kindness“, dem zweiten Album von HÆLOS überzeugen. Seit ihrem Debütalbum „Full Circle“ (2016) ist die Londoner Band zu einem Quartett angewachsen, das nun aus Lotti Benardout, Arthur Delaney, Dom Goldsmith und Neuzugang Daniel Vildosola, der ursprünglich nur als Live-Gitarrist fungierte, besteht.

    Auf „Any Random Kindness“ gibt es düsteren Trip Hop zu hören, der häufig an Massive Attack („Boy / Girl“ oder das an „Unfinished Sympathy“ erinnernde „Empty Skies“), Moby („End Of World Party“) oder Unkle („Kyoto“) gemahnt. „ARK“ hätte man sich auch gut als mit vertrackten Rhythmen unterlegte Piano-Ballade von Radiohead vorstellen können. Jedoch zielen die neuen Songs deutlicher noch als beim Vorgänger Richtung Dancefloor, da sich im Verlauf der häufig eher ruhig beginnenden Lieder zunehmend Percussion und Beats einschleichen, um den Song letztendlich zu kapern („Buried In The Sand“).

    Die Kritiker scheinen diesen Wandel zu gutieren, denn bei Metacritic wird der Wert des Vorgängers (69/100 Punkten) deutlich verbessert (80/100).
    „Any Random Kindness“ ist im Klappcover auf transparentem Vinyl erhältlich und bietet 11 Songs in knapp 58 Minuten.




    It's a thrill to experience and one that is challenged elsewhere by the hypnotic and luscious "Buried in the Sand," which whips up a trance-like frenzy of reverie, and "Empty Skies," a throwback to '90s soul/house sounds that stretches the lead pair's vocals. Likewise, "End of the World Party" maintains the nostalgia with a classic Lyn Collins/Rob Base & DJ E-Z Rock sample, connecting dancefloors across the decades through an infectious sonic wormhole. In addition to the party-starters, uplifting moments such as "So Long, Goodbye" and "Another Universe" elevate Any Random Kindness with grace, while the bluesy, piano-bar closer "Last One Out (Turn the Lights Off)" pulls everything together with a final plea for positivity and a light in the darkness. Cerebral yet soulful, Any Random Kindness strikes an ideal balance for Hælos, a significant step forward in their evolution.
    (All Music)




    The songs on Any Random Kindness take time to sink in, with hooks revealing themselves over time with the band clearly understanding the need to take risks to grow musically. The mix of the organic and synthetic is handled skillfully throughout with slowly rippling melodies suddenly enveloped by swarming crowds of busy electronics and charged live drums. The band's second album finds HÆLOS expanding on their core sound while reminding themselves and the listener of just why they are such an exciting and intriguing outfit.
    (PopMatters)




    HÆLOS in Deutschland:
    10.10.19 Berlin, Frannz Club
    11.10.19 Hamburg, Waagenbau



  • Howard Jones - Transform


    Gestern sprachen wir bereits im Rahmen der Vorstellung von „Dizzy Spells“, dem Debütalbum der ehemaligen Veronica Falls Sängerin Roxanne Clifford, über Retro-80s-Pop - da ist der Weg zu Howard Jones gar nicht so weit.  

    Seine größten Erfolge feierte der mittlerweile 64-jährige Engländer zwischen den Jahren 1983 und 1985 mit Singles wie „New Song“, „What Is Love?“, „Like To Get To Know You Well“ und „Things Can Only Get Better“ sowie den dazugehörigen Alben „Human’s Lib“ (1984) und „Dream Into Action“ (1985). Und obwohl ich in diesen Jahren die Pop-Musik für mich entdeckte und zunächst mit dem Kauf von Singles und etwas später Alben begann, steht tatsächlich keine einzige Platte von Howard Jones in meinem Plattenschrank, obwohl er wirklich im Radio und bei der TV-Sendung „Formel Eins“ allgegenwärtig war und insgesamt sechs Top Ten Singles in England feiern konnte. 

    Von den Charts ist Jones mittlerweile weit entfernt: 1998 konnte sich zuletzt seine Single „Let The People Have Their Say“ in Großbritannien (#99) und Deutschland (#85) platzieren, bei den Alben wartet er sogar seit 30 Jahren auf einen Charts-Einstieg („Cross The Line“ erreichte 1989 noch Platz 64). Nichtsdestotrotz hat er kontinuierlich Alben veröffentlicht, auch wenn die zeitlichen Abstände zuletzt etwas länger wurden. „Transform“ lautet der Titel seines 13. Studioalbums und ist, nach experimentellen Abstechern in Richtung Ambient oder Klassik, wieder ein lupenreines Synth-Pop-Album geworden, wie man es genau so von Howard Jones erwarten würde, wenn man, wie ich, zuletzt vor fast 35 Jahren Notiz von ihm genommen hat.

    Howard Jones setzt jedoch nicht nur auf Retro-Glückseligkeit und Synthesizer-Nostalgie („Hero In My Eyes“), sondern versucht mit seinen musikalischen Mitstreitern, dem Produzenten Robbie Bronnimann (Ultravox, Nicki Minaj) sowie dem US-Elektro-Musiker Brian Transeau (BT), den Zeitgeist zu integrieren, indem es mal in Richtung Funk geht („Stay With Me“), wummernde Beats in Richtung Tanzfläche ziehen („Take Us Higher“) oder der obligatorische Stimm-Verzerrer zum Einsatz kommt („Tin Man Song“). 

    „Transform“ richtet sich an Menschen, die sich im letzten Jahr die neu aufgelegten Deluxe Versionen von „Human’s Lib“ und „Dream Into Action“ geleistet haben und auch weiterhin treu neue Alben von O.M.D. kaufen.




    Transform is remarkably consistent to Jones’ lush brand of synthpop. Right from the top, “The One To Love You” feels like an unearthed ‘80s artifact in the best way, maintaining a deliciously layered complexity that is as exciting to listen to through headphones as it through dance floor speakers—even if that dance floor is your living room.
    With a crunchy drum line and throbbing bass, “Take Us Higher” is like a Depeche Mode’s relentlessly upbeat cousin. “Tin Man” has a similar grounding on the percussion, with the keyboard lines doing workman-like duty on a more traditional ballad. (…)
    “Beating Mr. Neg” is a little heavy, with a slinky, zebra-striped backbeat that sounds like the opening titles of an arcade racing game, but the firework flourish of the chorus serves as a bridge between the eras, sounding more The 1975 than Kraftwerk. The simple piano coda is a nice touch. (…)
    The bubble-pop “Be My Own Hero” is a little too light to land amongst the heavier hitters like “Take Us Higher” and “Beating Mr. Neg,” and the Windham Hill flute line on “At The Speed of Love” is a bit of a downer, even if it does conjure back to “Transform.” Every album needs a ballad, but this one falls strictly on the B-side sense of things.
    And, of course, just as it opened, the album closes with a banger, “Stay With Me,” with its sharp, right-angle beats and a chorus that sounds like the gospel choir at the First Church of Robots.
    It’s always a gamble for a musician to fall back into the orbit he’s known for. At worst, at sounds stale and lazy. But at it’s best, well, it sounds like Transform, a balance of what is familiar and innovative, new magic from old spells.
    (Paste Magazine)





  • Patience - Dizzy Spells


    Mit The Proper Ornaments („Six Lenins“, 2019, „Foxhole“, 2017) und Ultimate Painting („Up“, 2018) gab es in den letzten Jahren bereits zwei Bands, die aus der 2014 aufgelösten Band Veronica Falls hervorgegangen sind. Beide wurden von deren ehemaligem Gitarristen James Hoare gegründet.
    Mittlerweile ist auch Roxanne Clifford, die frühere Sängerin der Veronica Falls, bei ihrem ersten Soloalbum angelangt, das sie unter dem Pseudonym Patience veröffentlicht hat. 

    Bereits seit 2016 veröffentlichte sie mit „The Pressure“, „The Church / My Own Invention“ und „White Of An Eye“ erste Singles unter ihrem neuen Namen. Dabei schwor sie dem Jangle-Pop/Indierock von Veronica Falls gänzlich ab und orientierte sich an Retro-80s-Pop, so dass einem beim Hören von „Dizzy Spells“ Pet Shop Boys, O.M.D., The Human League und Eurythmics in den Sinn kommen. „White Of An Eye“ sorgt dafür, dass man New Oder unbedingt dieser Aufzählung hinzu fügen muss.

    Wer dieses Jahr „Ladytron“ wiederholt auf seinem Plattenteller laufen ließ, sollte auf jeden Fall auch zu „Dizzy Spells“ greifen, das in der limitierten Auflage auf clear Vinyl erhältlich ist.




    Tracks like ‘Living Things Don’t Last’ find twinkly synths clashing with forlorn lyrics sung in wistful reminiscence, and it is a measure of the strength of her writing that her full-bodied leap into the analogue synth world has seen her sacrifice none of that melancholic ecstasy.
    There is nothing revolutionary about Dizzy Spells, but it would take effort to resist its charms. ‘The Girls are Chewing Gum’, produced by UK garage lynchpin Todd Edwards, is a stomping Chicago house-inspired indie disco throwdown, equipped to rub shoulders with the best of DFA or Creation. The pristine ‘Moral Damage’ sees Clifford in a bilingual duet with former Veronica Falls bandmate Marion Herbain, while Clifford’s wit shines through on album highlight ‘The Pressure’: “My friends tell me you asked for me/ The world could end before we agree”.
    (Loud and Quiet)




    Those singles are all present on the first Patience record, Dizzy Spells, and it says a lot about the record that they aren't necessarily the best songs there. Sessions done at home in L.A. resulted in some wonderful songs, too. The Todd Edwards collaboration "The Girls Are Chewing Gum" is an infectious slice of lo-fi house, "No Roses" is a yearning ballad that sounds like baby Yaz, "Aerosol" is wonderfully melancholy '80s pop, and "Moral Damage" is a stately Europop tune that features a vocal turn by Clifford's Veronica Falls bandmate Marion Herbain. She does bring in guitars once or twice, most notably on the New Order-esque "Living Things Don’t Last." Throughout, Clifford proves as adept at pressing keys and programming synths as she was at strumming a guitar, and the different setting gives her a chance to stretch vocally in ways she might not have been able to if buried in reverb and live drums. (…)
    Fans of Veronica Falls can still lament that the band is gone for good, but Patience is a fine substitute that delivers the same great songs and deep feelings only in a different package.
    (All Music)




    White of An Eye is propelled by a bouncy undercurrent and a jangly guitar refrain, but Clifford intones: 'I haven’t seen it in a while / The light that comes from a smile'.
    Much of the album follows suit, but the likes of dextrous bilingual powerhouse Moral Damage, where Clifford is joined by fellow former Veronica Falls member Marion Herbain, and closer Silent House, with its warped choral opening and almost baroque keys, break the mould. Such moments help prevent Dizzy Spells from becoming one-note by putting a different spin on the happy-sad formula, keeping it a bright yet bittersweet full-length exploration of Clifford’s new sonic world.
    (The Skinny)






  • Jens Lekman & Annika Norlin - Correspondence


    Und in Schweden so? (5)

    Mit den von Jens Lekman gesungenen Zeilen „January 1st 2018, I’m writing you now, Annika Norlin, from the remnants of a new years eve“ beginnt der Song „Who Really Needs Who“ und glücklicherweise hat Annika Norlin die letzten Zeilen des an sie gerichteten Liedes („I’ve always liked what goes on in your brain, so would you like to correspond?“) für sich mit Ja beantwortet, denn daraus entwickelte sich das Projekte „Correspondence“: 
    Im Jahr 2018 schrieben sich Jens Lekman und Annika Norlin (Hello Saferide, Säkert!) abwechselnd jeden Monat einen musikalischen Brief, den sie auf der dazugehörigen Internetseite veröffentlichten. So entstanden unter Berücksichtigung der Regel, dass in jedem Lied nur ein Instrument Verwendung finden durfte, damit sich die beiden Songwriter auf den „Brief“ und dessen Inhalt (statt dessen Produktion oder Arrangement) konzentrieren konnten,  jeweils sechs Songs von Jens bzw. Annika. 

    Mit dem bewusst gesetzten Augenmerk auf die Texte geht einerseits auch das einzige Manko von „Correspondence“ einher, denn weder Lekman noch Norlin haben, wie schon so oft in ihren Karriere, die ganz großen Melodien gefunden, die die Lieder unweigerlich in unseren Gehörgängen verankern würden. Andererseits ist es immer wieder schön zu hören, wie sie Bezug auf den Brief aus dem Vormonat nehmen („Thanks for your letter, please send a clone over, I’ll use him for garden work and harmonies“) oder Wünsche für die nächste musikalische Botschaft äußern („Last month when you came to visit, you played a set in the church in the city. For Shirin you set your voice up high and you let go. It made me cry. So when you answer in July, can you please do so in falsetto“).





    Nach Ablauf des Jahres und zwölf sehr persönlichen Liedern, die Erschöpfung, Einsamkeit, Belästigung, Freundschaft, Sekten, Angst vor dem Klimawandel oder das öffentliche Duschen thematisierten, waren Jens Lekman und Annika Norlin so zufrieden mit ihrem gemeinsamen Projekt, dass sie sich zumindest für eine digitale Veröffentlichung entschieden. Für die Hälfte der Songs schrieb Jens Lekman Streicher-Arrangements, die von Ellen Hjalmarsson (Geige) and Petra Lundin (Cello) eingespielt und nachträglich hinzugefügt wurden. 

    Beide berichten hier ausführlich über dieses außergewöhnliches wie großartige Projekt und die einzelnen Songs, die auch in ihren ursprünglichen Versionen noch gehört werden können.




    Für die verbleibenden Monate dieses Jahres wünsche ich mir, dass man doch doch noch eine Möglichkeit zur Veröffentlichung von „Correspondence“ als LP findet und dass Jens Lekman und Annika Norlin für einen langen, dreigeteilten Konzertabend gebucht werden, an denen sie jeweils allein und schließlich gemeinsam auf der Bühne stehen und ihre Lieder vortragen.




  • Agent Blå - Morning Thoughts


    Und in Schweden so? (4)

    Nach drei Platten-Vorstellungen von in Stockholm ansässigen Bands, wird es Zeit für einen kurzen Abstecher nach Göteborg, denn nicht nur in der schwedischen Hauptstadt entstehen spannende Alben.

    Agent Blå sind ein Sextett, das aus Lucas Gustavsson (Gitarre), Emelie Alatalo (Gesang), Felix Skörvald (Gitarre), Josefine Täck (Bass, Gesang) und Arvid Christensen (Schlagzeug) sowie ihrem Neuzugang Tobias Bauer (Keyboards) besteht und von der Begeisterung für Joy Division und Slowdive zusammen geführt wurde. Da wundert es nicht, dass sie ihre Mixtur aus Postpunk und Dreampop sowie Gothic Rock und Gitarrenpop (denn The Cure bzw. Siouxsie And The Banshees und The Smiths dürfen bei den Einflüssen nicht unerwähnt bleiben) selbst Death Pop nennen. 

    2017 war ihr selbstbetiteltes Debütalbum erschienen, seit dem 10. Mai steht nun das über Luxury vertriebene „Morning Thoughts“ in den Plattenläden. In Deutschland sorgt Through Love Records für den Vertrieb und bietet das Album in zwei Versionen (orange / purple Vinyl ) an, die auf 100 bzw. 200 Stück limitiert sind. Um Versandkosten zu minimieren, sei die zusätzliche Bestellung der beiden Alben ("Last Forever", 2015, "Westkust", 2019) von Westkust empfohlen!
    „Child's Play“ und „Something Borrowed“ sollen einen ersten Eindruck des Albums vermitteln:




    De starkaste spåren är lätta att fastna för direkt, likt ”Cambion” som är en riktig fullträff och innehåller allt det som Agent blå är bäst på. Nämligen ett kraftfullt intro som följs av fina verser och tempoväxlingar. Likaså ”You’ll Get It When Your’re Older” med sina gitarrslingor och ”Defenestration” med sitt djup.
    Samtidigt finns det spår som kräver mer tid och kommer ur sitt skal först efter ett par lyssningar. Agent blå:s främsta styrka sitter inte i texterna, stundtals hör man nämligen inte riktigt vilka ord som sjungs. Styrkan ligger snarare i Alatalos röst i sig själv, och därtill den fängslande ljudbilden som på denna fullängdare också bjuder på en del nya rytmer.
    (Hymn)
    Übersetzung: Die stärksten Tracks sind leicht sofort zu finden, wie "Cambion", ein echter Hit, der alles enthält, was Agent blå am besten kann. Ein kraftvolles Intro, gefolgt von feinen Versen und Tempowechseln. Ebenso "You Get It When Your Older" mit seinen Gitarrenloops und "Defestation" mit seiner Tiefe.
    Gleichzeitig gibt es Tracks, die mehr Zeit benötigen und erst nach ein paar Hörversuchen aus ihrer Hülle kommen. Die Hauptstärke von Agent blå liegt nicht in den Texten, manchmal hört man nicht wirklich, welche Wörter gesungen werden. Die Stärke liegt vielmehr in Alatalos Stimme an sich und darüber hinaus in dem fesselnden Klangbild, das auf diesem Album in voller Länge auch einige neue Rhythmen bietet.






  • Weeping Willows - After Us


    Und in Schweden so? (3)

    Dramatisch orchestrierter, zeitloser und meist wehmütiger Pop mit herrlich kitschigen Streichern und leicht schmalzigem, aber immer großartigem Gesang für Fans zwischen Roy Orbison und The Walker Brothers - so würde ich die Weeping Willows jemandem vorstellen, der sie noch nicht in kennt. In ihrer schwedischen Heimat dürfte die Anzahl solcher Menschen überschaubar gering sein, denn mit „After Us“ gelang der 1995 gegründeten Formation dort ihr drittes Nummer Eins-Album. 

    Aber auch nach bald 25 Jahren Bandgeschichte können die Weeping Willows noch überraschen und ließen „After Us“ von Barry Adamson, ehemals Mitglied bei Magazine, The Birthday Party oder Nick Cave And The Bad Seeds und heute verstärkt als Filmkomponist aktiv, produzieren sowie abmischen - auch die Streicherarrangements stammen aus seiner Feder. „Butterfly“ überrascht mit Akkordeon-Klängen in einem Song, den man sich ansonsten auch zu Beginn eines James Bond Filmes vorstellen können, bei „Endless Sleep“ gelingt dies durch einen an Blacks „Sweetest Smile“ erinnernden Saxophon-Auftritt. „Tombstones“ greift gemeinsam mit Martha Skye Murphy die Tradition der Duette wieder auf.

    Auf ihrem achten regulären Album - der Blick auf das dystopische Plattencover deutet es schon an  - richten sich die Weeping Willows um Sänger und Texter Magnus Carlson inhaltlich neu aus, setzen sich mit dem Thema Klimawandel auseinander und ziehen im abschließenden Titelsong ein depressives, verzweifeltes Fazit: „All creatures on planet earth will die, but life continues after us. […] Love songs won’t be sung no more, but life continues after us.“




    Detta är nämligen den starkaste platta som Weeping Willows släppt ifrån sig sedan debuten för drygt 20 år sedan. Kanske någonsin. Aldrig har väl miljöpanik och klimatångest skildrats så här vackert.
    (Göteborgs-Posten)
    Übersetzung:Dies ist die stärkste Platte, die Weeping Willows seit ihrem Debüt vor etwas mehr als 20 Jahren herausgebracht hat. Vielleicht jemals. Noch nie wurden Umweltpanik und Klimaangst so schön dargestellt.





  • ViVii - ViVii


    Und in Schweden so? (2)

    Wie die gestern vorgestellten Melby kommen auch ViVii aus Stockholm und legten kürzlich ihr Debütalbum vor. Das Trio besteht aus Caroline und Emil Jonsson, die ursprünglich aus Göteborg stammen und sich als Kinder in einem Sommercamp kennen lernten, sowie ihrem Freund und Produzenten Anders Eckeborn. Auf Bandfotos ist jedoch zumeist nur das Ehepaar Jonsson zu sehen, da sich Eckeborn im Hintergrund halten möchte. Im Mai 2018 erschien mit „Savant“ eine erste EP, Im Frühjahr 2019 folgte das Debütalbum über Dumont Dumont (Josin, Charlie Cunningham). 

    „ViVii“ bietet elf melodisch-sphärische Dreampop Songs, bei denen sich Caroline und Emil den oftmals gehauchten Gesang teilen. Könnte Freunden von Beach House, Bon Iver und Club 8 gefallen. Aufgrund der Single „Suckerpunch“ muss auch Lana Del Rey genannt werden:

    Die vielleicht erstaunlichste Erkenntnis an diesem Debütalbum und zugleich ein Beleg für das enorme Selbstbewusstsein von ViVii: In allen anderen Songs der Platte singt Caroline Jonsson mit Kopfstimme, die deutlich weniger nach LDR klingt und insgesamt sogar besser zur Ästhetik passt, die das Trio hier zu bieten hat. So drängt sich schon im Opener Pick Me Up eine ganz andere Parallele auf: Er beginnt wie ein Sirup aus Sounds, darüber legt sich dann Emils Helium-Stimme, bevor das Lied mit dem Refrain eine klarere Form findet, die ziemlich sehr einem Seidenschal ähnelt, der sich auf die Haut legt. „You can come and pick me up / you can come and save the day“, singt Caroline, und man muss zwangsläufig an Stars aus Kanada denken, nicht nur wegen der Sanftheit und Eleganz, sondern auch wegen des herrlichen Zusammenspiels der Stimmen.
    Die Strophe von Love Love Love scheint eine hochmoderne Version von Country zu sein, der Refrain steht hingegen für zeitlose Schönheit. Emils Stimme klingt in Wanna Fly wie eine Glaskugel, die zersplittert ist und dann wieder zusammengesetzt wurde. End Of June ist zunächst akustisch, am Ende gibt es Call and Response. Der Anfang von Siv (You And I) lässt an Supertramps Give A Little Bit denken, dann setzen leichtfüßige Rhythmen à la Vampire Weekend ein, schließlich ein Refrain mit großer Geste, wie er zu Kate Bush oder Lorde passen würde.
    (shitesite)









  • Melby - None Of This Makes Me Worry


    Und in Schweden so? (1)

    Neulich bekamen wir eine Anfrage für die Ausrichtung eines Wohnzimmerkonzertes. Die Sache hatte jedoch nicht nur einen, sondern gleich drei Haken: Erstens hatten wir erst wenige Tage zuvor Pete Fij zu einem wundervollen Konzert in unserem Wohnzimmer zu Gast und gerade erst unsere Aufräumarbeiten beendet. Zweitens sollte der angefragte Auftritt noch in der gleichen Woche stattfinden. Und drittens kannten wir die angebotene Band namens Melby, die zu diesem Zeitpunkt auch noch kein Album veröffentlicht hatte, bis dahin auch noch gar nicht. 

    Wer sind also Melby, die eben so händeringend wie kurzfristig nach Konzertorten suchen mussten, da die schwedische Band, deren Auftritte sie supporten sollten, die komplette Tour absagen mussten? 

    Melby sind ein aus Stockholm stammendes Quartett, das aus Matilda Wiezell, Are Engen Steinsholm, David Jehrlander und Teo Jernkvist besteht. 2016 kam ihre erste Single, „Human“, heraus und 2017 wurde über Rama Lama Records eine erste EP veröffentlicht, der zwei Jahre später das Debütalbum folgen sollte. „None Of This Makes Me Worry“ durchmischt leichtfüßigen Indiepop mit Folk- und Psychedelic Pop-Einflüssen sowie englische und schwedische Texte. Das Album wurde in Deutschland über Sinnbus veröffentlicht und erinnert mich, auch aufgrund von Matilda Wiezells Gesang, an die Musik britischer Bands der 90er Jahre, wie The Sundays, Broadcast, Lush oder The Cranberries.

    In unserem Wohnzimmer wären Songs wie „VCR“ oder „Reject“ vermutlich auch eher akustisch dargeboten worden (die Links führen zu den Albumversionen der beiden Lieder):




    Melodieverliebt und allem Anschein nach weit zurückgelehnt, schrammelt sich das Quartett ein kurzweiliges, vielversprechendes Erstlingswerk zusammen. (…) Das Genre-Pendel schlägt mal in Richtung Country, mal in Richtung Blues oder auch unschuldigen Pops aus. "Reject" und "Always" fallen in letzte Kategorie. "VCR" lehnt sich ganz in die verträumten Gefilde und schlurft in einen wunderbar eingängigen Refrain. (…)
    Das düstere, bluesige "Stalker", getragen von einem Synthie-Motiv und dank knalligen Drums zum Mitnicken animierend, ist ein starker Abschlusstrack. "I'm not too weak to tell the ruth / And you're not as nice as your green eyes" heißt es, während der Bass unablässig nach vorne drängt. "Stress", komplett in der Muttersprache gesungen, ist allerdings das Album-Highlight. Anfangs schleppend, offenbart der Song nach und nach seine Schönheit, die sich sogar dem des Schwedischen unmächtigen Rezensenten erschließt.
    (Plattentests)





  • Revision: The Cure



    Zuerst einmal: Robert Smith, wir wünschen Dir ein gesundes und noch langes Leben! 
    Der Grund für diesen ungewöhnlichen Einstieg ist ein trauriger, denn 12 Tage nach unserer letzten Revision (Talk Talk) verstarb leider der Sänger Mark Hollis. 

    Kommen wir also lieber zu etwas Erfreulichem, denn Robert Smith kommt aktuell aus dem Feiern nicht mehr heraus: Am 21. April feierte er seinen 60. Geburtstag, am 2. Mai wurde "Disintegration" 30 Jahre alt und heute jährt sich die Veröffentlichung von "Three Imaginäre Boys", dem Debütalbum von The Cure, zum vierzigsten Mal. Grund genug, um nach Morrissey, U2, The Smashing Pumpkins, a-ha und Talk Talk, auch The Cure mit einer Revision zu würdigen.

    Da der ein oder andere Richter an dieser Mammutaufgabe (13 Alben sowie zwei berücksichtigte Compilations) zu scheitern drohte, haben wir den größten uns bekannten The Cure-Fan als Verstärkung in den Gerichtssaal gebeten: Vielen Dank für dein kompetentes Urteil, Axel!



    Three Imaginary Boys 

    1979, Fiction (13 Songs; 33:44 Minuten)



    Dirk:
    Mit dem jungen Robert Smith konnte man das noch machen: Die Plattenfirma entschied, welche Songs auf das Album kamen und wie die Plattenhülle aussehen sollen. Die Entscheidung auf die drei rund um das Album veröffentlichten Singles „Killing An Arab“, „Boys Don’t Cry“ und „Jumping Someone Else’s Train“ zu verzichten und stattdessen zum Beispiel eine Jimi Hendrix Coverversion („Fox Lady“) aufzunehmen, ist nicht nachvollziehbar. So bleiben auf Cure’s Post-Punk-Album „10:15 Saturday Night“, „Grindig Halt“, „Object“ und „Fire In Cairo“ als Highlights.
    Danach ließ sich Robert Smith nicht mehr reinreden und so währte die Verbindung mit Fiction Records bis ins nächste Jahrtausend.  

    7,5 Punkte


    Ingo:
    Die Gnade oder Ungnade der späten Geburt: Ich habe dieses Album vor dieser Revision noch nie komplett gehört. Das ist also das Album zum Hit “Boys don’t cry”, allerdings ohne den Song zu enthalten. “Three imaginary boys” war ein zeitgemäßes Post-Punk-Album. Ihre Alleinstellungsmerkmale hatte die Band noch nicht entwickelt.

    6,5 Punkte


    Oliver:
    Was sich Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts auf meinem Plattenteller drehte, erwähnte ich wohl schon mal in einer anderen Revision. Musik von The Cure gehörten nicht dazu (generell eigentlich keine Platten mit mehr als einer Einleitungsmusik). Trotz der durch meine Vorredner bereits erwähnten „fehlenden“ Titel ein sehr gutes Album.

    8 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    Roh, kraftvoll, kurz. Wenige Stücke überzeugen nicht ganz. 
    Höhepunkt: Three Imaginary Boys
    Tiefpunkt: Foxy Lady (wollte die Band aber auch nie veröffentlichen...)

    8 Punkte


    Gesamturteil: 7,500 Punkte





    Boys Don’t Cry 

    1980, Fiction (13 Songs; 34:09 Minuten)



    Dirk:
    Neun Monate nach „Three Imaginäre Boys“ wurde „Boys Don’t Cry“ veröffentlicht, um The Cure auch außerhalb Englands bekannter zu machen. Die Platte steht irgendwo zwischen regulärem Album und Compilation, begeht aber nicht die gleichen Fehler wie das Debütalbum. Soll heißen: „Killing An Arab“, „Boys Don’t Cry“ und „Jumping Someone Else’s Train“ sind (neben „Plastic Passion“ und „World War“) mit an Bord, auf andere Songs, darunter die überflüssigen „Fox Lady“ oder das Instrumental „The Weder Burton", wurde zurecht verzichtet. Alles richtig gemacht! Wie auch bei ihrem Geburtstags-Festival im Londoner Hyde Park im letzten Sommer, als The Cure ihren Auftritt mit "Boys Don’t Cry“, "Jumping Someone Else’s Train“, "Grinding Halt“, "10:15 Saturday Night“ und "Killing An Arab" beendeten.

    9 Punkte


    Ingo:
    “Boys don’t cry” und auch “Plastic passion” sind schon zwei zusätzliche Tracks, die “Three imaginary boys” aufwerten. Dafür gibt es einen halben Zusatzpunkt. 

    7 Punkte


    Oliver:
    Dirk gibt eineinhalb Zusatzpunkte, Ingo einen halben. Halbe Sachen mache ich hier nicht, erhöhe um genau einen Punkt und somit erhält diese Compilation von mir…

    9 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    Verspielter, melodiöser, besser: das (noch) gelungenere Debutalbum!
    Höhepunkt: Boys Don't Cry
    Tiefpunkt: So What

    8,5 Punkte


    Gesamturteil: 8,375 Punkte





    Seventeen Seconds

    1980, Fiction (10 Songs; 35:40 Minuten)



    Dirk:
    Mit dem zweiten Album beginnt sich das Personalkarussel bei The Cure zu drehen. Michael Dempsey steigt aus, weil ihm die neue musikalische Ausrichtung in Richtung Gotik-Rock nicht gefällt. Während Neuzugang Simon Gallup, mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung, bis heute als Bassist zur Band gehört, wird Matthieu Hartley bereits beim nächsten Album schon wieder Geschichte sein. 
    Wer jemals ein Konzert von The Cure besucht hat weiß, dass „Play For Today“ und „A Forest“ zu den absoluten Highlights zählen und nahezu immer gespielt werden. Somit hat jede der beiden kurzen Plattenseiten einen großartigen Song zu bieten. Darüber hinaus wären noch „M“ und „At Night“ erwähnenswert.

    7,5 Punkte


    Ingo:
    Dieses Album vermittelt für mich erstmals (in Reihenfolge der Veröffentlichung) die Atmosphäre, die ich üblicherweise mit The Cure verbinde. Aber ich war 1980 kein melancholischer Teenager, ich war nicht einmal ein Teenager zu der Zeit. Und heute bin ich es auch nicht, daher gibt es nicht mehr als

    6 Punkte.


    Oliver:
    Eins der ersten The Cure Alben, das ich komplett auf den bei mir in den 80er Jahren heiß geliebten selbst aufgenommenen Musikkassetten hatte. Natürlich noch nicht im Veröffentlichungsjahr, sondern erst, als ich durch “The Head On The Door” 1985 auf The Cure aufmerksam wurde. Aber dadurch oft gehört und darum…

    8,5 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    Düster, minimal, konsequent. Wer hätte gedacht, welche Stadionhymnen aus "A Forest" und "Play For Today" einmal werden?!
    Höhepunkt: Play For Today
    Tiefpunkt: -

    9 Punkte


    Gesamturteil: 7,750 Punkte





    Faith

    1980, Fiction (8 Songs; 36:54 Minuten)



    Dirk:
    Neues Jahr, neues The Cure Album. Wer in so schneller Folge Alben auf den Markt wirft, muss Einschränkungen in Kauf nehmen: „Faith“ bietet nur 8 Songs und bleibt wie seine beiden Vorgänger deutlich unter 40 Minuten. Apropos Kauf: „Faith“ ist das erste Album von The Cure, das an die Spitze der Charts gekauft wird. Und zwar in Neuseeland. Das Album steht für drei Wochen auf Platz 1 und wird von „Unknown Pleasures“ von Joy Division abgelöst. Was für ein großartiges Land! Apropos großartig: Mit „Primary“ ist ihnen ein weiterer großartiger Song gelungen. Darüber hinaus wären noch „Other Voices“ und „The Funeral Party“, das schon ein wenig nach „Disintegration“ klingt, erwähnenswert. 

    7 Punkte


    Ingo:
    Das Album hat seine Momente. Aber zwischen den flotteren Post-Punk Songs und den wirklich trägen Titeln wirkt es auf mich komplett zerrissen. 

    6 Punkte


    Oliver:
    “Faith” wiederum ist ein selten gesehener Gast auf meinen Tonträgerabspielgeräten. Warum eigentlich? Allein “The Funeral Party” sollte dazu animieren, dieses Album öfter aufzulegen.

    8 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    Düsterer, minimaler, konsequenter. Und nur für wirkliche Fans: der Soundtrack zu "Carnage Visors" auf der Cassetten-B-Seite!
    Höhepunkt: The Funeral Party
    Tiefpunkt: - 

    9,5 Punkte


    Gesamturteil: 7,625 Punkte





    Pornography 

    1982, Fiction (8 Songs; 43:30 Minuten)



    Dirk:
    Vier Alben in vier Jahren, dazu das Konzept, das jeweils am Ende der Platte der Titelsong steht. Aber seit zwei Jahren kein Personalwechsel mehr und die Geschichte des düsteren, beklemmenden Gothic-Rocks war auch erst einmal zu Ende erzählt. Danach sollte alles anders werden, immer wieder.
    Die vorab veröffentlichte Single „Charlotte Sometimes“ fehlt leider auf „Pornography“, so bleiben „The Hanging Garden“, „A Strange Day" und „One Hundred Years“ als erwähnenswerte Songs zu nennen. 

    7 Punkte


    Ingo:
    Ähnlich homogen wie “Seventeen Seconds”. Aber auf “Pornography” fehlen mir jegliche Höhepunkte. Über die gesamte Spielzeit einschläfernd. 

    6 Punkte


    Oliver:
    Auf der B-Seite meiner Kassette mit “Seventeen Seconds” befand sich “Pornography”. Da ich die B-Seite dieser Kassette immer besser fand (und es auch wirklich ein großartiges Album ist) gibt es hier…

    9 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    Dramatisch, aggressiv, depressiv. Und ohne Schwächen!
    Höhepunkt: -
    Tiefpunkt: - 

    9,5 Punkte


    Gesamturteil: 7,875 Punkte





    Japanese Whispers

    1983, Fiction (8 Songs; 28:27 Minuten)



    Dirk:
    Simon Gallup hatte die Band mittlerweile verlassen, Lol Tolhurst wechselte vom Schlagzeug an die Keyboards und The Cure (oder besser Smith & Tolhurst) öffnen sich Anfang der 80er Jahre überraschend für New Wave und Synth-Pop. Das Resultat sind die Single „Let’s Go To Bed“, „The Walk“ und „The Love Cars“, die auf „Japanese Whisper“ gemeinsam mit ihren B-Seiten (auch wenn „Mr. Pink Eyes“ ausgelassen wurde) zusammengefasst sind. 8 Songs in 29 Minuten - viel mehr als diese Zusammenstellung hatten „Seventeen Seconds“ oder „Faith“ auch nicht zu bieten. „The Walk“ war der erste Top 20 Hit von The Cure im Vereinigten Königreich (#12), „The Love Cars“ ihre erste Top 10 Single (#7) - nur zwei spätere Singles sollten sich in ihrer Heimat höher platzieren... 

    7,5 Punkte


    Ingo:
    Bei der Durchsicht der vorbereiteten Gerichtsvorlage fiel mir auf, dass ich dieses Album nicht bewertet hatte. Mein lautstarkes “Nein” führte zur Rückfrage: “Was ist los?” “Ich habe eine The Cure-Album vergessen!” “Kannst Du nicht so tun, als hättest Du es gehört? Es klingt doch bestimmt wie die anderen?!” Streng genommen handelt es sich ja auch nicht um ein reguläres Studioalbum sondern um eine Zusammenstellung von Singles und B-Seiten. Aber anscheinend drücken die anderen Richter bei The Cure mindestens ein Auge (oder Ohr?) zu. 
    Richterpflicht ist Richterpflicht. Und so schlimm ist “Japanese whispers” gar nicht. Zu der New Wave-Phase der Band passt der Gesang gut. “The lovecats”, “Let’s go to bed” und “The walk” waren Singles, die ihrer Zeit absolut würdig waren. 

    6,5  Punkte


    Oliver:
    Wenn ich mir die Urteile der Mitrichter so anschaue, scheine ich ja ein echter Fanboy des The Cure Frühwerks zu sein. War mir gar nicht so bewusst. Hier komme ich allerdings zur gleichen Wertung wie Dirk.

    7,5 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    Poppig, verspielt, nett. Und eigentlich gar kein richtiges Album! Hätte man nach der Logik nicht auch "Mixed Up" hier aufnehmen müssen?!
    Höhepunkt: La Ment
    Tiefpunkt: Speak My Language

    7 Punkte


    Gesamturteil: 7,125 Punkte





    The Top

    1984, Fiction (10 Songs; 40:55 Minuten)



    Dirk:
    Robert Smith tanzt auf mehreren Hochzeit und nimmt mit Lol Tolhurst und Neuzugang Andy Anderson das fünfte Album von The Cure auf, während er gleichzeitig Gitarrist bei Siouxsie and the Banshees, die „Hyæna“ aufnehmen, und nebenher existiert noch eine aus diesen beiden Bands gemischte Formation namens The Glove, die 1983 ihr einziges Album „Blue Sunshine“ herausgebracht hatte.
    Musikalisch ist „The Top“ so bunt wie seine Plattenhülle, man höre nur den fröhlich-eingängigen Pop der einzigen Single „The Caterpillar“ neben dem Psychedelic-Rock von „Shake Dog Shake“.
    2014 sah ich The Cure in London und dort spielten sie 40 (!) Songs - munter in der Setliste verstreut: alle Lieder von „The Top“. Mit fast allen anderen Alben hätten sie mir mehr Freude bereitet.

    6 Punkte


    Ingo:
    Den Titel verdient das Album keinesfalls. Noch verwirrter als “Faith”.

    5,5 Punkte


    Oliver:
    Und auch hier bin ich punktemäßig nah an Dirk und Ingo. “The Caterpillar” ist das poppige Highlight auf einem mediokren Album.

    6,5 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    Experimentell, abwechslungsreich, überraschend.  Was für die Beatles "Revolver" ist, ist "The Top" für The Cure!
    Höhepunkt: Wailing Wall
    Tiefpunkt: Give Me It

    9 Punkte


    Gesamturteil: 6,750 Punkte





    The Head On The Door

    1985, Fiction (10 Songs; 37:46 Minuten)



    Dirk:
    Dieses Album voller Pop-Hits war damals mein Einstieg in das Cure-Universum. Gut, dass ich mir „The Head On The Door“, das von Robert Smith im Alleingang komponiert wurde und deren erste Platte ohne Titelsong war, dazu ausgesucht hatte. Stilistisch so bunt schillernd wie „The Top“, aber diesmal ist fast jeder Songs großartig. Wenn bei vorherigen Alben der ein oder andere Höhepunkte genannt werden konnte, so ist es hier einfacher „The Blood“ (Flamenco?) und „Screw“ aufzuzählen, die beiden Songs, die mich nicht total begeistern. Selbst über das Saxophon in „A Night Like This“ kann ich hinweg hören!  

    9 Punkte


    Ingo:
    Das erste Werk in dieser Reihe, welches ansatzweise den Kult-Status erahnen lassen könnte, den die Band genießt. Die Keyboards spielen plötzlich eine wichtige Rolle und der Gesang ist nicht mehr gar so matschig. 

    7,5 Punkte


    Oliver:
    Kommen wir jetzt zu den The Cure Alben, die ich zur jeweiligen Veröffentlichung mitbekommen habe. Inspiriert von einer Brieffreundin (waren das noch Zeiten, in denen man Briefe schrieb und erhielt) aus Goch, die mir die Band ans Herz legte, fragte ich Volker, ob ich mir von seiner Platte eine Sicherheitskopie auf Kassette ziehen könne (ich vermute, die Wortwahl war eine andere). Für mich eine der wichtigsten Platten überhaupt und wenn mich jemand bei Facebook nach zehn Alben, die mich in meinem Leben am meisten beeinflusst haben, fragen würde, wäre “The Head On The Door” sowas von dabei!

    9 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    80-er, mainstreamig, aber dennoch überzeugend. Und dann noch das Video zu "Close To Me"!!!
    Höhepunkt: A Night Like This (ohne das Saxophon)
    Tiefpunkt: Screw

    8 Punkte


    Gesamturteil: 8,375 Punkte





    Kiss Me, Kiss Me, Kiss Me

    1987, Fiction (18 Songs; 74:35 Minuten)



    Dirk:
    Auf jeden Fall das beste Artwork alles The Cure Platten, außerdem das längste Album,  das mit den meisten Titeln und natürlich das vielfältigste. Man höre nur das Wah-Wah-Monster „The Kiss“ (hier muss Robert Smith wirklich sauer auf jemanden gewesen sein) neben der romantischen Geigen-Ballade „Catch“ neben dem Bläser-Funk von „Hot Hot Hot!!!“ und dem perfekten Gitarren-Pop-Song „Just Like Heaven". Ähnlich wie beim weißen Album der Beatles müssen natürlich in solch einem Fall Ausfälle verkraftet werden: auf „Tortur“, „Hot Hot Hot!!!“, „Hey You!“ und „Shiver And Shake“ hätte ich persönlich verzichten können. Heimliches Lieblingslied neben den üblichen Verdächtigen: „A Thousand Hours“.

    8 Punkte


    Ingo:
    Für mich ein Highlight in dieser Reihe. Wer einen wuchtigen Opener wie “The kiss”, das mit Bläsern durchsetzte “Hey you!”, das funkige “Hot hot hot!!!” (Das soll eine der schlechtesten Singles der Band gewesen sein? Gönnen die Fans der Band nicht etwas Lebensfreude?) und einen Hit wie “Just like heaven” glaubhaft auf einem Album vereinen kann, spielt souverän mit den Elementen fast aller Schaffensphasen. Auf keinem anderen Album konnte mich die Vielseitigkeit der Band derart beeindrucken. 

    7,5 Punkte


    Oliver:
    Einer Meinung mit Ingo: Auch für mich ein Highlight dieser Reihe. Nur mit dem Unterschied, dass ich 2 Punkte mehr an dieses Highlight verteile.

    9,5 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    Abwechslungsreich, düster und fröhlich. Ist "Just Like Heaven" der perfekte Popsong?!
    Höhepunkt: Just Like Heaven
    Tiefpunkt: Hot Hot Hot!!!

    7.5 Punkte


    Gesamturteil: 8,125 Punkte





    Disintegration

    1989, Fiction (12 Songs; 71:47 Minuten)



    Dirk:
    Ich vermute, - und jetzt müssen Oasis, The Stone Roses, U2, Belle & Sebastian und Sigur Rós ganz stark sein - dass "Disintegration" das Album ist, das ich insgesamt am häufigsten gehört habe. Wenn ich 10 Alben für die einsame Insel wählen müsste, "Disintegration" wäre immer dabei. Wie viel Punkte darf man hier höchstens vergeben? 10? Dann sind es eigentlich 11.

    10 Punkte


    Ingo:
    Schon bei Klez.es Interpretation dieses Albums gingen die Meinungen in dieser Runde weit auseinander. “Disintegration” ist dann wohl das beste The Cure-Album. Es könnte mir auch richtig gut gefallen, wäre es nicht so langatmig. Ab “Prayers for rain” wird der Bogen einfach überspannt. Vorher stört mich eigentlich nur “Pictures of you”. Auf der Haben-Seite steht sicherlich die durchgängige Stimmung des Albums. Ich habe wirklich schon häufig versucht, mich mit “Disintegration” anzufreunden. Aber meine Stimmung hat es noch nie getroffen. 

    7 Punkte


    Oliver:
    Unter all den Platten, die ich kenne, gibt es wohl keine zehn Stück, die von mir die Höchstnote von 10 Punkten erhalten würden. Wenn ich diese Alben dann in eine Rangfolge bringen wollte, wäre “Disintegration” vermutlich ganz vorne. Aber zum Glück mache ich sowas ja nicht. Also zumindest das mit der Rangfolge. 10 Punkte vergeben schon.

    10 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    Stimmig, traurig, mitreißend. Hier stimmt einfach alles, tolles Konzeptalbum. 
    Höhepunkt: -
    Tiefpunkt:-

    10 Punkte


    Gesamturteil: 9,250 Punkte





    Wish

    1992, Fiction (12 Songs; 65:42 Minuten)



    Dirk:
    Eigentlich konnte ein Nachfolger von „Disintegration“ nur enttäuschen. Aber egal, ob Alternative Rock („From The Edge Of The Deep Green Sea“, „End“), Gitarrenpop („High“, „Friday I’m In Love“) oder Dreampop („Apart“, „A Letter To Elise“) - The Cure konnten in jedem Genre Volltreffer verbuchen. Die Enttäuschungen sollten erst nach „Wish“ beginnen, daher gehe ich hier mit meiner Wertung noch einmal in die Vollen: 

    9 Punkte


    Ingo:
    Die “Disintegration”-liebenden Richter werden es nicht zu schätzen wissen, aber tatsächlich war “Wish” das erste The Cure-Album, welches ich als komplette Platte wahrgenommen habe. Die Videos zu “High” und “Friday, I’m in love” liefen auf MTV hoch und runter. “High” war langweilig, das Video zu verspielt und “Friday, I’m in love” einen Tick zu poppig. Der Rest des Albums tat nicht weh. Mir kann es diese Band aber auch nicht recht machen. 

    6 Punkte


    Oliver:
    Gab es “Steve’s Musikladen” 1992 in Montabaur noch? Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich das vorerst letzte The Cure Album, das von mir mehr als 8 Punkte bekommt, noch dort gekauft. Die dazugehörigen Konzerte in Düsseldorf und im Sommer 1993 im Finsbury Park in London waren auch nicht die Schlechtesten.

    8,5 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    Traurig, fröhlich, abwechslungsreich. Bei JEDER anderen Band wäre ein Lied wie  "Friday I'm In Love" peinlich geworden. 
    Höhepunkt: From The Edge Of The Deep Green Sea
    Tiefpunkt: Wendy Time

    7.5 Punkte


    Gesamturteil: 7,750 Punkte





    Wild Mood Swings

    1996, Fiction (14 Songs; 61:36 Minuten)



    Dirk:
    „It's one of my top five favourite Cure albums.“ Nein, keine Angst, ich leide nicht unter Geschmacksverirrung. Aber noch unverständlicher wird diese Aussage, wenn man weiß, dass Robert Smith sie getätigt hat. Und zwar 2007, also 11 Jahre nach der Veröffentlichung und nicht etwa im Rahmen der Promotion zu „Wild Mood Swings“. 
    „Want“, „This Is A Lie“ und „Treasure“ wären auch auf dem Vorgänger nicht negativ aufgefallen, von den Singles konnte mich keine einzige überzeugen und generell war „Wild Mood Swings“ die erste Enttäuschung in meiner aktiven Cure-Zeit. Aber nicht die letzte.  

    5,5 Punkte


    Ingo:
    Das Album hatte ich vor der Vorbereitung dieser Reihe noch nie gehört. Mit dem zweiten Titel “Club America” keimt kurz Hoffnung in mir auf: Ist dieses Album vielleicht überraschend gut? Spätestens mit dem vierten Titel “The 13th” wird diese Hoffnung brutal erstickt. Ist das das schlechteste “The Cure”-Album? Es klingt zusammengewürfelt und zusammenhanglos wie eine Sammlung aus B-Seiten über den Zeitraum von 20 Jahren. 

    5 Punkte


    Oliver:
    1996 schlug mein Herz zwar durchaus für britische Bands, aber The Cure mussten sich leider etwas weiter hinten anstellen als sonst. So richtig warm geworden bin ich mit “Wild Mood Swings” nie. “Treasure” ist ein in der Tat ein Kleinod auf diesem Album.

    7 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    Plätschernd, nett, unbedeutend.  Es wiederholt sich. 
    Höhepunkt: Club America 
    Tiefpunkt: Round & Round & Round

    6.5 Punkte


    Gesamturteil: 6,000 Punkte





    Bloodflowers

    2000, Fiction (10 Songs; 64:29 Minuten)



    Dirk:
    Das einzige The Cure-Album ohne Single-Veröffentlichung. An der Qualität der Songs liegt es, anders als beim Vorgänger, nicht: „Maybe Someday“ oder „There Is No If…“ hätte ich mir gut vorstellen können. Klanglich versucht „Bloodflowers“ an „Disintegration“ anzuknüpfen (und beide Alben sind auch die einzigen, die ein Cure-Mitglied - natürlich Robert Smith - auf dem Plattencover haben) und ist somit deutlich das beste ihrer vier letzten Alben. Den Opener„Out Of This World“ und „The Ludest Sound“ verbuche ich ebenfalls auf der Habenseite.
    Neben den regulären 9 Titeln gibt es noch „Coming Up“ und „Spilt Milk“ als Bonus-Tracks, die mir aber beide unbekannt sind. 

    7,5 Punkte


    Ingo:
    "Watching me fall" wird auch über 11 Minuten nicht langweilig. Der Rest des Albums stellenweise aber schon. Trotzdem ist "Bloodflowers" das bislang beste The Cure-Album dieses Jahrtausends.

    6,5 Punkte


    Oliver:
    Auch “Bloodflowers” hatte es im Jahr 2000 nicht ganz einfach bei mir. Aber viele tolle Songs wie “Maybe Someday”, “The Loudest Sound”, der 11 Minuten-Kracher “Watching Me Fall” oder der Titelsong ergeben…

    7,5 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    Düster, stimmig, traurig. Der schwächste Teil der Trilogy. 
    Höhepunkt: Bloodflowers
    Tiefpunkt: Watching Me Fall

    8 Punkte


    Gesamturteil: 7,375 Punkte





    The Cure

    2004, I AM (15 Songs; 71:13 Minuten)



    Dirk:
    Nachdem sich Robert Smith & Co. an den Genres Post-Punk, Gothic und Pop abgearbeitet haben, versuchten sie es auf „The Cure“ mit Alternative Rock US-Amerikanischer Prägung und verpflichteten dazu den Produzenten Ross Robinson (Korn, Limp Bizkuit, Slipknot). Was für eine schlechte Idee! Ich bin immer wieder aufs Neue erschüttert über den Klang dieses Albums. Da braucht man über die mehr als mauen Songs gar nicht zu sprechen. Einige Titel wurde für bestimmte Märkte aus dem Album ausgeschlossen, so dass manche Fans nicht in den „Genuss" von „Truth, Goodness And Beauty“, „Fake“, „Going Nowhere“ oder „This Morning“ kamen. Mir würde noch ein halbes Dutzend weitere Songs einfallen, auf die man gut hätte verzichten können.

    5 Punkte


    Ingo:
    Eine selbstbetitelte Platte ist üblicherweise das Debüt oder zumindest ein stilprägendes Werk. Ich denke in diesem Fall war die Band bei der Titelsuche so ideenlos wie bei der Produktion des Albums. 

    5 Punkte


    Oliver:
    Die letzten beiden The Cure Alben gehören nicht unbedingt zu den Dauerbrennern auf meinem Plattenteller. Nicht, weil sie schlecht wären. Eher weil ich zu den älteren Platten greife, wenn ich was von The Cure hören möchte. Was schade ist, denn “The Cure” ist mir folgende Punktzahl wert...

    7,5 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    Aggressiv, pur, cure. 
    Höhepunkt: The Promise
    Tiefpunkt: Never

    7 Punkte


    Gesamturteil: 6,125 Punkte





    4:13 Dream 

    2008, Suretone (13 Songs; 52:28 Minuten)



    Dirk:
    „4:13 Dream“ war ursprünglich als Doppelalbum konzipiert und um die Veröffentlichung der zweiten Hälfte gab es immer wieder Gerüchte, aber weder „4:14 Scream“ mit 14 Songs noch eine Neuauflage als Doppelalbum namens „4:26 Dream“ ist jemals erschienen. Ich hege seit 11 Jahren die Hoffnung, dass diese von Robert Smith als „dark album“ angekündigte Platte doch noch irgendwann erscheint und besser als dieses Album ist.
    „4:13 Dream“ ist das einzige bei Platten vor Gericht bewertete Album von The Cure und 2008 habe ich 5 Punkte gegeben. Vielleicht ist es Altersmilde (oder doch der direkte Vergleich mit „The Cure", die mich nun hierzu bringt:

    5,5 Punkte


    Ingo:
    “4:13 dream” habe ich im Erscheinungsjahr 5 Punkte gegeben. Und die hat es auch verdient. Die poppigen Songs darauf sind belanglos. Alle anderen uninspiriert bis ermüdend. Für dieses Jahr wurde ein neues Werk ankündigt. Für diese Revision habe ich wirklich gelitten. Mit fehlt jede Idee, warum ich mich auf ein neues Album der Band freuen sollte. Eine Frage an die Fans unter den Richtern: Dauern The Cure-Konzerte wirklich um die drei Stunden oder fühlt es sich nur so an?

    5 Punkte


    Oliver:
    …und “4:13 Dream” tatsächlich auch noch

    7 Punkte


    Volker:
    -

    - Punkte


    Axel:
    Langweilig, uninspiriert, überflüssig. Resteverwertung.  
    Höhepunkt: Underneath The Stars
    Tiefpunkt: Freakshow

    4,5 Punkte


    Gesamturteil: 5,500 Punkte




  • Die 10 besten Alben von The Beatles

    10. Beatles For Sale (1964)
    9. Let It Be (1970)
    8. A Hard Day’s Night (1964)
    7. Help! (1965)
    6. The Beatles (The White Album) (1968)
    5. Magical Mystery Tour (1967)
    4. Rubber Soul (1965)
    3. Abbey Road (1969)
    2. Revolver (1966)
    1. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967)

    (ausgewählt von Dirk)