• Revision: U2



















    Der zweite Teil unserer neuen Rubrik "Revision" steht an. Warum? Morgen wird "Songs Of Experience" veröffentlicht - ein guter Grund einen Blick zurück auf die 13 vorherigen Studioalben von U2 zu werfen und diese (erneut) vor Gericht zu stellen. 



    „Boy“
    1980, Island Records (11 Songs, 42:52)



    Volker: 6 Punkte
    Ein Album, das damals (logischerweise), aber auch heute noch an mir vorbeigeht. Ist mir wohl noch etwas zu roh und mit zu wenig zwingenden Melodien. Mit “I Will Follow” und “The Electric Co” zumindest zwei Songs, die sich festgesetzt haben. 

    Oliver: 6,5 Punkte
    Wie meine werten Mitstreiter auch, habe ich dieses Album 1980 noch nicht auf den Plattenteller gelegt. Die einzigen Platten, die da drauf durften, mussten ein rot umrandetes, weißes Rechteck als Logo haben, in dem in schwarzen Großbuchstaben Europa stand.

    Ingo: 7 Punkte
    1980 habe ich noch nicht bewusst Musik gehört, daher verzeihe ich mir und meinen Eltern, dass ich dieses (wie auch noch einige weitere U2-Alben) erst später wahrgenommen habe. Ich kann nicht beurteilen, wie „Boy“ als Debüt 1980 wirkte, rückblickend bot es allerdings genug Substanz, um den Weg für mindestens drei Alben vorzuzeichnen. Neben einem Song für die Ewigkeit mit „I will follow“ blieben mir vor allem „The electric co.“ und „Stories for boys“ im Ohr.  

    Dirk: 6,5 Punkte
    Damals war ich selbst noch ein Junge und interessierte mich nicht für Musik. Zuhause liefen vermutlich The Beatles, Queen und Emerson, Lake & Palmer - und nicht so neuartiger Post-Punk! "Boy" entdeckte ich erst viel später, aber ich frage mich noch heute, warum U2 hier auf die Single "11 O'Clock Tick Tock" verzichtet haben. "I Will Follow" gehört aufgrund des verbindenden Glockenspiels von Produzent Steve Lillywhite für alle Zeiten vor oder nach "Hong Kong Garden" (Siouxsie and the Banshees) gespielt. 

    Gesamturteil: 6,500 Punkte





    „October“
    1981, Island Records (11 Songs, 41:05)



    Volker: 6 Punkte
    Ich für meinen Teil könnte nahezu 1:1 das schreiben, was ich auch zu Boy geschrieben habe, außer dass die Songs die hängen bleiben in diesem Fall “Gloria” und “I Fall Down” heißen. Insgesamt erinnern mich U2 auf den ersten beiden Alben ein wenig an Big Country.

    Oliver: 6 Punkte
    Auch 1981 landete noch kein U2 Album auf meinem Plattenspieler. Eher so Sachen, die ich im elterlichen Plattenschrank fand. Eine Lieblingsplatte daraus war eine LP der Les Humphries Singers.

    Ingo: 6 Punkte
    Wenn es eines Belegs für diese Sache mit dem „schwierigen zweiten Album“ benötigte, hat U2 diesen mit „October“ erbracht. Nach der Tour zu „Boy“ musste offensichtlich rasch neues Material her. Damit gab man sich unwesentlich mehr Mühe als mit dem Albumtitel. „Gloria“ und „Rejoice“ hallen noch etwas nach. 

    Dirk: 6 Punkte
    Keine 12 Monate nach "Boy" stand "October" in den Plattenläden und es heißt, dass Bono die Texte teilweise aufschrieb, während er im Aufnahmestudio am Mikrofon stand. Das Glockenspiel ist verschwunden, diesmal wird der rohe Sound etwas durch das von The Edge gespielte Piano verfeinert. Am beeindruckendsten in der Ballade "October". Der Hit war mir aufgrund seines "Gloria, in te domine"-Refrains immer etwas suspekt, den gälischen Folklore-Einfluss von "Tomorrow" haben U2 glücklicherweise nicht weiterverfolgt.

    Gesamturteil: 6,000 Punkte





    „War“
    1983, Island Records (10 Songs, 42:03)



    Volker: 7,5 Punkte
    Zwar habe ich mir auch dieses Album retrospektiv erschlossen (nachdem ich das Live Mini Album “Under A Blood Red Sky gehört hatte), in diesem Fall hat es aber deutlich besser geklappt. Das liegt aber vor allem daran, dass die Qualität der Songs durch die Bank eine Klasse besser ist, als auf den Vorgängern. “Sunday Bloody Sunday” hat sogar das vermeintliche Totdudeln im Radio und auf Dorfdiskos überlebt. Noch besser funktionieren für mich “New Years Day” und “40”.

    Oliver: 7,5 Punkte
    Leider hat das mit “Sunday Bloody Sunday” und dem Totdudeln bei mir nicht so ganz funktioniert. Ohne Frage ein Klassiker und mit Sicherheit ein wichtiger Song – aber wenn ich dieses Schlagzeug am Anfang des Songs höre, möchte ich schon weglaufen. Das beeinträchtigt die Qualität des Albums natürlich in keinster Weise. 

    Ingo: 8,5 Punkte
    Zweifellos der Höhepunkt und gleichzeitig der Endpunkt (konserviert in Form des bislang einzigen offiziellen Live-Albums der Band „Under a blood red sky“) von U2s rockiger erster Phase.“Sunday bloody Sunday“ und „New year’s day“ wurden Hits für die Ewigkeit. „Two hearts beat as one“ hatte es neben diesen beiden leider etwas schwer, aber auch dieser steht für mich heute noch für dieses Album.  

    Dirk: 7 Punkte
    Ich mag die Idee des wiederkehrenden Jungen auf zahlreichen Alben und Singles von U2. "War" war das erste Nummer Eins-Album der Band in England und verdrängte "Thriller" von der Spitzenposition. Ich hörte damals eher Duran Duran und Culture Club! "Sunday Bloody Sunday" und "New Year's Day" sind Klassiker, und wer einmal "40" auf einem U2-Konzert als letztes Lied hören durfte, wird dies nie wieder vergessen.

    Gesamturteil: 7,625 Punkte





    „The Unforgettable Fire“
    1984, Island Records (10 Songs, 42:38)



    Volker: 8,5 Punkte
    Mein erstes zum Zeitpunkt des Erscheinens zugelegtes U2-Album, angefeuert natürlich durch den Singlehit Pride (In The Name Of Love) Noch heller strahlen hier aber sicherlich die (Semi)Balladen “A Sort Of homecoming” und “Bad”, die auch heute noch zu meinen Lieblings-Tracks im gesamten U2 Kanon gehören.

    Oliver: 8 Punkte
    Volker hat sie schon erwähnt, Dirk wird sie noch erwähnen – die Songs, die man sofort mit diesem Album verbindet. Ein oft und gerne gehörtes Album.

    Ingo: 7,5 Punkte
    Der Versuch eines Ausbruchs auf dem Weg zur Stadionrock-Band durch experimentellere Songs. Im Nachhinein betrachtet verhinderte es nicht die Entwicklung zur Band für die großen Stadien, aber markierte den Startpunkt für die mehrfache Neuinterpretation des Phänomens U2. Der Hit „Pride“ klingt im Vergleich zur Live-Version auf „Rattle & Hum“ lahm, daher sind heute für mich „A sort of homecoming“ und der Titelsong die Highlights auf „The Unforgettable Fire“. 

    Dirk: 8 Punkte
    Mit den Produzenten Brian Eno und Daniel Lanois öffnen sich U2 für üppigere Arrangements und weniger raue Klänge. Welch gute Entscheidung! Neben den beiden Singles, "The Unforgettable Fire" und "Pride (In The Name Of Love)", die damals meinen Vater zu einem größeren U2-Fan machten als mich selbst, müssen selbstverständlich "A Sort Of Homecoming" und "Bad", einer der besten U2-Songs für mich und in der 8-Minuten-Live-Fassung der "Wide Awake In America" EP noch viel besser als in der Studioversion, herausgestellt werden. 

    Gesamturteil: 8,000 Punkte





    „The Joshua Tree“
    1987, Island Records (11 Songs, 50:11)



    Volker: 9,5 Punkte
    Meisterwerk. Kommerzieller Durchbruch. Geburt des Predigers und damit auch der Hassfigur Bono. Früher mochte ich die B-Seite nicht so gern, gerade mit der vor kurzem erschienen Box zum Jubiläum des Albums, zeigte sich aber mal wieder, dass zwar die Singles auf der A-Seite versammelt sind, die B-Seite dafür aber die Grower beinhaltet. Outstanding Track bleibt “Running To Stand Still”.

    Oliver: 9,5 Punkte
    Die drei besten Songs, die ein Album einleiten? Hör das Debut der Stone Roses. Oder “The Joshua Tree”. Viele Songs, die viele Erinnerungen wecken. Meisterwerk? Ja!

    Ingo: 8 Punkte
    U2s Griff nach dem amerikanischen Markt. Musikalisch durchaus die Fortführung der mit „The Unforgettable Fire“ eingeleiteten experimentellen Phase. Der nachhaltige Erfolg der Band fußt vor allem auf diesem Album. Die Hit Singles waren mir immer einen Tick zu fad. „In god’s country“ und „Exit“ sind für die die Songs, die auch auf Dauer überzeugten. 

    Dirk: 10 Punkte
    Rom ist eine schöne Stadt und selbstverständlich ist ein Konzert von Noel Gallagher großartig, auch wenn er nur die Hälfte seiner gewöhnlichen Setliste spielt. Der eigentliche Grund aber, warum wir im Sommer in die römische Hauptstadt gereist sind, war, dass U2 ihr Album "The Joshua Tree" komplett spielen würden. Es jährte sich übrigens auch mein erstes Konzerterlebnis, denn 30 Jahre zuvor sah ich U2 im Müngersdorfer Stadion auf der "Joshua Tree Tour". 

    Gesamturteil: 9,250 Punkte





    „Rattle And Hum“
    1988, Island Records (17 Songs, 72:27)



    Volker: 6 Punkte
    Sammelsurium aus Live-Tracks, zwischendurch aufgenommen Tour Songs, Cover-Versionen, die für mich an keiner Stelle richtig funktioniert. Auch zuviel erdiger Rock und der Versuch von Soul. Große Enttäuschung damals und auch heute nicht viel besser. Vielleicht aber das Album, das nötig war, damit der Nachfolger das werden konnte, was er wurde.

    Oliver: -
    Dieses Album lief immer ganz weit unter meinem Radar – deshalb gibt’s auch keine Wertung. Waren wir nicht zusammen im Kino und haben den Film gesehen? Danach waren wir noch im Irish Pub und ich habe mein erstes Guinness probiert, was mir damals aber gar nicht so geschmeckt hat. Mein zweites Guinness habe ich dann Jahre später in Dublin getrunken – hat ganz anders geschmeckt. Ehrlich!

    Ingo: 9 Punkte
    Der Beginn und auch der frühe Höhepunkt meiner persönlichen Beziehung zur Band. Das Poster hing im Zimmer, die CD lief in Dauerrotation. Die Kombination aus neuen Songs, Cover-Versionen sowie Live- als auch Studioaufnahmen funktioniert für mich bis heute wunderbar. Und der Film auch. „Bullet the blue sky“ ragt bis heute heraus.  

    Dirk: 7,5 Punkte
    Coverversionen ("Helter Skelter", "All Along The Watchtower"), Live-Versionen ("Pride (In The Name Of Love)", "Bullet The Blue Sky", "I Still Haven't Found What I'm Looking For" mit Gospel-Chor), kurze wie überflüssige Interludes und neue Songs - mit diesem Gemischtwarenladen wurde ich nie richtig glücklich. Hätten nicht einfach die neun neuen Lieder ausgereicht? Überdurchschnittliche Qualität war doch vorhanden: "Desire", "God Part II" und "All I Want Is You".
    Das mit dem Scheinwerfer (siehe Plattencover) machen Bono und The Edge, der auf "Van Diemen's Land" erstmals singt, übrigens auch heute noch. 

    Gesamturteil: 7,500 Punkte





    „Achtung Baby“
    1991, Island Records (12 Songs, 55:27)



    Volker: 9,5 Punkte
    U2 erfinden sich neu, damals kam es einem zumindest so vor. Aus heutiger Sicht wirkt das vielleicht nicht mehr so radikal, aber damals war ich völlig geflashed als ich zum ersten Mal das Video von “The Fly” gesehen habe. Unglaublich konstant starkes Album.

    Oliver: 9 Punkte
    Huch, ich liege mit meinen 9 Punkten hier am niedrigsten. Es muss aber eine kleine Abstufung zu “The Joshua Tree” geben. Aber auch für mich ein Album voller Hits, allen voran “Until The End Of The World”.

    Ingo: 9,5 Punkte
    Mutig. Ich erinnere mich noch gut, dass die Skepsis bei Kritik und Fans zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von “The fly” klar überwog. Mit diesem Album war U2 der Zeit voraus, die Fans schlossen das Album erst später in ihre Herzen. Bis heute ist „Achtung Baby“ mein Lieblingsalbum von U2. Das „Achtung Baby“-Kondom, welches auf der Tour verschenkt wurde müsste noch irgendwo in meinen Fan-Utensilien vergraben sein. „Until the end of the world“, „The fly“ und „Love is blindess“ sind für mich die Highlights auf U2s Meisterwerk. 

    Dirk: 10 Punkte
    Was für eine überraschende und großartige Platte. Ich kann mich zwischen "The Joshua Tree" und "Achtung Baby" nicht entscheiden, wenn es um die Frage nach dem besten U2 Album geht. Ich höre keinen Ausfall und meine Lieblingslieder kommen auch noch direkt nacheinander: "One" und "Until The End Of The World". Wenn ich nur 10 Alben mit auf eine einsame Insel nehmen dürfte - "Achtung Baby" wäre dabei.

    Gesamturteil: 9,500 Punkte





    „Zooropa“
    1993, Island Records (10 Songs, 51:15)



    Volker: 8,5 Punkte
    Wenn man gesehen hat, was nach dem ersten U2 Meisterwerk folgte, kann man Zooropa nicht hoch genug einschätzen. Leider tut das kaum jemand. Dabei hat es mit Zooropa, Numb, Lemon und einigen anderen Songs, Lieder, die auch auf dem Vorgänger geglänzt hätten. Eins von zwei sträflich unterschätzten Alben.

    Oliver: 7 Punkte
    Steht ganz klar im Schatten von “Achtung Baby”, ist aber durchaus kein schlechtes Album. Auch wenn es bei den eher selten gehörten Alben bei mir zu finden ist.

    Ingo: 6,5 Punkte
    Die kleine Schwester von “Achtung Baby”. Statt neuer Experimente gab die Band den Fans noch etwas Zeit, aufzuschließen. „Numb“ war wegen The Edges Gesang besonders, „Daddy’s gonna pay for your crashed car”, “Dirty day” und “Lemon” blieben mir auch in Erinnerung.  

    Dirk: 5,5 Punkte
    "Zooropa" war als EP geplant und hätte besser eine bleiben sollen. "Numb" und "Lemon" dürfen als gelungenes Experiment durchgehen, "Stay (Faraway, So Close!)" ist der gute Song auf dem Album. Man hätte noch das in den gleichen Sessions entstandene "Hold Me, Thrill Me, Kiss Me, Kill Me" und den Titelsong mit auf die EP nehmen und den Rest für Single-B-Seiten aufsparen sollen. 

    Gesamturteil: 6,875 Punkte





    „Pop“
    1997, Island Records (12 Songs, 60:09)



    Volker: 5,5 Punkte
    Ich hätte von der Vorabsingle gewarnt sein sollen. Selten fand ich einen U2 Album Appetizer so fade wie “Discotheque”. Wenn ich dann im nächsten Satz schreibe, dass dies eins der besten Lieder auf dem Album ist, ist glaube ich alles gesagt. Außer vielleicht, dass ich es, auf Anraten von diversen Seiten, über die Jahre immer wieder mit “Pop” (allein der Titel eine Frechheit) versuche. Leider ein Album, bei dem das Schönhören nicht klappt.

    Oliver: 6 Punkte
    Ich hatte bei der Morrissey-Revision die Hochzeiten des Brit-Pop erwähnt. Hier ist es nur Pop – und noch nicht mal das. 1997 lagen meine Hörgewohnheiten jedenfalls ganz woanders. Auch im Nachgang mit zweiter und dritter Chance sind leider nicht mehr als 6 Punkte drin.

    Ingo: 7,5 Punkte
    Der Mut von “Achtung Baby” wurde belohnt und erlaubte ein neues Experiment. Mit „Pop“ ging es aber dann doch etwas daneben. So tanzfreudig sind U2-Fans dann doch nicht. „Mofo“ und „Miami“ sind meine Lieblinge auf „Pop“. 

    Dirk: 8 Punkte
    U2 zeigen sich ein weiteres Mal experimentierfreudig, was bei "Discotéque" und "Mofo", das regelrecht nach den Chemical Brothers zu rufen scheint, auch gut gelingt. "Do You Feel Loved", "Staring At The Sun" und "Gone" erreichen annähernd "Achtung Baby"-Qualitäten. Die Überlänge hätte vermieden werden können, indem man auf "The Playboy Mansion", "Last Night On Earth" oder "Miami" (der schlechteste Song auf der Platte, da hat sich mein Vorredner wohl vertippt) verzichtet hätte. "Pop" ist besser als sein Ruf.   

    Gesamturteil: 6,750 Punkte





    „All That You Can’t Leave Behind“
    2000, Island Records (11 Songs, 49:05)



    Volker: 7,5 Punkte
    Eigentlich waren es nur drei Jahre Pause, aber gefühlt waren U2 eine Ewigkeit weg. Glücklicherweise wurde hier der typische U2-Sound (vor allem die The Edge-Gitarre) ein wenig wiederbelebt, so dass man als alter Fan das Gefühl hatte ein wenig aufatmen zu können. Das ließ dann im ersten Moment auch die etwas glatte beliebige Produktion vergessen.

    Oliver: 7 Punkte
    Die glatte Produktion, die Volker erwähnt, fand ich anfangs auch nicht so schlimm. Das Album lief sehr oft bei mir. Oft auch nur nebenbei – hat ja nicht groß gestört. Trotzdem: Gutes Album. “Beautiful Day” und “New York” mag ich sehr.

    Ingo: 7 Punkte
    Bei den Aufnahmen soll The Edge so etwas gesagt haben wie “Dann klingen wir ja schon wieder wie U2” und Bono zur Antwort “Ja aber wir sind doch U2”, zumindest habe ich es mir so gemerkt. Auf jeden Fall geben diese Aussagen das Motto des Albums wieder. Mit „All that you can’t leave behind“ besinnen sich die Iren auf ihre alten Qualitäten. Mit diesem Album begann die Verwaltung des Vermächtnisses der Band. Mit der ersten Auskopplung „Beautiful day“ und „New York“ fielen dabei aber zwei starke Songs ab. Die Fans belohnten den Schritt zurück mit Verkaufszahlen, die „Pop“ und „Zooropa“ fast vergessen ließen.     

    Dirk: 7 Punkte
    Mit den Produzenten Daniel Lanois und Brian Eno kehren U2 zum klassischen Rock zurück. Ohne Experimente und Überraschungen klingelt auch wieder die Kasse, denn "All That You Can't Leave Behind" verkauft sich fast so gut wie "Zooropa" und "Pop" zusammen. Mir gefallen "Walk On" und "Kite", beide von der deutlich stärkeren ersten Hälfte. "The Ground Beneath Her Feet" aus dem Film "The Million Dollar Hotel" war leider nicht in Deutschland als Bonus Track erhältlich und hätte dem regulären Album gut getan, zum Beispiel als Ersatz für "Peace On Earth".

    Gesamturteil: 7,125 Punkte





    „How To Dismantle An Atomic Bomb“
    2004, Island Records (11 Songs, 49:03)



    Volker: 8,5 Punkte
    Zweites sträflich unterschätztes Album. Klar U2 waren mit Vertigo durch die iPod-Werbung omnipräsent, was evtl. Nerven konnte. Das soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es mit “Sometimes You can't...” “Miracle Drug”, “City Of Blinding Lights” oder “Yahweh” Songs hatte, die auch wieder nach den guten alten U2 klangen, und dabei etwas mehr Ecken und Kanten hatten. Für mich das bessere “All That You Can Leave Behind”. Leider findet man auf dem Album einen der schlechtesten U2 Tracks ever. “Love and Peace Or Else” ist schier unerträglich. Outstanding Track: "Original Of The Species".

    Oliver: 7,5 Punkte
    “Vertigo” war mir ein Begriff. Und als Volker “Original Of The Species” erwähnte, klingelte auch etwas. Ansonsten habe ich dieses Album aber gar nicht auf dem Radar (quasi noch tiefer als “Rattle And Hum”). Vielleicht schaffe ich noch eine Bewertung bis zum Redaktionsschluss.

    Ingo: 6 Punkte
    “Vertigo” machte etwas Hoffnung auf die Wiederentdeckung des Rock bei U2, aber ansonsten ging „How to dismantle an atomic bomb“ weitgehend spurlos an mir vorüber. Ein entbehrlicher Beitrag zum Vermächtnis der Band. 

    Dirk: 7,5 Punkte
    Erst jetzt stelle ich fest, dass "How To Dismantle An Atomic Bomb" gar nicht schwächer als "All That You Can't Leave Behind" ist. 2004 war ich von den beiden Alben mehr als nur ernüchtert. Außer "Vertigo", das mir noch nicht einmal besonders gefällt, hätte ich spontan keinen Song von dieser Platte nennen können, beim Hören gefielen mir mit "Miracle Drug", "Sometimes You Can't Make It On Your Own" und "Crumbs From Your Table" nun doch einige Songs. Was wäre hier für ein Album  möglich gewesen, wenn man "Electrical Storm" und "The Hands That Built America" nicht 2002 auf "The Best Of 1990 - 2000" verbraten (und dem Titel der Compilation widersprochen) hätte. 

    Gesamturteil: 7,375 Punkte





    „No Line On The Horizon“
    2009, Island Records (11 Songs, 53:44)



    Volker: 5,5 Punkte
    5 Jahre warten und nach Hören des Ergebnisses, hätte ich durchaus auch länger gewartet. Alles zu viel, zu lang. Bis heute habe ich kein Lied des Albums im Ohr. Ich gebe aber zu, ich habe es seit damals nicht mehr großartig aufgelegt. So ergibt sich meine negative Punktzahl rein aus der Erinnerung. Vielleicht sollte ich dem Album mal wieder eine Chance geben?

    Oliver: 6 Punkte
    Gehört zu meinen weniger gehörten U2-Alben. Auch eine Revision bringt da leider keine Änderung.

    Ingo: 6 Punkte
    Noch farbloses als der Vorgänger. „Magnificent“ und „Cedars of Lebanon“ sind relative Höhepunkte. Die „Limited Edition“ steht in meinem Schrank, ich fürchte auf einen Wertzuwachs brauche ich nicht mehr zu hoffen. 

    Dirk: 7,5 Punkte
    Mehr als 50 Monate - so lang hatten U2 in ihrer bisherigen Karriere noch nie für ein neues Album benötigt. Grund waren die wenig erfolgreichen Aufnahmen mit Rick Rubin, von denen die Coverversion "The Saints Are Coming" (mit Green Day) und "Window In the Skies" auf einer Singles-Compilation anzutreffen waren. Sollten das die Highlights der Zusammenarbeit gewesen sein, dann war die Rückkehr zu Daniel Lanois, Brian Eno und Steve Lillywhite eine weise Entscheidung. 
    Das Ziel, "future hymns" zu schreiben, haben U2 leider nicht erreicht, auch wenn der Auftakt mit "No Line On The Horizon", "Magnificent" und "Moment Of Surrender" sehr gelungen war und von "FEZ - Being Born" später noch um ein weiteres Highlight ergänzt wurde. Warum "Get On Your Boots" den Weg auf das Album fand (und auch noch als erste Single ausgewählt wurde), wissen vermutlich nur Bono & Co., schließlich stammen auch "Every Breaking Wave" (später auf "Songs Of Innocence") und "Winter" aus diesen Sessions.  

    Gesamturteil: 6,250 Punkte





    „Songs Of Innocence“
    2014, Island Records (11 Songs, 48:11)



    Volker: 7,5 Punkte
    Der iTunes Werbeeffekt/Shitstorm-Auslöser ließ eine unvoreingenommene Herangehensweise an das Album fast nicht zu, versucht man es aber doch, so erschließt sich eine doch sehr starke erste Hälfte und dann ein stetiges Abbauen gen Ende hin. Dennoch ist das Album meines Erachtens besser als sein Ruf.

    Oliver: 7 Punkte
    Dirk fragte damals, ob 7 Punkte schon eine Fan-Wertung sei. Nein, objektiv gesehen ist das absolut angemessen.

    Ingo: 7,5 Punkte
    Nach den beiden Enttäuschungen in Form von “How to dismantle…“ und „No line on the horizon“ war „Songs of innocence“ eine positive Überraschung. Die kam zwar nicht bei allen Fans (und den unbefragt mit dem Album beglückten iTunes-Nutzern) an, mit „Every breaking wave“, „Raised by wolves“ und einigen weiteren starken Titeln bei mir aber richtig gut. 7,5 Punkte vergab ich bei des Jahreswertung 2014, vielleicht würde ich inzwischen sogar noch etwas höher greifen. Ich hoffe „Songs of experience“ setzt diese Tendenz fort.  

    Dirk: 7,5 Punkte
    Die U2-Fans warteten schon lange auf das angekündigte "Songs Of Ascent", eine Art Ergänzung zu "No Line On The Horizon", da stand "Songs Of Innocence" plötzlich über Nacht in allen iTunes Bibliotheken. Bei Nicht-Fans war die Empörung groß - dabei gab es doch nicht "Zooropa" geschenkt, sondern ein weiteres solides U2-Album, das die Erwartungen in die Zusammenarbeit mit Danger Mouse, Paul Epworth und Flood jedoch nicht ganz erfüllen konnte. 
    Und wieder einmal muss ich über die Song-Auswahl meckern, denn vorab wurden mit "Ordinary Love" und "Invisible" zwei gute Singles veröffentlicht, die ich mir, wie auch den Bonus Track "The Crystal Ballroom", gut auf dem Album hätte vorstellen können. 

    Gesamturteil: 7,375 Punkte




  • Die 10 besten Alben von Prince

    10. Lovesexy (1988)
    9. Diamonds And Pearls (1991)
    8. 3121 (2006)
    7. 1999 (1982)
    6. The Gold Experience (1995)
    5. Dirty Mind (1980)
    4. Sign O' The Times (1987)
    3. Parade (1986)
    2. Purple Rain (1984)
    1. Around The World In A Day (1985)

    (ausgewählt von Volker)