Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Johnny Borrell - Borrell 1

    Johnny Borrell - Borrell 1

















    Nach dem Ausstieg von Andy Burrows im März 2009 lief es bei Razorlight nicht mehr so richtig rund: Die Aufnahmen für ihr viertes Album Ende 2010 erwiesen sich als recht unproduktiv und dann verließen Björn Ågren und Carl Dalemo die Band. Mit seinen drei neu ausgewählten Kollegen arbeitet Johnny Borrell weiter an der Platte, verkündete jedoch im März diesen Jahres, dass Razorlight zunächst einmal ruhen und er sich auf sein Soloalbum konzentrieren würde.

    Nun steht "Borrell 1" in den Plattenläden und man muss fast hoffen, dass kein "Borrell 2" folgen wird! Trevor Horn hat das Album produziert, aber vom typischen Bombast seiner Achtziger-Produktionen ist nichts zu hören. Denn minimalistisch geht es auf "Borrell 1" zu: Zusammen mit seiner neuen Begleitband Zazou spart Johnny Borrell Bass und Schlagzeug aus und setzt auf Piano, dezente Perkussions und alles dominierendes Saxophon-Gedudel in schrecklichem 70er Jahre-Rock ("Joshua Amrit"), der auch vor Reggae-Ausflügen ("Power To The Woman"), Western-Kapriolen ("Cyrano Masochiste") und Gospel-Balladen ("We Cannot Overthrow") nicht zurück schreckt. 



    Perhaps reflecting his time spent in France, the sound of Borrell 1 features lots of rinky-tink piano, languid saxophone, and precious little guitar at all. It's more redolent of chanson, a sort of Latin-skiffle flavour, MOR and even music hall than actual rock'n'roll, with hammered piano triplets carrying the single “Pan-European Supermodel Song (Oh! Gina)” and the antique R&B croon of “Cannot Overthrow”.

    Originally recorded on a home four-track machine, the songs were subsequently re-done with Trevor Horn at the helm, which has applied a little polish to what still sound like under-written sketches rather than compelling pop material. As Borrell himself sings in the concluding “Erotic Letter”, “I heard some words and music, but it didn't sound much like a song”.

    At the other end of the album, his mannered delivery of the feminist anthem “Power to the Woman” recalls Cockney Rebel, and there's a mild “Wild Horses” vibe about the piano and acoustic guitar of “Ladder to Your Bed” – though the falsetto doubling of parts of Borrell's vocal is off-putting. But the tack-piano and rolling percussion groove of “Cyrano Masochiste” imbue a rollicking charm that almost compensates for its ghastly title.

    Otherwise, it's slim pickings, leading one to suspect the new-look Razorlight may be back in the studio rather earlier than expected.
    (Independent)


    The first work under his own name most certainly isn’t a return to Razorlight’s ‘glory’ days - instead it’s an expansion on where they may have been going next - round the twist.

    And this is where the trouble lies. ‘Borrell 1’ isn’t a great album. It’s probably not even good, but it’s definitely committed. The titles of its songs set the scene perfectly. ‘Power To The Woman’ or ‘Pan European Supermodel Song’ may cause rubbernecking from their names alone, but musically they more than live up to their madcap billing. Like Dexys Midnight Runners coated in Reggae Reggae sauce, Johnny’s been feelin’ the rhythm.

    But here’s the thing; by being so self assured, Borrell has made a record that’s genuinely interesting. There’s no chance of him bottling out. At no point is there compromise or a fear of looking ridiculous. More baffling than it is enjoyable, often it manages to be both.

    All of which leaves a complicated juxtaposition. ‘Borrell 1’ is at no point a record to recommend. Musically confused, frequently lyrically painful (closer ‘Erotic Letter’ needs to be heard to be believed), its ego is so overpowering it ends up as a sweet relief against a backdrop of po-faced, fence sitting peers. Not that it matters what anyone else thinks. Johnny knows he’s right in the end.
    (NME)




  • Steven Wilson - The raven that refused to sing (and other stories)

    Steven Wilson - The raven that refused to sing (and other stories)

    cover

    Steven Wilson ist ein vielbeschäftigter Musiker und Produzent. Als Porcupine Tree Mastermind war er bereits für einige starke Prog-Rock Alben verantwortlich und er ist sicherlich einer der aktivsten und einflussreichsten Vertreter dieses Genres. Als aktiver Musiker fröhnte er in anderen Bands aber auch weiteren Musikrichtungen. Und dann produzierte bzw. remasterte er auch Alben seiner vermeintlichen Vorbilder oder Genre-Begleiter Marillion, Opeth, Fish, Jethro Tull sowie Emerson Lake & Palmer.

    Mit “The raven that refused to sing” veröffentlichte der Engländer nun sein drittes Soloalbum. Nicht nur wegen des Titels erinnerte mich dieses an Alan Parsons’ “The raven”. Daher überraschte es mich nur kurz, dass dieser an den Aufnahmen beteiligt war. Die Vermutung liegt nahe, dass Steven Wilson auch von seinen Remastering-Arbeit an Jethro Tulls Backkatalog beeinflusst war, als er den ein oder anderen Flötenpart auf “The raven that refused to sing” zuließ. Im Vergleich zu den Porcupine Tree-Alben hält sich Steven Wilson offensichtlich weniger an Genre-Konventionen und so lassen sich auch durchaus einige Jazzmomente auf dem aktuellen Werk entdecken.

    Es war Zufall, dass mich “The raven that refused to sing” und “Still life with eggplant” gleichzeitig beschäftigen. Während Steven Wilson sicherlich die anspruchsvollere Form eines aktuellen Prog-Rocks Albums liefert, ziehe ich aber Motorpsychos Prog-Variante vor, weil ich hinter dieser das eine oder andere Augenzwinkern vermute und diese Einstellung meinem Musikverständnis näher kommt.

    Popkulturschock:

    The Raven That Refused to Sing ist kein langes Album: Wenn man das bereits bekannte “Luminol” abzieht, erwarten den Hörer auf Wilsons neuem Opus nur rund 45 Minuten neue Musik. Diese Dreiviertelstunde – wie die 12 Minuten die ihr vorangehen – ist aber dramaturgisch perfekt durchkonstruiert und nie langweilig. Wie schon auf dem Vorgänger nimmt Wilson den Hörer mit auf eine Reise, die mit dem Titelsong einen ungewöhnlich emotionalen und bewegenden Abschluss bekommt.

    Das Video zum Titelsong:

    Steven Wilson war bereits auf einigen Festivals im Sommer in Deutschland und im Herbst kommt er wieder:

    • 26.10. Bremen
    • 27.10. Bielefeld
    • 28.10. Hannover
    • 30.10. Dresden
    • 01.11. Leipzig
    • 03.11. Erlangen
    • 22.11. Lübeck
  • Bell X1 - Chop chop

    Bell X1 - Chop chop

    cover

    In ihrem Heimatland Irland ist Bell X1 angeblich nach U2 die meistgespielte Band im Radio. Mit dem sechsten Studioalbum “Chop chop” wird zu diesem Zweck nun neues Material geliefert.

    Die Entstehung der Band folgte der einfachen Formel

    Juniper – Damien Rice = Bell X1

    Und so gibt es seit 2000 die recht “veröffentlichungsfleißigen” Bell X1 und einen Singer/Songwriter der seitdem leider erst zwei Alben zu Stande brachte.

    Bell X1 (“Music in mouth”) und Snow Patrol (“Final straw”) veröffentlichten 2003 jeweils die Alben, die mich auf die Bands aufmerksam werden ließen und die beide nach meinem Empfinden nicht mehr toppen konnten. Der größte Unterschied besteht im Hit “Chasing cars”, welcher für größere Popularität sorgte und mir den Spaß an Snow Patrol ein wenig verdarb. Bell X1 klingt meist einen Tick mehr nach “Indie” obwohl auch sie eigentlich “nur” gute Radiomusik machen. Bei mir geht das aber noch als sympathischer Indierock durch. “Chop chop” ist wieder etwas weniger experimentell als die Vorgänger “Bloodless cup” und “Blue lights on the runway”. Oliver brachte es in seinen Worten zu “Bloodless cup” auf den Punkt, als er dem Sänger Paul Noonan eine charismatischere Stimme wünschte. Die zum Teil tollen Melodien könnten derart verstärkt oder konterkariert noch mehr Wirkung entfalten.

    Peter Katis hat als Produzent zu diesem Album beigetragen. Mit Interpols “Turn on the bright lights”, Fanfarlos “Reservoir” und The Nationals “Alligator” kann er sicher mit diesen Referenzen ein wenig mehr glänzen aber verstecken muss er “Chop chop” nicht. “I will follow you” ist der spannendste Song auf der Platte. Und auch für “Careful what you wish for”, “Diorama” sowie “The end is nigh”  ist es schade, dass sie die deutschen Radiohörer wohl nicht erreichen werden.

    The Irish Times sieht in “Chop chop” das beste Werk der Band:

    By the time you get to Feint Praise, with its Motown basslines and Stax/soul phrasings, you’re aware that Bell X1 have released the best album of their career. Chop Chop? Hurry up – a superb album this way comes.

    Consequence of sound:

    As the album title hints, the songs were recorded in quick, live takes and condensed rather than stretched unnecessarily. This all works to the greater good and marks Chop Chop as a triumph of substance over sophistication.

    Das Video zu “The end is nigh”:

  • Maps - Vicissitude

    Maps - Vicissitude

















    Auf der Music-Map wird Maps von Künstlern wie Ulrich Schnaus, M83 und The Field umkreist. Das dürfte James Chapman, der selbst die Verbindung von Shoegaze, verträumten Indiepop und Electronica anstrebt, nur Recht sein.
    Anfang des Monats erschien über Mute Records sein drittes Album "Vicissitude", das erneut bei Chapman zu Hause in Eigenregie entstand und von Ken Thomas (M83, Sigur Rós) sowie Jolyon Thomas (Polly Scattergood, M83) abgemischt wurde.
    Chapman wählte "Vicissitude", was so viel wie Unbeständigkeit oder Wechselhaftigkeit bedeutet, bewusst als Titel da “es ein Album der Veränderungen ist. Es geht um all jene Kämpfe, die man täglich austrägt, welche das auch immer sein mögen, und ihre Bewältigung.” 

    Auch die Besprechungen von "Vicissitude" sind recht wechselhaft: Während The Guardian und Musikexpress mit 4 von 5 Punkten (bzw. Sternen) aufwarten und das Album so positiv sehen wie das für den Mercury Music Prize nominierten Debütalbum "We Can Create" (2007)...

    Minimalismus ist ihm ein Gräuel. Seine Popsongs sind wahre Prunkbauten, in denen sich der Sound machtvoll wie in der Kirche, im Shoegazer-Dickicht oder wie auf dem ersten Album von Propaganda auftürmt. Davon kann er nicht lassen, auch dieses Mal nicht. Allerdings ist er jetzt bemüht, innerhalb des Areals der gefühlvoll konstruierten elektronischen Popmusik zu bleiben. Er achtet mehr darauf, dass seine Liebäugeleien mit Indie-Rock, Techno oder psychedelischer Plusterung nicht zu sehr ausarten. Von dieser Reduzierung profitiert das Album. Ein klug kolorierter Koloss reiht sich an den Nächsten, wobei der Schwerpunkt schon mal zwischen epischem Trance-Pop („You Will Find A Way“) und Dark-Disco mit härteren Beats („I Heard Them Say“) wechseln kann. In dieser Form gibt es so etwas sonst nicht. Andere Produzenten tendieren entweder eindeutig zu Clubmusik oder zu Pop. Chapman schwebt dagegen hartnäckig auf seiner Wolke der Träumerei. 
    (Musikexpress)

    ... sehen Pop Matters oder The Line Of Best Fit bestenfalls ein mittelprächtiges Album (5  bzw. 5,5 von 10 Punkten), das zu lang geraten (10 Titel in 54 Minuten) und entgegen seinem Titel zu eintönig und monoton ist und sich damit den wenig berauschenden Reviews von "Turning The Mind" (2009) anschließt:

    That said, there are subtleties to be had here, and some of the songs experiment with deviations in volume that are quite interesting. And, strangely enough, the most striking examples come at the beginning and end of the record. At the start, “A.M.A.” begins with some head nodding boop-bip beats and comes off as being a more robotic version of the style of synth music that was popular 30 years ago. But, then, about mid-way through, Chapman pulls the rug out from underneath the listener, and the song becomes startlingly quiet. It’s an audacious change, and you can’t help but sit up and pay attention, unsure of what direction the artist is about to embark on next. On the other side of the fence, the album closes with the funeral dirge “Adjusted to the Darkness”, which, despite its Goth-y overtones, sounds remarkably joyous at the same time; it’s also striking because it’s so different from the material that precedes it for nine songs. It’s a little long, a caveat about the album as a whole that I’ll get to in a moment, but it does leave an impression because it effectively draws the shades on the synthy anthems of much of Vicissitude. It’s stark and startling, and it does leave you breathless at its fragile beauty.

    However, there is a fundamental flaw to the proceedings and I can count it off by rambling on about song titles and their running length. “Built to Last” is indeed just that as it clocks in at six minutes and 14 seconds. “You Will Find a Way” finds a way to run for six minutes and 18 seconds. “Nicholas” is six minutes and 37 seconds long. “Left Behind” leaves the radio friendly pop single in the dust by coming in at five minutes and six seconds. “Insignificant Others” is a significant five minutes and 54 seconds in length. And on it could go with pretty much the rest of the album. James Chapman is in terrible need of an editor; not that going long is necessarily a bad thing at times, but the album reaches to be epic and just winds up prattling on beyond the point of natural expiry. The song “Nicholas”, by way of example, consists virtually of the titular character’s name being chanted over and over by Chapman, which is just overkill at more than six minutes.

    The sheer overlength of the LP deflates any kind of poppy goodwill that it tries to build up, and Vicissitude is an example of exhaustion: too much of the same, dolloped like an extra scoop of ice cream on a cone that causes the whole mass to topple over, leaving you all sticky and teary-eyed for losing some good eats. In the end, what you can say about Vicissitude is that for a record supposedly about change, there’s not nearly enough of it.
    (Pop Matters)



  • Meeks - Beatless

    Meeks - Beatless

















    Das japanische Trio Broken Little Sister betseht aus Shinji Horiuchi, Keiko Sakurada und Takeshi Kato und veröffentlicht normalerweise eine Mischung aus Shoegaze, Electronica, Ambient und Folk, die sie selbst als "shoe-tronica" bezeichnen.

    Nun haben sie ein Nebenprojekt namens Meeks gestartet und ein Album  veröffentlicht, dass The Beatles und "Loveless" zusammenführt und konsequenterweise "Beatless" heißt. Es steckt in einer an den My Bloody Valentine-Klassiker erinnernden Hülle und präsentiert 10 Songs der Beatles in Shoegaze-Versionen. 
    Großartig für Fans von The Beatles UND My Bloody Valentine, für andere vielleicht eher schwer nachvollziehbar oder unspektakulär.  




    Hier ist die Trackliste:
    1. Across the Universe
    2. Norwegian Wood
    3. Something
    4. Yesterday
    5. And I Love Her
    6. Tomorrow Never Knows
    7. Nowhere Man
    8. In My Life
    9. Strawberry Fields Forever
    10. Let It Be

    Wer gerade in Japan weilt, findet in dortigen Plattenläden vielleicht die limitierte Bonus-CD, die entweder "If I Fell" oder "It's All Too Much" enthält. Allen anderen sei zur Bestellung Fastcut Records empfohlen. Eine Veröffentlichung auf Vinyl ist wohl angedacht, aber noch nicht konkretisiert.

  • Black City Lights - Another Life

    Black City Lights - Another Life

















    Obwohl die Vorladung an das Duo Black City Lights eine Entfernung von 18 606 km zurück legen musste, erscheinen Calum Robb und Julia Catherine Parr mit ihrem Debütalbum mehr als pünktlich vor Gericht: "Another Life" wird am 06. August über Stars and Letters erscheinen.

    Das Duo aus Wellington, Neuseeland, veröffentlichte im März 2012 mit "Parallels" eine erste EP, deren 6 Titel aber nicht für das Album berücksichtigt wurden. 
    In diesem Jahr erschienen als Vorboten für "Another Life" bereits die beiden Singles "Give It Up" und "Offering", die bereits verdeutlichten, dass Black City Lights einerseits tief im Synthie-Pop der 80er Jahre verwurzelt sind und andererseits auch aktuellere Dreampop- sowie düstere Witch House-Einflüsse aufgreifen. Freunde von Yazoo und Eurythmics bis hin zu Zola Jesus, Austra und Purity Ring sollten den von einem kurzen Intro bzw. Outro eingerahmten 9 Songs eine Chance geben.



    Wellington electronic duo Black City Lights are set to release their debut album, Another Life, and have just dropped the second single from it, 'Offering'. The track is a pure piece of slow burn soaring pop and differs from the first single which was a more austere metronomic affair. Indeed, such a varied approach is indicative of the album as a whole where Black City Lights, true to the record's name create a sonic landscape that is at once eerie but somehow comforting. 
    (indie30)




  • The Blood Arm - Infinite nights

    The Blood Arm - Infinite nights

    cover 

    Dirk hat mit seiner “Deutschland-Tour”-Reihe Werbung gemacht für den heimischen Musikstandort. Dazu passt die Meldung, dass es offensichtlich sogar Bands von L. A. nach Berlin zieht. Zumindest The Blood Arm…

    The Blood Arm hatte ich 2006 durchaus eine erfolgreiche Karriere zugetraut. 2003 gegründet wurde die Band aus L. A. schon 2004 und 2005 für Musikauszeichnungen nominiert bzw. gewann sogar eine. Dann erschien 2006 der Hit “Suspicious character”. Der Rest des Albums “Lie lover lie” überzeugte mich zwar nicht nachhaltig trotzdem bin ich im Nachhinein überrascht, erst jetzt wieder etwas von dem extrovertierten Sänger Nathaniel Fregoso zu hören. Vielleicht hätte ich die TV-Serien “Gossip Girl”, “The OC” und “Shameless” sehen müssen um die Band nicht zu vergessen. Konsequenterweise entging “Turn and face me” aus dem Jahr 2011 meiner Aufmerksamkeit oder ich habe die Platte schon verdrängt.  Doch nun versucht die Band offensichtlich einen Neustart und nicht zuletzt wegen des Umzugs von L. A. nach Berlin stieß ich wieder auf sie.

    Offensichtlich wirkt Berlin auf Kalifornier “beruhigend”. Das vierte Album “Infinite nights” erinnert nur noch sehr entfernt (und vor allem mit dem Song “Sex fiend”) an die stellenweise marktschreierische Stimmung auf “Lie lover lie”. Die Band (und der Sänger) klingt deutlich gereift und einen Tick tiefsinniger. Indierock und Balladen mit Referenzen auf Folk und Rock der letzten 50 Jahre finden sich in ausgewogener Koexistenz auf “Infinite nights”. Stellenweise klingt das gar nach freundlichem Indiepop und ab und zu fühle ich mich an Bluesrock à la Jack White erinnert (z. B. “Midnight moan”). Insgesamt wirkt das Werk erfreulich vielseitig aber auch etwas zusammengewürfelt.

    Ob die Umsiedlung nach Berlin den Befreiungsschlag oder den Abstieg in eine andere Liga bedeutet wird die Zeit zeigen. Aber Iggy Pop, David Bowie und U2 hat diese Erfahrung bekanntlich nicht geschadet. Vielleicht liefert Berlin noch Substanz für einen weiteren Schritt mit mehr Konsequenz in eine der mit “Infinite nights” eingeschlagenen musikalischen Richtungen.

    Die Songs “Midnight moan”, “Bubblegum” und “Torture” vermitteln einen guten Eindruck der musikalischen Spannbreite auf “Infinite nights”.

    Nothing but hope and passion” meint:

    All over the album we hear rather quiet acoustic ballads about how difficult love, how empty the pockets and how great nightlife afterall can be. Written in the tone of a slightly melancholic drunk, the playful piano spreads neat harmonies all over the songs while singer Nathaniel Fregoso surprises with a mix of lonely crooning and the deceitful charme of the Down In Albion-DOHERTY. Nonetheless, besides the reserved parts on Infinite Nights, there is still room for lots of uptempo-moments, though they mostly don’t dress themselves as pretty forward rocking. The clear reminiscences from MAXIMO PARK to FRANZ FERDINAND, like we heard them from these fellows before, dissapear in benefit of some slightly reduced britpop appeal.

    Das Video zu “Midnight moan”:

    The Blood Arm auf Tour:

    • 22.08.2013 Dornstadt (“Obstwiesenfestival”)
    • 05.10.2013 Wolfsburg
    • 06.10.2013 Halle
    • 07.10.2013 Stuttgart
    • 08.10.2013 Mainz
    • 09.10.2013 Hamburg
  • Nadine Shah - Love Your Dum And Mad

    Nadine Shah - Love Your Dum And Mad



    Ende Juli – so langsam wird’s Zeit für das erste Herbst-Album des Jahres. Dem heißen Wetter überhaupt nicht entsprechend erscheint dieser Tage das doch eher düstere Debüt von Nadine Shah, einer 25jährigen Engländerin mit norwegischen und pakistanischen Wurzeln, das ihrem Ruf, "a female Nick Cave" zu sein, durchaus gerecht wird. Neben ihrer eindringlichen Stimme ist vor allem der intensive und bedrohliche Sound, für den übrigens Ben Hillier verantwortlich zeichnet, so gar nicht sommertauglich.



    Shah gelingt auf "Love your dum and mad" Einzigartiges. Nicht nur ihre Stimme, jenseits und diesseits alles Bekannten, erschüttert die Ränder der Wahrnehmung, wie die Kollegen von Spex ehrfurchtsvoll registrierten, sondern jeder einzelne ihrer tiefbedrückenden elf Songs um dunkle Lüste, Verlust, Rache, Tod und zerstörte Liebe zerschmettert mit erschlagendem Ernst, eisdicker Atmosphäre und dem Verzicht auf jeglichen Witz das Gutmenschliche im Gutmenschen und lässt in vollkommener Bitterkeit jede frische Glücksknospe welken. Shah fährt als uneheliches geistiges Kind von Mrs. Harvey und Mr. Nick Cave alle Register des Ernsthaften auf und beschert einen Herbst der Gefühlswallungen, dass die Eltern nur so aus der Wäsche gucken. (plattentests.de)



    Die allseits ersehnte Happiness scheint ständig greifbar in diesen Liedern, doch im nächsten Moment ist sie schon wieder verflogen. Die Musik, ob elektronisch klirrend, metallisch schabend oder akustisch wallend, treibt und rotiert in einer stetigen Vorwärtsbewegung und suggeriert ewigen Fortbestand, doch dieses Gefühl der Kontinuität wird von Shahs Texten immer wieder durchbrochen, weil in jeder hoffenden Zeile auch die Ahnung eines Abschieds mitschwingt. Aus diesem Kontrast erwächst, bei aller Kühle, die Schönheit dieses erstaunlichen und berührenden Debüts. "I was a winter child", singt Shah in "Winter Reigns", dem letzten Song. Kein Zweifel. (spiegel.de)

    Das Album erscheint am 26.07. sowohl auf Vinyl als auch als CD.

    Nadine Shah Live (ohne Gewähr):
    05.11. Köln (Studio 672)
    06.11. Berlin (Privatclub)
    07.11. Hamburg (Indra)

  • Tomahawk - Oddfellows

    Tomahawk - Oddfellows

    cover

    Nach dem Ende Faith No Mores war Mike Patton mit Fantômas und Mr. Bungle offensichtlich nicht ausgelastet, so dass er mit Ex-Jesus Lizzard Gitarrist Duane Denison und anschließend Ex-Helmet Drummer John Stanier sowie Melvins-Bassist Kevin Rutmanis im Jahr 2000 die Band Tomahawk gründete. Diese stand für die im Vergleich zu seinen beiden anderen Projekten “hörbarere” Musik. Für das schon früh dieses Jahr erschienene vierte Album “Oddfellows” der Band wurde der Bassist durch den bereits in Fantômas und Mr. Bungle erprobten Trevor Dunn ersetzt.

    Faith No More war so vielseitig, dass grundsätzlich fast alle Songs auf "Oddfellows" von dieser Band hätte stammen können. Doch offensichtlich ließen die Alternative-Götter einige Lücken. Und dort blüht Tomahawk auf. Häufig tue mich mich schwer, Musik als "Alternative" zu bezeichnen, weil sie einfach zu "normalrockig" ist. Doch dieser Zweifel haftet "Oddfellows" keinen Moment an. Prägnante Gitarren, ein paar entrückte Rhythmen und natürlich Pattons unverkennbare Stimme überzeugen. Das ist wohl das beste Patton-Album seit 1997.

    “Oddfellows” ist ein guter Anlass sich mal wieder an Mike Pattons Musik außerhalb Faith No Mores zu beschäftigen. Dieses Album wird keinen Faith No More-Fan enttäuschen. Und falls es jemandem zu “langweilig” für Patton-Verhältnisse ist kann er sich ja an weitere Tomahawk- oder gar  Fantômas-, Mr. Bungle- oder Soloalben heranwagen und seine Grenzen austesten.

    Der Titeltrack, “Stone letter”, “The quiet view” und “Waratorium” sind meine Lieblingssongs und sie tragen dazu bei, dass “Oddfellows” für mich eines der Alternative-Platten des Jahres ist! Mit dieser starken Munition im Gepäck wagt sich die Band auf Tour und so wird sie u. a. beim Berlin Festival am 06.09. zu sehen und hören sein.

    Auch MusicOMH.com freut sich über das für Patton-Verhältnisse “entspannte” Album:

    As for Oddfellows, it’s a sturdy rock/metal album with no real surprises, and not nearly as odd as its title might suggest. This is not, as might be expected, a particular hindrance. In fact, it’s one of Oddfellows strengths. With no pressure to be strange, the band is clearly focused on making succinct and unnerving tunes that cut to the chase quickly.

    Das Video zu “Stone letter”:

  • Parasite Single - Telescope

    Parasite Single - Telescope

















    Deutschland-Tour
    12. Station: Hamburg

    Beenden wir unsere kleine Deutschlandrundfahrten nach einem Dutzend Vorstellungen zwischen Psychedelic Rock, Elektro-Pop, Rap, Ambient und Hörspielpop an dem Ort, an dem sie auch begonnen hat.

    Christian Seim und Jasmina Quach bilden zusammen das Duo Parasite Single, das ihrer Single "Carpet Of Leaves" am 16. August "Telescope" folgen lassen wird. Der Longplayer - und hier scheint der von der Band gewählte Begriff "EP" bei einer Spielzeit von 48 Minuten und 7 (+2) Titeln nicht ganz treffend - wurde in Eigenregie veröffentlicht und ist als Download oder CD (und möglicherweise irgendwann als LP) auf Konzerten und dem gerade entstehenden Online-Store erhältlich. 




    "Telescope" pendelt zwischen Trip Hop und Electronica, erinnert an Lali Puna, Björk, Flunk oder auch Hundreds, da sich das Duo hauptsächlich auf Jasminas Stimme und Christians Piano- bzw. Synthie-Klänge, unterlegt von elektronisch-knisternden Beats, stützt. Die ebenfalls aus Hamburg stammenden Milner-Geschwister ließen ihrem Debütalbum ein Werk mit Coverversionen und Remixen folgen, Parasite Single folgen ihnen dahin gehend, dass den 7 Songs noch zwei Remixe angefügt sind, welche tanzbarer sind und daher besonders nach Hundreds klingen. 

    Bleibt noch die Frage nach der Bedeutung des Bandnamens zu klären: Parasite Single ist ein japanischer Ausdruck für Menschen, die bis in ihre späten 20er- und frühen 30er-Jahre bei ihren Eltern leben, um ein sorgenfreies und komfortables Leben zu genießen.    

    Wenn Trip-Hop auf Elektro trifft, kann es schnell peinlich werden, aber auch wunderschön. Für die Wunderschön-Variante entscheidet sich das Duo Parasite Single. Synthies und Beats begegnen einer sinnlichen Stimme, die zum Tagtraum und Tanz einlädt. Christian Seim und Jasmina Quach aus Hamburg schaffen Klang-Wunderwelten, die zum Wegschweben einladen und den Sommer zu dem machen, was er ist: ein Fest der Sinne.
    (faehrmannsfest.de)


    Parasite Single live:

    26.07.13 Hamburg, Grüner Jäger
    02.08.13 Hannover, Fährmannsfest
    16.08.13 Feldberg, 3000 Grad Festival
    18.08.13 Hamburg, MS Dockville

  • Moderat - II

    Moderat - II

















    Deutschland-Tour
    11. Station: Berlin

    Verweilen wir noch einen zweiten Tag in Berlin und kommen zu "II", dem zweiten Album von Moderat, dem Zusammenschluss der zwei Bands Apparat und Modeselektor, das am 02. August erscheinen wird.

    Sascha Ring, Gernot Bronsert und Sebastian Szary arbeiteten 6 Monate an ihrem Zweitlinkswerk, dass sie nach eigenen Angaben um 10 Jahre altern ließ. Im aktuellen Musikexpress wird das Album nicht auf den zweiten Rang gewählt, sondern zur Platte des Monats, und Folgendes hat Thomas Winkler dazu vorzubringen:


    "Milk" ist eigentlich ein klassischer Club-Track, der sich schier endlos um seinen schwer schabenden Beat dreht und immer lauter und intensiver wird, bis er auf einen Höhepunkt zusteuert, den er dann doch verweigert. Auf der anderen Seite des Spektrums versagt sich ein auf den ersten Blick gemütlich dahinschlurfender Popsong wie "Bad Kingdom" in letzter Konsequenz die wohlige Selbstsicherheit, indem durch den berückenden Gesang von Apparat irritierenderweise eine Art Elefantentrompeten quietscht. In "Therapy" wehen über einem funky Beat bloß noch die kaum zu erkennenden Reste jener Soulstimmen, die einen House-Gassenhauer zum Fliegen bringen. In "Ilona" bröckelt der Rhythmus, die Bassline grummelt missmutig und die Gesangsmelodie löst sich im Nichts auf. Es ist nicht der einzige Track, der wie ein großes Versprechen wirkt, das nie eingelöst wird und genau deshalb einen verführerischen Reiz entwickelt. (...)

    Das allein wäre noch kein Grund, II als Meisterwerk zu feiern. Doch die Fachkräfte, aus denen sich Moderat zusammensetzen, garantieren, dass die Verzweiflung Musik gebiert, die neue Töne für allzu oft beschrittene Wege aufzeigt. Dass nicht nur jedes Klangdetail wie ein Unikat wirkt, dass nicht nur die Melancholie ihren Platz findet, sondern der Bass bombastisch genug ist, eine Party in Gang zu bringen, auf der bis dahin Menschen in ihren besten Jahren über Kindererziehung, biologische Ernährung und das Motiv der Vergänglichkeit im letzten Tarantino geplaudert haben.

    Moderat wählten "Bad Kingdom" zur ersten Single, dessen Video, genau so wie das Plattencover, von der Digital-Design-Agentur Pfadfinderei stammt:


    <iframe src="http://player.vimeo.com/video/69467838?byline=0&amp;portrait=0&amp;color=ffffff" width="480" height="270" frameborder="0" webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowFullScreen></iframe>
    ="http://vimeo.com/69467838">Moderat "Bad Kingdom" | Monkeytown Rec. from href="http://vimeo.com/pfadfinderei">Pfadfinderei on href="https://vimeo.com">Vimeo.


    "II" wird über das eigene Label Monkeytown Records veröffentlicht und ist neben der CD und LP auch jeweils in limitierten Versionen erhältlich.

    Moderat auf Tour:

    11.08.13 Kampnagel, Hamburg
    19.09.13 Stadtgarten, Erfurt
    20.09.13 Schlachthof, Wiesbaden
    21.09.13 E-Werk, Köln
    22.09.13 LKA, Stuttgart
    29.09.13 Columbiahalle, Berlin

  • Jack Beauregard - Irrational

    Jack Beauregard - Irrational

















    Deutschland-Tour
    10. Station: Berlin

    In Berlin ansässig sind mittlerweile der Kölner Daniel Schaub und der Hamburger Pär Lämmers, die 2006 die Band Jack Beauregard gründeten und dafür auf den Namen eines alternden Revolverhelden aus dem Italowestern "Mein Name ist Nobody" zurückgriffen.

    2011 wären ihnen fast der große Wurf gelungen, als Deutschland das passende Lied für Lenas Titelverteidigung beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf suchte. 12 Songs stellte Lena in zwei Halbfinalen vor und das Publikum wählte beide von Schaub und Lämmers geschriebenen Titel ins Finale. Während für "Maybe" dort schnell Schluss war, erreichte "Push Forward" die Stichwahl gegen "Taken By A Strange" und hätte die Komponisten somit fast zum größten Liederwettbewerb geführt.
    Beide Titel landeten jedoch auf Lenas Album "Good News" und erreichten mit dieser Interpretin die Spitze der Albumcharts. Auch auf Lenas erstem Album waren die beiden Komponisten bereits mit zwei Liedern vertreten.  

    Mit "Irrational" haben Jack Beauregard nun ihr drittes Album veröffentlicht, das gespickt ist mit eingängigem Synth-Pop und 80er-Zitaten. Während "Not That Kind" oder "Where Is The Line" als Single-Veröffentlichung von Lena sicherlich Hits geworden wären, zitiert "The Harbour" "Mothers Talk" von Tears For Fears und pluckert durch "Houston" ein Frankie Goes To Hollywood-Beat.

    Freunden von M83, Nik Kershaw, Hurts und Alphaville zu empfehlen. 



    Wie sublim Jack Beaureagard die unterschiedlichen Einflüsse verarbeiten, lässt sich an "Silver Mine" eindrucksvoll demonstrieren: dem simplen bis monotonen und gleichzeitig unterproduzierten Puls wird eine komplexen Harmoniestruktur gegenübergestellt, die konstant Oberwasser behält. Man mag sich gar nicht ausmalen, was Armand van Helden oder französische Filter-Fürsten aus einer solchen Vorlage gewuchtet hätten. Nur einen Song später zeigen Lammers und Schaub, dass sie keineswegs an einem Understatement-Komplex leiden, laut knallen können und ihre Pappenheimer (Duran Duran, Wet Wet Wet und Hong Kong Syndikat) gut kennen. Für das energische "The Harbour" mit seinem In-The-Air-Tonight-Schlagzeug und den Sopran-Sax- und Gniedel-Gitarren-Soli gilt das natürlich genauso.
    Immer wieder (genauer: bei "It’s Going Down" und "Houston") wird der Autor daran erinnert, das Erlend Øyes Whitest Boy Alive Projekt einflussreicher war, als jemals für möglich gehalten. Dass beide Nummern zu den Album-Höhepunkten zählen, spricht sowohl für Herrn Oye als auch für Jack Beauregard. Dass Jack Beauregard überhaupt an der Schnittstelle von Organisch-Analogem und Digital-Programmiertem arbeiten können, haben sie der Tatsache zu verdanken, auf "Irrational", ihrem mittlerweile ja dritten Album, zum aller ersten Mal mit – wie sagt man das jetzt – richtigen Gastmusikern kollaboriert zu haben. Diese Unbestimmtheit gibt "Irrational" etwas Schwereloses, Dahin-Schwebendes. Aber leider gibt es dem Album eben auch etwas Schwereloses, Dahin-Schwebendes. Vor lauter Klangflirren bleibt von Stücken wie  "Cologne" oder dem seltsam deplatziert wirkenden "For All The Time" nur der Eindruck, dass der Wunsch, viel helfe viel, Vater des Gedanken war. Andererseits: das sind nur zwei von zehn. Acht Punkte.
    (join! music)



  • Me And Oceans - The Bay

    Me And Oceans - The Bay

















    Deutschland-Tour
    9. Station: Leipzig

    Der einzige Stopp unserer Deutschlandrundfahrt im Osten der Republik - das ist ja eine schlechtere Quote als im Profifussball! 
    Fabian Schuetze lebt und arbeitet in Leipzig,  ist Teil von A Forest & Zweistreifen sowie des Musikkollektivs Analogsoul und veröffentlicht nach zwei EPs ("Lakes", 2010, "The Pond", 2012) ein erstes Album.

    "The Bay" setzt nicht nur dem Namen nach den Stil der ersten beiden EPs von Me And Oceans fort. Jedoch ist erstmals das Ensemble Mistral, bestehend aus Arpen (Klavier, Arrangements), Asita Ramme (Violine), Benjamin Weis (Cello), Antonia Hausmann (Posaune) und Cora Sophie Groth (Bratsche), mit eingebunden, so dass nicht nur neue Titel den Weg auf "The Bay" fanden, sondern auch ältere eigene Songs im neuen Gewand, wie etwa "The Pond" oder "When I Was A Dancer".  

    Auch eine äußerst ungewöhnliche Coverversion hat hier angelegt: "Polonaise Blankenese", im Original von Gottlieb Wendehals, gehört sicherlich in die Liste der Songs, von denen man sich nicht vorstellen kann, dass sie jemand freiwillig covert. Und dennoch ist "Polonaise Blankenese" in dieser entschleunigten, schwermütigen Fassung ein Mehrgewinn. 
    Stellt sich die Frage, wie das zu toppen ist. Vielleicht, indem Robin Proper-Sheppard von Sophia "Ein bisschen Spaß muss sein" überbearbeitet?  





    Grund zum Feiern gibt es natürlich. Nicht nur, weil Analogsoul ein weiteres Mal zeigen konnte, wie sich ein Musikprojekt erfolgreich crowdfunden lässt. Vielmehr dürfte aber die Arbeit mit einem Streichquartett Fabian Schütze künstlerisch weiter gebracht haben.
    Aber Anbiederei ist ja nicht unbedingt Fabian Schützes Sache. Vielleicht eher ein teilweise überzogen ausgeprägter Hang zur Ernsthaftigkeit. Insofern wirkt die Brechung zwischen Text und Tonalität bei ”Polonaise Blankenese“ angenehm befreiend.
    Ein schlimmes Lied der Spaß-Diktatur wird unter eine dicke Schwermutswolke gepackt. Am Ende lachen trotzdem alle. Bestens. Das Album erscheint am 2. August.
    (frohfroh)




  • Okta Logue - Tales Of Transit City

    Okta Logue - Tales Of Transit City

















    Deutschland-Tour
    8. Station: Griesheim

    Griesheim liegt circa 7 km westlich von Darmstadt und beherbergt rund 25 000 Einwohner, darunter ursprünglich das Quartett Okta Logue.

    Die Brüder Benno (Gesang, Bass) und Robert Herz (Schlagzeug), Philip Meloi (Gitarre) und Nicolai Hildebrandt (Orgel) nehmen uns auf ihrem zweiten Album "Tales Of Transit City" mit auf eine nostalgische Reise zum psychedelischen und progressiven Rock der 70er Jahre, der in erster Linie an Pink Floyd denken lässt ("Transit" oder "Just To Fall Asleep" oder eigentlich auch die übrigen 7 Songs) und aufgrund der Orgel-Klänge auch The Doors in Erinnerung ruft.



    Mögen Okta Logue aus Darmstadt auch gestreifte Hosen mit dünnen Westen und Seidenschals kombinieren, mögen sie durch ihr schwelgendes Grimassenschneiden bei den Gitarrensoli noch so viel Fremdscham hervorrufen, ihr zweites Album »Tales Of Transit City« ist letztlich so gut, das hätte auch Johnny Rotten gekauft.

    Es ist genau diese Form ironiefreien Retro-Sounds kombiniert mit gutem Songwriting, den früher nur die Schweden konnten. Heute kommt so was von jungen Typen aus der hessischen Provinz. Verrückt! Diese hohe sanfte Stimme über dem lässig dahinswingenden Schlagzeug und der Gitarre mit dem Schlafzimmerblick – wie ein heißer Sommertag, an dem endlich mal wieder Zeit zum Kiffen war.
    (intro)

      
    "Tales of Transit City" ist ein perfektes Album in einem Stil, der seit Dekaden still steht. Es zeigt, was maximal möglich ist. Benno Herz, Sänger und Gitarrist, äußerte in einem Interview, wie sehr er es verabscheue, wenn sich der Rock in machohaften Gesten und abgeschmackten Posen ergehe. Die Einstellung ist 1A und doch: Genau diese Merkmale, die Emphase, mit der die verlogen-selbsgerechten Männer da vorne seit Dekaden als unangepasste Lebenskünstler angehimmelt werden, ist auf's Engste verbunden mit der ganzen Psychedelic-Classic-Prog-Rock-Vergangenheit, die Okta Logue so versiert und leidenschaftlich heraufbeschwören.

    Zur Distanzierung bedürfte es deutlich mehr als nur die Zurschaustellung der eigenen Verletzlichkeit, es bräuchte Brüche, Ironisierungen gegen die ganzen "Whole lotta love"-Übergriffigkeiten, die Pink Floyd, Led Zeppelin und und und schon ewig zelebrieren. Okta Logue sind da sicherlich aus völlig anderem Holz geschnitzt, und doch, sie sprechen vielerorts ohne spürbaren Willen zum Abgesang eine Sprache aus einer längst vergangen Zeit. Das funktioniert irgendwie, weil noch so viele alte Säcke diese sprechen. Es ist diesem Album zu verdanken, dass die Grenzen des Genres endgültig vor Augen geführt werden. Auf höchstem Niveau scheitert "Tales of Transit City" an der Jetztzeit. Alles ist falsch, aber es hat Qualität.
    (Plattentests)

    Okta Logues eigene Deutschland-Tour:

    30.08.2013 Nonstock Festival, Fischbachtal
    03.09.2013 Saarbrücken, Garage
    04.09.2013 Konstanz, Kulturladen
    05.09.2013 Ulm, Roxy
    06.09.2013 Würzburg, Café Cairo
    07.09.2013 Wiesbaden, Schlachthof
    10.09.2013 Hannover, Café Glocksee
    11.09.2013 Bremen, Tower Musikclub
    12.09.2013 Kiel, Schaubude
    14.09.2013 Dresden, Beatpol
    25.10.2013 Osnabrück, Bastard Club
    26.10.2013 Neumarkt i. d. Oberpfalz, Cooper’s
    06.11.2013 Leipzig, Werk 2
    07.11.2013 Frankfurt, Zoom
    08.11.2013 München, Atomic Café
    09.11.2013 Stuttgart, POPNOTPOP Clubfestival
    04.12.2013 Köln, Luxor
    05.12.2013 Aschaffenburg, Colos-Saal
    06.12.2013 Fulda, Kreuz
    07.12.2013 Siegen, Vortex
    11.12.2013 Nürnberg, MUZ
    12.12.2013 Freiburg, White Rabbit
    13.12.2013 Augsburg, Kantine
    14.12.2013 Weinheim, Café Central


  • Muso - Stracciatella Now

    Muso - Stracciatella Now

















    Deutschland-Tour
    7. Station: Heidelberg

    Wer hätte das gedacht? Stracciatella liegt (hinter Vanille, Schokolade und Erdbeere) auf Platz 4 der beliebtesten Eissorten Deutschlands. 
    Ob Daniel Giovanni Musumeci in den Heidelberger Eisdielen immer Stracciatella orderte, ist mir nicht bekannt, jedoch trägt das aktuelle Album der Rappers, der den Künstlernamen Muso trägt, den Titel "Stracciatella Now". 

    Muso hat mit Marc Übel, dem Schlagzeuger von Sizarr, einen Mitbewohner aus einem anderen musikalischen Kontext, und fand mit Konstantin Gropper von Get Well Soon und Markus Ganter, der bereits "Psycho Boy Happy" produzierte, zwei Produzenten, die man ebenfalls nicht mit Hip Hop und Rap in Verbindungen bringen würde. Daher klingt "Stracciatella Now" mit seinen opulenten Arrangements, synthetischen Effekten und Samples auch anders als erwartet und tendiert auch mal in Richtung Indie oder Pop. Musos düstere und ichbezogene Texte dürften auch Freunden von Casper und Marteria gefallen. 

    Mein Fall ist weder "Stracciatella Now" noch Stracciatella, daher lege ich jetzt erst einmal "Rest Now Weary Head, You Will Get Well Soon" auf, esse ein Pistazieneis und sinniere über meine persönlichen Top 5-Eissorten. 



    Mit seinem lange erwarteten Album »Stracciatella Now« untermauert der Heidelberger den ihm schon seit einiger Zeit vorauseilenden Ruf als Ausnahmeerscheinung. Texte, Tonart und Technik des MCs sind unverwechselbar und vereinen sich zu Liedern, die mit wachen Augen durch die Dunkelheit wandern. Für die Produktion sind mit Konstantin Gropper (Get Well Soon) und Sizarr-Produzent Markus »Pink« Ganter zwei Musiker verantwortlich, die man eher aus dem Indie-Pop-Kontext kennt.
    Gemeinsam kleiden sie Musos Lyrics in wuchtige Arrangements aus Live-Instrumenten und Samples. So entsteht ein selten gehörter Klang zwischen Spoken Word, HipHop, Pop und TripHop, der sich zu sperrigen Stücken wie »Garmisch-Partenkirchen« entwickelt, aber auch in Hits wie »Blinder Passagier« und »Malibu Beach« verwandelt. Aktives Zuhören sei in jedem Fall empfohlen. Muso zeigt mit »Stracciatella Now« eindrucksvoll, dass er weitaus mehr ist als nur der Nachdenkliche bei Chimperator. Ein Album, das »Sei dir nicht zu sicher« in silbern funkelnden Lettern auf dem eng anliegenden schwarzen Shirt trägt.
    (intro)


    Positive Aspekte
    Musos Lyrik ist charakterisiert durch ein wild assoziatives Vorgehen, welches dem informierten HipHop-Kopf spätestens seit dem audiovisuell umgesetzten Titel "Garmisch-Partenkirchen" bekannt sein dürfte. Somit sind die verschiedenen Anspielstationen des Tonträgers kaum vorhersehbar und versetzen den entdeckenden Rezipienten immer wieder in Erstaunen.
    Zentral für die Güte eines Werkes ist das Zusammenspiel von Inhalt und Vortrag. Vor diesem Hintergrund ist zu konstatieren, dass sich Musos bedächtig zurückgelehntes Tempo sehr gut mit der komplex verschachtelten Assoziationskunst des Protagonisten ergänzt. Schließlich möchte man als Zuhörender ansatzweise die Chance haben, den Vortrag inhaltlich nachvollziehen zu können.
    Das Gesamtbild abrundend besticht auch die musikalische Umsetzung des Werkes durch eine dezent zurückhaltende Grundausrichtung, die sich in den richtigen Momenten verspielt in den Vordergrund drängt.
    Als qualitative Leuchttürme seien an dieser Stelle die Titel "Garmisch-Partenkirchen", "Malibu Beach", "Blinder Passagier" und "Die alte Ruine" namentlich erwähnt.
    Negative Aspekte
    Gleichwenn man dem Tonträger bei zwölf Anspielstationen nicht vorwerfen kann, der Quantität vor der Qualität den Vorzug zu geben, ist im letzten Dezil der Platte bedingt durch den Titel "All eyes on me" ein qualitativer Abfall zu verzeichnen. Leider ist dieser Rückgang nicht ausschließlich auf die hohe Qualität der restlichen Anspielstationen zu attribuieren, da besagter Titel laut meiner objektiven Meinung auch im Vergleich zu Konkurrenzprodukten stark abfällt. Es sei den verantwortlichen Musikern jedoch gegönnt, sich an dieser Stelle abseits jeglicher Genrekonventionen ausgetobt zu haben.
    (Herr Merkt spricht über Hip Hop)



    Muso kommt zu Stracciatella-Essen in deine Stadt:

    05.09.13 Stuttgart, Rocker 33
    06.09.13 Kaiserslautern, Kammgarn
    07.09.13 Mannheim, Schlossfest
    10.09.13 Köln, Gebäude 9
    11.09.13 Münster, Gleis 22
    12.09.13 Berlin, Festsaal Kreuzberg
    13.09.13 Erfurt, Centrum Klub
    16.09.13 Augsburg, Ostwerk
    17.09.13 München, Kranhalle
    27.09.13 Hamburg, Reeperbahn Festival
    28.09.13 Heidelberg, Karlstorbahnhof

  • Stareaway - No Life In This Ghost Town

    Stareaway - No Life In This Ghost Town

















    Deutschland-Tour
    6. Station: Regensburg

    Verweilen wir noch einen Tag in Regensburg. Das ist also so etwas wie der Ruhetag unserer kleinen Deutschlandrundfahrt, und welche Musik wäre dazu passender als verträumter, entspannter Ambient-Pop?

    Stareaway sind Markus Guentner aus Regensburg und Heiko Badje (La Grande Illusion) aus Hamburg, deren Song "Baghira" bereits 2005 für den Kompakt-Sampler "Pop Ambient 6" ausgewählt wurde. Erst 2011 folgte mit "Learn How To Love" eines erste EP dieses Projektes, dem nun mit "No Life In This Ghost Town" ein komplettes Album folgt, das als Download oder Doppel-LP erhältlich ist. Während Guentner für ambientartige Soundlandschaften sorgt, streut Badje sanften Gesang, sowie dezente Gitarren und Pianoklänge ein. Hier kann man sich von den 7 ausladenden Titel umspülen und hinweg treiben lassen.  



    Markus Guentner und Heiko Badje haben es geschafft auf "No Life in this Ghost Town" zwei verträumte und verzerrte Genres elegant zu kombinieren: Shoegazegitarren treffen auf Ambientflächen.

    Perfekt ist diese Symbiose bei dem Track "To Get Further" gelungen, das an das Spätwerk von Slowdive "Pygmalion" erinnert. Atemberaubender Dreampop, der an Sigur Ros denken kässt, liefert "A Loss of Breath" und "O Suomi" weckt weitere Erinnerungen an nordische Pop-Ambient-Bands wie RÖYKSOPP, aber nachdem Suomi auch einen Asteroiden bezeichnet, weist auch dieser Song über seine erste Assoziation ganz weit hinaus: Sphärisch und hypnotisch wirft er den Zuhörer in seine eigene Welt zurück - weg vom Lärm des Alltäglichen, hinein in einen umfassenden Kokon. Sublimer kann Musik kaum sein.
    (Sublime)


    Most of you will know what Markus brings to the table. He is one of the best ambient producers to grace us in recent years, and we’ve even been lucky enough to play host to his Places Series release too. So what about Heiko? Like Markus, Heiko hails from Hamburg, but Heiko’s approach is much more ‘pop’ than horizontal ambience; melodic vocal’s that have a calming Scandanavian feel to them, similar to those of Royksopp or Kings of Convenience. Listen to them both and you’ll struggle to see how these two have managed to pull off such an amazing record. However, after seven tracks of ‘No Life In This Ghost Town’ it makes complete and utter sense.

    Addictive melodies, awash with shoegaze-esque guitars and builds of Guentner-esque ambience, neatly balanced with a vocal that (rarely does this happen) accentuates the entire piece. It reminds me of Slowdives unique approach on their ‘5 EP‘, with washes of colour and a distant vocal that draws you in deeper with each listen.

    I can’t help but think everything has happened backwards here. It’s as if these two were an early 90′s shoegaze band and quietly went their own ways to develop their own sound. And as natural progression has it, developed their own signature sounds off the back of it. But no, it’s exactly the opposite and we’re better off for it – a harmonic marriage of two beautiful complimentary styles.
    (a strangely isolated place)

  • Mortimer - Polygreen

    Mortimer - Polygreen
















    Deutschland-Tour
    5. Station: Regensburg

    Gestern hatten wir das Europa Label und Die drei ??? erwähnt, was passt da besser als eine Band, die ihre eigene Musik als Hörspielpop bezeichnet und ein wenig wie die als Folge 29 dieser Serie veröffentlichte Originalmusik aus dem Jahre 1982 klingt? Kurze, instrumentale, vom Synthie geprägte Entwürfe, die mal bedrohlich, mal unbekümmert, aber stets geheimnisvoll klingen und Einflüsse von Shoegaze bis Krautrock mit einfließen lassen. Fast erwartet man die Stimmen von Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews oder die des Erzählers im nächsten Moment zu vernehmen. Nur passend das Oliver Rohrbeck zur Musik von Mortimer anmerkt: "klingt cool :-)".  

    Mortimer bestehen aus Martin Pesold (Bass), Jochen Lämmel (Keyboards) und Mauro Ciccarelli (Schlagzeug) und veröffentlichen mit "Polygreen" erstmals ein Album, das sich über Oblivion Records als CD (10,- €) und über die Bandcamp-Seite als Download (7,- €) beziehen lässt. Nur die limitierte Musikkassette ist wohl nicht mehr erhältlich - schade eigentlich.

    Das Trio bestehend aus Synthie, Bass und Drums hat sich nämlich der musikalischen Welt der "Drei Fragezeichen" und der "Fünf Freunde" verschrieben und kreieren Songs, die zunächst wie ein locker dahin geworfener Spaziergang durch eben jene Hörspiele klingen - aber allesamt sind jedoch zugleich komplexe Melodiebögen und es knistert bedrohlich unter der Oberfläche.

    Hauptsächlich liegt das an den analog eingespielten Synthies - Korg Wavestation, Prophet 08, Tetra und Yamaha - und "Soundkartell" hat treffend bemerkt, dass bei MORTIMER der Synthie die Funktion der Erzählerstimme in einem Höspiel übernimmt. Welche Geschichten erzählen uns MORTIMER mit ihrer Musik? Es gibt ein melancholisch lässiges Lied über die verwunschene und fast verschwundene Welt von "Coney Island", ein Song beschreibt die bedrohliche und mystische Atmosphäre in dem englischen Steinkreis "Avebury" und "Spindrift" - ein Highlight auf der Debüt-CD "POLYGREEN" - ist einem düsteren Tag am Strand von Brighton gewidmet.

    Die Musik von MORTIMER ist in der Tat einzigartig, vor allem live ziehen die Songs einen magisch in seinen Bann, denn immer wieder wechselt das Erzähltempo innerhalb eines Songs, oftmals werden Synthieflächen aneinandergereiht, die schon fast eine Shoegaze-Atmosphäre erzeugen und ein anderes Mal fühlt man sich in einen Science-Fiction-Film versetzt. Dabei entzieht sich MORTIMER immer allen Schubladen und pendelt zwischen Kraut, Fusion und Pop hin und her, so dass der Zuhörer sich ganz seiner eigenen Vorstellungswelt hingeben kann.

    Es bleibt dieser Band zu wünschen, dass ganz bald ein Regisseur sie für seinen Soundtrack entdeckt oder "Die Drei Fragezeichen" sich von ihnen perfekten Hörspielpop in ihre Fälle schneiden lassen!
    (Sublime)


  • LaBrassBanda - Europa

    LaBrassBanda - Europa

















    Deutschland-Tour
    4. Station: Übersee am Chiemsee

    Man muss nicht einschiffen, um nach Übersee zu gelangen, dort kann man aber einschiffen, um über den Chiemsee zu fahren. Aus dem südlichsten Etappenziel unserer Deutschlandrundreise, einem 5 000-Seelen-Örtchen, stammen Stefan Dettl und seine Mitstreiter, die seit 2007 die Blasmusikkapelle LaBrassBanda betreiben.

    Die Band bezeichnet ihre Musik selbst ironisch als Bayerischen Gypsy Brass oder Alpen Jazz Techno - und letzteres passte nie besser als dieser Tage. Denn begonnen bei - Nomen ist Omen - "Tecno" über "Nackert" in seiner Album-Version bis hin zu "Frankreich" sind zahlreiche Titel mit dumpfen Beats unterlegt, so dass Gesang und Bläser nur schmückendes Beiwerk für tanzbaren Pop sind. Dass LaBrassBanda mit dieser musikalischen Feinjustierung nicht nur bei den Radiohörern und hoch in den Charts landen können, zeigte unlängst "Nackert". Beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2013 landete die bayerische Combo insgesamt auf dem zweiten Platz und hätte uns sicherlich in Malmö besser vertreten als Cascada. In den deutschen Singlecharts platzierte sich der Song auf Rang 13.

    Neben den Tanznummern, gibt es auch weiterhin einige Songs mit folkloristischem Balkan-Einschlag ("Holland") und ruhigere ("Sarajevo"), teils majestätisch schöne Instrumentals ("Russland", "Griechenland"), die "Europa" zu einem kunterbunten Mix werden lassen.   

    "Europa" erscheint übrigens bei dem gleichnamigen Label, das eher für Hörspiele für Kinder und Jugendliche (TKKG, Hui Buh, das Schlossgespenst, Die drei ???) steht und damit eine perfekte Überleitung für den morgigen Stopp unserer Deutschlandtournee bildet.

    Das erste Lied auf der Platte "Tecno" weist nach vorn, es bebt, es lodert, es spricht zum Hörer. Jetzt geht's los. Aufi. Pack ma's. Trompeter Dettl spielt einen harten, klaren, technisch einwandfreien Ton - schnell und scharf. Wenn die Band ein Auto wäre, dann dürfte niemals eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt werden. (…)
    Mit "Russland" reisen die Hörer in die Weite, in die Steppe. Das Lied klingt nach "Spiel mir das Lied vom Tod". Nach Prärie, Einsamkeit, nach Wildem Westen. Dettl hat es schon vor vielen Monaten geschrieben und stellte sich vor, wie das einstige Zarenreich wohl klingen mag. Dettls Russland ist nachdenklich, traurig, aber auch hoffnungsvoll, aufatmend.
    Es setzt einen starken Kontrast zu "Holland", das sehr quengelig daherkommt, nörgelnd und eher an den Balkan erinnert. "Heijeijeijeijeijeijeijeijei, wooooow" singt Dettl hier. Sein Gesang - das sind Loopings mit doppelten Rittbergern, Auerbacher mit 360-Flips auf einmal performt. Wann holt der Junge Luft? Was singt er da eigentlich? Nichts ist zu verstehen. Aber eigentlich muss man bei dem raubeinigen Krawall auch gar nichts verstehen, so perfekt ist er einstudiert.
    "Europa" ist ein Interrail-Ticket mit spontaner Zug- und Platzwahl. Es hält sich nicht an Vorgaben, folgt keinem Muster. Interpretiert nicht nur Länder, sondern mit "Opa" und "Jacqueline" auch Gefühlszustände. "Wir müssen erst noch sehen, bei welchem Lied die Leute abgehen werden", sagt Hofmeir. Der Tubist setzt seine Spielsteine auf "Z'spat dro". Die Töne jagen den Text oder andersherum, Ska bricht durch, drängt, fordert, stößt nach vorn, hob hob hob, der Nachschlag ist sauber gespielt - so wie schon bei "Autobahn".
    Vielleicht wird "Z'spat dro" das nächste große Lied, das die Fans wieder und wieder einfordern werden. Ein Lied, bei dem sie die Beine in die Höhe werfen werden, die Arme im Takt schütteln und mit ihren Körpern gegeneinander hüpfen. Abfahrt.
    (Spiegel)


    Denn wer die Band nicht kennt, Europa also unvoreingenommen hört, wähnt sich unversehens in seltsam künstlichen Soundwelten, so flächig treiben Bass, Tuba, Posaune und Drums in Tecno über Dettls subkutanes Idiom aus selbstbewusst unverständlichem Bairisch. Und würde Vogerl gleich darauf nicht kurz mal bierzeltduselig auf die Oktoberfestvergangenheit der Band verweisen – Z’spat dro mit seinen (wirklich!) 150 bpm im Anschluss, das ambientartige Russland, die Datscha-Disco Holland, sodann der Deephouse-Verschnitt Schweden und natürlich Around the world, ein live-erprobtes Daft-Punk-Cover zum Schluss, all dies fände leicht nachverzerrt auch im Berliner Szeneclub Gehör.
    Kein Wunder, könnte man meinen. Schließlich kommt das Quintett ohne genuine Akkordinstrumente aus, wie Hofmeier betont. E-Bass plus Tuba statt Gitarre – “eigentlich geht das gar nicht”. Dass es doch geht, zeigen indes nicht nur ausverkaufte Hallen bis nach Japan, sondern auch der Wechsel vom kleinen Trikont-Label zu Sony. Mehr aber noch dieses Album. Ihm fehlt zwar das Hitmodul des Vorgängers, der Schunkeleffekt, die Mithüpfverpflichtung. Dafür ist es in sich schlüssiger, vielgestaltiger und doch stringenter. Nennen wir es reif.
    (Zeit)


  • A Home. A Heart. Whatever. - Same Same

    A Home. A Heart. Whatever. - Same Same



    Deutschland-Tour
    3. Station: München (über Augsburg und Weilheim)

    Im Januar 2011 hatten sich A Home. A Heart. Whatever. bereits schon einmal in unserem Gerichtssaal eingefunden, um über ihr selbstbetiteltes Debütalbum richten zu lassen. Damals wie heute haben Tobias Mecklinger, Marcus Schreiner und Florian Zabel aus München, Augsburg und Weilheim den Weg der Selbstanzeige gewählt.

    "Konsequente Weiterentwicklung" versprechen sie im Plädoyer und vielleicht ist dieses Jahr tatsächlich mehr drin, als die 5,75 Punkte, die AHAHWE für den Vorgänger im Schnitt erhielten. Schließlich attestierte ihnen Dirk schon vor zweieinhalb Jahren, dass…

    in den elektronischeren Momenten auch Styrofoam oder Electric President [durchklingen], was die Band für Fans (und Macher) des Morr Music Labels interessant machen könnte.



    War die erste Platte von A Home. A Heart. Whatever noch von handgemachter Folkmusik geprägt, „verwenden wir auf dem neuen Album teilweise kaum noch eine Gitarre“. Zehn Songs sind entstanden auf diese Weise, die die verschiedensten Spielarten elektronischer Musik mit der Erfahrung der Bandmitglieder aus früheren Indiegruppen mischt und bei aller Komplexität eins nie aus den Augen verliert: den klaren, melodischen Popsong. (augsburger allgemeine)

    Mit „Let Go“ haben sie nun auch einen Song auf dem Album, das neben der ganzen Ruhe doch etwas mehr drängt. Flirrendes Up-Tempo trifft auf den postpubertären Satz „I won’t listen and I won’t let you go“, die flächigen Synthie-Bässe werden von einem klassischen Gitarrensolo abgelöst. Eine tanzende Club-Menge ist dazu leicht vorstellbar. (sz jugendseite)



    Beziehbar ist Same Same via iTunes, amazon und die bandcamp-Seite der Band. Und wenn ich mir eine Band wünschen dürfte, mit der A Home. A Heart. Whatever. auf Tour gehen sollten, wären das We Invented Paris. For whatever reason.

  • Frida Gold - Liebe ist meine Religion

    Frida Gold - Liebe ist meine Religion

















    Deutschland-Tour
    2. Station: Hattingen (im Ruhrgebiet)

    Tief im Westen, mitten im Dreieck zwischen Essen, Bochum und Wuppertal liegt das 50 000-Einwohner-Städtchen Hattingen, in dem 2005 die Band gegründet wurde, aus der nach einigen Umbenennungen Frida Gold werden sollte. Alina Süggeler (Gesang), Andreas Weizen (Bass), Julian Cassel (Gitarre) und Thomas Holtgreve (Schlagzeug) tourten bereits mit Bosse (nach dessen Song "Frida" sich die Band auch benannte) oder auch Kylie Minogue und veröffentlichten 2011 mit "Juwel" ein erstes Album. Ihre Single "Wovon sollen wir träumen" wurde als Hymne der FIFA Frauenfußball-WM ausgewählt, erreichte Platz 19 in Deutschland und verkaufte sich rund 250.000 Mal.

    Jetzt spielen die Damen wieder Fußball und Frida Gold stehen höher in den Charts als jemals zuvor: Die Single "Liebe ist meine Religion" kletterte aktuell bis auf Platz 4 der deutschen Single-Charts. Die italienische Sängerin Gala dürfte sich über die Tantiemen freuen, da der Song recht deutlich deren "Freed From Desire" (1996) zitiert. 

    Die Produktion des Albums, das den gleichen Titel trägt wie die Single, fand in Los Angeles statt und hat dem entsprechend auch internationalen Disco-und Dance-Pop-Standard. Wären da bloß nicht diese Texte! Das gelegentlich ins Englische gesprungen wird, macht es sogar noch schlimmer. Einen Lyrik-Preis werden die schöne Alina und ihre Mitstreiter nicht gewinnen, doch dafür steigt "Liebe ist meine Religion" von Null auf Eins in die deutschen Albumcharts ein.      

    Fast alle 12 Songs sind toll produziert. Selten war deutscher Pop so eingängig und tanzbar. Zum Finale wartet eine fulminante Feuerzeugschwenk-Ballade ("Deine Liebe"). In den Texten philosophieren Frida Gold wie gewohnt über die Liebe und den Sinn des Lebens. Dabei erweisen sie sich nicht unbedingt als Deutschlands größte Dichter und Denker. Aber sie untermauern mit dem zweiten Album das, was sich schon mit dem ersten angedeutet hat: originelle musikalische Ideen + charismatische Sängerin mit angenehmer Stimme = eine Band, an der wir noch lange unsere Freude haben werden.
    (BR)


    Mit melodischen und harmonischen Strukturen im Popgewand geht es auch den Rest des Albums weiter. Hier und da blitzen elektronische Töne auf, wie etwa bei "Die Dinge haben sich verändert" und "Leuchten". Ab und an grüßen die alten Bekannten wie Rosenstolz oder bei besseren Titeln wie "6 Billionen" und "Deine Liebe" auch Mieze und ihre Band Mia.. Dann kommen wieder Erinnerungen an den selbsternannten Pop-Titan Bohlen. Denn Titel wie "Große Erwartungen" und "Rosegarden" könnten auch aus seiner Feder stammen und würden einer Yvonne Catterfeld super stehen. Alle Songs auf "Liebe ist meine Religion" sind fest verpackt im Mainstream-Gedöns namens Pop – leicht zugänglich und mit dem nötigen Quäntchen Wiedererkennbarkeit, um in den Radio-Charts und den Großraumdiscos auch außerhalb Hattingens zu landen.
    (Plattentests)


  • Pascal Finkenauer - Pascal Finkenauer

    Pascal Finkenauer - Pascal Finkenauer

















    Deutschland-Tour
    1. Station: Hamburg

    Während sich die Tour de France durch Frankreich schlängelt, unternehmen wir hier eine kleine musikalische Rundreise durch Deutschland.

    Beginnen wollen wir im hohen Norden: In Hamburg lebt mittlerweile der in Mainz geborene Pascal Finkenauer, dessen selbstbetiteltes Album bereits im April erschienen ist, hier bisher aber nicht erwähnt wurde. Durch die Bars, Clubs und Straßen der Hansestadt zog Finkenauer auch des nächtens und goss seine Erlebnisse und Stimmungen in zwölf düstere, intensive Songs, die mal rockig ("Den Bach runter", "Maschine", "Alles In Rage") daher kommen und Vergleiche zu Interpol, The National oder Joy Division nach sich ziehen, mal eher die ruhigen und akustischen Töne ("Müdigkeit", "Brennende Autos") beanspruchen oder auch abrupt vom einen in den anderen Zustand wechseln können ("Wellen").
    Über die Qualität seiner Texte brauche ich wohl keine Worte mehr zu verlieren, statt dessen verweise ich lieber auf "Techno (Gedichte)", den ersten Lyrikband von Finkenauer.

    Die legt einen tighten, (be)drückenden & durchweg dunkelblauen Pop-Klangteppich unter das Finkenauersche Vibrato, verzichtet aber meist auf all zu offensichtliche Stolperfallen, die den sich schmerzhaft windenden Texten vorbehalten bleiben. Nicht nur Zeilen wie “In den Venen spült es Ratten” fokussieren das Trauerspiel aus Insomnia, Hoffnung(slosigkeit) und implantiertem Terror. “Den Bach runter” gibt als erste Single schon mal die geschotterte Wegrichtung vor und vieles was folgt, ergeht sich nur zu gerne in der erhabenen Schönheit des Verlusts irgendeines bedeutsamen Faktors.
    Wenn dann im Abspann die Hymne “Offen” das scheinbar unvermeidlich drängende “H” am Anfang einfach auslässt und sich breit auf das Sofa fläzt, klingt “Pascal Finkenauer” im Wissen aus, dass wir es hier mit der Offenbarung des Monats zu tun haben. Nur wer es mit dem Blick auf intime Befindlichkeiten nicht so hat, lässt lieber die Finger davon. Wir wollen ja keine Perlen vor den Säuen aufsammeln müssen.
    (concert-news)


    Denn auch auf "Pascal Finkenauer" bleibt er seinem bisherigen Stil treu. Schon im eröffnenden "Verzerrt" heißt es überzeugend und inbrünstig "Mein Kopf hängt meterhoch über den Straßen / Nichts mehr ist, wie es war / Nur die Angst ist immer noch da, wo sie war" - sie ist nach wie vor tonangebend, diese eindringliche Melancholie. Wie ein roter Faden zieht sie sich durch die zwölf neuen Tracks, die der Mittdreißiger in den vergangenen zwei Jahren getextet und komponiert hat. Wer jedoch Trübseligkeit erwartet, wird vergeblich danach suchen. "Ich bin ziemlich gut beisammen / Und guter Dinge, dass es weiter, weiter geht" trällert er passend zu den knackig einsetzenden Gitarrenklängen von "Im Licht".
    Und selbst mit Zeilen wie "Ich weiß noch nicht / Wie es mit mir weitergeht / Wie es sich am Abgrund lebt / Ich bin am Ende / Also tanzt auf dem Rest meiner Reste" im psychedelisch anmutenden "Den Bach runter" versprüht Finkenauer alles andere als Verzweiflung oder Bedrücktheit. Dementsprechend beschwingt und flott geht es anschließend in "Maschine" voran. Diese Stimmungsschwankungen machen hier und da auch vor amtlich zur Sache gehenden Rocknummern wie "Hinter zerrissenen Tüchern" oder "Alles in Rage" nicht Halt. Ein verträumtes "Wellen" lässt plötzlich aus dem Nichts mit knarzendem Gitarrenschrammeln aufhorchen, während "Brennende Autos" kurzzeitig komplett die Fassung verliert. All das sorgt für Abwechslung inmitten der tiefgründigen Ernsthaftigkeit - und ist zusammengenommen alles andere als lachhaft.
    (Plattentests)



  • Pet Shop Boys - Electric

    Pet Shop Boys - Electric

















    In unregelmäßigen Intervallen (1986, 1994, 2003, 2007) veröffentlichten die Pet Shop Boys bisher vier Zusammenstellungen von Remixen und Single-B-Seiten, die den Titel "Disco" wahrlich verdienten. Als Fan oder DJ musste man "Disco 1-4" natürlich kaufen, den Weg auf den heimischen Plattenteller fanden diese Zusammenstellungen wohl eher selten.

    Nun haben Neil Tennant und Chris Lowe nach 28 Jahren das Parlophone Label verlassen und veröffentlichen erstmals über ihr eigenes Label x2 ein neues Album. Dabei müssen sie mit der Reihenfolge ein wenig durcheinander gekommen sein, denn "Electric" müsste eigentlich "Disco 5" heißen und einem regulären Album nachfolgen. Zusammen mit Stuart Price entstanden in kürzester Zeit - "Elysium" liegt erst neun Monate zurück - 9 neue, konsequent auf den Dancefloor abzielende Titel.

    Die Kritiken sind bisher sehr positiv, was sich in den Charts jedoch bislang nicht niederschlagen konnte: "Axis", die erste Singleauskopplung erreichte in England gerade einmal Platz 196 der Charts. Vielleicht können die dieser Tage erscheinenden "Electric" und die zweite Single "Vocal" an frühere Erfolge anschließen, schließlich kehren die Pet Shop Boys auch zu Italo-Disco und (nach "Always On My Mind" und "Where The Streets Have No Name") der feindlichen Übernahme von Rock-Songs (diesmal: Bruce Springsteens "The Last To Die") zurück.   

    Ich freue mich jedoch schon, wenn das Album in seiner regulären Form, also in gekürzten und weniger Beat lastigen Versionen der dann sicherlich (noch) toll(er)en "Love Is A Bourgeois Construct" oder "Thursday" (mit seinen herrlichen "Paninero"/Chris Low-Momenten) und angereichert um zwei bis drei dramatische Balladen, erscheinen wird. Wird es doch, oder?

    Instead, the twisted disco and warped pop that underpin everything great about ‘Electric’ are a clear sign that the duo is far from done. The addition of Stuart Price on production proves a masterstroke, and ‘Love Is A Bourgeois Construct’ alone is enough to render all existing PSB Greatest Hits albums incomplete.
    Dramatic strings, dubby basslines and a quick burst of male voice choir seem a perfectly logical backdrop for one of Neil’s finest lyrics of the album: the track’s a 21st century disco break-up smash.
    By the time it shreds itself in the final minute, it’s hard to believe the duo had ever seemed a little tired. They’re reborn, revitalised, and really rather good.
    (Clashmusic)


    Überhaupt klingt Electric superlässig in seiner cocktailglashaften Klarheit, für die Stuart Price verantwortlich ist. Für die Pet Shop Boys wirken die Laser-Synths und Asthma-303s im ersten Moment wirklich ein bisschen shocky. Doch sie übertreiben es nicht mit dem Klangdesign. Tennant und Lowe kriegen wirklich wieder diese spezifische Pop-Eleganz hin, so wie sonst nur Andy Warhol, wenn er auf einem Polaroid zu sehen war. „Bolshy“ zum Beispiel, das Stückchen Body-Pop am Anfang. „The Last To Die“ macht aus ihrer bittersüßen Symphonie ein bisschen mehr Blockbuster-Action als sonst, „Thursday“ geht mit Glockenspiel-Hookline in die Rollschuh-Disko und plädiert für den Donnerstag als offiziellen Wochenendstart. „Vocal“ ist der glossy Werbeclip für das Singen: die großen Sachen des Lebens halt. Wie immer. Aber mit dem neuen, eigenen Label x2 versprühen die Pet Shop Boys diesen, ja, Esprit.
    (Groove)


    And so it comes as something of a relief to find Pet Shop Boys not merely releasing a 12th studio album, but promoting it with a photograph featuring Lowe with his head entirely encased in a disco mirrorball. As statements of intent go, it's matched only by Electric's opening track, Axis, five-and-a-half minutes of writhing Italo disco-influenced synth chatter and vocodered vocals issuing a series of dancefloor commands: "Feel the power … plug it in … turn it on."
    It's not the last time Electric sounds like Elysium's negative image. The album relocates a duo last seen sniping from the sidelines – albeit very wittily – at a world that seemed to be moving on without them to the centre of the action: usually a nightclub dancefloor, where they're variously to be found celebrating hedonism to a ferocious rhythm track (Shouting in the Evening) or gazing, simultaneously lovestruck and a little troubled, at the younger patrons (Fluorescent). If the lyrics of Vocal appear to be a reaffirmation of the pair's belief in the power of pop music – "expressing passion, explaining pain, aspirations for a better life are ordained … anything I want to say out loud will be sung" – the cover of Bruce Springsteen's The Last to Die, which replaces the hoarse vocals and raging E Street Band with a four-to-the-floor beat and Tennant's careful enunciation, sounds like an expression of pop's adaptability. Like their versions of Always on My Mind and Where the Streets Have No Name, you forget about the incongruity pretty quickly: it now sounds like the Pet Shop Boys wrote it, but the song's emotional impact isn't diminished at all.
    Thursday, meanwhile, not only features a gorgeous combination of squelching bass and drifting, misty clouds of synthesisers and the reliable source of joy that is Chris Lowe taking to the microphone in stone-faced, Lancashire-vowelled Paninaro style, but rapper Example, who you might have been forgiven for thinking was precisely the kind of pop star Ego Music took aim at. With his calculating interview talk of "formulas" and "hitting every market" and his awful, self-regarding songs about how much cocaine he takes, he does give the impression of being quite the berk, but there's something striking about how his cocksure verse contrasts with the wistful neediness of Tennant's vocal.
    Quite what provoked all this is a matter for debate. Tennant has talked about being struck by a negative iTunes review of Elysium that demanded "more banging and lasers", but it's also worth taking into account the presence of producer Stuart Price, who helmed Madonna's Confessions on a Dancefloor and is thus something of a past master at returning pop stars of a certain vintage to clubland. Whatever the reason, a band that sounded pretty weary eight months ago sound recharged and inspired. Electric's centrepiece, Love is a Bourgeois Construct, is funny and knowingly clever – it's inspired by a line in David Lodge's novel Nice Work, features references to Karl Marx and Tony Benn and uses the word "schadenfreude" and a musical lift from the 1691 opera King Arthur – as well as insanely danceable and heartbreaking. Even the cheerily belittling cab driver of Your Early Stuff might be forced to concede it's one of the greatest songs of their three-decade career.
    (Guardian)

  • Die 10 besten Alben von Stephen Duffy

    10. Stephen Duffy - The Ups And Downs (1985)
    9. The Lilac Time - lilac6 (2001)
    8. The Lilac Time - Paradise Circus (1989)
    7. Stephen Duffy and The Lilac Time - Keep Going (2003)
    6. The Lilac Time - The Lilac Time (1987)
    5. Stephen Duffy - Duffy (1995)
    4. The Lilac Time - And Love For All (1990)
    3. Stephen Duffy featuring Nigel Kennedy - Music In Colours (1993)
    2. The Lilac Time - Astronauts (1991)
    1. Stephen Duffy - I Love My Friends (1998)

    (ausgewählt von Dirk)