Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Sarah Cracknell - Red Kite

    Sarah Cracknell - Red Kite

























    10 Fakten zum neuen Album von Sarah Cracknell:

    1. Obwohl Sarah Cracknell mittlerweile 48 Jahre alt ist, hat sie mit "Red Kite" nun erst ihr zweites Soloalbum veröffentlicht. Das liegt daran, dass...

    2. ... Sarah Cracknell gemeinsam mit Bob Stanley und Pete Wiggs seit 1990 die Band Saint Etienne bildet. Gemeinsam veröffentlichten sie 8 Studioalben, 11 Compilations, 36 Singles plus zahlreiche EPs und exklusive Fan Club Releases. Nächstes jahr sollen die Aufnahmen für ein neues Album von Saint Etienne stattfinden.

    3. 1997, also vor 18 Jahren, erschien mit "Lipslide" das erste Soloalbum der Sängerin von Saint Etienne, das es in einer UK-, Japan-, Skandinavien-, US- und Deluxe-Ausgabe (für UK und Europa) mit jeweils unterschiedlicher Songauswahl gibt.

    4. Dank Cherry Red Records wurden die 12 Titel (37 Minuten) von "Red Kite" weltweit einheitlich veröffentlicht. Das Label ist einerseits für Wiederveröffentlichungen bekannt (z.B. im September "Creation Artifact: The Dawn Of Creation Records 1983-85") und bringt andererseits in Vergessenheit geratene Künstler wieder in die Erinnerung zurück (Inspiral Carpets, The House Of Love).

    5. "Red Kite" ist, wenn man die Chartpositionen berücksichtigt, erfolgreicher als zuvor "Lipslide", denn während ihrem ersten Soloalbum die Platzierung in der Hitparade verwehrt wurde, schaffte es das zweite bis auf Rang 49.

    6. Bei den Leadsingles war es genau umgekehrt: "Anymore" erreichte 1996 Platz 39, "Nothing Left To Talk About" verfehlte die Charts.




    7. Dafür kann "Nothing Left To Talk About" mit einem prominenten Gastsänger aufwarten: Nicky Wire von den Manic Street Preachers. Die Folk-Band The Rails ist auf dem Song "Take The Silver" zu hören.

    8. "Red Kite" wurde im Dezember 2014 gemeinsam mit den Produzenten Carwyn Ellis (Colorama, Edwyn Collins), Seb Lewsley und Mason Neely aufgenommen und ein halbes Jahr später veröffentlicht. Sarah Cracknell komponierte die meisten Songs gemeinsam mit Carwyn Ellis. Bei "I Close My Eyes" wird auch ein gewisser Pete Wiggs unter den Komponisten mit aufgeführt. Ansonsten wirkten ihre Saint Etienne-Kollegen nicht am Album mit, so dass sich das Album mit seiner Mixtur aus britischem Folk, Baroque-Pop und 60er Jahre Soundtrack deutlich vom Saint Etienne Sound abgrenzt.

    9. Mit "The Mutineer" hat sich auch eine Coverversion aufs Album geschlichen: Der Song wurde von Ian MaCutcheon geschrieben und 2006 auf "Puzzles Like You" von Mojave 3 veröffentlicht.

    10. "Red Kite" steht aktuell bei einem Metascore von 75/100. Dabei hat Meacritic 10 Plattenkritiken berücksichtigt:

    On occasion, it gets a little too pleasant, but, when the songs soar, it’s an infectious listen and, with the prospect of summer sunshine ahead, it will serve to soundtrack hazy days.
    (Clash Music)

    Red Kite was made with Colorama’s Carwyn Ellis, a Royal Academy-trained multi-instrumentalist, and Seb Lewsley, who both collaborate often with Edwyn Collins. Cracknell shares Ellis’s interest in unusual musical instruments and they wrote together in her house around her Wurlitzer Butterfly Grand. Their reference points included Ennio Morricone, Joe Meek and Marianne Faithfull, and the results show it : On the Swings glistens like a soundtrack to lost 60s cult cinema, while Hearts Are for Breaking is a swinging piece of melancholic pop. Folk duo the Rails and Manic Street Preachers’ Nicky Wire also pop by.
    (Guardian)

    Film is again the comparison that keeps coming to mind for Red Kite. Cracknell has warned against autobiographical readings of these songs: In the snow-globe-like "I Close My Eyes," which convincingly transforms the London Underground into a quasi-agrarian "subterranean carriage," the married mother of two murmurs about nuptials and children as if she still "never saw myself that way, but you never know." The track has a transportive quality, like when the lights dim in a hushed theater. You never know: Love might be all you need, after all, if only it didn't have such a terrible habit of flying away. "I'll never know," Cracknell sings in "Favourite Chair," tossing back her own words, right before this homey, understated picture fades to black.
    (npr)


  • Gengahr - A dream outside

    Gengahr - A dream outside






















    Schon das Album Cover und der Schriftzug des Bandnamens lassen erahnen, dass die Londoner Band Gengahr psychedelischen Einflüssen gegenüber offen ist. Darüber hinaus bietet die vier Herren zum Teil hemmungslos melodischen Indiepop mit ein paar rockigen Gitarren und freakigem Folk. Besonders eindrucksvoll gelingt dies bei den Titeln “She’s a witch”, “Where I lie” und “Embers”.

    Prägend ist Felix Bushes Falsettstimme. Sie ist sicherlich die Ursache für die bei den Durchläufen immer wieder aufkeimende Erinnerung an Vampire Weekend. Über die gesamte Spielzeit ist sie an der einen oder anderen Stelle doch zu aufdringlich. Ansonsten ist das Debüt “A dream outside” der 2013 gegründeten Band weitgehend unaufdringlich und leider etwas zu unauffällig. 

    Éclat meint:

    Ein Problem hat „A Dream Outside“ immer dann, wenn es zu plätschern beginnt. Die Melodien ziehen sich süß wie ein Blumenkranz in den Haaren der Sommerromanze durch eine gelbgoldene Honigmasse von Musik und wenn man kurz nicht aufpasst, sind Gengahr plötzlich nur noch Begleitmusik. Ob das schlimm ist, sei dahingestellt.  

    Auch The line of best fit bemüht das Bild einer "Sommerromanze" und kommt zu einem positiveren Urteil:

    As the UK embarks on another sporadically sunny season, a new indie band will inevitably creep through to soundtrack the damp festivals, long evenings and hazy days we have head. Where some fall away with autumn though, Gengahr are a summer romance set to last. [...] Floaty angst in abundance, Gengahr have produced an all encompassing soundtrack to this year’s briefest romances and most curelly broken hearts.

    Das Video zu “Powder”:


    Und mein Favorit “She’s a witch”:


    Im Herbst kommt die Band wieder nach Deutschland:
    • 27.10. Hamburg
    • 02.11. Berlin
    • 08.11. München
  • Ezra Furman - Perpetual Motion People

    Ezra Furman - Perpetual Motion People

























    Der Mann trägt gern Frauenkleidung und Lippenstift auf, hat bereits sechs Alben veröffentlicht (zunächst drei als Ezra Furman And The Harpoons und dann drei solo), stammt aus Chicago, Illinois, ist 28 Jahre alt und mir erst zu einem Begriff geworden, als „Perpetual Motion People“ im Juni zur Platte des Monats im Musikexpress gekürt wurde. 

    Ezra Furman wirft auf dem Album, das ihm den Durchbruch bescheren wird, wenn viele guten Kritiken gleich bedeutend mit vielen Plattenverkäufen sind, einiges in den Topf: schrägen Folk-Punk im Stile der Violent Femmes („Restless Year“), Saxophon-Attacken („Wobbly“), Doo-Wop der 50er Jahre („Lousy Connection“, „Pot Holes"), schräge Geschichten und Balladen mit Country-Flair („Hour Of Deepest Need“), rumpelnden Garagen-Rock („Tip Of The Match“) oder Pop-Albernheiten, wie sie auch Ween präsentieren könnten oder die gut in die Augsburger Puppenkiste passen würden („Haunted Head“).

    Metacritic errechnet einen Metascore von 81/100 möglichen Punkten für „Perpetual Motion People“:

    Furman's third attempt has accomplished something many fail to do – he is self-deprecating, but his witty humour allows a glimmer of optimism. An enlightening journey through the mind of an outsider, but an entirely relatable one.
    (Clash Music)

    Doused in saucy saxophones that make it sound like the sort of ramshackle ‘50s retro revue that Mac DeMarco might make if he fronted Dexys Midnight Runners, it hops, skips and jumps between genres with abandon. One minute he’s lovelorn Neil Young (‘Hour Of Deepest Need’) or roots rock Neutral Milk Hotel (‘Tip Of A Match’), the next he’s skiffle Showaddywaddy (‘Pot Holes’) or drunk Benny Hill (‘Wobbly’). “I was sick of this ordinary life… you’ve gotta keep it new to keep it true”, he explains on acoustic glam anthem ‘Ordinary Life’. It’s a philosophy that makes ‘Perpetual Motion People’, from beat pop opener to gospel closer, a constantly surprising and relentlessly melodic pleasure.
    (NME)

    "I'm sick of this record already," Ezra Furman sings midway through his third solo LP. Brutal honesty is a constant in the San Francisco-based singer-songwriter's lyrics: He’s vulnerable, bitter and flawed, with gritty vocals to match. On this album, though, he's closer to self-acceptance, as signaled by the dresses he has worn onstage and on this album's cover. At the same time, the music has gotten more ambitious, with crisp saxophone and percussion framing deep, slurred doo-wop backing vocals. "One September in Boston, I lost the will to live," he sings. Perpetual Motion People is an album that makes you root for him to pull through.
    (Rolling Stone)




    Im Oktober steht Ezra Furman wieder auf deutschen Bühnen:
    27.10.15 Berlin, Lido
    28.10.15 Hamburg, Molotow
    29.10.15 Köln, Blue Shell


  • Friska Viljor - My Name Is Friska Viljor

    Friska Viljor - My Name Is Friska Viljor
























    Keine Angst, der will nur spielen! Wirklich niedlich, wie der kleine Friska Viljor begeistert dem Stöckchen hinterher läuft, lebhaft mit dem Schwanz wedelt, sich fröhlich am Bauch kraulen lässt und unbeschwert über den Rasen tollt.

    Daniel Johansson und Joakim Sveningsson, die beiden Besitzer des süßen Friska Viljor, haben ihrem vierbeinigen Freund einen passenden Soundtrack für den sommerlichen Spaziergang im Park komponiert. So eingängig klangen sie auf ihren bisherigen fünf Alben noch nicht, und wenn früher The Cure auf ihren Platten den ein oder anderen kunterbunten und quietschfidelen Popsong versteckten, so finden wir den hier im halben Dutzend: Zu "Sitting On My Dream", "Painted Myself In Gold", "Dreams", "My Boys", "In My Sofa I'm Safe" und "Danger In Front" lässt sich prima mitsingen / -klatschen / -schunkeln.

    Und der kleine Friska Viljor wird auch nicht müde und will nach einer kurzen Verschnaufpause ("Until The Rain") gleich die nächste Runde drehen.


    Es sind aber nicht nur die beiden Hauptköpfe der Band, die mit facettenreichen Gesangsdarbietungen große Spuren hinterlassen, sondern auch der sich immer wieder in den Vordergrund schiebende Background. So faszinieren beispielsweise das eröffnende "Sitting On My Dream" und das vier Minuten später folgende "Mind The Gap" mit luftig lockeren ABBA-meets-Arcade-Fire-Vibes, während ein Song wie "Dreams" den Trippel-Groove mit eingestreuten Cowbells und frickeligen Bassläufen bei den Lenden packt.
    Retro-Pop-Granaten wie "My Boys" oder "In My Sofa" setzen dem beschwingten Treiben schließlich die Krone auf. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass die beiden Skandinavier diese Band einst in einem Meer aus Tränen tauften. Selbst eine mit feudalen Bläsern untersetzte Epik-Ballade wie "Until The Rain" zaubert dem Hörer ein Lächeln ins Gesicht.
    Egal ob Regen oder Sonne: Man schunkelt einfach weiter. Und das eine knappe Dreiviertelstunde lang, dann ist das Euphorie-Fass voll. Aber irgendwie kriegt man nicht genug. Also drückt man auf Repeat und lehnt sich erneut zurück. Who cares about tomorrow? Daniel Johansson und Joakim Sveningsson bestimmt nicht. Und ich auch nicht.
    (laut)





    Da können Daniel Johansson und Joakim Sveningsson noch so sehr beteuern, dass sie in MY NAME IS FRISKA VILJOR „so viel Kraft und Energie, wie in alle fünf vorherigen Alben gesteckt haben“, können die Texturen noch satter, die Bläser-Arrangements noch üppiger, das Klangbild noch poppiger, unbeschwerter, sonniger gestalten, können auf überdrehten Süßkram à la The Cure („Danger In Front“) oder Balladen im Stile der Rolling Stones („Until The Rain“) verweisen: Ihre Soundidee, sie ist längst eine austauschbare, knietief im Mainstream verhaftete geworden. Glauben Sie nicht? Dann hören Sie am besten mal das schaurige „Painted Myself In Gold“, mit dem Friska Viljor sicher auch im „ZDF-Fernsehgarten“ oder bei Carmen Nebel willkommen wären. Ließe sich bestimmt dufte klatschen dazu.
    (Musikexpress)





    Schade, dass Sommerhits meist eine gewisse Geschmacklosigkeit mitbringen müssen. Die fehlt auf dem sechsten Album der Indie-Popper Friska Viljor nämlich. Dabei würden sich euphorische Hymnen wie „Painted Myself In Gold“ hervorragend bei der nächsten Strandparty machen. Für „My Name Is Friska Viljor“ haben die sechs (!) Schweden das perfekte Gleichgewicht zwischen fast kindlichem Vergnügen an unerwarteten Klängen und eingängigen Ohrwurm-Melodien gefunden.
    Alles klingt heiter, manches gar überbordend fröhlich. Kommerz? Mitnichten. Dagegen stehen fröhlich-verquere Songs wie „Laundry“ (mit Tuba) und das groovende „My Boys“. Besonders gefallen die Passagen, in denen die sechs Musiker im Chor singen. Das hat man so bei kaum einer anderen Band.
    (Rolling Stone)



  • Wilco - Star Wars

    Wilco - Star Wars
























    Genug gefeiert. Nachdem Wilcos 20. Jubiläum im letzten Jahr mit gleich zwei Boxen („Alpha Mike Foxtrott“ und „What’s Your 20?“) gewürdigt wurde, haben sich Jeff Tweedy und Kumpanen wohl überlegt, nun ihre Fans zu beschenken: Über Nacht und ohne Vorankündigungen veröffentlichten sie ihr neuntes Album „Star Wars“ digital und stellten es als kostenlosen Download zur Verfügung. Nur wenige legale Klicks entfernt und im Tausch gegen die eigene E-Mail-Adresse stehen somit 11 neue Lieder der amerikanischen Alternative Rocker für jeden Interessierten bereit. 

    Wilco ahmen damit die gelungene Aktion von Radiohead nach und haben offensichtlich aus den Fehlern von U2 gelernt. Inwiefern sich diese Aktion auf die Plattenkäufe auswirken wird, werden wir erst im Verlauf des Jahres erfahren: Wilco, die in der Regel mehr als 200.000 Exemplare ihrer Alben in den USA verkaufen, lassen die Downloadmöglichkeit bis zum 13. August bestehen, eine Woche später folgt die CD-Version und am 27. November wird sich die LP-Auflage anschließen. 

    „Star Wars“ als Titel, eine Katze auf dem Plattencover - da kann im Internet eigentlich nicht viel schiefgehen. Und auf dem, äh, Plattenteller? Spiegel und Musikexpress, bitte übernehmen:

    Tweedy zeigt sich auf "Star Wars" jetzt in jedem Fall in Bestform und textlich in Aufbruchstimmung: "EKG" eröffnet die Platte mit schräger, chaotischer Gitarren-Dissonanz und setzt den unruhigen Ton des gesamten Albums, der in ein lautes Uptempo-Triple aus "More…", "Random Name Generator" und "The Joke Explained" übergeht. "You Satellite" erinnert an späte Velvet Underground, "Pickled Ginger" wird kurz in Glamrock gedippt, "Cold Slope" und "King of You" liebäugeln mit den Kinks - die gleichen Zutaten wie immer, sorgsam von Fett und Kraut befreit.
    Ein paar wohltemperierte Balladen und Schunkler ("Taste the Ceiling", "Magnetized", "Where Do I Begin"), gibt es auch, sie treten aber zugunsten einer hemdsärmeligen Schroffheit in den Hintergrund, die Wilco sehr gut steht. Der bisher etwas maue Pop-Sommer zeigt doch noch Zähne.


    STAR WARS ist das erste Wilco-Album nach vier Jahren, dazwischen hat Jeff Tweedy zusammen mit seinem Sohn eine sehr persönliche, beinahe tagebuchartige Platte aufgenommen. Schon hier zeigte sich, dass der Perfektionist aus Chicago das Loslassen gelernt hat. Diese elf neuen Songs nehmen diese Haltung auf. Mit gut einer halben Stunde ist das Album kurz, es beginnt mit der schrulligen No-Wave-Miniatur „EKG“, bevor die Band mit „More...“ direkt klarmacht, dass es sich bei dieser Aktion nicht um einen Scherz handelt: Nach nervöser Strophe mündet der Song in einen sehr eingängigen Folk-Refrain. Super ist, wie sich in letzten Sekunden der weiße Krach einer Gitarre in das Stück fräst, als würde Kevin Shields eine Session mit The Band abhalten. Und die Gitarren bleiben präsent, sind immer laut, klingen mal nach Glam, mal krautrockig, vor allem bei „You Satellite“, bei dem Tweedy obendrauf wie Lou Reed singt und die Band schließlich im Lärm versinkt.
    YANKEE HOTEL FOXTROT war 2002 das Album zur CD-Epoche: lang, durchdacht, ausufernd. Eine abendfüllende Erzählung. STAR WARS ist das Wilco-Werk zur Zeit: kurz, mit vielen Höhepunkten, hier und da albern, Stück für Stück erschließbar. Und: fürs erste umsonst.

  • Team William - Drama

    Team William - Drama

























    Heute geht es für ein paar Tage zu Pommes, Pralinen und Waffeln ans Meer, nach Antwerpen und Brügge. Die passende Playlist für die Fahrt setzt sich dem entsprechend aus belgischen Künstlern zusammen: BRNS, Balthazar, Girls In Hawaii, Amatorski, The Go Find und Styrofoam sind gesetzt, sicherlich kommt noch der ein oder andere Titel von Isbells, The Bony King Of Nowhere und Intergalactic Lovers hinzu. Auch Team William versuchen sich noch einen Platz in dieser Liste zu sichern. 

    Beste Chancen hat vermutlich noch die Single „1995“, auch wenn diese den großen Singles aus eben jenem Jahr („Some Might Say“, „History“, „Disco 2000“, „Fake Plastic Tree“, „Wonderwall“ oder „Common People“) natürlich nicht das Wasser reichen kann. Team William orientieren sich auch weniger am Britpop, sondern versuchen Indienrock und 80er Synth-Pop in Gleichklang zu bringen. Das funktioniert punktuell („Faster Than Light“), aber leider nicht auf Albumfänge mit 13 Titeln. Als Verweise dürfen wohl The Wombats, The Teenagers, Bastille, Passion Pit oder auch MGMT herhalten. 

    2009 veröffentlichte die belgische Band bereits ihr erstes, sehr wohlwollend aufgenommenes Album. Der hohe Erwartungsdruck, Panikattacken und Depressionen ihres Songwriters und zahlreiche Umbesetzungen führten mit dazu, dass Team William, die aktuell aus Floris De Decker (Gesang, Gitarre), Arne Sunaert (Keyboards), Matthias Dillen (Schlagzeug) und Nils Tijtgat (Bass) bestehen, erst dieses Jahr den Nachfolger „Drama“ präsentieren konnten.  




    Team William probeert op 'Drama' het jeugdige enthousiasme te behouden, maar tegelijkertijd moet de luisteraar meekrijgen dat het niet allemaal rozengeur en maneschijn (geweest) is. De langzaam opbouwende opener Ocean Fire is een sober juweeltje dat baadt in de melancholie en in het bijna fluisterende Feel U toont De Decker pas echt zijn donkere kant. "I sleep with everybody to feel you again", aldus De Decker in deze hartenbreker over verloren gegane liefdes. Gebroken relaties krijgen ook een plaats in het modern aanvoelende Away With The Fairies, waarbij The xx om de hoek komt piepen.
    Een volwassen Team William is een band van contrasten. Het feest mag losbarsten in Poets, maar in het ijzigeNothing Ever Seems To Last beelden wij ons dan weer nachtelijke wandelingen langs verlaten landweggetjes in de vrieskou in. Back 2 Sleep klinkt als een zomeranthem waarbij we ons een videoclip vol zonnestralen en lachende tieners indenken, maar dan blijkt het lied toch vooral over eenzaamheid en gebroken harten te gaan.
    Dat schizofrene kantje ligt Team William wel. De plaat staat bol van de onvoorspelbaarheid en het is die verrassing die van 'Drama' een aangename luisterbeurt van drie kwartier maakt. Faster Than Light, hoogtepunt van de plaat, is de vier minuten durende incorporatie van die tweedeling. Het begint met een vlotte "oeh aah"-melodie waarbij je meteen de polonaise inzet (het lied gaat trouwens over zwaar uitgaan). Maar dan komt de break, de ontnuchtering: "Feed me to the werewolves / whatever gets you off / but I don't have it in me / I just can't get off", zingt De Decker vol emotie, terwijl de Air Traffic-achtige bombast de song richting een schitterende outro begeleidt.
    'Drama' toont ook aan dat Team William een band van zijn tijd is. De invloed van nogal wat generatiegenoten is duidelijk te horen. Er passeert nauwelijks een song waarbij de echo van Passion Pit of MGMT niet voelbaar is. A New Country wordt vooruitgestuwd door een percussiesalvo à la Arcade Fire, de intro van Stormy Wheather zou dan weer zo van The Wombats kunnen zijn (luister maar eens naar de keyboardriedel die hun Tokyo (Vampires & Wolves) inleidt).
    Alle diepgang en tristesse ten spijt, Team William bewijst op 'Drama' ook en vooral dat ze een steengoede indiepopband zijn. We leerden hen kennen als een prettig gestoorde groep. Plezante popmuziek met een serieuze hoek eraf. Het doet deugd om te merken dat de jongens dat hyperkinetische kantje anno 2015 nog niet vergeten zijn. Ze zijn een jaartje ouder, maar diep van binnen blijven het jonge, speelse wolven, ook al proberen ze de complexiteit van het volwassen leven meer dan ooit een plaats te geven.
    (Da Music)





  • Gwenno - Y Dydd Olaf

    Gwenno - Y Dydd Olaf






















    Auf Basis dieser Fakten
    1. Ein politisch-feministisch motiviertes Konzeptalbum in walisischer (9 Songs) und kornischer (1) Sprache
    2.  
    3. Der Albumtitel ist die Übersetzung von “The last day”. Damit wird auf die gleichnamige Science Fiction Novelle aus dem Jahr 1976 verwiesen. In dieser düsteren Zukunftsvision haben Roboter die Macht übernommen und sie nutzen diese, um Menschen in Klone zu verwandeln
    4.  
    5. Inspiriert vom Krautrock der 70er Jahre, walisischen Musikern der 80er Jahre wie Malcolm Neon, Llwybr Llaethog, Datblygu and Ectogram sowie von den Elektro-Pionieren Daphne Oram und Delia Derbyshire

      könnte man ein sperriges Album erwarten. Doch die ehemalige Pipettes-Frontfrau Gwenno Saunders hat mit Rhys Edwards als Produzenten ein recht gefälliges, ja fast poppiges Album geschaffen.  Die Pressemitteilung beschreibt es treffend: “Y Dydd Olaf” klingt retro, zeitgemäß und futuristisch zugleich. Ursprünglich wurde es 2014 veröffentlicht. Im Rahmen des Re-Releases gelangt es nun nach Deutschland. Experimentierfreudige Electropop-Fans dürften an diesem Werk ihre Freude haben. 

      “Chwyldro” wurde als Single und Opener in den Vordergrund gerückt. Noch besser gefallen mir “Calon Peiriant”, “Sisial Y Môr” und vor allem “Fratolish Hiang Perpeshki”.

      Y Dydd Olaf is a crucial minority language record, but Saunders' beguiling melodies and execution also make it one of the best British debuts of 2015.
      Y Dydd Olaf is a marvellously magical mixture of elation, anger and sorrow and is very lovely indeed. With the opening salvo of her solo career Gwenno has added another album to the growing list of this year’s highlights. 
       
      Das Video zur Single “Chwyldro”:
    • Patrick Watson - Love songs for robots

      Patrick Watson - Love songs for robots






















      Welche Musik Roboter wohl mögen? Patrick Watson traut sich zu, Liebeslieder für diese Zielgruppe zu schreiben. 

      Man würde es sich zu einfach machen, ihn bloß als Singer/Songwriter zu beschreiben. Dafür klingt seine Musik zu vielseitig. Die Songs zeigen psychedelische Seiten, Kammerpop-Feinsinn, ab und zu Indierock-Power und Folk-Elemente tauchen ebenfalls auf. Zusätzlich blitzen Kabarett Momente auf.
      Patrick Watson wurde in Kalifornien geboren, wuchs in Kanada auf und lebt dort heute in Montreal. Nach ersten musikalischen Schritten schuf er sich mit seiner gleichnamigen Band ein fruchtbares Umfeld, welches seit 2003 im Rhythmus von jeweils drei Jahren Alben veröffentlichte ("Close to paradise" und "Wooden arms" wurden bei PvG bedacht). Mit “Love songs for robots” erschien somit dieses Jahr der fünfte Longplayer. 

      Trotz der oben erwähnten Vielseitigkeit können mich nur “Bollywood” und “In circles” nachhaltig beeindrucken. Die restlichen Titel plätschern weitgehend belanglos vor sich hin. Vielleicht ist Watson daher nicht selten mit seinen Songs auf Soundtracks bzw. in TV Serien vertreten. In der richtigen Stimmung könnte das Album vielleicht zünden, bei mir klappte es trotz vieler Durchläufe bislang nicht. Aber ich bin ja auch kein Roboter. Und die Frage ob Roboter Liebeslieder benötigen, soll jeder für sich selbst beantworten. 

      Das DIY Magazine sieht es so:
      ‘Love Songs for Robots’ is a thoroughly accomplished album that oozes musicality from every reverb-soaked pore. Whether the experimental takes on ‘retro’ techniques, such as ‘Grace’, take your fancy; or the wonderfully tangential ‘Bollywood’ is more your bag – there is pretty much something for everyone here.

      Der Titelsong:

      “Places you will go”:

      Patrick Watson live in Deutschland:
      • 14.11. Köln
      • 15.11. Hamburg
      • 16.11. Berlin
    • Tame Impala - Currents

      Tame Impala - Currents
























      Ganz ehrlich: Hätte mein erstes Treffen mit "Currents" als Blind Date stattgefunden, wäre ich niemals darauf gekommen, dass es sich um das dritte Album von Tame Impala handeln könnte. 

      Wenn man, wie Kevin Parker, allein im Studio werkelt, und die Songs ohne Unterstützung und Feedback schreibt, aufnimmt, produziert und abmischt, dann kommt man offensichtlich auf seltsame Ideen. In diesem Fall: Goodbye Psychedelic Rock, Hello Synth-Pop!
      13 Songs, auch wenn einige davon äußerst fragmentarisch und nur skizziert wirken, 51 Minuten, viel Falsettgesang und Vocoder-Einsatz, jede Menge Keyboards und synthetische Beats, kaum zu identifizierende Gitarren und Klänge, die Science Fiction-Filme untermalen könnten und tiefe Züge Disco, Funk, R'n'B und Pathos-Pop inhaliert haben. Würden Daft Punk, Pink Floyd, MGMT, Vangelis, Foster The People und Air gemeinsam den Soundtrack für einen futuristischen Film in klinischem, stromlinienförmigem Design erstellen - er würde klingen wie "Currents". 

      Die Kritiker sind begeistert: Bei Metacritic steht das Album derzeit bei 83/100 Punkten und im deutschsprachigen Raum sieht das nicht viel anders aus:   

      13 Stücke, hineingehängt in einen majestätisch hallenden Klangraum, den Kevin Parker, Sänger und Produzent der Band aus Perth, so großzügig angelegt hat, dass in ihm Gitarren- und Keyboardriffs nur so flirren und das Schlagzeug von schräg hinten nach vorne federt, und wieder zurück.
      Vom ersten Hören an ist man gepackt. Erst recht, wenn Parker dann in sanften Falsettmelodien anfängt zu singen - von "change", "moving on" und "letting go", also der Sehnsucht nach allem Neuen.
      "Currents" ist ein Meisterwerk.
      (Süddeutsche)




      Parker spielt alle Instrumente von Schlagzeug bis Gitarre selbst ein und schraubt dann aus diesen Aufnahmen im Computer die endgültigen Tracks zusammen. Das Ergebnis ist – zumindest auf seinem dritten Album Currents – erstaunlich, nicht nur weil es wie Psychedelic Rock klingt, aber die Strukturen elektronischer Musik besitzt. Was auf seinen ersten beiden Platten noch bisweilen unfertig und unausgewogen wirkte, gelangt nun zur Reife, auch weil Parker es erstmals wagt, seine eigene Stimme weiter nach vorn zu mischen und die üppigen Klanglandschaften mit infektiösen Melodien zu verzieren. 
      Deshalb ist Currents erst einmal zugänglicher in einem Pop-Sinne, verzichtet aber nicht auf den Detailreichtum und die Experimentierlust älterer Aufnahmen. Exemplarisch dafür ist bereits der Eröffnungssong Let It Happen: eine spröde Funk-Gitarre, an die sich eine komplexe Basslinie schmiegt, ein hitziges Schlagzeug und Parkers sanfte Stimme, die vom Loslassen singt. Plötzlich aber verschwindet der üppige Sound wie in einem schwarzen Loch, der DJ hat die Regler nach unten gefahren, damit die Tänzer kurz Atem holen können und umso mehr dem nächsten Höhepunkt entgegenfiebern, und dann setzen alle Spuren wieder ein, die Tänzer können die Arme nach oben reißen, die Nacht ist noch jung. Solche Disco-Tricks wendet Parker immer wieder an, lässt einen besonders flotten Beat bis zur monotonen Erschöpfung laufen und verfremdet seine Stimme mit dem Vocoder, vergisst traditionelle Songstrukturen und spielt lieber mit Lautstärken und Dynamiken. Er hat den Konsens zwischen Jimi Hendrix, den Beach Boys und Daft Punk gefunden, aber es ist viel mehr geworden als ein kleinster gemeinsamer Nenner.
      (Zeit)




    • Ola Salo - Wilderness

      Ola Salo - Wilderness
























      "Be The First To Like Me" - dieser Aufforderung Ola Salos kann man in Deutschland offensichtlich noch nachkommen, denn vom Solodebüt des Ex-Sängers von The Ark scheint bei uns bisher niemand so recht Kenntnis genommen zu haben. In seiner schwedischen Heimat stellt sich dieser Sachverhalt natürlich anders da, denn dort wurde "Wilderness" annähernd so oft gekauft, wie die früheren Alben seiner ehemaligen Band, so dass die Platte bis auf Platz 2 der Charts kam. Ola Salo blieb also Dank seiner Auftritte im Musical (Jesus Christ Superstar) oder TV (The Voice Sverige) auch über das Ende von The Ark (2011) hinaus im Gedächtnis der Schweden.

      Die 12 Titel von "Wilderness" haben, bis auf die erste Solosingle "I Got You" aus dem letzten Jahr, alles, was sich The Ark-Fans erhoffen durften: pompöser Glam Rock, der so bombastisch und übertrieben daher kommt, dass man glauben könnte Meat Loaf und sein Produzent Jim Steinman hätten ihre Finger im Spiel ("How I Kill"), Musical-Theatralik mit Gospel-Chören ("Come Holy Spirit"), tanzbarer, glitzernder Disco-Pop, für alle die, die in Ola Salo den schwedischen Robbie Williams (oder doch Marc Almond?) sehen ("Be The First To Like Me"), eine kitschige 80er Jahre-Ballade, die im Duett mit Natali Felicia vorgetragen wird und vor meinem inneren Auge immer Fuchur und Atréju über die Landschaften der "Unendlichen Geschichte" fliegen lässt, und mit "Go On Go On" und "Hamartia" zwei Hits, wie sie The Killers nach ihren ersten beiden Alben nicht mehr hinbekommen haben. 

      Leider lässt "Wilderness" in seiner zweiten Hälfte, beginnend mit dem Titelsong, der vergeblich nach den Chemical Brothers klingen soll, deutlich nach, so dass man Salos Aussage...

      Jag har skrivit väldigt många låtar och har haft en stor mängd material att välja mellan vilket gör att jag upplever alla låtar som väldigt bra. Det är varierad musik som kommer att finnas på mitt nya album, lite som en greatest hits-skiva.

      ... nicht ganz ernst nehmen darf. Dennoch ist das Album besser als die letzten Veröffentlichungen von The Ark, Robbie Williams oder The Killers und daher all deren Fans empfohlen. 




      Singelspåret "Be the first to like me" hamnar inte allt för långt från The Ark-land med sina uppenbara referenser till Boney M, Sweet och Scissor Sisters. Men albumet har större bredd än så. Öppningsspåret "Come holy spirit" skulle kunna vara hämtat från U2:s 90-tal, fast med en typisk Salo-refräng.
      Den röda tråden, rent musikaliskt, är föga förvånande – svulstigheten och de stora gesterna. Man ser framför sig hur Salo till och med i studion kör sina klassiska rockposer medan han spelar in. Det är förvisso underhållande och skivan har onekligen ett varierat sound. Men jag kan också tycka att det inträder en viss mättnad efter ett tag. Det skulle vara kul att höra honom plocka ned det lite för att sedan kunna explodera ut i ett sådant där crescendo som han verkligen excellerar i. Visst gör han det emellanåt, som i verserna på "Rip your heart out", men inte tillräckligt mycket. Det är som att han måste slita hjärtat ur kroppen hela tiden och det blir inte så dynamiskt.
      (Arbetarbladet)


    • Valet - Nature

      Valet - Nature

























      Eine Band, die der Musikexpress kürzlich mit Galaxie 500, My Bloody Valentine und Slowdive verglichen hat, wurde hier noch nicht vorgestellt? Das darf doch nicht wahr sein!

      Die in Portland ansässige Honey Owens veröffentlichte 2007 und 2008 erstmals Platten unter dem Pseudonym Valet ("Blood Is Clean" und "Naked Acid"), die in Richtung Psychedelic-Folk-Blues tendierten, und stürzte sich seit 2010 gemeinsam mit ihrem Partner Rafael Fauria (als Miracles Club) in Richtung House und Dance Music. Nach der Geburt ihres ersten gemeinsamen Kindes (2013) richtete sich Owens musikalisch wiederum neu aus und holte das Projekt Valet aus der Mottenkiste - und zwar in Form einer Band, zu der neben Fauria auch der Schlagzeuger / Bassist / Keyboarder Mark Burden gehört. Zufall, dass nun zwei der acht Songs auf "Nature" die Titel "Transformation" und "Child" tragen?

      "Nature" wird von verträumten Melodien, viel Nachhall, Honey Owens ätherisch-flüchtigem Gesang, der sich häufig auf entrückte Oooohs und Aaaahs beschränkt, und Schichten auf Schichten auf Schichten von Gitarren- und Keyboardklängen geprägt. Vergleiche zu Slowdive, etwa bei "Sunday" oder "Nature", sind somit offensichtlich, "Clouds" könnte auch aus deren chilligen Spätwerk stammen. "Signs" hat den Autor des Musikexpress offensichtlich zum Galaxie 500-Vergleich verführt (wenn auch mit einer Priese The Velvet Underground) und bei "Nowhere" wären Spiritualized eine Nennung wert gewesen. Für My Bloody Valentine-Verhältnisse ist "Nature" jedoch zu sanft und einlullend geraten.   


      Nature is more focused and more serene. Both the melodic content and production style suggest that Owens and Fauria have been revisiting '90s psych and space-rock staples like Slowdive, Spiritualized, and the Verve (A Storm in Heaven-era Verve, at least). Those bands relied heavily on studio time and technology to generate a distinctively gauzy vibe—leaning heavily on reverb, delay, and lots of guitar overdubs. On Nature, Valet turns to similar sounds, but on a stricter budget. (...)
      The trio’s songs impart a feeling of ascension—with murky atmosphere giving way to nodding repetition and guitar-driven uplift. Like their peers and forebears, Valet create simple music that feels expansive. Only here, the swirl of fuzz and echo isn't an exit from terrestrial woes, just a comfortable place to take stock for a moment.
      (Pitchfork)


      The album opener, 'Sunday' sets the tone. The track starts with long single strums on a reverb driven guitar and floating vocals. It then drops into steady rock-drums. This play between solid beats and hazy layered guitars and synths is the kind of push and pull that allows the album as a whole to not lose momentum. 'Sunday' does not use layers strictly for atmospherics, there are specific riffs and melody/harmony lines that make the composition interesting.
      The same can be said for the title track. 'Nature' is more pop in its sound, but still is able to bridge that gap of dreamy haze and solid foundation so you don't float through the void for eternity. A pleasant 6/8 waltz feel and an alive bass line direct the song. 'Nature' is interesting in that while the music has an organic quality, the lyrics go in a different direction. While clouds are mentioned, there are police cars, flashing lights, raised arms and talk of going out Saturday night "with 40s in tow." The play between the natural world and increasing complexity of modern human nature is something I am gaining more appreciation for in each listen of this song.
      While this album is full of songs with layers upon layers, there is a mature restraint. It would be easy to add instruments for the sake of it. This is where experience comes into play. Valet have been in the game long enough to know everything must serve a purpose. This is best represented on the song 'Clouds'. In my opinion it's the best ong on the LP. 'Clouds' has back and forths on multiple levels: between a dreamy guitar riff and accented drum beat, and then a slightly hip-hop inspired beat and atmospherics that seep through every crevice. There are moments when the song pushes to a point where it can almost fill an arena but decides to back off. It instead goes for a more rain-morning-mass vibe, echoing in an old stone church. The choice to restrain and not allow the song to burst is what keeps it alive.
      (The 405)




    • Summer Fiction - Himalaya

      Summer Fiction - Himalaya
























      Wäre er nicht schon da gewesen, so könnte man beim Hören von "Himalaya", dem zweiten Album von Summer Fiction, ausrufen: Der Sommer kann kommen!

      Beach Boys-Klänge und -Harmoeniegesänge ("Dirty Blonde", "Lauren Lorraine"), Jangle-Pop zwischen Big Star und Byrds ("Perfume Paper"), ein wenig Beatles hier ("Genevieve") und Bacharach & David da ("Religion Of Mine") - so schön können 10 Lieder, 30 Minuten und ein Sommer sein! 

      Einzige Nachteile: "Himalaya" kann über die Bandcamp-Seite als digitales Album (für 8,- €) oder auch mit der CD (20,- € inkl. Versand) bestellt werden, nicht aber als LP. Die letzte Veröffentlichung von Summer Fiction liegt bereits 4 Jahre zurück, also dürfte nicht so schnell mit einem weiteren Album zu rechnen sein.

      Hinter Summer Fiction steckt der in New York lebende Bill Ricchini, der sein zweites Album gemeinsam mit Brian Christinzo, der als BC Camplight dieses Jahr bereits vor Gericht stand, aufnahm. Wetten, dass "Himalaya" besser abschneidet als dessen ähnlich gelagertes "How To Die In The North"?


      Himalaya is everything you ever wanted in a pop album. It glistens, it glows. It is imaginary, surrealist and mysterious. Fueled by love and loss as an entity and not a conceptual identifier as an indicator, Ricchini is battling the gods and goddesses to make sense of some real life situations like the divorce of his parents, married for 40 years.
      (Selective Memory)


      There’s no harm in emulating your idols as long as you bring something new to the conversation. Bill Ricchini — a.k.a. Summer Fiction — is clearly crazy for the Beach Boys in his lovely sophomore record, Himalaya, but there are myriad instances where he’s comfortable with stepping beyond the boardwalk. Yes, “Lauren Lorraine” has the same mid-tempo jaunt and sporadic tambourine jingles as Pet Sounds offering “Here Today,” but the Philadelphia native imbues a sense of genre unpredictability on shy, acoustic-folk ballads like “By My Side,” a wordless piano-and-flute interlude called “Manchester,” and the church-ready organ-trilling closer, “Cathedral.”
      (Spin)




      Himalaya does not deliver anything surprising. It’s breezy, whimsical pop music just in time for summer. With that said, it wastes little time attempting to overstep its bounds. ‘Dirty Blonde’ and ‘Perfume Paper’ afford Himalaya a rather grand entrance, with the former bouncing atop upbeat piano notes akin to Jack’s Mannequin’s Everything In Transit while the latter flows effortlessly between crystalline guitar chords that echo with the free air of a summer drive spent with the car roof down. ‘Lauren Lorraine’ is a quaint little cut, featuring the album’s most memorable chorus – even if it becomes a tad repetitive after the first few renditions. As the album commences without a hitch, it’s pleasantly surprising how it continues to roll along smoothly even after the best tracks are out of the way. ‘Genevieve’ thrives on its lax, inner peace-inducing verses, harkening back to Frankie Valli’s 1967 staple ‘Can’t Take My Eyes Off You’, and the piano instrumental ‘Manchester’ serves as a shady reprieve from the midday heat. Himalaya may indeed be a simple album, but it’s devoid of filler.
      Summer Fiction’s second release is one of those albums that marks a pleasant, if unchallenging, listen. However, that’s the point – no one is going to fault Ricchini for delivering exactly what he intends to. It’s lazy, pretty pop that sounds best with a margarita in your cup holder in front of a sky blue ocean. With predictably romantic lyrics and the wrenching sting of unrequited love, this is an album that would make any fan of ‘60s surf pop proud. So grab a beach towel and head for salty air. With a copy of Himalaya in your hand, the experience couldn’t feel any more authentic.
      (sputnik music)


      In Ermangelung eines aktuellen Videos sind hier die etwas älteren "Chandeliers" und "Throw Your Arms Around Me":





    • Mammút - River's end

      Mammút - River's end






















      EP? Album? Egal! (II)

      Vor Mammút war ROK. Diese Band wurde 2003 als reine Frauenband gegründet. Ein Jahr später kamen zwei Männer hinzu und Mammút war geboren. Über drei Alben fuhr die Band in ihrer Heimat Island Erfolge ein, welche sie schließlich für eine internationale Veröffentlichung empfahlen. Diese gibt es nun in Form der EP “River’s end”. Erstmals in englischer Sprache möchten Alexandra Baldursdóttir, Andri Bjartur Jakobsson, Arnar Pétursson, Katrína Kata Mogensen und Vilborg Ása Dýradóttir nun auch den Rest der Welt betören. 

      Das gelingt den Isländern mit fünf Songs, die keine Schwäche offenbaren. Die EP beginnt sphärisch-elektronisch mit “Shore” um spätestens mit dem zweiten Titel “Blood burst” klar in Richtung Indierock einzuschwenken. Mit “Bakkus” und “Salt” bilden die stärksten Songs den Abschluss der knapp 25 Minuten. Solche Werke sind dafür verantwortlich, dass ich mich langsam mit dem Format “EP” anfreunde. 

      "Einen hab ich noch" meint:
      Auch Mammút halten dabei, was ihr archaischer Bandname verspricht. Mal lauten Schrittes, wie der Marsch der gleichnamigen Rüsseltiere während der Eiszeit, und dann wieder sanft und weich, wie deren wolliges Fell, entspinnt die Truppe innerhalb der fünf Tracks ihrer „River’s End“-EP einen fesselnden Spannungsbogen.

      Das Video zu “Blood burst”:


      “Bakkus”:


      Mammút auf deutschen Bühnen (z. T. im Rahmen von Festivals):
      • 14.08. Haldern Pop Festival
      • 15.08. Manifest, Hamburg
      • 24.09. Reeperbahn Festival, Hamburg
      • 02.11. Berlin
      • 12.11. München
      • 16.11. Köln
    • The Chemical Brothers - Born In Echoes

      The Chemical Brothers - Born In Echoes
























      10 Fakten zum neuen Album von The Chemical Brothers:

      1. Fünf Jahre nach ihrem letzten Studioalbum "Further" veröffentlichen Tom Rowlands und Ed Simons am 17. Juli endlich ein neues Album. 

      2. Die letzte Veröffentlichung war "Further" jedoch nicht, denn 2011 erschien (zunächst nur digital, später dann auch auf CD) der erste Soundtrack von Rowlands und Simons ("Hanna") und ein Jahr später folgte der Konzertfilm / das Live Album "Don't Think", das ihren Auftritt beim Fuji Rock Festival dokumentiert.  

      3. Apropos "Don't Think": Der Bonustrack von "Further" sollte in einer anderen Version und gemeinsam mit zwei weiteren Titeln auch auf dem Soundtrack zu "Black Swan" auftauchen. Dieses Gerücht bestätigte sich eben so wenig wie die zunächst angekündigte Arbeit an ihrem zweiten Soundtrack, nämlich zum Film "Now You See Me". 

      4. Aber zurück in die Gegenwart: Das achte Album von The Chemical Brothers trägt den Titel "Born In Echoes", hat 11 Titel und läuft etwas mehr als 52 Minuten.

      5. Wer mehr von The Chemical Brothers hören möchte, muss zur Deluxe Version greifen, denn diese offeriert zusätzlich die Titel "Let US Build A City" und "Wo Ha" sowie Extended Mixes von "Go" und "Reflexion". 

      6. Nicht enthalten ist der Song "This Is Not A Game" (featuring Miguel und Lorde), der 2014 als Single veröffentlicht wurde und sich darüber hinaus nur auf dem Soundtrack zu "The Hunger Games: Mockingjay - Part 1" befindet.


      Das neue Werk »Born In The Echoes« nun geht wieder einen halben Schritt zurück und produziert Momente, wo man denkt: Klingt »I’ll See You There« nicht arg wie »Let Forever Be«? Hat »Go« nicht dieselben Vocals wie »Hey Boy Hey Girl«? Zum Glück ist es aber nur ein halber Schritt zurück, denn da sind auch die vertrackteren, trockeneren oder düsteren Songs wie »EML Ritual« oder »Just Bang«, die fast schon als Acid House oder Detroit Techno durchgehen könnten. Alles in allem eine sehr durchmischte Sache, in der jeder Hörer ein paar ihm gelegene Tracks finden wird und mit anderen weniger anfangen kann.
      (intro)


      7. Immer sehenswert: die Liste mit den Gastsängern der Chemical Brothers. Auf "Born In Echoes" tauchen folgende, teils ungewöhnliche Namen auf: Beck ("Wide Open"), Cate Le Bon ("Born In Echoes"), Ali Love ("EML Ritual"), Q-Tip ("Go") und - unter ihrem richtigen Namen Annie Clark - St. Vincent ("Under Neon Lights").

      8. Mit "Sometimes I Feel So Deserted" erschien bereits im April eine erste Single, der "Go" folgte, die in England auf den bescheidenen 59. Rang der Charts kam. Zukunftsmusik sind noch die Veröffentlichungen der Singles "Under Neon Lights" (23.06.) und "EML Ritual" (03.07.). 




      9. Nachdem alle Alben der Chemical Brothers seit ihrem Debüt "Exit Planet Dust" (1995), das Rang 9 erreichte, auf Platz 1 der englischen Albumcharts gingen, wurde diese Serie von "Further" gebrochen. Dies lag jedoch nicht an den zu geringen Plattenverkäufen, sondern an den Regularien der UK Album Charts, die "Further" gar nicht listeten, da jeder Käufer mit dem Erwerb des Albums auch die Möglichkeit erhielt ein iPad zu gewinnen. 

      10. Aktuell steht "Born In Echoes" bei Metacritic bei einem durchschnittliche Metascore von 72/100 Punkten bei 7 berücksichtigten Kritiken: 

      Born In The Echoes is a bold reinvention of the Chemical Brothers’ sound, pushing the late-period renaissance that 'Further' heralded to somewhere dark and twisted. (NME)

      he Chemical Brothers already reinvented the wheel once back in the ’90s. It is a bit much to expect them to do it again – and maybe no need either. From the magnificent Q-Tip-assisted disco of Go to Radiate’s epic My-Beatley-Valentine celebration of love, Born In The Echoes finds them capturing the most elusive sound of all. They sound, at last, like themselves again. (Mojo)

      At its best, Born in the Echoes is gloriously disorienting, restoring a woozy mania to a genre in danger of self-combusting in search of ever more euphoric pop highs. The kids will probably look on aghast. But old ravers will find themselves transported back to a time when electronica really did sound like the future. (The Telegraph)

      Born in the Echoes is frontloaded with star power, and so it comes as a slowly dawning relief that that album isn't the Chems' Random Access Memories, but rather an attempt to strip away the detritus of the now and play to their own strengths. (Slant Magazine)


    • Eaves - What Green Feels Like

      Eaves - What Green Feels Like
























      Heute in drei Wochen besuchen wir das erstmals stattfindende A Summer's Tale Festival, das unter dem Motto "Art and Music live in the Green" zahlreiche Lesungen, Filme, Workshops, Kunst & Performances verspricht. Natürlich locken uns hauptsächlich die musikalischen Darbietungen, die entweder auf der Konzertbühne und im Zeltraum stattfinden werden. Damien Rice, Tori Amos, Belle & Sebastian, Hundreds, Get Well Soon, Yann Tiersen und vor allem Ride waren unsere Hauptgründe für den Ticketkauf, andere "große Namen" wie Patti Smith, Zaz, Roisin Murphy, Sophie Hunger oder Calexico eher weniger.   

      Zu den noch nicht so bekannten Künstlern, die während der vier Tage auftreten werden, zählt auch Joseph Lyons, der unter dem Namen Eaves vor einigen Wochen sein Debütalbum "What Green Feels Like" veröffentlicht hat. Der Twentysomething aus Leeds beschreibt seinen musikalischen Stil selbst und passend als “weird psych singer songwriter sound”. Neben den klassischen, gefühlvollen Singer/Songwriter-Balladen, vorgetragen zur akustischen Gitarre oder zum Piano, hält er immer wieder überraschende Wendungen, gezielt platzierte Störgeräusche oder rockige Ausbrüche parat, um seine 9 Songs, die über 50 Minuten laufen, nicht monoton und langweilig werden zu lassen. 

      Viele gute Plattenkritiken, die häufig die Namen Nick Drake, Jeff Buckley und Neil Young zum Vergleich heran ziehen, lassen Eaves zu einem Kandidaten für eine gute Platzierung bei Platten vor Gericht und für einen schönen Konzertnachmittag werden:


      Doch auch die ruhigen Momente kommen nicht zu kurz. Das Stück “Spin” hat seine ruhige Struktur behalten und ist ein Song geblieben, der über fünf Minuten als klassisch instrumentiertes Singer-Songwriter-Stück, irgendwo in der Nähe von Elliott Smith daherkommt. Ein Stück, in dem er sich, wie auf dem größten Teil des Albums, Gedanken über die Liebe, Leben und Tod und alltägliche Sehnsüchte macht. “As Old As The Grave” bietet dann einen Sound mit starker Americana Note, bei dem Joseph das Kunststück schafft, die spirituelle Note von Led Zeppelin mit bombastischem Folk zu verbinden und dabei sogar noch für eine Gänsehaut zu sorgen.
      Auf der zweiten Albumhälfte hört man dann die deutlichste Referenz für den Eaves Sound. In der Piano-Ballade “Timber”, dem sanft auf einer E-Gitarre gezupften “Alone In My Mind” und dem ausufernden “Purge”, hört man einen Songwriter in bester Jeff Buckley Tradition, der zwischen spirituellen Klängen, jazzigen Elementen, Folk und rockigeren Strukturen umher springt und sich dabei stimmlich von einem extrem ins andere wagt. Am deutlichsten wird die Jeff Buckley Referenz dann beim wunderschönen Album-Closer “Creature Carousel”. Ein Stück, das Eaves klanglich in der Nähe der “Sin-É” Sessions und Buckley’s Interpretation von “Hallelujah” zeigt und das einen Gänsehaut-erzeugenden Abschluss für “What Green Feels Like” liefert. Ein gelungenes Ende für ein gelungenes Album, für das man Eaves eine ebenso große Karriere wünscht, wie sie seine Referenzen erleben durften.
      (White Tapes




      Das Debütalbum von Eaves ist eine erstaunlich erwachsene Mischung aus Folk-Melodien, Singer/ Songwriter-Klavierpassagen und zerrissenem Gesang. Mit einem gängigen Muster: Die weiche Stimme des Briten, die oft sprunghaft die Höhen wechselt, trifft auf seichte mono-instrumentale Begleitung. Um am Ende eines Tracks, angetrieben von der Power-Rock-Peitsche, zur Höchstform aufzulaufen.
      So abgegriffen und altbacken diese Herangehensweise auch wirken mag, hinter ihr verbergen sich Lyrics, die verträumte Geschichten erzählen. Über das Loslassen, die Heimat und die Liebe. Der stärkste Song: „As Old As The Grave“. „Father, you’re drunk“ singt Eaves bitter. Und klagt an: „Mother an ocean is raining down and still your garden dies from thirst“. Ein Bruch, der Eaves’ Können zaghaft vom sonst teils angestaubten Sound abhebt.
      (Musikexpress)




      Der typische Eaves-Sound hingegen besticht durch seine Gitarrenlastigkeit – akustisch versteht sich – sowie ausgeprägte Harmonien im Gesang, welche diesen einzigartig bodenständig und natürlich wirken lassen. So gelingt es Joseph Lyons zu Beginn von ‘As Old As The Grave‘ stimmlich mindestens so viele Harmonien einzubauen wie die vierköpfige Band Bastille in einigen ihrer Akustkiversionen. Gar nicht melancholisch stimmt Lyons in ‘Timber’ die Zeilen: „I´ll be gone some day, all my dreams and all my pain” an, denn natürlich assoziert Mensch mit der Farbe Grün immer das Lebendige und das Leben – doch alles Lebendige ist vergänglich. Das dies kein Grund zum Verzweifeln ist macht Eaves in ‘Hom A Gum‘ mit den Worten: „Before you give it up, look at the job you´ve done – before you give it up for good” deutlich.
      ‘Alone In My Mind’ ist nochmal eine Nummer für sich und beschreibt wohl diese einzigartigen Momente in der Natur, welche sich einfach nicht in Worte fassen lassen. Doch Joseph Lyons, welcher es in ‘Purge‘ schafft stimmlich Regentropfen Bewegungen nachzuahmen, während er „water drops from my elbow“ haucht, gelingt sogar dies.
      Eins ist sicher, wer das gesamte Album durch gehört hat, weiß ‚ wie sich Grün anfühlt – nämlich genau, wie die Gefühle, welche Eaves‘ Musik in einem auslösen: lebendig, frisch, hoffnungsvoll, natürlich und irgendwie erholsam ohne zu ermüden. Dabei wundervoll entschleunigend! Ein kleiner Urlaub für die Seele!
      (Bedroomdisco)





    • Prinzhorn Dance School - Home economics

      Prinzhorn Dance School - Home economics























      EP? Album? Egal! (I)

      Dr. Hans Prinzhorn war ein deutsche Psychiater. Bekannt wurde er durch das von ihm veröffentlichte Buch “Bildnerei  der Geisteskranken”. Solche Bilder stellte er in einer umfangreichen Sammlung zusammen.

      Nach ihm benannt haben sich Tobin Prinz und Suzi Horn, die beiden Musiker der englischen Band Prinzhorn Dance School. Seit 2006 veröffentlichten sie Musik auf James Murphys Label DFA Records. Nach dem selbstbetitelten Debüt und “Clay class” erschien nun die EP “Home economics”. Mit EPs tue ich mich meist schwer, aber wenn wie in diesm Fall sechs gute Songs und 25 Minuten Unterhaltung rumkommen, kann sich das Format auch mit Alben messen. Da mag der eine oder andere Richter wieder mahnend den Finger erheben... vorstellenswert ist diese EP allemal.

      Sowohl der Gesang der beiden als auch der stellenweise reduzierte Sound drängen auf die Erwähnung von The XX als Referenz. Darüber hinaus lässt sich “Home economics” vor allem als gelungene Symbiose aus Indiepop und Indietronic beschreiben. Die Gitarren klingen ab und zu nach Alternative und Suzi Horns Gesang erreicht auch mal punkige Atmosphären und erinnert dann an Alison Mosshart von The Kills. 

      “Reign”, “Battlefield” und “Education” sind die besonders empfehlenswerten Songs auf “Home economics”. Aber die anderen drei Titel kann man sich dann auch gleich mitanhören. Diese EP ist nicht nur wegen ihrer Spieldauer eine kurzweilige Sache. 

      Plattentests.de kann gar nicht genug von der EP bekommen:
      Hätten sie sich nicht gar so kurz gefasst, wäre Prinzhorn Dance School ein Meisterwerk gelungen und nicht bloß ein vorzügliches – nun gut – Album, das viel zu schnell vorbei ist.

      Das tolle Video zu “Reign”:
    • Will Currie And The Country French - They Killed Us

      Will Currie And The Country French - They Killed Us
























      Eigentlich hatten sich Will Currie And The Country French bereits im Jahr 2012 erledigt. Nach nur einer EP (A Great Stage", 2008) und einer LP ("Awake, You Sleepers!", 2011) sollten sich die Wege von Will Currie (Gesang, Piano), Dan Beacock (Gitarre), Aaron Mariash (Schlagzeug) und Daniel MacPherson (Bass) wieder trennen. Jedoch wurde Currie gebeten ein Lied für die Cartoon-Serie "Cyanide ans Happiness" zu komponieren und bei einem Song blieb es dann nicht...

      Mit "They Killed Us" veröffentlichte das aus Waterloo, Ontario, stammende Quartett nun gleich 14 neue Titel, die zwischen dem zeitlosen Piano-Pop eines Ben Folds und dem theatralisch-symphonischen Kammerpop eines Rufus Wainwright anzusiedeln sind, auch wenn das Video zu "No, Nothing" erst einmal an eine Radiohead-Ballade denken lässt:




      Über die Bandcamp-Seite kann man das Album wahlweise als CD (12 €) oder als Download (9 € ) beziehen, jedoch kommen beim physischen Release noch 7 € Versandgebühren hinzu.

      Opening with the title track, which is an vintage-style piano shuffle, crooned and festooned with orchestra arrangements, it leads to “Mother’s Got A New Son”, which begins slow and mournful but then turns jaunty with an off-time rhythm and into “The Duke In Berlin” – a piano/torch ballad.  “No, Nothing” has already been aired (“Rufus Wainright meets Brian Wilson”); “Philadelphia” is upbeat in a Ben Folds way; “Danger” is both beautiful and dramatic – the musical body of this album is piano and vocals with only the lightest (but highly skillful) “band” accompaniment.
      A quiet affair, this is an album for an evening of quiet contemplation and thoughtful discussion.  A solid effort from Will Currie & The Country French.
      (popdose)




      There’s a number of heavy piano ballads on the album that have a tendency to bog it down, while the tracks that feature drum fills, electric guitar solos, horns, and other funky elements are usually when the quartet is at its best. Most of those diverse instrumental songs show up on the first half of the album, which gets off to a strong start with the title track and the jazzy standout, “Mother’s Got A New Son.”
      Another thing holding back “The Duke in Berlin,” “Danger,” and the songs that mainly focus on piano is that they also thrust the spotlight on Currie’s vocals, which sound much better in front of a full band. As much as his piano chops can make you feel like you’re listening to Billy Joel or Todd Rundgren, his singing has more in common with someone like The Tallest Man on Earth. That’s not necessarily a bad thing though, and on “The Water,” Currie enhances the chorus in a big way with his impressive range.
      From start to finish, They Killed Us is an album that keeps you entertained in a variety of ways—saving the most unexpected for last—you can only guess where the band’s versatile musicianship might take things next. It’s certainly something that Bernstein and the rest of his contemporaries would be proud to listen to.
      (Ride The Tempo)


    • Flo Morrissey - Tomorrow Will Be Beautiful

      Flo Morrissey - Tomorrow Will Be Beautiful
























      Heute erfahren wir, warum es besser ist, bei der Inszenierung als Blumenkind nicht auf Schlafmohn, Baldrian, Passionsblume und Lavendel zu setzen.

      Gerade einmal 15 Jahre alt war Flo Morrissey, als sie den Song "Show Me" komponierte, ihn über eine Videoportal der Öffentlichkeit zugänglich machte und prompt von Aram Goldberg, dem Manager von Devendra Banhart, entdeckt und zu Glassnote Records (Mumford & Sons, Daughter) vermittelt wurde. Dieser Song eröffnet nun auch "Tomorrow Will Be Beautiful", das Debütalbum der mittlerweile 20-jährigen, hoch gelobten Londonerin. 

      Zusammen mit dem Produzenten Noah Georgeson (Devendra Banhart, Joanna Newsom, Cate Le Bon) wurden in Los Angeles 10 Songs aufgenommen, die die Engländerin zwischen dem orchestralen Dreampop ("If You Can't Love All This Goes Away", "Betrayed") einer Lana del Rey und einer entrückten Ausgabe des Freakfolks ("Wildflower"), wie ihn Joanna Newsom, Devendra Banhart und die wiederentdeckte Vashti Bunyan vor einigen Jahren zu einem Phänomen werden ließen, positionieren. 

      Schlechte Kritiken findet man im Grunde keine zu "Tomorrow Will Be Beautiful" und so weist Metacritic aktuell einen Score von 75/100 aus. Aber häufig liest man aus den guten Reviews, die zudem häufig die Namen Nick Drake, Kate Bush, Karen Dalton, First Aid Kit und Jeff Buckley als Vergleiche heranziehen, ein wenig Enttäuschung heraus, denn offensichtlich hatte man sich von der als Wunderkind gehandelten Flo Morrissey mehr erhofft. Schöne Platte, keine Frage, aber leider auch etwas spannungsarm und einschläfernd - was bei der Wirkung der eingangs erwähnten Pflanzen auch niemanden verwundern dürfte. 


      True, Morrissey’s voice can sigh and plead with the best of them – but for the most part her songs are gossamer-thin. Occasionally she stops keening and cooing and reveals a more interesting voice, slightly plummy, like Vashti Bunyan. “I can’t be a part of this villainy,” Morrissey sings on single Pages of Gold, in a line worthy of her namesake. Tomorrow almost certainly will be as beautiful for Flo Morrissey as her album title avers. But one longs for something more than mere prettiness, which over the course of a whole album becomes a bit glutinous.
      (The Guardian)




      TOMORROW WILL BE BEAUTIFUL ist ein cineastisch angehauchter Erstling geworden, was besonders in der wunderbaren Vorab-Single „Pages Of Gold“ und dem großartigen „If You Can’t Love This All Goes Away“ deutlich wird: Großflächige Streicher, ein jazziges Schlagzeug und diese für eine so junge Frau so alt und weise anmutende Stimme wirken auf den Hörer ein und erschaffen eine wohlige Atmosphäre, der man sich schwer entziehen kann. Das ist Musik, die gemacht wurde, um uns große Dramen näher zu bringen. Und wenn man sich dabei etwas an Lana Del Rey erinnert fühlt, dann schadet das kein bisschen.
      (Musikexpress)


      Das Gesamtwerk "Tomorrow will be beautiful" schwebt, driftet wohlig umher in einer sepiafarbenen Umlaufbahn, manchmal aber wünscht man sich eine Stecknadel, die sticht, Volumen nimmt und kaum mehr überlässt als Akustikgitarre, Folk-Song und Morrisseys Stimme. Liegt wohl am Nachnamen. Da erwartet man automatisch mehr. Vielleicht sogar mehr als ein zweifelsfrei bezauberndes Debüt.
      (Plattentests)


    • Tom McRae And The Standing Band - Did I Sleep And Miss The Border

      Tom McRae And The Standing Band - Did I Sleep And Miss The Border
























      Um Tom McRae war es in den letzten Jahren ein wenig still geworden: Seine letzte Veröffentlichung, "From The Lowlands", stammt aus dem Jahr 2012, und bedenkt man, dass es sich hierbei eigentlich nur um ein Addendum zu seinem 2010 erschienenen "The Alphabet Of Hurricanes" handelt, liegt das letzte reguläre Album somit bereits 5 Jahre zurück. 

      Tom McRae nutzte die Zeit, um ausgiebig solo auf Tournee zu gehen, instrumentale Musik für ein Multimedia-Projekt beizusteuern und Songs für andere Künstler, u.a. Marianne Faithful, zu komponieren. 
      Mittlerweile lebt McRae in Frankreich und betreibt mit Buzzard Tree Records / Studios ein eignes Label bzw. Studio. Nur mit der Promo-Arbeit funktioniert es nicht so richtig, denn bereits im letzten Mai erschien mit "Did I Sleep And Miss The Border" sein siebtes Album und blieb von den Kritikern nahezu unbemerkt. Nur eine einzige Review konnte ich online finden, und die liest sich so:    

      Fifteen years on from a debut that earned Brit and Mercury nominations, Tom McRae is an enduring outsider. The son of Christian missionaries, this songwriter from Essex decamped to the US a decade ago and is now based in France (he enjoys a loyal European following). McRae’s seventh album has a fire and brimstone flavour, and in his mid-forties he’s acquired the malevolent eloquence of Tom Waits and Nick Cave. On The High Life, he sings in a conspiratorial whisper over a rackety rhythm, while the majestic Americana of Christmas Eve, 1943 has him hoping for “one last shot of whisky, one last shot of lead” before descending to hell. We Are the Mark is even better – an apocalyptic protest tune with strings. Middle age and exile have only sharpened his songwriting.
      (Evening Standard)

      Gut, dass Tom McRae selbst seine 8/10 Punkte-Bewertung in der Printausgabe von Uncut gefunden hat. Warum nimmt nur sonst so gut wie niemand Notiz von "Did I Sleep And Miss The Border"? 
      Das Album beinhaltet 9 Songs, wurde in Wales, Los Angeles und Somerset aufgenommen und zeigt Tom McRae, der erstmals seinem Namen den Zusatz "And The Standing Band" hinzufügt, äußerst schwermüstig, düster und hoffnungslos. Der sinistre Gesamteindruck wird häufig durch den Einsatz des Drunken Midnight Choirs unterstützt, so dass die oben gezogenen Vergleiche zu Nick Cave, etwa bei "Christmas Eve, 1943", berechtigt scheinen. Dazu McRae: “as we recorded the album I had the image of the band gathered round a piano in a post-apocalyptic bar, singing our hearts out as the fires rage around us… also handily blocking the exits and stopping the crowd from leaving." Besonders lobenswert sind auch die häufigen, wieder einmal von Oli Kraus (My Life Story, Tindersticks) eingespielten Streicherarrangements (z.B. bei "We Are Te Mark").

      Bestellt man das Album über die Homepage von Tom McRae, so erhält man zusätzlich noch 6 weitere Songs, inklusive der ansonsten nicht enthaltenen Single "What A Way To Win A War":


         



    • Final Days Society - Icebreaker

      Final Days Society - Icebreaker

























      Wenn Sigur Rós-Soundalikes hier so gut ankommen - gestern erhielten Yucatan mit 10 Punkten die Höchstwertung von Oliver - dann lassen wir heute noch schnell eine Band namens Final Days Society folgen.

      Das aus Växjö in Schweden stammende Quintett musiziert seit 2006 miteinander und besteht aus Suwat Khanh (Gesang, Bass), Pierre Olsson Kruse (Gitarre), Andreas Jeansson (Gitarre, Keyboards), Marcus Knutsson (Gitarre) sowie Anton Grundberg (Schlagzeug). 2008 und 2011 erschienen mit "Noise Passes, Silence Remains" und "Ours Is Not A Caravan Of Despair" deren ersten beiden Alben. 

      Beim dieser Tage veröffentlichten und selbst produzierten "Icebreaker" hielten sie sich sowohl betreffend der Länge des Albumtitels, als auch bezüglich der Anzahl der Titel (6) zurück. Dennoch kommen Fans der eingangs erwähnten Sigur Rós oder anderer Prog-Rock- und Shoegaze-Bands (als artverwandt fallen mir zum Beispiel ihre schwedischen Landsmänner von Jeniferever ein) hier nicht zu kurz, denn allein der Titelsong läuft über 10 Minuten und beherrscht das dramatische Wechselspiel zwischen laut und leise.
      Die 5,- €, die "Icebreaker" in digitaler Form (bisher keine CD oder LP) auf der Bandcamp-Seite der Band kostet, sind sehr gut investiert!


      How to classify them: well, it’s a great combo of shoegaze and Postrock with lovely vocals. Some Blueneck and EF esque singing, Sigur Ros-like tunes and classic Postrock guitars creates a soothing album with nice lazy summer night tracks. Excellent stuff that just resonates while listening.
      Drifter, the second track of the album, is a great example of the mentioned combinations of sound. I can’t help feeling a lot of EF vibes, but  that’s a good thing because I love that band.
      Album finisher Debris has this classic Postrock build-up and is an excellent track for closing this album. These guys creat a melancholic atmosphere without the darker themes that’s so common in the genre. This album consists of mostly positive tracks full of hope. Due to the state of this world, we sure can use some of this. Congratulations to Final Days Society for this excellent album! 
      (Postrocker.nl)





      Fading in very gradually via “Drowner”, it establishes an ethereal ambience that’s surprisingly stirring, despite being almost silent for the first minute and a half. At this point distant vocals begin to echo across the air, giving the whole thing a dreamy feel before it builds to an epic assemblage of otherworldly instrumentation for its grand finale.
      “Drifter” begins with another soft and serene introduction ahead of a slow and wistful harmony. It starts off stripped down and simple, yet manages to be deeply affecting. There’s something very celestial about it before it bursts into a plethora of reassuring guitars and percussion. Growing continuously, it ultimately arrives at an immense exhibition of instrumentation that’s incredibly powerful.
      The enthusiastic and urgent riff of “Icebreaker” is met by a delighted drum beat afterwards, setting a merry mood. This persists until things tone back at the end of the second minute and distorted vocals proceed to reverberate solemnly through the senses. It eventually builds back up, uplifting and exciting as the tempo continues to rise and abate. The result is an extremely progressive piece which conjures up a lot of emotion.
      “Overburdened Companions” follows with a laid-back, lackadaisical opening that saunters slowly towards a relaxing refrain. It remains reserved for the first third of its run-time, then it begins to increase in volume and momentum. The instrumental execution is consistently captivating, making for a moving listening experience.
      The ominous riff that succeeds it is sobering ahead of a forceful onslaught of guitars that are unexpectedly heavy during “At Peace, At Last”. They relent later while maintaining a mellow mood, but soon erupt into another assault of ferocious fervour. A poignant harmony adds to the foreboding nature of the proceedings as it paces purposefully forward. It’s an intense offering that thrills as often as it unsettles.
      “Debris” arrives next by way of a theatrical build up which keeps things tense on the approach to lamenting lyrics. There’s a strong air of reflection and regret prevalent throughout the sorrowful sound. It all pounds determinedly in the direction of a suitably grandiose climax that ends the album as ambitiously as it began.
      Final Days Society’s latest creation is a dramatic and imposing undertaking, the style of which is quite spiritual. Each entry is extravagant and exhilarating, while the colossal scale of the record in its entirety is awesome in the truest sense of the word. This is a mighty musical spectacle that needs to be heard to be appreciated.
      (Pure M)






    • Die 10 besten Platten von Creation Records

      10. Teenage Fanclub "Thirteen"
      9. Primal Scream "Screamadelica"
      8. Slowdive "Souvlaki"
      7. The Boo Radleys "Giant Steps"
      6. Adorable "Against Perfection"
      5. Ride "Going Blank Again"
      4. My Bloody Valentine "Loveless"
      3. The House Of Love "The House Of Love"
      2. Oasis "Definitely Maybe"
      1. Oasis "(What's The Story) Morning Glory"

      (ausgewählt von Dirk)