Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

0
Plattenvorstellungen
0
Alben des Jahres
0
Bilder im Sammelalbum
0
Likes
  • Endstand 2008

    Endstand 2008



    1. Oasis - Dig Out Your Soul (8,67)




    2.PeterLicht - Melancholie und Gesellschaft (8,5)




    3. Sigur Rós - Með suð í eyrum við spilum endalaust (8,44)




    4. The Notwist - The Devil, You + Me (8,43)




    5. Radiohead - In Rainbows (8,36)




    6. Slut - StillNo.1 (8,33)




    7. Noah And The Whale - Peaceful, The World Lays Me Down (8,3)




    8. Get Well Soon - Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon (8,17)




    9. Syd Matters - Ghost Days (8,1)




    10. Portishead - Third (8,0)




    11. Laura Marling - Alas I Cannot Swim (8,0)




    12. Elbow - The Seldom Seen Kid (7,86)




    13. Mates Of State - Re-Arrange Us (7,83)




    14. Spiritualized - Songs In A&E (7,8)




    15. Tindersticks - The Hungry Saw (7,8)




    16. Coldplay - Viva La Vida Or Death And All His Friends (7,75)




    17. Brett Anderson - Wilderness (7,7)




    18. Son Ambulance - Someone Else's Déjà Vu (7,7)




    19. The Charlatans - You Cross My Path (7,67)




    20. Los Campesinos! - Hold On Now, Youngster (7,67)
  • Peter Heppner - Solo

    Peter Heppner - Solo




    Anfang der 90er fiel mit Peter Heppner als eine Hälfte von Wolfsheim mit dem Song „The Sparrows And The Nightingales“ und dem anschließenden Album „No Happy View“ positiv auf. Leider war der Nachfolger „Popkiller“ - Wolfheim-Fans mögen mir verzeihen - nicht besonders, so dass ich den weiteren musikalischen Weg der Band, die seit 2004 still gelegt ist, nicht weiter verfolgte.




    „The Sparrows And The Nightingales“ Video


    An dem Lied „Die Flut“, das in Zusammenarbeit mit Joachim Witt entstand, kam 1998 wohl niemand (ob er es wollte oder auch nicht) vorbei und führte die Beiden auf Platz 2 der deutschen Charts. Weitere Kollaborationen (Schiller, Goethes Erben, Paul van Dyk) von Peter Heppner waren in den nächsten Jahren ebenfalls relativ erfolgreich, blieben aber mir zumindest unbekannt.




    „Die Flut“ Video


    Durch Zufall bekam ich nun „Solo“ in die Hände, hörte rein... und es klingt wie ein Album von Wolfsheim. Das mag einerseits an der markanten Stimme Heppners liegen, andererseits am bewährten Mix aus strahlendem und eingängigem Synthie Pop und Elektro Pop mit düsterem und melancholischem Anstrich (um das Wörtchen Dark Wave zu vermeiden). Das Album entstand in Zusammenarbeit mit Peter-John Vettese in London und José Álvarez-Brill in Berlin. So werden auch 7 Titel in Englisch gesungen und, was mir persönlich besser gefällt, 3 Songs mit Texten in deutscher Sprache versehen. Nur an diesem seltsamen „e“ in der Mitte des Titels der ersten Single störe ich mich immer:




    „Alleinesein“ Video

    Das Prinzip Hoffnung schwebt selbst durch dunkelste Akkorde und entführt auf sanften Synthie-Wogen vorbei an samtenen Vorhängen aus verwehten Techno-Klängen zurück ins rettende Licht. "Solo" tänzelt gefühlstrunken durch die Widrigkeiten der Welt, der Seele, des Herzens - doch wenn du stolpern solltest, sei ohne Furcht. Peter Heppner ist schon da, ergreift deine Hand, bevor du tatsächlich rettungslos hinabstürzt in unergründliche, schwarze Tiefen, an jenem unbarmherzigen und entgültigen Rande jenseits von Mitternacht.
    (laut.de)


    Für Freunde von: Wolfsheim, Camouflage, Dave Gahan und New Order
  • Garda - Die, Technique, Die!

    Garda - Die, Technique, Die!


















    Hier kann man prima Vergleiche anstellen. Welche ist die bessere Band aus Dresden? Polarkreis 18 oder Garda? Die Antwort ist leichter als die Beantwortung der Fragen bei 9live oder ähnlichen Doofsendern. Natürlich Garda!

    Warum? Weil Garda im Gegensatz zu Polarkreis 18 nicht nach A-ha, Keane, oder Dieter Bohlen, sondern eher nach Conor Oberst, Damien Rice und Sophia klingen. Wesentlich bessere Referenzbands also, was zum Großteil an der tollen Weinerle- Stimme von Garda-Boss Kai Lehmann liegt. Hach, Herr Lehman war schon als Romanheld bei Sven Regener toll und als Sänger einer aufstrebenden Indieband, die schon im Vorprogramm von Calexico ihr Talent zeigen durfte, fast noch besser! Melancholisch- folkige Indiesongs voller Schmerz, Wut, Hoffnung und Verzweiflung, so gut geschrieben, daß Garda mit Sicherheit auch bei Saddle Creek gute Chancen auf ein Signing gehabt hätten. Stattdessen sind sie aber bei Schinderwies erst einmal gut aufgehoben. Omaha liegt also neuerdings in Dresden. Wer hätte das gedacht?

    Auch live sehr berührend!
  • Metronomy - Nights Out

    Metronomy - Nights Out





    Der britische NME liebt dieses Album und hievt es auf Platz sechs in seinen Jahrescharts für 2008.

    Was liegt hier vor? Nun, bei Metronomy handelt es sich streng genommen nicht um eine Band, sondern ein Projekt des englischen DJs Joseph Mount, der schon als Remixer für Franz Ferdinand, Ladytron, Kate Nash, Lykke Li und zahlreiche andere angesagte Bands in Erscheinung getreten ist. 2006 hat er alleine sein weitgehend unbeachtetes Debüt Pip Paine herausgegeben, für Nights Out holte er sich aber Verstärkung in derPerson des Saxofonisten (+ Keyboard und Melodica) Oscar Cash und des Bassisten Gabriel Strebbing. Zu dritt performen sie Songs, die in England in den Clubs Hits geworden sind wie Radio Ladio, Holiday und Heartbreaker. Der Sound von Metronomy erinnert stark an erfolgreiche Elektropopacts aus den 80ern wie z.B. Depeche Mode, New Order oder Human League. Vergleichbare Zeitgenossen sind die Teenagers, Late Of The Pier und die Klaxons.

    Wer steht neben dem NME auf so etwas?

    Videoclips:




    Holiday

    Radio Ladio
    My Heart Rate Rapid

  • Frightened Rabbit - The Midnight Organ Fight

    Frightened Rabbit - The Midnight Organ Fight





    Eigentlich wollte ich hier einen schottischen Doppelpack posten, aber das bei PVG bisher unbeachtete Debütalbum von Mogwai Support The Twilight Sad Fourteen Autums & Fifteen Winters stammt noch von 2007.

    Deshalb beschränke ich mich auf die verängstigten Hasen.

    Es handelt sich um eine vierköpfige Band aus dem schottischen Selkirk um den Bandleader Scott Hutchison, der bei Frightened Rabbit singt und Gitarre spielt. Musikalische Referenzen liegen hier auf der Hand, denn die Ähnlichkeit zu Okkervil River ist unverkennbar. Darüber hinaus gibt es Anleihen an Coldplay, Wolf Parade und bei dem Hit Keep Yourself Warm (beste Textzeile: "It takes more than fucking someone to keep yourself warm") klingt Scott an manchen Stellen sogar nach Jonsi von Sigur Rós.

    An der langen Liste ähnlicher Bands sieht man schon, daß Frightened Rabbit nicht unbedingt die kreativste Gruppe der Welt sind. Auf The Midnight Organ Fight, ihrem zweiten Album nach dem 2006 er Debüt Sing The Greys, finden sich aber so viele Laune machende Songs, daß diese Tatsache verzeihlich ist.

    Songs wie The Modern Leper oder Head Rolls Off (Text: Jesus ist just a spanish boy's name) gehören für mich jedenfalls zu den besten Indietracks des Jahres 2008!




    Head Rolls Off Videclip


    Links:

    - Keep Yourself Warm. Die Jungs könnten sich mehr bewegen ;-)
    - Poke, eine wunderbare Ballade, die am Ende nach der Band Of Horses klingt
    - Konzertreview aus Paris. Die Band ist übrigens auch schon im Vorprogramm von Death Cab For Cutie in Erscheinung getreten.
  • Alela Diane - The Pirate's Gospel

    Alela Diane - The Pirate's Gospel




    Alela Diane fehlt hier auch noch, obwohl ihr Album The Pirate's Gospel und ihre Bühneauftritte zumindest in Frankreich für Furore sorgten und die Platte mit Sicherheit in einigen Bestenlisten auftauchen wird.

    Aber auch durch Deutschland ist sie schon getingelt und das Interesse an der jungen, natürlich schönen Kalifornierin wird auch in Germany von Woche zu Woche größer. Sie kommt aus dem gleichen Kaff namens Nevada City wie ihre nach wie vor bekanntere Landsfrau Joanna Newsom. Der 3000 Einwohnerort muß stark inspiererend sein, denn von dort stammt auch Alela's singende Freundin Mariee Sioux.

    Mariee wirkte bei Liveauftritten von Alela oft im Background mit und auch ihr eigener Vater verstärkte die Band und gab im Zusammenwirken mit dem Banjospieler Matt Bauer dem Sound einen stärkeren Schwung und Drive als auf dem recht spärlich instrumentierten Album.

    Aber auch in der Konserve kommt man nicht an Hits wie dem Titeltrack The Pirate's Gospel, oder My Tired Feet und The Rifle vorbei. Auffällig ist stets die feste, stolze Stimme der selbstbewußten jungen Frau, die schon 2009 ein neues Album auf den Markt bringen wird.

    Wer klatscht noch mit beim Pirate's Gospel?




    My Tired Feet live in einem Fernsehstudio. Sehr hübsch, Frau und Song!


    Links:

    - The Rifle, intime Session
    - The Pirate's Gospel in einer Akustiksession von Le Cargo
  • Laura Marling - Alas I Cannot Swim

    Laura Marling - Alas I Cannot Swim




    Musik von Frauen ist toll! Finde ich zumindest, Ingo hatte sich ja diesbezüglich reservierter geäußert.

    Genau wie Frida Hyvönen ist Laura Marling blond und hat eine schöne Stimme, aber damit hätte man fast auch schon alle Ähnlichkeiten aufgezählt.

    Während Frida Baujahr 1977 ist, haben wir es bei Laura mit einem Girl aus den Ninties zu tun. Geboren 1990!, meine Güte, da war ich ja schon volljährig! Laura ist das noch nicht so lange, als ich sie im November 2007 zum ersten Mal live auf einer Bühne sah, war sie noch süße 17 und somit minderjährig. Schon zu jenem Zeitpunkt hatte sie allerdings etliche Erfahrungen in der britischen Indie-Musikszene gesammelt. Im Grunde genommen stand sie hier schon einmal vor Gericht, denn sie sang auf Suspicious Eyes von dem zweiten The Rakes Album Ten New Messages mit und sorgte dafür, daß wenigstens ein überragender Track auf dem weitgehend enttäuschenden Album zu finden war. Auch den Mystery Jets hat sie auf deren zweitem Album unter die Arme gegriffen, sie sorgte für die weibliche Note auf der Single Young Love. Am bekanntesten dürfte sie den PVG-Richtern aber durch ihre massive Anteilnahme an dem tollen Debütalbum von Noah And The Whale sein. Ihr liebliches Kehlchen sorgt nämlich für den perfekten Kontrast zur nörgelnden "Kermit- der- Frisch- Stimme" von Charlie Fink.

    Noch als minderjährige ist sie zumindest durch das UK bereits intensiv getourt, neben Sologigs startete sie auch im Vorprogramm von Adam Green und Pete Doherty. Allerdings soll sie laut Wikipedia einmal nicht zu ihrer eigenen Show zugelassen worden sein, weil sie noch keine 18 war! Angeblich performte sie dann kurzerhand auf der Straße!...

    Zum Album: Alas I Cannot Swim ist ruhiger geworden, als ihre Liveshows, die sie teilweise zusammen mit dem Multiinstrumentalisten Marcus Mumford und dessen Band Mumford and Sons bestreitet. Wenn Marcus und seine Kollegen dabei sind, geht nämlich ganz schon die Post ab und man kann ähnlich wie bei Shows von Noah And The Whale ausgelassen zu den modern interpretierten Country-Klängen tanzen. Somit ist der Erstling eher vergleichbar mit ihren Sologigs, die sie nur mit der Akustikgitarre bestreitet. Auf dem von Charlie Fink produzierten Werk finden sich zahlreiche Tracks, die auch in den meisten Fällen als Singles ausgekoppelt wurden. Ich persönlich liebe Cross Your Fingers, Ghosts und vor allem My Manic & I heiß und innig. Wenn man die Songs hört, wundert man sich über die unglaubliche Reife bei Stimme und Songwriting und fragt sich verblüfft, ob man es hier mit einem frühreifen Wunderkind im Stile eines Connor Oberst zu tun hat!

    Wenn Laura halbwegs den Rummel um ihrer Person verdaut, traue ich ihr zu, eine der langfristig erfolgreichsten Sängerinnen aus England zu werden und weitgehend talentfreie Kolleginnen wie Kate Nash (zudem noch häßlich) und Lily Allen (wenigstens hübsch) hinter sich zu lassen.

    Das Album wurde für den Mercury Prize nommiert und landete in der Jahresbestenliste des NME auf Platz 14.

    Links:

    - Laura Marling live in einem kleinen Pariser Club. Ein 42 jähriger Herr aus England kam extra dafür angereist und verschwand am nächsten morgen wieder nach Manchester!
    - Auf der Webseite von Laura kann man alle Videos in besserer Qualität als bei Youtube ansehen.
    - Eines meiner Fotosets von Laura Marling. Sie ist soo süß!




    Ghosts

  • Frida Hyvönen - Silence Is Wild

    Frida Hyvönen - Silence Is Wild




    Besser spät als nie, oder?

    In der Folge möchte ich ein paar CDs vorstellen, die aufgrund der Knappheit der Zeit Gefahr laufen, nicht mehr gehört und bewertet zu werden, die aber meines Erachtens nicht unterschlagen werden dürfen.

    Frida Hyvönen liegt mir besonders am Herzen, weil ihr neues, zweites Album seit ein paar Tagen bei mir in Dauerschlaufe läuft. Und dies obwohl ich mich am Anfang sehr schwer mit Silence Is Wild tat. Es kam bei weitem nicht an das Debüt Until Death Comes heran, daß ich ja vor zwei Jahren hier vorgestellt hatte.

    Irgendwie schien mir bei Silence Is Wild meine persönliche Kitschgrenze weit überschritten. Aber was sage ich da: schien? Es ist in der Tat ein hochgezuckertes, schwülstiges und manchmal fast an die von mir gehassten Abba erinnerndes Werk geworden! Und trotzdem bin ich neuerdings fast süchtig nach äußerst eingängigen Songs mit in den Ohren klebenden Refrains wie London, Dirty Dancing oder Scandinavian Blonde.

    Scandinavian Blonde eine passende Beschreibung für die hochaufgeschossenen und nicht an weiblichen Reizen geizenden Schwedin Frida Hyvönen, die auch textlich mit süß-sauren und mitunter zweideutigen Lyrics aufwarten kann. Highlight ist in dieser Hinsicht Dirty Dancing, das auf den Film mit Patrick Swayze, aber auch eine wohl authentische Jugendliebe der Künstlerin Bezug nimmt. Ihr ehemaliger Lover wird später Schornsteinfeger und sie Tänzerin und der Bursche wird in der Story ausgerechnet ihren Kamin reinigen, was textlich köstlich kommentiert wird: " I guess you do the dirty now and I do the dancing"...

    Auch die Story hinter Sic Transit Gloria ist interessant, aber bei mir hat sich vor allem ein Satz eingeprägt: "And I'm excellent in bed". Nun, wenn sie von sich selbst spricht, mag ich das kaum bezweifeln.

    Aber hier geht es ja vor allem um eines: Frida Hyvönen ist eine glänzenden Sängerin und Pianistin! Ein starkes Album!

    Links:

    - Hier gibt es einen Livebericht, in dem sich der Autor an das Lied "Die Klavierlehrerin von Udo Lindenberg erinnert fühlt
    - Hier gibt es Fotos, wo man sich von der Attraktivität der Schwedin überzeugen kann.
    - Eine positive CD- Kritik von Plattentests. de mit zahlreichen weiteren Links.
    - Dirty Dancing im Videoclip
    - Birds Videoclip in der Umkleidekabine, A-capella und sehr charmant!

  • Razorlight - Slipway fires

    Razorlight - Slipway fires

    cover

    Es gibt mindestens zwei Gründe, dieses Album zu diesem Zeitpunkt vorzustellen:

    1. "Nicht Fisch und nicht Fleisch", trifft sowohl auf die Zeit um Weihnachten (anscheinend ist diese schon angebrochen) als auch auf Razorlight (eine der Bands, die sich neben ihrem Myspace-Auftritt auch noch eine Website leistet) zu. Sicherlich kann man über Razorlights Selbstverständnis (laut Myspace machen sie "Indie / Alternative / Punk") geteilter Meinung sein, Ohrwürmer haben sie aber schon mehrfach (vor allem auf dem selbstbetitelten Vorgängeralbum) fabriziert und das ist schließlich die Aufgabe einiger Bands.

    2. Die Polls für 2008 sind zum größten Teil gelaufen, 2009 hat noch nicht angefangen. In diese "Grauzone" passt Razorlights drittes Album. In Deutschland für 2009 angekündigt, wurde der Soundtrack zu den Hasstiraden gegen Razorlight (vielleicht ist es ein Segen, sich nicht zu sehr mit Johnny Borrells Texten und seinem Ego beschäftigen zu müssen) auf der Insel schon veröffentlicht. Man muss nicht lange suchen, um wirklich schlechte Kritiken zu diesem Album zu finden, z. B. bei musicOMH.com:

    The skittering rhythms of Hostage Of Love and You And The Rest work well enough without exactly straying too far from the indie rock blueprint. The band slips back into old ways with undue haste on the next two tracks, however, with Tabloid Lover and North London Trash coming across as a poor man's Suede and sub-par Oasis respectively. Really, the latter makes Noel's The Importance Of Being Idle sound like a veritable masterpiece.

    Allein der letzte Punkt sollte die Existenz des Albums rechtfertigen.

    Was aber erwartet den unvoreingenommenen Hörer mit "Slipway fires"? Ich kann es nicht tatsächlich beantworten, da ich mich auf das Album gefreut habe und die ersten Durchläufe Spaß machen. Ich entdecke schöne Melodien und durchaus auch bei Wiederholungen immer wieder neue Details. So soll eine gutes Pop-Album sein, oder?

    Die erste Single ist "Wire to wire", "Hostage of love" steht als Nachfolger schon in den Startlöchern.

    Die UK-Version beglückt den Käufer mit dem Online-Zugang zum Download zweier Bonus-mp3s und dem Video zu "Wire to wire", welches es aber auch hier gibt. Zusätzlich wird ein Gutschein für den ermäßigten Kauf der Deluxe-Edition geboten, die auch erst 2009 erscheinen wird.

  • The Stills - Oceans Will Rise

    The Stills - Oceans Will Rise




    2003 veröffentlichten die Kanadier The Stills ihr erstes Album „Logic Will Break Your Heart“, welches seinerzeit musikalisch in die angesagte New York-Schublade gesteckt wurde. Mit dem zweiten Album „Without Feathers“ wurden dann des Öfteren Vergleiche mit Coldplay gezogen. Das aktuelle Werk „Oceans Will Rise“ siedelt sich irgendwo in der Mitte an.

    Ich vermute mal, dass ich im Plattenladen nach einem Blick auf das Cover kein gesteigertes Interesse hätte, mal in das neue Album der Stills rein zu hören. Dass das ein Fehler sein könnte, beweisen diese Sätze von allmusic.com:

    The bandmates don't bat an eyelash when they throw a disjointed bridge into the middle of "Being Here," only to launch back into the song's accessible hook 20 seconds later. "Panic" features a similar moment; before the tune concludes with chiming guitar arpeggios and thick harmonies, the band launches into a heavy metal onslaught for four quick measures. Perhaps the Stills' strongest asset is knowing when to say when, and Oceans Will Rise also features a number of well-crafted songs that don't feature such unanticipated turns. "Snow in California" tackles climate change with lush, electro-shoegaze atmospherics, while the eerie, percussive "Snakecharming the Masses" explores the band's lingering dark side.



    Being Here




    Don't Talk Down




    Homepage
    MySpace
  • The (International) Noise Conspiracy - The Cross Of My Calling

    The (International) Noise Conspiracy - The Cross Of My Calling

    1998 spielte ich Volker auf dem Rückweg von einem Dreams-Besuch in Koblenz diesen Song vor:

    Sein Urteil damals: "Das sind ja 3 Songs auf einmal."

    Refused lösten sich kurz darauf auf (ich denke wegen Volkers Urteil) und der Sänger Dennis Lyxzén gründete The (International) Noise Conspiracy. Dieses Jahr veröffentlichten sie ihr fünftes Studioalbum: "The cross of my calling".

    Die Band versucht sich ihrer Gründung an der Verquickung von Politik und Musik und definiert das Optimum irgendwo zwischen Elvis Presley und Che Guevara. Bei der Suche nach Idealen kramte die Band schon immer gerne in der Mottenkiste. Sie könnte gar die Lieblingsband einiger Anhänger der SED-Nachfolgepartei oder einiger Globalisierungsgegner sein. Ob eine Band politisch versiert oder gar engagiert sein muss, sei dahingestellt.

    Aufgenommen wurde das Album in den Sunset Sound-Studios in Hollywood. In diesen wurden zahlreiche Disney-Soundtracks eingespielt und die Doors, Rolling Stones, Beach Boys (für "Pet sounds") und viele andere Geister der Vergangenheit  gaben sich ebenfalls die Ehre, z. T. wirkten sie anscheinend auch auf "The cross of my calling" mit.

    Mit dem Hardcore-Sound aus Refused-Zeiten hatte die Band nie etwas am Hut. Statt dessen drehten sich die Alben um Punk, Garage und weitere Retro-Einflüsse. Auch die erneute Zusammenarbeit mit Rock-Allzweckwaffe Rick Rubin ändert daran nichts. 

    Monstersandcritics.de meint:

    Rubin hat nun auch das neue Werk 'The Cross of My Calling' produziert, und geht den eingeschlagenen Weg weiter, ohne aber Gefahr zu laufen, gemeinsam mit der Band einfach nur einen routinierteren Aufguss abzuliefern. Der geballte Retro-Sound der Noise Conspiracy wird heuer mit noch größerer Präzision fabriziert. Jeder Ton sitzt, jedes Detail scheint seinen Platz im Banduniversum gefunden zu haben. [...] So bleibt festzuhalten, dass 'The Cross Of My Calling' zwar wieder nicht ganz an die beiden Meilensteine 'Survival Sickness' und 'A New Morning, Changing Weather' herankommt, die neu gefundene Affinität zu ausschweifenderem Gitarrenrock steht den Schweden aber hervorragend zu Gesicht.

    Den Song "I am the dynamite" gibt es als Download. Die Myspace-Seite der Band bietet das Album als Stream.

  • Uzi & Ari - Headworms

    Uzi & Ari - Headworms





    7 Tage - 7 Platten: Sonntag

    Uzi & Ari, die Namensgeber der Band, sind die beiden Jungs von Ben Stiller aus dem Film „The Royal Tenenbaums“.

    Uzi & Ari, sind kein Duo, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern eine Band, oder eigentlich ist es nur Band Shepard, der mit wechselnden Begleitmusikern agiert.

    Uzi & Ari konnten bisher mit „Don’t Leave In Such A Hurry“ (2004) und „It Is Freezing Out“ (2006) zwei Alben verbuchen, derentwegen Vergleiche zu Thom Yorke, Mogwai, Radiohead und The Postal Service bemüht wurden.

    Uzi & Ari legen nun „Headworms“ vor, das genau so verhuscht und verträumt daherkommt, wie es das Plattencover vermuten lässt und, weil es so schön knistert, knirscht und knarzt, Assoziationen zu Island und der dortigen Musikszene weckt; seien es nun Múm, Sigur Rós oder die befreundeten The Album Leaf, an die man unweigerlich denken muss.

    Denn die Stücke auf dem neuen Album seines Projektes Uzi & Ari sind, so schön sie auch sein mögen, nun gar nicht hervorstechend melodiös und leicht zu durchdringen. Im Gegenteil: Er hat das letzte bisschen spielerische US-Indie-Tradition hinter sich gelassen und die neuen zehn Tracks gewissenhaft und detailversessen bis ins Letzte durchkomponiert. Vorbild war dabei ganz offensichtlich neben ambitionierten Landsleuten wie Album Leaf die isländische Schule der verstiegen-träumerischen Stimmungen um Sigur Rós.
    (intro.de)


    „Wolf Eggs“ MP3




    „Mountain/Molehill“ Video (aus: „It Is Freezing Out“; 2006)




    „Asleep In Armor“ Video (aus: „It Is Freezing Out“; 2006)
  • Los Campesinos! – We Are Beautiful, We Are Doomed

    Los Campesinos! – We Are Beautiful, We Are Doomed





    7 Tage - 7 Platten: Samstag

    Erneut das zweite Album einer Band. Das Besondere daran: Zwischen den beiden Veröffentlichungsterminen liegen nur wenige Monate und sowohl „Hold On Now, Youngster…“ als auch „We Are Beautiful, We Are Doomed“ bewirbt sich hier um den Titel „Album des Jahres 2008“.
    Überbordende Kreativität ist also nur ein Markenzeichen der Los Campesinos! und über alle weiteren hat Christoph bereits in seiner Vorstellung des Debüts geschwärmt, so dass ich hier gar nicht mehr viel hinzufügen muss. Die Band holtert und poltert erneut durch 10 schräge Indiepop-Nummern, dass es eine helle Freude ist, und man darf gespannt sein, welches Werk in der Endabrechnung weiter oben zu finden sein wird.

    Einen Toast auf die Krise der Musikindustrie! Gerade mal fünf Monate nach ihrem Debüt bringen Los Campesinos! das nächste Album raus - das hätte ihnen früher keine Plattenfirma durchgehen lassen. Eigentlich wollten sie bei Indieproduzentenlegende John Goodmanson (Sleater Kinney, Blonde Redhead) in Los Angeles nur eine EP aufnehmen, doch dann waren sie von den kompletten Aufnahmen so überzeugt, dass sie jede Marketingstrategie fahren ließen. Doch warum betont das Waliser Sextett noch mal extra, dass es sich bei den zehn Songs nicht um Abfallmaterial des Debüts handelt? Nicht nur Songtitel wie "You'll need those Fingers for crossing" und "Documented Minor emotional Breakdown # 1" sind der Poesie des Erstlings mindestens ebenbürtig. Wenn sie weiter so wunderbar hibbelige wie eingängige Lo-Fi-Hymnen vorlegen, dürfen sie gerne noch vor Weihnachten das dritte Album Veröffentlichen.
    (kulturnews.de)


    Da aus dem Album keine Singles ausgekoppelt werden, hier noch einmal etwas aus dem Vorgänger:




    “My Year In Lists” Video
  • Semifinalists - 2

    Semifinalists - 2




    7 Tage - 7 Platten: Freitag

    Ziemlich originell, sein zweites Album „2“ zu nennen.
    Wäre Adriana Alba früher, also vor Veröffentlichung des Albums, bei den Halbfinalisten ausgestiegen und würde sich die Zahl dann auf Ferry Gouw und Chris Steele-Nicholson, die beiden nun verbliebenen Bandmitglieder beziehen, hätte ich ja nichts gesagt...

    Ziemlich originell auch, sein Album mit 80er Jahre-Sounds vollzustopfen und zuzukleistern. Macht ja sonst keiner im Moment.
    Wäre vom schrägen und gleichzeitig charmanten Indiepop des ersten Albums der Semifinalists noch etwas übrig geblieben, hätte ich ja nichts gesagt...

    The latest band to join the hoards of eighties revivalists, London film-school lovelies Semifinalists have swapped the psychedelic shoegaze of their previous effort for sparkling synth-pop. Ever the experimentalists, opener ‘Our Body’ sees Ferry Gouw and co. coming over all lo-fi before unleashing a Smashing Pumpkins style freakout.
    ‘Odd Situation’ is the sound of Hot Chip slow dancing with the Pet Shop Boys, whilst ‘x Song’ sees Adriana Alba grabbing the mic for a return to their former Cocteau Twins meets Flaming Lips sublime whimsy. Occasionally ‘2’ delves into parts of the era of bubble perms and shoulder pads that are probably best forgotten, with ‘Last Pretending’s cringe-inducing synth stabs, but when it’s in the name of experimentalism, who cares?. Flying the flag for weirdos everywhere, Semifinalists are blissfully explorative, and the result is ace. ‘Makeout Club’ manages to simultaneously sound like the soundtrack to a low budget sci-fi series and be a swoon inducing love song. As gloriously mind boggling as ever.
    (Neu Magazine)




    „Odd Situation“ Video
  • Computerclub - Before The Walls Came Down

    Computerclub - Before The Walls Came Down




    7 Tage - 7 Platten: Donnerstag

    In meiner Kindheit stieß man beim schnell erledigten Zappen durch die Kanäle (es gab schließlich nur 3 Sender) immer wieder mal im WDR auf den Computerclub. Eine Sendung für Nerds und Freaks, die in meinen Augen so schrecklich war wie Schulfernsehen und von deren Inhalten ich rein gar nichts verstand: Heimcomputer, BTX, Computersprachen, Lallus, KOMCOM - für mich alles böhmische Dörfer.

    Nicht aus Böhmen, sondern aus Birmingham stammen die Herren Paul Hampton (Gesang, Gitarre), Jonathan Baker (Gitarre), Matthew Cross (Bass) und Richie Grinter (Schlagzeug), die sich Computerclub nennen und dieser Tage ihre erste Veröffentlichung in Europa vorlegen (es gab bereits im letzten Jahr ein Album, aber nur in Japan).
    „Before The Walls Came Down“ wurde in 9 Tagen in einem Studio in Bath eingespielt und von Paul Corkett (Radiohead, The Cure, Placebo) produziert. Soundmäßig orientieren sich Computerclub an New Wave (Echo And The Bunnymen, Joy Division) und heutigen Indierock-Ikonen (Editors, Interpol, Bloc Party), ohne jedoch als reine Plagiatoren dazustehen.

    Computerclub have come up with a UK debut that justifies the plaudits.
    (NME)

    Computerclub have developed, resulting in a debut that uses our testicles as a dancefloor.
    (The Fly)

    Their debut album is something spezial. Buy this album, it’s so great to come across a band with such depth and talent.
    (baconmusic.co.uk)





    „ Before The Walls Came Down“ Video




    „Electrons And Particles“ Video
  • Her Space Holiday - Xoxo, Panda And The New Kid Revival

    Her Space Holiday - Xoxo, Panda And The New Kid Revival





    7 Tage - 7 Platten: Mittwoch

    Seit mehr als 10 Jahren und über über 5 reguläre Alben (Japan-only-Veröffentlichung und Remix-Platte nicht mitgezählt) hinweg gibt uns Marc Bianchi als Her Space Holiday schon den deprimierten Klapprechner-Tüftler, der sein Trübsal in Indietronic- und Elektrogefrickel umsetzt und so zu verarbeiten sucht.
    Doch plötzlich werden die Computer aus dem Studio entfernt, Gitarre, Bass, Banjo, Mandoline, Glockenspiel und echtes Schlagzeug herangeschafft, mitunter sogar fröhliche Melodien ersonnen und dazu in die Hände geklatscht.

    Alles auf "XOXO, Panda And The New Kid Revival" klingt provisorisch, skizzenhaft, leicht neben der Spur. Das Banjo klimpert, das Schlagzeug scheppert, die Gitarre schrammelt - und Bianchi nörgelt bisweilen so schnoddrig wie der junge Dylan. Scheint Spaß gemacht zu haben. Egal, ob dieser plötzliche Ausbruch von Lebensfreude nun ein kurzer Urlaub von der schweren Introspektion ist oder ein kompletter Richtungswechsel: Ein lohnendes Album ist es auf jeden Fall - wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen.
    (intro.de)





    „The New Kid Revival“ Video




    „The Telescope“ Video

    „The Boys And Girls“ MP3
  • No And The Maybes - No And The Maybes

    No And The Maybes - No And The Maybes





    7 Tage - 7 Platten: Dienstag

    Möglicherweise ist da ein Bandnamen Generator am Werk, denn nach Noah And The Whale und Margot & The Nuclear So And So’s kommen nun No And The Maybes.

    Troels Tarp, Anders Wiedemann und Mikkel Bagge Lange schreiben zusammen die Lieder, spielen sie ein und übernehmen auch gemeinsam die Gesangsparts. Da wären wir auch schon beim besonderen Charakteristikum der Band: mehrstimmiger Gesang, gerne auch mal versetzt oder als hintergründiger Chor. Hinzu kommen eingängige Melodien und Anleihen beim psychedelischen 60ies Pop, 80er Jahre Sounds und typischer Indiepop (man höre bzw. sehe nur das Xylophon auf dem Plattencover). Wollte man diesen Einflüssen jeweils Referenz-Bands zuordnen, so wären The Beatles und The Beach Boys, Aztec Camera und XTC, sowie Simian und Olivia Tremor Control zu nennen.

    Die Vorstellung des selbstbetitelten Debütalbums dieses dänischen Trios möchte ich unbedingt als Hörempfehlung verstanden wissen.

    Just take a listen to first single ‘Petra Petrified’ which elegantly sums up their musical universe consisting of 1960s pop complete with uh-la-la-la choir, 1980s synths, a great melody and - in this particular case - a theme revisiting French duo Air’s smash-hit ‘Sexy Boy’ from their 1998 debut full length ‘Moon Safari’.
    In an interview with Danish magazine Musikeren (“the Musician”) Mikkel Bagge Lange revealed that the trio work with a concept they call “the sparrow” - that little something in the songs which will catch your attention, e.g. hand claps, finger snaps, a choir arrangement and/or surprising instrumentation.
    Whatever it may be, I strongly suggest you pay some attention to No And The Maybes. They will cater both the inner pop-child looking for a quick fix and the curious looking to be challenged.
    (allscandinavian.com)





    „Monday“ Video
  • +/- (Plus/Minus) - Xs On Your Eyes

    +/- (Plus/Minus) - Xs On Your Eyes




    Das Jahr neigt sich dem Ende zu, also schnell noch einmal:

    7 Tage - 7 Platten: Montag

    Da müsste doch was gehen mit den drei Jungs aus Brooklyn: Gitarren treffen elektronische Elemente treffen wunderbare Melodien treffen warme Gesangsharmonien treffen ungewöhnliche Songstrukturen. Wäre da bloß nicht dieser blöde Bandname! Blöd zu googeln, blöd auf einem T-Shirt aussehend und blöd zu schreiben. Was denn nun: +/- oder Plus/Minus oder gibt es etwa noch eine Variante?
    Gut, dass sich über die Qualität ihres vierten Albums nicht lamentieren lässt: „Xs On Your Eyes“ müsste jedem Death Cab For Cutie-Fan die Tränen in die Augen treiben, denn so hätte es dort nach „Transatlanticism“ auch weitergehen können! Man staune, wenn durch das ruhige und erhabene „Tired Eyes“ plötzlich ein Schlagzeug- und Gitarrengewitter zuckt, man höre „Snowblind“ und erfreue sich an einem stetig wachsenden Song, wie er nicht näher an The Postal Service sein könnte und man lese noch noch mehr lobende Worte:

    "...schlicht brilliant, irrsinnig komplex und dabei wunderschön. (...) Wo der Vorgänger durch virtuos zusamnmengeschraubte Elektronik-Texturen führte, die man wohl niemals in ihrer Gänze begreifen wird, kommen sie jetzt direkter, unverfälschter und unmittelbarer daher. (...) Mehr als je zuvor stehen die Songs im Mittelpunkt, und die sind - zumindest für jeden, der melancholische Melodien reiner Güte mag - einfach perfekt. Damit ist ihnen ein seltener Balanceakt gelungen, denn obwohl sie immer noch Lichtjahre davon entfernt sind, eine schnöde Indiepop-Band zu sein, dürfte das neue Album besser, schneller und unmittelbarer in Hirn und Herz kleben bleiben."
    (Visions)





    „Snowblind“ Video
  • The Killers - Day & Age

    The Killers - Day & Age




    Wer hätte gedacht, dass eine Band noch tiefer im 80er Jahre-Sumpf versinken könnte als Keane auf „Perfect Symmetry“?
    The Killers machen es mit Hilfe von Stuart Price (Madonna, Seal, Keane), der sich als Thin White Duke für den Remix von „Mr Brightside“ auszeichnete, vor. Selbst nennen sie Elton John, David Bowie und Lou Reed als Einflüsse, dabei klingt das Ganze letztendlich eher nach Bryan Ferry („Losing Touch“), den Pet Shop Boys im Euro-Disco-Gewand („Human“), einem billigen New Order-Abklatsch („Spaceman“), einer „Club Tropicana“-Remineszens (Wham!) in „Joy Ride“ und so weiter und so fort. Ich brauche hier gar nicht weiter die einzelnen Songs des Albums durchzugehen und die mitunter schrecklichen Quellen zu benennen, fest steht, dass The Killers bereits für den mehrmaligen (!) Gebrauch eines Saxophons (!!) hinter Gitter gehören.

    Die Kritiker stehen „Day & Age“ durchaus positiv gegenüber:

    With neither the sugar rush of Hot Fuss nor the blustery thrills of Sam's Town, this is the Killers' most beguilingly strange record. As an accurate reflection of its frontman, it succeeds handsomely.
    (guardianc.o.uk)

    But when they strip down the wordy solemnity, the Killers can deliver quite a spectacle. They remain fascinated by heartland mythos, but by becoming more comfortable with their glitzy roots, they've actually found the pulse of something more authentic. After all, you can't take the Vegas out of the showmen.
    (Spin)

    Like their hometown of Las Vegas, the Killers have a flair for anything supersize, sparkly and over-the-top: soaring synth-pop operas, multipart arena-rock anthems, "Bohemian Rhapsody"-style choirs. So it makes sense that, after 2006's massively ambitious Sam's Town, their third studio album expands their scope even further, adding subtle world-music accents to their glittery New Wave anthems — fitting for a band bent on international megastardom.
    (Rolling Stone)


    Neben den regulären 10 Songs des Albums muss sich der gewillte Fan noch auf die Suche nach den diversen Bonus-Tracks („A Crippling Blow“, „Forget About What I Said“ und „Tidalwave“) begeben.
    Für das Artwork des Albums und der Singles zeichnet sich der Künstler Paul Normansell verantwortlich und wer kein Photoshop besitzt, kann sich mit dem Online-Cover-Creator sein eigenes individuelles Cover erstellen.




    „Human“ Live At Later... With Jools Holland; Video


    The Killers in Deutschland:

    13.03.09 Düsseldorf, Phillipshalle
    14.03.09 Berlin, Max Schmeling Halle
    16.03.09 München, Zenith
  • Snow Patrol - A Hundred Million Suns

    Snow Patrol - A Hundred Million Suns





    Coldplay, nehmt dies! U2, nehmt das! SWR3-Hörer, zieht euch warm an, denn hier kommt das neue Snow Patrol Album!

    Für „A Hundred Million Suns“ hat das Quintett um Sänger Gary Lightbody nicht nur hundert Millionen Papiersonnen für ihr Cover gebastelt, sondern (wie auch schon Travis, Keane und Tiger Lou) ein Studio in Berlin gebucht und Garret „Jacknife“ Lee (Bloc Party, U2, R.E.M.) als Produzenten gewinnen können.
    Die Band spielt immer noch Breitwandrock, der sich im Stadion oder großen Hallen (zur Not auch in TV-Serien) am wohlsten fühlt, verzichtet jedoch zugunsten der Homogenität des Albums auf so herausragende Singles wie „Chasing Cars“ oder „Run“. Mit dem dreiteiligen, 16minütigen „The Lightning Strike“ wird „A Hundred Million Suns“ nicht gerade massenkompatibel abgeschlossen. Warum aber 3 Einzeltitel zu solch einem Koloss zusammengekleistert werden mussten, konnte sich mir bisher nicht erschließen. Vielleicht sind die Fünf auch etwas überambitioniert an den Nachfolger des überaus erfolgreichen „Eyes Open“ heran gegangen, so schimmern hier zum Beispiel gelegentlich die Einflüsse von Elbow („Lifeboats“) durch, die soeben in England mit dem Mercury Prize ausgezeichnet wurden.
    Gelungen sind das Hinzufügen neuer Elemente in den Sound von Snow Patrol, in Form von elektronische Einsprengsel und Rhythmen („The Planets Bend Between Us“, „Set Down Your Glass“, „The Golden Floor“).

    Die limitierte Version des Albums liegt in schöner Buchform vor, der eine zusätzliche DVD hinzugefügt ist.

    Auf "A Hundred Million Suns" pendeln Snow Patrol abermals beständig zwischen aufrichtig gemeintem Indiepop und Feuerzeugballade. Sie begeben sich bei diesem Spagat jedoch häufig auf gefährlich dünnes Eis und riskieren wie bei "Lifeboats" oder "The Golden Floor", ihre Songs mit einer Lawine aus Kitsch und Pathos zu überfrachten. Die Band steht also mit zehn Beinen samt Moonboots immer noch fest im Mainstream. In diesen Breiten müssen sie sich vor der Konkurrenz keineswegs verstecken.
    Wenn dieses Album auch nicht gerade die Strahlkraft multipler Sonnen besitzt, ist es doch ein kleiner Lichtblick. Gerade jetzt, wenn die Tage wieder kürzer und dunkler werden. Wer sich am letzten Album des Fünfers erwärmen konnte, wird auch an "A Hundred Million Suns" Gefallen finden.
    (laut.de)





    „Take Back The City“ Live At Later... with Jools Holland; Video

    „Crack The Shutters“ Video
  • Tiger Lou - A Partial Print

    Tiger Lou - A Partial Print




    Heute einmal einen „familiären Doppelpack“:

    Auch mit seinem dritten Album versucht sich der Schwede Karl Rasmus Kellermann wieder bei Platten vor Gericht: Nach „Is My Head Still On?“ (2004; Notenschnitt 7,5) und „The Loyal“ (2005; 7,0) schickt Tiger Lou nun „A Partial Print“ ins Rennen, das noch deutlich düsterer und melancholischer als seine beiden Vorgänger geriet. Das mag möglicherweise daran liegen, dass Karl Kellermann für mehrere Monate ins winterliche Berlin zog, wo das Album komplett entstand.
    Dem Album, liegt in seiner limitierten Form eine Bonus-CD mit Remix-Versionen der 10 Titel bei.

    Statt auf das hinreichend kopierte Interpol'sche Rezept (Joy Division plus New Wave plus Indie) zu setzen, bedient sich die Ein-Mann-Kapelle Tiger Lou eher beim Alternative Rock und packt reichlich Emotionales in die Gesangesspur. In Zeiten der dogmatischen Ambivalenz - alles ist zum Lachen und zum Heulen - liegt Kellermans Musik erst einmal schwer im Magen, weil die Richtung zu eindeutig ist. Statt Ironie lieber Kirchenorgel ("Odessa"), statt schwedischem Pisten-Rock à la The Hives, dann doch eher Geige ("A Partial Print"), statt The-Cure-Zitat dann doch lieber düsteres Elektrogefrickel ("So Demure"). (...)
    Doch die Crux an den elf Songs ist, dass der Funke des Schwermuts nicht überspringen will, sondern schnell verpufft. Vielleicht wäre das Interpol'sche Rezept dann doch besser gewesen.
    (motor.de)





    „Coalitions (Demo)“ Video

    „Crushed By A Crowd“ MP3


    Tiger Lou zusammen mit Firefox AK auf Deutschland-Tour:

    03.12.03 Hamburg, Übel & Gefährlich
    04.12.08 Berlin, Festsaal Kreuzberg
    05.12.08 Bielefeld, Forum
    06.12.08 Köln, Werkstatt
    07.12.08 Regensburg, Heimat
    08.12.08 Stuttgart, Schoken
    09.12.08 München, Ampere
    12.12.08 Wiesbaden, Schlachthof
    13.12.08 Magdeburg, Projekt 7


    Vielleicht spielen sie zusammen dann auch „The Draft“:



    „The Draft“ Video (Firefox AK feat. Tiger Lou)
  • Firefox AK - If I Were A Melody

    Firefox AK - If I Were A Melody




    Auch Andrea Kellermann, die Frau von Tiger Lou-Kopf Karl Kellermann, zog ihre Inspiration für das zweite Album ihres musikalischen Projektes Firefox AK aus dem gemeinsamen Berlin-Aufenthalt, in dem sie nach eigenem Bekunden sehr viel deutsche elektronische Musik hörte. Zudem konnten für Mix und Produktion Matt Didemus (Junior Boys) und Viktor Ginner gewonnen werden. Auch Ehemann Karl war wieder für ein Duett bereit: Der Song „Winter Rose“ wurde als erste Single ausgekoppelt.




    „Winter Rose“ Video


    If I Were A Melody“ bietet eine Mischung aus schwedischem Pop und deutschem Elektro, der durch Andrea Kellermanns Stimme eine menschliche(re) Note erhält.

    "If I were a melody" again proves that Andrea Kellerman has a unique knack for electronic music: bridging the gap between the dancefloor bound compositions and the more contemplative creations by acts such as The Radio Dept. and Junior Boys. "The river" is one of the finest tracks Firefox AK has ever produced, and first single "Winter rose", with husband and consistent collaborator Rasmus Kellerman, demonstrates the range of this album, focusing the synth-driven craftsmanship into a more popular vein. An extremely consistent artist, you probably didn't need too much reassurance that Firefox AK's newest effort was worth a small investment - but, in case you did: "If I were a melody" is a fine album.
    (it’s a trap)

    Ob Frau Kellermann wohl weiß, dass sie auf ihrem Coverfoto (annähernd) die deutsche Gebärde für "Elefant" ausführt?




    „Once I Was Like You“ Video
  • Anna Ternheim - Leaving On A Mayday

    Anna Ternheim - Leaving On A Mayday




    Welch ein Post-Tag gestern! Nicht nur ein Brief aus Japan, der die neue Belle & Sebastian brachte (das klingt so unglaublich eklig versnobbt), sondern auch von Bengans aus Göteborg. Die neue Anna Ternheim in der limitierten Version mit zweiter CD.

    Bei der jungen schwedischen Singer/Songwriterin war ich nie objektiv. Daher ist ein wenig fraglich, ob ich zu einer Plattenkritik tauge (nein, eigentlich ist es nicht fraglich, ich bin ungeeignet). Auf der anderen Seite möchte ich zu gerne, daß Leaving on a mayday hier schnellstmöglich wahrgenommen wird.

    Meine Objektiv bei Anna Ternheim verlor ich nach und nach. Ihre beiden ersten Alben liebe ich abgöttisch. Sie dann live beim Spielen ihrer Lieder zu erleben, war eindrucksvoll. Die Intensität, mit der sie ihr wichtige Stücke wie Trinbute to Linn oder My secret singt, ist atemberaubend. Oliver und ich hatten dann noch das Glück, die Schwedin interviewen zu können. Sie sang uns dabei Wind of change vor... So viel zu meiner verlorenen Subjektivität.

    Annas erste beiden Platten gab es in limitierter Version jeweils mit einer zweiten CD, die die sogenannten Naked versions der meisten Lieder enthielt. Als ich las, daß es Leaving in a mayday zwar mit Bonus CD geben sollte, die aber nur Sinatra Cover enthält, war ich enttäuscht. Bekanntlich ist Sinatra im Gegensatz zu Dean Martin etwa ein vollkommen überschätzter Sänger.

    Um es kurz zu machen: Leaving on a mayday ist alles andere als eine Enttäuschung. Es ist nicht das übertrieben popige Album, daß man vielleicht hätte befürchten können. Nach ihrem letzten Album wollte Anna Ternheim etwas Neues ausprobieren. Sie suchte sich Björn Yttling von Peter, Björn and John als Produzenten. Das erste Gespräch über Leaving on a maybay endete darin, daß Björn Anna auftrug: "Listen to Nina Simone, Bob Marley and Cornelis Vreeswijk. Be inspired, and call me in six months!"

    Für mich klingt Leaving on a mayday aber vor allem nach Anna Ternheim. Das in den USA aufgenommene Album ist angenehm unbombastisch produziert, ohne so wie ihre Naked versions zu klingen. Streicher oder zusätzliche Stimmen sind meist vorhanden, untermalen aber im Hintergrund das wichtigste an dieser CD, die Stimme der Sängerin.

    Unter den zehn Liedern ist kein Ausfall. Highlights nach den ersten Hördurchgängen sind für mich Let it rain, Terrified, Damaged ones. Am wenigsten kann ich zur Zeit mit Losing you anfangen, da fehlt mir das Düstere in Annas Musik.

    Und dann ist da noch diese Bonus CD "Anna Ternheim sings Sinatra"... Eigentlich hatte ich keine große Lust, mir die anzuhören. Aber schon New York, New York belehrte mich eines Besseren. Was Anna aus den fünf Swing-Klassikern macht, ist fabelhaft! Wie ein paar gezielte Molltöne aus abgenudelten Evergreens spannende Lieder machen können. Wow, wow, wow! Wer also Leaving on a mayday kaufen möchte, sollte ganz dringend die limitierte Version bestellen. Da kommt aber auch ein kleines Problem. Veröffentlichungstermin in Deutschland ist wohl Februar 09.
  • Maximilian Hecker - One Day

    Maximilian Hecker - One Day




    Ich mache Musik, da ich, um emotional zu überlegen, den Kanal zu meiner Seele mithilfe von Musik entblocken muss, um schließlich in der Lage zu sein, meine tiefste Sehnsucht auszudrücken. Eine Sehnsucht nach Körperlosigkeit, eine Sehnsucht nach einem wesenlosen Unendlichen, eine Sehnsucht nach Wiedervereinigung mit einer verlorenen Ganzheit.
    (Maximilian Hecker)


    Ich weiß nicht, wie "groß" Maximilian Hecker in Asien ist. Sieht man aber auf YouTube Videos von kleinen kreischenden asiatischen Teenagern, die versuchen ihn zu berühren oder sein verschwitztes Handtuch zu ergattern, weiß man, dass seine Songs in TV-Spots genutzt werden und berücksichtigt man die Tatsache, dass sein neues Album erst einmal nur im asiatischen Raum veröffentlicht wird, so scheint sein Bekanntheitsgrad dort um einiges höher zu sein als Hierzulande.
    Dabei hätten seine emotionalen und melancholischen Pophymnen, denn genau die bietet uns „One Day“ wieder einmal, durchaus mehr Erfolg auch in seinem Heimatland verdient. Damit steht er natürlich in einer langen Reihe mit Monta, Roman Fischer, The Marble Man usw.
    „One Day“, dessen Veröffentlichung in Deutschland erst für 2009 geplant ist, erscheint mit einer zusätzlichen CD mit 12 unveröffentlichten Titeln oder Songs in Demo-Versionen.

    Da es noch kein neues Video von Maximilian Hecker gibt - „Summerwaste“ scheint sich hier anzubieten, da es den einzigen etwas schnellere neuen Song darstellt - ist hier ein Streifzug durch seine bisheriges Schaffen:




    „Silly Lilly, Funny Bunny“ (2006) Video




    „Help Me“ (2004) Video




    „Fool“ (2003) Video




    „Infinite Love Song“ (2001) Video
  • Margot & The Nuclear So And So’s - Animal! / Not Animal

    Margot & The Nuclear So And So’s - Animal! / Not Animal







    Es gibt sie noch: Wunderbare Videoclips, die es sich lohnt anzusehen. Allein für den tollen Clip zu „As Tall As Cliffs“, in dem dargestellt wird, wie George W. Bush am 19. Januar 2009 seinen letzten Abend als Präsident begehen wird, haben es Margot & The Nuclear So And So’s verdient hier vorgestellt zu werden.
    Für den Bandnamen sowieso.




    „As Tall As Cliffs“ Video


    Margot & The Nuclear So And So’s sind ein Musikerkollektiv aus Indianapolis, Indiana, dass sich um Richard Edwards und Andy Fry gruppiert. Die Musik der derzeit acht Margots wird als „Chamber Pop“ oder „moderner Barock-Pop“ beschrieben, so dass in Vergleichen oft die Namen The Arcade Fire, The Decemberists, Bright Eyes und The Flaming Lips fallen.
    Zwischen der Band und ihrer neuen Plattenfirma kam es bezüglich der Tracklist des neuen Albums zu Dissonanzen, so dass nun zeitgleich „Animal!“ und „Not Animal“ veröffentlicht werden. „Animal!“ erscheint als Download und Vinyl-Version und stellt die Auswahl der Band dar, „Not Animal“ (CD, Vinyl, Download) berücksichtigt die Wünsche der Plattenfirma nach einer kommerzielleren Ausrichtung. Beide Alben überschneiden sich nur in 5 der 12 Titel und nun darf jeder für sich entscheiden, welche Platte besser gefällt...


    Thier major label debut is drenched in the same warm sonic haze and bizarro imagery as Flaming Lips, but any weirdness comes in the service of the songs.
    (Spin)

    Not Animal gets better as it progresses--the sparser, melancholic songs are pushed to the front, leaving the band's energetic material to bring up the rear--and Margot's sophomore album subsequently concludes on a high note, effectively masking any sour taste left by the band's battle with Epic Records.
    (All Music Guide)


    Hier kann man 4 Songs der „Daytrotter Session EP“ legal herunterladen.
  • The Cure - 4:13 Dream

    The Cure - 4:13 Dream




    Ist es das schlechteste Cure-Album?
    (Axel)




    „The Only One“ Video


    The Cure werden demnächst mit dem Godlike Genius Award des NME ausgezeichnet werden. Grundlage dafür können nur ihre Verdienste der letzten 30 (!) Jahre gewesen sein und nicht ihr neues Studioalbum.
    Eigentlich war die ursprüngliche Idee, am 13. jeden Monats eine Single zu veröffentlichen, bevor dann am 13.09. das dreizehnte Album in den Läden stehen sollte, vielversprechend. Jedoch erwiesen sich diese Songs als recht nette Popsongs („The Only One“, „The Perfect Boy“) mit nur geringem Wiedererkennungswert, als Resteverwertung („Sleep When I’m Dead“ stammt noch aus „The Head On The Door“-Zeiten) oder als totaler Fehlgriff. So dürfte „Freakshow“ locker „Hot Hot Hot!!!“ als schrecklichste Cure-Single abgelöst haben.




    „Freakshow“ Video


    Dann wurde das Album, ursprünglich als Doppelalbum angekündigt, nicht rechtzeitig fertig, mehrfach verschoben und eine EP mit Remixen schrecklicher US-NuRock-Bands veröffentlicht, die es mit dem Schlimmsten aufnehmen kann, was Robert Smith & Co. ihren Fans je angetan haben: „Mixed Up“.
    4:13 Dream“ stand also unter keinem besonders guten Stern und auch das Endprodukt kann kaum überzeugen: Da hilft es auch nichts, dass der Opener „Underneath The Stars“ wie ein Mix aus den ersten Titeln von „Disintegration“ klingt, denn was danach kommt ist mit wenigen Ausnahmen ("The Hungry Ghost" oder "This. Here And Now. With You") erschreckend schwach, sowohl hinsichtlich des Songwritings als auch der Produktion.
    Auch der kommerzielle Erfolg hält sich bisher in Grenzen: Landeten die beiden Vorgänger „Bloodflowers“ (2000) und „The Cure“ (2004) in den meisten Ländern noch locker in den Top Ten, so sind für „4:13 Dream“ bisher nur Plätze rund um die 20er notiert.




    „Sleep When I’m Dead“ Video

    Auch wenn die Band erneut auf eine rohe Produktion setzt und leider nicht zu flächigeren Sounds und mehr Keyboards zurückkehrt, klingen die neuen Songs vergleichsweise optimistisch und wagen wieder mehr Pop. Zwar fallen die restlichen Stücke in Sachen Eingängigkeit hinter den Singles zurück, doch immerhin gibt es den herzerweichend romantischen "Sirensong", den schwerfälligen Ohrwurm "This. Here and now. With you" und mit "Underneath the Stars" wunderbar ausuferndern Psychedelic Pop. Langweilig wird's immer dann, wenn sie es wie bei "Switch" und "Freakshow" krachiger angehen lassen. Smith beendet das Album mit dem Postpunksong "It's over" und der Textzeile "I can't do this anymore". Stimmt hoffentlich nicht, schließlich geht es mit The Cure gerade wieder steil aufwärts.
    (kulturnews)





    „The Perfect Boy“ Video
  • Of Montreal - Skeletal Lamping

    Of Montreal - Skeletal Lamping

    cover

    Das letzte Album der Band stieß im letzten Jahr nur auf eingeschränktes Interesse der PvG-Genossen. Eike war schon vor Wochen begeistert vom Nachfolger "Skeletal Lamping", daher sollte dieser hier nicht fehlen.

    Of Montreal stammt aus dem Umfeld des Elephant 6-Kollektivs. Damit stehen sie Bands wie Neutral Milk Hotel, Ladybug Transistor, Elf Power und Apples in Stereo nahe. "Skeletal Lamping" ist das neunte Album der Band um Kevin Barnes bzw. um dessen alter ego Georgie Fruit.

    Schallplatten erleben bekanntermaßen seit einiger Zeit eine gewisse Renaissance. Dieses Album hilft dabei, sich an ein Phänomen der Vinylzeit zu erinnern: Man überlegt ständig, ob gerade die Platte "gesprungen" ist, weil Of Montreal wieder einen irrwitzigen Break in einen Song eingebaut haben.

    Music OMH vergleicht das mit dynamischem TV-Konsum:

    Skeletal Lamping flicks across channels like a man with an itchy trigger finger who trigger finger is actually itchy, but it excels in making a brilliant kind of sense. Kevin Barnes' voice stands out clear throughout, and it is one of a man who might well be the brightest musician of his generation. Of Montreal demand your attention, so don't switch the channel.

    Während die musikalische "Dynamik" dieses Albums spannend bis anstrengend ist, treiben die hohen Stimme es z. T. bis an die Belastungsgrenze. Manchmal fühlt man sich an die Scissor Sisters erinnert, aber Dank der  Sprunghaftigkeit werden diese Passagen natürlich auch immer wieder unterbrochen.

    Weitere Referenzen liefert Spex:

    Mit dem Operner »Nonpareil Of Flavor« streifen Of Montreal so ziemlich die letzten Gitarrenrockreste ab. Sie suhlen sich fortan in einer Art Bubbleglam-Technopop und in Abbey-Road-Sleaziness, zwischen Darkness und Erasure, Beatles, Parliament und Rufus Wainwright.

    Man könnte auch Moby und die Talking Heads bzw. den Tom Tom Club mal wieder bemühen. Oder eine explodierte Sammlung alter Musikkassetten, deren Schnipsel notdürftig und wahllos aneinandergereiht wurden.

    Das Video zu "ID engagaer":

  • Yeasayer - All Hour Cymbals

    Yeasayer - All Hour Cymbals




    In der aktuellen intro müssen wohl noch ein paar Seiten frei gewesen sein, denn unter der Überschrift „Das Hippie-Comeback“ wird ein nicht mehr ganz frisches Thema aufgegriffen und Bands von damals (Cream, The Byrds, Creedence Clearwater Revival u.a.) und heute (Fleet Foxes, MGMT, Yeasayer u.a.) werden gegenübergestellt.
    Dabei fiel mir auf, dass mit „All Hour Cymbals“ ein erwähnenswertes Album hier nicht nur letztes Jahr einfach übersehen wurde (denn es wurde bereits am 23.10.2007 in den USA und kurze Zeit später in Europa veröffentlicht), sondern dass ich die Yeasayer auch bei meiner Haldern-Runde schlicht vergessen hatte. Es ist also höchste Zeit diesen Fehler zu beheben:




    „2080“ Later with Jools Holland Video; MP3


    Chris Keating (Gesang, keyboards) und Anand Wilder (Gitarre, Gesang) zogen von Baltimore nach New York, wo sie gemeinsam mit Ira Wolf Tuton (Bass) und Luke Fasano (Schlagzeug) die Band Yeasayer gründeten. Über ihr MySpace-Profil, diverse Blogs und ihren Auftritt beim SXSW Festival erlangten sie erste Aufmerksamkeit. Sie selbst beschreiben die Musik ihres Debüts als „Middle-Eastern-Psych-Pop-Snap-Gospel“, was die Sache schon ziemlich genau trifft, denn zu ihrer Mischung aus Rock und psycheldelischem Pop gesellen sich hier in Form von mehrstimmigen Gesängen und Ethnobeats Anleihen von Folk und Weltmusik, ebenso wie Einschläge von Elektro und 80ies Sounds durch den Einsatz von Keyboards. Der Musikexpress versuchte diesem kunterbunten Gemisch mit Hilfe zahlreicher Referrenzen Herr zu werden:

    Was Yeasayer darauf machen, müsste man Weltmusik nennen, wenn dieser Begriff in Bescheidwisserkreisen nicht so furchtbar diskreditiert wäre. Der Sound der Brooklyner Visionäre speist sich aus allen Kontinenten dieser Erde, gerät manchmal aufs Terrain afrikanischer Stammesgesänge und lässt keine Berührungsängste mit unterschiedlichsten Musiktraditionen zu. Darunter liegen Bässe und Drums wie direkt aus dem New Wave, darüber säuselnde Stimmen aus der Ära Boston, ELO, 10cc. Midlake sind ähnlich mit solchen Verweisen umgegangen, TV On The Radio, M.I.A. und Beirut pflegen einen vergleichbaren Zugang zu den Musikkulturen dieser Welt. Yeasayer nennen nicht nur Leonard Cohen als bedeutenden Einfluss, sondern auch Phil Collins (man vergleiche "Sunrise" und "In The Air Tonight"!), Cindy Lauper und Prince. All das macht Sinn, so bald man sich auf die seltsam elektrisierende Musik von Yeasayer eingelassen hat, die ganz zeit- und ortlos ist und doch so trefflich von der Welt und unserer Zeit erzählt wie weniges sonst.
    (Musikexpress)





    „Sunrise“ Later with Jools Holland Video; MP3
  • Die 10 besten Songs bei Dirks Wohnzimmerkonzerten

    10. Missingcat – Don’t let her (19.03.2016)
    9. Woodpigeon – Canada (14.06.2015)
    8. The Indelicates – I am Koresh (12.07.2014)
    7. Enno Bunger – Regen (20.10.2014)
    6. The Lake Poets – North view (08.04.2017)
    5. Jonah Matranga – Bitte ein Kuss (08.10.2015)
    4. Dirk Darmstaedter – Pop guitars (14.05.2016)
    3. Pelle Carlberg – Pamplona (24.03.2014)
    2. Loch Lomond – Violins and tea (17.03.2018)
    1. Jonah Matranga - Deafening (19.06.2014)

    (ausgewählt von Ingo)