Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Glen Hansard - Didn't He Ramble

    Glen Hansard - Didn't He Ramble

























    So, jetzt brauchen wir dieses Jahr nur noch ein Album von The Swell Season und die Glen Hansard-Trilogie ist perfekt.

    Im Sommer erschien zum 25-jährigen Jubiläum seiner Band The Frames mit "Longitude" das erste Album nach jahrelanger Ruhepause. Dass es sich dabei jedoch eher um eine Entdeckungsreise für Neueinsteiger handelte, die nur einen neuen Song ("Non But I") beinhaltete, dürften Fans der irischen Band insofern verschmerzen, da alle übrigen älteren Song in neuen Versionen dargeboten wurden, die teilweise deutlich vom Original abweichen ("God Bless Mom").

    Außerdem können sie sich nun über Glen Hansards zweites Soloalbum nach "Rhythm And Reponse" (2012) freuen. Der Singer/Songwriter zeigt sich auf den zehn Songs sehr abwechslungsreich: neben der gefühlvollen Streicher-Ballade ("Grace Beneath The Pines"), gibt es irischen Folk mit Fiddle-Einlage ("McCormack's Wall"), groovenden Rock mit Bläser-Einsatz ("Lowly Deserter") und den eher schlicht gehaltenen Singer/Songwriter-Titel irgendwo zwischen Dylan und Springsteen ("Paying My Way", "My Little Ruin"). 
    "Didn't He Ramble", das leider den Titelsong missen lässt, wurde von Thomas Bartlett (The National, Sufjan Stevens) und David Odlum (Paloma Faith, Tinariwen) produziert und erfreut sich der Mitarbeit von John Sheahan (The Dubliners), Sam Beam (Iron And Wine) und Sam Amidon.




    Dass Glen Hansard ein Meister des gefühlvollen Breitwand-Folk ist, sollte dem Mainstream-Publikum spätestens seit der Oscar-Auszeichnung für seinen Song »Falling Slowly« aus John Carneys Film »Once« bekannt sein. Mit seinem zweiten Soloalbum unterstreicht er diese Ausrichtung nun abermals: »Didn’t He Ramble« ist eine zutiefst optimistische LP – nicht naiv optimistisch, eher durchzogen von einem plakativen Gefühl der Hoffnung, das sehr ehrlich Hansards innerer Überzeugung zu entstammen scheint.
    Zum Glück erliegt der Ex-Frames-Frontmann und Swell-Season-Kollaborateur nur in Ausnahmefällen (»Her Mercy«) der Versuchung, seine Songs in ein großes, opulentes Orchester-Gewand zu hüllen. Seine stärksten Momente hat er nämlich eindeutig nicht dann, wenn ganz groß aufgefahren wird, sondern wenn ruhig und zurückgenommen Hansards Stimme im Vordergrund steht. So wie im Schlussstück »Stay The Road«, das nur mit Gitarre und Gesang alles, wofür dieses Album steht, auf den Punkt bringt und sich letztlich in dieser einen Zeile verdichtet: »Tired eyes, look up and see.« Genau so sollte man es angehen.
    (intro)




    Didn't He Ramble shimmers, saunters and charms; Hansard has never sounded so good. (Exclaim)

    Ultimately, though, regardless of whether Hansard is cribbing moves from his own country's heritage, or from one of the biggest rock stars in American history, he manages to make it all his own thanks to the quality of his songwriting and the passion behind his performances. (Absolute Punk)

    Production by longtime collaborator Thomas Bartlett and ex-Frames member David Odlum is inviting, alluring and engaging. It pushes Hansard into his finest performances yet on originals that are haunting, poignant and beautifully conceived. (American Songwriter)


    Glen Hansard in Deutschland:

    07.10.15 Hamburg, Docks
    08.10.15 Berlin, Admiralpalast
    10.10.15 Leipzig, Täubchenthal
    12.10.15 Köln, Live Music Hall
    19.10.15 München, Kesselhaus


  • Editors - In dream

    Editors - In dream






















    Neulich auf Volkers Couch beim Anhören des neuen Editors Albums. Drei Richter - Track-by-track (P)Review des neuen Editors Albums "In dream". 

    1. No harm

    Ingo: Sehr elektronischer Start. Düster.

    Oliver: Der Anfang gefällt mir sehr gut. Sehr atmosphärisch.

    Dirk: Aber warum muss ein Mann mit solch einem Bariton nun ständig im Falsett / mit Kopfstimme singen?

    Oliver: Die Frage wollte ich auch gerade stellen.

    Ingo: Hätte so auch auf “In this light and on this evening” gepasst.

    Oliver: Aber schön, wie sich der Song aufbaut.

    Ingo: Hoffentlich kommt da noch was. Ui, Gitarre. (nach 4 Minuten)

    Oliver: Mehr muss da gar nicht kommen. Top Opener.

    Ingo: Naja, tut keinem weh.

    Dirk: Als getragener erster Song gut platziert.





    2. Ocean of light

    Ingo: Verheißungsvoll.

    Dirk: Der erste Song mit Rachel Goswell von Slowdive. Warum muss sie so dezent beim Refrain im Hintergrund singen?

    Ingo: Tolles Piano. So nach 2 Minuten.

    Oliver: Wieder ein Song, der sich Stück für Stück aufbaut.

    Dirk: Und ab Minute 2 auch endlich Bass und Gitarre. Wenn auch kein Post-Rock.

    Ingo: Ich glaube den möchte ich live hören. Könnte live gut funktionieren und ein “Klassiker” werden.

    Oliver: Mit Rachel. Die möchte ich live sehen.

    Dirk: Richtig guter Song.


    3. Forgiveness

    Ingo: Gitarre und Bass. Schön mal so zur Abwechslung.

    Dirk: Der Refrain kann leider nichts. Und ich höre so “We Will Rock You”-Mitklatsch-Rhythmen.

    Oliver: Ja, das ist leider so ein wenig 08/15-Rock. Hätte auch auf eine der letzten Marillion-Platten gepasst. Warte… Die mochte ich doch...

    Ingo: Ich glaube den Lyrics widme ich noch ein paar Durchläufe. “The flag in your hand don’t make you American..”

    Dirk: Da freut man sich über Gitarre und Bass und dann so etwas...

    Ingo: ;-) Stimmt.


    4. Salvation

    Dirk: Mit kitschigen Streichern hat man mich schnell.

    Oliver: Singt er gerade von Einhörnern?

    Dirk: Ja, Ingo achtet bestimmt zukünftig mehr auf den Text!

    Ingo: Spätestens wenn so nicht viel in einem Song passiert… aber der Refrain ab 1.45 hat Potential. Oh ja, beim zweiten Mal greift er. Mitgröhl-Stelle beim Konzert. Dramatischer Song. Gefällt mir nun doch.

    Dirk: Man muss “Salvation” einfach nur oft genug singen, damit es hängen bleibt. Sehr gut, den Refrain kann ich beim Konzert in Köln schon mitsingen. Die Streicher sind natürlich toll.

    Oliver: Schwierig. Bin mir noch nicht ganz sicher.


    5. Life is a fear

    Dirk: Die 80er! Die 80er!

    Oliver: Jetzt bin ich mir sicher. “Salvation” war toll!

    Ingo: Trotz 80er gefällt mir der Beginn. Und es steigert sich. Instant Hit. Ich glaube ich gehe aufs Konzert. Wollte ich heute entscheiden. Den Refrain kann ich auch schon.

    Oliver: So schlimm, wie das Intro es vermuten ließ, ist der Song nicht. War das eine Single oder warum gibt es ein Video dazu?

    Dirk: Ja, dritte Auskopplung. Obwohl das mit den Singles ja heute nicht mehr so ernst genommen wird. Die schaurigen Synthies beim Refrain sind schon gut. Ich bekomme Gänsehaut / Angst wie bei “Somebody’s Watching Me” von Rockwell.

    Ingo: Ich habe die Vorabauskopplungen verschmäht, wollte auf das Album warten.





    6. The law

    Ingo: Telefon? Ach nein, komischer Start.

    Dirk: Wir sind schon in Hälfte zwei… und hören wieder Rachel Goswell. Diesmal darf sie eine Textzeile singen.

    Oliver: Und da ist Rachel wieder. Diesmal nicht im Hintergrund.

    Ingo: Gab es schon Duette der Editors? Dieses funktioniert.

    Oliver: Ich kann mich an keins erinnern.

    Dirk: Rachel ist der erste Gast auf einem Editors-Album, wenn ich mich nicht irre. Das ist die vierte Single-Auskopplung. Warum, verstehe ich aber nicht. Mauer Song.

    Ingo: Dezente Klänge im Hintergrund. Gott sei Dank nicht so Shoegaze-verwaschen. Jetzt gegen Ende wäre ein Gitarrensolo fein.

    Oliver: Wie “Gott sei Dank”? Das würde mal ein wenig Pep da rein bringen.

    Dirk: Der Gitarrist hatte wohl Urlaub während der Aufnahmen. Klingt gegen Ende nach The Cure.

    Ingo: lol… schade (also das mit dem Gitarrist, nicht das mit The Cure). 


    7. Our love

    Dirk: Die Communards! Die Communards!

    Ingo: Bronski Beat-Beat hätte ich gesagt… ;-)

    Dirk: Die mein’ ich doch!

    Oliver: Absolut Bronski Beat. So stelle ich mir keinen Editors-Song vor. Volker wird’s mögen.

    Ingo: Singt er da “Don’t stop believin’?”. Mehr 80er geht nicht. Eigentlich ist diese Texzeile von Journey vor Jahrzehnten für Jahrhunderte verbrannt worden.

    Dirk: Das Booklet sagt “Don’t start believing”. “Don’t start playing,” denke ich.

    Ingo: Na gut. Knapp an Journey vorbei. So schlecht finde ich den Song gar nicht mehr.

    Oliver: Dauert der bei Euch auch noch zweieinhalb Minuten?

    Ingo: Nach 3:30 wird es wirklich etwas lang.

    Dirk: “Don’t start believing” wird endlos wiederholt, dazu Großraumdisco-Sound.

    Ingo: Gibt es sonst Neuigkeiten? VW Skandal oder so? Habe gerade noch 30 Sekunden zu überbrücken...

    Dirk: Schlechtester Song bisher.


    8. All the kings

    Dirk: Nach 20 Sekunden dieses Liedes beginne ich mir Sorgen um die zweite Plattenseite zu machen...

    Ingo: Magst du keine billigen Streicher aus der Konserve?

    Dirk: Offensichtlich doch nicht.

    Oliver: Klingt wie schlecht zusammengeklaut.

    Ingo: Oh, nach 2 Minuten ein echter Tom Smith-Moment.

    Dirk: Ganz schön stupide, oder?

    Ingo: Ja, da kam nicht mehr viel. Moment, noch über einen Minute? Ein Piano. Warum?

    Oliver: Das rettet den Song aber auch nicht mehr.

    Ingo: Ist wohl irgendwie in den Mix geraten. Passt da nicht wirklich hin.


    9. At all costs

    Ingo: Gerade geprüft… ist gar nicht der letzte Song, obwohl er sehr ruhig startet.

    Ingo: “Lost costs” oder “low carb”?

    Dirk: Ambient-Ballade. Korrigiere: Langweile Ambient-Ballade.

    Oliver: Irgendwie erwartet man noch einen Ausbruch. Aber es kommt nix.

    Dirk: Doch, Rachel darf am Ende noch ein paar “Ooohs” beisteuern.

    Ingo: Selbst wenn er nicht “low carb” singt. Der Titel ist “low carb”: Es fehlt halt was...

    Oliver: Für mich der beste Song der zweiten Seite. Bisher.

    Dirk: Stimmt. Leider.


    10. Marching orders

    Oliver: So. Sie haben 7 Minuten und fast 47 Sekunden Zeit zu zeigen, was sie noch drauf haben.

    Ingo: Noch ein Schlusstitel? Im Gesang legt sich Tom Smith ins Zeug.

    Dirk: Wird immer bombastischer, nur einen guten Song gibt es auch hier nicht zu entdecken. Keine Idee, und die wird endlos gestreckt.

    Ingo: Noch 2:30? Was kommt denn so nächsten Monat raus? Ach, steht ja auf der PvG-Website. Gerade mal checken… hier verpasse ich nicht mehr viel.





    Fazit zu “In Dream”

    Dirk: Wohlwollend würde man wohl “heterogenes Album” sagen und die Disco-, Ambient- und 80ies-Ausflüge hervorheben. Ich hätte mir mehr gitarrigen Post-Rock gewünscht. Beste Songs: “Salvation”, “Ocean Of Light” und “Life Is A Fear”. Zweite Seite leider deutlich schwächer.

    Ingo: Ich freue mich auf den Gitarrenmix des Albums. Kein Totalausfall, aber auch keine Neuigkeiten. Viele Sachen hat man schon auf den letzten Alben gehört. Bei "In dream" wurden die Gitarren und etwas mehr Drama vergessen. Auf das Konzert gehe ich trotzdem. Live kann der ein oder andere Song bestimmt noch nachlegen. “Life is fear” ist für mich der Hit vor “Salvation”.

    Oliver: Es fehlen die Hits. Oder vielleicht ein Hit. Ich bin ein Fan der ersten beiden Alben, das fünfte wird kein Anwärter auf ein Lieblingsalbum sein. Schade. Live bestimmt immer noch sehr gut und bald mit “The Twilight Sad” als Support unterwegs.

    Die Editors auf Tour (im November mit The Twilight Sad):
    • 29.09. Berlin
    • 02.11. Köln
    • 08.11. Hamburg
    • 09.11. Berlin
    • 10.11. Offenbach
    • 12.11. München 

    Zum Vergleich das Urteil von Acid Stag:
    Moving past my nostalgia, what we have is a beautifully crafted and cohesive album that you can listen to from start to finish as it weaves it’s magic of dreaming through your ears and into your mind. Without a doubt, a massive side step from The Weight Of Your Love, and a welcome one at that.
  • Enola Fall - Heliotropic

    Enola Fall - Heliotropic






















    Enola Fall ist kein unbeschriebenes Blatt. Die Ursprünge gehen auf das Jahr 2001 zurück. Damals gründete sich die Band in Tasmanien als Melatonin.Nach drei Alben blieb von der Band nur Joe Nuttall übrig. Als Enola Fall veröffentlichte er seit 2005 Alben. Aktuell vervollständigt er die Band mit Tristan Barnes, Lochner James und Nicholas Howe.

    Mit nur acht Songs zeigt Enola Fall eindrucksvoll, dass sie fast alles können: Melodien, Energie, Spannung und Melancholie. Jetzt fehlt noch ein Hit und der Band könnte die verdiente Aufmerksamkeit zu Teil werden. Potentielle Anwärter sind “Unloveable”, “Stab on!”, in meinen Ohren besonders “Surrender” und “Pilot light”. Bei letztgenannten Track beeindrucken mich vor allem die Dynamik und Spannung. Aber vor allem hat “Heliotropic” keinen schwachen Titel zu bieten. Die Stärken sind die indierockigen Gitarren und Nuttalls stets angenehm präsente Stimme. 

    Boston Globes Vergleich mit Arcade Fire kann ich nachvollziehen:
    Frontman Joe Nuttall has a knack for shifting at just the right time and in just the right way to coax drama out of his songs. An unfussy sonic palette — pared-down Arcade Fire-style guitar anthems, with an occasional hint of new wave snap — allows him to step out of the way and let the music’s turns do most of the work.
    Auch den zu den Wombats und Two Door Cinema Club, gefunden bei Stereogum:
    With a new lineup, Enola Fall have strengthened their indie electro-pop sound — think the Wombats and Two Door Cinema Club but with a little more rock. The Aussie quartet’s “Stab On!” is the addicting first single off of their upcoming album, Heliotropic. Once the song starts, you feel compelled to keep listening to their soul-searching lyrics as the beat presses forward.
    “Lions”:
  • The School - Wasting Away And Wondering

    The School - Wasting Away And Wondering

























    Mit dem Plattencover hat das aus Cardiff kommende Oktett The School bei uns eigentlich schon eine hohe Wertung sicher. Wenn das Album, von dem es nur 750 Vinyl-Exemplare gibt, dann auch noch über das feine spanische Indiepop-Label Elefant Records veröffentlicht wird und Sängerin und Songwriterin Liz Hunt erwähnt, dass sie persönlich keine Füller auf ihren Platten möchte und jeder Song das Potential haben soll, um als Single ausgekoppelt zu werden, dann können weitere Bonuspunkte addiert werden. 
    Zumal sie mit dieser Aussage Recht behält, denn vom Opener "Every Day" bis hin zum abschließenden "My Arms, They Feel Like Nothing", der pure I'm From Barcelona-Glückseligekit verströmt, gäbe es zahlreiche Kandidaten für das 7-Inch-Format. 

    "Wasting Away And Wondering" ist bereits das dritte Album von The School und wurde in den Giant Wafer Studios in Wales gemeinsam mit dem Produzenten Rob Jones, der auch live bei Slow Club den Bass zupft, im letzten Jahr aufgenommen. Liz Hunt hatte seit der Veröffentlichung von "Reading Too Much Into Things Like Everything" (2012) also reichlich Zeit um Plattenläden zu durchstöbern und Alben von The Supremes, The Shangri-Las, Dusty Springfield, Burt Bacharach, Belle & Sebastian, Saint Etienne, Heavenly, Allo Darlin' und Lucky Soul zu hören und sich bei Phil Spector-Produktionen Anregungen für opulente Arrangements mit Streichern und Bläsern zu holen.





    Vocalist Liz Hunt has been accused of sounding like Sarah Cracknell and I don’t believe she trying, it’s just how the vocals come out of her mouth (not that I’d car anyway, I lvo both of their vocals) while the rest of the band build up pocket symphonies with plenty of horns, keyboards, tambourine and the like. Opening cut “Every Day” sets the tone perfectly while both Hunt and the band just sound so spot on. About mid-record they rattle off this string of classics starting with “Don’t Worry Baby (I don’t love you anymore)” and then right into the touching, short , acoustic  “My Heart’s Beating Overtime” right into the bouncy title track and then, into what I consider to be the crown jewel of the record, “Do I Love You?” (Hunt’s vocals are especially impressive on this record), all sweeping and majestic. They end the record strong as well (twelve songs in all) So there you have it, if the sweet, sultry, Northern Soul sounds of bands like St. Etienne or Allo Darlin’ strike a chord within you then you’ll love The School. And you should you really should.
    (Dagger Zine)




    Following the release of 2012’s swinging ‘Reading Too Much Into Things Like Everything’, The School frontwoman Liz Hunt founded Wales Goes Pop! festival, and her eight-piece indie-pop collective are pretty much its house band. Third album ‘Wasting Away And Wondering’ tightens up the Cardiff group’s ‘60s indebted, horns-and-strings sound with rhythmic stompers like ‘Do I Love You?’ and The Supremes beat of ‘Love Is Anywhere You Find It’. Hunt’s lyrics lean towards the lovelorn humour of likeminded revivalists Camera Obscura and Belle And Sebastian (“So you want to move to Amsterdam?/You never liked it there before” sighs upbeat opener ‘Every Day’) but there’s none of those bands’ ironic distance with The School, just pure pop.
    (NME)




    The School in Deutschland:

    29.10.15 Hannover, Feinkost Lampe
    30.10.15 Berlin, Magnet Club
    31.10.15 Hamburg, Astra Stube




  • Mercury Rev - The light in you

    Mercury Rev - The light in you






















    Bereits im Herbst 2013 gab es Meldungen über neues Mercury Rev Material. Damals ließ sich Grasshopper diese Aussage entlocken:
    “Steel Resonator Mandolin. Timpani. Sleigh Bells. All sorts of electric guitars…[…] It is the best stuff we have done in a long, long time. Gonna be big sounding!”
    Mit “The light in you” legt die Band nun den Beweis für diese Behauptung nach. Grasshopper und  Jonathan Donahue sind Freunde seit Kindheitstagen und für “The light in you” haben sie sich viel mit sich beschäftigt und sich auf ihre Stärken besonnen. “The light in you” ist ein vielseitiges Album, welches souverän zwischen einfachen, ruhigen, entspannten Passagen und dichten Klangteppichen wandelt. Doch vor allem klang Mercury Rev für mich nie besser gelaunt und erhebender als auf dem aktuellen Album. Am auffälligsten zeigt sich diese Entwicklung im Song “Sunflower”, der gar funkige Momente aufweist. Und dann kommt noch “Rainy day record” mit Rap-Einlage. Meine Lieblingssongs auf “The light in you” sind darüber hinaus bislang “You’ve gone with so little for so long” und “Emotional free fall”. 

    Ohne dass ich Mercury Rev wirklich vermisst habe, lässt “The light in you” die sieben Jahre Wartezeit seit “Snowflake midnight” nun recht lang erscheinen. Bislang war Mercury Rev für mich immer die Band, die mit “Deserter’s Songs” ihren Höhepunkt erreicht hatte. Nun, 17 Jahre später und 26 Jahre nach Gründung der Band aus Buffalo, New York gelangt sie wieder in ähnliche Atmosphären. 

    Wenn diese wohl beste Platte von Mercury Rev bisher also wirklich das Ergebnis des langen Erstellungsprozesses ist, dann lässt sich zusammenfassend sagen: Guter Wein und gute Alben brauchen Zeit. Und gute Alben, die klingen, als hätte man sie in guten Rotwein getaucht, dürfen gerne so lange reifen, wie sie wollen.

    Das Video zu “Are you ready?”:

    Im Herbst wird die Band durch Deutschland touren:
    • 07.11. Weissenhäuser Strand, Rolling Stone Weekender
    • 09.11. Köln
    • 11.11. Berlin
    • 15.11. München




  • New Order - Music Complete

    New Order - Music Complete

























    10 Fakten zum neuen Album von New Order:

    1. Seit heute steht das zehnte Studioalbum von New Order, das den Titel "Music Complete" trägt, 11 Titel zusammenträgt und mehr als eine Stunde läuft, in den Plattenläden. Es ist, abgesehen von der Compilation "Lost Sirens", das erste Album seit zehn Jahren, denn "Waiting For The Sirens' Call" erschien tatsächlich bereits 2005.

    2. Obwohl es New Order seit 1980 gibt, werden hier einige Premieren gefeiert: "Music Complete" ist das erste Album ohne Peter Hook, stattdessen bedient Tom Chapman als fünftes Bandmitglied den Bass. Fünftes Bandmitglied? Ja, denn nach rund 14 Jahren Abwesenheit feiert Gillian Gilbert ein Comeback bei New Order.

    3. Auch beim Label gibt es Neuerungen: Erstmals wird eine Platte von New Order bei Mute Records (Depeche Mode, Nick Cave and the Bad Seeds, Erasure, Yann Tiersen) veröffentlicht. 

    4. Neben der Band selbst, fungieren auf "Music Complete" auch Stuart Price (Madonna, The Killers, Kylie Minogue, Pet Shop Boys) und Tom Rowlands als Produzenten, so dass man Titel wie "Singularity" tatsächlich eher The Chemical Brothers zuschreiben möchte als New Order. Der Musikexpress trifft es mit seiner Kritik recht gut:

    New Order docken stattdessen irgendwo Anfang der Neunziger bei sich selbst an, etwa auf halber Strecke zwischen ihrem Acid-House-/Post-Punk-Hybrid TECHNIQUE (1989) und der balearischen Wonneplatte REPUBLIC (1993). Das ist der Ausgangspunkt, von dem aus sich die elf Stücke in verschiedene Richtungen (nur nicht zu weit in die Zukunft) nach dem ausstrecken, was Dancepop alles sein kann: vom Moroder-Sequencer auf „Plastic“ über die Madchester-House-Pianos von „People Of The High Line“ bis hin zum forschen, technoiden Beat von „Unlearn This Hatred“, der klingt wie Ende der Neunziger von Stuart Price produziert. Tatsächlich stammt er vom Chemischen Bruder Tom Rowlands, wie auch „Singularity“, das einiges an „Blue Monday“-DNA in sich trägt. Aber auch Price hat mitgemacht und mit „Superheated“ eine typische Brandon-Flowers-Schnulze ans Ende der Platte produziert – featuring Brandon Flowers. Weitere Gäste sind Elly Jackson (La Roux) im Chor und Iggy Pop, der als düsterer Gedichtrezitator fast an Vincent Price in Michael Jacksons „Thriller“ erinnert.
    Aber groß Eindruck macht das auch nicht. Und damit kommen wir zum Problem der Platte: Man hört sie gern, ruhig auch den halben Tag, aber wenn sie aus ist, ist sie weg. Ratzefatz. Absolut spurlos verschwunden.
    (Musikexpress)


    5. Mit Brandon Flowers ("Superheated"), Iggy Pop ("Stray Dog") und Elly Jackson (La Roux), die auf gleich 3 Songs ("Plastic", "Tutti Frutti" und "People On The High Line") zu hören ist, finden sich mehr Gastsänger ein als je zuvor. 

    6. Für das Cover zeichnet sich wieder einmal Peter Saville verantwortlich. Das an die Gemälde von Piet Mondrian erinnernde Artwork setzt sich aus schwarzen Linien, verbunden mit dreieckigen (statt Mondrians rechteckigen) Flächen in den Farben weiß, gelb, rot, grün und blau zusammen. Je nach Format des Tonträgers variieren die Farbschemata.

    7. Die Versionen: Natürlich gibt es "Music Complete" digital, als CD und als LP käuflich zu erwerben. Die limitierte Version der Schallplatte erscheint als "clear vinyl". Das Highlight ist jedoch sicherlich das Deluxe Vinyl Box Set, das erst ab dem 20. November erhältlich sein wird und neben den beiden regulären LPs sechs weitere Platten mit "extended versions" der 11 Songs beinhaltet. Die einzelnen Platten gibt es passend zum Cover in den genannten sechs Farben. Wer Glück hat, bekommt eine der 200 von der Band signierten und zufällig verschickten Boxen, für die 90,- € einkalkuliert werden müssen. Diese gibt es exklusiv hier.

    8. "Restless" wurde als erste Single ausgewählt und in einer gekürzten Version (4:32 statt 5:28 auf dem Album) am 29. Juli veröffentlicht. "Plastic" wurde am 16. September als zweite Single veröffentlicht. Ein Video gibt es jedoch nur zur ersten Single:




    9. "Music Complete" wird aktuell bei Metacritic mit einem Metascore (bei 12 berücksichtigten Kritiken) von 78/100 gelistet:


    Because it’s loaded with guests, there’s a transparent curatorial awareness to Music Complete, one that’s surprisingly engaging and effective. (Consequence Of Sound)

    An album of outstanding pop, shuddering dance-rock and intricate electronic moods. (Mixmag)

    Music Complete certainly doesn’t do anything to diminish New Order’s formidable legacy, but it doesn’t necessarily expand upon it either. That being said, it still sounds like classic New Order. (Pitchfork)

    There is a spirit of adventure and experimentation in the album that is commendable. (PopMatters)


    10. New Order haben für den Rest des Jahres bisher 11 Konzerte angekündigt. Da sechs Auftritte in England stattfinden werden, wird Deutschland nur mit einem Konzert, am 11. November im (mittlerweile ausverkauften) Berliner Tempodrom, bedacht. 


  • 10 Schallplatten, die uns gut durch den Oktober bringen

    10 Schallplatten, die uns gut durch den Oktober bringen

























    10. Beach Slang - The Things We Do To Find People Who Feel Like Us (Purple Vinyl) (30.10.)

















    9. Ms. John Soda – Loom (02.10.)

















    8. Luke Haines – British Nuclear Bunkers (Limited LP + 7inch) (16.10.)

















    7. John Grant – Grey Tickles, Black Pressure (Coloured 2LP) (02.10.)

















    6. Garbage – Garbage (20th Anniversary Deluxe Edition) (02.10.)

















    5. Joanna Newsom – Divers (23.10.)

















    4. Oberhofer - Chronovision (09.10.)

















    3. Mercury Rev – The Light In You (02.10.)

















    2. Sisters Of Mercy – Floodland (Vinyl Box Set) (30.10.)

















    1. Editors – In Dreams (02.10.)



  • Richard Hawley - Hollow Meadows

    Richard Hawley - Hollow Meadows

























    "Das Gitarren-Experiment bitte jetzt beenden." Richard Hawley muss wohl meinen Kommentar zu seinem letzten Album "Standing At The Sky's Edge" gelesen und für sinnvolle erachtet haben, denn auf "Hollow Meadows" schwelgen die Streicher wieder soundtrackhaft, säuseln die Backgroundsängerinnen lieblich und croont sich der Mann mit der Haartolle behäbig durch elf (größtenteils) melancholische, nostalgische Balladen. Die Single "Heart Of Oak" und das an einen rockenden Leonard Cohen erinnernden "Which Way" dürfen hierbei nicht als stellvertretend für den Rest des Albums angesehen werden:




    Wie zuvor bei "Coleys Corner", "Lady's Bridge" oder "Truelove's Gutter" stellt der Albumtitel erneut eine Referenz zu Hawleys Heimatstadt Sheffield dar. Dann kann man auch gleich einmal seinen Nachbarn ins dortige Yellow Arch Studio zum Musizieren eingeladen. Gut, dass es sich dabei um den Folk-Musiker Martin Simpson handelte, der Banjo- und Slide Guitar-Klänge zu "Long Time Down" beitrug. Jarvis Cocker, der jedoch leider nicht singt, sondern bei "Nothing Like A Friend" den Bass zupft, gehört neben Nancy Kerr (Geige und Viola auf zahlreichen Songs) und anderen zu Hawleys weiteren Studiogästen. 

    Man darf "Hollow Meadows" schwülstig, sentimental und schmalzig finden, vielleicht aber auch einfach schön. Das achte Album von Richard Hawley kommt bei den Kritikern auf jeden Fall gut an, so weist Metacritic aktuell einen Metascore von 78/100 bei 13 berücksichtigten Kritiken aus:

    Worth every second of the wait. (Q Magazine)

    There’s an openness about Hawley’s writing here that cuts straight to the quick--as if he’s digging through the ruins of his own Hollow Meadows, to try and shine a light on his soul. (The Independent)

    Hollow Meadows, written while Hawley was at home recovering from a slipped disc and a broken leg, finds the crooner at his most affecting and fragile. (The Observer)

    His truly great albums tend to freshen things up by rearranging and adding to the toolkit whereas, by trekking back to earlier, unadorned works, this one maybe feels a bit too familiar. That said, it's still easily impressive enough for visitors to Sheffield to want to check out Hollow Meadows, too. (The Line Of Best Fit)

    Like Something Is, Coles Corner or Run For Me may have done in the past, Hollow Meadows is yet another impossibly accomplished record from one of our national treasures. (musicOMH)

    There may be plenty of meat left on his bones, but for this fine album to take the plaudits it truly deserves, we have to hope that there are many with open ears and hearts. Richard Hawley: troubadour in chief for this generation. (Drowned In Sound)

    The 11-track collection of lugubrious love songs shows Hawley returning to his smooth ice-cream ad soundtracking roots.  (NME)


  • Robert Forster - Songs To Play

    Robert Forster - Songs To Play
























    Die Menschen bei Tapete Records haben offensichtlich ein Herz für unsere alten Helden. Nach den Alben von Lloyd Cole, Martin Carr (The Boo Radleys), The Lilac Times und The Telescopes veröffentlichten sie nun ein neues von Robert Forster.

    Der australische Singer/Songwriter hatte 2008 mit "The Evangelist" sein letztes Soloalbum veröffentlicht und dort die letzten 3 Songs präsentiert, die er gemeinsam mit dem 2006 verstorbenen Grant McLennan komponiert hatte. In dieser Zeit arbeitete Forster als Produzent, Musikkritiker, veröffentlichte eine Sammlung seiner Texte, gab gelegentlich Konzerte, verwaltete das musikalische Erbe der Go-Betweens und ließ bewusst viel Zeit bis zu einer neuen Platte verstreichen. „Ursprünglich habe ich mit einem Abstand von fünf Jahren zwischen dem letzten und dem neuen Album gerechnet“, so Robert. „Ich wollte eine ganz bewusste Zäsur setzen, weil mir klar war, dass das, was danach kommt, ein Neuanfang sein würde.“ „Aus fünf Jahren wurden sieben."  

    Gemeinsam mit den Multi- Instrumentalisten Scott Bromley und Luke McDonald (The John Steel Singers), Matt Piele (Schlagzeuger seiner Tour-Band) sowie der Geigerin und Sängerin Karin Baumler wurden 10 Songs aufgenommen, die einerseits das Erbe der Go-Betweens weiter führen ("Songwriters On The Run") und ganz eindeutig als Robert Forster-Songs zu identifizieren sind ("A Poet Walks" oder "I Love Myself (And I Always Have)", andererseits die ein oder andere Überraschung parat haben. Exemplarisch seien hier die Bossa Nova-Rhythmen von "Love Is Where It Is" genannt oder seine Lou Reed- und Rolling Stones-Reminiszenzen (zum Beispiel der Opener "Learn To Burn").

    Neben den regulären Versionen lässt sich "Songs To Play" im Tapete Shop auch als limitierte CD (in gatefold 4 panel digisleeve) und als, auf 500 Exemplare limitierte, Special LP (postcard signed by Robert Forster, special „Tip-On-Style“ cover with extra matt/gloss finish, 180g LP in printed innersleeves with all lyrics, CD in special coverart cardboard-sleeve, Sticker „I Love Myself (And I Always Have)“) käuflich erwerben. 

    Den eingangs genannten Bands muss ich noch Hurricane #1 hinzufügen, denn am 20. November erscheint mit "Find What You Love And Let It Kill You" ein neues Album der Band. Jedoch ist aus dem ursprünglichen Lineup nur Sänger Alex Lowe dabei, also auch nicht Andy Bell, aber der hat mit Ride derzeit ja auch genug zu tun.


    Diese Songs hier wollen nach vorn stürmen („Learn To Burn“), sie nehmen den Witz des Musikkritikers Forster („I Love Myself And I Always Have“) mit ins Programm oder spielen sich mit einer wunderbaren Trompetenmelodie in die Nähe der Sehnsuchtsmusik von Calexico („A Poet Walks“). Letzterer Track darf sofort nach Veröffentlichung als Klassiker in Forsters Werk begrüßt werden.
    Frühe Go-Betweens, später Sturm und Drang, Lust am Pop: Das ist der vorerst letzte Stand der Dinge. Wir werden sicher bald noch mehr auf diesem Album zu entdecken haben – alles zu seiner Zeit.
    (Musikexpress)




    Wenn es jemanden gibt, der die Gemächlichkeit für sich gepachtet hat, dann ist es Robert Forster, der mit einer Weste zur Welt gekommen sein muss. Forster macht keine Musik für junge Leute, er macht keinen Rock’n’Roll, er setzt den Groove mit dem Spazierstock. Die ohnehin langsamen Songs anderer Leute auf „I Had A New York Girlfriend“ verlangsamte er noch: „It’s. Nature’s. Way. Of. Telling. You.“
    Nach sieben Jahren wären auch Coldplay vergessen, aber Forster weiß, dass ihn nur Menschen mit langem Gedächtnis hören. „Learn To Burn“ ist seine Version der Rolling Stones oder von David Byrne auf dem Land, die Gitarre triggert, eine Geige schmiert. Dann kommt der gemütliche Forster, er spricht-singt: „Please don’t twitter/ Let me imagine you.“ Wenn die Platte jetzt zu Ende wäre, hätte er schon gewonnen. Aber es kommt eine fein ziselierte Kostbarkeit nach der anderen, Stücke, die atmen, die auf Zehenspitzen gehen. Und dann spaziert der Dichter: „And given two choices, two clear choices, I take both.“ Geige, Trompete, „Hu-hu“. Graziös.
    (Rolling Stone)




    Robert Forster unterwegs:

    10.12.15 Köln - Gebäude 9
    11.12.15 Berlin - Monarch
    12.12.15 Hamburg - Knust
    14.12.15 Frankfurt - Zoom
    15.12.15 Erlangen - E-Werk
    16.12.15 CH-St. Gallen - Palace
    17.12.15 Schorndorf - Manufaktur
    19.12.15 Regensburg - Deggingerhaus
    20.12.15 Wien - Theater Akzent


  • Metric - Pagans In Vegas

    Metric - Pagans In Vegas
























    Die Sache mit diesen zweigeteilten Alben geht doch eigentlich immer schief, oder? Ich erinnere nur einmal an die Doppelveröffentlichung der Manic Street Preachers: Das folkig-ruhige "Rewind The Film" (2013) konnte allein eben so wenig durchgängig überzeugen wie das im folgenden Jahr veröffentlichte post-punkige "Futurology". Zusammengenommen, auf die Hälfte der Saisons reduziert, wäre dies, trotz der stilistischen Unterschiede (und vielleicht sogar deswegen) ein gutes und spannendes Album geworden.

    Ähnliches hat wohl das kanadische Quartett Metric geplant. Mit "Pagans In Vegas" legen sie diese Woche, nach eigener Aussage, eine von Bands wie Depeche Mode, The Cure und The Chemical Brothers inspirierte "most electronic, MIDI-ed old-school electronic record" vor. Das zweite Album, für das weder ein Releasedatum noch ein Titel bekannt sind, soll eher eine Band-Version von Emily Haines Soloalbum "Knives Don't Have Your Back" darstellen und kein Instrument beinhalten, das nach 1970 gebaut wurde, sich also auf Gitarren, Schlagzeug, Bass, Piano usw. konzentrieren.  

    Dafür toben sich Metric auf den 12 hier vorliegenden Titeln wirklich an den Keyboards aus und arbeiten sich am 80er Jahre Synthie-Pop ("For Kicks") und den Sounds der aktuellen Wiedergängern ("Celebrate", "Cascades") ab. Gab es schon eine The Cure-Coverversion von CHVRES oder eine Zusammenarbeit von Kylie und New Order? Oder New Wave Hits von Blondie über OMD bis Depeche Mode im 8-bit-Modus? Das könnte dann so klingen wie "Pagans In Vegas". 




    PAGANS IN VEGAS zeigt auf dem Cover das Hotel Chisca in Memphis, in dem Elvis erstmals fürs Radio interviewt wurde. Parallel zum Album gibt es nun eine App fürs Smartphone; die erste Single, „The Shade“, kann man über die Homepage als Tape bestellen. Die Kanadier blicken damit auf eine Zeit zurück, als man optimistisch in die Zukunft schaute.
    Und so klingt das meis te auf PAGANS IN VEGAS nach Poprock aus den 80ern, als Drumcomputer und scharfkantige Gitarren ganz gut zusammengingen. Star der Show ist Sängerin Emily Haines, die ihre Band sehr souverän und mit vielen Rollen durch die Songs leitet. Ihre Präsenz ist wichtig, denn ohne gute Stimme würden diese Stücke Schiffbruch erleiden: Synthiepop wie „Cascades“ bekommen sogar Chvrches besser hin, „For Kicks“ lässt Brandon Flowers’ Discofox-Füße zucken, „Too Bad, So Sad“ kombiniert Keyboard-Boogie-Woogie mit harten Gitarren: Die alten US-Wave-Rocker Wall Of Voodoo hatten mal ein Händchen für diesen Wahnsinn – bei Metric wirkt das albern.
    (musikexpress)




    ‘Pagans in Vegas’ does begin well enough, with Metric’s retro new-wave influences recalling the likes of Depeche Mode and New Order. In amongst various bleeps, bloops and underlying disco influences, everything is well-balanced musically, with melodic riffs in abundance. The restrained intensity of opener ‘Lie Lie Lie’ and hooky lead single ‘The Shade’ especially stand out as impressive. Unfortunately, it all begins to go awry with a jarring transition into 8-bit and vocoder on the certain to be polarizing ‘Cascades’. Following that, everything bar the unabashedly playful ‘Too Bad, So Sad’ borders on filler. The sweet side of Haines’ voice goes a step too far on the still catchy ‘For Kicks’, while Shaw’s vocal contribution to ‘The Other Side’ is underwhelming. ‘Blind Valentine’ and ‘The Governess’ don’t do much wrong, but aren’t exactly memorable, while the two-part instrumental closer is proficient enough, but ultimately a meek and overlong eight minutes worth.
    True to form, ‘Pagans in Vegas’ is not a bad album. If Metric were a sports team, a supporter might want them to bottom out, rebuild and get motivated to reach their true potential. The shark hasn’t necessarily been jumped here, but the patience of many listeners is likely to be wearing thin. It’s too harsh to suggest that the band are coasting, since there are once more fragments of ideas, concepts and melodies which arouse. It also may be a little unfair to accuse Shaw & Co. of compromising, since their want to explore and experiment is admirable. But something does have to change for Metric to arrest their downward trajectory. One way or another, album number seven may have to go all-in. Whether they should go all Kraftwerk on us, or ponder a more chart-baiting style will remain up for conjecture. Either way, it should at least quell Metric’s propensity to frustrate. 
    (sputnikmusic)


    Metric in Deutschland:

    17.10.15 München, Theaterfabrik
    19.10.15 Hamburg, Große Freiheit 36
    21.10.15 Berlin, Huxleys Neue welt
    22.10.15 Frankfurt, Batschkapp
    23.10.15 Köln, Die Kantine


  • The Rival Bid - Night Remains

    The Rival Bid - Night Remains



    17.03.2015: In der Facebook-Dependance des Platten vor Gericht Gerichtsgebäudes empfehle ich in einer Kurzvorstellung allen, die britisch geprägte Wave-Gitarren der 80er Jahre mögen, die Dortmunder Band The Rival Bid und deren "melancholisches und schwermütiges" Album Night Remains.

    16.09.2015: Es ist kurz vor 21 Uhr. Ich stehe im Kölner Club Blue Shell und warte auf die Londoner Britpop-Kombo Life In Film, die endlich ihr erstes Konzert in Köln spielen werden. Nach einem langen Tag im Büro hoffe ich im besten Fall auf gar keine Vorband, oder wenn es denn doch sein muss, dann wenigstens auf eine, die nicht so lange spielt. Vier Jungs betreten die Bühne, stellen sich vor, der Bandname geht mir aber durch, da ich noch in ein Gespräch vertieft bin. Der erste Song beginnt und nach ein paar Sekunden weiß ich schon, dass hier zumindest keine uninteressante Band am Werk ist: Flirrende Wave-Gitarren, Drums, die nach vorne gehen, schöne Bass-Läufe und eine Stimme, die mich ein wenig an die von Magnus Carlsson von den Weeping Willows oder an die von Simeon Ross von Red Autumn Fall erinnert. Ich glaube es ist der fünfte Song, der mir dann endlich die Augen öffnet: "Fire, Fire, Fire…" Ich sehe gerade The Rival Bid. Und so melancholisch und schwermütig wie ich sie in der Kurzvorstellung beschrieb, sind sie live gar nicht. Klar, in Sänger Maurice Margrafs Stimme liegt wirklich sehr viel Melancholie – daher auch meine Assoziation zu Magnus Carlsson bzw. Simeon Ross – aber in den ersten Reihen wird ausgiebig mitgewippt. Alles in allem ein mehr als überzeugender Auftritt. Die Platte hat mehr verdient, als nur eine Kurzvorstellung auf Facebook…

    Night Remains, das ist neun Mal eine Melange aus Dredg, The Smiths, The XX, einer Prise Interpol (hier wären beinahe die Editors erwähnt worden, aber das wäre doch etwas zu gemein) und einem dicken Anstrich von melancholischem Pop. Das mag sich an dieser Stelle vernichtend lesen, ist aber gar nicht weiter schlimm. Weil die genannten Bands (okay, die Editors mal ausgenommen) nicht unbedingt als die schlechtesten Referenzen angesehen werden können. Und weil die Songs erstens keinen Hehl um ihren epigonalen Charakter machen und zweitens genug Klasse besitzen, um nicht in der breiten Masse unterzugehen. (heartcooksbrain.net)



    Die Gitarren perlen wie in „Distance“, reduzieren sich zur sanften Begleitung bei „Rare Devotion“ und erreichen die jubilierenden Hymnenhaftigkeit einiger U2-Songs in „Your Love Is A Nightmare“, bei dem Bass und Schlagzeug das Tempo immer wieder vorwärtstreiben. Zu einem ähnlichen Überschwang erhebt sich „Ritual“, während „Dots“ in verträumter Schwermut versinkt und „Long Way Back“ irgendwann doch ins Opulente mündet. Das abschließende „Michael“ fasst die Philosophie von The Rival Bid nochmals explizit zusammen, unendliche Traurigkeit gepaart mit himmelhochjauchzenden Gitarrenparts. Ein perfekter Soundtrack für die dunklen Aspekte des Lebens. (soundsandbooks.com)



    Heute und morgen sind The Rival Bid noch als Support von Life In Film in Berlin (Magnet Club) und Hamburg (Molotow) zu sehen.

  • Lana Del Rey - Honeymoon

    Lana Del Rey - Honeymoon

























    10 Fakten zum neuen Album von Lana Del Rey:

    1. Seit gestern steht "Honeymoon", das dritte (oder, je nach Zählweise, vierte) Album von Lana Del Rey in den Plattenläden. Insgesamt gibt es 14 neue Song zu hören, die über 65 Minuten laufen. 
    In einem Interview äußerte sich die Sängerin zum Album: "... very different from the last one and similar to the first two, Born to Die (2012) and Paradise (2012). I finished my last one in March and released it in June and I had a follow-up idea. It's growing into something I really like. I'm kind of enjoying sinking into this more noirish feel for this one. It's been good."

    2. Das Album wurde von Lana Del Rey zusammen mit Kieron Menzies und Rick Nowels (Lykke Li, Marina & The Diamonds, Dido) produziert. Del Rey komponierte gemeinsam mit Nowels, der auch schon an den beiden Vorgängerplatten mitarbeitete, fast alle Songs des Albums. 

    3. Die beiden Ausnahmen: "Burnt Norton (Interlude)" basiert auf einem Gedicht von T.S. Eliot, so dass dieser neben Keefus Ciancia als Komponist gelistet ist, und "Don't Let Me Be Misunderstood", das Lied, das Nina Simone 1964 aufnahm und seitdem von zahlreichen Künstlern (wie The Animals oder Santa Esmeralda) gecovert wurde. Auch "Ultraviolence" wartet bereits mit einer Coverversion eines Nina Simone-Songs ("The Other Woman") auf.

    4. Aus der gemeinsam Session von Lana Del Rey und Mark Ronson (Adele, Amy Winehouse, Paul McCartney) haben es keine Songs auf das Album geschafft. Sowohl die beiden Lieder "Big Eyes" und "I Can Fly", die sich auf dem Soundtrack zum Tim Burton-Film "Big Eyes" (2014) befanden, also auch "Life Is Beautiful" (zum Film "The Age Of Adaline") sind nicht auf "Honeymoon" zu hören.


    In Sachen Text waren Lana Del Rey und ihr Mit-Autor Rick Nowles noch nie so stark wie auf dieser Platte. Natürlich basieren die Texte auf dem Katalog aus Bildern, auf den Lana Del Rey stets zurückgriff: Es geht um Bad Motherfuckers und um die Palmen im Endless Summer, um Partys und Pistolen und um Genussmittel, legale wie illegale.
    Im wunderbaren „Salvatore“ – hier haben wir wieder die Erlösung, „Salvatore“ ist Italienisch für Heiland – reiht sie die Begriffe „Cacciatore“, „Limousine“, „Ciao Amore“ und „Soft Ice Cream“ scheinbar ohne jeden Sinn aneinander. Aber Songs wie die Lead-Single „High By The Beach“ siedeln all diese Bilder hervorragend nah am Untergang an, Spaß in einem ganz klassischen Sinne macht die Platte selten, eigentlich nur während der putzig pointierten Bläser in „Art Deco“.
    In den meisten ihrer Lieder badet die New Yorkerin auch musikalisch in Melancholie: Mal knistert’s im Hintergrund wie eine alte Vinyl-Platte, mal kriechen dunkle Synthies in die Songs wie im Soundtrack eines Films, in dem alle sterben, mal liegen die Stücke auf Orchesterarrangements wie Leichen auf Sarg samt: Stets bleibt’s dunkelgrau bis blau und selbst, wenn das Tempo einmal anzieht wie in der zweiten Hälfte von „24“, höchst dramatisch. Als letzten Track singt Del Rey schließlich eine Coverversion, nach „The Other Woman“ auf ULTRAVIOLENCE nimmt sie sich zum zweiten Mal eine Nummer vor, die durch Nina Simone bekannt wurde: Ihr „Don’t Let Me Be Misunderstood“ operiert mit großem Orchester, im Mittelpunkt steht aber ihre Stimme, die diesem schwierigen Song absolut gewachsen ist und der man, das ist wichtiger, jedes Wort abnimmt. Ein völlig schlüssiger Abschluss einer sehr guten Platte.
    (musikexpress)


    5. Urban Outfitters veröffentlicht, wie zuvor bereits bei "Ultraviolence" (2014) eine Vinyl-Version mit einem alternativen Cover. In einigen Geschäften dieser Kette gab es bereits am 12. September spezielle Listening Events.

    6. Apropos Plattencover: Sowohl "Born To Die" und "Paradise" als auch "Ultraviolence" zierte ein großformatiges Portrait Lana Del Reys und der Schrifttyp ihres namens und des Albumtitels waren identisch. Für "Honeymoon" wurde ein neuer Schrifttyp gewählt und die Künstlerin sitzt relativ unscheinbar in einem Fahrzeug von "StarLine Tours".

    7. Wählte man die auf dem Fahrzeug befindliche Telefonnummer, so erreichte man die Honeymoon Hotline, die einen die Songs "Terrence Loves You" und "Burnt Norton (Interlude)" vorab hören ließ.

    8. Als erste Single wurde Mitte August "High By The Beach" veröffentlicht. Der Song erreichte einen bescheidenen 51. Platz der US-Charts. Aufgrund einer später korrigierten Fehlberechnung hieß es zunächst, dass der Song auf Platz 7 der Hitlisten stehen würde. In Deutschland kam "High By The Beach" auf den 75. Rang.





    9. Als zweite Single wurde "Music To Watch Boys To" ausgewählt. Zudem wurden zwischendurch "Terrence Loves You" (mit einer textlichen David Bowie-Referenz: "Ground control to Major Tom") und "Honeymoon" als Promotional Singles ausgewählt.

    10. Neben der regulären CD-Version, dem Doppelalbum auf rotem Vinyl und der limitierten Fassung mit alternativem Cover kann man "Honeymoon" ab dem 30. Oktober auch als CD-Boxset (artworked box with a hardbound photo book and four exclusive lithograph prints) für rund 50,- € beziehen. 


  • The Good Life - Everbody's coming down

    The Good Life - Everbody's coming down






















    Seit dem Jahr 2000 mit vier Alben innerhalb von sieben Jahren gestartet, legte The Good Life nach "Help wanted nights" eine lange Pause ein. So kann man nun wohl vom Comeback der Band aus Omaha, Nebraska sprechen. Zwischenzeitlich hat Mastermind Tim Kasher drei Solo- und zwei Cursive-Alben veröffentlicht. 

    Der Bandname geht auf das frühere Motto des US-Bundesstaats Nebraska zurück. Wer auf gelegentliche Tornados, baumlose Prärie und Landwirtschaft steht, kann dieses selbstbewusste Motto gut nachvollziehen. Aus welchen Gründen auch immer wurde es vor gut zehn Jahren in “Equality before the law” geändert. Warum haben deutsche Bundesländer eigentlich keine Mottos? 

    Gegründet wurde The Good Life vom Cursive Frontman Tim Kasher. Offensichtlich benötigte er ein Ventil für seine indierockigere Seite. Bei The Good Life geht es auch überwiegend softer zu als bei Cursive. Gedämpft ungestüme Indierockausbrüche sorgen dafür, dass das aktuelle Werk “Everybody’s coming down” nicht zu glatt gerät und die ein oder andere Folk-Passage sorgt gar für gefällige Momente. In der Gänze wirkt das alles recht ausgewogen und merklich rockiger als bei den Vorgängern. Die Verteilung der Rollen der zusammengewachsenen Band ist auf der Facebook Seite folgendermaßen beschrieben:
    In blending elements of drummer Roger L. Lewis’s love of classic rock, multi-instrumentalist Ryan Fox’s chaotic approach to melody, Stefanie Drootin-Senseney’s propulsive, tuneful bass parts and colorful vocal arrangements, and Kasher’s deft, complementary song writing, the band sparked a vibrant evolution in sound.
    Trotz mehrere Durchläufe hat “Everybody’s coming down” wenig bleibende Eindrücke bei mir hinterlassen, aber die Songs “Everybody”, “The troubadour's green room”, “Flotsam locked into a groove” und “Skeleton song” halte ich für erwähnenswert. 

    Ein bisschen wirkt „Everybody’s Coming Down“, als habe sich Mastermind Kasher in seinen diversen Projekten verzettelt und haue jetzt einfach mal alles unter der Überschrift THE GOOD LIFE raus. Alle seine Fans wird er damit wohl eher nicht erreichen, insgesamt macht die Platte auf diese Weise auch einfach einen zu konfusen und unausgereiften Eindruck. 

    “Everybody”:
  • Kathryn Joseph - Bones You Have Thrown Me And Blood I've Spilled

    Kathryn Joseph - Bones You Have Thrown Me And Blood I've Spilled

























    Vor einigen Wochen durften wir Mark Hamilton (Woodpigeon) als musikalischen Gast in unserem Wohnzimmer begrüßen und im Verlauf des Nachmittags haben wir natürlich viel über Musik und unsere Lieblingsplatten gesprochen. Irgendwie kamen wir über King Creosotes "From Scotland With Love", mein Album des Jahres 2014, auf den Scottish Album Of The Year Award zu sprechen, für den diese Platte, da sie zwischen Januar 2014 und März 2015 veröffentlicht wurde, auch nominiert war. Jedoch war mir das Siegeralbum, das sich gegen Platten so prominenter Konkurrenz wie Mogwai, Idlewild oder Belle & Sebastian durchsetzte, vollkommen unbekannt. Mark empfahl mir aber mehr als nur ausdrücklich das tolle "Bones You Have Thrown Me And Blood I've Spilled" von Kathryn Joseph

    Kathryn Joseph hatte ihr Debütalbum bereits 2013 digital veröffentlicht, aber eine Kickstarter-Kampagne sorgte dafür, dass "Bones You Have Thrown Me And Blood I've Spilled" im Januar 2015 auch auf Vinyl erhältlich war. Auch wenn die Limited Edition CD und das weiße Vinyl bereits ausverkauft sind, so kann man über die Bandcamp-Seite der Künstlerin noch beide Formate in ihrer regulären Form bestellen.

    Auf zehn ruhigen, intimen und bewegenden Stücken, deren Titel zu 90% aus dem bestimmten Artikel und einem Substantiv bestehen (weiter unten gibt es Videos zu "The Bird", "The Worm" und "The Mouth"), hören wir nicht viel mehr als Josephs Klavierspiel und ihre leicht kratzende, brüchige Stimme. Hinzu gesellt sich ihr Produzent Marcus Mackay mit minimalistischen Rhythmen und dezenten Bassklängen. So stelle ich mir ein reduziertes, trauriges Album von CocoRosie oder Dillon ohne elektronischen Schnickschnack vor. Und so wünsche ich mir Plattentipps immer.




    This is a simple album about things so complicated that it’s almost impossible to put them into words. It’s about those thoughts and feelings that we all experience but never admit, the things that we, be it through etiquette and embarrassment and fear, dare not confess to others or even ourselves. Bones You Have Thrown Me and Blood I’ve Spilled is an album about people: lonely and loved, corporeal and divine, mortal and terrified yet enduring with a resilient hope that never quite goes out.
    (wake the deaf)




    bones you have thrown me and blood i’ve spilled is a record born out of heartbreak and loss; the former from failed relationships and betrayals, the latter reflecting the loss of her son only a week after birth. The music is appropriately poignant and devastating, but the title of the record also reveals how these things affect us physically as well as emotionally, whether it’s as simple as losing control of your tear-ducts during a song like “The Crow” or making you curl up in a ball, retiring to bed to make the shape of a claw under the sheets, or becoming ill from being unable to process the thoughts and feelings brought on by whatever life throws at you. 
    (the line of best fit)





  • Beirut - No No No

    Beirut - No No No

























    Bewegte Zeiten durchlebte Zach Condon seit 2011: Sein letztes Album, "The Rip Tide", das erstmals als Bandprojekt entstand, chartete in vielen Ländern - es konnte sich auch bei uns auf dem 12. Rang der Jahresbestenliste platzieren - und erweiterte den Bekanntheitsgrad von Beirut immens. Eine lange Tournee rund um die Welt und zahlreiche Festivalauftritte folgten, führten aber auch dazu, dass Condon wegen Erschöpfung in ein australisches Krankenhaus eingeliefert und der Rest der Tournee abgesagt werden musste. Wenn Scheidung und Schreibblockade weitere Substantive sind, die Condons Leben in diesem Zeitraum beschreiben, dann weiß man, dass es weder privat, noch beruflich bzw. kreativ besonders gut lief.

    Doch mittlerweile häufen sich wieder die guten Nachrichten: Condon wohnt wieder in New York, hat eine neue Beziehung, einen Wechsel zu 4AD hinter sich und - für uns die beste Nachricht - mit "No No No" soeben das vierte Album von Beirut veröffentlicht. 

    Das Warten hat sich gelohnt und die Vorfreude war in diesem Fall nicht die schönste, denn am meisten Vergnügen hat man, wenn man das blaue Vinyl auflegt, obwohl nach weniger als 30 Minuten, inklusive des Gangs zum Plattenspieler und des Umdrehens der Scheibe, der Spaß bereits wieder vorüber ist und es einige Unterschiede im Vergleich zum bisherigen Output von Condon gibt: melancholischer Balkanpop? Vorbei. Die typischen Bläserarrangements? Erklingen dezenter, verhaltener und deutlich seltener ("At Once"). Stattdessen zeigen sich Beirut nun nahezu fröhlich und unbeschwert, sind die Songs schlanker, mit Hauptaugenmerk auf Tasteninstrumente, arrangiert und noch eingängiger als zuvor. Bei "August Holland" würde man zunächst eher an den Pianoman Billy Joel denken als an Beirut, Songs wie "Gibraltar" oder "No No No" sind nur schwer wieder aus dem Gehörgang zu bekommen und am Ende gibt es statt Polka-Pop mit "So Allowed" zu Streicher- und Bläserklängen einen tollen Walzer. 


    Mit NO NO NO hat Condon ein ungewohnt leichtfüßiges, modernes Popalbum produziert. Assoziiert man mit der Musik von Beirut doch eigentlich klobige Polkarhythmen, Unmengen von Instrumenten und einen stets melancholisch betrübten Gesang, wird man nun eines Besseren belehrt. NO NO NO verzichtet auf ausgeklügelte Klangkomplexe und konzentriert sich auf ein instrumentales Minimum. Einzig Condons schwerfälliger Bariton ist geblieben, der sich im Kontext der neuen Glückseligkeit zu einem interessanten Gegenstück formt.
    Ob „Gibraltar“, „August Holland“ oder „Perth“: Die neuen Songs könnten mit ihren leichten Rhythmen und munteren Klaviermelodien kaum beschwingter sein. Beirut wurden wachgerüttelt und reichen der Metamorphose selbstbewusst die Hände.
    (musikexpress)




    Ein lebhafter Rhythmus und eine muntere Klaviermelodie leiten den Opener „Gibraltar“ ein. Darüber Zach Condons Stimme in langen Tönen, die dem Track etwas Positiv-Meditatives gibt. Der Titeltrack „No No No“ hält ein Drum-Machine-Intro bereit und zieht etwas schunkelig, unterstützt von Bläsern, das Tempo weiter an. Die unbeschwerte Stimmung kulminiert im poppigen „Perth“. Ruhige und schwelgerische Momente werden dem Album durch Stücke wie dem Instrumental „As Needed“ und der Walzer-Ballade „So Allowed“ verpasst.
    Die Helligkeit beginnt sich erst nach der dunkelsten Stunde auszubreiten. Der Spruch ist angestaubt, aber stimmt immer noch. Der beste Beweis dafür ist „No No No“. Ein Album, das unverkennbar den Stempel von Beirut trägt, aufgelockert, ohne Ernst und Strenge, voller guter Stimmung.
    (byte.fm)




    Der flinke Titelsong träumt sich hingegen beschwingt durch seine kurzweiligen drei Minuten und wirkt dabei – entgegen seines Namens – lebensbejahend und positiv. Alsbald wird jedes von Condon gesungene "No" zu einem leisen "Ja" des Hörers, einem "Ja" zu dieser Art Musik, die so sanftmütig und zart wirkt, aber dabei doch kraftvoll genug ist, um kleine, olivenbaumgesäumte Welten entstehen zu lassen, in die man sich pünktlich zum herbstlichen Temperatur- und Stimmungssturz flüchten kann. Einen ähnlichen Pfad beschreiten Condon und seine Mitstreiter mit dem schunkelnden "Fener", das mit seinen harmonischen Background-Chören stark an die eingängigeren, hymnischen Nummern von Grizzly Bear erinnert. Und ja, freilich ist das als Kompliment zu verstehen.
    Ein Schlüsselstück auf "No no no" ist sicherlich auch das schlanke "At once". Das Klavier und die Bläser bemühen sich um angemessene Tragik, während Condon im bittersüßesten Tonfall gebetsmühlenartig die immergleichen Worte wiederholt, bis sie sich ganz tief einbrennen: "At once, at last, at all." Auf einmal, letztendlich und überhaupt. Sicherlich bietet solch karge, reduzierte Lyrik Interpretationsfreiräume, die bespielt werden wollen. "August Holland" wischt dann mit seiner frühlingshaften Instrumentierung die leichten Anflüge feingliedriger Melancholie direkt wieder vom Tisch. "No no no" klingt letztlich wie die Ankunft am Heimathafen. Ob sein Aufenthalt endgültig oder nur vorbergehend ist, wird die Zeit zeigen. Fernweh ist schießlich ein Feuer, dem nur schwer beizukommen ist.
    (Plattentests)



  • Die 10 besten Alben von Stephen Duffy

    10. Stephen Duffy - The Ups And Downs (1985)
    9. The Lilac Time - lilac6 (2001)
    8. The Lilac Time - Paradise Circus (1989)
    7. Stephen Duffy and The Lilac Time - Keep Going (2003)
    6. The Lilac Time - The Lilac Time (1987)
    5. Stephen Duffy - Duffy (1995)
    4. The Lilac Time - And Love For All (1990)
    3. Stephen Duffy featuring Nigel Kennedy - Music In Colours (1993)
    2. The Lilac Time - Astronauts (1991)
    1. Stephen Duffy - I Love My Friends (1998)

    (ausgewählt von Dirk)