Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Generationals - Actor-Caster

    Generationals - Actor-Caster























    Bereits im März dieses Jahres erschien mit Actor-Caster das zweite Album von Ted Joyner und Grant Widmer, die zusammen seit 2008 unter dem Namen Generationals musikalisch aktiv sind. War das erste Album Con Law von 2009 noch sehr an 60er-Jahre-Pop und Motown orientiert, gesellt sich beim Nachfolger noch eine hippe Indie-Pop-Attitüde dazu. Die Zwischendurch-Single Trust aus dem November letzten Jahres wies schon in die neue Richtung:


    Generationals - "Trust" from Meghan Ellie Smith on Vimeo.

    Beheimatet sind Generationals in New Orleans. Aufgenommen wurde das Album allerdings in Washington DC mit Produzent Dan Black. (Ob es der Dan Black ist, dem wir dies zu verdanken haben, konnte ich nicht eruieren. Ich bezweifle es, aber so konnte ich wenigstens dieses schöne Stück Musik hier mal unterbringen.) Wer The Shins mag oder Phoenix oder The Drums sollte hier weiterlesen und -hören.


    The Generationals - Ten-Twenty-Ten from HiPhi on Vimeo.

    Most often, fans worry about the direction the band goes with their second album. Will they choose to stick to the same sound that they have or will they branch off and try to be different? With the release of their latest song, “Dirty Mister Dirty” it’s become the anthem for people everywhere to cruise the streets to. Sticking to their chant-like American roots of uplifting piano basses, the New Orleans’ boys Ted Joyner and Grant Widmer followed up their latest EP – Trust with an album that is quirky, feel-good pop that is crisp, catchy and highly addictive. (bangstyle.com)


    Generationals - Yours Forever from Randy Foreman on Vimeo.

    From the first jangly, near-spastic notes of the incredibly contagious “Ten-Twenty-Ten”, one thing is clear about Generationals’ Actor-Caster: this is going to be a fun ride. The sophomore full-length from Ted Joyner and Grant Widmer follows down paths blazed by Belle and Sebasatian, The Magnetic Fields, and The Shins, sprinkling in their own guitar riffs and 1960-70′s influence to formulate their own personality. (bingelistening.com)

  • Low Roar - Low Roar

    Low Roar - Low Roar



















    Die erste Vorladung (VIII)

    Personalien:
    Low Roar ist Ryan Karazija, der eigentlich aus dem sonnigen Kalifornien stammt, derzeit aber in Reykjavik residiert.

    Tathergang:
    Ryan Karazija stand eigentlich dem Oaklander Trio Audrey Sessions vor, das 2009 auch ein Album veröffentlichte. Über die Station San Francisco landete er in Island, wo er nun unter Mithilfe des Schlagzeugers Júlíus Óttar Björgvinsson sein Solodebüt aufnahm.
    "Low Roar" wird über Tonequake Records, das Label seines Produzent Andrew Scheps, veröffentlicht.

    Plädoyer:
    Ist es das isländische Wetter oder sind es die besonderen Landschaften der kleinen Insel, die so viele tolle, dort beheimatete Musiker - und ich fange hier erst gar keine Liste an - hervorbringen? Egal was es ist, es scheint auch Wirkung auf Zugereiste zu erzielen.
    So weist "Low Roar", ein schönes, warmes, intimes Singer/Songwriter-Album, den typischen Island-Flair auf und sei Freunden von Sigur Rós, Helgi Jónsson oder der ruhigen und langsamen Radiohead-Songs besonders ans Herz gelegt. Highlight ist der letzte Song, das fast 8minütige "Tonight, Tonight Tonight" mit elektro-gefrickelten Beats, das Thom Yorke & Co. eigentlich so oft Zum Hören geben müsste, bis sie mal wieder selbst einen überzeugenden Track abliefern.
    Ich möchte wetten, dass hier ein paar hohe Bewertungen fällig werden (und habe auch schon den ein oder anderen Kandidaten dafür vor Augen)...

    Zeugen:
    Großartig, grandios und gänsehauterzeugend, das waren die Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, als ich zum ersten Mal «Tonight, tonight, tonight» der isländischen Ein-Mann-Band Low Roar hörte. Hinter diesem Projekt verbirgt sich Ryan Karazija, der auf seinem gerade erschienenen Debütalbum der herbstlich-winterlichen Melancholie frönt und atmosphärisch dichte und den Hörer wohlig umfangende Klänge mit auf den Weg gibt. Wäre ich euphorisch veranlagt, würde ich das Low Roar-Werk gar zu einem Anwärter auf meine Top 10 der „Alben des Jahres“ erklären (auch wenn es bei vielen Songs doch eher folkig zugeht und nicht ganz so genial wie bei «Tonight, tonight, tonight»). So verkehrt läge ich damit nicht!
    (coast-is-clear)

    There’s a thousand pretenders that think they can write this kind of music because they believe that they’re clever and introverted, but most of them don’t have the depth of talent required, normally producing bland and self-absorbed results, but this guy is different. We haven’t heard this style of emotional, personal songcraft delivered to these exceptional standards since Bright Eyes.

    Just like fellow Icelanders, Sigur Ros, he matches timelessness with the cinematic, beauty and uplift with pain and harrowing melody. His vocals slip over the key changes and play your heartstrings like a royal quartet, much in the same way Thom Yorke did in Numb or Street Spirit (Fade Out). Ryan is an expert in creating fluid songs, full of tears that well up as the tracks build, before the flood gates open. By the end of the album you will feel in an utterly different emotional place from where you started. Only a lobotomy could hold back the effect that this masterful piece of work has on your emotions. At no point does the album feel lethargic or pedestrian, rather it’s more intelligent and wide open. This is music’s equivalent of a snowflake – ice cold and drifting alone, but delicate, momentary and designed to perfection.

    As the winter months kick in this album will feel like it’s soundtracking the changing seasons. Whether it’s the folk structures found in the tune, Friends Make Garbage, Good Friends Take It Out, or the strings and rhythms that go on one long crescendo in Tonight, Tonight, Tonight, his skill and ability pulses throughout the LP. What seems on the surface like a bleak, melancholic album turns out to be something of a tale of hope, as what we might just see occurring here is a man that’s finally discovered his masterpiece by moving to a country that’s allowed some serious introspection.
    (therecommender.net)


    Indizien und Beweismittel:


    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...
  • Stevie Jackson - (I Can't Get No) Stevie Jackson

    Stevie Jackson - (I Can't Get No) Stevie Jackson



















    Die erste Vorladung (VII)

    Personalien:
    Stevie Jackson wurde in Glasgow geboren und legt mit mittlerweile 42 Jahren sein Debütalbum vor. Dies ist natürlich der Tatsache geschuldet, dass er Mitglied bei Belle & Sebastian ist.

    Tathergang:
    Nach Stuart David (Looper), Isobel Campbell (The Gentle Waves) und Stuart Murdoch (God Help The Girl) ist Stevie Jackson, das vierte Mitglied von Belle & Sebastian, das ein Album mit einem Nebenprojekt vorlegt. Jedoch ist er der Einzige, der diese Platte auch unter seinem tatsächlichen Namen veröffentlicht.
    Jackson ist bei Belle & Sebastian als Gitarrist aktiv, steht bei Konzerten nur kurzzeitig neben dem omnipräsenten Murdoch im Rampenlicht und steuert in schöner Regelmäßigkeit einen Song pro Album bei, den er dann auch singt. Als Highlights seien hier die Single "Jonathan David" und "Seymour Stein" (von "The Boy With The Arab Strap") genannt, die übrigen Songs fallen nicht besonders positiv auf oder landeten nur auf Single B-Seiten.

    Plädoyer:
    Ein Plädoyer gestaltet sich schwierig, denn Stevie Jackson ist kein begnadeter Sänger (reiht sich aber noch vor Nicky Wire und John Squire ein) und die 12 Songs in Tradition britischer und amerikanischer Singer/Songwriter der 60er und 70er Jahre (Dylan, Cohen & Co.) stellen nun auch keinen ungeheuren Qualitätssprung dar.
    Das Cover und der Titel von "(I Can't Get No) Stevie Jackson" sind recht witzig, die Platte gibt es als heavyweight vinyl im gatefold sleeve und das war's dann auch schon.
    Eigentlich nur Belle & Sebastian-Fans zur Vervollständigung ihrer Sammlung wirklich zu empfehlen. Und dann wird sicherlich sogar deren "Storytelling" häufiger aufgelegt werden...

    Zeugen:
    The result is a collection of absolutely pleasant pop, but it’s lacking the wit Murdoch so often brings to the table. It isn’t an unfair comparison, considering that Murdoch is the king of the twee-pop realm. Still, Jackson has positive moments that try to outshine some of the sluggish output. A good example is found in “Telephone Song”, with a string-swept lovely chorus trying to sweep away dull verses. The acoustic “Bird’s Eye View” may nick the guitar line from “Read the Blessed Pages”, but it’s undeniably enjoyable, much like the Dave Clark Five-homage within “Press Send” (“Don’t send/Do send/Don’t send/Do/Press send”).

    Unfortunately, there are times when Jackson tries to evoke others but falls short. He resembles Ben Folds at his worst in “Just, Just So to the Point”, a tuneless track that features lame, “ironic” white-boy rapping. Album closer “Feel the Morning” tries to bring back memories of The Kinks’ “Sunny Afternoon”, but winds up lazy rather than blazin’. Even album opener “Pure of Heart” and its punchy, staccato riffs tries desperately to call back his own band in Belle & Sebastian, only to appear effortless in a bad way, as in no effort was put into making this a good song.

    At the end of the day, I Can’t Get No (Stevie Jackson) proves that Jackson is a perfectly capable guitarist for the band he plays in, who has the ability to whip a song now and again for a long player. Writing a whole album’s worth of material? Not so much. Basically, listen to every other Belle & Sebastian album instead.
    (consequenceofsound.net)


    Indizien und Beweismittel:


    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...
  • Kids On A Crime Spree - We Love You So Bad

    Kids On A Crime Spree - We Love You So Bad



















    Die erste Vorladung (VI)

    Personalien:
    Kids On A Crime Spree sind der aus Kalifornien stammende Mario Hernandez samt einiger Freunde, darunter Becky Barron (Schlagzeug) und Bill Evans (Gitarre).

    Tathergang:
    Angefixt durch die Back To Mono-Sammlung der Arbeiten von Phil Spector schrieb Hernandez mehr als 100 Songs, um Spectors Wall Of Sound nachzuspüren. Gemeinsam mit Barron und Evans, die gemeinsam mit ihm auch bereits bei From Bubblegum To Sky musizierten, wurden 8 Songs nahezu live eingespielt und als erste Veröffentlichung der Kids On A Crime Spree von Slumberland Records (das und dieses Jahr bereits mit Veronica Falls und The Pains Of BeingAt Heart Pure erfreute) heraus gebracht.

    Plädoyer:
    Es ist müßig zu diskutieren, ob "We Love You So Bad" mit seinen 20 Minuten jetzt eher eine EP oder das Debütalbum der Band darstellt. Ohne jeden Zweifel lässt sich aber festhalten, dass Barron ihr Schlagzeugspiel noch seltener variiert als Maureen Tucker, dass sie und Hernandez ziemlich schräg singen, Evans so sehr auf Gitarrenfeedback steht, wie The Jesus & Mary Chain ("I Don't Want To Call You Baby, Baby"), dass die Songs mal an The Raveonettes ("It's In My Blood") oder die Ramones ("To Mess With Dynamite") erinnern und dabei immer noch Zeit bleibt für Handclaps und Surf-Pop-Anleihen.

    Zeugen:
    With a catchy guitar hook and dream-pop vocals, “I Don’t Want to Call You Baby, Baby” kicks things off on a decent enough note. It has an old-school, 70′s rock vibe, with a good dash of distortion added to the mix. At just under two and a half minutes, however, the song feels like it’s over before it can truly get started.

    The band appears to be particularly influenced by the Beach Boys, as a couple of the other songs on the EP feature their signature sound. “Sweet Tooth” is one of these such tunes and includes a simple guitar riff, hand-clapping, and a general early 60′s style. They veer off from this theme on other songs, however. For example, “To Mess With Dynamite” takes on a much more punk rock atmosphere. The song is mixed so badly, though, that the vocals are nearly indistinguishable from the instruments.

    “Jean-Paul Sartre 2″ ends the album on an incredibly sour note. Screeching guitar feedback joins the main riff, repeated over and over until you’re ready to cover your ears in preparation for each moment. It’s a terrible end to an album that never quite exceeds or fails, and hardly something you want to leave an audience with. Kids on a Crime Spree don’t bring anything new to the surf rock trend, so they’ll likely have to branch out more if they want their music to be remembered.
    (consequenceofsound.net)

    Kids On A Crime Spree sind der beste Kompromiss, wenn du dich nicht entscheiden kannst, ob du lieber eine Ramones- oder eine The Jesus And Mary Chain-Platte auflegen sollst. Die Band kommt aus Kalifornien, legt eine wehrlos machende Lässigkeit bei der Exekution ihrer geradezu gnadenlosen Sommerhits an den Tag und reichert ihren Sound mit den momentan unsausweichlichen Phil Spector- und C86-Reminiszenzen an. Klingt auf dem Papier in etwa so wie die Vorgehensweise jeder zweiten sich gerade einen Namen machenden Band. Nach ein paar ihrer Songs wirst du aber ganz im Sinne der Who zugeben müssen: The Kids Are Alright.
    (vice.com)


    Indizien und Beweismittel:


    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...
  • Serenades - Criminal Heaven

    Serenades - Criminal Heaven



















    Die erste Vorladung (V)

    Personalien:
    Serenades ist das Nebenprojekt des Shout Out Loud-Frontmanns Adam Olenuis, das er gemeinsam mit dem Singer/Songwriter Marcus Krunegård (einigen vielleicht von der Band Laakso bekannt) betreibt.

    Tathergang:
    Serenades ist nicht das Ende der Shout Out Louds, aber die Möglichkeit für Olenuis und Krunegård die Gitarren zur Seite zu stellen, in anderen musikalischen Gefilden zu wildern und den Idolen ihrer Kindheit zu huldigen. In Schweden erschien das Debütalbum von Serenades bereits am 24. August über Cherrytree Records, für das sich Martin Kierszenbaum (der Mentor von Lady Gaga) verantwortlich zeichnet.
    Deutschland wird wohl noch bis zum Frühjahr 2012 warten müssen.

    Plädoyer:
    Hoch lebe der Pop, den uns in der 80ern Bands wie a-ha, Aztec Camera, Prefab Sprout, Red Box, ABC oder Dream Academy lieferten! Das mögen sich zumindest Olenius & Krunegård gedacht haben, denn anders ist diese Synthie-Pop-Platte, auf der die beiden hauptsächlich auf schwülstigen, mehrstimmigen Harmoniegesang, liebliche Keyboards und softe, akustische Gitarren setzen, nicht zu erklären.
    Freunde des 80er-Pops dürften sich über "Criminal Heaven" erfreut zeigen, sich wenig daran stören, dass "Come Home" ein wenig nach "Do They Know It's Christmas" klingt, und sie müssen sich auch nicht für ihre etwaigen hohen Bewertungen bei Platten vor Gericht für dieses Album schämen.

    Zeugen:
    Serenade ist kein "Abklatsch" der Shout Out Louds. Die Songs entlasten das Ohr ein wenig von üblichen Indie-Gitarrenriffs und tauschen sie gegen Pop-Melodien mit Streicher-Arrangements ein. Wenn man sie dennoch - weil ja nun mal der Kopf der Shout Out Louds ein Teil der Band ist - mit den Shout Out Louds vergleichen will, dann sind Serenades die poppige Ausuferung von ihnen.

    Sie wollen weder modern noch wahnsinnig originell oder anders als alles sein, was es schon gibt. Und sie wollen auch nicht irritieren. Schön soll's halt klingen - so scheint die Devise des frisch vermählten Duos zu sein. Sie machen ein bisschen den Eindruck, als wüssten sie genau, was sie wollen. Als hätten sie Lust auf leichtfüßige Ohrwürmer und manchmal vielleicht sogar ein bisschen Lust auf einen Boygroup-Retrosound. Und dann passiert es, dass man bei dem zweiten veröffentlichten Song "Birds", den man auf ihrer Hompage hören kann, sogar manchmal an die Beach Boys erinnert wird.
    (musikexpress.de)

    Der Sound des Indie-Duos besticht durch die Zweistimmigkeit der Lead Vocals und kommt mit wunderschön orchestrierten, warmen Klängen daher. Die Band selbst beschreibt ihre Musik als von „brit romantic west coast“ inspirierte Tunes. In der Tat erinnert die satte Produktion an die ausgetüftelten Westcoast-Arrangements von Steely Dan oder Brian Wilson. Auch wer die romantische Seite des Brit-Pops à la Travis oder Coldplay mag, kommt bei Serenades auf seine Kosten.
    (loft.de)


    Indizien und Beweismittel:


    Ortstermine:
    24.11.11 Berlin, Comet Club
    26.11.11 München, On3 Festival BR Funkhaus

    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...
  • Dillon - This Silence Kills

    Dillon - This Silence Kills



















    Die erste Vorladung (IV)

    Personalien:
    Dillon wurde in Brasilien geboren, lebte ab dem 4 Lebensjahr in Köln und mittlerweile in Berlin. Sie ist 23 Jahre alt, spricht Englisch besser als deutsch und heißt eigentlich Dominique Dillon de Byington.

    Tathergang:
    Dillons Debütalbum brauchte etwas Zeit, denn bereits vor einigen Jahren geisterte ihr Name als große deutsche Hoffnung durch die Medien, wie hier in einem Spiegel-Bericht vom Februar 2008. "This Silence Kills" wurde von Thies Mynther (Phantom/Ghost) und Tamer Fahri Özgönenc (MIT) produziert und erscheint über Ellen Alliens Label BPitch Control, das sich eigentlich eher der elektronischen Musik verschrieben hat.

    Plädoyer:
    Wer dachte, dass Boy die größte Entdeckung im Bereich weiblich, deutsch, jung... seien, der sieht sich, nachdem er "This Silence Kills" gehört hat, wohlmöglich eines Besseren belehrt. Egal, ob mit Elektro-Sounds ("This Silence Kills") gespielt, nahezu klassische Instrumentierung dargeboten ("Tip Tapping"), ein Song mit Techno-Beats unterlegt ("Abrupt Clarity") oder zu Piano, Bläsern und Fingerschnipsen Jens Lekmans "Pocketful Of Money" unter dem Titel "Thirteen Thirtyfive" neu interpretiert wird. Diese Platte ist genau so überzeugend wie stilistisch schwer zu beschreiben.
    Auch den internationalen Vergleich muss Dillon nicht scheuen und so dürfte das Album Fans von Lykke Li, Björk, Soap&Skin, Joanna Newsom oder Miss Li sehr viel Freude bereiten.

    Zeugen:
    Ab der Hälfte des Albums treten die rudimentär vorhandenen Links zur elektronischen Welt deutlicher hervor. Der Track mit dem „Titel“ „____________“ klingt wie ein „ handgemachtes“ Stück Avant-Techno; die Instrumentalspur von „From One To Six Hundred Kilometers“ könnte dem gerade mal postmodernsten Stück Electronica entnommen worden sein und „Abrupt Clarity“ rauscht nach 45 Sekunden als Detroit-Techno-Track davon. Der Gesang von Dillon, diese ungewöhnliche Stimme mit der ungewöhnlich-ungeraden Phrasierung, dekontextualisiert noch den hartnäckigsten Genre-Track. This Silence Kills ist viel unanstrengender als das aktuelle Björk-Album, vielschichtiger als das letzte von Feist und ebenbürtig mit allem, was Miss Li bisher gemacht hat.
    (musikexpress.de)

    Wenn das hier überhaupt noch Independent-Musik und nicht schon Liedkunst ist, dann vielleicht am ehesten Indie-Operette. Beschwingt und doch lakonisch, melodiös und gleichzeitig zäh wirken die Stücke, die zum Teil auch von Joanna Newsom am Klavier stammen könnten. Dass es von Pathos zu Manieriertheit manchmal nur ein kurzer Weg ist, lässt sich nicht ändern.
    (intro.de)

    Auch wenn die Stimme der Wahl-Berlinerin zumeist die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen weiß, wirken die fragilen Melodien in Kombination mit der unterschwelligen Elektronik wie ein molliger Kokon, in dem sich der Hörer nach Gutdünken einrichten darf. Neben Fingerschnipsen, rudimentären Klavierklängen und Münzbeutel-Perkussion baut sich die elektronische Grundierung graduell auf. Während im ersten Teil von "This Silence Kills" die Empfindlich- und Innigkeit bis an die Schmerzgrenze zelebriert wird, breitet spätestens der namenlose Song "___________" den elektronischen Teppich aus, der mit atmosphärischer Electronica und einer Detroit-infizierten Techno-Verve geknüpft wird ("Abrupt Clarity").

    Dillon ist mit ihrem Debüt etwas gelungen, dass Miss Li auch im fünften Versuch einfach nicht fertig bringt: der ambivalente Spagat zwischen hochanständiger Eingängigkeit und nonkonformistischer Grazie. "This Silence Kills" füllt mit Bravour die dramatisierenden Mäuler, die sich nach einer Restaurierung von BPC sehnten. Gerade weil das Label diese Frischzellenkur nicht benötigte, mausert sich Dillons Album tatsächlich zu einem kleinen Phänomen.
    (motor.de)


    Indizien und Beweismittel:







    Ortstermine:
    06.12.11 Hamburg, Prinzenbar
    07.12.11 Köln, Studio 672
    09.12.11 Heidelberg, Karlstorbahnhof
    13.12.11 Frankfurt, Mousonturm
    14.12.11 Stuttgart, Rocker 33
    15.12.11 München, Kong
    16.12.11 Leipzig, Skala
    17.12.11 Berlin, ://aboutblank

    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...
  • Under Electric Light - Waiting For The Rain To Fall

    Under Electric Light - Waiting For The Rain To Fall



















    Die erste Vorladung (III)

    Personalien:
    Hinter Under Electric Light verbirgt sich Danny Provencher, der aus Victoriaville, einem kleinen kanadischen Städtchen irgendwo zwischen Quebec und Montreal stammt.

    Tathergang:
    Nachdem Provencher zu Schulzeiten das Bass-Spielen erlernte, schrieb und produzierte er elektronische Musik unter dem Namen Under Electric Light. Nachdem seine erste, unbetitelte EP (2002) noch rein instrumental war, sang er auf den Nachfolgern (Never See The Light" EP, 2005, "Blue" EP, 2006, und "After The Blue" EP, 2007) erstmals.
    Das Debütalbum "Waiting For The Rain To Fall" erschien im Frühjahr 2011 in Japan über Fastcut Records und wurde in Eigenvertrieb später auch in den USA veröffentlicht. Interessenten können hier fündig werden.

    Plädoyer:
    Als hätte einem jemand in den 90ern ein Mixtape mit unbekannten B-Seiten von Ride ("Take Me Away"), New Order ("Wintertime"), Field Mice ("A Sudden Move"), Revolver ("Waiting For The Rain To Fall"), My Bloody Valentnine ("Skyline") und Slowdive ("Someone Somewhere") aufgenommen, das man erst jetzt wieder entdeckt hat.

    Zeugen:
    Kanada, oh Kanada, was verbirgst du für wundervolle Schätze! Waiting For The Rain To Fall ist so ein Goldstück -- sowohl der Song als auch das gleichnamige Album des kanadischen Ein-Mann-Orchesters Under Electric Light aus Montreal. Danny Provencher hat so bereits 3 EPs und nun mit Waiting For The Rain To Fall seinen ersten Longplayer rausgebracht, der im Frühjahr in Japan großen Anklang fand. Kein Wunder, ist die Scheibe doch eine Dreampop-Perle allererster Güte. Verträumte Synthie-Landschaften tragen euch sanft in die unendlichen Weiten der kanandischen Wälder.
    (shoegazr.de)

    Provencher seemingly and quite effortlessly lulls us into this album immediately withTake Me Away”, perhaps his most attractive and accessible track here. The brazing underbrush of raw guitar provides the perfect backdrop for the sweet melodies found throughout the album. This single notion provides the overall strength of this album. Not only does the contrast of two guitar layers provide enough to mediate the album into a solid product, but we also hear layered harmonies from Provencher himself. Indeed, weve got the full package here for a glorious debut.

    Connecting two genres of shoe-gaze and rock propelled this album into the stratosphere for me. Being a fan of Hammock, but really digging the guitar melodies of Longwave (see Hurricane Bells), Under Electric Light is that niche band that will either hit you hard or leave you curious for more. “Someone Somewhereadds yet another stunning track to Provencher’s work here as this memorable song fuzzes you into a dreamlike state as the album progresses.

    But Waiting For The Rain To Fall won’t lull you to sleep. Tracks such asThis Moment” kick off nicely with some persistent drums in the background. In fact the song’s vocals almost move into lo-fi territory like that of The Radio Dept. Although this album features some low-key songs as opposed to the niche songs I just immediately fell in love with, the album flows nicely. A full listen is quite worthy here.
    (musicunderfire.com)


    Indizien und Beweismittel:

    Under Electric Light - Take Me Away from under electric light on Vimeo.



    Waiting For The Rain To Fall from under electric light on Vimeo.





    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...
  • Jonathan Johansson - Klagomuren

    Jonathan Johansson - Klagomuren



















    Die erste Vorladung (II)

    Personalien:
    Jonathan Johansson, 31, ist ein schwedischer Singer/Songwriter aus Malmö.

    Tathergang:
    "Klagomuren" ist nach "En Hand I Himlen" (2009) das zweite Album des Schweden. Zudem gibt es mit "OK, Ge Mig Timmarna" (2005) ein Album, das mit seiner vorherigen Band Hjältar entstand.
    Die Songs "Blommorna" und "Stockholm" wurden bereits als Singles ausgekoppelt.
    Das Album entstand in Zusammenarbeit mit Johan Eckeborn, der u.a. die Synthesizer bediente, sich für die Musik mitverantwortlich zeigte und die Produktion übernahm. Der finale Mix entstand in New York und u.a. in den Hansa Studios in Berlin.
    "Klagomuren" erscheint auch auf Vinyl (auf 500 Exemplare limitiert) und ist über den Shop des Hybris Labels zu beziehen.

    Plädoyer:
    Das Cover könnte einen an Hurts erinnern und tatsächlich bekommen wir hier melancholischen Synthie-Pop zu hören, der jedoch seltener als bei den bei den Engländern mit 80er Zitaten spielt und streckenweise den letzten Platten von Johanssons Landsleuten Kent ähnelt.
    Die 10 auf schwedisch gesungenen Titel fließen zu Beginn der Platte nahezu nahtlos ineinander über, weisen keinen Ausfall vor und haben neben den beiden Singles noch einige weitere Highlights zu bieten.

    Zeugen:
    Herrlich melancholisch ist die neue Single von Jonathan Johansson – „Blommorna“ (Blumen). Seit gestern Abend schwirrt mir der Track im Kopf rum und hat mit seinem elektronischem Groove und der perligen Hookline gute Chancen mein Sommerhit zu werden. Die Stimmung einer Sommerparty trifft auf „Blommorna“ genau so gut zu, wie eine einsame Autofahrt durch eine laue Nacht.

    Besonders berührend ist dabei der aspirierte Gesang von Johansson, der mit einer hohen Falsettostimme gedoppelt wird und so besonders fragil wirkt. Dabei ist der Song so eingängig, dass er selbst Hörer, die des Schwedischen nicht mächtig sind beeindruckt.
    (mittsommernachtsspitzen.de)

    ‘En Hand I Himlen’ was a heart gripping pop epiphany – ‘Klagomuren’ is not. An epiphany, that is, and for all the obvious reasons: This time I’ve had an idea of what was to come and there’s been (high) expectations. It is, however, just as gripping and no less of a pop album, offering both upbeat (singles ‘Stockholm’ and ‘Blommorna’) and downbeat (‘Centrum’ and ‘Redan Glömda’) highlights showered in the classic Scandinavian and that special Johansson melancholy. It’s an album that grows with each listen, and as it does it stands out as even more coherent and whole than ‘En Hand I Himlen’, making me feel almost guilty to pick favorites among the nine songs and an intro. Simply another exceptional effort!
    (allscandinavian.com)


    Indizien und Beweismittel:







    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...
  • I Heart Sharks - Summer

    I Heart Sharks - Summer



















    Die erste Vorladung (I)

    Personalien:
    I Heart Sharks sind Pierre, Georg und Simon, ein nach eigenen Angaben deutsch-britisches Indie Kollektiv, das sich in Berlin gefunden und angesiedelt hat.

    Tathergang:
    Set 2007 musizieren die Hai-Liebhaber gemeinsam, wobei der Engländer Pierre den Gesang übernimmt, während Simon für Melodien sorgt (Gitarre, Synthies) und George den Rhythmus beiträgt (Drums, Samples). Die bereits etwas betagte EP "Wolves" und die aktuelle Single "Neuzeit" waren die ersten Vorboten für das soeben veröffentlichte Debütalbum "Summer", welches unter finanzieller Beteiligung der Fans (im Gegenzug für Merchandise, Hauskonzerte, DJ Sets usw.) entstand.
    I Heart Sharks zeichnen sich nicht nur für ihre Musik verantwortlich, sondern auch für Artworks, Videos und Produktion.

    Plädoyer:
    "Summer" liefert elektronische, energetische Tanz-Musik (mit gelegentlichen Anleihen bei New Wave, Synthie-Pop, Electronica und Britpop), deren Spannungsfeld die Band auf ihrer facebook-Seite selbst sehr schön umschreibt:
    We want to marry Björk in a valley in Iceland. We want to run through the moss on high heels with Karin Dreijer. We want to pretend to be a polar bear with Grauzone, because then we wouldn't have to cry. We want to visit Vienna with Midge Ure, Rome with Performance and check if there's life on Mars with David Bowie. We want to live on a farm with Jeans Team, and teach Orlando Weeks some kind words whilst he brushes his teeth. We want to sleep in Metropolis.

    In einer stilistisch sortierten Plattensammlung könnte "Summer" prima zwischen den Album von Two Door Cinema Club und Ou Est Le Swimming Pool stehen.

    Zeugen:
    Die Band hat den „Berlin-Sound“ aufgesogen, diesen immer noch leicht revolutionären, nach Aufbruch schmeckenden Sound. Ohne Probleme kann man sich I Heart Sharks vorstellen, wie sie mit erhobenen Fäusten die Bühne betreten: Wir sind da, wir kämpfen für Euch, gegen die Dinge, gegen die es sich zu kämpfen lohnt. Wofür wissen wir noch nicht, aber das hier, das ist unsere Musik dazu. Doch die ist keineswegs unkonventionell oder avantgardistisch, wie man es von der Bohème, den „intellektuellen Randgruppen“ (Wikipedia) erwarten könnte. Es ist elektronische Popmusik. Nicht allzu poppig, doch eher mit runden, als mit kantigen Ecken. (...)

    Mag es dem Album an einer lyrischen Basis mangeln, die die vielen leeren Floskeln mit Leben füllen könnte. Mag es aufdringlich und laut sein. Mag es bloß den Anspruch haben, cool zu sein. Mit „Summer“ veröffentlichen I Heart Sharks ein schnelles Elektropop-Album, das geschickt instrumentiert ist und dessen Spannung über die Länge der Platte gehalten wird. Wer keine lyrischen Wunderwerke erwartet, bekommt zwölf tanzbare melodische Tracks, an denen man sich nahezu ergötzen kann, denn der zunächst eingebildet wirkende Gesang bekommt nach mehrmaligem Hören eine tranceartige Note. Die Gitarren und Synthesizer wirken bewusst platziert und lebendig. Lediglich eine kleine Verschnaufpause täte dem Album gut, ein Instrumentalstück zum Beispiel.
    (byte.fm)


    Indizien und Beweismittel:


    Ortstermine:
    19.11.11 Köln, GETADDICTED
    24.11.11 Dresden, Scheune
    20.12.11 Potsdam, Ruby's Tuesday

    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...
  • Other Lives - Tamer Animals

    Other Lives - Tamer Animals























    Eric Pfeil ist wieder da. Eine Erkrankung am Auge hinderte ihn längere Zeit am Schreiben seines großartigen Pop-Tagebuchs. Letzten Mittwoch war es dann aber wieder soweit: Die Mail mit dem Betreff [Das Pop-Tagebuch] hatte sofort meine komplette Aufmerksamkeit und nach einem kurzen, aber sehr anschaulichen Bericht über sein Augenleiden und einer Liste der "epochalsten Songs über Augen", las ich irgendwo den Satz: "Die junge Band Other Lives […] hat das "Deserter's Songs" der Jutebeutel-Generation aufgenommen: Eine unwirklich tönende Märchenplatte, die klingt, als halle eine mit einigen Prog-Schmankerln versetzte Americana-Best-Of-Mix-CD aus den Tiefen des Gran Canyon empor." Gedanklich war ich sofort wieder im Blue Shell, wo ich am 10. November ein Konzert der Other Lives sah. Nun, das Blue Shell besitzt nicht ganz die Ausmaße des Grand Canyon, hätte sie an diesem Abend aber locker gebrauchen können. Der opulente Sound der Band aus Stillwater, Oklahoma war fast zu mächtig für den kleinen Club. Es war eins der besten Konzerte des Jahres.



    Die Band existiert schon seit 2004 und abseits diverser EPs und dem selbstbetitelten Album hatten sie das Privileg als mehr oder weniger passende Hintergrundbeschallung einiger US-Serien herzuhalten. Mit ‘Tamer Animals’ setzt man aber nun zum bescheidenen großen Wurf an. Bescheiden weil das Album den Hörer nicht schlichtweg erschlägt, sondern dem inneren Auge ganz große Bilder vorgaukelt, ohne in hippieske oder gar esoterische Gefildern zu wandern. (www.bedroomdisco.de)

    Other Lives - For 12 von Joel-Spiggott

    Der Opener “Dark Horse” treibt den Hörer in einem dunklen Stakkato voran zu Streicherarrangements, die auch von Ennio Morricone stammen könnten. Dazu schwereloser Melodigesang, wie ihn die Fleet Foxes nicht besser hinkriegen könnten. In “As I Lay My Head Down” legen Other Lives noch eine Spur Dramatik oben drauf und erzeugen zu einem dunklen Space-Western-Sound eine unglaublich dichte, beinahe unwirkliche Stimmung. Einer der stärksten Tracks des Albums ist der Titel-Song “Tamer Animals” mit toller Klaviermelodie und einem tollen Spannungsbogen, das alle Stärken des Albums in nur vier Minuten vereint. (whitetapes.de)



    Bitte hören:

    Tamer Animals by Other Lives
  • We Are Augustines - Rise Ye Sunken Ships

    We Are Augustines - Rise Ye Sunken Ships























    Im Jahr 2007 erschien von der europäischen (und ich fürchte auch weitgehend von der amerikanischen) Öffentlichkeit unbeachtet, ein Album namens Anytown Graffiti der Brooklyner Band Pela. Popmatters behauptete, “it is one of the year’s best. Pela are a self-styled “American” rock and roll band, with Bruce Springsteen, The Replacements, Wilco, and the Hold Steady as guiding influences.” Dieses Album wurde mir damals wärmstens empfohlen und läuft seitdem regelmäßig auf meinen mobilen und immobilen Musikabspielgeräten. Für mich herausragender Song des Albums ist Cavalry:


    Pela - "Cavalry" von worldsfair

    Aufgrund größerer und kleinerer Probleme mit Plattenlabeln im Speziellen und der Musikindustrie im Gesamten, gab die Band im September 2009 ihre Auflösung bekannt. 2010 gründeten Sänger und Gitarrist Billy McCarthy und Bassist Eric Sanderson die Band Augustines. Um Verwechslungen mit Combos gleichen Namens vorzubeugen, benannten sie sich noch flugs in We Are Augustines um, beendeten das nie fertig gestellte zweite Pela Album und brachten es unter dem Namen Rise Ye Sunken Ships Mitte dieses Jahres heraus. Für mich herausragender Song des Albums ist Chapel Song:



    Stark beeinflusst wurde das Album vom nicht gerade problemlosen Leben von Billy McCarthys Bruder James und dessen Selbstmord. Wer möchte, kann hier mehr dazu nachlesen.
    Unlike the direction of artists like Bon Iver and The Antlers, who created hauntingly pretty works after having their hearts broken with For Emma, Forever Ago and Hospice, respectively, We Are Augustines takes the opposite approach with Rise Ye Sunken Ships.

    It aims for redemption and triumph through nimble electric guitars, propulsive drums, pulsing bass lines and Billy McCarthy’s brazen and distinct howl. It all blends to form frustrated yet pensive sonic scenes.

    Throughout the record, the songs’ emotional undercurrent hinges on the subject and content. Music is either angry and dark (“Patton State Hospital”, “Juarez”) or a blend of major and minor-keyed, more exultant pieces (“Book of James”, “Chapel Song”).

    A few songs are quieter and stick to a gradual pace, notably “Barrel of Leaves,” a piano-lead ballad, and “East Los Angeles,” an acoustic guitar procession. Their quieter tempos, sparse instrumentation and resigned lyrics bring a welcome change of context and pace.

    The most memorable and emotional song comes in “The Book of James,” where Billy and Jim trade perspectives. With lifting trumpets, sweeps of electronic accentuations and frantic handclaps, the two brothers sing back and forth to each other. Billy: “He stood there in his shoes, unable to move. / Kid, I drove all night here / to tell you I love you.”

    Then Jim: “I stand in my shoes / unable to move / with my hat in my hands / at the bottom of the ocean.”

    This song, one of the highlights of the album, also contains one the record’s flaws: A few breakdowns last too long. In “Book of James,” the momentum already hit its peak around the three-minute mark, but the music continues with a mostly instrumental outro that lasts nearly two minutes. (pastemagazin.com)


    We Are Augustines | Book Of James from matt amato on Vimeo.

    Freunde der Musik von The National und/oder iLiKETRAiNS sollten der Band unbedingt mal ein Ohr schenken.
  • Snow Patrol - Fallen Empire

    Snow Patrol - Fallen Empire



















    Zum 20jährigen Jubiläum von "Achtung Baby" gibt es ein empfehlenswertes Tribute-Album des Q Magazines mit dem Titel "(AhK-toong Bay-bi) Covered". Darauf sind so illustre Namen vertreten wie Nine Inch Nails ("Zoo Station"), Depeche Mode ("So Cruel"), Patti Smith ("Until The End Of The World"), Jack White ("Love Is Blindness") oder Snow Patrol ("Mysterious Ways").
    Eben jene Snow Patrol, die sich im verlauf von fünf Platten vom Indierock-Geheimtipp zum Stadion-Act entwickelt haben, dessen pathetische Lieder mittlerweile sogar zum Standard-Repertoire von Casting-Shows gehören. Dieser Wandel mag einem gefallen oder nicht, beim schwachen letzten Album "A Hundred Million Suns" gab es diese Wahlmöglichkeit eigentlich nicht.

    Vielleicht wurden die fünf Schotten durch die Aufnahme von "Mysterious Ways" oder die Erinnerung an den mutigen kreativen Schritt und den gewagten Imagewandel von U2 Anfang der 90er beeinflusst, auf jeden Fall klingen die ersten 3 Titel von "Fallen Empire" so, als hätten sie sich ein Beispiel an den vier Iren genommen. Gary Lightbodys Stimme erklingt zunächst verzerrt, dazu Elektro-Gefrickel, Synthie-Sequenzen und flotte Beats. Da darf ein Titel namens "Berlin", der, klar, in den dortigen Hansa Studios aufgenommen wurde, natürlich nicht fehlen.
    Doch leider bleiben Snow Patrol nicht konsequent und zeigen sich auf den noch folgenden 11 Titeln nur noch beim Titelsong und "The Symphony" experimentierfreudig, der Rest ist Business as usal.
    Snow Patrol haben sich für die 14 Titel drei Jahre Zeit genommen, liefern viel Musik (fast 60 Minuten) und noch mehr Bombast ab, lassen den schwachen Vorgänger vergessen, können aber an ihre ganz großen früheren Momente nicht heranreichen. Als Highlights seien hier das durch Streicher angereicherte "This Isn't Everything You Are", das sich auch gut auf "Mylo Xyloto" gemacht hätte, "The Garden Rules" mit Elbow-artigem Chorgesang und das Duett mit der amerikanischen Folksängerin Jessie ("Those Distant Bells") empfohlen.



    (...) ist es nicht ganz einfach, das sechste Album der Schotten in Worte zu fassen. Es passiert eine Menge auf Fallen Empires, und beileibe ist nicht alles so schlecht wie der Ruf der Band aus Dundee. So scheint sich Chef Gary Lightbody (wieder?) mit dem frühen Werk der Simple Minds vertraut gemacht zu haben. Der Albumtitel lässt darauf genauso schließen wie der Synthesizer-Sound, der sich durch „I’ll Never Let Go“ zieht. Ähnliches hatte man ja schon bei der Vorab-Single-Auskopplung „Calling Out In The Dark“ gedacht. Gary Lightbody suchte offenkundig die Herausforderung, ist mit seiner Band aber nicht völlig zum Elektro oder ganz allgemein zur Clubmusik umgeschwenkt. Die Rock-Ballade, die man bei dieser Band immer befürchten muss, die knietief in keltischer Melancholie steckt und sich mit Chören und Orchesterelementen kräftig aufplustert, spielt nach wie vor eine sehr große Rolle. Bisweilen drücken Snow Patrol allerdings so kräftig auf die Tränendrüse, dass man am liebsten ganz schnell zum nächsten Track springen will. Wenn man Glück hat, stößt man beim Skippen dann auf den Titelsong, der von einpeitschenden Trommeln und einer Mandoline angetrieben wird. Da merkt man, dass Snow Patrol durchaus eine Rockband mit Mumm sein können. Wenn sie nur wollen würden.
    (musikexpress.de)


    Snow Patrol in Deutschland:

    25.02.12 Berlin, Tempodrom
    26.02.12 Düsseldorf, Phillipshalle
    28.02.12 Frankfurt, Jahrhunderthalle
    04.03.12 München, Zenith
  • Niels Frevert–Zettel auf dem Boden

    Niels Frevert–Zettel auf dem Boden

    cover

    Es gibt in Deutschland einige Singer/Songwriter, die gute Arbeit leisten (und Volker kennt sie alle Zwinkerndes Smiley). Doch viele von ihnen bzw. deren Output finde ich nicht selten anstrengend. Man muss sich bedeutungsschwangeren Auslassungen hingeben, um der Musik etwas abgewinnen zu können und ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich die Songs einfach “nebenher” höre. Auch Niels Freverts Alben gehörten für mich bislang in diese Kategorie. Doch mit “Zettel auf dem Boden” liefert er nun eine wunderbar entspannte Platte ab. Er erzählt  einfach Geschichten aus dem Leben. Und er tut dies wie ein guter Bekannter, den man zufällig in den Kneipe getroffen hat. Oder wie im Gespräch mit Marcus Wiebusch “Am Tisch”.

    Bei einer Rückschau auf Freverts Schaffen kommt man natürlich nicht an seiner Band Nationalgalerie vorbei. Spätestens mit deren Album “Indiana” beeindruckten sie viele Hörer und gaben anderen Musikern Antrieb und Inspiration und damit gutem Indierock mit deutschen Texten einen willkommenen Schub. Leider war nach vier Alben im Jahr 1995 Schluss mit der Band. Frevert schwamm sich frei und mit “Zettel auf dem Boden” veröffentlicht er nun bereits sein viertes Solowerk und zugleich eines der besten Singer/Songwriter und Pop-Alben des Jahres 2011.

    Äußerungen des Plattenlabels stehe ich mit einer gesunden Skepsis gegenüber. Aber diesen Ausführungen von Tapete Records stimme ich zu:

    Das Herz jedes Liedes bilden Akustikgitarre und Klavier, die Basis besteht aus Bass und Schlagzeug, und das alles wurde live eingespielt, elegant veredelt mit Streichern, Vibraphon, Bläsern, Akkordeon und Chören. So klingt das, wenn Fertigkeit, Selbstvertrauen und Gelassenheit zusammenkommen. Hier will niemand irgendwem irgendwas beweisen. Hier ist alles Musik, Herzlichkeit und Poesie ohne Pose.

    Als besonders gelungen empfinde ich die Songs “Ich würde dir helfen, eine Leiche zu verscharren, wenn's nicht meine ist”, “Zürich” und “Küchensee”.

    Das Video zu “Ich würde dir helfen, eine Leiche zu verscharren, wenn's nicht meine ist”:

    Niels Frevert ist bei diesen Gelegenheiten auf der Bühne anzutreffen:

    • 07.12.11 Hannover – Faust
    • 08.12.11 Hamburg - Uebel & Gefährlich
    • 09.12.11 Berlin – Lido
    • 10.12.11 Leipzig – Moritzbastei
    • 12.12.11 Stuttgart – Zwölfzehn
    • 13.12.11 Frankfurt - Das Bett
    • 14.12.11 Köln – Luxor
    • 15.12.11 München - Hansa 39
    • 16.12.11 A-Wien – B72
    • 17.12.11 Essen - Zeche Car
  • We Invented Paris - We Invented Paris

    We Invented Paris - We Invented Paris























    We Invented Paris stammen aus Basel. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die Band ihre Heimatstadt in letzter Zeit recht selten zu Gesicht bekam. Eineinhalb Jahre existiert das Kollektiv um "so drei Mann, die die Grundbesetzung bilden" jetzt und wenn man sich mal deren Konzert-Seite für 2011 auf last.fm ansieht, kommt man locker auf über 50 Konzerte, die sowohl in privaten Wohnzimmern als auch in Clubs stattfanden. Aber selbst aus den Club-Konzerten werden gefühlte Wohnzimmerkonzerte, wenn es sich die Band unter den Zuschauern gemütlich macht und ihre Songs präsentiert.

    We Invented Paris am 11. Juni 2011 im Kult 41, Bonn
















    Anfang November erschien dann endlich das erste Album der Schweizer, welches allerdings von Sänger Flavian Graber und Produzent Alex Sprave größtenteils schon letztes Jahr aufgenommen wurde. Wenn man We Invented Paris schon mal live erleben durfte, erkennt man auch schnell den Unterschied zwischen den Konzertversionen der Songs und denen auf dem Tonträger: "Die Songs haben sich aber jetzt auf der Tour sehr viel weiter entwickelt und deshalb ist es nicht immer genau das, was man auf der Platte hört", sagt Flavian dazu.

    Dessen ungeachtet ist We Invented Paris ein mehr als gelungenes Debütalbum, welches Indiepop, Indietronic und Folk gekonnt miteinander verwebt. „Wir nennen das oft melancholische Lebensfreude. Dieses einerseits nachdenkliche, aber trotzdem nicht weinerlich Schwere“.



    Die Songs verbinden die Leichtigkeit einer mediterranen Sommernacht mit der allgemeinen Tristesse einer mittelgroßen deutschen Industriestadt. Streicher, Wurlitzer, Piano und elektronische Elemente verdichten das Gerüst der ineinander verwobenen Gitarrenflächen zu einem Sound, der live und auf Platte angenehme Wärme verbreitet. (musik-magazin.blog.de)

    Nach der instrumentalen Einführung "Ouverture" marschiert "The busker" im Gleichschritt hin zur dominierenden Clap-Rhythmik. "A view that almost kills" schüttelt Marakas-ähnliche Rasseln zu Akustikgitarre und dem Flair des ganzen Folk-Pop-Business. […] "Kyrie" durchziehen sämige, synthetische Orgelklänge, und das verliebte "Bubbletrees" wagt mit der Melodica einen kleinen Schritt zur Sehnsucht. "Public places" hantiert offenherzig mit Post-Rock, und "Nothing to say" ist eine rhythmische Ehrerbietung für Radiohead. Der dezentrale Gesang Thom Yorkes zieht durch das elektronisch-traktierte "More" und bildet im Gesamtpaket das Gegenteil zur sekundenlangen Stille und der generellen Reduziertheit von "Silence". (plattentests.de)



    Bis Februar machen We Invented Paris ein wohlverdientes Konzertpäuschen. Bis dahin kann man hier ihr Album hören, es gut finden und es anschließend im Plattenladen des Vertrauens käuflich erwerben.



  • Zola Jesus - Conatus

    Zola Jesus - Conatus























    Gerade rechtzeitig zum Auftakt ihrer vier Deutschlandtermine (Daten siehe unten), folgt hier noch rasch die Vorstellung von Zola Jesus‘ neuem Album Conatus.

    Düstere Synthies und echte Streicher, bombastische Drums und über allem die fantastische Stimme von Nika Roza Danilova machen das Album wieder zu einem wahren Hörerlebnis. Wer das Vorgängeralbum Stridulum II mochte, wird auch an dem aktuellen Werk der jungen Amerikanerin mit russischen Wurzeln Gefallen finden. Und wer es zu schwülstig und bombastisch fand, lässt besser weiterhin die Finger davon.

    Klanglich ist „Conatus“ eine klare Fortführung des „Stridulum“-Sounds, Nika Roza Danilova hat Beats und Synths weiter verfeinert und poliert, dazu augmentieren Streicher oder gleich zu Beginn glitchig umherflitterndes Elektroknarzen die Klangwelt. (auftouren.de)



    Auf dem neuen Album weht uns außerirdisch erscheinende Musik aus düsteren Synthie-Pop und klassischer Oper, entrücktem Gothic, Wave und Industrial entgegen. Die Beats gleichen dem Herzschlag. Schneller Puls, langsamer Puls. Das erinnert an die Minustemperaturen von Cocteau Twins, an den sphärischen, rhythmischen Gothic-Wave von Siouxsie and the Banshees, der Dramatik von These New Puritans, an Cold Cave und Esben and The Witch. (schallgrenzen.de)

    Das Album kann man sich hier im Stream anhören.

    Tourdaten:
    17. November Köln, Stadtgarten
    18. November Heidelberg, Karlstorbahnhof
    19. November München, Orange House
    20. November Frankfurt, Sinkkasten

    Wie klingt Zola Jesus eigentlich live?
  • David Lynch – Crazy clown time

    David Lynch – Crazy clown time

    cover

    David Lynch ist gemeinhin eher als Regisseur denn als Musiker bekannt. Filme wie “Dune”, “Blue velvet”, “Wild at heart”, “Lost highway” und “Mulholland drive” sowie die TV-Serie “Twin peaks” funktionierten mehr oder weniger ein Stück abseits des Mainstreams und bescherten dem einen oder anderen Zuschauer ein paar rätselhafte Minuten oder Stunden oder gar schlafarme Nächte. Musik spielte in Lynchs Werken häufig eine wichtige Rolle und neben der Gestaltung einiger Soundtracks war der Künstler auch schon als Texter für Julee Cruise tätig und vor zehn Jahren veröffentlichte er ein Rockalbum. Außerhalb seiner Filme begegnete Lynch mir musikalisch erstmals auf “Dark night of the soul”.

    Während mich Lynchs filmisches Schaffen bislang nicht staunend oder gar bewundernd zurückließ fand ich die Hoffnung, dass er dessen düster-experimentelle Grundstimmung in Musik umsetzt reizvoll. “Crazy clown time” beginnt auch recht verheißungsvoll mit dem frühen Höhepunkt in Form des mit Yeah Yeah Yeahs-Karen O eingespielten “Pinky’s dream”. Danach entwickelt sich das Album in eine nicht wirklich homogene aber trotzdem relativ runde Mischung aus Elektropop, Trip Hop und Blues. Da Lynch die Blues-Elemente glaubhaft darbietet, macht dieser Aspekt die Besonderheit des Werks aus. Die Titel “Strange and unproductive thinking” und “Stone’s gone up” verdienen noch besondere Erwähnung. Darüber hinaus ist “Crazy clown time” weniger speziell als Lynchs Filme aber durchaus hörenswert.

    Der Musikexpress scheint etwas begeisterter und ernennt es gar zur “Platte des Monats”, liefert aber auch gleich eine mögliche Erklärung für diese abweichende Interpretation:

    So eine fiese, irritierende Platte wie Crazy Clown Time wird man so schnell nicht mehr hören. Allerdings wird dieses Album mit großer Wahrscheinlichkeit wohl auch nur jenen Menschen gefallen, die die Filme von David Lynch zu schätzen wissen.

    Ein Video konnte ich nicht finden, aber das mit “Pinky’s dream” unterlegte Albumcover:

  • Die 10 besten Alben von Nick Cave And The Bad Seeds

    10. Murder Ballads (1996)
    9. Let Love In (1994)
    8. The Boatman's Call (1997)
    7. Skeleton Tree (2016)
    6. Henry's Dream (1992)
    5. Tender Prey (1988)
    4. Push The Sky Away (2013)
    3. Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus (2004)
    2. No More Shall We Part (2001)
    1. The Good Son (1992)

    (ausgewählt von Dirk)