Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Wingenfelder - Sieben Himmel hoch

    Wingenfelder - Sieben Himmel hoch
























    Gerade in Zeiten von "Fake News", Despoten und erstarkten Populisten muss man zu seinen Überzeugungen stehen. Ja, ich war ein überzeugter Fury In The Slaugherhouse-Fan, zumindest in der Zeit von 1990 bis 1995. Danach ließ mein Enthusiasmus wegen schwächerer Alben nach. Und 2008 war ich auf dem Abschiedskonzert der Band in ihrer Heimatstadt. Daher fanden für mich weder die "Klassentreffen" noch die Jubiläumskonzerte statt. Und auch die angekündigte Fury-Kreuzfahrt ist für mich eher eine Parodie denn Realität. Dieses Jahr auf wird mir die Band angeblich auf einem Festival begegnen, aber wie gesagt...

    Die schönen Jahre mit der Band lassen mich jedoch auch den Spott meiner Bekannten zu diesem Thema ertragen. Schon zu besten Fury-Zeiten war die Herausforderung für die Band, sowohl dem (eigenem) internationalem Anspruch als auch den Bedürfnissen der Schaar der Fans in der Heimat gerecht werden zu wollen. Es war immer ein dickes Plus, dass die Band um die beiden Wingenfelder-Brüder darauf verzichtete, Songs in ihrer Muttersprache darzubieten. Ansonsten hätte die Schlager- und Poprock-Keule vermutlich gnadenlos zugeschlagen.

    Diesen Schritt haben sich die Herren für ihre "Seitensprünge" vorbehalten. Der Familienname Wingenfelder wurde auf diesem Weg gleich mehrfach genutzt. "Alone" war Kai Wingenfelders (eben der Fury-Sänger) Solo-Debüt. Danach probierten es die beiden Brüder auf "Besser zu zweit" gemeinsam als Wingenfelder:Wingenfelder. "Sieben Himmel hoch" ist nun der vierte Longplayer der doppelten Wingenfelders. Poprock, für dieses Umfeld ein paar musikalische "Experimente" und (nicht nur wegen der Sprache) auch der eine oder andere Schlager-Klecks liefern den gealterten Fury-Fans gute Argumente, die Stimmung der letzten Konzerte (die aktuelle Tour ist bislang die erfolgreichste Fury-Tour) in Form eines aktuellen Albums nach Hause zu tragen. Der Einstieg in die Top 10 bestätigt, dass die Herren aktuell die Ernte einfahren, obwohl das Fury schon vor langer Zeit geschlachtet wurde.

    "Verlieb' Dich nicht in mich":

    "Mitten im Leben":

    Das Album gibt es als Deluxe-Edition mit 21 Songs. Die sieben Bonus-Songs fallen qualitativ gegenüber den 14 regulären Titeln nicht ab. Ohne echte Höhepunkte aber auch ohne massive Ausfälle können die Brüder auf diesem Niveau anscheinend genug Material für viele Konzerte produzieren. Apropos, die Wingenfelders live mit der Tour zum Album:
    • 20.09. Worpswede
    • 21.09. Kiel
    • 22.09. Rostock
    • 25.09. Schwerin
    • 27.09. Wolfsburg
    • 28.09. Osnabrück
    • 29.09. Lingen
    • 30.09. Oberhausen
    • 02.10. Lennestadt
    • 04.10. Hamburg
    • 05.10. Hannover
    • 06.10. Meschede
    • 30.10. Berlin
    • 01.11. Magdeburg
    • 02.11. Leipzig
    • 03.11. Erfurt
    • 04.11. Göttingen
    • 06.11. Saarbrücken
    • 08.11. München
    • 09.11. Mannheim-Freudenheim
    • 10.11. Münster
    • 11.11. Minden
    • 13.11. Köln
    • 14.11. Bochum
    • 16.11. Bielefeld
    • 17.11. Bremen 
    Musikheadquarter:
    „Sieben Himmel hoch“ ist persönlich wie noch nie, aber ohne die ewig gleichen Innenansichten. Hier geht es ums Außen, um Sichtweisen, die zwar dem Alter entsprechen, aber auch den Zeigefinger anderen überlassen. „Die Themen sind ganz klar wir“, sagt Kai. Sie haben „die Schnauze voll von Belanglosigkeiten.“ Brot und Spiele sind aus, die Popthemen haben andere schon alle durch. Sie wollten ein Album mit Aussage machen, sich auf Themen konzentrieren, die ihnen am nächsten sind. Weit gestreut zwischen Sehnsucht nach Freiheit, Aufbruchsstimmung und dem wohligen Gefühl, endlich angekommen zu sein.

  • Tim Burgess - As I Was Now

    Tim Burgess - As I Was Now




















    Am heutigen Tag kommt „As I Was Now“ als schwarzes Vinyl in die Plattenläden. Fans und Sammler konnten im April am Record Store Days die Schallplatte bereits in limitierter Auflage (500 Stück) auf „Transparent Blue Vinyl“ käuflich erwerben. Doch das ist nicht das Besondere am dritten Soloalbum des The Charlatans-Sängers, denn…

    … „As I Was Now“ wurde bereits 2008 - und damit zwischen „I Believe“ (2003) und „Oh No I Love You“ (2012) - aufgenommen und zwar von Tim Burgess’ persönlicher „Supergroup“, zu der Ladyhawke (Gesang), Josh Heyward (The Horrors; Gitarre), Martin Duffy (Felt, Primal Scream; Keyboards), Debbie Googe (My Bloody Valentine; Bass) und Steffan Halperin (Klaxons; Schlagzeug) gehören.

    Die 9 sehr abwechslungsreichen Songs wurden an drei Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr in Manchester aufgenommen, gerieten dann in Vergessenheit und erblicken nun, mit 10 Jahren Verzögerung, über Burgess’ eigenes Label O Genesis das Licht der Welt. Highlights sind der Popsong „Just One Kiss (One Last Kiss“, ein Duett mit Ladyhawke, sowie der an My Bloody Valentine erinnernde Shoegaze von „Many Clouds“. Fans von The Charlatans dürften sich besonders über „Another Version Of The Truth“ freuen.
    "Some songs were more complete than others, others appear on this record more finished than others", sagt Tim Burgess selbst und anhand von "The Savages (A Table For Their Heads)" lässt sich der Wahrheitsgehalt dieser Aussage am leichtesten verifizieren. 




    Burgess' strengths as a lyricist have always been overlooked, but he again demonstrates his ability to turn a thoughtful, catchy phrase, as in "The world is full of sweet / But sweet is not for me" on "Many Clouds". His voice has never demanded much attention, but it is youthful and agreeable as ever.
    Despite its impressive cast of backing musicians As I Was Now is probably the most personal, revealing music Burgess has released in a long, varied career. In that sense, it's a defining moment, even a decade on, and certainly a "lost album" worth finding.
    (pop matters)




    Play it once, and you may find the needle helplessly returning to the start. For what’s in essence a forgotten footnote to Burgess’s output, there are some strange beasts here, set down with their skin still fresh.
    (Independent)




  • Luke Haines - I Sometimes Dream Of Glue

    Luke Haines - I Sometimes Dream Of Glue



















    Im Plattenladen fallen einem beim Blick auf dieses Cover folgende Fragen ein:
    Was, schon wieder ein neues Album von Luke Haines? Seine wievielte Platte ist es denn in den letzten Jahren? Gibt es „I Sometimes Dream Of Glue“ auch auf Vinyl? Ist es so schnell vorbei wie seine letzen Veröffentlichungen? Mit welchen der stilistisch oftmals sehr divergierenden Veröffentlichungen Haines’ kann man „I Sometimes Dream Of Glue“ vergleichen? Wie heißt der Hit? Ist es wieder ein Konzeptalbum? Und wie lautet das Konzept diesmal?

    Hier sind die dazugehörigen Antworten:
    Tatsächlich ist der ehemalige Kopf von The Auteurs recht produktiv und hat seit 2001 dreizehn Solo-Alben veröffentlicht - Soundtracks, EPs, Live- oder Orchester-Alben und Compilations nicht mitgezählt. Auch „Raving“ wurde bei der Gesamtzahl nur einmal berücksichtigt, obwohl Haines 75 unterschiedliche Fassungen des Albums aufgenommen hat. Der Erwerb des Downloads oder der CD von „I Sometimes Dream Of Glue“ sind kein Problem, aber die LP ist auf 300 Stück weltweit limitiert. Zuerst ist man überrascht, dass das Album stolze 14 Songs liefert, jedoch ist es - fast schon traditionell - nach einer halben Stunde bereits durchgelaufen und wirkt teilweise dadurch etwas fragmentarisch. Haines spielt Gitarre, Flöten, Percussion und singt, damit steht „I Sometimes Dream Of Glue“ dem folkigen „Rock And Roll Animals“ (2013) recht nah. Einen Hit wie „Show Girl“ (1992) und „Lenny Valentino“ (1993) von The Auteurs oder „The Facts Of Life“ (2000) von Black Box Recorder findet sich auf diesem Album nicht, aber „At It With The Tree Surgeons Wife“, „Oh Michael“ und „Everybody’s Coming Together For Summer“, das mit einem Video und auf der Platte mit einem zweiten Teil versehen wurde, stechen heraus. Natürlich ist es wieder ein Konzeptalbum. Nach Wrestlern, Outsidern oder Szenen aus dem New York der 70er Jahre widmet sich Haines..., ach, lassen wir ihn selbst berichten:

    It started sometime after World War II – in the late 1940’s. A convoy of British Special Services trucks had been dispatched to RAF Middlewych, their cargo – 10 tonnes of experimental solvent liquid. Sticky and deadly. The mission – to drop the toxic liquid over Germany and finish the job of carving up Europe for good. The trucks never made it to their airfield destination, coming off the road – most probably helped by saboteurs – some five miles out of London…
    Just off the Westway, in the motorway sidings, you can see a small sign. Actually you probably can’t see the sign as it is the size of a child’s fingernail clipping. The sign says “Glue Town.” The name of a village. There is little or no documentation of Glue Town. You will not find any information about it on the 21st Century internet. Gluetown is a rural settlement born out of mutation. Of the estimated 500 or so dwellers, no one is thought to be over 2 1⁄2 inches tall. The citizens of Glue Town exist on a diet of solvent abuse and perpetual horniness. The residents only leave to carry out daring night-time ‘glue raids’ on Shepherds Bush newsagent shops. On a tiny screen in the town centre, an old Betamax cassette of Michael Bentine’s Potty Time plays on a loop all day and all night. The reduced size villagers go about their daily business pondering whether the lessons of Potty Time can show them a way out of their drudge lives of sexual abandonment and human sacrifice…




    As per usual with the former Auteurs frontman, the songs are carefully arranged, the arpeggios of “Angry Man on a Small Train” are ably seconded by great harmonium parts, recorders and layers of organ and a particularly good guitar solo on “I Fell in Love with an 00 Scale Wife” sees him channel the ghost of Ollie Halsall. For most of the tracks our host is in Ray Davies mode circa 1966, less than two minutes and a half, no fucking around. Vignettes on nymphomaniac tree surgeon wives (and their breasts) sit comfortably against ditties on hooligan Subbuteo players and tracks exhorting the virtues of glue (“Solvents Cure the Ego”). The whole thing could easily be the soundtrack of a remake of The Wicker Man shot inside a garden centre in Bradford.
    Haines is at his freewheeling best on the unhinged “Fat Bird From The Woodcraft Folk”, which features another wild guitar solo. The record remains highly melodic (“Oh Michael”, “We Could Do It”) and even though its lyrical content strays off the beaten path (understatement), it’s probably one of Haines’ most accessible releases since he joined the Cherry Red stable. Buy it.
    (Louder Than War)


  • Snail Mail - Lush

    Snail Mail - Lush
























    Andere Schulabgänger nehmen sich eine Auszeit und überlegen, was sie mit ihrem Leben anfangen möchten. Lindsey Jordan nahm noch während ihrer Schulzeit in Form einer ersten EP und einer selbstorganisierten Tour Anlauf, um nun, nicht lange nach Erreichung ihres Schulabschlusses bereits als Snail Mail ihr Debüt-Album "Lush" zu veröffentlichen.

    Einige Kritiker sehen in dem Album der Amerikanerin bereits die Rettung oder Reinkarnation des Indierocks. Das Album an sich wird dieser Erwartung m. E. nicht gerecht. "Lush" ist eine gefällige Indierock-Platte, die stellenweise so locker-flockig und unverbindlich ist wie die College-Rock-Platte der Wahl. Das Handwerkszeug stimmt, nur die zwingenden Hits oder dauerhaft einprägsamen Momente fehlen. Hoffnung macht die Tatsache, dass sich ein 19-jähriger Mensch dieser Art von Musik widmet und sicher allein wegen des Alters noch Entwicklungspotential aufweist.

    Deutschlandfunk Kultur:
    Cool. Das ist ein gutes Wort für dieses Album, das nie retro klingt, sondern wie Musik, die man jetzt, im Jahr 2018, hören muss. Ohne politische Message, dafür mit vielen simplen Fragen: Auf was für Frauen stehst du? Sind die Dinge so gelaufen, wie du es erhofft hast? Liebst du mich so wie ich bin? Im Fall von Snail muss diese Frage eindeutig mit Ja beantwortet werden.

    Das Video zu "Heat wave":
     
  • The Magic Numbers - Outsiders

    The Magic Numbers - Outsiders



















    Seit 2006 behalten The Magic Numbers ihren Vierjahres-Veröffentlichungs-Plan bei, so auch aktuell bei „Outsiders“, ihrem insgesamt fünften Album. Die in London lebenden Stodart- (Michelle und Romeo) und Gannon- (Angela und Sean) Geschwister tendieren seit jeher zu amerikanischen Vorbildern, lassen aber Folk und Americana hier etwas außen vor. Und so klingt „Otsiders“ vor allem in der ersten Hälfte deutlich rockiger („Shotgun Wedding“, „Ride Against The Wind“, „The Keeper“) als zuvor, so dass Neil Young, Bruce Springsteen und Marc Bolan häufig für Vergleiche herangezogen werden. Im weiteren Verlauf folgen noch die Balladen „Wayward“ und „Dreamer“, welches mit einer gewissen Portion Roy Orbison-Schmalz versehen wurde, sowie das abschließende, epische „Sing Me A Rebel Song“. Die Aufnahme des soft säuselnden „Power Lines“ mit seinem Bläser-Solo unter diese zehn Songs hätte das Quartett hingegen besser noch einmal überdenken sollen.

    Vinyl-Freunde waren entweder schnell und haben eine der auf 300 Stück limitierten pinkfarbenen Schallplatten käuflich erworben oder behelfen sich mit der regulären schwarzen Platte im Gatefold Cover. CD-Fans und Komplettisten sei die japanische CD empfohlen, da darauf zusätzlich noch drei Coverversionen warten: „Papa Was A Rodeo“ (The Magnetic Fields), „I Shall Be Released“ (Bob Dylan) und „Wrecking Ball“ (Neil Young).




    In the best way, you know without a shadow of a doubt that you're listening to an album by The Magic Numbers. Not many bands in the contemporary scene have such distinctive characteristics which mark them out from the crowd.
    'Runaways' shows upstarts like SunflowerBean how a serious, widescreen pop song is done, whilst the meaty 'Sweet Divide' surprises with a gorgeous lift into a sweetly-harmonised chorus. Before you know where you are, you're back in love with a band that it was never fashionable to love, but who keep on giving and giving fine albums nevertheless. In preparing to write this, I've come to the shameful realisation that, even though I had heard a good few albums of theirs, I've missed whole albums in their canon. They write songs that are timeless. Don't be like me and let that time drift by.
    It goes on beautifully. Latter highlights include the stomp of 'The Keeper' and the blues of 'Lost Children', showcasing yet more of the band's versatility. Closer 'Sing Me a Rebel Song' takes things in an even more dramatic direction as Romeo seeks “a song that's gonna save my life tonight”. The song unfolds into a beautiful climax to a really fine record.
    (Drowned In Sound)





  • 10 Schallplatten, die uns gut durch den Juli bringen

    10 Schallplatten, die uns gut durch den Juli bringen






















     10. The Essex Green
     - The Long Goodbye (LP) (20.7.)







     9. Kamasi Washington - Heaven & Earth (LP) (22.6.)







     8. Florence + The Machine - High As Hope (LP) (29.6.)







     7. The Charlatans - Totally Eclipsing (12'') (29.6.)







     6. Alex Somers & Sigur Rós - Black Mirror: Hang the DJ (LP) (13.7.)







     5. Die drei ??? - Die drei ??? und die Zeitreisende (Folge 194) (180g, limited-Edition, 2 LPs) (20.7.)







     4. Wild Nothing - Gemini (Limited Colored Vinyl) (27.7.)







     3. Ólafur Arnalds - Eulogy For Evolution 2017 (LP) (29.06.)







     2. Brücken/Froese - Beginn (Limited Edition Gatefold Sleeve 2 LP) (15.6.)







     1. Adorable - Against Perfection (Limited Flaming Vinyl) (20.7.)








  • Gruff Rhys - Babelsberg

    Gruff Rhys - Babelsberg




















    Wie spricht man eigentlich Gruffudd Maredudd Bowen Rhys, den vollständigen Namen des Sängers der Super Furry Animals aus? So: ˈɡrɨ̞fɨ̞ð maˈrɛdɨ̞ð ˈbowɛn ˈr̥ɨːs. Alles klar? 

    Der aus Wales stammende Gruff Rhys stemmte sich vor zwei Jahren mit der Single „I Love EU“ gegen den Brexit, verhindern konnte er ihn aber nicht. Sein fünftes Soloalbum benannte er nun nach dem größten Stadtteil Potsdams, das weltweit häufig als Synonym für die Medienstadt Babelsberg steht. Auch die Aufnahmen hätten eigentlich gut dort stattfinden können, denn das Deutsche Filmorchester Babelsberg hätte stilgerecht für die opulenten Orchesterklänge sorgen können, die auf den 10 Liedern erklingen.  

    Gruff Rhys croont sich, eingebettet in die Arrangements des Komponisten Stephen McNeff und unterstützt vom das 72-köpfigen BBC National Orchestra Of Wales, im Geiste von Lee Hazlewood oder Serge Gainsbourg durch melodietrunkene Songs, die auch in den 60er oder 70er Jahre hätten entstanden sein können. Er bewegt sich nach seinen nicht ganz so starken ersten Soloausflügen („Yr Atal Genhedlaeth“, 2005, und „Candylion“, 2007) auf einem kontinuierlich hohen Niveau („Hotel Shampoo“, 2011, und „American Interiour“, 2014) und „Babelsberg“ setzt diesem Trend vielleicht die Krone auf.




    Der Western-Folk-Auftakt "Frontier Man" zieht gleich mal Spät-60er-Hazlewood auf Lunge ("The Bed") und ergänzt ausladende Streicher- und Bläser-Arrangements, die eine Epoche heraufbeschwören, in denen man eine E-Zigarette noch als unerhörtes Science-Fiction-Gimmick betrachtet hätte. "The Club" und "Oh Dear!" schreiten tempotechnisch im Galopp voran, letzteres in den Strophen auch mit auffallender Ähnlichkeit zu "Sunny Afternoon" von den Kinks - Vergleiche, gegen die wohl niemand etwas einzuwenden hat.
    Denn Rhys ist niemand, dem man Vorhaltungen machen will, zu routiniert und leichtfüßig seine Songstrukturen, zu fesselnd die Melodien, die jeden Singer/Songwriter-Fan mit Vorliebe für etwas Melancholie und einer narkotischen Gesangsstimme rumkriegen sollten. Zumal die eingängigen Melodien eher düstere Themen transportieren.
    (laut)




    Gruff Rhys in Deutschland:

    21.11.18 München, Ampere
    22.11.18 Berlin, Privatclub
    23.11.18 Hamburg, Turmzimmer Uebel & gefährlich
    27.11.18 Köln, Studio 672

  • Jaguwar - Ringthing

    Jaguwar - Ringthing




















    Dieses Wochenende besuchen wir erstmals das Traumzeit Festival in Duisburg. Die musikalischen Hauptgründe für diesen Ausflug lauten Slowdive, The Jesus And Mary Chain und Mogwai. 

    Aber auch ein deutsches Shoegaze-Trio namens Jaguwar würde ich mir trotz des für uns recht ungünstigen Slots (Konzertbeginn um 00:15 Uhr mit anschließender knapp zweistündiger Heimfahrt) eigentlich gern ansehen. 

    Oyemi Noize (Bass, Gesang), Lemmy Fischer (Gitarre, Gesang) und Christoph Krenkel (Schlagzeug) haben seit ihrer Gründung vor rund sechs Jahren zwei EPs in Eigenregie veröffentlicht, bis Anfang diesen Jahres „Ringthing“ bei Tapete Records erschienen ist. Jaguwar huldigen darauf einem Sound zwischen My Bloody Valentine, Ride und The Cure und würden aus dem Lineup des Traumzeit Festivals sicherlich die gleichen Bands auswählen wie ich. 




    Es hallt und scheppert an allen Ecken, hämmernde Drums steigern sich in Ekstase, und hin und wieder werden die Songs sogar durch Noise verstärkt. In puncto Catchiness erinnert das an die frühen Pains Of Being Pure At Heart, »Crystal« ist dagegen eher eine wavige The-Cure-Nummer, die sich am Ende in ein Gitarrengewitter entlädt. Gratulation zu diesem durchgehend hochklassigen Album, mit dem die Berliner mit Sicherheit auch international in ein paar Ärsche treten werden.
    (intro)




    Wäre man gemein, könnte man sagen, dass Jaguwar lediglich den Sound von Slowdive mit einer Dosis Verzerrung von My Bloody Valentine abschmecken und davor nicht vor Post-Rock-Strukturen zurückschrecken. Ach ja, ein ordentliches Melodieverständnis legen sie auch an den Tag, sodass man sich ein eingängiges Stück wie "Skeleton feet" mit etwas weniger Verwaschenheit auch von Jimmy Eat World vorstellen könnte. Und haben wir schon erwähnt, dass Vokalist Lemmy Fischer ganz arg nach The Cures Robert Smith klingt, besonders im melancholischen "Whales"? Ist das alles Zufall, diese ganzen Referenzpunkte? Es ist vielmehr vollkommen egal. Wie der Sound an sich verschwimmt das alles mit der Zeit.
    Denn was Jaguwar drauf haben, ist das Songwriting. "Ringthing" meistert konstant den Spagat zwischen dichten Klangwelten aus dem Verzerrer und klaren Fixpunkten und Hooks. "Gone" täuscht genau so lange den Achtziger-Sheen an, bis man von selbst glaubt, dass gleich The War On Drugs hereinmarschieren – nur um später den Haken Richtung Volldampf zu schlagen. "Slow and tiny" ist ohnehin schon mehrere Minuten auf dem Weg zum Übersong, der Ausbruch am Ende ist dann so hart und überwältigend, wie man es selten im Shoegaze hört. Sängerin Oyemi Hessou, die zweite Kraft am Mikro, nimmt im quirlig-flotten "Night out" derweil ein entspanntes Bad im Pool der Gitarrenspuren. "Crystal" probt erfolgreich die Grandezza von Klimt 1918. Okay, ist gut, wir hören jetzt auf mit den Referenzen.
    (Plattentests)


    Jaguwar unterwegs:

    21.9.2018 Osnabrück - Kleine Freiheit
    22.9.2018 Köln - Tsunami Club
    23.9.2018 Kusel - Schalander
    25.9.2018 Mainz - Schon Schön

  • Wye Oak - The louder I call, the faster it runs

    Wye Oak - The louder I call, the faster it runs

     



    Die amerikanische Band Wye Oak wird immer wieder gerne für ihre Alben gefeiert, zumindest von vielen Kritikern. Die letzte beiden Alben "Shriek" und "Civilian" konnten mich nur mäßig begeistern, aber die erneut lobenden Ankündigungen ihres aktuellen und sechsten Albums "The louder I call, the faster it runs" ließen mich wieder weich werden. Ich gab mir wirklich Mühe und dem Album viele Durchläufe, aber am Ende bin ich nur gelangweilt. Die Kompositionen sind zweifellos komplex, aber der Gesang ist zu verträumt und das Gesamtergebnis einfach zu belanglos.

    Stillstand kann man der Band nicht vorwerfen. Die Gitarren und Folk traten im Laufe der Zeit und der Alben mehr in den Hintergrund, inzwischen regieren Synthesizer, Dream- und Electro-Pop. "The instrument", "Lifer", "It was not natural" und "Say hello" sind die besseren Titel auf "The louder I call taster it runs", aber empfehlen möchte ich das Album nur Fans der Band.

    Das Video zum Titelsong:


    "It was not natural":


    Für den begeisterten Kommentar gebe ich ab an den Musikexpress:
    Kein Song vertraut auf altbekannte Muster, keine Melodie wirkt wie schon mal gehört. Stattdessen Harmoniewechsel, hinterhältige Rhythmen und eine Überdosis Pathos, die immer gerade so fehl am Platze scheint, dass sie genau richtig ist. Selbst wenn ein Stück wie „Join“ doch mal das Dream-Pop-Klischee zu erfüllen scheint, wartet man vergeblich auf den erlösenden Refrain. Es ist, wie stets bei Wye Oak, Musik, in der man sich verlieren kann. Diesmal allerdings wird man dabei so plüschig gebettet wie niemals zuvor.
  • Jacob Bellens - Trail of intuition

    Jacob Bellens - Trail of intuition

     






















    Wenn wir schon bei den Färöer-Inseln waren, schauen wir doch gleich auch noch in Dänemark vorbei. Jacob Bellens' Album "My convictions" hat mein Herz 2015 erobert, vor allem wegen des starken Titelsongs. Das nachfolgende Album "Polyester skin" markierte einen Richtungswechsel, Synthpop und 80er Jahre-Feeling hielt Einzug. "Back to you" und erneut der Titelsong waren für mich ebenfalls Hits, die bis heute nachhallen und eine Playlist bereichern.

    Kürzlich hat der dänische Musiker nun sein viertes Solo-Album "Trail of intuition" veröffentlicht. Dieses folgt weitgehend der Ausrichtung des Vorgängers. Es klingt nach Synthpop, Indie und Singer/Songwriter. Trip Hop und Disco werden ebenfalls gestreift.

    Dem Muster der letzten beiden Alben folgend, ist auch auf "Trail of intuition" der Titelsong der stärkste Titel. "Sunrise in east", "More than anything" und "Lose myself" könenn sich ebenso hören lassen wie der Rest des homogenen Albums. An das Hit-Potential der Vorgänger-Alben kommen diese Lieder aber leider nicht heran. Aber Bellens punktet weiterhin mit seiner verschrobenen Art sowie seinem verhalten freudigen Blick auf nicht immer erheiternde Themen.

    "Renegade" war die erste Single des Albums, hier das Video dazu:


    Der Titelsong:


    "One of a kind":


    Gaesteliste.de:
    Auf dem neuen Werk schleicht sich - neben der nach wie vor vorhandenen melancholischen Grundtendenz - eine fast schon unbeschwerte, fröhliche Note ein, die - in Kombination mit den elektronischen Sounds und Bellens nach wie vor hübschen Melodien und seinem sehr speziellen Humorverständnis - an die Unbekümmertheit erinnert, die frühe E-Pop-Elaborate auszeichnete. Gleichwohl bleibt sich Bellens als vielseitiger Soundwiz treu und webt stets auch organische Bestandteile - wie etwa Chöre oder Streicherpassagen - in sein Wirken ein.


  • Teitur - I want to be kind

    Teitur - I want to be kind

























    Dass Teitur nett ist, hätte er gar nicht mehr beweisen müssen. Mit seinen Alben hat er Musikfreunden sehr schöne Momente beschert und neben vielen anderen musikalischen Kollaboration hat er Judith Holofernes' jüngstes Werk "Ich bin das Chaos" bereichert, wenn nicht gar gerettet.

    Allein durch seine Herkunft von den Färöer-Inseln hat Teitur schon so einen gewissen Sympathie-Bonus. Wahrscheinlich strahlt da Island aus. Doch bei aller Sympathie ist mir sein ca. neuntes Solo-Album "I want to be kind" zu nett geraten. Viele der Songs stören einfach nicht weiter. In der zweiten Albumhälfte erzeugt Teitur auch über mehrere Songs eine intime Stimmung, aber einen nachhaltigen Eindruck konnte er bei mir auch über mehrere Durchläufe nicht aufbauen. Da habe ich den Vorgänger "Story music" besser in Erinnerung.

    "Looking for a place", "Your heart's not in it" und "Playing house" sind die relativen Höhepunkte der Platte. "Businessmen in aeroplanes" konnte bei mir Punkten, da es den Grundstock einer Playlist für Geschäftsreisen bilden könnte.

    Gerne verweise ich auf ein posiveres Urteil von Sounds & Books:
    Im Prinzip ist I Want To Be Kind das vorweggenommene Winteralbum, bei dem man sich unter die Decke kuscheln möchte und dessen wohltemperierte Songs die Seele wärmen. Als Anspieltipps empfehlen sich neben den erwähnten Tracks der traumhaft schöne Opener „Looking For A Place“, das herzzerreißende „If You Heart’s Not In It“, das liebevolle „Bird Calls“ und der melancholische und doch auch vergleichsweise fröhliche Abschluss mit „I Have Found My Happiness“. Sanfte Musik, die unendlich gut tut.
    Das wirklich nette Video zum Titelsong:
  • Lykke Li - So Sad So Sexy

    Lykke Li - So Sad So Sexy




















    10 Fakten zum neuen Album von Lykke Li:

    1. Den bisher üblichen Drei-Jahres-Rhythmus konnte Lykke Li nicht einhalten: Auf „So Sad So Sexy“ mussten ihre Fans 4 Jahre, 1 Monat und 2 Tage warten.

    2. Mit den Chart-Erfolgen der drei Vorgängerplatten konnte ihr aktuelles Album ebenfalls nicht mithalten. In ihrer schwedischen Heimat erreichte sie folgende Platzierungen: „Youth Novels“ (2008) #3, „Wounded Rhymes“ (2011) #2, „I Never Learn“ (2014) # 2 und „So Sexy So Sad“ (2018) #10. 

    3. Nachdem der Name der Künstlerin in Versalien aufs Plattencover geschrieben wurde, ging wohl die Umschalttaste kaputt, denn sowohl dem Album- als auch den Songtiteln fehlen die Großbuchstaben.




    4. Die 10 Songs laufen 34:02 Minuten. Damit wird die „Länge" des Vorgängers „I Never Learn“, der nur 9 Lieder hatte, um 72 Sekunden übertroffen. Überraschenderweise fehlt das im letzten Jahr veröffentlichte „Time In A Bottle“ auf dem Album.

    5. Gleich 5 Songs wurden seit Mitte April als Singles ausgekoppelt: „Deep End“, „Hard Rain“, „Utopia“, „Sex Money Feelings Die“ und „Two Nights“ konnten keine relevanten Chart-Erfolge erzielen.




    6. Björn Yttling (Primal Scream, Franz Ferdinand, Moneybrother) von Peter Björn and John ist erstmals auf einem Album von Lykke Li nicht als Mitkomponist und Produzent aktiv.

    7. Offensichtlich war Yttling nicht 1:1 zu ersetzen und so teilen sich folgende Menschen bei den einzelnen Songs die Credits als Produzenten und Mitkomponisten: Lykke Lis Ehemann Jeff Bhasker (Bruno Mars, Lana Del Rey, Kanye West, Beyoncé), Rostam Batmanglij von Vampire Weekend, Skrillex, Kid Harpoon (Florence + The Machine, Jessie Ware, Harry Styles), Emile Haynie (Eminem, Bruno Mars, Lana Del Rey), Richard Nobels (Lana Del Rey, Dua Lipa, Cher, Belinda Carlisle) u.v.a.

    8. Der Rapper Aminé ist als Gast auf dem Song „Two Nights“ zu hören, Rostam Batmanglij singt bei „Hard Rain“, Andrew Wyatt beim Titelsong mit.




    9. Das als Download, CD oder LP (und nicht als limitiertes Box-Set o.ä.) käuflich zu erwerbende Album steht aktuell bei Metacritic, unter Berücksichtigung von 19 Kritiken, bei einem Wert von 71/100 Punkten. Die Vorgänger? Deutlich besser bewertet: „Youth Novels“ 75/100, „Wounded Rhymes“ 83/100 und „I Never Learn“ 77/100.


    Der anklagende Opener »Hard Rain« setzt auf große Gefühle und Auto-Tune – und erinnert wahlweise an Bon Iver, James Blake oder FKA Twigs, während das auf Hochglanz polierte »Deep End« die slicke Handschrift von Produzent Jeff Bhasker (Kanye West, Jay-Z, Rihanna) trägt und mit zeitgeistigen Trap-Beats überrascht. Ob es im folgenden »Two Nights« jetzt unbedingt das Rap-Feature des Portlandians Aminé gebraucht hätte, sei dahingestellt – doch für jede Konzession an den Mainstream gibt es zum Glück auch melancholische Banger wie das mit der besten Hook des gesamten Albums versehene »Better Alone Than Lonely«. Auch wenn Lykke Li als frisch gebackene R’n’B-Diva den Pop-Zeitgeist nicht unbedingt neu definiert, so ist ihr mit »So Sad, So Sexy« trotzdem eine über weite Strecken spannende künstlerische Weiterentwicklung gelungen.
    (intro)


    10. Das letzte der aktuell bestätigten Konzerte findet in Deutschland statt: am 8. November 2018 im Astra Kulturhaus in Berlin.


  • Courtney Barnett - Tell me how you really feel

    Courtney Barnett - Tell me how you really feel

























    Aktuell setzt Courtney Barnetts Website auf interaktive Besucher. Gemäß dem Motto ihres aktuellen Albums wird diese Maske eingeblendet:

    Offensichtlich sind einige der Besucher tatsächlich mitteilsam. Zumindest laufen viele Meldungen über den Screen und nicht wenige davon sind sogar lesenswert. Sie reichen von oberflächlichen Stellungnahmen wie "A little bored but otherwise pretty good" bis zu wirklich ehrlich anmutenden Äußerungen wie "I feel lost, like a piece of driftwood floating in the ocean...". Da hatte jemand eine nette Idee. Barnett könnte aus diesen Mitteilungen für einige neue Songs ziehen. Doch es scheint nicht, als würde es ihr an Inspirationen mangeln.

    Ihr Debüt "Sometimes I sit and think, and sometimes I just sit" erschien vor drei Jahren. Damit erspielte sich die Australierin einige Lorbeeren in Form von Musikpreisen und Nominierungen (u. a. auch für Grammy und Brit Awards). Seit 2012 und aktuell mit Jen Cloher gemeinsam betreibt sie Milk! Records. 2017 veröffentlichte sie gemeinsam mit Kurt Vile die Platte "Lotta sea lice". Nun folgt mit "Tell me how you really feel" ihr zweites Solo-Werk und es drängt sich quasi als "Konsens-Album" auf, weil es gleichzeitig viele Aspekte abdeckt:
    • Es ist ein starkes Statement einer Frau, die einiges zu sagen und einiges zu beklagen hat (ohne zu jammern)
    • Es erinnert stellenweise an Alternative Rock der 90er Jahre
    • Barnett deckt ein breites Spektrum ab: Sie kann wie eine wütende PJ Harvey und wenig später relaxt und abgeklärt klingen.
    • Die erwähnenswerten Titel auf "Tell me how you really feel" sind zahlreich und vielseitig: Gleich hintereinander wissen "Charity", "Need a little time" und "Nameless, faceless" zu begeistern um dann an ein wütendes "I'm not your mother, I'm not your bitch" zu übergeben. "Sunday roast" bildet ein starkes Ende eines starken Albums. 
    • Und zwischendurch kapern noch die beiden The Breeders-Schwestern als hochkaratäige Gäste "Crippling self doubt and a general lack of self confidence".
    "Sunday roast":

    "Nameless, faceless":

    "Need a little time":

    Having lived with the album on repeat for over a month now, each subsequent listen has uncovered fresh riches and increasing nuance and depth. A slump this is not. Tell Me How You Really Feel is instead an intentionally muted triumph and an emotional recalibration. Lyrically, anger and sadness dominate the record until some light breaks through on its final track. Musically, though, hope brims throughout.

  • Peace - Kindness Is The New Rock And Roll

    Peace - Kindness Is The New Rock And Roll




















    Dass der Schritt vom Major Label (Columbia) zu einem kleineren Indie Label (Ignition) nicht nur positive Aspekte mit sich bringt - schließlich hat dem Quartett offensichtlich niemand ins Gewissen geredet, als sie mit der Idee, das Woodstock Symbol für ihr Plattencover zu adaptieren und den Bandnamen durch das leicht veränderte Peace-Zeichen zu ersetzen, ankamen - haben Peace mit ihrem dritten Album erfahren müssen: Während sich die beiden Vorgänger, „In Love“ (2013) und „Happy People“ (2015), langsam an die britischen Top Ten heranpirschten (#16 bzw. #12), konnte das im Mai veröffentlichte „Kindness Is The New Rock And Roll“ gerade einmal bis auf den 49. Rang klettern. 

    Da halfen Harrison Koisser (Gesang, Gitarre), Douglas Castle (Gitarre), Dominic Boyce (Schlagzeug) und Samuel Koisser (Bass) auch die recht guten Plattenkritiken - bei Metacritic steht das aktuelle Album bei 74/100 Punkten und damit besser als seine beiden Vorgänger da - wenig. Und tatsächlich ist „Kindness Is The New Rock And Roll“ einerseits ein zeitloses Album, soll heißen es hätte so auch in den 60ern oder 70ern erscheinen können, zwischen Indierock und Britpop, das Freunden von Blossoms bis The Kooks gefallen könnte, und andererseits Dank Songs wie „Power“, „Kindness Is The New Rock And Roll“, „Silverlined“ oder „Choose Love“ das bisher stärkste von Peace


    ‘You Don’t Walk Away From Love’ is an iconic stomp, ‘Silverlined’ is custom-made for arms-around-shoulders festival singalongs, holding court with the best of the foursome’s anthems, while ‘Magnificent’ showcases Harry’s duality perfectly: at one moment, he’s both primed to take on the world, and doubting his every step. ‘From Under Liquid Glass’, released early this year in support of mental health charity MQ, is one of indie-rock’s most relatable songs on such matters, its heavy-handed lyrical approach smartly reflecting depression’s ability to make articulating even the most obvious thoughts an insurmountable task. “Any idiot could sing it in a song… so sing it,” goes sprawling closer ‘Choose Love’, just one of many smirks of a line on the record that shows Peace know just what they’re doing. And on ‘Kindness Is The New Rock And Roll’, they’re doing it very well indeed.
    (DIY)




    Though harbouring disparate aesthetics, KITNRAR’s overarching narrative is one of positivity, and sanguineness, linking each track thematically, if not sonically. And while its bombast certainly feels like Peace graduating into the realms of rockstardom, its message is one that suggests a lack of the ego that traditionally goes with it. A stunning return.
    (Independent)




    Peace built their name off fizzing anthems that made you want to fling yourself into a sweaty mass of bodies and devote your life to the band, and there’s still plenty of that in their arsenal. ‘Power’ is the kind of song that makes you feel totally invincible, Sam Koisser’s bass driving the verses with swaggering confidence, and ‘You Don’t Walk Away From Love’ is a swaggering triumph. Less anthemic, but no less powerful, ‘Magnificent’ sweeps through the album’s centre on a wave of strings. The gorgeous ‘Silverlined’ features heart-swelling sentiments (“I want to love you with all of my ashes“) and a gargantuan solo from Doug that sounds like a bolt of electricity crackling through water. It’s a glorious peak on an album that, save a couple of weaker links (‘Angel’ and ‘Just A Ride’) is hard to fault. Thank god Peace are back, and on breathtaking form.
    (NME)


  • Boy Azooga - 1, 2 Kung Fu!

    Boy Azooga - 1, 2 Kung Fu!

























    "1, 2 Kung Fu!" ist das Debüt der walisischen Band Boy Azooga. Hinter dieser steckt Mastermind Davey Newington, der dank seiner soliden musikalischen Ausbildung und seiner Fähigkeiten an den Drums in den letzten Jahren Musik in den Lebensmittelpunkt rücken konnte. Über lange Zeit arbeitete er parallel an den Songs für sein Album und schließlich rekrutierte er auch noch drei Musiker, die seine Band komplettieren. Als Referenzen fand ich u. a. Sly & The Family Stone, Caribou, Black Sabbath, Outkast, Ty Segall, The Beastie Boys und The Beach Boys. Für mich liegt zusätzlich der Hinweis auf Blur nah. Mindestens sieben der elf titel auf "1, 2 Kung Fu!" erinnern mich an die ehemaligen Britpop-Helden zu Zeiten ihrere jüngeren Alben. Das liegt nicht nur an den Ähnlichkeiten von Newingtons Gesang zu dem Damon Albarns.

    Bei einer Band aus Wales legt Clashmusic noch einen Vergleich mit einem Landsmann drauf:
    ‘Losers In The Tomb’ is the best thing Gruff Rhys hasn’t written in many a year, while ‘Loner Boogie’ offers garage-soul in a frenetic burst. ‘Face Behind Her Cigarette’ possesses a twitching synth, swaggering percussion and some of the stardust of William Onyeabor, a noted influence. While ‘1, 2 Kung Fu’ has a quite remarkable list of influences and sonic echoes, it never feels like pastiche. The giddy gear changes and effortless transitions make for a euphoric journey.

    Mir gefallen auf "1, 2 Kung Fu!" vor allem die garage-rockigen Titel "Loner Boogie", "Face behind her cigarette" und "Taxi to your head". Doch diese verweisen clever auf die Blur-Kompetenzen und Experimental-Momente, die in den anderen Songs ausgelebt werden. Als typischen Titel mit Blur-Flair empfehle ich zudem "Losers in the tomb". "1, 2 Kung Fu!" ist ein äußerst gelungenes Debüt-Album welches über weite Strecken so klingt, wie ich mir neue Blur-Songs vorstellen würde, während Damon Albarn auf Gorillaz-Pfaden wandelt. Oder etwas plakativer formuliert: Während Damon Albarn sich mit den Gorillaz beschäftigt, macht es sich Boy Azooga zumindest mit einer Arschbacke auf dem Blur-Sessel gemütlich. 

    Das Video zu "Loner boogie":


    "Face behind her cigarette":


  • Mary Lattimore - Hundred Of Days

    Mary Lattimore - Hundred Of Days




















    Als wir im letzten Dezember das Nordur og Nidur Festival in Reykjavik besuchten, sahen wir auch einen Auftritt der in Los Angeles lebenden Harfinistin Mary Lattimore und es war schon beeindruckend zu erleben, wie sie durch Zupfen, Reißen, Streicheln und Wischen unterschiedliche Klänge erzeugte, diese loopte und zu neuen Klangwelten zusammensetzte. Obwohl nicht gesungen wurde, die Lieder nicht dem klassischen Aufbau einen Popsongs folgten, recht meditativ wirkten und sicherlich auch mal 10 Minuten dauerten, wurde man durch die Darbietung unweigerlich in einen Sog gezogen.

    Obwohl dieser Zauber etwas verloren geht, wenn man die Künstlerin nicht live vor Augen hat, steht „Hundred Of Days“, das dritte Album von Mary Lattimore, aktuell bei Metacritic bei einem Score von 80/100 Punkten. Neben der 47-saitigen Harfe gibt es dezente Klänge von Synthesizer, Gitarre, Theremin und Piano zu hören und lassen das Album irgendwo zwischen zeitgenössischer Klassik und Ambient einsortieren. Die sechs Titel laufen 44 Minuten und sind als Download, Kassette, CD und LP erhältlich. In der auf 800 Exemplare limitierten Version ist das Vinyl gold. Zusätzlich gibt es digital den Song „Wind Carries Seed“.




    The 11-minute opener, "It Feels Like Floating," revolves around a gentle, looped harp melody, which is fleshed out by subtle layers of shimmering organ and ethereal, sighing vocals, as well as distant birdsong. The piece has a sort of melancholy swing to it, but it still sounds light, sunny, and peaceful. "Never Saw Him Again" unexpectedly adds sparse, lo-fi drum-machine beats, somewhat recalling Jefre Cantu-Ledesma's later solo work, and while Lattimore adds a drizzle of static and distortion, she doesn't go anywhere near as overboard. Harp notes are played forward and in reverse at the same time, and a layer of organ shines underneath. "Baltic Birch" is another epic, which builds upon a strange gothic Europop melody and gradually gets deeper and darker, throwing in some of Lattimore's usual twisted delay effects to create a sense of disorientation. While Lattimore's extended experiments are captivating, one of the album's most touching moments is the brief, direct "Hello from the Edge of the Earth," a simple melody that seems halfway between a heartfelt apology and an expression of deepest appreciation and gratitude. Hundreds of Days finds Lattimore gracefully adapting to her new surroundings, adding new dimensions to her sound but keeping its dreaminess and sentimentality intact.
    (All Music)




    Lattimore shows a darker side of the harp on “Baltic Birch,” mixing melancholic strumming with dramatic electric guitar flourishes. She even reaches for uncharacteristically heavenly, classical harp heights on the soothing “Hello From the Edge of the Earth.” What makes Hundreds of Days so special, though, is how often it hits ambient music’s sweetest spot—a place where the world slows down and the performer’s free-floating noise makes you appreciate everything around it.
    Listening to the album’s closing track, “On the Day You Saw the Dead Whale,” while jogging in the park one morning, the piano chords and harp notes activated the sounds of the forest around me. The thump in my chest, the whistle of the wind blowing through the leaves, and my footfalls on asphalt all danced around her notes. In that moment, it was impossible to tell where Lattimore’s song ended and the world began.
    (Pitchfork)




  • Neko Case - Hell-On

    Neko Case - Hell-On



















    Wer zur Hölle hat sich nur dieses Plattencover ausgedacht und umgesetzt? Da hat Photoshop Philipp mit dem schwelenden Großbrand auf Nekos Schulter, den düsteren Rauchschwaden und dem gräßlichen Titel-Tattoo ganz tief in die Trickkiste gegriffen. Übertroffen wird er nur noch von Requisiten Renate mit ihrer Rundum-Langhaar-Perücke und der glimmenden Zigaretten-Krone. 

    Kommen wir aber lieber zum Inhalt von „Hell-On“, der im Gegensatz zur Verpackung äußerst gelungen ist. 85/100 bei Metacritic erhält auch Neko Case nicht mit jedem Album, zuletzt 2006 mit „Fox Confessor Brings The Flood“. Mit ihrem siebten Studioalbum hat sie mit den Veröffentlichungen ihrer Hauptband The New Pornographers mittlerweile gleichgezogen. Zudem gab es noch das vor zwei Jahren veröffentlichte Projekt „case/lang/veirs“ - und ihre damaligen Mitstreiterinnen k.d.lang und Laura Veirs sind auch auf „Hell-On“ zu hören, wie auch Beth Ditto, AC Newman, Joey Burns (Calexico) und weitere prominente Mitstreiter.  Mit Lasse Mårtén (Lykke Li, Johnossi) und Björn Yttling (Shout Out Louds, Anna Ternheim) von Peter Bjorn And John unterstützend auch bekannte Produzenten Neko Case in Stockholm an den Reglern. 

    Ob es nun am schwedischen Einfluss liegt oder nicht, Neko Case zeigt sich auf „Hell-On“ äußerst abwechslungsreich und ungemein eingängig. Exemplarisch seien die Fleetwood Mac-Reminiszens „Halls Of Sara“, der 60s-Girl-Pop-Hit „Bad Luck“ oder die Duette mit Mark Lanegan („Curse of the I-5 Corridor“) und Eric Backman („Sleep All Over“) genannt. 

    „Hell-On“ ist als Download, CD (Digipack) oder Doppel-LP (schweres schwarzes oder limitiertes braunes Vinyl mit 32-seitigem Booklet und Deluxe-Klappcover) erhältlich. 

    Da es von den Videos zu „Curse of the I-5 Corridor“, „Bad Luck“ und „Hell-On“ nur kurze Ausschnitte gibt, greifen wir für einen längeren und besseren Eindruck auf deren Live-Aufnahmen zurück:





    Cases Mischung aus Alternative Country, Punk und Americana ergänzt sich unglaublich gut mit ihrer manchmal rauen, manchmal nasalen, aber immer pointierten Stimme. Dazu sind dieses Mal die meisten Texte auf dem selbst produzierten »Hell-On« humorvoll, selbstkritisch, schräg und manchmal auch einfach nur herzzerreißend (»Sleep All Summer«). Produktionshilfe kam hier von Bjorn Yttling (Peter Bjorn And John). Mit Gastbeiträgen von K.D. Lang, Beth Ditto und Mark Lanegan ist »Hell-On« ein Sammelsurium von poetischen Geschichten, die alle für sich stehen und ihren jeweils eigenartigen Sog entwickeln, allen voran »Halls of Sarah« und »Winnie«. Der Titeltrack klingt dabei ziemlich dunkel und weckt trügerische Erwartungen an den Rest des Albums. Von Neko Case in die Irre geführt zu werden ist allerdings eine traumhaft bereichernde Erfahrung.
    (intro)




    Hell-On ist das siebte Soloalbum von Neko Case, das erste der Country-Rock-Songwriterin seit fünf Jahren. Sie sagt, es sei genau die Platte, die sie machen wollte, seit sie ein Kind war. Ihr Masterpiece Vielleicht ergibt es deshalb Sinn, dass Hell-On zunächst einmal klingt wie eine klassische englische Kurzgeschichte, vorgetragen mit etwas distanziertem Ausdruck. Oder wie Fleetwood Mac im modernen One-Woman-Country-Style. Die Texte sind lang, der musikalische Rahmen klingt inspiriert: flirrende E-Gitarren und viele akustische, auch Geigen, während Case die Höhen ihres Gesangspotenzials erklimmt. Dieses changiert zwischen Mainstream-Rock und Off-Broadway-Musical. Case war mal Schlagzeugerin: Vielleicht gelingt es ihr deshalb so gut, mit ihrer pragmatischen und doch abgehobenen Art mitten im Song das Tempo oder gleich die Musikrichtung zu wechseln. War Hell-On eben noch Folk, ist es im Refrain plötzlich Grunge-Metal.
    (SPEX)




    Neko Case in Deutschland:
    01.11.18 Berlin, Bi Nuu
    02.11.18 Köln, Stadtgarten

  • Örvar Smárason - Light Is Liquid

    Örvar Smárason - Light Is Liquid



















    Nachdem Örvar Þóreyjarson Smárason in den letzten beiden Jahrzehnten fast 20 Alben mit seinen diversen Bands und Projekten (múm, FM Belfast, Benni Hemm Hemm, Slowblow) veröffentlicht hat, zuletzt Anfang des Jahres „Team Dreams“ gemeinsam mit Sin Fang und Sóley, und in seiner isländischen Heimat auch als Poet und Autor bekannt ist, erschien im letzten Monat sein Solodebut als Ergebnis eines jahrelangen Prozesses.. 

    Auf den 8 Songs von „Light Is Liquid“ bewegt sich Örvar Smárason auf Folktronic,  Indie- und Dreampop und lässt neben múm auch an Air, Boards Of Canada und Björk denken. Dazu hat er sich zahlreiche isländische Stimmen ins Studio eingeladen: Sigurlaug Thorarense (sillus), Jófríður Ákadóttir (JFDR, Pascal Pinon), Sóley Stefánsdóttir (Sóley) und Sindri Már Sigfússon (Sin Fang). 

    „Light Is Liquid“ ist über Morr Music erschienen und als Download, CD und LP erhältlich. 




    Ähnlich den Franzosen AIR schafft es auch Smárason, ein eigenständiges, höchst atmosphärisches Klanguniversum zu kreieren. In diesem lässt es sich nicht nur wunderbar herumstreifen, „The Duality Paradox“ und seine sieben Brüder und Schwestern bieten auch genug Raum, um Gedanken darin zu verstauen oder Antworten auf Probleme zu finden, die man schon eine Weile mit sich herumschleppt. Wenn Musik in der Lage ist, derart mit ihren Hörern zu kommunizieren, dann hat das etwas Magisches. Nun ist Smárason aber auch nicht irgendein Debütant, sondern ein erfahrener Klangzauberer, der in seiner Heimat Island zu den wichtigsten Gegenwartskünstlern überhaupt zählt.
    (einen hab ich noch)




  • Father John Misty - God's favorite customer

    Father John Misty - God's favorite customer


























    Auch wenn Father John Misty für sein letztes Album "Pure comedy" von vielen Seiten mit Lob überschüttet wurde, darf man ihn m. E. noch immer mit dem Verweis auf seine vier Jahre als Schlagzeuger bei den Fleex Foxes ankündigen. In diese Zeit fiel der Hype um deren Debüt und die Veröffentlichung des zweiten Albums "Helplessness blues". Der Musiker heißt eigentlich Josh Tillman und unter diesem Namen hatte er bereits eine stattliche Anzahl an Solo-Alben veröffentlicht, bevor er ab 2012 eben als Father John Misty auftrat. Das aktuelle Album mit dem schönen Titel "God's favorite customer" ist der vierte Longplayer unter dieser Marke.

    So vielfältig und dadurch auch fordernd seine Musik auch ist, durch die ständig mitschwingende Ironie wird der Hörer davor bewahrt, dieses Gesamtkunstwerk zu ernst zu nehmen. Ein Stück weit werde ich dadurch aber auch dabei gebremst, mich komplett auf Tillmans Songs und Stimmung einzulassen. Wer möchte schon gerne schmachtend die Musikanlage anschauen, während man ständige die versteckte Kamera erwartet.

    Im Gegensatz zu "Pure comedy" beschäftigt sich "God's favorite customer" wie bereits das zweite Album "I love you, honeybear" mit Tillmans Lieblingsthema: Sich selbst.

    Auch wenn das aktuelle Album für mich ein ganzes Stück gefälliger klingt als "Pure comedy", so will es doch erarbeitet werden. Aber man sollte sich dabei mindestens so viel Mühe geben wie mit "Tranquility Base Hotel + Casino" der Arctic Monkeys. Denn viele Attribute, die Letztgenanntem auf der Haben-Seite angerechnet werden, finde ich auch auf "God's favorite customer".

    "Mr. Tillman" (nicht nur wegen der hilfreichen Tipps für Vielreisende bezüglich der Nutzung von Hotelzimmern), "Date night" und "The songwriter" sind meine Empfehlungen für den Einstieg in dieses Werk.


    Das Video zu "Mr. Tillman":


    Und das wundervolle Video zu "Please don't die":


    Father John Misty hat einige Gigs vor sich, nach Deutschland kommt er erst im November:

    • 06.11. Darmstadt
    • 07.11. Berlin
    • 09.11. Wangels (Festival, Weissenhäuser Strand)
    • 16.11. Rust (Festival, Europa-Park)
    Pitchfork:
    The record is comparatively small and vulnerable, as hook-filled as it is heartrending, the kind of back-to-basics turn that almost seems a bit too calculated after the density of last year’s Pure Comedy. Written over a period of two emotionally fraught months holed up in a New York hotel room, Tillman sounds more wise than clever. Instead of the romantic bombast of I Love You, Honeybear, now it’s love songs without ornaments, written from the perspective of someone looking up at the world, not down on it. Finally, the real lessons of his psychedelic trips of the past are taking hold: Father John Misty wants to destroy his ego, get out of his head, and be here for someone else.
  • Get Well Soon - The Horror

    Get Well Soon - The Horror




















    Sehr verehrter Konstantin Gropper,

    ich möchte, im Bewusstsein was gleich noch folgen wird, extra darauf hinweisen, dass dies nicht floskelhaft zu verstehen ist, denn schließlich beschreiten wir seit nunmehr 11 Jahren, wenn auch nur einseitig bemerkt, zusammen einen musikalischen Weg. Begonnen hat unsere Beziehung 2007 beim Haldern Pop Festival und in den folgenden Jahren haben wir uns noch 14 weitere Male auf Konzerten (Mannheim, Frankfurt, Düsseldorf, Köln) oder Festivals (Maifeld Derby und A Summer’s Tale) getroffen. Am schönsten war die Überraschung, als Du meinen Sommer-Urlaub 2014 am Gardasee mit einem unerwarteten Auftritt im Auditorium Melotti in Rovereto konzertmäßig rettetest. Ein zufälliges, irgendwie „gemeinsames“ Pizzaessen vor dem Auftritt war natürlich auch inkludiert. Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir uns zuletzt im Mannheimer Nationaltheater gesehen, als Du „Vexations“ mit Orchester aufführtest. Dass hat offensichtlich bei uns beiden einen großen Eindruck hinterlassen, denn Dein neues Album „The Horror“ kommt nun auch im orchestralen Gewand daher. Der thematische Überbau kreist rund um das Thema „Albtraum“ und daher möchte ich Dir von einem meiner schlimmsten Albträume erzählen.

    Dieser dreht sich rund um ein Album von Get well Soon, und „drehen“ ist hier bewusst gewählt, denn die Platte läuft und läuft und läuft und ich bekomme keine Refrains zu greifen, so sehr ich mich auch bemühe. Kein „It’s Love“, kein „The Last Days Of Rome“, kein „Ticktack! Goes My Automatic Heart“ weit und breit zu erkennen. Aber ich bin nicht der einzige der in diesem Nachtmahr leidet, denn Deine Band steht bereit und wartet darauf, endlich einmal losrocken zu können wie in „You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)“ oder „Marienbad“, aber sie wartet vergebens. 

    Und nun, wie soll ich es ausdrücken, werter Konstantin, ist dieser schlimme Traum mit „The Horror“ tatsächlich irgendwie real geworden. Du croonst wundervoll wie Frank Sinatra, der sich in den eben so opulenten wie beklemmenden Soundtrack eines alten Edgar Wallace Films verirrt hat, und ich suche immer noch nach den packenden Hooks und starre verwirrt auf das Plattencover: „Der schwarze Hund in der Ecke“ - ist das nun Freud oder doch Wallace? Wir sind doch beide, dachte ich immer, im Team Katze!

    Und so wird „The Horror“, jetzt musst du ganz stark sein, lieber Konstantin, nicht den Weg in meine Plattensammlung - in der die letzten vier 10’’ EPs neben den Vinylalben und den limitierten CDs im Buchformat und den damals im Frankfurter Bett gekauften, von dir vermutlich selbst gebastelten, ersten EPs im Pappcover stehen - finden. Also zumindest nicht in der Limited Deluxe-Vinyl-Box für 50 Euro. Als reguläre LP selbstverständlich immer noch, denn es handelt sich schließlich um ein Album von Get Well Soon, das seiner Konkurrenz natürlich immer noch meilenweit voraus ist, aber im bandeigenen Kanon eher einen hinteren Rang einnimmt. Dass Du Streicher und eingängige Popsongs verbinden kannst, hast Du doch zuletzt als Produzent von Sam Vance-Laws „Homotopia“, einer der bisher besten Platten des Jahrgangs 2018, beweisen. Beim nächsten Mal bitte auch für Get Well Soon.

    Wir sehen uns im Herbst!

    Dirk.


    Get Well Soon Big Band - The Grand Horror Show - Tour 2018:

    10.08.18 Hamburg, Elbphilharmonie
    01.10.18 Berlin, Volksbühne
    08.10.18 München, Münchner Kammerspiele
    12.10.18 Leipzig, Westbad Leipzig
    17.10.18 Köln, Kölner Philharmonie
    28..10.18 Stuttgart, T1 Theaterhaus




    Dem bieder-romantischen Optimismus seines letzten Albums "Love" setzt er jetzt ein unbequemes, an Scott Walker, David Lynch und Sinatras "In The Wee Small Hours" geschultes Crooner-Opus entgegen, das seinen gediegenen Orchester-Wohlklang immer wieder ins Surreale und (Schauer-)Märchenhafte driften lässt, dräuende Waldhörner und irrlichternde Oboen inklusive. Das ergibt ein dichtes Geflecht aus gedrückten Stimmungen, urgewaltigen Assoziationen und erhabenen, tief in die Zeitläufte resonierenden Klängen - ein ambitioniertes Werk, das in der jüngeren deutschen Musik seinesgleichen sucht.
    Schade nur, dass es trotz seiner emotionalen Tiefe und intellektuellen Wucht ein zuweilen allzu träger Traumtanz bleibt, statt die dem Nachtmahr angemessene Dramatik und Dringlichkeit zu entfachen. Das böse Erwachen in Gestalt einer geifernden, laut bellenden Bestie in Schwarzbraun wird dieser nach Trost sinnende Schöngeist kaum bannen können. Leider.
    (Spiegel)




    Man kann auf THE HORROR jetzt nach­hören, wie Gropper sich durch Erinnerungstrümmer wühlt, den Schrecken auf links dreht und plötzlich mit so wunderbaren Songs wie „Nightmare No. 1“ und „Nightmare No. 2“ dasteht. Ein Glücksfall für die deutsche Popmusik 2018. Neben den klassischen Instrumenten kommen auch Field Recordings (Hotellüftung, Luftschutzsirene, Nebelhörner) zum Zuge, diese hat Gropper mit dem Samthandschuh des Grandseigneurs in seinen Songs verbaut, ach was, er hat sie hineingestreichelt, sie in einem Akt des Liebkosens in Melodien verwandelt. Und er hat sich bei Nelson Riddle den Swing aus dem Orchestergraben geborgt, den Arrangements, die Sinatras Stimme in den 50er-Jahren so leicht hüpfen ließen.
    Zwischendurch gewinnen Groppers Songs aber auch jene deutsche Schwere, die in der Vergangenheit schon seine britpoppigsten Momente durchkreuzte. Das geht dann heftig ins Drama, wie bei „Martyrs“. „The Only Thing We Have To Fear“ startet mit Sam Vance-Law als Erzähler, der die Gebrüder Grimm auf Englisch ins Soundbild holt (…).
    (musikexpress)





  • TT - LoveLaws

    TT - LoveLaws



















    Nach Eleanor Friedberger hat es nun auch Theresa Wayman getan: Vor dem Shooting ihres Plattencovers ihre Schuhe verloren. Ach, Halt! Es ist nur einer und wir müssen daraus glücklicherweise jetzt keine Serie stricken - also versuchen wir es so:  

    Nach Jenny Lee Lindberg hat es nun auch Theresa Wayman getan: Unter dem Namen TT veröffentlicht nun das zweite Mitglied von Warpaint ein Soloalbum. Ja, so geht’s. 

    Auf „LoveLaws“ verlässt Theresa Waman die Dreampop-Wege ihrer Hauptband gar nicht so weit, auch wenn sie Pop („Safe“), Downbeat („Tutorial“) und Trip Hop („The Dream“) gelegentlich Besuche abstattet. Ein wenig wie die Schnittmenge aus Portishead und Warpaint. Wenn die anderen Drei nicht aufpassen, kann es natürlich passieren, dass man sich auch einmal verläuft, im Falle von TT  und „LoveLaws“ äußert sich dies darin, das die Lieder mitunter, z.B. „Dram“, ihr Ziel aus den Augen verlieren, ausufern und offensichtlich nicht wissen wohin sie sollen.

    Metacritic schätzt ihr Solodebüt mit 70/100 Punkten zwar schwächer ein als die Warpaint-Veröffentlichungen („The Fool“ (2010) 77/100, „Warpaint“ (2014) 74/100 und „Heads Up“ (2016) 74/100), aber besser als „Right On!“ (2015) von Jenny Lee mit 66/100. 




    So entrückt TTs Songs auf den ersten Blick auch sein mögen, so bestimmt ist sie jedoch in ihrem Songwriting: Hier sind jeder Ton und jedes Sample bewusst gesetzt. Diese Herangehensweise verbindet TT mit der Perfektionistin Kate Bush, die dies »Nostalgie mit den Mitteln der Zukunft erkunden« nannte. Auf »Lovelaws« überwindet TT nostalgische Gitarrenarbeit, übersetzt sie in futuristische Klanggebilde und erschafft so mit Leichtigkeit eine emanzipatorische Musik, in der es um thematisch Schwieriges wie Mutterschaft, Beziehungen und Einsamkeit, aber auch das Leben auf Tour geht.
    (intro)




    Wirkliche LOVELAWS formuliert sie nicht, eher die Erkenntnis der Vorabsingle: „Love Leaks“ – ist also nicht ganz dicht. Die Musik klingt wie eine synthetisch-isolierte Variante des Warpaints-Sounds, was den Nachteil hat, dass Stücke wie „I’ve Been Fine“ oder „The Dream“ wie unvollendete Demos der Hauptband klingen.
    Das ist durchaus charmant, vor allem wegen der hübschen Pianolinien, dennoch stellt sich die Frage, warum diese Songs jetzt hier erscheinen – und nicht ausgearbeitet auf einem neuen Warpaint-Album. Stärker ist LOVELAWS, wenn sich Wayman weiter fort wagt, beim düsteren TripHop-artigen „Tutorial“ etwa oder bei „Safe“, einem Popsong zu gespenstischem Hintergrund.
    (musikexpress)





  • Die 10 besten Alben von Nick Cave And The Bad Seeds

    10. Murder Ballads (1996)
    9. Let Love In (1994)
    8. The Boatman's Call (1997)
    7. Skeleton Tree (2016)
    6. Henry's Dream (1992)
    5. Tender Prey (1988)
    4. Push The Sky Away (2013)
    3. Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus (2004)
    2. No More Shall We Part (2001)
    1. The Good Son (1992)

    (ausgewählt von Dirk)