Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Mull Historical Society - City Awakenings

    Mull Historical Society - City Awakenings


























    Liebe Leser,

    der mittlerweile vorliegende Halbjahresbericht 2012 der Mull Historical Society fasst die Aktivitäten im 12. Vereinsjahr zusammen. Schwerpunkt bildet auch in diesem Jahr die Veröffentlichung eines neuen Tonträgers. Mit vielen Sonderveranstaltungen, wie Videos und Konzerten, konnten erneut zahlreiche Interessierte begeistert werden.  


    1. Tätigkeitsbericht des Vereins

    Die Vereinsarbeit ruhte für fast sieben Jahre, doch im Frühjahr wurde mit "City Awakenings" das vierte Album der Mull Historical Society veröffentlicht, das sich thematisch um die Städte Glasgow, London und New York dreht. Dazu Colin MacIntyre: 
    “cities have been an explosion of the senses to me. the songs are breezy pop, some are widescreen things, and some are more minimalist, punchy tales of finding yourself in the city, leaving them, arriving in them, burning them, living in them, and what its like for a child to see one of them for the first time. i remember that. they are mostly upbeat songs about people living their lives.” 


    2. Vereinsangelegenheiten

    Der schottische Singer/Songwriter, Multi-Instrumentalist und Produzent Colin MacIntyre bleibt das alleinige Mitglied der Mull Historical Society.
    Auf "City Awakenings" arbeitete er mit dem Produzenten Dom Morley (Grinderman, Amy Winehouse, Mark Ronson) zusammen.

    Zudem hatte die Mull Historical Society zahlreiche Förderer, die die Entstehung der aktuellen Platte über Pledge Music unterstützten.


    3. Veranstaltungen

    Drei Konzerten im Mai (Manchester, London, Glasgow) folgten drei Festivalauftritte im Juli. Weitere Termine sind derzeit nicht bekannt, daher hier der 45-minütige Mitschnitt eines Konzertes im RMCM in Berlin vom Februar 2012, der neue Titel wie "The Lights" und Klassiker wie "Watching Xanadu" enthällt:  


    Mull Historical Society live & acoustic at the Ramones Museum Berlin from RMCM Berlin on Vimeo.


    Zeit wurde auch gefunden, um ein Video zur Single "Must You Get Low" zu drehen:   




    4. Dokumentation
    MacIntyre, who's reverted to the Mull Historical Society moniker after two albums under his own name, now professes to be equally influenced by metropolitan life. This record is dedicated to London, New York and Glasgow, the cities he finds most inspiring – the wordless closing track, Thameslink (London's Burning), even namechecks one of the capital's commuter rail lines. Nonetheless, City Awakenings marks no great shift in direction, other than a  move away from quirkiness to the more conventional pop climes of the Lightning Seeds and the Raspberries. The 10 songs are mostly of a piece: sparkling and drenched in an optimism so pervasive that the occasional dip into self-doubt (eg, Fold-out City) is a useful respite. This isn't one for anyone who abhors tweeness, but its sweet nature helps to brighten bleak midwinter.
    (Guardian)

    Der Opener Must You Make Eyes On Me Now ist gefällig und unspektakulär im Sinne von Travis, den Zutons oder Gomez, hat aber doch die nötige Dosis Druck. Can You Let Her Know, das mit seiner Sehnsucht nach amerikanischer Weite perfekt ins Oeuvre von Ryan Adams passen würde, ist kernig und dringlich, im Refrain sogar feurig. The Lights, eine wunderbare Erinnerung an die erste faszinierende Begegnung mit der Großstadt in der Kindheit, strotzt vor Romantik und Nostalgie.
    In Honey Pie kontrastiert der aggressive Bass der Strophe gekonnt mit dem beinahe filigranen Refrain. This Is Not My Heart ist schön schwelgerisch, lässt aber (trotz eines bombastischen Finales in Meat-Loaf-Dimensionen) die nötige Finesse vermissen, um als Ballade wirklich in der ersten Liga zu spielen. Der Rausschmeißer heißt in Anspielung auf The Clash zwar Thameslink (London’s Burning), ist dann aber ungefähr so Punk wie das Oberarm-Tattoo von Bettina Wulff. Stattdessen entfaltet sich ein beinaher instrumentaler, faszinierender Soundkosmos.
    Der beste von vielen guten Songs ist Fold Out City. Auch darin greift MacIntyre seine Kindheitserinnerungen auf, er ruft sich zu einem rührenden, akustischen Hintergrund seine „cinematic dreams“ ins Gedächtnis, singt ein wenig wie Bono und lässt den Song eine ganz erstaunliche Entwicklung nehmen. Hier macht MacIntyre am deutlichsten klar, mit welcher Leichtigkeit er hübsche Melodien aus dem Ärmel schütteln kann und welch feines Gespür für die genau passenden Arrangements er besitzt.
    In seiner Heimat hat man ein Wort für solche Leute: tunesmith. Darin schwingt viel Anerkennung für die meisterhafte Beherrschung des Metiers mit. Aber auch ein Element, das (neben einem etwas glanzlosen Mastering) City Awakenings auch ein paar Mal im Wege steht: Manchmal ist dieses Album zu viel Handwerk – und zu wenig Herzblut.
    (Shitesite)

  • The View - Cheeky For A Reason

    The View - Cheeky For A Reason


























    Erneut "glänzen" The View mit einer hässlichen Verpackung, doch im Gegensatz zu "Hats Off To The Buskers" (2007), "Which Bitch?" (2009), die sich bei uns unterhalb der 6 Punkte-Marke bewegten, und "Bread And Circuses" (2011), das hier nicht mehr beachtet wurde, ist diesmal der Inhalt deutlich ansprechender. 

    "Cheeky For A Reason" soll nach Aussage des Sängers Kyle Falconer klingen wie "Fleetwood Mac's Rumours done by the Clash", ist aber eigentlich klassischer, britischer Ladrock, der sich her ein wenig The Who, dort Slade und an anderer Stelle The Libertines und Arctic Monkeys heraus pickt. Nicht viel Neues also, aber ein paar tolle Songs gibt es, angefangen bei der Single "How Long", über "Bullet" bis hin zum abschließenden "Tacky Tattoo". 

    Das letzte Album von The Kooks war dir zu langweilig und belanglos? Die Arctic Monkeys übertreiben es mit ihrer US-Rock-Anbiederung? Razorlight haben schon zu lange nichts mehr von sich hören lassen? Dann ist vielleicht das bisher beste Album von The View, das bei iTunes zwei zusätzliche (jedoch überflüssige) Titel beinhaltet, etwas für dich. 



    The new album title is ironic, though, because this is more of a grown-up View. With its wistful undertow and sombre guitars, The Clock is miles from the tinny rasp and slurred Dundee patois of early singles such as Wasted Little DJs. Free of drums, guitar and bluster, Tacky Tattoo’s sad-ballad poise is a defining closing statement and a fine showcase for Kyle Falconer’s bruised, sandpapery vocal. There is even a piano interlude, titled, with enormous bravado, Piano Interlude. There is no track, musically or lyrically, that recalls Skag Trendy.
    But if this is the grown-up View, it’s still The View. How Long and Bunker (Solid Ground) tap their cheeky Gaelic folk-punk DNA (the latter keeps threatening to mutate into The Proclaimers’ 500 Miles). Bullet is generically terrace-rowdy and, right at the very end, the hidden 30-second snippet is Falconer at the pub piano, shattering Tacky Tattoo’s tender mood and reminding us that The View are still juvenile at heart.
    (BBC)

    The View in Deutschland:

    12.09.12 Köln, Luxor
    21.09.12 Hamburg, Reeperbahn Festival
    22.09.12 Berlin, Lido

  • Shoreline Is - Deal Kindly

    Shoreline Is - Deal Kindly


























    Vom Museum direkt ans Ufer und damit von einer jungen deutschen Band zu einer anderen: Jannick Frömming (Gesang, Synthies), Sven Riehle (Schlagzeug), Stefan Dierkes (Bass) und Julian Prott (Gitarre) haben sich Shoreline Is genannt und einer Mischung aus Synthpop und Dreampop verschrieben. 

    Das Quartett stammt aus dem Großraum Dortmund und die Schulzeit, ein gleicher Studiengang und ein benachbarter Zeltplatz beim Haldern Festival führte sie zusammen. Seit 2010 wird gemeinsam musiziert, komponiert und in Eigenregie aufgenommen. Ihre erste EP "Demos" wurde letztes Jahr in der Visions positiv hervor gehoben und nun folgte mit "Deal Kindly" der erste Longplayer. Dort treffen ausufernde Synthie-Flächen und gehauchter Gesang eben so auf entspannten, verträumten Chillwave wie auf schnelleren, tanzbaren Indierock mit Shoegaze-Einschlag.  

    "Deal Kindly" kann über die Bandcamp-Seite der Band als CD (6,- €), Kassette (6,- €) und digitaler Download (5,- €) erworben werden.



    Especially in the Lo-Fi and shoegaze genre, bands tend to lose themselves somewhere in the misty cloudiness of their sound, and well, to put it literally, in all the musical fog they unfortunately lose the connection to those who desperately try to grap the sound (us, the listeners).
    Happily, this does not happen to Shoreline Is. On the contrary, already their LP’s opener (and former demo) French Leave catches your ears immediately: Sigur Ros-esque ethereal Synthie sounds offer you a cosy start, just to take you off with a forward pressing yet feathery drum rhythm. The journey is completed by one of Shoreline Is’ distinctive features: Fuzzy guitars swirl weightlessly in the background, just to fuse with the drums and the singer’s contemplating voice - shoegaze meets Lo-Fi at its best.
    The journey maintains its high standard with Parts per Million which was already published back in December 2011. With New Fields and I’d hear the clouds move the band slows down a bit before we lose our minds between the nimble guitars and drums. 
    One of the album’s best songs and also the first one I ever heard of Shoreline Is definitely is Living Things: (...) Enough excitement at this point, Feel Some is another great tune which’s atmosphere is a bit more melancholic and unsettled than of those songs before. Nonetheless, it does not derogate the song’s quality at all, on the contrary, it gives the album its emotive depth and variety. 
    To make it short, with Deal Kindly Shoreline Is released a real pearl of their genre. 
    (The Circumflex)

  • Museum - Traces Of

    Museum - Traces Of

























    Heute beginnen die Olympischen Spiele in London und der offizielle Song "Survival" wurde von Muse beigesteuert. Mit ihrem neuen Album, das den Titel "The 2nd Law" tragen wird, ist erst im September zu rechnen. Diese Zeit mag dem ein oder anderen noch unendlich lang erscheinen, hier könnte vielleicht  eine deutsche Band helfen die Wartezeit zu überbrücken. 
    Ähnlichkeiten im Bandnamen sind dabei wohl nicht beabsichtigt.

    Museum ist eine Berliner Band, die aus Tobias Hermes (Gesang, Gitarre, Computer, Piano), Söhnke Grothusen (Gitarre, Gesang), Hagen Hamm (Bass) und Florian Bolzau (Schlagzeug) besteht. Die erste veröffentlichte EP ("Old Firehand", 2005) war noch eher eine Soloprojekt von Tobias Hermes. Die zweite EP ("Exit Wounds", 2007) wurde von der Band, die in ihrer jetzigen Besetzung seit 2009 existiert, als legaler Download zur Verfügung gestellt, so dass sich bei last.fm, wo man "Exit Wounds" immer noch umsonst bekommen kann, so über 100.000 Hörer fanden. 

    Zu gönnen wäre es den Berlinern, wenn sich für ihren pathetischen Indierock  nun auch entsprechend viele Käufer finden würden. "Traces Of" heißt der Titel des Debütalbums, das 11 Titel beinhaltet, dabei aber auch auf die Songs der genannten EP zurückgreift.  
    Für das Artwork konnten Werke der Künstlerin Ricarda Roggan aus ihrer Reihe "Garage" gewonnen werden.

    Songs wie "A Feast Is A Feast" oder "Uncorrupted" stehen denen von Muse recht nah, erreichen aber nicht deren Dynamik, wie auch Hermes' Gesang nicht in ähnliche Höhen empor zu klettern vermag. Dafür können Museum mit einem anderen Pfund wuchern, denn "For The Very First Time" wartet mit gelegentlichem, notwistischem Gefrickel auf, "With Love" liefert durchgehend elektronische Einsprengsel und "To Have Or To Be" überrascht mit Verzögerungen und Verzerr-Geräuschen. Ein wenig Radiohead ("The Law") und Placebo ("Eden") haben sie auch in petto.


    museum | the law from Stapelfee on Vimeo.


    Nach zwei Jahren harter Arbeit haben sie nun ihr erstes Album “traces of” fertig gestellt. Im Frühjahr 2012 wurde es in New York gemastert. Elf Songs mit einem in Deutschland seltenen Mut zur großen Geste und einer einzigartigen Mischung aus Stadion-Pathos, großen Melodien und elektronischer Klangkunst. Elf Songs, die reingehen und trotzdem herausfordern, nie beliebig, immer aufregend. Für das Artwork konnte die bekannte deutsche Photographin Ricarda Roggan gewonnen werden, deren Bilder von zerstörten Autowracks genau die Mischung aus Düsternis und Majestätik, Schönheit und Zerstörung zeigen, die museums Musik ausmacht.
    (Kulturcampus Uni Hildesheim)

    museum | midwinter from Stapelfee on Vimeo.


  • Feeder - Generation Freakshow

    Feeder - Generation Freakshow


























    Platten vor Gericht fragt - du antwortest (IV)

    Heute mit: Ingo


    PVG: Vor 10 Jahren wurden die Plattenverkäufe von Feeder im Vereinigten Königreich noch in Hunderttausendern gezählt. "Generartion Freakshow" verkaufte dort weniger als 10.000 Einheiten - berechtigt?

    Ingo: Vor zehn Jahren erschien „Comfort in sound“. Das war das erste Album nach dem kommerziellen Durchbruch der Band mit „Echo park“ und nach dem Selbstmord des Drummers Jon Lee. Das waren gleich zwei extreme Situationen die sich sicherlich auf die Band und auf der Interesse der Öffentlichkeit ausgewirkt haben. Seit dem 2005er Album „Pushing the senses“ dreht sich Feeder mehr oder weniger im Kreis. Feeder macht Poprock- und Indierock-Songs und streut getragene Titel ein. Die Alben unterscheidet im Kern nur noch das Verhältnis dieser Stile zueinander. Vielleicht wird Anhängern der Band mit der Zeit zu berechnenbar. Daher ist die Entwicklung der Verkaufszahlen bedauerlich aber nachvollziehbar. Aber selbst für ein mediokres Feeder-Album ist immer für ein paar hörenswerte Songs gut.


    Wie würdest du "Generation Freakshow" im Vergleich zu seinem Vorgänger "Renegades" einordnen? 

    Während „Renegades“ ein außergewöhnlich rockiges Album war (ich möchte es das Feeder Konzeptalbum zum Thema „Rock“ nennen) ist „Generation Freakshow“ wieder eine Mischung der drei eben genannten Komponenten. Ich mag „Renegades“ sehr gern, weil es ein Ausbruch aus dieser „Komfortzone“ war. Trotzdem mag ich auch „Generation Freakshow“, weil es die Facetten der Band zeigt.


    Seit 13 Jahren suche ich auf Feeder-Platten nach einem so schönen Song wie "Yesterday Went Too Soon" - werde ich diesmal fündig?

    Mit „Quiet“ und „Sunrise“ liefert die Band gleich zwei Titel, die vielleicht nicht ganz an die von Dir gesetzte Messlatte heranreichen aber definitiv in die gleiche Kerbe schlagen. „Idaho“ erinnert in angenehmer Weise an starke Feeder-Songs anderer Bauart.


    Welche 3 Songs von Feeder sollten in einer gerechten Welt im Radio auf Dauerrotation laufen?

    So sehr ich bedauere, ich muss auf ältere Songs zurückgreifen. „Yesterday went too soon“ hast Du schon erwähnt, daher empfehle ich allen Programmgestaltern sich mal das wundervolle "Piece by piece" vom Album "Echo park", "Polythene girl" von "Polythene" als Beispiel eines rockigeren Songs (mein erster Lieblingssong der Band) und „Feeling the moment“ als Beispiel für die vor schmalztriefende Seite Feeders anzuhören und dann ins Programm aufzunehmen.


    Falls es mit den Plattenverkäufen für die Band weiter in den Keller geht, was bleibt den Musikern?

    Also auf jeden Fall haben sie der Welt einige tolle Songs geliefert und damit einen Eindruck in der Musikgeschichte und in meiner Sammlung hinterlassen. Der Drummer Karl Brazil ist ja noch nicht so lange dabei und gut genug um von einer anderen Band engagiert zu werden. Der Sänger und Gitarrist Grant Nicholas sollte es mal solo versuchen. Vielleicht kommen ihm so ganz neue Ideen, was er mit seinem Händchen für Melodien anstellen kann. Die Website des Bassisten Taka Hirose mit Rezepten ist aktuell im Umbau, aber vielleicht kann er mit diesem Hobby die Zeit überbrücken, in der sich Grant Nicholas austobt und Kraft sammeln für das anschließende Feeder-Comeback.


    Feeder-Borders from Eng198 on Vimeo.


    Da wären als beste Beispiele die beiden Tracks „Idaho“ und „Sunrise“ zu nennen, die man förmlich nur einmal hören muss, um dass sie sich tief im Gehörgang verankern. Ein Wenig ruppiger geht es beim Titelsong „Generation Freakshow“ zur Sache: Hier betonen die drei Briten, dass sie noch immer eine Rockband sind. Und ja: Mit Tracks wie diesem können sie sogar ganze Stadien locker zur Ektase bringen. Stilistisch bewegen sich Feeder mittlerweile primär wieder in der Rock-Pop-Sparte, schweifen aber gekonnt auch mal in Richtung Punk, Grunge und Alternative-Rock über, ohne dabei in einem Abenteuer zu versinken. Diese Mixtur bereitet beim Zuhören großen Spaß und stellt sicher, dass Feeder nach dem letzten Ausrutscher wieder festen Boden unter ihren Füßen gefunden haben.  Besonders hervorheben sollte man noch die hymnischen Balladen „Quiet“ und „Children Of The Sun“, welche belegen, dass die Band auch in dieser Sparte wahre Qualitäten aufweist.
    (Hurricanebar)

    Feeder - Children of the Sun from cosmocanario on Vimeo.


  • Hot Chip - In Our Heads

    Hot Chip - In Our Heads


























    Platten vor Gericht fragt - du antwortest (III)


    Heute mit: Volker


    PVG: Ist "In Our Heads" wirklich so gut, dass du es dir gleich doppelt auf Vinyl kaufen musstest?

    Volker: So gut ist eigentlich keine Platte, leider habe ich übersehen, dass es eine Version mit 7" gibt.


    Welche 3 Songs von Hot Chip sollten in einer gerechten Welt im Radio auf Dauerrotation laufen?

    "And I Was A Boy From School"
    "Over And Over" und
    "Ready For The Floor" in der Version von Lissy Trullie 


    "Discographien beurteilen oder ranken find ich eh gut" - so ein Zitat von dir. Dann einmal los!

    Coming On Strong: 7 Punkte (lange her, dass ich die gehört habe)
    The Warning: 9 Punkte
    Made in The Dark: 7,5 Punkte
    One Life Stand: 8 Punkte
    In Our Heads: momentan 7,5 Punkte


    Kaum ein Hot Chip Artikel kommt ohne den Begriff "Nerd" aus - was ist denn der "nerdigste" Gegenstand, den du in den letzten Wochen erworben hast?

    Zweimal die gleiche LP.


    Hot Chip kommen im Herbst auf Tournee. Wäre das etwas für dich?

    Ich bin alt, Live Musik machen meine Beine nicht mehr mit, oder war es die Wirbelsäule oder die Ohren oder....



    Hot Chip - Night & Day from genialus on Vimeo.



    Hot Chip in Deutschland - ohne Volker:

    29.10.12 Köln, Live Music Hall
    30.10.12 Frankfurt, Cocoon
    01.11.12 Berlin, Columbiahalle
    02.11.12 Hamburg, Große Freiheit

    Es beginnt mit „Motion Sickness“. Der Titel suggeriert Unangenehmes, Schmerzhaftes, Hektisches. Die Musik fällt wegen des zusätzlichen Schlagzeugspiels von Charles Hayward (This Heat) und des Saxofonbeitrags von Terry Edwards gewiss nicht in die unterproduzierte Kategorie. Aber in der Stimme von Alexis Taylor steckt so viel einladende Wärme, dass man gleich wieder gut Freund ist mit der Band. In „How Do You Do“ leben Hot Chip einmal mehr die Liebe zur House-Musik aus, die bei ihnen immer eine Rolle spielt. Aber die fünfte Hot Chip heißt In Our Heads, nicht „Ready For The Floor“. Deshalb wechselt die Band mit „Don’t Deny Your Heart“ gleich wieder in einen anderen Stil über. Plötzlich ist man mitten drin im Human-League-Revival-Rausch. Schon die Melodieführung lässt diesen Schluss zu, die Klänge der gesampelten Steel-Band hören sich wie die Synthesizer auf Dare! an, Perkussion und Rhythmusgitarre erinnern an das, was Produzent Martin Rushent (RIP!) in seinen Remixen für The League Unlimited Orchestra hinzugefügt hat. Joe Goddard arbeitet gerne nach Vorlage. Die kam hier garantiert aus Sheffield. Im Falle von „Look At Where We Are“ sieht es anders aus. Hier hat man es mit Maßarbeit aus der Werkstatt von Alexis Taylor zu tun. Das Tempo geht herunter, es wird intim, der R’n’B-Einschlag ist nicht zu überhören. Aber die stilistische Komponente ist gar nicht so entscheidend. Vielmehr hört man in besonderem Maße, wie sehr Hot Chip über die Jahre als Songschreiber gewachsen sind. Es wäre nicht verwunderlich, wenn gerade dieses Stück demnächst von Musikern aus anderen Genres für eine neue Version geplündert werden würde.
    Mit „These Chains“ kommt das persönliche Element ins Spiel. Die Beat-Frequenz pro Minute ist zwar hoch, aber die Musik wirkt trotzdem gedämpft, damit Raum für Nachdenklichkeit bleibt. „These chains you bound around my heart completely, baby, I would not be free“, lautet die Leadzeile. Zaghaft wird darauf verwiesen, dass Goddard und Taylor vor Kurzem Väter geworden sind. Elterndasein bindet, komplettiert aber auch. Hot Chip wären aber nicht Hot Chip, wenn sie bei der nächsten Gelegenheit nicht wieder ins andere Extrem umschlagen würden. Und der Begriff Extrem ist im Falle von „ Night And Day“ angebracht. Hier lassen sich die Soundtüftler auf ein Spiel mit der Stupidität ein. Überall stößt man auf Party nonsens, besonders der Scissor-Sisters-Gesang wirkt artfremd. Taylor liefert einen Comedy-Rap-Part ab, mit dem er das bekräftigt, was man ohnehin von ihm weiß: „I don’t got no Abba, I don’t play no gabba, I like Zapp not Zappa … so please quit your chooba chabba!“ Wenn man in einem Club mit geringer Distanz zwischen DJ und Publikum spielt, wird oft Musik gewünscht, die man nie spielen würde. „Night And Day“ ist Taylors Reaktion darauf.
    Einen echten Schwachpunkt gibt es nicht zu beklagen. Auch der letzte, in Richtung Soft-Rock schielende Song „Always Been Your Love“ mit Lizzi Bougatsos von Gang Gang Dance und den Geigern von Geese als Verstärkung ist keiner. Vielmehr bestätigt er noch einmal, dass diese Band wieder einmal alle Bewerber auf dem Gebiet des Elektro-Pop hinter sich gelassen hat. Und das mit Leichtigkeit. Wie machen die das bloß?
    (Musikexpress)

  • Twin Shadow - Confess

    Twin Shadow - Confess

























    Platten vor Gericht fragt - du antwortest (II)

    Heute mit: Oliver


    PVG: "Confess" ist die aktuelle Platte des Monats im Musikexpress - zu Recht?

    Oliver: Ein ganz klares Jein. "Confess" ist ein würdiger Nachfolger von "Forget" und für mich bisher eines der Top-Alben des Monats. Ich habe allerdings noch nicht die im Musikexpress mitfavorisierte Platte von Purity Ring gehört, die wie "Confess" bei 4AD erscheint und von der ich auch sehr viel erwarte. Außerdem ist der Dauerrotationsplatz gerade mit "A Forest" von Christian Löffler belegt. Zwar ein Album aus dem Vormonat, aber gefühlt erst diesen Monat zu Ohren gekommen.


    Wie würdest du "Confess" im Vergleich zu seinem Vorgänger "Forget" bewerten? 

    Der Musikexpress schreibt: "Confess ist der betont knackigere Nachfolger des 2010er-Debüts Forget, einer Platte, die die Liveband Twin Shadow allerdings ungeahnt energetisch und raurockig zur Aufführung gebracht hatte." Das kann man im Prinzip so stehenlassen. Das Konzert Anfang letzten Jahres hat einiges dazu beigetragen, dass meine Bewertung für "Forget" so hoch ausfiel. Und das neue Album schließt daran an. Das "Cry Little Sister"-Zitat in "Golden Light", der knödelige Gesang in "The One" oder "When The Movie’s Over", der mehr nach Paul Young klingt als nach Morrissey: Klar, wir befinden uns immer noch in den 80ern. Trotzdem klingt alles sehr unverbraucht.


    Welche 3 Songs von Twin Shadow sollten in einer gerechten Welt im Radio auf Dauerrotation laufen?

    Castles In The Snow. When The Movie’s Over. Be Mine Tonight.


    "Confess" erscheint auf 4AD - da du bei Geeklist aktiv bist, nenne uns doch bitte deine persönliche Top 4AD-Liste!

    Uff! Ein Versuch:

    1. Pixies – Doolittle
    2. Lush – Lovelife
    3. This Mortal Coil – Blood
    4. Red House Painters – Red House Painters (3008)
    5. Pixies – Bossanova
    6. Beirut – Gulag Orkestar
    7. Lush – Split
    8. Ultra Vivid Scene – Joy 1967-1990
    9. Lush – Spooky
    10. The Breeders – Last Splash

    Da fehlen jetzt natürlich viele andere großartige Bands wie Pale Saints, Belly, Air Miami oder Cuba. Und hättest Du mich vor 20 Jahren gefragt, wäre da auch noch die ein oder andere Dead Can Dance Platte dabei gewesen…


    Twin Shadow "Patient" from keith musil on Vimeo.


    Es soll allerdings nicht der Eindruck erweckt werden, Twin Shadow hätten mit Confess eine 80s-Greatest-Kicks-Compilation auf eigene Rechnung zusammengestellt. Weder ist der Weg von Forget zu Confess tatsächlich so lang, wie man anhand der oben genannten Peaks vermuten könnte. Die beiden Alben verbindet weitaus mehr als sie trennt – vor allem diese behutsam in Wehmut gedippten Melodien und Georges Stimme, die nicht mehr extra da hinein gedippt werden muss. Twin Shadows Platz in den 80ern wäre auch nicht an der Spitze der Charts gewesen – abgesehen vielleicht von der Vorabsingle „Five Seconds“, der durchaus Rasanz unterstellt werden darf. Twin Shadow ist eher der Geheimtipp. Er kommt von der letzten Highschool-Bank, aus dem Schlussdrittel des Soundtracks zu „Flashdance“ oder „The Breakfast Club“. Von dort, wo keiner mehr etwas erwartet. Er spielte diese eine Nummer, zu der keinem Radiomoderator mehr Titel oder Interpret einfallen, nach der sich einige Menschen jedoch verzehren, bis sie Jahre später auf einem wiedergefundenen Mixtape darauf stoßen.
    Sprechen wir über gute Popmusik der 80er, sprechen wir nicht selten über Songs, die sich trotz ihrer Produktion durchzusetzen wussten. Wer wollte bei diesen Songs dann aber tatsächlich auf die Synthiefanfaren, dünnen Drumcomputer-Claps und ewigen Funk-Gitarren verzichten? Confess könnte davon noch einiges mehr vertragen und würde doch nicht kippen. Es ist ein Album aus dem Jahr 2012, einer Zeit, in der Pop längst alles kann und darf. Dem Pop ist darüber allerdings auch ein wenig langweilig geworden. Romantische Lieder können aber auch 2012 immer noch helfen, diese Langeweile zu zerstreuen. Twin Shadow singt und spielt solche Lieder. Und die Menschen träumen dazu.
    (Musikexpress)

    Twin Shadow - Five Seconds from David Dean Burkhart on Vimeo.



    Twin Shadow in Deutschland:

    06.11.12 Köln, Gebäude 9
    14.11.12 Berlin, Lido
    15.11.12 Hamburg, Knust

  • Best Coast - The Only Place

    Best Coast - The Only Place

























    Platten vor Gericht fragt - du antwortest (I)

    Heute mit: Christoph


    PVG: Es wäre eine Schande, wenn jemand vom Konzerttagebuch nicht zuerst nach den Live-Qualitäten und-Erlebnissen von Best Coast gefragt würde...

    Christoph: Leider habe ich Best Coast nur einmal gesehen, beim Bowlie in Minehead. Allerdings war das am anstrengenden Anreisetag und meine Aufnahmefähigkeit nicht mehr so hoch. Das Best Coast, die zu diesem Zeitpunkt zu meinen absoluten Lieblingen zählten, damals nur gut aber nicht brillant waren, schiebe ich daher auf meine angeschlagene Verfassung. Im August kann ich mehr sagen, da werde ich sie mir vermutlich in Brüssel ansehen. 


    Kommen wir zur aktuellen Platte: Wie würdest du "The Only Place" im Vergleich zu seinem Vorgänger "Crazy For You" bewerten? 

    The Only Place klingt eine Ecke glatter produziert als Crazy For You. Das Rohe beim Debüt mag ich eine Ecke besser. Durch die andere Produktion rutscht Best Coast jetzt mehr in die Musikecke, in der sich aktuell Band wie Allo Darlin' oder Veronica Falls tummeln - und gegen die haben es Best Coast schwer. Ich hatte riesige Vorfreude auf Crazy For You, weil ich mich in The Only Place bei deren Erscheinen sehr verliebt hatte. Diese hohe Erwartung hat die Platte wegen der überragenden Konkurrenzprodukte nicht rechtfertigen können. Sprich: The Only Place ist alles andere als schlecht - aber leider auch nicht so großartig wie der Vorgänger.


    Welche 3 Songs von Best Coast sollten in einer gerechten Welt im Radio auf Dauerrotation laufen?

    Boyfriend, When the sun don't shine und When I'm with you.


    Welche Küste wäre denn für dich "the only place to be"?

    Das Rheinufer! Gilt nicht als Küste? Na toll. Meeresküsten sind grundsätzlich die besten Plätze, an denen ich bisher war (abgesehen vom Rheinland). Eine Lieblingsküste wäre gerade vermutlich die südenglische mit Blick auf Wales, die ich mit dem Bowliefestival verbinde, auf dem ich Best Coast gesehen habe. Mein zweitliebster Meereszugang (der aber ein unechter ist) ist das Wasser rund um Stockholm, der schönsten Stadt der Welt.


    Best Coast "The Only Place" from Doomsday Entertainment on Vimeo.


    In Kalifornien wird immer noch vehement geträumt. Es gibt kaum einen Ort in der mythologischen Map Of America (von New York abgesehen), der so konsequent von einem Set von Bildern beherrscht wird wie der Golden State an der US-Westküste. Die Beach Boys mögen in ihrer Surf-Phase den Grundstein für den California-Kult gelegt haben, Brian Wilson und Van Dyke Parks setzten California mit dem Album Orange Crate Art in den 90er-Jahren ein Denkmal, Heerscharen von Bands zwischen Los Angeles und San Francisco proben in UV-intensiven Popsongs ein Stück Heimatpflege unter besonderer Berücksichtigung von Drogen, Glamour und den geografisch-klimatischen Besonderheiten Kaliforniens. Auf Crazy For You, dem 2010er-Vorgänger-Album des Duos Best Coast aus Los Angeles, konnten wir in den „Summer Mood“ switchen, um uns dann von der becircenden Beth Cosentino erzählen zu lassen, wie es sich so anfühlt, „When The Sun Don’t Shine“. Dem stark nostalgischen Trip in die eigene Teenagerzeit folgt mit The Only Place ein durchaus erwachsenes Album, angeführt von einer weiteren Liebeserklärung an ihren Home State. Was nicht heißen soll, dass Beth Cosentino und Partner Bobb Bruno die Girl-Group-Referenzen von ihrer Agenda genommen hätten, aber ihr California Dreamin’ im Jahr 2012 findet im Schwurbel- und Schraddel-Style mit nicht ganz so strom­linienförmigen Gitarren statt. Dream Pop für ein gewöhnlich gut informiertes Indie-Publikum, das zum Sonnenunter gang am Venice Beach die nächste Umweltkatastrophe schon mitdenkt. Am Ende aber werfen Best Coast wieder einen ungebrochenen Blick in die Nacht, untermalt von Streichern und viel Shoobidoo & Lalala. Key Tracks: „Up All Night“, „No One Like You“, „How They Want Me To Be“
    (Musikexpress)

  • Shrag - Canines

    Shrag - Canines
























    Heute vor neun Jahren gab eine Band namens Sussex Heights Roving Artists Group (benannt nach einem Wohnhochhaus in Brighton) ihr erstes Konzert im Brighton's Hanbury Ballroom. Bis zur Veröffentlichung ihres ersten Albums 'Shrag' auf dem Label Where It's At Is Where You Are (Comet Gain, Help Stamp Out Loneliness, Rose Melberg) dauerte es allerdings noch sechs Jahre und war dann doch 'nur' eine Zusammenstellung mehrerer Doppel A-Seiten Singles aus den Jahren 2006 bis 2009. 2010 erschien das Nachfolgealbum 'Life! Death! Prizes!', ebenfalls auf WIAIWYA.

    Aktuell spielen Shrag in folgender Besetzung: Helen King (Gesang), Bob Brown (Gitarre / Gesang), Stephanie Goodman (Keyboard / Gesang), Russell Warrior (Bass) und Andy Pyne (Drums / Gesang). Bob Brown ist einigen vielleicht noch als Bassist von Polak bekannt, die aus der leider viel zu wenig beachteten Band Adorable hervorgingen. Dass Stephanie als Tourkeyboarderin mit den Crystal Stilts unterwegs war sei hier nur mal am Rande erwähnt.

    Wie die Vorgänger erscheint 'Canines' auf WIAIWYA, diesmal aber in Zusammenarbeit mit Fortuna Pop! (Allo Darlin', The Pains Of Being Pure At Heart, The Pipettes). Aufgrund des ganzen Namedroppings müsste man sich jetzt eigentlich ein ziemlich gutes Bild von der musikalischen Ausrichtung des Quintetts machen können. Oder auch nicht. Hört und seht selbst in dem von Darren Hayman (sorry, no more namedropping ) gedrehten Video:



    They’re melody freaks, clearly. Maintained over the course of an entire album, that’s something of a gift in itself. You could genuinely choose the singles at random – every track here is tailored for the radio and ripe for the indie disco. You prod for weak spots. There are none: eleven songs, exceptional song craft and cohesive to a fault. Canines avoids clever-clever fuck-about-ery. No acoustic laments, no jet-propelled wig-outs. The closing ‘Jane With Dumbbells’ slows the pace (and narrows focus to an unsettling intimacy), its chiming coda reminiscent of the spiralling guitars at the climax of Throwing Muses’ ‘Two Step’, but Shrag play smartly to their strengths. In how it captures both the guttural (the dizzy thrill of its hooks, the ringing guitars, the snare way up in the mix, the overwhelming sea of voices) and the cerebral (its graffiti narratives and their uncommonly heightened wordplay), it achieves a deep and lasting resonance. Awash with ideas, Canines speaks at length and with authority. (thedigitalfix.com)

    And then there’s On The Spires of Old Cathedrals, which has officially become the defining moment where Shrag have elevated themselves from being a really like to a band I love. It starts off with business as usual, and then around two minutes in everything drops away leaving the bass and the drums. And then the synths return, and then a guitar line which could have been written by Peter Hook, and for a few moments it’s like a long lost b-side to Perfect Kiss before it’s back to a Shrag track. But it’s not about Shrag ripping off New Order – it’s about the simple ingredients that make up a fantastic indie song. You don’t need orchestral arrangements or singers who could win The Voice. You can create real magic with raw talent and passion. (Brighton Music Blog)



  • Masha Qrella - Analogies

    Masha Qrella - Analogies


























    Es hat ein wenig gedauert, bis uns die 36-jährige Masha Qrella mit einem neuen Album beehrte. Nach ihrer Post-Rock-Vergangenheit in den "Instrumentalbands" Mina und Contriva veröffentlichte sie 2002 mit "Luck" ihr erstes Soloalbum, das als konsequente Weiterentwicklung, zuzüglich Gesang, verstanden werden konnte. Der Wechsel zu Morr Music brachte 3 Jahre später "Unsolved Remained" und 2009 "Speak Low" hervor, ein Album, das sich mit Songs von Kurt Weill und Frederick Loewe auseinandersetzte.

    Seitdem stand die als Masha Kurella geborene Künstlerin vermehrt auf Theaterbühnen oder schrieb Lieder für Filme oder weitere Theaterprojekte. Doch im Mai erschien mit "Analogies" ihr viertes Soloalbum, das auch auf ältere Songs zurückgreift: etwa "Take Me Out", das sie für einen Dokumentarfilm namens "Meine Freiheit. Deine Freiheit" über zwei Frauen im Gefängnis schrieb, oder "Fishing Buddies", welches auf dem Album in zwei unterschiedlichen Versionen enthalten ist und ursprünglich einem Bühnenprogramm entstammt, bei dem sie mit der Schauspielerin Tilla Kratochwil die Kurzgeschichte "Brokeback Mountain" von Annie Proulx begleitet von Musik vorträgt.




    Da die Platte den Titel "Analogies" trägt, darf man sicherlich auf "funktionsgleiche Strukturen, ohne Verwandtschaftsbeziehungen" bei anderen Musikern suchen und dürfte solche Konvergenzen sicherlich bei Laetitia Sadier (Stereolab), Fleetwood Mac, Neil Young oder auch Steely Dan finden. Aufgenommen wurde die Platte von Masha Qrella in der Berliner Villa Qrella nahezu im Alleingang. Unterstützung erhielt sie nur von Robert Kretschmar am Schlagzeug und auf "Take Your Time" steuern Gäste zudem Trompeten- und Orgelklänge bei. 
    Maurice Summen, Sänger von Die Türen und Betreiber des Labels Staatsakt, meint zu "Aanlogies" folgendes: 
    Ich höre auf ’Analogies’ mindestens zehn Hit-Singles. Was sagen Sie? Es sind doch nur zehn Songs auf dem Album?! Verrückt." 
    Man darf gespannt sein, ob sich die Richter diesem Urteil anschließen werden...



    Take Me Out schöpft dann als Opener auch gleich das gesamte Potenzial gut aus. Harmonisch anmutender Indie-Pop mit Gitarrenläufen, eingängigem Gesang und einem inhärenten Sehnen. Irgendwie ist es Pop, irgendwie ist es immer gut gelaunt, aber es ist eben auch ganz eigen. Wenn man zum Beispiel Fishing Buddies hört, das munter nach vorne geht, gerne mal Moll nutzt, aber eben auch nur, um eine nachdenkliche Sommeratmosphäre zu erzeugen, macht sich dann doch die gute Laune breit. Oder auch Call My Name, das für Masha Qrella-Verhältnisse einen erstaunlichen Breitwand-Appeal hat und ins Rockige driftet. Mit hymnischem Chorus und süßlichem Gesang, aber auch schrammeligen Gitarren nimmt die Dame einen mit und man kann sich ihrem Charme nur schwerlich entziehen.
    Auch als Ganzes betrachtet kann Analogies auf ganzer Linie überzeugen, ist es doch ein vielseitiges Indie-Album einer Frau, die schon viele Jahre dabei ist, immer Qualität ablieferte, sich aber nun ganz offensichtlich auf dem Höhepunkt ihres bisherigen Schaffens befindet. Es wäre zu wünschen, dass dieses Album von den richtigen Hörern zur richtigen Zeit entdeckt wird, denn dann hätte es das Potenzial, eines der prägenden Indie-Alben des Sommers zu werden. So oder so kann man sich auf jeden Fall schon jetzt gewiss sein, dass dieses Album dann im späten 2012 in so einigen Jahrescharts weit oben zu finden sein wird. Ganz großes Kino!
    (alternativmusik)


  • The Hundred In The Hands - Red Night

    The Hundred In The Hands - Red Night



























    Für ihr zweites Album weben Eleanore Everdell (Gesang, Keyboards) und Jason Friedman (Gitarre, Programmierung) in ihren Klangteppich aus Synthpop, Post-Punk und Dreampop mit Gothic, Dubstep und Minimal-Techno neue Fäden ein, so dass Freunde von Zola Jesus, The Knife und Fever Ray hellhörig werden dürften. 

    Das Debütalbum von The Hundred In The Hands, wurde hier trotz guter Kritiken wenig beachtet, vielleicht erhält "Red Night" mehr Aufmerksamkeit,  denn da draußen muss es ja Menschen geben, die dem WARP-Label vertrauen und denen Saint Etienne zu lieblich, Garbage zu altbacken, Radiohead zu zugänglich sowie Massive Attack nicht düster genug sind. 

    Und erneut sind die Kritiker voll des Lobes:
    Wesentlich bedrückendere Stimmung, die Drumcomputer zeichnen kleine, bibbernde Beats, und überall lauern die Bausteine, die den Klang ihrer früheren Platten auszeichneten, wie die zappeligen Gitarren von Jason Friedman und die federleichte Stimme von Eleanore Everdell, die gerne mehrfach, und sehr verhallt auftaucht. Hits sind impliziert, selbst wenn diese sich nicht mehr so direkt zur Tanzfläche bekennen wie etwa „Pigeons“ auf dem Debüt. Klar, bei „Come With Me“ sind die Reaktionen relativ alternativlos. Der Titeltrack und „Recognize“ aber verleiten zu Kopfhörer-Einsätzen in der Dunkelheit. Bei „Keep It Low“, einem der drei größeren Highlights, hört man vielleicht doch lieber genauer hin, bevor das Tanzbein geschwungen wird. Verlassen wir bei diesem Song einmal kurz das Albumformat und wenden uns der Single zu. Darauf lässt Andy Stott den Track in seinem Remix in sein dubbiges, stampfendes Verhängnis marschieren.
    Aber wir waren ja eigentlich auf der Platte, kehren wir also zurück, und kümmern uns um den Kaufgrund: „Faded“. Der ist gespickt mit klirrenden Gitarren  und vielen kleinen dramatischen Momenten. „You know it’s breaking my heart“, singt Everdell, spätestens jetzt weiß er es, der Schuft. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, Eleanore Everdell das Herz gebrochen zu haben, verdient neben einem bösen Blick dennoch ein kleines Danke. Irgendwo muss der Herzschmerz ja herkommen, der in diese großartigen Song gegossen wird, und wenn er so klingt wie hier, fällt es einigermaßen schwer, da nachtragend zu sein. Ach ja, dann wäre da noch dieser kleine Ausbruch bei Minute 2:41, der eine Ganzkörpergänsehaut verursacht. Auf dieses Niveau steigt verständlicherweise nicht jeder der zehn Songs auf Red Night, für die Band ist dieses zweite Album aber definitiv eine gewaltige Steigerung.
    Ebenfalls schön in Zusammenhang mit dem zweiten Album von The Hundred In The Hands, wenn auch mehr eine Randnotiz als ein Schritt in Richtung Weltfrieden, ist diese Information: Das Warp-Label kann auch nach Maxïmo Park und trotz My Best Fiend noch Pop.
    (Musikexpress)


    A desolate ambience kicks off dynamic beginning track, “Empty Stations,” rapidly dissolving into a pulsating array of Everdell’s vocals and haunting string arrangements. Sultry title track “Red Night” escalates into a Massive Attack-reminiscent track, laden with faraway drones and space-age synthesizers. “Keep It Low” layers itself distinctly well, with thundering basslines and looped vocals mirroring the disorienting, hours of the early morning. With distant pianos, you can almost recall that virgin feeling of wonder when seeing a skyscraper for the first time with “SF Summer.” The perfect soundtrack to aimless midnight cruises soaring down the highway, “Tunnels” channels the roar of cars growling down the streets. An unsuspecting choral arrangement at the beginning of “Stay the Night” chills, only to shift into a series of grimy beats.
    While Red Night effectively reminds you just what can be incredibly romantic about the big city, you can’t help but think about how the urban sprawl has also wronged you. Harsh realities occur in this weird, metropolitan area where you are, essentially, merely a speck. Take another sip of your black coffee, spoon another bite of cherry pie into your mouth. This is the modern American Dream.
    (Prefix)




  • Wintersleep - Hello Hum

    Wintersleep - Hello Hum


























    Da nennt sich das kanadische Quintett schon Wintersleep, doch von einem schlafähnlichen Zustand während der kalten Jahreszeit kann keine Rede sein. Also keine Hibernation bei Wintersleep, die direkt nach der Veröffentlichung von "New Inheritors" auf Tour gingen und währenddessen bereits mit den Arbeiten am Nachfolgealbum begannen. "Hello Hum" wurde dann bereits im letzten Sommer in den Tarbox Road Studios in New York mit Tony Doogan (Belle & Sebastian, Teenage Fanclub, Mogwai) und Dave Fridmann (The Flaming Lips, Mercury Rev, MGMT), die auch schon in die Entstehung von  "New Inheritors" bzw. "Welcome To The Night Sky" involviert waren, aufgenommen.

    Ungewöhnlich und experimentierfreudig wird die Platte von "Hum" mit verhalltem Schlagzeug / Gesang eröffnet, ein Song, den man eher auf einem Flaming Lips Album vermuten würde. Die folgende Single "In Came The Flood" überrascht mit Synthie-Klängen und tanzbaren Beats. Erst danach finden wir uns auf gewohntem Terrain wieder, dass eigentlich alle Fans von R.E.M., The National oder Interpol für Wintersleep gewinnen müsste. Und ebenso wie diese Bands wissen die Kanadier, dass man bei einem guten Indierock-Album auch einmal den Fuß vom Gaspedal nehmen muss, und so streuen sie zwischen Up-Tempo-Songs wie "Resuscitate" oder "Unzipper" auch immer wieder melancholische, ruhige Titel wie das von Piano und interessanten Drumsounds geprägte "Saving Song" oder das Keyboard-lastige, an die Beach Boys erinnernde "Someone, Somewhere" ein. 
    Ein gelungenes Album, auch ohne Winterschlaf.     


    Wintersleep - In Came The Flood from Wintersleep on Vimeo.


    Klar werden sich an einem Song wie „Someone, Somewhere“ die Geister scheiden, da erinnert man sich doch unvermeidlich an frühen 90er-Pop. „Beth/Rest“ von Bon Iver erging es letztes Jahr wohl ähnlich. Gewagt ist es so oder so – und das ist in jedem Fall sympathisch, selbst wenn der Song nur dann hinhaut, wenn man ziemlich offen für Kitsch ist. Was das Herz begehrt, das liefern Wintersleep: „In Came the Flood“, „Hum“ oder „Rapture“. Natürlich täuschen diese Songs nicht darüber hinweg, dass „Hello Hum“ mit dem faden „Saving Song“ einen Bruch hinnehmen muss und die zweite Hälfte nicht immer mit der ersten mithalten kann. Da der Zug punkto Durchbruch aber eh schon abgefahren scheint, wird das diejenigen Hörer nur wenig stören, die Wintersleep längst in ihr Herz geschlossen haben. Das muss halt nur noch in den Kopf, dass die eigentlich so gross sind wie die ganz Grossen. Und auch wenn es Indiequatsch sein mag, solche Bands gerne für sich alleine pachten zu wollen: Die vertraute Stimmung, die Wintersleep entstehen lassen, funktioniert gerade im eigenen Wohnzimmer am besten.
    (exit.music)

    WINTERSLEEP - Smoke from Mitch Fillion (southernsouls.ca) on Vimeo.


    Fridmann wastes no time splashing a thick dose of himself on the album. The opening cut, ‘Hum,’ unfolds with a channel-jumping synthetic, well, hum behind a clatter of echoed, multi-tracked percussion and all manners of synthetic chirps and crumples. That’s not to say that this album is ‘Hello Hum’ by Dave Fridmann (feat. Wintersleep). At its higher and best written points, the band’s jittery ebullience shines through the heavy-coated production. Lead single ‘In Came the Flood’ offers a constant, choral melody line while driving like a three-way collaboration between Interpol, New Order and anti-anxiety medication.
    No doubt, ‘In Came the Flood’ is this album’s best example of a band playing to its strong suits. Unfortunately, a band — especially an award-winning one trying to prove its longevity — can’t very well drive home a solid album by staying in its top gear: It’s necessary to have a little fluctuation in tone, mood and rhythm. And Wintersleep knows it, hence tracks like the melancholic, bare ‘Saving Song’ and ‘Someone, Somewhere,’ with its mood admirably picked out of Brian Wilson‘s bathrobe lint circa 1971.
    It’s a catch-22 in the rock and roll handbook: Stick to your best sound and find yourself with a repetitive album, or try to diversify your album and end up with an uneven one. Bands much better than Wintersleep have certainly fallen trap to it. Then again, bands much better than this have also taken much longer than five albums to find their steadiest footing. Until Wintersleep create the 100 percent solid album they’re aiming for, consider ‘Hello Hum’ another installment from a band who sounds like they may just have one in them, somewhere.
    (diffuser.fm)


  • Duke Special - Oh Pioneer

    Duke Special - Oh Pioneer



























    Nicht nur Glen Hansard hat sich von Colin Davidson portraitieren lassen, sondern auch Peter Wilson - doch leider hat es dieses Gemälde nicht auf das aktuelle Plattencover geschafft. 
    Der in Belfast lebende Künstler veröffentlichte dieser Tage als Duke Special sein neues Album "Oh Pioneer". Seine Fans können sich über das musikalische Output des Mannes mit den geschminkten Augen und den Dreadlocks nicht beschweren, denn seit 2005 erschienen nicht weniger als 10 Alben.

    Musikalisch steht dem Kammer- oder Piano-Pop von Duke Special sicherlich The Divine Comedy, Keane, Ben Folds oder Badley Drawn Boy näher als Glen Hansard. Und auch stimmlich ähnelt Wilson Damon Gough sehr. Bis auf das exzentrische "Snakes In The Grass", das klingt als würden Queen in einer schrillen Vaudeville-Show auftreten, und das experimentelle Flaming Lips-artige "How I Learned To Love The Sun", ist dies ein Album wie aus einem Guss, das sicherlich mehr Beachtung und Käufer verdient, als es bekommen wird.     

    One senses that Wilson could pen a song for any chart-humping superstar in a heartbeat, and do very well out of the deal, thank you very much. His songs possess a purity that the likes of Gary Barlow have channelled to amazing returns. Numbers like Lost Chord and Punch of a Friend are swaying, soft-hearted affairs that only the gifted can make sound like second nature. Always Been There pulls the kind of piano-pop shapes that Keane earn their considerable crust with, and is an effortlessly endearing equal of said act’s more inspired output.
    Oh Pioneer, as its title goes some way to implying, isn’t without its moments of experimentation. Condition is a striking piece, growling guitars and buzzing electronics opening beside Wilson’s usual delicate way with a piano. But it’s the song’s lyrics that really grab, self-analysis via economical poetry, couplets like “I’m a pin drop / I am Phil Spector” more affecting in action than they probably seem on screen. And who can’t love a song that name-checks the Sinclair ZX81, honestly.
    A quiet success, Oh Pioneer is one for when the rush subsides and all the listener can do is wallow in another’s embracing soundworld. Duke Special doesn’t need the charts – but they could do with more artists like him.
    (BBC)


    (...) But taken as a whole, Oh Pioneer finds a talented artist reaching outside of his comfort zone, and delivering the goods. More than that, it presents Duke Special as an artist who’s in it for the long run, someone capable of real artistic development and expansion. But even further still, it captures the sound of a man looking at himself and all his failings, and refusing to shy away from them in an incredibly affecting and involving way. Oh Pioneer might not please all of Duke Special’s long term fans, and it might struggle to win over a new fanbase, but it’s easily the most important record he’s ever made, and deserves to find a place in the world.
    (AU Magazine)

    (...) Duke Special has burbled along beneath the radar for years. This is a great record and one that deserves a lot more attention than it is ever likely to get. Highly recommend for anyone who thinks piano in indie rock can be more than Ben Folds bashing away or Tim Minchin vamping for laughs. This Duke... well, it’s a cliche to say again, but he is special. 
    (music OMH)


  • Glen Hansard - Rhythm And Repose

    Glen Hansard - Rhythm And Repose


























    Vor fast 30 Jahren begann der 13-jährige Glen Hansard in den Straßen Dublins zu musizieren. Es folgten Erfolge mit seiner Band The Frames und dem Duo The Swell Season, Film-Auftritte in "The Commitments" und "Once", der Gewinn des Oscar für den Song "Falling Slowly", ein (stimmlicher) Auftritt bei den Simpsons, eine gemeinsame Tournee mit seinem Buddy Eddie Vedder, Songbeiträge für den Soundtrack zu "The Hunger Games" und die Umsetzung von "Once" in Form eines Broadway-Musicals.
    Da fehlte bisher in dieser Liste eigentlich nur ein Soloalbum. Doch seit "Rhythm And Repose" ist auch dieses Manko behoben.

    Für das Album wurde nichts dem Zufall überlassen. Aufgenommen wurde es von Patrck Dillett (David Byrne, Laurie Anderson), als Produzent fungierte Thomas Bartlett (The National, Antony and the Johnsons) und auch am Gastpersonal wurde nicht an Professionalität gespart: Brad Albetta, der sonst für Martha Wainwright musiziert, spielt den Bass, Nico Muhly und Rob Moose arrangierten auch schon für Bon Iver die Streichinstrumente, Ray Rizzo (Days Of The News) saß hinter dem Schlagzeug, aus den Tourbands von Bob Dylan und Leonard Cohen kommen David Mansfield bzw. Javier Mas und die halbe Bläser-Sektion der E-Street-Band ist auch dabei. Als Gastsänger sind Sam Amidon, Aida Shahghasemi, Cristin Milioti und natürlich Markéta Irglová zu hören.     
    Mit Colin Davidson konnte ein bekannter Künstler für das Porträtgemälde des Plattencovers gewonnen werden. 

    "Rhythm And Repose" nimmt die Swell Season-Fans gleich mit dem Opener "You Will Become", bei dem auch Markéta Irglová zu hören ist, mit. Das folgende "Maybe Not Tonight" ist ein Verwandter von Max Mutzkes "Can't Wait Until Tonight" und auch die restlichen Songs, wollen von den meisten Hörern wohl gemütlich, mit einem Glas Rotwein in der Hand, auf Polstermöbeln sitzend  konsumiert werden: Seien es die gefühlvolle Piano-Ballade "The Storm, It's Coming", "Talking With The Wolves", das auf poppigen Spuren wandelt, oder das folkige "High Hope", das ebenso wie das von Piano und Streichern dominierte "Bird Of Sorrow" eine äußerst inbrünstige Gesangsdarbietung Hansards liefert. 

    Das emotionale und abwechslungsreiche "Rhythm And Repose" stellt im Vergleich zum zu eintönigen und ätherischen "Anar" von Markéta Irglová den klaren Sieger dar.   
        

    Glen Hansard - 'Philander' from Spunk Records on Vimeo.


    "Maybe Not Tonight", durch das die Slide Guitar David Mansfields tönt, atmet die amerikanische Musikgeschichte tief ein, ist eine Hippie-Reminiszenz zwischen James Taylor und Crosby, Stills & Nash, eine Hymne aufs Hier und Jetzt: "Maybe we should do what’s right, but maybe not tonight." Die Nummer "Talking With The Wolves" gestaltet Hansard dagegen als die Sorte zärtlich groovender Popsongs, die man von Prefab Sprout kennt. Im souligen "Love Don’t Leave Me Waiting" borgt er sich Bruce Springsteens Bläsersatz aus, um dem Verlangen feine Zwischentöne abzuverlangen. "What Are We Gonna Do" ist eine empfindliche Momentaufnahme des Nicht-von-der-Stelle-Kommens, die Vertonung eines unschlüssigen Augenblicks.
    "Rhythm & Repose" scheint tief ins schwere Herz Glen Hansards zu führen, ein Stimmungsbericht aus seiner Zeit in New York City. Die prominent besetzte Platte (auch Javier Mas wirkt als Gastmusiker mit) erweist sich als intimes Album, das sich überraschend oft im Dreivierteltakt dreht: Die wehmütige Eröffnung "You Will Become" ist ebenso ein Walzer wie etwa das dunkeltönende "Philander" und das Folkstück "Song Of Good Hope" am Ende der Platte, in dem Glen Hansard auch sich selbst Hoffnung macht: "Take your time, baby/ It’s not as bad as it seems."
    (Rolling Stone)

    Love Don't Keep Me Waiting: Glen Hansard from Glen Hansard on Vimeo.


    Glen Hansard in Deutschland:

    19.10.12 München, Muffathalle
    22.10.12 Frankfurt, Gibson
    11.12.12 Hamburg, Grünspan
    13.12.12 Berlin, Apostel Paulus Kirche
    14.12.12 Köln, Bürgerhaus Stollwerck

  • Right Away, Great Captain! - The Church Of The Good Thief

    Right Away, Great Captain! - The Church Of The Good Thief


























    Dass auch das dritte Cover eines Albums von Right Away, Great Captain! erneut mit nautischen Motiven aufwartet, liegt nicht nur im Projektnamen begründet, sondern auch daran, dass hier die tragische Geschichte eines Seefahrers aus dem 17. Jahrhundert erzählt wird, der seine Frau beim Seitensprung mit seinem eigenen Bruder erwischte. Begonnen wurde das Drama 2007 mit dem Album "The Bitter End", fortgeführt ein Jahr später auf "The Eventually Home" und nun wird die Trilogie von "The Church Of The Good Thief" beschlossen: 
    "The third and final story/album starts with our hero laying over Anna's lover (and hero's brother). The brother has been killed. His wife has seen what the children saw and we spend a lot of time inside our hero's mind and the reality that he is indeed a murderer of his own flesh and blood." 

    Als Kapitän fungiert auf dieser Reise Andy Hull, der auch Sänger des Manchester Orchestras ist. Dem textlichen Inhalt entspricht auch die düstere musikalische Umsetzung, in der sich Hull auf Gesang, Piano und Gitarre beschränkt. Während die erste Hälfte der Platte noch an die Vorgänger anschließt, wird es in der zweiten noch intimer, zerrissener und emotionaler.
       
    Leider habe ich die Vorbestellung der Platte auf der Bandcamp-Seite verpasst, denn dort hätte man die Vinyl Trilogie komplett erwerben können, deren Highlight jedoch (für mich) "The Eventally Home" darstellt.     

    His character had returned from sea (as told in "The Bitter End") to find his wife cheating on him with his own brother, despite his intent to kill her, in the heat of the moment he kills his brother and leaves his wife watching. The first song from the album "Blame" details how the murder was heard by a nearby farmers wife and, though not described, it's implied that he is sentenced to death.
    Instrumentally, Hull doesn't stray away from the sparse route he's taken on prior efforts, this time he restricts himself to piano and guitar however to emulate the confinement of his character in a prison cell. "We Were Made Out of Lightning" is one of the darkest songs on the record, featuring a droning guitar accompanied by Hull's reverb heavy vocals, as well as backing vocals provided by Colour Revolt's Jesse Coppenbarger. Hull's shackles, in comparison to Manchester Orchestra's "Simple Math", may seem like a blessing in disguise however as he's used it as a way to evaluate his songwriting and write his most cohesive effort to date.
    It's evident that this record is more about the storytelling lyrics themselves rather than the music. Hull's references to prior albums will make this one to spin several times to take in the full story, with the ghost of the captain from "The Bitter End" even making a return. Thematically, it feels as if this album gradually gets darker with each track as Hull's character slowly draws closer to his death, finally reflecting upon his life before his death in "Memories From The End Part 2" with "Now I am shown the treacherous pains to become something old / redemption thats freed the burden from me".
    (Alter the Press)


    The first track, Blame, serves as a reminder of what Right Away, Great Captain songs consist of. Quiet guitar and quiet piano fall quietly behind Andy’s voice, a voice capable of creating a bone chillingly eerie feel or a louder, more plainly emotive one as his voice soars over beautiful harmonies. His guitar playing serves the song well, often multi layered and complex, but never abrasive. Similar piano playing will accompany it, always understated and haunting, allowing the music to breathe. This mix allows the listener to understand the feelings conveyed in each song, and as each song builds our connection to it does as well, an effect that never falls flat or results in anything short of breathtaking. Some songs build up to something slightly larger than the established Right Away, Great Captain sound, such as “I Wait for You”, featuring two guitars and even drums. This never results in a loss of intimacy however, simply conveying the pain in each song more clearly, making it at times vivid. The vocals are always just as good, and when Andy’s voice soars it creates something both powerful and uplifting.
    (...) On its own, The Church of the Good Thief is a beautiful and haunting album. When placed after its two predecessors however it becomes something else entirely. It provides a satisfying ending but also connects the three albums together. It’s a tale of twisted redemption that takes the entire Right Away, Great Captain series to somewhere unexpected and new, while staying true to everything the project is about. It’s a near perfect close to one of the most unique and refreshing musical projects in quite some time.
    (sputnik music)


  • Frankie Rose - Interstellar

    Frankie Rose - Interstellar



























    Noch schnell den Nachtrag einer längst veröffentlichten Platte, weil das Cover so schön mit dem von Beach House korrespondiert: 

    Nachdem Frankie Rose bereits bei Crystal Stilts, Dum Dum Girls und Vivian Girls spielte und vor zwei Jahren ein Album als Frankie Rose And The Outs veröffentlichte, erschien Ende März über Slumberland Records mit "Interstellar" ihr erstes Album ohne weitere Mitstreiter. 
    Und die Referenzen heißen nun nicht mehr Phil Spector und 60s Girl Groups, sondern 80s und C86. Wir hören flotten Gitarrenpop, wie ihn New Order ("Daylight Sky"), The Smiths oder The Primitives spielten ("Know Me"), und ruhigeren Dreampop, der mal an Cocteau Twins ("The Fall") oder The Cure ("Pair Of Wings") denken lässt. Laut Frau Rose sollte das Ergebnis wie folgt klingen:
    “I knew I wanted a HUGE sounding record. Big highs, big lows, and clean. There is no fuzz on this record. I knew I wanted to make a streamlined, spacious record with big choruses that sometimes referenced 80s pop.” 


    Schon “Know Me” zeigt ihren Hang zu C86 und den Smiths. Eine typische Johnny Marr-Gitarre leitet Frankie durch die Nacht. Engelschöre untermalen Frankies Modulationen. In “Gospel/Grace” gibt es was für die Disintegration-Freunde unter euch. Ein Wiedersehen mit den poppigen Klängen der Veteranen The Cure. Auch gut! Frankie mixt die Stile und Referenzen geschickt. Sie klaut nicht, sondern lehnt nur an. Ein Basslauf, wie aus der Zeitmaschine, macht den Tanzboden sauber. Wirklich zauberhaft, wie die kleinen Melodien durch Donnerhall-Drums Gewicht verliehen bekommen. Der Jangle Pop ist sehr überzeugend.
    Frankie hält sich stimmlich etwas zurück, denn sie genießt die neu erworbene Musikalität. Die freien Momente ohne Stimme haben wunderbare Melodieführungen. Nein, so kann man das auch nicht sagen. Eher, dass ihre Stimme nun weiß, wie sie, wann zu klingen hat. Ihre beste Gesangsleistung bislang. Für Frankie sind das alles neue Wege, auf dem Papier sieht das natürlich nach Lehrbuch aus. Joy Division abhaken. Next! Ein Cello fürs Ende. Gekauft!
    Die Arrangements sind wirklich als tadellos zu bezeichnen. Jede Bridge bekommt genug Ornament zur Hand, dass auch sie hell leuchten kann und sogar manchmal einen Refrain so blendet, dass dieser gar nicht mehr so glänzen muss, falls er überhaupt noch mal aufschlägt. Ein klasse Popalbum, dass noch sehr oft in meinem Player landen wird. Irgendwie schön bei dieser Weiterentwicklung teilnehmen zu dürfen. “Interstellar” ist pulsierender Pop, der die Helden ehrt und mit einigen theatralischen Dream Pop-Fanfaren auch die letzte Prinzessin überzeugen kann, doch mit dem Gitarrespielen zu beginnen.
    (Jahrgangsgeräusche)



    Die Tourneedaten von Frankie Rose in Deutschland:

    10.07.12 München, Ampere
    11.07.12 Hamburg, Molotow Bar
    16.07.12 Berlin, Comet Club
    17.07.12 Köln, Blue Shell

  • Beach House - Bloom

    Beach House - Bloom

























    Lange habe ich mich mit Beach House extrem schwergetan. Wie so oft war es ein Konzert, das mir die Augen geöffnet hat, wie großartig die Musik dieses Duos aus Baltimore doch ist - sehr zu meiner Überraschung, denn mit solch leicht schwülstigem 80er Jahre Stil kann ich wirklich nichts anfangen. Victoria Legrands Stimme ist einen Tick zu tief und herb, die Keyboards zu tropisch, der Gesamteindruck zu weichgespült, um mir zu gefallen. Trotzdem bin ich der Band verfallen und war voller Vorfreude auf das vierte Album, das mit der Vorabsingle Myth angekündigt wurde.

    In dem Moment, in dem ich mich in die Musik der Band verliebt habe (und dafür große Hürden überspringen musste), las ich überall, daß Beach House jetzt doof geworden seien, weil sie sich nicht weiterentwickelt hätten. Boff, das saß! So als wäre man mit einer Frau zusammengekommen, die man erst nicht ausstehen konnte (während alle anderen sie anhimmelten), um dann nur noch von ihren Nachteilen zu hören. Eigentlich ist sie ja ziemlich langweilig. Diese Frisur erst! Und Witz hat sie auch keinen.

    Oder, ohne Frauen:

    Ah, the musician’s paradox: If you don’t change, fans call you stagnant. If you change too much, they stop listening all together. The bigger the band, the bigger the dilemma. Do you continue making music that sounds like the stuff that won your followers or do you try to innovate and risk alienating your fans? Damned if you do, damned if you don’t. Color Beach House damned. The dream pop duo has recorded an album that is spotless from start to finish, an unquestionably beautiful collection of songs. But man, does it sound familiar
    (http://prettymuchamazing.com)


    Mir ist dieses Problem ehrlich gesagt piepegal. Natürlich klingt Bloom wie Teen Dream. Aber Teen Dream klingt auch nach The Art Of Noise, und wird trotzdem gefeiert. Beach House erhöhen mit Bloom ihr Repertoire an großartigen Songs um acht (oder neun, wenn man den Hidden Track Wherever you go mitrechnet). Daß ein neues Norway und ein neues Zebra dabei sind, stört mich nicht, es bedeutet nur zwei weitere große Hits bei einem Konzert.
    Einzig Troublemaker und On the sea (ein typisches vorletztes Lied einer Platte - bekanntlich packen Bands an die Position die schlechtesten Stücke des Albums) fallen gegenüber den restlichen Knüllern deutlich ab. Myth, Irene, New Year, Wishes, Wild... das alles sind Hits, ohne klassische Singles zu sein. Bloom hört man am besten komplett und nicht Lied für Lied. Am besten gemeinsam mit Teen Dream. Und mit Deserter's Songs von Mercury Rev, dem großen Bruder von Beach House.
    Im Mai habe ich Beach House live gesehen (am Meer, wie es sich gehört). Dabei haben Victoria Legrand und Alex Scally es geschafft, die Stimmung der Platte durch Nebelweichzeichner und kühle Distanz perfekt auf die Bühne zu bringen. Daß vorher Crocket's Theme von Jan Hammer lief, war nicht nur die perfekte Abrundung, es war auch überaus ironiefrei, vermute (und hoffe) ich.




  • Die 10 besten Alben von Nick Cave And The Bad Seeds

    10. Murder Ballads (1996)
    9. Let Love In (1994)
    8. The Boatman's Call (1997)
    7. Skeleton Tree (2016)
    6. Henry's Dream (1992)
    5. Tender Prey (1988)
    4. Push The Sky Away (2013)
    3. Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus (2004)
    2. No More Shall We Part (2001)
    1. The Good Son (1992)

    (ausgewählt von Dirk)