Platten vor Gericht

Neue Platten bewerten

Platten vor Gericht

dient uns als Plattform, um uns über neue Alben auszutauschen, sie vorzustellen und teilweise heftig zu diskutieren. Seit 2002 bewerten wir alle Alben, die uns zu Ohren kommen, mit Noten von 1 bis 10, so dass am Ende eines Jahres das "Album des Jahres" gekürt werden kann. Auch Gäste unseres Blogs sind herzlich dazu eingeladen, ihre Meinung zu äußern und Bewertungen abzugeben.

  • 1. Vorstellen
  • Nahezu täglich öffnen sich die Pforten des Gerichts, um die Fakten eines neuen Falles darzulegen.

  • 2. Diskutieren
  • Gibt es mildernde Umstände zu beachten? Welche Platten gehören noch vor Gericht gestellt?

  • 3. Bewerten
  • Nicht immer kommen die Richter zum gleichen Urteil und benötigen daher den Beistand der Gastrichter.

  • 4. Auswerten
  • Ein faires Urteil wird mit Hilfe der Durchschnittsnote gefunden und am Jahresende verkündet.

Me

Fachgebiete

Dies sind unsere bevorzugten Betätigungsfelder:

Britpop 80%
Dreampop 50%
Folk 70%
Indiepop 75%
Indierock 90%
Pop 85%
Post-Rock 40%
Shoegaze 60%
Singer/Songwriter 80%

Mixtape

Monatlich stellt Oliver ein Mixtape zum Nachhören der Plattenvorstellungen zusammen.

Revision

Zu besonderen Anlässen werfen wir auch einen Blick auf das Gesamtwerk eines geschätzten Künstlers.

Listening Sessions

Gelegentlich treffen wir uns auf Volkers Sofa zu gemeinsamen Listening Sessions.

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  • Hundreds - Aftermath

    Hundreds - Aftermath



















    Es gibt diese Alben, die hier unerklärlicherweise nicht vorgestellt wurden, es aber dann doch verspätet auf den Plattenteller und in die Liste der persönlichen Lieblingsalben des Jahres schaffen.
    "Hundreds" (2010), das Debütalbum von Hundreds ist bei mir so ein Fall.

    Das Hamburger Geschwisterpaar Eva und Philipp Milner veröffentlichte vor einigen Tagen und 4 Jahre nach ihrem Debüt mit "Aftermath" ihr zweites Album. Mit den Songs ihrer ersten Platte tourten Hundreds mehrere Jahre und ich konnte sie beim Maifeld Derby und in der Frankfurter Brotfabrik bewundern, auch auf einem der ersten Konzerte zur Tournee im Kölner ARTheater mit den neuen Songs habe ich sie gesehen, ein Bericht dazu finden sich hier.

    Auf "Aftermath", das via Sinnbus erschienen ist, lassen Hundreds und der Produzent David Pye (Wild Beasts) ihren Elektropop organischer und wärmer klingen, den Folk einatmen und die Streicher und Bläser dramatisch aufspielen. Zusammen mit Evas wunderbarer, melancholischer Stimme, Philipps Pianospiel und ausgetüftelten Beats ergibt das erneut eine überaus tolle Mischung. 
    "Aftermath" wird bei der diesjährigen Zusammenstellung meiner Jahres-Top 20 nicht übersehen werden!

    Das Ergebnis kann sich hören lassen: AFTERMATH ist ein solider Nachfolger, verschmilzt atmosphärisch-kühle Klänge mit dem warmen Gesang von Eva Milner.
    Detailverliebtheit und wechselnde Dynamik machen das Album trotz seiner vordergründigen Schläfrigkeit spannend. Im Song „Circus“ probiert sich das Geschwisterpaar an Folk, mit „Aftermath“, welches sich bis zu fast orchestraler Wucht aufbaut, machen Hundreds aber eine deutlich bessere Figur. „Foam Born“ beschreibt die Beziehung des Duos: „I want to love you / I want to feed you with poison like family does.“ Na dann gute Nacht.
    (Musikexpress)


    Die deutsche Band Hundreds zeigt auf ihrem zweiten Album so eindrucksvoll wie zurückhaltend eine elegante Spielart des Pop, die sich subtil jedem Leistungsgedanken und dem Abstrampeln um Aufmerksamkeit entzieht. Auch wenn die Geschichte hinter der Produktion des Albums in ländlicher Abgeschiedenheit sicher auch eine Geschichte von viel Arbeit, Stromausfällen, Mücken und Rückschlägen war, klingen die zwölf Songs ganz leicht und wie von einem irrealen, weit entfernten Ort in diese Welt geweht. Gegen Hörer hat man dabei sicher nichts einzuwenden, aber die Musik wäre eben auch so einfach da.

    Den mal zarten, mal treibenden düsteren Electro-Pop des Geschwisterpaares, der Band The xx nicht ganz unähnlich, umgibt immer ein Geheimnis – etwas Dunkles und dennoch Warmes steckt in jedem Pianoanschlag, in jeder Bassdrum und in jeder der Textzeilen, die Eva Milner mit fast unwirklicher Stimme singt. Und mit dem Song »Our Past« gelingt der Band dann noch mühelos ein ganz und gar realer Hit.
    (intro)

    Hundreds unterwegs:
    23.04.2014 Dresden, Scheune
    24.04.2014 Offenbach, Hafen 2
    26.04.2014 Erlangen, E-Werk
    29.04.2014 Osnabrück, Lagerhalle
    30.04.2014 Leipzig, Schaubühne Lindenfels
    01.05.2014 Düsseldorf, Zak
    02.05.2014 Berlin, Postbahnhof
    05.05.2014 Bremen, Schwankhalle
    06.05.2014 Rostock, Peter Weiss Haus
    07.05.2014 Hamburg, Mojo Club
    08.05.2014 Hannover, Faust
    30.05.2014 Neustrelitz, Immergut Festival
    31.05.2014 Mannheim, Maifeld Derby



  • Dillon - The Unknown

    Dillon - The Unknown



















    Es gibt diese Alben, die hat man einige Male gehört, bewertet und bei der Auflistung seiner persönlichen Lieblingsalben des Jahres außen vor gelassen, um dann später festzustellen, dass man sie im Gegensatz zu höher bewerteten oder in die eigene Top 20 aufgenommene Platten immer noch hört und insgesamt viel häufiger aufgelegt hat.
    "This Silence Kills" von Dillon ist bei mir so ein Fall.

    Die in Brasilien geborene Sängerin und Pianistin veröffentlicht 3 Jahre nach ihrem Debüt mit "The Unknown" nun ihr zweites Album. Dabei besticht Dominique Dillon de Byington, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, erneut durch ihre brüchige und viel älter als 26 Jahre klingende Stimme, und ein deutlich reduzierteres Arrangement. Meist sind neben ihrem melancholischen Gesang nur Piano oder Synthesizer zu hören, die von knisternden, knackenden, wabernden, wummernden, klickenden und klackernden Rhythmen und Bässen unterlegt werden.
    Daran können sich Björk und Lykke Li für ihre nächsten Platten ein Beispiel nehmen. Und ich nehme mir vor, Dillon bei der Zusammenstellung meiner Jahres-Top 20 nicht (wieder) zu übergehen!   
      
    Es rumort. Metallene Rohre machen aus den Songs ein perkussiv klapperndes, post-dubsteppiges, minimalistisches Gebilde, in dem es unentwegt flirrt. Gleichzeitig verankert das Piano bewusste einfache Akkorde, oder einzelne Noten puristisch in der Erde. Das klare Piano überstrahlt die dunkle, elektronische Komponente. Dillons charakteristische leicht verkaterte Mädchenstimme legt sich über die dicht-flüssige Masse an kalten Beats. Mit der intuitiven Sicherheit eines Traumwandlers schwebt Dominique Dillon De Byington souverän und zugleich fragil auf unterschwellige Elektronik zu. Anmutige Trübsal macht ihre unperfekte Direktheit aus. Unangepasste Grazie lässt Dillon schüchtern wie elegant tänzeln ohne an Zerbrechlichkeit zu rücken.
    (the gap)


    Der Nachfolger The Unknown wurde wieder gemeinsam mit Thies Mynther und Tamer Fahri produziert und kommt nun schon weniger unerwartet, entwickelt Dillons Sound aber auf angenehme und reife Art fort. Es klingt fast, als hätten alle Beteiligten immer besser verstanden, wie man Dillons Stimme mit minimaler Instrumentierung zur vollen Strahlkraft bringt. Entschlackt und dadurch umso eindringlicher präsentieren sich die zwölf neuen Songs, die unnötigen Po(m)p komplett über Bord werfen und aus punktuiertem Piano-Einsatz, Dillons Stimme und gelegentlichen Subbässen und Elektroniktupfern maximalen Effekt herausholen. Der Feist-ige Wohlklang, der beim Erstling noch gelegentlich durchschimmerte, ist hier einer reduzierten Dramatik gewichen, die dadurch umso stärker Eindruck hinterlässt. Ein Album, bei dem man nichts hinzufügen oder weglassen möchte.
    (Groove)

    Und dass man die Melodie der Single „A Matter Of Time“ schon nach dem zweiten Hören mitpfeifen muss, ist auch nicht das schlechteste Zeichen. „A Matter Of Time“ ist aber auch ein schönes Beispiel dafür, wie in der Postmoderne musikalische Bestandteile der unterschiedlichsten Herkunft sich zu etwas Neuem zusammenfügen können. Ohne retromanische Hintergedanken. Antagonismen werden bei Dillon zu logischen Entitäten, als wäre das eine Selbstverständlichkeit: Folk und/oder Kunstlied (Dillons Gesang und das Piano), Dreampop (die flächigen Sounds) und die gerade mal aktuellsten Entwicklungen in der elektronischen Musik (der Subbass) – würden diese Merkmale für sich alleine stehen, würden sie wohl keinen Innovationssucher hinter dem Ofen hervorlocken. Oder „You Cover Me“. Dem kinderliedartigen Charakter des Songs jubelt Dillon ein ultra-abstraktes, fast schon Industrialartiges Instrumental unter.
    (Musikexpress)

  • The Wet Secrets - Free Candy

    The Wet Secrets - Free Candy



















    Das aus dem kanadischen Edmonton stammende Quintett The Wet Secrets betitelt sich selbst als "Rock and Roll Dance Band" und beschreibt die Musik, die sie spielen als "the kind of music you could expect to hear if The Stranglers piggybacked Herb Alpert & the Tijuana Brass through the Rose Parade". Passend dazu treten Lyle Bell (Bass, Gesang), Trevor Anderson (Schlagzeug, Gesang), Kim Rackel (Trompete, Tuba, Gesang), Emma Frazier (Posaune, Gesang) und Paul Arnusch (Keyboard, Congas, Gesang) bei Konzerten in den Uniformen einer Marschkapelle auf.

    "Free Candy" ist ihr drittes Album, auf das ihre Fans 7 Jahre warten mussten, da die Mitglieder von The Wet Secrets auch in andere Band verstrickt sind. Die elf Titel auf "Free Candy" werden von spooky Orgel-Klängen, wummerndem Bassspiel und mehrstimmigem Gesang geprägt und klingen als hätten The B-52's einen Horror-B-Movie vertont. Als Anspieltipp sei das humorige Vampir-Video zu "Nightlife" empfohlen:  


    Driven by Bell’s acrobatic bass lines and soaring yelps, tunes like the pulsing opener “Maybe We’ll Make a Plan” and the self-conscious party anthem “Nightlife” showcase an effortless flair for melodic hooks and danceable grooves. Even seemingly one-dimensional offerings like “Get Your Shit Together” and “Animals in Disguise” at least provide more good dumb fun. It’s not all so lighthearted, however: “What’s the Fucking Point? (Zenko’s Theme)” mourns the death of a friend, albeit with a heavy dose of gallows humour and cheery horn lines. Evidently, The Wet Secrets can find a silver lining in pretty much anything.
    (The Grid)


    How’s this for a little Can-connection? For the music video for second single, "Nightlife", Canadian indie troupe The Wet Secrets employed Joe Flaherty to revisit his SCTV character, Count Floyd. In the hilarious video, Flaherty shows how much the world has changed for an old vampire. He even takes a bite out of a Robert Pattinson stand-in.

    This should give you an idea of the Wet Secrets’ brand of quirk, which they play up to great effect on third full-length Free Candy. After a five-year break (where Lyle Bell kept up with his other band, Shout Out Out Out), the five-piece goes wild on material both new and some salvaged from an unsuccessful recording session in 2009. The result is a bass-heavy party album, delightfully played live in full matching marching band regalia.
    (New Canadian Music)


  • St. Vincent - St. Vincent

    St. Vincent - St. Vincent






















    Der Bühne näherte sich Annie Clark aka St. Vincent zuerst als eines der unzähligen Mitglieder der Polyphonic Spree und als Bestandteil von Sufjan Stevens’ Live Band. 2006 wagte sie den Schritt in die musikalische Eigenverantwortung. Nach drei Soloalben kollaborierte sie mit David Byrne auf “Love this giant”. Offensichtlich wirkte die Byrne-Erfahrung inspirierend und als Ansporn, denn direkt im Anschluss daran begann sie mit den Arbeiten an “St. Vincent”. Auch in der Wahl des Albumtitels zeigt sich das neue Selbstbewusstsein der Amerikanerin. Ihr beeindruckenden Fähigkeiten an der Gitarre werden auf “St. Vincent” ein Stück weit in den Hintergrund gerückt. Statt dessen widmet sich Annie Clark vielseitigeren Songstrukturen und Rhythmen. Auch diesbezüglich lässt sich ein bleibender Eindruck aus der Zusammenarbeit mit Byrne vermuten. Wo früher Gitarren regierten und mit der Stimme der Sängerin flirteten wabern nun Synthieteppiche und treibende Beats sorgen für Drive. Wie alle bisherigen St. Vincent-Alben haftet auch “St. Vincent” ein Hauch Sterilität an, doch es fehlt nicht mehr viel und Annie Clark wird mich begeistern.

    Produziert wurde “St. Vincent” von John Congleton, der in dieser Funktion bereits u. a. für Modest Mouse, Okkervil River, John Grant, Jens Lekman und Wye Oak aktiv war. Am Schlagzeug durften Homer Steinweiss (Sharon Jones & The Dap-Kings) und McKenzie Smith (Midlake) unterstützen.

    Rollingstone.com:
    St. Vincent is her tightest, tensest, best set of songs to date, with wry, twisty beats pushing her lovably ornery melodies toward grueling revelations.

    Laut.de:
    Sollte Lady Gaga irgendwann auf die Idee kommen, ihren nebensächlichen musikalischen Output auf das Niveau ihres Art-Images anzuheben, müsste sie klingen wie "St.Vincent".


    “Huey Newton”, “Digital witness” (hätte auch auf “Love this giant” gepasst) und “Psychopath” sind meine Anspieltipps.

    “Digital witness”:
  • Weeping Willows - The Time Has Come

    Weeping Willows - The Time Has Come



















    Für die Weeping Willows schließt sich mit "The Time Has Come" ein Kreis, denn obwohl das schwedische Quartett in den letzten 7 Jahren keine Platte veröffentlicht hat und sich Sänger Magnus Carlson musikalisch in den Richtungen Jazz und Soundtracks ausprobierte, klingen viele Lieder ihres sechsten Albums nach "Broken Promise Land" und "Endless Night", die nicht nur 17 bzw. 15 Jahre zurück liegen, sondern (in meinen Ohren) auch die Highlights der Band darstellen.

    Das eröffnende "The World Is Far Away" bietet melancholisch schwelgende Streicher auf, so dass man sich sofort in die Ära von The Walker Brothers und Burt Bacharach versetzt fühlt. Und natürlich kann man bei Carlsons schmachtender Stimme und den verzweifelten Texte über unerwiderte Liebe, Einsamkeit und Herzschmerz in den dramatischen, nostalgischen Songs herrlich mitleiden. Seien es nun "Ghost Of Love", "Too Late For Us" oder auch das etwas flottere "It Takes A Strong Heart To Love".

    Überraschendes bieten exemplarisch die folkloristische Ballade "Lovers Never Say Goodbye", denn auf ihr ist als Duettpartnerin Anna Ternheim zu hören, oder auch das jazzige Trompetensolo in "Down On My Knees". 

    "The Time Has Come" ist eine tolle Platte, die bereits über Razzia Records als CD und LP veröffentlicht wurde. Die Weeping Willows, in ihrer aktuellen Besetzung aus Magnus Carlson (Gesang), Anders Hernestam (Schlagzeug), Ola Nyström (Gitarre) und Niko Röhlcke (Gitarre, Keyboard) bestehend, werden mit ihren neuen Titeln auch ausgiebig touren - jedoch leider nicht in Deutschland. Man kann wohl nicht alles haben... 


    När Magnus Carlson medverkade i Jills Veranda härom veckan tenderade hans talang att skymmas bakom Jill Johnsons, och inte minst den sjungande uteliggaren Doug Seegers, röster. Det var synd. Många tv-tittare missade vilken fantastisk sångröst Carlson är utrustad med. Han kan mycket väl vara den bäste crooner vi har, och någonsin har haft, i det här landet. Det är inget nytt i sig. Det har han visat upp på många skivor och scener tidigare. Så och på Weeping Willows nya album The Time Has Come. Här exponerar Carlson återigen sin guldstrupe i dess absoluta esse. Inte blir det sämre av att skivan fyllts med underbara, vemodiga och bombastiska låtar som alla kunde ha sitt upphov i det stråkförsedda 50- och tidiga 60-talet. Ljudbilden är stor, vacker, ren och skimrande som en romantisk film från det förgångna, där kärleksparet kämpar för att få varandra i en oförstående omvärld. Ibland domineras låtarna av soulkänsla, ibland inslag av country, men oavsett var man tagit inspiration till en viss låt ifrån så bryts inte den röda tråden. När Anna Ternheim gästar i ”Lovers never say goodbye” infinner sig en känsla av förnyelse, men tråden fortsätter stolt att ringla fram till det bitterljuva slutet. Det här är som att slippa vakna ur en dröm man verkligen trivs i och The Time Has Come är en av bandets absolut bästa skivor hittills.
    (zero)



  • Adna - Night

    Adna - Night




















    Adna Kadic hat zurzeit viel Grund zum Feiern (auch wenn das Plattencover nicht gerade diesen Eindruck vermittelt): Vor wenigen Tagen müssten 20 Kerzen ihren Geburtstagskuchen geschmückt haben und kurz vorher sollten zur Veröffentlichung ihres Debütalbums "Night" die Sektkorken geknallt haben.

    Die junge Dame aus Göteborg lebt zurzeit in Berlin und schrieb die 9 Titel für ihr Album in nur fünf Tagen bzw. Nächten. Nicht nur aus diesem Grund ist der schlichte Plattentitel gut gewählt: Spärlich instrumentiert (und betitelt) sind die Songs der jungen Singer/Songwriterin und sie vermitteln eine somnambule, düster-getragene, melancholische Grundstimmung und Tiefe, die man einer nun 20-jährigen zunächst nicht zutrauen würde.

    Adna würde gerne einmal mit Justn Vernon oder James Blake duettieren und dabei von Nils Frahm am Piano begleitet werden. Wie sehr dies passen würde, zeigt vielleicht die Video-Trilogie aus "Night", "Dreamer" und "The Prettiest":


    And it’s not just the title – the whole song is like a lovely nightly symphony. A truly beautiful piece of reduced bliss. Due to the spare instrumentation and ADNA‘s gentle voice Night unfolds itself as a tender piano-driven lullaby. One that is destined to keep you calm once the sun is gone. The debut album by the 19-year old talent goes by the same name as the song and is out now. The rest doesn’t need anymore words. Enjoy it.
    (nothing but hope and passion)
      

    The Berlin-based indie vocalist succeeds in complementing the acoustic bath drops with her pensive words, soothing strings, and ethereal piano keys. I submerge myself beneath the sudsy surface, and like a child, admire the magic of water and marvel at the weightless feeling of my floating, mermaid-esque locks. When I resurface, Adna’s voice meets me like a warm, plush towel, bundling me in sleepy euphoria.
    (some kind of music blog)



  • Tokyo Police Club - Forcefield

    Tokyo Police Club - Forcefield




















    Suche ich in meiner iTunes Bibliothek nach "Argentina", so findet sich dort Sinéad O'Connors selten von mir gehörte Version von "Don't Cry For Me Argentina" und "A Man From Argentina" von den wundervollen Billie The Vision & The Dancers, sowie in einer Interpretation von Maia Hirasawa. Sehr oft bzw. oft gehört.

    Seit dieser Woche wird dieses Trio von Tokyo Police Club ergänzt: "Argentina" eröffnet deren viertes Album "Forcefield", besteht eigentlich aus drei Teilen, dauert achteinhalb Minuten und kann hier gehört werden:


    "Champ" hieß der letzte Longplayer des kanadischen Quartetts und der liegt auch bereits fast 4 Jahre zurück. "Forcefield" wurde von Doug Boehm (Dr. Dog, Girls) produziert und läuft trotz des ungewöhnlichen und sehr langen Einstiegs nur 33 Minuten, denn die übrigen 8 Titel gehen wieder deutlich in die bekannte Richtung des kurzen, prägnanten und melodiösen Indierocks, der immer wieder von elektronischen Sounds unterwandert wird. Als träfen sich Jimmy Eat World und Passion Pit zu einem Stelldichein. 
    Als erste Single wurde das ein wenig an The Strokes erinnernde "Hot Tonight" ausgewählt:




    Because really, everything you hear on Forcefield sounds thoughtful. But not in that overly academic, weirdly preachy way. A song called "Toy Guns" mixes easy metaphors with difficult growth: "When every other kid on the block has a shotgun / I've never known the difference between the toys and the real ones...I am just another jagged gentleman / We're both made of the same stuff." It's all poppy and, as a dear friend said, like they overdosed on 60s pop while overdosing on 2000s drugs. Tokyo Police Club have created something that doesn't feel like it was made to stand out or mix in. Forcefield, like its name implies, is personal and dependent on listeners pulling meaning out of lyrics that are so clearly meant to be vague.

    Closer "Feel The Effect," while probably the album's most interesting track with static-drenched guitar solos and fist-pumping Passion Pit-esque electronics, gives us bits of a story that at first seem strange. But it also contains bits of everyday-ness like, "I've got a friend with a mohawk / He's given terrible advice to me / He is full of quick quips / Has my future on my lips / At least he's working on it / Working on it / Working for me." Whether you know someone with that hairstyle or not, you know the person who can't help but tell you what's right. It's so easy to give everyone else advice, and so hard to take it. But Forcefield plays like an album rich with self-reflection. It's incredibly insular and sure of itself, but it's also smartly innovative. Rock music in 2014 means almost nothing, and it's nice to hear a band like Tokyo Police Club going full speed into creating their own definition. And perhaps what it means to be a successful rock band in this day and age is to be less concerned about how you sound, and spend more time concentrating on what you say.
    (absolutepunk)


  • Ludwig Van - San Franfiasco

    Ludwig Van - San Franfiasco



















    Heimatverbunden scheint das Quartett Ludwig Van zu sein: So soll der Albumtitel "San Franfiasco" ein verzerrtes Bild zum Heimatbezug der Band sein, die verstreut um Flensburg herum lebt und über die Große Belt Brücke als Äquivalent zur Golden Gate Bridge von Kopenhagen immer wieder zurück nach Flensburg kam. Auch Bezüge zum Meer sind vorhanden, nicht nur im Song "Baltic Sea", der mit der Textzeile "Lad mig dø i Østersøen", also "Lass mich in der Ostsee sterben", aufwartet.

    Musikalisch sind Jesper (Gesang, Gitarre), Pascal (Bass, Gesang), Lennart (Keyboards, Gesang) und Hinnerk (Schlagzeug) aber weder "Nordisch By Nature" noch "An der Nordseeküste" und präsentieren auch keine Shantys oder Seemannslieder.       
    Melodiöser Indierock, Power- und Britpop sowie leichte 80er/New Wave Referenzen sind auf "San Franfiasco" angesagt. Die Single "Power" lässt mich ein wenig an die Shout Out Louds denken, wenn sie versuchen wie The Cure zu klingen. Häufig kommen mir, vermutlich aufgrund des Gesangs und der zwei kurzen Zwischenspiele, auch Blur in den Sinn. 

    "San Franfiasco" erscheint am 28. März über NordFjord Records. Anhand der Videos zu "Power", "New Gold" und "Green Land" kann man selbst einen ersten Eindruck gewinnen:




    Die deutsch-dänische Indie-Rock-Band „Ludwig Van“ haben ein neues Werk herausgebracht: „San Franfiasco“ (NordFjord/Believe Digital/Soulfood) kann sich wie bereits das Vorgängeralbum „Home is where your house is“ hören lassen. Und doch sind auch Fortschritte der im Jahr 2005 gegründeten Band hörbar.
    Was geblieben ist, sind die eingängigen Melodien, der gut hörbare Sound und dazu die 80er-Keyboard-Sounds. Die Songs der Flensburger sind Ohrwürmer – das kann man nicht leugnen und sollte man nicht verpassen.
    (echo)

    Ludwig Van weder in Bonn noch in Wien, dafür aber:

    04.04.14 Odense – Studenterhuset, DK
    05.04.14 Kopenhagen – RUST, DK
    12.04.14 Flensburg – Volksbad, DE
    15.04.14 Hamburg – Haus 73, DE (w/ Coasts)
    16.04.14 Berlin – Monarch, DE (w/ Coasts)
    30.04.14 Geldern – NMFM Club, DE
    12.07.14 Berlin – Feel Festival, DE
    18.07.14 Schrobenhause – Cantona Music Festival, DE

  • I Heart Sharks - Anthems

    I Heart Sharks - Anthems



















    "Was Bastille können, das können wir schon lange", mögen sich die drei Jungs von I Heart Sharks gedacht haben. Auf ihrem zweiten, passender Weise "Anthems" betitelten Album sind sie klanglich der Band von Dan Smith dicht auf den Fersen und es müsste schon sehr unglücklich für das Trio laufen, wenn Songs wie "Strangers", "Wait" oder "Karaoke" nicht ebenfalls den Weg in die Charts finden würden. Das im Refrain permanent wiederholte "Ayo-ayo" sollte sich doch auch bei den simpelsten Gemütern sehr schnell ins Gedächtnis bzw. den Gehörgang gebrannt haben, nachdem es einmal im Radio, der Diskothek oder aus irgendeinem Handy gehört wurde.   

    Als erste Single wurde der Song "To Be Young" ausgewählt, der tanzbaren Elektro-Pop mit 80er-Anleihen bietet und und so flott daher kommt wie ein Synthie-Pop-Experiment von Two Door Cinema Club:


    I Heart Sharks sind ein  deutsch-britisch-amerikanisches Trio, bestehend aus Pierre Bee, Simon Wangermann und Martin Wolf, das 2011 mit "Summer" sein Debütalbum vorgelegt hatte. Die 13 Songs auf "Anthems" wurden von Joseph Cross (Hurts) produziert, sind ab dem 28. März erhältlich und aufgenommen wurden sie in einer stillgelegten Textilfabrik in Manchester sowie im früheren DDR Funkhaus in Berlin. Da trifft es sich ja ganz gut, dass der Song "The High Rise" mit der Textzeile "You said: Meet me somewhere between England and Berlin" eröffnet wird:


    In gewisser Weise orientieren sie sich am bisher so groß gehypten Sound der Band Bastille und dennoch behalten sie sich im Verlauf der Titel einen starken Wiedererkennungswert bei. Es sind Titel wie “Wait” oder “Strangers”, die zwar sehr hymnenlastig daher kommen, aber durch weitere Titel wie “Us” oder “To Be Young” aufgefangen werden. Letzterer wird zudem auch die neue Single der drei Musiker werden, die im März erscheinen wird.

    Sie vermischen auf wirklich tolle Art und Weise Synthie-Klänge und äußerst geradlinige Gitarrenarrangements. Gut, es handelt sich hierbei nicht um die Neuerfindung des Synthie-Pops oder des elektronischen Indie, vielmehr geht es auch darum welchen Schritt sie gemacht haben. Jetzt würde der Eindruck deutlich besser passen, dass sie einen großen Saal mit ihrer Musik füllen. Denn der Sound wurde deutlich für solche Locations ausgerichtet. Die Songs von I Heart Sharks tun niemandem weh, es handelt sich hierbei um schlichtweg guten Synthie-Pop.

    Mehr können wir dazu auch nicht sagen. Kritik ist unangebracht, denn das Album ist gut geworden.
    (soundkartell)

    I Heart Sharks in Deutschland unterwegs:

    24.04.14 Erfurt, Museumskeller
    25.04.14 Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld
    26.04.14 Hamburg, Molotow
    29.04.14 Berlin, Bi Nuu
    30.04.14 Dresden, Beatpol
    02.05.14 Leipzig, Täubchenthal
    03.05.14 München, Strom
    07.05.14 Nürnberg, MUZ
    10.05.14 Frankfurt, Nachtleben

  • Metronomy - Love Letters

    Metronomy - Love Letters



    Vor einigen Tagen erschien mit Love Letters das mittlerweile vierte Album der/s Band/Projekts Metronomy aus Totnes. Joe Mount, Songwriter und Mastermind, bleibt seiner Mixtur aus Elektropop und 70er-Jahre Soft-Rock-Harmonien weitestgehend treu und liefert erneut sehr eingängige POPmusik auf hohem Niveau, die in unserem PvG-Universum allerdings wieder die Gemüter spalten wird (vgl. Nights Out und English Riviera).

    So verspielt sich die Songs erneut darstellen, so halten sie mehr von melancholischen, getragenen Elementen, was sich vor allem textlich zeigt. „We can try anything / We can say we’ll try anything“, wiederholt Mount in „Call Me“ und bildet sich nicht einmal mehr ein, die Liebe retten zu können, die auf den huschenden Drums des Tracks davongetragen wird. In vielen Tracks dominiert der typische warme Analog-Sound der Synthesizer, die eher glimmen als lodern und den Unterbau für melancholische Songs wie „Monstrous“ bilden. Stark auch das instrumentale Zwischenspiel „Boy Racers“, welches klingt, als hätte Caribou ein Outtake seiner letzten Platte ins All geschickt, oder die Jahrmarkt-Romanze „Reservoir“ mit tupfendem Beat und Orgel im Gepäck. (musikexpress)



    Metronomy kennen 10cc, Hall & Oates, Deacon Blue, The Zombies, die Young Marble Giants, The Durutti Column, Fra Lippo Lippi und Doo Wop, was sie von einem Großteil ihrer Hörer unterscheidet. (spiegel.de)



    Es ist schwer, ein Glanzstück herauszufiltern. Schlichtweg, weil Love Letters mit zehn von diesen imponiert. (egoFM)

    Tourdaten (ohne Gewähr):
    04.04.2014 Frankfurt Batschkapp
    05.04.2014 München Muffathalle
    06.04.2014 Berlin Astra Kulturhaus
    07.04.2014 Hamburg Große Freiheit

  • Foster The People - Supermodel

    Foster The People - Supermodel




















    Ich weiß nicht, wie es um das Aussehen von Mark Foster, Cubbie Fink und Mark Pontius bestellt ist, aber übertragen auf den musikalischen Bereich wird es wohl nichts mit der Supermodel-Karriere.
    Zwar hatten Foster The People auf ihrem Debütalbum "Torches" mit "Pumpet Up Kicks" einen Hit (Platz 9 in Deutschland, Platz 1 in Australien, Platz 3 in Kanada und USA), doch verfolgen sie auf Album Nummer Zwei nicht den zuvor eingeschlagenen Weg. "Supermodel" stakst statt dessen in Richtung 60er und 70er Jahre-Poprock (für den The Kinks, The Clash und David Bowie als Referenzen der Band herhalten müssen) und versucht sich auch auf dem glitzernden Laufsteg, der sich Disco nennt. Aber je häufiger ich die 11 Titel höre, desto mehr bezweifle ich sogar, dass sie die erste Runde bei GNTM überstehen würden. Aber Heidi Klum würde vermutlich dann doch die Wandlungsfähigkeit von Foster The People loben, den drei Jungs und ihrem Produzenten Paul Epworth (Adele, Paul McCartney, Bloc Party, Maximo Park) jeweils ein Foto in die Hand drücken und sich über das Plattencover freuen, dass passend zum Titel "Supermodel" gehalten ist und erneut von Young & Sick entworfen wurde: 
    Supermodel's cover features an abstract surreal depiction of a model surrounded by a crowd of people and paparazzi holding up cameras and taking photographs as she poses on a stand. It also depicts the model reciting poetry, written as it streams downwards, enlarging as it reaches towards the bottom of the artwork; it reads: I ate it all; plastic, diamonds and sugar-coated arsenic as we danced in honey and sea-salt sprinkled laxative. Coral blossomed portraits in Rembrandt light; cheekbones high and fashionable. Snap! goes the moment; a photograph is time travel, like the light of dead stars painting us with their warm, titanic blood. Parasitic kaleidoscopes and psychotropic glow worms stop me dead in my tracks. Aphids sucking the red off a rose, but for beauty I will gladly feed my life into the mouths of rainbows; their technicolor teeth cutting prisms and smiling benevolently on the pallid hue of the working class hero.

    Vermutlich liege ich, glaubt man dem Musikexpress, mit meiner Einschätzung also doch daneben:
    SUPERMODEL ist musikalisch zwar kein „gefährliches“ Album geworden, aber ein hübsch aufgeregt vor sich hin rockendes mit Psychedelia-Auswüchsen (herausragend: das entzückende und einen völlig in den Bann ziehende „Nevermind“) und großen, großen Refrains.

    Und die „Gefahr“, oder besser die Adressierung derer, lag bei FTP ja schon immer eher in den Texten. Handelte „Pumped Up Kicks“ von drohenden Amokläufen vernachlässigter Teenager und „Helena Beat“ von der Selbstverständlichkeit, mit der sich aufstrebende Starlets die Nadel in die Vene rammen, beleuchtet SUPERMODEL Konsumverhalten und die emotionalen Konsequenzen des Kapitalismus, dessen Manifestation in unseren Leben, wie wir wissen, die Traurigkeit ist. Den One-Hit-Wonder-Stempel kann sich die Band abschminken. Das lässt sich auch mit Zahlen belegen: „Coming Of Age“ läuft im US-Radio rauf und runter. Die Langzeitkarriere hat gerade erst begonnen. 


    ‘Supermodel’ largely echoes the ‘Torches’ template of blissfully blending genres into a churning whirlpool of euphoric pop: most tracks are overflowing with trademark sky-scraping synths, star-cradling melodies, and distorted guitars. They stray from this formula on the stripped-back ‘Fire Escape’ and ‘Goats In Trees’ – with mixed results.

    The uplifting instrumentation is often at odds with the dark themes explored: ‘Pseudologia Fantastica’ deals with a PTSD-suffering war veteran’s return home to his family; ‘A Beginner’s Guide To Destroying The Moon’ hints at the cost of the dark side of capitalism.

    Although ‘Supermodel’ is derivative – parts of ‘Are You What You Want To Be’ could easily pass as a mediocre Vampire Weekend song – it’s more often inventively imitative, rather than devolving into out-and-out mimicry.

    Ultimately this is an unashamedly vibrant collection of variegated pop songs best enjoyed during a dancefloor freak-out. As frontman Mark Foster sings on the outro of the priceless indie-pop pizazz of standout track ‘Pseudologia Fantastica’: “You’ve got to love the madness of the feeling.”
    (clash music)


    Foster The People kommen zu einem Termin nach Deutschland:
    03.07.14 Berlin, Astra

  • Blood Red Shoes - Blood Red Shoes

    Blood Red Shoes - Blood Red Shoes


















    Für ihr viertes Album wollten Laura-Mary Carter (Gitarre, Gesang) und Steven Ansell (Schlagzeug, Gesang) so einiges anders machen als zuvor: Auf die Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Weggefährten und Produzenten Mike Crossey (Arctic Monkeys, Foals, Jake Bugg) wurde verzichtet und dessen Tätigkeiten gleich selbst übernommen, mit Jazz Life wurde ein eigenes Label gegründet, über das "Blood Red Shoes" nun ohne große Plattenfirma im Hintergrund veröffentlicht wird, ihr Hab und Gut wurde in einen Van gepackt und nach Berlin gefahren, wo in einem angemieteten Studio im Verlauf einiger Monate die zwölft neuen Songs in Eigenregie aufgenommen wurden und letztendlich muss der Bandname auch als Plattentitel dienen.

    Solche Veränderungen müssen sich auch im Sound niederschlagen, auch wenn dieser, wie im Falle der Blood Red Shoes, von jeher eher minimiert war: Und so klingt "Blood Red Shoes" nun roher, härter, punk-rockiger und fokussierter als die drei zuvor veröffentlichten Platten des Duos aus Brighton. Dennoch sind die Blood Red Shoes auch hier nur unschwer zu identifizieren.

    Über iTunes gibt es den zusätzlichen Song "Teufelzunge" und wählt man (anstatt Download, CD oder LP) die Deluxe Edition, so gibt es noch ein Bonus-Live-Album namens "14 Photographs" mit eben so vielen Liedern, die auf der Europatournee 2012 aufgenommen wurden.    


    Bei Blood Red Shoes ist es vor allem Letzteres: Der erste Song »Welcome Home« und die Single »The Perfect Mess« sprühen regelrecht Funken, die die Hütte in Brand setzen. Wären Carter und Ansell in natura nicht so zarte Personen, könnte man an hanteltrainierte Oberarme und breitbeiniges Posing denken, das diese Rockgewitter entfesselt – doch Namenspatronin für Blood Red Shoes ist ja Ginger Rogers: wegen ihrer bei einer zigmal wiederholten Filmszene blutig getanzten Füße.

    (...) Offensichtlich haben Blood Red Shoes die Abwesenheit eines Produzenten sehr genossen und ungestört ihre beiden Hauptstränge vereint: die drängende Garagenpunk-Fiebrigkeit ihrer Frühphase und den Cinemascope-haften Stadionrock der letzten Platte In Time To Voices. Was bei Blood Red Shoes vor allem live schon immer begeistert und beeindruckt hat, haut einen jetzt schier um: wie zwei Leute mit nur zwei Instrumenten und ein paar Effektgeräten einen derart dichten Sound fabrizieren.

    Carter und Ansell begegnen der strukturellen und stilistischen Limitierung eines Duos als kleinster Bandeinheit mit: Energie. Sie bauen nur wenige Verschnaufpausen in Form gemäßigter, poppigerer Songs wie »Far Away« oder »Tightwire« ein, den Gesang teilen sie sich gerecht auf. Aber hauptsächlich: klassische harte Riffs, pfeifendes Feedback, schwere Donner-Drums, hymnische Melodien. Wechsel zwischen laut und leise, zwischen zartem Gesang und Schreien.
    (SPEX)



    Blood Red Shoes in Deutschland:

    10.04.14 Berlin, Astra
    11.04.14 Dortmund, FZW Halle
    12.04.14 Hamburg, Übel & Gefährlich
    13.04.14 Stuttgart, Wagenhalle
    15.04.14 München, Backstage Halle
    16.04.14 Frankfurt, Batschkapp
    17.04.14 Köln, Stollwerk


  • The Mary Onettes - Portico

    The Mary Onettes - Portico




















    Nur rund ein Jahr nach ihrer letzten Veröffentlichung "Hit The Waves" legen die The Mary Onettes bereits eine neue Veröffentlichung nach: "Portico" ist ein Mini-Album, das bei 7 Lieder gute 27 Minuten läuft und erneut über Labrador Records erscheint. Der im März erschienenen CD wir Anfang April auch die LP folgen.

    “We always end up seeing our albums as small films. And Portico: would definitely be our little space saga.” (Philip Ekström)

    Und im Weltraum scheinen Gitarren nicht zu funktionieren, daher setzen die vier Schweden auf "Portico" auf ätherischen Dreampop, den Klang von Synthesizern, melancholischen, verhallten Gesang und erneut ganz viel 80er Jahre-Feeling. 

    Gelungen sind "Silence Is A Gun" und "Naive Dream", ansonsten zündet dieser Space-Trip nicht wirklich und es muss leider, wie vorgestern bei Dean Wareham, gesagt werden, dass das Komprimieren und Zusammenfassen von Album und Mini-Album eine gute Entscheidung gewesen wäre.

    It’s a perfect mix of related styles, there’s a little jangle and synth pop amongst the seven track collection. All with a pop sensibility that the Swedes do like no other. Lead tracks ‘Silence Is A Gun‘ and ‘Naive Dream‘ pointed towards something special and the rest of the EP cuts don’t disappoint. ‘Ritual Mind’ is a beautiful tune with dazzling synth work and guitars interweaving. While ‘Your Place’ sounds like early Wild Nothing, simple but effortlessly catchy. And oddly enough, despite the masses of reverb and melancholy vocals, ‘Portico’ isn’t a downer. The Mary Onettes have written an EP that deserves to be heard, these are brilliantly crafted songs.
    (sounds better with reverb)


    Leading off with “Silence is a Gun” a dreamy, mellow, hazy yet purposeful track seems to be prepping us for our little space journey. In “Naïve Dream” it seems like we have lift off. While equally hazy and dreamy, as well as frequent references to silence, we have a much more confident guitar notes and blissful vocals. Towards the end of the song we get a futuristic sounding guitar fade out and we are into the great unknown and there is no turning back. “Ritual Mind” has for lack of a better term, spaced out vocals with very cool deep, plunging production elements, providing an all-around exploratory vibe. “Everything Everything” seems to be the high point of the album, being more up tempo than the previous songs with little snippets of some broadcast coming in and out, like some far off signal. Here we have the vocals taking a backseat with guitars piloting and motivated drums riding shotgun. “Your Place” keeps our tempo up with some outstanding drum progressions and some pretty neat layering. In a normal arc, we would expect to be coming back down to Earth sometime soon, but that isn’t the case with Portico:. While we are definitely nearing the end of our journey, “Bells for Stranger” doesn’t seem to be bringing us closer. While the lyrics suggest we are “Closer than ever before,” instead, it seems as if we are drifting away with a much slower song. We are again provided with the silence theme and words cut out with about a minute left in the song and opt for a futuristic fade out. This fade rolls right into “Portico: 2014” a wordless song that progresses this notion of drifting away in space. Deliberate piano keys are the only thing anchoring us, which ultimately cuts into, you guessed it, silence.
    (surviving the golden age)

  • Two Wooden Stones - Looking for the light

    Two Wooden Stones - Looking for the light




















    2008 verschlug es den französischen Singer/Songwriter mit seiner Gitarre Shélhôm nach Leipzig. Dort gründete er mit Jeau Champ (Schlagzeug), Tiny Dawson (Keyboard) und Monsieur Simon (Bass) Two Wooden Stones. 2010 veröffentlichten sie ihr erstes Album “A genesis”. Während dieses weitgehend akustisch eingespielt wurde, klingt der nun veröffentlichte Nachfolger “Looking for the light” einen Tick mehr nach einer kompletten Band. Der typische Song startet zart als Singer/Songwriter Nummer, um anschließend mit luftiger Folk-Instrumentierung und Indierock oder Blues-Rock Passage abzuheben. So gut wie kein Titel endet so wie er begann und das macht einen der Reize des Albums aus.

    Die Band selbst nennt das “Acoustic- Freak-Folk-Rock” und als Einflüsse Ben Harper, Eddie Vedder, Jeff Buckley, Nick Drake, Bill Withers und Woven Hand. Der Gesang erinnert mich stellenweise auch an Chris Cornell. Charakteristisch sind Shélhôms Gitarrenspiel, Anflüge von Weltmusik durch Klänge die ich dem Mittleren Osten zuordnen würde und in einige Songs eingebaute Jam-Sessions (diese machen wohl den “Freak”-Anteil aus). Two Wooden Stones jongliert mit diversen Folk-Stilen. Das klingt nach Americana (“Sold my soul”), Irish Folk (“The migration”) und auch mal nach einem arabischen Basar (“Al Hari’a”) und fast immer gefällig. So schafft die Band mit “Looking for the light” ein ausgesprochen abwechslungsreiches und ausgewogenes Album, welches mir einen regnerischen Sonntag versüßt hat. 

    Das Freiburger Stadtmagazin "chilli" meint einen Geheimtipp zu erkennen:

    „Looking For The Light“ ist eine dieser Scheiben, die man in den Player legt und bei denen man sich nicht traut, sie zu unterbrechen; zu wohlgefeilt sind die Lieder, zu spannend die kleinen musikalischen und sprachlichen Experimente, die im Lauf des völlig harmonisch-klingenden Albums den Hörer erwarten. Musik für die Seele, die es ab Anfang März zu kaufen gibt und die 2014 mehr als ein Geheimtipp werden könnte.

    Das Video zu “Sold my soul”:


    Den Titeltrack gibt es dort als kostenlosen Download.

    Live soll die Band überzeugend rocken. Das kann auf der aktuellen Tour gerne überprüft werden:
    • 19.03. Nürnberg
    • 20.03. Karlsruhe
    • 22.03. Griesheim
    • 23.03. Frankfurt
    • 25.03. Köln
    • 26.03. Hamburg
    • 27.03. Celle
    • 28.03. Berlin
    • 02.04. Coburg
    • 03.04. Chemnitz
    • 04.04. Leipzig
  • Dean Wareham - Dean Wareham

    Dean Wareham - Dean Wareham



















    Noch kein Album wurde hier vorab mit der Deutschland-Premiere eines Songs und einem exklusiven Albumstream gewürdigt. Verdient hat es Dean Wareham auf jeden Fall, schließlich schenkte er uns die wundervollen Galaxie 500 und die feine Band Luna. Nun hat er, nachdem zwischendurch einige Alben mit seiner Frau als Dean & Britta erschienen waren, erstmals eine Platte unter seinem eigenen Namen veröffentlicht. 

    Dieser war bereit Ende letzten Jahres mit "Emancipated Hearts" eine EP oder ein Mini-Album voraus gegangen und genau an dieser Tatsache krankt leider nun "Dean Wareham". Natürlich beschert uns der gebürtige Neuuseeländer wieder einige schöne Galaxie 500-Momente, erinnert an Luna oder findet mit "The Dancer Disappears" (Death Cab For Cuties) und "I Can Only Give My All" (The Velvet Underground) auch Referenzen an andere Bands, jedoch ist nicht nur die Anzahl der Titel mit deren neun ein wenig dürftig ausgefallen. Es gibt auch keinerlei Überschneidungen mit den sieben Songs von "Emancipated Hearts", dabei hätten "Dean Wareham" noch der ein oder andere tolle Song wie "Love Is Colder Than Death" gut getan. Neben den beiden oben genannten Liedern sollte auf jeden Fall noch das abschließende "Happy & Free" besonders hervor gehoben werden.

    So bleibt zu konstatieren, dass Dean Wareham durch diese Doppelveröffentlichung die Chance auf ein großes Album vertan und uns zwei solide Platten hinterlassen hat. 

    "Dean Wareham" wurde von Jim James von My Morning Jacket produziert und gemeinsam mit Britta Phillips, Anthony LaMarca und eben jenem Jim James eingespielt. Das Album erscheint als CD mit blauem Cover, in der gelben Vinyl-Hülle steckt eine Platte in gleicher Farbe und über iTunes gibt es exklusiv einen zehnten Song.


    Elsewhere, Wareham is all sad-eyed romantic: “Love Is Not A Roof Against The Rain” is full of cinematic ’60s sweep, with strings and melancholy giving way to a “To Sir With Love”-inspired swoon. “My Eyes Are Blue” treads similar territory, stretching its romantic legs (“We’ll love you in the meantime / We’ll love you in the lean times”) in some pretty reverb. “Holding Pattern” throws a very gentle curveball into the mostly chill record, riding a hypnotic motorik groove into a falsetto (or maybe just vaguely strained) chorus; if there’s a song here that could put Wareham back into college radio’s good graces again, it’s this one. It’s even got an inscrutably catchy line in “Kansas, Boston, Toto, Journey / San Diego over Denver, 17 to 6.” It’s no “Slide” or “Tugboat,” but it doesn’t need to be: It’s gorgeous and comforting all the same.
    (a.v.club)

    It’s basically a concept album about indecision, as Wareham plays more of a soothing raconteur than a singer. “Come turn the world on again,” he intones on “Beat the Devil,” adding an electric 12-string guitar reminiscent of the Byrds. James mostly plays spacey keyboards throughout, but affixes some of his famously imaginative guitar flourishes. Wareham, who is joined by his partner Britta at times, adds an anthem of pacifism in “Heartless People,” an ode to limbo in “Holding Pattern,” and finally breaks out with “Happy & Free,” with the cooly optimistic “there’s nothing wrong with the road we’re on — happy and free, for a while.” Many of his lyrics are obliquely intellectual (singing about “the Argonaut sea”), but it adds up to an understated sonic triumph that is unlike anything else out there today.
    (Boston Globe)

  • Milagres - Violent light

    Milagres - Violent light






















    Kyle Wilson, Fraser McCulloch und Eric Schwortz fanden musikalisch während ihrer Studienzeit zueinander. Mit zwei weiteren Schulfreunden veröffentlichten sie das Album “Seven summits”. Ein Kletterunfall verschaffte Sänger Kyle Wilson viel Zeit und die nutzte er zum Schreiben neuer Songs. Seine Genesung betrachtete er als ein Wunder und durch die portugiesische Übersetzung war der Bandname Milagres gefunden. Den ersten Plattenvertrag im Rücken veröffentlichten die Herren aus New York dann 2011 “Glowing mouth”. In England wurde dieses mit Coldplays Musik verglichen. Das neue Coldplay-Album steht noch aus, aber ich denke das aktuelle Milagres-Werk “Violent light” wird bis auf wenige Gesangsparts weder mit diesem noch mit älteren Coldplay Platten in einem Atemzug genannt werden.

    “Violent light” ist im Kern Indierock mit nicht zu leugnenden Synthie- und Wave-Elementen. Das erinnert ein Song auch schon mal an Talk Talks “My foolish friend”, an die Scissor Sisters oder an Orange Juice. Gefällige Harmonien und mobilisierende Beats sorgen für eine erbauliche Stimmung. Vor allem wegen Wilsons vielseitiger Stimme ist “Violent light” zu keinem Zeitpunkt langweilig aber die eine oder andere zusätzliche Kante hätte zwar den Pop-Faktor verringert aber dafür Raum geschaffen für ein paar eindringlichere Eindrücke.

    Die Songs “Jeweled cave”, The black table”, “The letterbomb” und “Sunburn” verschaffen einen guten Eindruck der musikalischen Eckpfeiler des Albums.

    Weitere Vergleiche überlasse ich dem Terrorverlag

    Der Silberling sei den Fans von THE NATIONAL und THE ANTLERS ebenso ans Herz gelegt wie den Anhängern von INTERPOL und DAVID BOWIE in seiner „Heroes“-Phase. Die Jungs von MILAGRES wissen Dramatik, eingängige Sounds und gekonnt gesetzte hypnotische Glanzlichter bestens zu verbinden und schaffen einen Klangkosmos, der weit von sattsam bekanntem Allerlei entfernt ist.

    éclat meint:
    Es mag eine Weile dauern, bis man mit „Violent Light“ warm wird, da es insgesamt deutlich unzugänglicher ist als der Vorgänger „Glowing Mouth“, der zwar auch ziemlich verkopft daherkam, sich aber doch eher in bekannten Fahrwassern bewegte. Auch Kyle Wilsons zum Teil recht ungewöhnlicher Falsettgesang wird sicher den einen oder anderen Hörer vor eine Herausforderung stellen. Wer sich aber hierauf einlässt, wird sich an einem Album erfreuen können, das zeigt, wie es bei einem zweiten Album im Idealfall laufen kann: „Violent Light“ ist ein mutiger Schritt nach vorne, erkundet neues Terrain und festigt zugleich das eigene Fundament. Wenn Milagres so weitermachen, werden sie es noch weit bringen.

    Ein aktuelles Video konnte ich nicht finden aber das zum Titelsong “Glowing mouth” des letzten Albums:
  • Alpaca Sports - Sealed With A Kiss

    Alpaca Sports - Sealed With A Kiss


















    Gut gelaunten, sommerlichen Indie-/Twee-Pop mit Boy/Girl-Gesang, Jangle-Gitarren und reichlich "bap-ba-baa" rund um die Themen Liebe, Küssen, Verlassenwerden, Herzschmerz und Johnny Marr beschert uns dieser Tage ein Formation aus Göteborg. 

    Andreas Jonsson gründete 2011 die Band Alpaca Sports, zu deren Stamm noch Amanda Åkerman und Carl Jirestedt gehören, und benannte sein Debütalbum "Sealed With A Kiss", das als Kooperation zwischen dem britischen Dufflecoat Records und dem schwedischen Luxury Label erscheint. 

    Zusammen mit einigen Freunden und Gastmusikern, die von Streichern bis Handclaps so einiges beitragen, wurden insgesamt 10 Songs aufgenommen, darunter auch die zahlreichen Singles (angefangen bei "Just For Fun" über "I Was Running" bis hin zu "Just Like Johnny Marr"), die Alpaca Sports seit 2012 veröffentlicht hatten. Viel Tiefgang darf man nicht erwarten, aber gute Unterhaltung, wenn man Platten von Acid House Kings, The Smiths, The Go-Betweens, Camera Obscura oder Throw That Beat In The Garbagecan zu schätzen weiß.





    "Sealed With A Kiss" ist über die Bandcamp-Seite von Alpaca Sports als Download, CD oder LP zu beziehen. Beigelegt ist derzeit noch eine zweite CD mit Remixen und Coverversionen von einer Liste an Bands, die sich wie das Lineup des Indietracks-Festivals liest: Red Sleeping Beauty, The Royal Landscaping Society, Tiny Fireflies, Cristina Quesada, When Nalda became Punk, Invisible Twin, Pale Spectres, Boyish, Band à Part, Zipper, one day diary und The Very Most. 





  • Kylie Minogue - Kiss Me Once

    Kylie Minogue - Kiss Me Once




















    Pet Shop Boys, Robbie Williams, Manic Street Preachers und Nick Cave - das waren bisherige Kooperationspartner von Kylie Minogue. Für ihr neues, insgesamt zwölftes Album "Kiss Me Once" hat sich die Australierin Enrique Iglesias als musikalischen Partner ausgesucht. Und genau so schmalzig ist die dazugehörige Piano-Ballade "Beautiful" auch geworden. Die Vocoder verzerrten Stimmen lassen noch dezent an James Blake denken, bei "Sexercize" schielt man ganz offensichtlich in Richtung Dubstep und das ist nicht der einzige Versuch, wie man dem Zeitgeist gerecht zu werden versucht. So könnte die Vorab-Single "Into The Blue" genau so gut von Katy Perry, Rihanna & Kolleginnen stammen, darf sich "I Was Gonna Cancel" ein wenig an Madonnas 80er Hit "Holiday" orientieren, zuzüglich einer Portion Funk, aber den haben Daft Punk ja wieder erfolgreich in die Charts gebracht. Noch mehr Disco, Funk und Daft Punk liefert dann der Song "Sexy Love", mit "Feels So Good" und "If Only" werden dann minimaler Elektro und R'n'B abgehakt, dann kommen noch ein paar 80er-Referenzen ("Kiss Me Once"), ein Lady Gaga-Soundalike ("Les Sex") und mehr Vocoder-Klänge ("Fine").

    Insgesamt sorgten 15 unterschiedliche Produzenten für den richtigen Sound und mehr als 30 Komponisten für die passenden Lieder. Neben Enrique Iglesias wären hier zum Beispiel noch Pharrell Williams ("I Was Gonna Cancel") und Sia Furler ("Sexercize") zu nennen. Apropos Sex: Das scheint ein wichtiges Thema auf "Kiss Me Once" zu sein, denn gleich drei Songs ("Sexy Love", "Sexercize" und "Les Sex") tragen diese drei Buchstaben im Titel. Und passend dazu räkelt sich die 45-jährige im Video zu "Into The Blue" dann auch leicht bekleidet im Bett:


    "Into The Blue" und "Beautiful" sind die ersten beiden Single-Auskopplungen aus "Kiss Me Once", "Million Miles" und "I Was Gonna Cancel" wären vielleicht die bessere Wahl gewesen.  
    Fans und Sammler können zudem seit heute auf den diversen Ausgaben den Songs "Sparks", "Mr President" und "Sleeping With The Enemy" nachspüren.

    Um einiges brillianter ist der Tanz-Hit „I Was Gonna Cancel“. Niemand geringerer als Pharrell Williams hat an dem Song gefrickelt. Es scheint fast so, als werde es dieses Jahr nur wenige Pop-Alben geben, bei denen der Produzenten-Superstar keine Finger im Spiel hat. Für Kylie zaubert er einen funkigen Electro-R&B-Ohrwurm, der genauso gut auf die letzte Daft-Punk-Platte gepasst hätte. „I Was Gonna Cancel“ wäre ein würdiger Nachfolger des legendären Kylie-Hits „Can't Get You Out Of My Head“.

    Daneben hat das Album mit „Sexy Love“ noch einen weiteren Sommerhit-Kandidaten. Zeilen wie „You're on fire, but you play it cool (du brennst, aber machst auf cool)“ haben zwar ein bisschen was von Teenager-Romantik, passen aber perfekt zum federleicht-spaßigen Clap-Beat. Die beiden Songs „Sexercize“ und „Les Sex“ - erscheinen von der braven Kylie dann leider doch etwas zu bemüht. „Ja, es gibt einige heiße Momente“, gibt sie zu, „aber meiner Meinung nach sind sie eher heiß in Bezug auf Popmusik - wenn das irgendeinen Sinn ergibt.“

    Mit „Kiss Me Once“ hat die Australierin ein wirklich ordentliches Dance-Album vorgelegt: Für die Experimentierfreudigeren gibt es schleifende Dubstep-Loops („Sexercize“) und futuristische Off-Beats („If Only“). Und die anderen bedient sie mit klassischem Kylie-Sound. Also: Auch 2014 werden die Tanzböden wohl nicht ohne Kylie Minogue auskommen.
    (Stuttgarter Zeitung)



  • Mighy Oaks - Howl

    Mighy Oaks - Howl






















    Was machen drei Männer aus den USA, Italien und England in Berlin? Offensichtlich Folk Musik. So viel Bodenständigkeit darf man in der Bundeshauptstadt wohl nur von “Zugereisten” erwarten. Seit vier Jahren sind sie als Mighty Oaks aktiv und nun veröffentlichen sie ihr erstes Album “Howl”. Mit Ian Hooper aus dem Nordwesten der USA, den charakteristischen Gesangsharmonien und Mandolinenklängen wirkt ihre Folk-Interpretation keinesfalls weniger authentisch als die der Engländer von Mumford & Sons.

    Plattentests.de:

    In "Howl" steckt viel Liebe zum amerikanischen Folk-Sound, ummantelt von der Musikalität dreier Kulturen, geschaffen in Berlin, einer Stadt "on the run", welche der Truppe doch den warmen Mantel der Sesshaftigkeit umwarf – so entsteht berührende Musik im Spannungsfeld von Ferne und Nähe wie Bindung und Freiheit.

    Die untermalende Instrumentierung mit meist dezenter E-Gitarre, Bass und Schlagzeug schlägt die Brücke zum Indierock. “Howl” ist ein durch und durch gefälliges Album mit erstaunlich hohem “Gute-Laune-Faktor” und damit wie gemacht für diesen Frühling.

    Besonders gut gefallen mir die Songs “Brother” und “Shells”.

    Das Video zu “Brother”:

    Und das zu “Back to you”:


    Mighty Oaks haben sich durch ihre beiden EPs und Auftritte auf Festivals und mit Kings Of Leon, Chvrches, Dry The River, First Aid Kit und Shout Out Louds schon eine Fangemeinde erspielt. So lässt es sich auch erklären, dass einige Konzerte der Tour im April und Mai bereits ausverkauft sind:
    • 13.04. Berlin
    • 14.04. Hamburg 
    • 25.04. Frankfurt 
    • 26.04. Leipzig 
    • 01.05. München 
    • 02.05. Köln 
    • 12.05. Berlin
  • Phantogram - Voices

    Phantogram - Voices


















    Heute sei nur kurz auf das bereits seit einiger Zeit erhältliche zweite Album von Phantogram verwiesen. Hinter dem Elektro-Pop-Duo, das auch Elemente von Trip Hop, Hip Hop bis hin zu Shoegaze in seinen Sound einzuweben versucht, stecken Sarah Barthel und Josh Carter aus Greenwich, New York.

    Ihr Debütalbum ("Eyelid Movies") liegt bereits 5 Jahre zurück, die Zeit überbrückten Phantogram mit mehreren Singles und EPs, Zusammenarbeiten mit Big Boi (OutKast) und The Flaming Lips sowie Soundtrack-Beiträgen ("The Hunger Games: Cathching Fire").

    Während Sarah an den Keyboards steht und bei fast allen Songs singt, bedient Josh die Gitarre und darf zumindest bei den Songs "Never Going Home" und "I Don't Blame You" ans Mikro treten. Da "Voices" von den drei Singles "Nothing But Trouble", "Black Out Days" und "Fall In Love" recht viel versprechend eröffnet wird, nimmt es nicht wunder, wenn die folgenden Songs dieses Niveau nicht immer halten können ("Bad Dreams", "I Don't Blame You"). Sehr schön ist das balladesque "Bill Murray".
    Die 11 Songs von "Voices" seien Fans von Chvrches, Purity Ring oder Garbage empfohlen. 

    Die Kritiken sind sehr wohlwollend. Paste Magazine vergibt 8,5 Punkte...
    Take the opening three songs, which, like any good writing intended for a wide audience, present a clear thesis from the top. “Nothing But Trouble,” “Black Out Days” and “Fall in Love” fold Barthel’s pained longing within a vibrant mixture of nuanced hip-hop and rock production. Synths buzz and slip, guitars cascade and lash out in minor key sheen and secondary voices are spliced high in the mix, echoing in layers. The “eh eh eh”s of “Fall in Love,” in particular, remind me of “Stay Fly”’s memorable “ah, ah ah ah, ah ah, ah ah”s. Except the characters in Phantogram’s songs are having a much more difficult time than those in Three Six Mafia’s: The forsaken lover of “Fall in Love” gets a hole cut into his eyes and burns alive in a car crash. Like the mercurial poet Robert Frost, Phantogram is, of course, “at home in the metaphor,” but still, one doesn’t have to look far to find lost love and pain between nearly every pulsating thump or tweaked sample here.

    Barthel and Carter’s poetic-romantic sensibilities are easier to spot in “Never Going Home,” sung plaintively and powerfully by Carter; “Bill Murray” and the ghostly closer “My Only Friend.” Personally I prefer Phantogram’s more revved-up postures, but these songs are key if for no other reason than that they re-affirm the duo’s versatility, which first caught the attention of fans and critics in the late ‘00s. 


    ...und Pop Matters kommt auf deren 8.
    Throughout Voices, the driving beats are top notch. Barthel’s stuttering vocals mix with cracking drums on “Black Out Days” and the whiplash inducing beat on “Howling At the Moon” demands Pusha-T in his finest “Numbers on the Board” form. Even without Pusha, “Howling At the Moon” is Voices’ star track. It’s the best rocker about lycanthropic sex since TV on the Radio’s “Wolf Like Me” and Barthel gives a performance that would make Karen O jealous.

    It makes sense then, with all the surprising turns that Phantogram take on Voices that they make the album’s emotional core a slightly ironic song tingled with sadness. “Celebrate Nothing” is up there will “Fall in Love” as the most massive song on the album, Barthel’s looped “ha!” acts as the propelling force for each section of the song, Carter’s guitar trembles and expands, and a throbbing base anchors the low end. Without Barthel’s vocals the song sounds like a New Year’s send off. But then Barthel starts to ask, “How many times will I burn it down?” Though it gives potency to the song it is strange that Phantogram don’t want to party after creating Voices. They have plenty to celebrate.



    Phantogram in Deutschland:

    16.05.14 Köln, Luxor
    17.05.14 Berlin, Lido
    18.05.14 Hamburg, Übel & Gefährlich

  • Lost In The Trees - Past Life

    Lost In The Trees - Past Life



















    Heute sei nur kurz auf das bereits seit einiger Zeit erhältliche dritte Album von Lost In The Trees verwiesen. Hinter dem Folk-Pop-Orchester steckt  Ari Picker, der jedoch den Abgang von zwei Bandmitgliedern seit seinem letzten Album "A Church That Fits Our Needs" (2012) verzeichnen musste. 

    Nun gehen Lost In The Trees also als Quartett ins Rennen, haben mit Nicolas Vernhes (Deerhunter, Dirty Projectors, Animal Collective) erstmals einen außenstehenden Produzenten verpflichtet und klingen daher minimalistischer, rhythmusorientierter, gitarriger und dynamischer als je zuvor. Exemplarisch höre man sich nur die Songs "Past Life" und "Rites" an. 

    Die Kritiken sind positiv und loben die Weiterentwicklung von Lost In The Trees. So vergibt Pop Matters 7 Punkte:
    The strange and exciting thing about Past Life, though, is how these odd elements mesh. If the overall effect of these songs is intimate, sublime, even dreamy, the individual elements are often far more scuffed. “Past Life” is built on jagged guitar fills that expand into frustrated, distorted grinds. The stillness of “Lady in White” is tilted by deeply funky bass lines. “Daunting Friend” contrasts the wide-open string arrangements with razor-thin guitar hooks. “Wake” juxtaposes similar strings with rumbling bass, squealing guitars, and horror-flick piano keys. All around these songs, shadowy space stretches out, not haunting so much as inviting, unknown. The rhythm section is what sells all of this. It propels the songs forward, even gives them a lively yet muscled shuffle. The electronic flourishes here are spare but also key, highlighting the clean rhythms and making the other instruments sound more vital, more alive, instead of coated in an inorganic drone.

    Past Life is a controlled but never too controlled affair, a great pop-rock record from a band treading new ground. Lost in the Trees has always been in a state of change, and yet every piece of music they drop along the ways feels fully formed, never transitional. This is their most daring and dynamic shift yet, an album that can both carry the long shadow of the past and pump the hot blood of the here and now. On Past Life, Picker may not be totally sure what’s coming next, but he and the band sound ready to find out.

    Ich bin mir noch ein wenig im Unklaren über "Past Life", denn man könnte sich, in Erinnerung daran, wie großartig "All Alone In An Empty House" (2009) war,  auch darüber klagen, dass den herrlichen Kammerpop-Arrangements nun rockige Gitarren ("Daunting Friend") oder fast funky Bass-Läufe ("Lady In White") entgegengesetzt werden und dass die bewegenden Momente entschwunden sind.
       


    So wirken die Songs auf Past Life leichter zugänglich, befreiter – vielleicht liegt dies auch an der inzwischen durchlebten Verarbeitung des Todes von Pickers Mutter, der sich thematisch durch das letzte Album zog und das ihr auch gewidmet war. Trotz all der Traurigkeit, die man mitunter erleben muss, wird man reicher durch diese Erfahrungen, verdaut und verarbeitet, gewinnt an Verständnis für Tod und Leben, an Menschlichkeit und schreitet voran in eine Zukunft, an deren Horizont die Lichter glühen wir glitzernde Sterne vor einem wolkendurchzogenen Nachthimmel. Textlich scheint auf dem neuen Album ihre alte Tugend beibehalten, eine irrationale Mehrdimensionalität, ein Leben neben der Realität, wo Vögel aus Augen hervorfliegen, wo Engel durch die Lüfte schwirren und das Licht der Welt tatsächlich aus den Herzen kommt.
    (Gutes Hören ist wichtig)

  • Elbow - The Take Off And Landing Of Everything

    Elbow - The Take Off And Landing Of Everything



















    Wenn eine Band mit einer Sammlung ihrer B-Seiten ("Dead In The Boot", 2012) bereits ein bessere Platte abliefert als viele ihrer Kollegen mit regulären Albumveröffentlichungen, dann darf sich die Konkurrenz warm anziehen, wenn nach 3 Jahren neues Material von Elbow erscheint.

    Mit dem Titel für ihr sechstes Studioalbum haderten Elbow lange Zeit und so sollte es zunächst "All At Once", dann "Carry Her, Carry Me" heißen und kurz vor dem Release entschied man sich dann für das sperrige "The Take Off And Landing Of Everything". Mit den 10 Titel muss man nicht hadern. Ganz im Gegenteil. Im Musikjahr 2014 habe ich noch auf keinem Album (nein, auch nicht bei The Notwist) am Stück drei so starke, berührende, bewegende, herausragende, packende und in sich stimmige Songs wie "This Blue World", "Charge" und "Fly Boy Blue / Lunette" gehört. Immer bei dem Lied, das gerade läuft, denke ich, dass es am Ende des Jahres "The Take Off And Landing Of Everything" auf der CD mit meinen persönlichen Lieblingsliedern und -alben vertreten wird. Und dann kommt das nächste Lied...
    Wer weiß, was es noch zu entdecken gibt, wenn ich irgendwann einmal über die ersten 3 Songs / 19 Minuten hinaus komme, ohne sie direkt wieder und wieder hören zu müssen?!   

    Focus vergibt 9 von 10 Punkten:

    Passend zum etwas sperrig klingenden Albumtitel erweitern Elbow ihre pathetisch wie melancholischen Hymnen um experimentelle Ausflüge ins Progressive, nur um nach den sorgsam eingebauten sperrigen, kalten Momenten um so warmherziger und einfühlsamer zurückzukommen.

    Das herausragende „Fly Boy Blue/Lunette“ ist beispielhaft aus diesem Holz geschnitzt, wenn nach drei Minuten wüstem Gepolter Garveys verzerrte Stimme doch noch samtweich wird, und der Working-Class-Gentleman rührselig über das Leben zur Halbzeit sinniert.


    Der Musikexpress kommt auf 4 von 6 Sternen:

    So intensiv war der Aufnahmeprozess, dass die Gruppe aus Manchester am Ende unfähig war, einen Albumtitel zu finden: Zwischendrin hatte man drei verschiedene lanciert, am Ende ist es ein sehr langer geworden. Im gleichnamigen Song geht es um eine Freundin Garveys, die als Kind beim Start und der Landung des Fliegers ein Gebet gen Himmel schickte – und das auch heute noch tut.

    Diese und weitere kleine Geschichten, die man niedlich oder auch romantisch finden kann, verpackt die Band in stilsichere, zumeist langsame und atmosphärische Songs. Wenn die Gitarre mal lauter wird, dann im Hintergrund; bei aller Pracht gibt es einige sehr intime Momente zu hören, die progrockige Doppelsuite „Fly Boy Blue/Lunette“ zum Beispiel oder den Abschluss „The Blanket Of Night“. Elbow sind dann am besten, wenn uns Garveys Stimme am nächsten kommt.


    Der Guardian landet bei 5 von 6 Sternen:

    Opener This Blue World is seven minutes long, and the grand musical reveal doesn't arrive until two minutes before the end: the melody suddenly attains a beautiful, vertical lift-off, soaring somewhere you didn't expect it to go. The title track is disrupted by erratic busts of a keyboard sound that conjures up the improbable image of John Cale in his full, black-clad, centre-parted Mephistophelean White Light/White Heat pomp being let loose on a church organ.

    The album does provide surprises, albeit of the eyebrow-raising rather than jaw-dropping variety: Honey Sun's diversion into electronica, Colour Fields' lyric, which features Garvey apparently counselling a provincial town's bombshell to leave and seek her fortune amid the bright lights. Given how much of Elbow's back catalogue is concerned with telling you that you're always happiest among the people and places you know best, this seems faintly startling, a bit like Motörhead releasing a song on which Lemmy gruffly insists his audience stick to the goverment's weekly guidelines for alcohol consumption and consider switching to e-cigarettes.

    (...) They may yet make a quintuple album that sounds like Skrillex, but Elbow don't really seem the kind of band that are ever going to throw a shocking curveball. They deal in solid dependability, a reliable standard of craftsmanship, rather than the springing of huge surprises. You could suggest that's a failing, but Elbow might reasonably point out that a resolutely unglamorous prog-influenced pub-philosopher quintet ending up one of Britain's biggest bands is a huge surprise in itself. And besides, when the standard of craftsmanship is as high as it is here – as when Fly Boy Blue/Lunette shifts from an idiosyncratic, Syd Barrettish ramble into a sweeping, gorgeous ballad topped off with a lyric that weighs up the pros and cons of giving up smoking – shocking curveballs don't really seem necessary.

  • Die 10 besten Songs bei Dirks Wohnzimmerkonzerten

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    7. Enno Bunger – Regen (20.10.2014)
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    (ausgewählt von Ingo)