Baxter ist der Sohn von Ian Dury, die Ältere kennen ihn vermutlich als 5-jährigen vom Plattencover von „New Boots and Panties!!“ (1977),...

Baxter Dury - The Night Chancers


Baxter ist der Sohn von Ian Dury, die Ältere kennen ihn vermutlich als 5-jährigen vom Plattencover von „New Boots and Panties!!“ (1977), die Jüngeren haben vielleicht eines seiner Alben, die er seit 2002 sporadisch veröffentlicht. 

„The Night Chancers“ ist seine sechste Platte und Baxter Dury hat seinen Stil wahrlich mittlerweile gefunden: Zu stoisch pluckernden Downtempo-Beats schwelgen Streicher, gibt es funky Gitarren, trötet gelegentlich ein Saxophon und säuseln weibliche Backroundsängerinnen lasziv zu Durys tiefem, monotonem Sprechgesang, auch wenn alle Sänger diesen Begriff möglicherweise als Beleidigung auffassen werden. 

Ist das noch Easy Listening oder schon der Soundtrack zu einem Soft-Porno? Wäre Dury lieber Serge Gainsbourg oder doch der David Bowie der 80er Jahre? Da die 10 Songs, die erneut gemeinsam mit dem Produzenten Craig Silvey (Arcade Fire, John Grant, Artic Monkeys) entstanden sind, bereits nach 30 Minuten vorbei sind, bleibt einem kaum Zeit, sich eine Meinung zu bilden und so muss man „The Night Chancers“, mit „Baxter loves you“, dem Chorgesang des abschließenden „Say Nothing“, einfach noch einmal neu auflegen.

Das hoch gelobte Album (86/100 Punkten bei Metacritic) kann dazu als crystal clear oder phosphorescent Vinyl seit Freitag käuflich erworben werden.




Baxter kennt seine Beatnik-Heroen und deren Arbeitsethos: Was hundert Mal gegengecheckt und verändert wird, wird nicht automatisch besser. Als "Slumlord" führt er durch die Nacht und oszilliert zwischen Serge Gainsbourg auf Trip Hop und einer Sleaford Mods-Maxi auf 33 RPM. Unmöglich, wegzuhören. (…)
Das wehmütige "Daylight" klingt wie in der tiefsten Nacht ohne jeglichen Lichteinfall verfasst, bevor "The Night Chancers" mit 80er-Synthies den Türsteher spielt. Das Klangbild ist voluminös, die Melodien elektrisierend, sein Vortrag mitreißend und ganz am Ende rufen die Chöre in Dauerschleife: "Baxter Loves You". Es ist sein bestes Album.
(laut)




Die selbstzerstörerische Melancholie, die durch seinen Swagger durchscheint, ist genauso herzzerreißend wie die getragenen Geigen, die in „Daylight“ den Himmel aufreißen. Selbst wenn die Streicher gut gelaunt daherkommen, wie im abschließenden „Say Nothing“, tagträumt Dury davon, von einem Auto überrollt zu werden.
Die besten Momente des Albums klingen aber nicht selbstzerstörerisch, sondern mehr wie eine verzweifelte Party. Wenn der Tränenprinz seine Trauer herunterschluckt, seine Streicher Disco-Salven aus der Frank-Farian-Schule spielen lässt und sich in seinem glorreich verlotterten Sound badet. Wenn er in „Sleep People“ sein „Yeeeah“ herrliche fünf Sekunden lang streckt. Dann geht ein Schmunzeln durch seine Stimme – und die Ambivalenz verwandelt sich in Melancholie überwindende Euphorie.
(byte.fm)




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