The National - High Violet

















#3 The National

Mittlerweile ist das Lineup des 27. Haldern Pop Festivals (12.-14.08.10) ziemlich komplett und die Tickets sind wohl auch ausverkauft. Neben den bereits vorgestellten Beach House, Dan Deacon, Delphic, Frightened Rabbit, Mumford & Sons, Yeasayer, Fyfe Dangerfield, Seabear und Laura Marling sind dieses Jahr auch noch Beirut, Fanfarlo, Helgi Jonsson und The Low Anthem am Niederrhein zu sehen. Da die drei Letztgenannten es in der Endauswertung 2009 in unsere Top 20 schafften, darf man sich auf ein feines Festival freuen.

Der Hauptakt dürfte jedoch definitiv The National sein, die als 3. Vorstellung des Tages für einigen Nummernsalat hier sorgen, denn gleichzeitig sind sie die 10. Neuvorstellung aus dem Programm des Haldern Festivals und außerdem der erste Starter der alljährlichen Reihe um weitere Bands unseres beliebtesten Festivals. Also:

Haldern Pop (I)

Das fünfte Album von Matt Berninger und den beiden Brüderpaaren Aaron und Bryce Dessner sowie Scott und Bryan Devendorf wurde wie die beiden Vorgänger zusammen mit Peter Katis (Interpol, Frightened Rabbit, Fanfarlo) produziert, wird über 4AD veröffentlicht und ist sowohl auf Vinyl, als auch CD und in einer limitierten Version erhältlich. Das Albumcover ziert ein Kunstwerk ("The Binding Force") von Mark Fox.





"Terrible Love" Castle Rock Session


Die Musik auf "High Violet"? Großartig. Angefangen bei Berningers Bariton, seinen düster-melancholischen rezitierten Texten, über den epischen ("England"), bedächtigen ("Afraid Of Everyone", "Runaway") oder hymnisch-drängenden ("Bloodbuzz Ohio", "Terrible Love") Momenten der Platte, bis hin zu den dezenten, detailreichen, nie überladenen Arrangements mit Chorgesang, Streichern, Bläsern und Piano hinter dem sich auftürmenden Schlagzeug und den verhallten Gitarrenwänden.





"Little Faith" Castle Rock Session

Vertrauend darauf, dass sich Qualität irgendwann durchsetzt, macht die in Cincinnati, Ohio, gegründete, in Brooklyn ansässige Band das Gleiche wie eh und je - nur noch besser, noch ausgefeilter, weshalb die Bastelphasen im eigenen Studio von Album zu Album länger werden und fortan wohl in Jahren gezählt werden müssen. Nach wie vor wummert die Stimme Berningers wie ein Tiefenbass durch die mit allerlei Chören, Klavieren und Bläsern üppig ausstaffierten Songs; wie eh und je scheuen die Musiker dabei das Strophe-Refrain-Erfolgsrezept des Pop wie ein zotteliger Rocker aus dem Mittleren Westen den Frisör. Die Songs leben vom Rhythmus, dem satten Schlagzeug Bryan Devendorfs, der leichten Modulation in der Stimme des Sängers.

Dennoch klingt ein Album von The National nie monoton. Das liegt vor allem an den klugen Arrangements mit ihren Anleihen bei Jazz und Klassik. Den Fehler der Überorchestrierung begeht die Band anders als bei den wenigen schwachen Stücken aus früheren Tagen nicht. Doch selbst damals dienten Geigen und Bläser nie, wie bei vielen Durchschnitts-Balladen aus der Massenproduktion des Pop, als süßlich-kitschige Beilagen zu einem an sich ungenießbaren Song. Sie waren stets dosiert eingesetzte musikalischer Geschmacksverstärker für den Text, den Satz, das Wort.
(faz.net)




"Anyone's Ghost" Castle Rock Session

Kommentare:

Oliver Peel hat gesagt…

Das Konzert in Paris heute als Vorgruppe von Pavement war auf jeden Fall schon einmal grandios und die neuen Lieder sensationell!

Dirk hat gesagt…

Heute gab es neue (und letzte?) Bestätigungen für das Haldern-Festival, so dass ich den Text oben einmal aktualisiert habe.

Nur das mit Seabear und der Haldern Pop Bar verstehe ich noch nicht so ganz. Irgendjemand?

Oliver Peel hat gesagt…

Auch diese schöne Vorstellung habe ich auf dem Konzerttagebuch verlinkt :) Besonders gut gefällt mir, daß sich Dirk auch schon zu einem eigenen Urteil durchringt.

Seabear (vorgstern live gesehen), Haldern Pop Bar? verstehe ich auch nicht.

Volker hat gesagt…

Nach dem wirklich tollen "Alligator" mit dem weiterhin All Time Favorit "Secret Meeting", war "Boxer" doch eine ziemliche Enttäuschung.
"High Violet" macht da wieder ein Riesenschritt in die richtige Richtung, und ja, weiß "Alligator" dabei vielleicht sogar zu überflügeln . Es gibt eigentlich gar keinen Ausfall, höchstens leicht schwächelnde, immer noch sehr gute Tracks (England), neben absolut grandiosen ("Anyone's Ghost", "Bloodbuzz Ohio", "Runaway", Conversation 16").
Als absolutes Plus neben und für die Songs, erachte ich aber vor allem die Produktion, sehr kräftig, sehr klar,auch kleinste Details sind wunderbar zu hören und der Bass und das feine Schlagzeug erzeugen teilweise einen Sog, der mich dermaßen in seinen Bann zieht, wie ich es bei einem Album seit Bloc Partys "Silent Alarm" (dass ähnlich stark vom exzellenten Schlagzeugspiel profitierte) nicht mehr erlebt habe.
Groß und bis dato mein Album des Jahres 9 Punkte

Ingo hat gesagt…

Bei den Lieblingssongs muss ich schon wieder erschreckende Übereinstimmungen mit Volker feststellen. Insgesamt bin ich einen Punkt weniger euphorisch. 8 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

Eins der herausragenden Alben dieses Jahres: 9 Punkte.

aXel hat gesagt…

8

Oliver Peel hat gesagt…

Auch ich muss bei den Lieblingssongs erschreckende Übereinstimmungen mit Volker feststellen. Von den 4 genannten würde ich lediglich das blutleere Bloodbuzz Ohio von der Liste streichen. Bleiben drei hervorragende Lieder. Aber der Rest? Fad! Die Produktion? Zu glatt, zu harmonisch, zu perfekt. Mir fehlen die schrammeligen Gitarren, die man live hören kann.

Hätten The National genau die gleiche Platte unter Livebedingungen aufgenommen, käme ich auf 9 Punkte, so aber nur auf:

6,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

Drowned in Sound's Favourite Albums of 2010: Top Ten
(Man beachte Nr. 5)
1) Emeralds Does It Look Like I’m Here?
2) The National High Violet
3) Deftones Diamond Eyes
4) Perfume Genius Learning
5) The Knife Tomorrow, In a Year
6) These New Puritans Hidden
7) Shearwater The Golden Archipelago
8) Yeasayer Odd Blood
9) LCD Soundsystem This Is Happening
10) Sufjan Stevens Age of Adz

Christoph hat gesagt…

8 Punkte

Dennis hat gesagt…

8,5 Punkte

U. hat gesagt…

Und nochmal 9 Punkte. Jetzt muss ich schnell noch die letzten paar Alben hören und bewerten, was ein Stress ...

Dirk hat gesagt…

Für meine Platte des Jahres gibt es zu guter Letzt:

9 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

Dirk, Notenschluss ist wie jedes Jahr am 30. Dezember...