UNKLE – Where Did The Night Fall

cover

Sorry, nicht Haldern Pop (I)

Machen wir es kurz: “Where did the night fall” ist

  • weniger abwechslungsreich und weniger großartig als “Psyence fiction”
  • weniger elektronisch und weniger dancelastig als “Never, never, land”
  • weniger rockig als “War stories”
  • UNKLEs bestes und am wenigsten enttäuschendes Album seit “Psyence fiction”
  • interessanter als alle Remix-Alben der Band.

Obwohl UNKLE-Alben einen großen Teil meines “Special Edition & Co.”-Regals besetzen, handelt es sich bei “Where did the night fall” erst um das vierte “echte” Album der Band (“End titles... stories for film” zählt nicht) um James Lavelle. Pablo Clements darf sich anscheinend inzwischen (bis auf weiteres) als festen UNKLE-Bestandteil ansehen. Auch Tour-Musiker James Griffith stellt eine der wenigen Konstanten auf “Where did the night fall” dar, welches ansonsten von vielen Gästen (z. B. Mark Lanegan, Gavin Clark, The Black Angels, Sleepy Sun) bereichert wird. Trotz dieser Vielzahl an durchaus pro Song jeweils prägenden Einflüssen ist “Where did the night fall” das schlüssigste und konventionellste Album der Band der letzten zehn Jahre. Die Vielfalt der Stile ist kaum definierbar, reicht sie doch von psychodelischem Rock über Elektro (ohne wirklich “Elektro” zu sein) und Trip Hop (ohne Trip Hop-Rhythmen) bis zu Massive Attack-Atmosphäre. Auffällig ist die Abwesenheit offensichtlicher Lückenfüller, welche “Never, never, land” und “War stories” nachhaltig geschädigt haben.

Besonders hörenswert erscheinen mir aktuell “Follow me down” (wegen Rachel Williams’ coolen Vocals irgendwo zwischen PJ Harvey und Björk), “On a wire”, “Ablivion” und “The runaway”. Entbehrlich ist “Another night out”, aber als Ausklang kann man den Song durchgehen lassen.

CDStarts.de lässt sich vor allem durch die weiblichen Stimmen betören:

Diesmal haben die Tracks mit dem weiblichen Gesang dem Rest etwas voraus, etwas faszinierend Hypnotisierendes, dass den Unkle-Sound fast schon düster-erotisch wirken lässt. „Follow Me Down“ mit Sleepy Sun, „The Runaway“ mit Elle J oder „Caged Bird“ mit Katrina Ford von Celebration laufen hinterhergucktechnisch allen davon. Die großflächigen Synthie-Soundwände, Chöre und Tempiwechsel auf „The Answer“ berauschen auch verdammt ordentlich, während der Closer mit Mark Lanegan einen Untergang, der schöner nicht sein könnte, heraufbeschwört.

Hypnotisch, streckenweise düster und trotzdem irgendwie optimistisch klingt “Where did the night fall”. Laut James Lavelle hat er mit seinen ersten drei Alben einen Zyklus geschlossen. “Where did the night fall” erscheint mir als Extrakt dieser Werke. Wirklich neu erfunden wurde hier nichts. Hätte Lavelle “Psyence fiction”-Genialität mehr Raum gelassen, wäre ein großartiges Album entstanden. Aber nach einer Dekade der Enttäuschungen bin ich auch mit diesem guten Album zufrieden.

Die Special Edition wartet neben der tatsächlichen CD mit den Instrumental-Versionen aller Songs, dem Booklet und einem daumen-dicken Bildband in schicker Box auf.

Das freizügige Video zu “Follow me down”:








Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Ein wenig besser als Autolux: 6,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

Ein wenig besser als "War stories". Aber mehr als 7 Punkte möchte ich trotzdem nicht geben.

Dennis hat gesagt…

6 Punkte