The Good, The Bad & The Queen - Merrie Land



















Ach Damon, wenn ich mir hier meine Bewertungen für deine letzten Alben so anschaue, dann weiß ich gar nicht, warum ich mich auf neue Platten von dir noch freuen soll. Egal, ob solo („Everyday Robots“, 2014, 7 Punkte), mit Blur („The Magic Whip“, 2015, 6 Punkte) oder den Gorillaz („Humanz“, 2017, 3 Punkte, und „The Now Now“, 2018, 5,5 Punkte) - am Ende sind wir beide enttäuscht. Ich von deiner Musik und du von meinen vergebenen Punkten. 

Jetzt versuchst du es mit The Good, The Bad & The Queen, der „Supergroup“, die du mit Paul Simonon (The Clash), Simon Tong (The Verve) und Tony Allen (u.a. Fela Kuti) betreibst und von der wir alle dachten, dass sie nur eine einmalige Sache wäre. Aber 2007 war ich von eurem einzigen Album „The Good, The Bad & The Queen“ auch nicht wirklich begeistert. Erinnerst du dich?
das einzige stück, das sich aus diesem größtenteils langweiligen und monotonen, mitunter sogar zähem brei ein wenig abhebt ist "three changes" - und das ist ziemlich schrecklich.
diese supergroup brauche ich nicht wirklich.

Jetzt also „Merrie Land“, ein knapp 38 Minuten langer, melancholischer, wehmütiger Blick auf seine britische Heimat in Zeiten des Brexit. Tony Visconti produziert das Album, so dass mir, neben Blur-Balladen und einem versponnenen Sixties-Song zwischen Kinks und Beatles („Gun To The Head“), tatsächlich häufiger David Bowie in den Sinn kommt („The Great Fire“). Und den Sonderpreis für den besten Einsatz eines Männerchores hast du Aurora („It Happend Quiet“) auch noch in letzter Minute Dank „Lady Boston“ entrissen. Vielleicht finden wir in der Verzweiflung über den Großteil deiner Landsleute doch wieder zusammen, Damon.  




(…) ein All-Star-Ensemble, mit dem Albarn bereits 2006 ein Album aufgenommen hatte, auf dem es ebenfalls um England ging. Damals gelang eine zauberhafte Verschmelzung aus Dub, Afrobeats, Britpop und Folk.
Dieser Überraschungseffekt ist auf "Merrie Land" naturgemäß nicht mehr gegeben, aber langweilig ist das Album deswegen nicht, ganz im Gegenteil. Es enthält eine volatile und ätherische, auf die britische Folktradition zurückgreifende Musik: Dichte Texturen, nahtlose Übergänge, die scheinbar ziellos tänzelnden Dub-Beats von Allen und Simonon ergeben fast schon paranoide Meditationen über verpasste Möglichkeiten und vertane Chancen.
(Spiegel)




Albarn ist zu klug, um von vergangener Größe zu träumen. Doch spürt man in diesem Abgesang, wie großartig dieses Königreich immer noch sein kann. Albarn mag Stimme, Kopf, Herz der Formation sein, aber mon Dieu!, diese Rhythmusgruppe: Paul Simonons Bassläufe schaffen Spannung aus dem Platz, den sie lassen, derweil Tony Allen ebenso präzise wie swingend seine Ghost ­Notes setzt. Macht lässig-synkopierte ­Grooves, eher Off-Beat, Dub-beatmet. Nicht stolpern auf der Tanzfläche!
„Merrie Land“ ist kein Pamphlet für oder gegen den Brexit und schon gar kein zynischer oder seliger Blick zurück. Es ist einfach so vielschichtig wie alle Kunst, die poetisch, skeptisch und, ja, auch nostalgisch in ­ihre Zeit dringen will. Ray Davies wird träumen, zumindest der Titelsong wäre ihm selbst eingefallen.
(Rolling Stone)




Und so hören wir eine sehr andere Musik, eine, die weniger verklöppelt wirkt (die Ausnahmen sind „Nineteen Seventeen“ mit seinen synkopierten Beats und der kleine Reggae-Shanty „The Truce Of Twilight“), und stattdessen, nachzuhören in „Ribbons“, bisweilen nahtlos an der Melancholie andockt, die man von großem Blur-Balladenmaterial in Erinnerung hat. Dementsprechend wichtiger ist Albarn für diese Platte, aus dem Primus inter Pares ist ein Bandleader geworden, was auch damit zu tun haben mag, dass es nun eben Geschichten zu erzählen gibt.
(musikexpress)


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