Hannes Wittmer - Das große Spektakel



















Gerade hat er sich als Spaceman Spiff einen Namen gemacht und den Einzug in unser Sammelalbum geschafft („Endlich nichts“ ist das Bildchen mit der Nummer 195), da veröfffentlicht er erst mit einem Nebenprojekt ein Album in englischer Sprache („Otago“) und legt dann auch noch seinen Calvin & Hobbes entliehenen Künstlernamen ab, weil dieser wahlweise falsch ausgesprochen oder die Anspielung nicht verstanden wurde. Generell sollte man, so erklärt es der Würzburger Singer/Songwriter, „sicher länger als 3 Minuten über einen Namen“ nachdenken.

Über die Trennung von seinem Alter Ego hat Hannes Wittmer auf jeden Fall länger und intensiver gegrübelt und alle Beweggründe auf seinem Blog dargelegt. Dass diese Entscheidung auch negative finanzielle Auswirkungen haben wird spielt dabei keine Rolle, denn der Musiker geht noch einen Schritt weiter, klinkt sich aus dem Konsumsystem Musik aus und wird sein neues Album weder auf Spotify, iTunes usw. stelllen noch auf CD in den Handel bringen. „Das große Spektakel“ steht seit Anfang November zum freien Download und Streaming auf seiner Website. Dennoch kann man Hannes Wittmer freiwillig finanziell hier unterstützen, denn selbst der Eintritt zu seinen Konzerte (Termine siehe unten) sollen zukünftig ausschließlich auf Pay-What-You-Want-Basis erfolgen.  

Da Wittmer Vinyl als Medium zum Musik hören nach eigener Aussage super findet, wird es „Das große Spektakel“ im Februar 2019 beim mairisch Verlag in einer limitierten Auflage als Schallplatte (schwarzes Vinyl, Inside-out-Cover, dazu Textposter) geben, die bereits jetzt vorbestellt werden kann. Sollten dabei Gewinne entstehe, gehen diese an Ärzte ohne Grenzen.

Die 10 Songs von „Das große Spektakel“ wurden von Hannes Wittmer (Gesang, Gitarre, Mellotron) gemeinsam mit Clara Jochum (Cello, Gesang), Jonny König (Drums) und Felix Weigt (Bass, Synthesizer, Piano) aufgenommen und stehen glücklicherweise in schöner Spaceman Spiff-Tradition. Mein aktuelles Lieblingslied heißt „140 cm“ und das schönste Bild zeichnet Wittmer in „Affen“ (Ein Holzweg in Beton gegossen / Führt uns überall hin / Aber wer will überall sein?), aber davon kann sich jeder selbst überzeugen…
 



Wie schon beim ebenso tollen "Endlich Nichts" hat sich Wittmer das Talent bewahrt, das gesellschaftlich Große und Ganze aus dem persönlichen Blickwinkel einzufangen. Wenn er etwa in "Rom" zu hüpfender Percussion und unruhigen Synthies anerkannte Wege und waghalsige Umwege zum Erwachsenwerden einfängt und die spießige Norm nicht nur mit dem Bild des Carports für die Familienkutsche verschmitzt abtut: "Wer jetzt nicht da ist, wo er alt werden kann / Wird niemals wieder ernst genommen / Über dankbare Umwege geschlendert / Bist Du gerade so davon gekommen."
Der kleine Bruder im Geiste von Gisbert zu Knyphausens "Wer kann sich schon entscheiden?" ist "Norden", das mit den Versen "Meine elende Freiheit ist zu groß für uns beide / Komm wir binden sie fest, auf dass ich noch bleibe" den Spagat zwischen heimeliger Treue und Freiheitsdrang versucht, bevor Wittmer zum Ende hin ungeahnt romantisch wird: "Raub mir den Atem / Bis ich vergesse wie Luft schmeckt, bleib' ich bei Dir." In "140cm" richtet sich der Blick weiter nach vorn. Nicht komplett negierend, aber zweifelnd sinniert Wittmer über Ehe und ewiges Zusammenleben, und trommelt "all die geschiedenen Eltern" zum Chor der gutgemeinten Ratschläge zusammen. Nein, auch wenn mit dem tiefnachdenklichen "Schatten" ein weiteres schüchtern-introvertiertes Stück über die Einsamkeit inmitten all der Hektik zum Innehalten anstiftet, bewahrt sich "Das große Spektakel" auch das Schelmige, das Bittersüße, das beinahe Positive. Bestes Beispiel ist der kleine Hit "Nachts", der mit Schalk im Nacken das Schlagzeug mal Schlagzeug sein lässt und sich gleich mehrmals zu feschen Indie-Gitarren auf der Tanzfläche windet.
(Plattentests)





Hannes Wittmer unterwegs:
01.02.19 Stuttgart - Club Cann
02.02.19 Freiburg - Artik
03.02.19 Wiesbaden - Schlachthof
05.02.19 Leipzig - Werk 2
06.02.19 Dresden - Scheune
07.02.19 Erlangen - E-Werk
08.02.19 München - Ampere
09.02.19 Würzburg - Cairo
12.02.19 Bremen - Tower
13.02.19 Münster - Sputnikhalle
14.02.19 Hannover - Lux
15.02.19 Berlin - Lido
16.02.19 Hamburg - Uebel & Gefährlich
19.02.19 Trier - Exhaus
20.02.19 Aachen - Musikbunker
21.02.19 Köln - Gloria
22.02.19 Essen - Zeche Carl
23.02.19 Heidelberg - Halle 02


Kommentare:

Volker hat gesagt…

Schönes Album, wie gewohnt. Warte dann auf Vinyl


8 Punkte

Ingo hat gesagt…

Viel Sympathie für den Künstler. 7 Punkte für das Album. Auf dem Tourplan fehlt Montabaur.