Woods Of Birnam - Grace




















Wo nimmt Christian Friedel eigentlich die Zeit her? Im Dezember 2016 feierte eine „Hamlet“ Theaterproduktion am Staatsschauspielhaus Dresden Premiere, bei der er Regie führte und zu der er mit seiner Band Woods Of Birnam die Musik beisteuerte. Das dazugehörige Album „Searching For William“ erschien 2017 und wurde von einer Clubtournee begleitet, während die Aufführungen in Dresden weiterliefen und nebenbei ein eigenes Festival namens „Come To The Woods“ organisiert wurde, das dieses Jahr stattfand.
Außerdem stand er für „Der Sandmann“ auf der Bühne bzw. für die TV Serien „Babylon Berlin“ und „Das Parfum“ vor der Kamera. In Düsseldorf und Dresden stehen in den nächsten Wochen und Monaten die Aufführungen von „Hamlet“ und „1984“ auf dem Programm. Und auch für das Stück nach Orwells Roman schrieb Friedel, der den „Großen Bruder“ spielt, mit seiner Band die dazugehörige Musik. 

Irgendwo muss Christian Friedel trotz dieses Programms noch Zeit gefunden haben, denn seit Freitag steht das dritte Album von Woods Of Birnam in den Plattenläden (und eine dazugehörige Tournee wird es ebenfalls geben, siehe unten). „Grace“ wurde erneut zusammen mit O.L.A.F. OPAL (The Notwist, Phillip Boa & The Voodooclub, Slut, Die Sterne) produziert, bietet 12 Songs, die fast eine Stunde laufen, und ist auf farbigem Doppel-Vinyl (blau/gelb) erschienen. Die tanzbaren, häufig eingängigen und beschwingt wirkenden Stücke tendieren Richtung Synth-/Indiepop („Into The Rapture“, „Grace“) und stehen im Gegensatz zur textlichen Schwere, die aus dem Tode von Friedels Mutter resultiert. Experimentellere Lieder, wie „Overload“ oder „Isolation“, belegen den künstlerischen Anspruch von Woods Of Birnam.




Geradlinig flockiger Folkpop ist es also nicht, was Friedel & Co. im Sinn hatten, als sie auf diesem Werk unter anderem Trauerarbeit leisteten - um den Tod von Friedels Mutter zu verarbeiten. Dabei kommt das Werk dann bemerkenswert ambitioniert im vertrackten Art-Pop-Stil mit vielen stilistischen Schlenkern und arrangementstechnisch auf interessante Weise (u.a. mit elektronischen Elementen) aufgebrezelt daher. Für ein Werk, auf dem Tod, Vergänglichkeit und Verlust thematisiert werden, ist dieses zum Glück allerdings recht wenig melancholisch geraten. Friedel scheint eher konstruktiver Stoiker als depressiver Klagegeist zu sein, was sich auch in der selbstbewussten Manier äußert, mit der die recht komplexen Tracks auf handwerklich hohem Niveau und betont lebhaft musikalisch exerziert werden.
(Gästeliste)




Alles beginnt mit einem verkopften Trommelwirbel. Kurz darauf übernehmen sphärische Synthies und 70s-Pop-Chöre das Kommando („No Love Out – No Love In“). Der Titeltrack stülpt sich das klassische Indie-Pop-Gewand über. Dann geht es runter in den Keller.
In der Folge wird getanzt. Schweiß tropft von den Belüftungsrohren. Strobolichter zucken durch die Dunkelheit („Isolation“). In der Chill-Out-Area gehen kühlende Erfrischungsgetränke rum („All We Need“).
Aus den Boxen tönen die ersten nachhaltigen Harmonien. Es wird zunehmend poppiger. Gitarren stoßen dazu. Und plötzlich lauscht man der vielleicht schönsten Ballade des Jahres („Homeless“).
Mit der luftigen Pop-Hymne „I Didn’t Notice“ legen Woods Of Birnam in puncto Melodien sogar noch eine Schippe drauf. Aus dem clubbigen Kokon schält sich ein kunterbunter Pop-Schmetterling in die Freiheit.
(Musikblog)




Woods Of Birnam unterwegs:

04.01.2019 Erfurt, Kalif Storch
05.01.2019 München, Milla Live Club
06.01.2019 Stuttgart, Keller Klub
10.01.2019 Berlin, Lido
11.01.2019 Magdeburg, Kulturzentrum Moritzhof
12.01.2019 Hannover, Lux
13.01.2019 Dresden, Beatpol
16.01.2019 Düsseldorf, Zakk
20.03.2019 Hamburg, Elbphilharmonie (Kleiner Saal)

 

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