Ungewöhnlich ist, dass wir erstmals auf der Plattenhülle eines Albums von Metric - und wir sind mittlerweile be deren zehn angekommen - ein Foto von Emily Haines sehen. Vom Rest der Band (James Shaw, Joules Scott-Key und Joshua Winstead), die sonst visuell hauptsächlich auf abstrakte Kunst oder grafische Designs setzt, fehlt jede Spur.
Damit soll das Album vermutlich an das Debüt „Old World Underground, Where Are You Now?“ aus dem Jahr 2023 anknüpfen, auf dem Haines nicht fotorealistisch sondern im Zentrum einer grafischen Collage zu sehen war. Auch thematisch uns stilistisch soll „Romanticize The Dive“ eine Rückbesinnung auf die Anfänge der Band in New York sein.
Dort, in den Electric Lady Studios, sowie in den Main Street Studios in Toronto entstanden auch die 11 Songs des Albums, in Zusammenarbeit mit den Gavin Brown und Liam O’Neil, die bereits früher zusammen mit James Shaw am Sound der Band tüftelten.
Dieser steht Synthpop, New Wave und Pop deutlich näher als dem indierock, den wir von Metric auch schon geboten bekamen. Die Single-Kandidaten sind zu Beginn des Albums platziert: Neben „Victim Of Love“ und „Time Is A Bomb“ hätte dies auch gut „Wild Rut“ sein können, zumindest eher als „Crush Forever“ mit seinem leicht kitschigen, engelsartigen Chorgesang. Ein Mehr an Gitarren und ein Weniger an Elektropop hätte dem Album gut getan.
„Romanticize The Dive“ ist als CD und LP (White Opaque Vinyl, Silver Metallic Vinyl, Red, Silver & Green Vinyl, Gold Metallic With Yellow And Red Smoke Vinyl) erhältlich, bei Metacritic sind aktuell 73/100 Punkten für das Album verzeichnet.
Überhaupt ist "Romaticize the dive" an so mancher Stelle auf der klanglich positiven Seite postiert. Der funkelnden, ab dem Mittelteil treibenden Single "Time is a bomb", die natürlich trotzdem auch in den dunkleren Ecken der Indie-Disco funktioniert, folgt mit dem leicht kitschigen "Crush forever" ein auf ziemlich käsigen Beats und Synthies gelagerter, fröhlicher Electro-Popper. Muss man wollen oder eben: können. Doch natürlich wären Metric nicht Metric, überzeugten die Kanadier nicht auch weiterhin mit intensiveren, feinfühligeren Arrangements. Wenn "Moral compass" sich allein durch sein feines Gitarrenlick trägt und gedämpfte Synthie-Sprenkel atmosphärischen Glanz versprühen oder wenn das im Stillen durchaus tanzbare "Tremolo" zum besseren Feeling seine Instrumentierung in den Lyrics gleich selbst feiert. Und wer nun trotz gesetzteren Alters noch mal Lust auf 80s-Disco-Vibe hat, für den hat die Band mit "Antigravity" einen leicht düsteren kleinen Synth-Hit parat.

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