Das achtzehnte Studioalbum von Tori Amos ist mehr denn je eine Familienangelegenheit: Tori Amos komponiert, singt, produziert und bedient neben ihrem Piano diverse Tasteninstrumente. Ihr Ehemann Mark Hawley spielt Gitarre sowie Ukulele („Fanny Faudrey“) und ist als Engineer und Mixer tätig. Ihre gemeinsame Tochter Natashya Hawley komponierte drei Lieder („Veins“, „Strawberry Moon“ und „Song of Sorrow“) und singt auf vier Songs zusammen mit ihrer Mutter („Veins“, „Strawberry Moon“, „Pyrite“ und „Stronger Together“).
Insgesamt bietet „In Times Of Dragons“, das als 2CD und 2LP (black Vinyl, clear Vinyl) erhältlich ist, siebzehn Lieder in 75:56 Minuten. Eine limitierte Version bietet zusätzlich noch den Song „Black Is the New Black“. Das Slant Magazine hat ein Ranking der 15 regulären Alben von Tori Amos erstellt und es verwundert nicht, dass ihre 90er Jahre-Platten auf den den Rängen 1 bis 5 landen. Für „In Times Of Dragons“ reicht es immerhin zum Mittelfeld-Platz 8.
Ein wenig Schade ist es, dass in der Familie Amos/Hawley offensichtlich niemand zu finden ist, der ein kreatives Händchen für ein tolles Artwork hat. Denn die Plattencover werden schlimmer und schlimmer. Daher hier - ausgeliehen von unseren Kollegen von Plattencover vor Gericht - das Ranking der Plattencover von Tori Amos (und bis auf die Platze 1-3 sind eigentlich alle indiskutable):
15. American Doll Posse (2007)
14. In Times of Dragons (2026)
13. Night of Hunters (2011)
12. Ocean to Ocean (2021)
11. Abnormally Attracted to Sin (2009)
10. Unrepentant Geraldines (2014)
9. The Beekeeper (2005)
8. Boys for Pele (1996)
7. To Venus and Back (1999)
6. Scarlet’s Walk (2002)
9. Native Invader (2017)
4. Strange Little Girls (2001)
3. Little Earthquakes (1992)
2. From the Choirgirl Hotel (1998)
1. Under the Pink (1994)
Was können all die Frauen in diesem Werk – Kassandra, „St. Teresa“, „Gasoline Girls“ – ausrichten gegen all die Drachen? Wer „this Lizard Demon and his sadistic companions“ sind, muss Amos nicht explizit sagen. Die Feuer, die weltweit brennen, sprechen für sich. Und eine kleine „Ode To Minnesota“ hat sie auch noch eingebaut. Tori Amos stellt viele Fragen („Free speech?/ What was that?“), sie tritt in einen Dialog mit den Mächtigen. „Okay boys, let’s go!“, ruft sie, bevor das beschwingte „Fanny Faudrey“ eine Feministin aus dem 19. Jahrhundert besucht. Amos reist durch Epochen und Länder, trifft Priesterinnen und Jesus („Pyrite“), Heilige und Hexen („Blue Lotus“). Zwischendurch schwillt die Musik an, dann nimmt sie den Alarm wieder ein wenig zurück und wirft eine berückende Melodie ein.Eine Meisterin der Dramatik war sie immer, an der Dramaturgie scheitert sie manchmal, weil sie ihre Texte zwar auf die Essenz reduziert, die Musik dann aber gern weit ausgreifen lässt. 17 Songs auf 75 Minuten sind mal wieder etwas (zu) viel. Aber im Jahr 2026 passt es gut, dass das Publikum am Ende erschöpft zurückbleibt. Allerdings mit einem Hoffnungsglimmer: Nach „Stronger Together“ besingt Tori Amos in „23 Peaks“ die Drachenkönigin. Vielleicht kann die es mit dem Eidechsen-Dämon aufnehmen.
















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