In Angst und Schrecken hat mich „The Benefit Of Doubt“ zunächst versetzt: Beim Einlesen der CD stand dort als Genre „Co...

We Used To Be Tourists - The Benefit Of Doubt



















In Angst und Schrecken hat mich „The Benefit Of Doubt“ zunächst versetzt: Beim Einlesen der CD stand dort als Genre „Country-Folk“, die erste Single trägt den Titel „Nahville, TN“ und Dolly Parton taucht im Text auf. Es besteht das Gerücht, dass wir im Alter alle bei Country-Musik landen werden, aber so weit / schlimm ist es schließlich noch nicht gekommen, oder? 




Glücklicherweise tendieren die 11 Songs auf „The Benefit Of Doubt“ aber deutlicher in Richtung Folk, Americana und sogar Pop, als ich es zunächst befürchtete. Das Kölner Quartett setzt auf feine Arrangements (Gitarre, Banjo, Klavier, Mandoline, Streicher) und besticht vor allem durch den feinen, teilweise vierstimmigen Harmoniegesang. Meine persönlichen Lieblingslieder sollen als Anhörtipps verstanden werden: „I Cried The Whole Way Home“ und „Counting Sheep“ könnten so auch einem Album von Sufjan Stevens entnommen worden sein.

We Used To Be Tourists verkrochen sich für die Aufnahmen ihres zweiten Albums in einen leeren Raum an der Universität und ließen die Songs später von Jeff Stuart Saltzman und Adam Gonsalves, die auch schon mit Death Cab For Cutie, Sufjan Stevens oder Angel Olsen arbeiteten, in Portland abmischen und mastern. Im Vergleich zum Vorgänger „Making Friends With Ghosts“ (2015) hat sich das Lineup der Band leicht verändert: We Used To Be Tourists sind nun Benedikt Schmitz, Isabell Meiner, Konstantin Kreiner und Neuzugang Martin Simpson. 
Fabio Bacchet (Hello Piedpiper) gehört nicht dazu, spielt aber die Hauptrolle im Video zu „Dirty Laundry“:




Die meisten Stücke kommen mit feinen Melodien eher ruhig und melancholisch daher, wie das schöne “Nashville, TN”, “Barre, VT”, “Walls” oder das ganz reduziert sphärischer angelegte “Counting Sheep”. Man findet aber auch Midtempo-Nummern mit “I Cried The Whole Way Home”, “Muscle Memory” und dem trotz Trennungshintergrund fröhlich anmutenden “Anniversary”. Mit “Haven’t You Heard” gibt es zudem einen flotteren, stimmungsvollen Song.
(Mucke und Mehr)


Der im Titel des Albums angesprochene Zweifel ist ein hausgemachter: Es geht darum, die erstbeste Idee zu hinterfragen, um so zu immer besseren Ergebnissen kommen zu können. Das führte dazu, dass das Material - zu dem sich Benedikt auf seinen Reisen inspirieren ließ - dieses Mal noch eine Spur detailreicher und elaborierter ausgeführt ist, dass sich aber auch im allgemeinen eine nachdenklichere, melancholischere Stimmung einnistete, als bislang gewohnt. Es gibt ergo eine zurückhaltendere Version von WUTBT. Aber man kennt das ja: Stille Wasser trüben tief und was lange währt wird endlich gut. Das Ganze strahlt dann auch die notwendige Zeitlosigkeit für solche Art von Musik aus, so dass am Ende - trotz Zweifel - alles gut wird.
(Gästeliste)




We Used To Be Tourists unterwegs:
04.10.2018 Köln, Artheater
05.10.2018 Haldern, Haldern Pop Bar
06.10.2018 Duisburg, Heimathafen
07.10.2018 Münster, Pension Schmidt
16.10.2018 Emden, Einstein
17.10.2018 Hamburg, Ex-Sparr
18.10.2018 Osnabrück, Grolsch Song Night
19.10.2018 Dortmund, Sissi King Kong
21.10.2018 Potsdam, Wohnzimmerkultur
23.10.2018 Berlin, Alter Roter Löwe Rein
24.10.2018 Helmbrechts, Filmwerk
25.10.2018 Wiesbaden, Heimathafen
26.10.2018 Freiburg, Bar am Funkeneck
27.10.2018 Stuttgart, Galao
   

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