The Temper Trap - Sungazer


Den 50. Geburtstag seines 1972 in Melbourne gegründeten Labels Mushroom Records hat der 2021 verstorbene Michael Gudinski nicht mehr miterlebt. So fanden die Feierlichkeiten zum Jubiläum unter der Federführung seines Sohnes Matt statt und gipfelten in einem riesigen Konzert unter dem Motto „50 Songs for 50 Years“. Unter anderem traten dort The Temper Trap auf, die seit beginn ihrer Karriere eng mit der Mushroom-Familie verbunden waren.  Sie spielten an diesem Abend sowohl ihren größten Hit „Sweet Disposition“ als auch - der thematischen Vorgabe folgend -  eine Coverversion, nämlich „Under The Milky Way“ von The Church. 

Dougy Mandagi (Gesang, Gitarre), Jonathon Aherne (Bass), Toby Dundas (Schlagzeug) und Joseph Greer (Keyboard, Gitarre) hatten 2016 zuletzt ein Album veröffentlicht und 2019 eine Auszeit beschlossen. Gelegentlich spielte man zusammen Konzerte, aber neue Musik gab es von The Temper Trap für fast eine Dekade nicht zu hören. 

Dies änderte sich Ende 2025, als mit „Lucky Dimes“ und „Giving Up Air“ zwei Singles veröffentlicht wurden, die stilistisch für eine leicht veränderte Ausrichtung ihres vierten Studioalbums stehen sollten. Ihren gitarrigen Indierock kombinieren sie mal weniger („Lucky Dimes“) und mal mehr („Giving Up Air“) mit elektronischen Einflüssen sowie Synthesizer-Pop-Texturen. Für mich persönlich ist hier weniger mehr und daher zählen Songs wie „Into The Wild“, „Runaways“ oder „Dystopia Radio“ zu meinen Favoriten. 

„Sungazer“ ist als CD und LP (Black Vinyl, Blue Vinyl, Splatter Blue Green White Vinyl, Red/Blue/Green Handpour Vinyl, Red/Yellow/Green Handpour Vinyl, Blue & Black Sunburst Vinyl, White/Red/Magenta Splatter Vinyl) erhältlich und steht aktuell bei Metacritic bei einem Metascore von 74/100 Punkten.


So schafft "Sungazer" das Kunststück, trotz seiner konstanten Verhaftung im soften Indie-Pop-Rock kaum einen Song wie den anderen klingen zu lassen. "Halfway" stolpert mit Jangle-Riff und Peter-Hook-Gedächtnisbass vorwärts, bis der pulsierende Post-Punk von "Dystopia radio" das Momentum aufgreift und im Finale die Saiten durchs Gewitter tanzen lässt. Der Closer "Kuru" übt sich schließlich in ungewohnter Reduktion, nur um die Regler doch wieder hochzufahren und einen Streicher-gestützten Schlussakt im Geiste der frühen Arcade Fire zu zelebrieren – und damit ein "sense of wonder" zu vermitteln, wie es im Buche steht. The Temper Trap beweisen, dass sich die Neugier auch nach dem Erwachsenwerden bewahren lässt.


 


 




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