Frankie Cosmos - Vessel



















Dem Output von Greta Kline ist kaum beizukommen. Unter diversen Namen (Ingrid Superstar, Greta, Ingrid, Little Bear, The Ingrates, Zebu Fur) veröffentlicht sie seit Jahren über ihre Bandcamp-Seite Massen an Songs zwischen Anti-Folk und Indierock. Aktuell präferiert sie den Namen Frankie Cosmos unter dem bereits zwei Alben, „Zentropy“ (2014) und „Next Thing“ (2016), erschienen sind. Der Erfolg gibt ihr Recht, denn „Vessel“ ist einerseits über Sub Pop erschienen, wurde prompt zum Album des Monats im Musikexpress gekürt (siehe unten) und weist bei Metacritic einen Durchschnittswert von 82/100 Punkten auf.

„Vessel“ wurde gemeinsam mit Hunter Davidsohn bewusst nahezu live aufgenommen, was den Lo-Fi Charakter vieler Songs erklärt. Den meisten Liedern haftet auch etwas skizzenhaftes an, denn mehr als die Hälfte der insgesamt 18 Titel bleibt unter der 100-Sekunden-Marke. Aktuell bevorzugt Greta Kline das Kollektiv einer festen Band, in der momentan Luke Pyenson (Schlagzeug), Alex Bailey (Bass, Gesang) und Lauren Martin (Keyboards, Gitarre, Gesang) stehen, auch das Label ist gut gewählt, da hier vieles nach dem Alternative Rock der 90er Jahre klingt.

Greta Kline ist die Tochter des Schauspielers Kevin Kline und spielte zwischenzeitlich bei Porches, der Band ihres Ex-Freundes Aaron Maine, Bass. Dieser war unter dem Pseudonym Ronnie Mystery auch auf früheren Veröffentlichungen von Frankie Cosmos zu hören. Es dürfte also am Ende des Jahres spannend werden, wer weiter oben im Ranking von Platten vor Gericht landen wird: „Vessel“ von Frankie Cosmos oder „The House“ von Porches?




Ja, niedlich sind die 18 Songs auf VESSEL, dem dritten Album von Frankie Cosmos. Sehr niedlich sogar, diese kurzen, gern kaum eine Minute langen Lieder. Wegen der kaum verzerrten Gitarren, die einen etwas größeren Raum einnehmen als auf den beiden früheren Alben, aber immer noch wie nebenbei hingehuscht wirken. Wegen der von den Beach Boys entwendeten Harmonien, der von den Beatles geklauten Melodien und der von Jonathan Richman entlehnten Haltung. Wegen des demonstrativ knuddeligen, aber doch nie penetranten Dilettantismus. Wegen der schiefen Töne und verschobenen Harmonien. Wegen der guten Laune und wegen der zarten Melancholie, mit der diese gute Laune immer wieder gebrochen wird. Wegen der naiven Früher-war-alles-irgendwie-besser-Attitüde und wegen der sommersonnigen Unbe­darft­heit, die wohl nie zuvor eine Band aus New York so kalifornisch hingetupft hat. Das alles wirkt schwerelos, unangestrengt, lässig, nachgerade unaufwendig und fragmentarisch, ja, wäre man böse, vielleicht sogar hingepfuscht. Aber natürlich ist das Einfache niemals so einfach, wie es scheint. Und natürlich wissen diese Songs und ihre Urheber ziemlich genau, was sie da scheinbar mühelos aus dem Ärmel schütteln.
(musikexpress)




Frankie Cosmos in Deutschland:

22.05.18 Berlin, Kantine am Berghain
23.05.18 Hamburg, Aalhaus

Kommentare:

Volker hat gesagt…

Ich mag LoFi nicht. Noch weniger mag ich es, wenn Lieder, gerade wenn sie mal in einen Flow reinkommen, schon wieder zu Ende sind. Wenn Lieder also zu Skizzen werden.
Die Platte ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, warum dieser Hipster Musikexpress (dort Platte des Monats) nichts mehr für mich ist.

5

Olly Golightly hat gesagt…

Porches "gewinnt" bei mir mit 0,5 Punkten Vorsprung.

5 Punkte für Frankie Cosmos.

Dirk hat gesagt…

Mir hätte es auch besser gefallen, wenn hier weniger Songs wären, dafür nicht so fragmentarisch / skizzenhaft / dahin geschrammelt.
6 Punkte