Antje Schomaker - Von Helden und Halunken



















PVG: Bei unserer monatlichen Wahl in der Kategorie „10 Schallplatten, die…“ hast du kürzlich Antje Schomaker ins Gespräch gebracht und für sie votiert. Hat sich die Anschaffung von „Von Helden und Halunken“ gelohnt?

Volker: Zu einer Anschaffung ist es  noch nicht gekommen, vielleicht demnächst, wenn auch das grandiose Max Prosa Album endlich auf Vinyl kommt. Vielleicht aber auch nicht, richtig überzeugt bin ich noch nicht.

PVG: Die Singer/Songwriterin wurde von ihrem Major Label bei Facebook entdeckt. Wie bist du auf die Wahl-Hamburgerin aufmerksam geworden?

Volker: Sie haben das gehört, dann könnte Ihnen auch das gefallen....

PVG: Textlich muss ich bei „Von Helden und Halunken“ tatsächlich das ein oder andere Mal an Wir sind Helden denken. Judith Holofernes in weniger gut, oder?

Volker: Judith höre ich tatsächlich eher beim neuen Album von Dorit Jakobs. Das ist mir hier von Intonation und Stimme doch eher weiter weg.

PVG: Und musikalisch… wie soll ich es ausdrücken… schlagen eher die Halunken durch, denn bei Coldplay-, Enno Bunger-, Bosse- oder Wir sind Helden-Balladen wurde sich reichlich bedient, oder?

Volker: Was ja tatsächlich kein schlechter Selbstbedienungsladen wäre.

PVG: Wenn du einen Song aus „Von Helden und Halunken“ für ein Mixtape auswählen solltest, welcher wäre es und zwischen welchen Liedern würde er sich befinden?

Volker: Den Titelsong, zwischen "Schwarzer Fleck" von Mia Aegerter und "Erinnerungen" von Max Prosa.

PVG: Eine Prognose: Am Ende des Jahres wirst du der Held sein, der Antje Schomaker am meisten Punkte gegeben haben wird, und wir anderen sind dann die Halunken. Gib doch bitte einmal eine Vermutung über die Höhe unserer vier Bewertungen ab!

Volker: Da ich selbst wahrscheinlich nicht über 7 Punkte hinaus komme (wobei das Album ab dem Titelsong deutlich stärker wird), rechne ich mal mit Oliver: 6 , Dirk: 5, Ingo: 4,5.




Mit ihrem Debüt Von Helden und Halunken will sie ihre Helden nicht hinrichten. Sie will ihnen das Wasser reichen, auch wenn es abgestanden sein mag. "Das Leben ist kein Tomte-Song, vergiss die Poesie", behauptet Schomaker – um danach exakt das Studentenfutter zu liefern, das ihre Vorbilder berühmt gemacht hat.
Flockiger Gitarrenpop ist das, der sich ohne Umweg dem nächstbesten euphorischen Refrain in die Arme wirft. In dem dann zuverlässig Herzen schmerzen, schlagen, gestohlen werden oder brechen. Schomaker "tanzt auf den Tischen" und ertränkt sich in Gläsern, "’n bisschen Kamikaze", aber auch nicht zu viel: "Wir suchen ein Gefühl und besitzen’s auf Kredit". Widerständig ist diese Musik nur insofern, als sie auf die Vorgaben der diskursiven Geschmackspolizei pfeift. Hier wird nicht vorschriftsmäßig an der Zeit gelitten. Es wird nur gewünscht, dass sie manchmal kurz anhalten möge: "Mein Herz braucht eine Pause". Das klingt brav und angepasst und ist es vermutlich auch. Zugleich ist dieses Leiden an der Uneigentlichkeit, diese ausgestellte Empfindsamkeit, dieses störrische Beharren auf ein wenig Pathos aber auch anrührend.
(Zeit)




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