Sam Vance-Law - Homotopia

 






















Debüts mit grün-gelbem Cover (I)

An dem Veröffentlichungsfreitag surfe ich gerne in der Rubrik "Neuheiten" meines Musikstreaming-Anbieters. Meine Reaktionen auf die Neuigkeiten lassen sich grob in fünf Kategorien einteilen:

  • Ach, X gibt es noch?
  • Och nö, nicht schon wieder was von X!
  • Ui, endlich mal wieder was von X!
  • Kenne ich nicht, allein der Name / das Cover schreckt mich schon ab.
  • Um Gottes Willen, noch irgendein deutsche Rap- / Hip Hop-Clown mit oder ohne Maske.
  • Oh, das könnte interessant sein.

Den Albumtitel "Homotopia" fand ich auf Anhieb smart, das Cover ließ mich gewarnt sein vor allzu  klischeehafter, fröhlicher Disco-Musik. Genau dieser Befürchtung tritt Sam Vance-Law auf seiner Website mit diesen Äußerungen entgegen:
“I’d been frustrated by a few things, particularly the queer / gay music I’d been hearing,” says Sam Vance-Law about the motivation behind his remarkably forthright debut album, HOMOTOPIA. “It seemed to focus on two themes: victimhood and pride. Thematically and musically, that seemed relatively impoverished, and the gay rights movement was moving quickly. Who cottages anymore? Who comes out in middle age? You can watch Paris is Burning and see a whole way of life that simply doesn’t exist anymore. I wanted to capture, through various narratives, some of the gay experience, as it is now, without judgement – so far as I was able – and, perhaps, controversially enough to engender interest in those narratives and ways of being.”

Vance-Law lebt in Berlin. Sicherlich sind bei weitem nicht alle Teile des Landes oder gar der Welt bei diesem geschilderten Reifegrad angekommen. Trotzdem ist es sehr schön, solche Worte zu hören. Und genau diese Stimmung transportiert der Kanadier mit seinem Debüt "Homotopia". Wegen des Wohlklangs und vieler stimmungsvoller Momente fühlte ich mich während der Durchläufe immer wieder an Noah And The Whales "The first day of spring" erinnert. Vance-Laws auf "Homotopia" konservierte Geschichten sollte man sich aufmerksam anhören. Tatsächlich könnte man solche in ein paar Jahren nicht mehr glauben wollen.

Mit klassischer Musik groß geworden, agiert Vance-Law musikalisch souverän und virtuos. Trotzdem klingt das alles ebenso unbeschwert wie sein Gesang. Selbst orchestrale Passagen erscheinen luftig leicht. Konstantin Gropper als Produzent hat seine Hände im Spiel gehabt. Die Parallelen zu dem einen oder anderen Get Well Soon-Titel sind daher kein Zufall. Neben den ansteckend gut gelaunten Melodien überzeugt vor allem Vance-Laws Stimme.

Die Liste der guten Titel ist lang: "Prerryboy" und "Faggot" sind meine Favoriten, "Narcissus 2.0", "Gayby" und "I think we should take it fast" sind ebenfalls stark. "Homotopia" ist ein sehr starkes Album.

Das Cover basiert auf einem Bild des deutschen Malers Norbert Bisky und ich nehme es als Anlass für eine kleine Reihe von "Debüts mit grün-gelbem Cover".

Das Video zu "Prettyboy":


"I think we should take it fast":



Live wird Sam Vance-Law zuerst auf einigen Festivals vertreten sein, bevor er im Oktober seine eigene Tour durchführt:
  • 27.04. Erlangen - Unter einem Dach Festival
  • 17.06. Mannheim - Maifeld Derby
  • 31.08. Köln- C/O Pop
  • 29.09. Dortmund - Way Back When Festival
  • 22.10. Leipzig
  • 23.10. München
  • 26.10. Berlin
  • 27.10. Hamburg
Laut.de:
 "Homotopia" pendelt zwischen Tragik, Drama, Lustspiel und Komödie. Ihr Hauptprotagonist Sam Vance-Law steht nicht nur wegen seines Gesangs im Scheinwerferlicht, sondern auch wegen seiner Geschichten und Erlebnisse, die ihn vor allem nach seinem Outing begleiten.

Aber auch musikalisch bleibt das Debüt sofort im Gedächtnis. Das Orchester-Arrangement aus Bläsern und Streichern, die Ukulele- und Pianobegleitung und immer wieder große Pop-Gesten, machen diese zehn Songs zu etwas ganz Besonderem. Der geschulte Gesang von Sam kommt gleich zu Beginn, in "Wanted To", zur Geltung und trägt auch in den weiteren Stücken zur harmonischen Stimmung bei.

1 Kommentar:

Olly Golightly hat gesagt…

Tolle Melange aus Magnetic Fields, Irrepressibles und Maximo Park.

7,5 Punkte