Klangstof - Close Eyes To Exit


















Wenn die Eltern aus den Niederlanden in die norwegische Einöde ziehen und „OK Computer“ dort für einen einsamen Teenager zum besten Freund wird, dann ist die musikalische Sozialisation größtenteils abgeschlossen. So geschehen bei Koen Van De Wardt.

Das Kompositum Klangstof setzt sich aus dem norwegischen Begriff für „Echo“ und dem holländischen Wort für „Staub“ zusammen. Beim Sound des Debütalbums versuchen Koen, Jobo, Wannes und Jun durch Verbindung bekannter Versatzstücke aus verträumtem Soft-Rock, spacigem Elektro-Pop und beklemmendem Post-Rock Neues zu erschaffen. Neben Radiohead („Sleazes“, „Amansworld“, „We Are Your Receiver“) und Alt-J („Close Eyes To Exit“, „Seasons“, „Ignore Me“), dürfen auch Coldplay („The Butcher“, „Telephone“) als prägende Einflüsse genannt werden. 

Für die Aufnahme-Sessions von „Close Eyes To Exit“ wurde die triste Isolation von Bunkern aus dem Zweiten Weltkrieg und verlassenen Fabrikhallen gewählt. Auf optimistische und fröhliche Klänge darf man also hier nicht hoffen.  




Pluckernde Beats, sphärische Synthie-Flächen, verschleppte Drums und eine ganze Menge verspielte und darin äußerst interessante Loops illustrieren van de Wardts eindringlichen Gesang; und es ist eine Wonne, seinen elf Stücken Idee für Idee zu folgen. Vom postrockigen Opener »Doolhof« wird man unmittelbar in den unwiderstehlichen Synthie-Pop von »Sleaze« gezogen; das wehmütige »Hostage« und »Seasons« sind zwingende Hits. Und auch wenn »Close Eyes To Exit« gegen Ende etwas die Luft ausgeht, hat man bis dahin einige wahrhaft magische Popmomente genossen.
(intro)




Koen Van De Wardt erschafft auf seinem ersten Album wunderschöne Klangwelten, die nachwirken. Dabei gelingt es ihm, die Songs enorm abwechslungsreich zu gestalten und sich nicht auf einem bestimmten Fundament auszuruhen. Natürlich schimmern dann und wann neben anderen Bands auch mal Radiohead durch. Und dennoch trägt „Close Eyes To Exit“ in erster Linie die Handschrift von Klangstof.
Es sind besondere Passagen wie der kurze Ausbruch im fabelhaften „Hostage“, die fröhliche Ausgelassenheit in „Amansworld“ oder der Post-Rock-Abschluss in „Island“, die immer wieder für Aha-Momente sorgen und das Interesse am Album hoch halten.
(éclat)

1 Kommentar:

Dirk hat gesagt…

Von mir gibt es 6,5 Punkte.