Seven Mary Three - Day & Nightdriving



Und wenn wir schon bei Dingen sind, die hier ausser mir eh keiner hört, direkt noch einer nachgeschoben, Seven Mary Three mit "Day & Nightdriving". Damals in den mittleren 90ern im Fahrwasser des Grunge aufgetaucht und immer als eine Art "Pearl Jam Light" verspottet, sah ich sie immer eher - wenn man diesen Vergleich schon heranziehen muß - als "Pearl Jam mit Melodien". So war damals das Debut "American Standard" für mich ein Monument des Alternativ Rock. Es folgten einige Alben, "Rock Crown" etwas experimenteller, "Orange Avenue" mit der Hinwendung zum Pop wären da als noch wirklich gelungene Werke zu nennen, zu verleugnen ist aber auch nicht, dass seitdem von Album zu Album ein kontinuierlicher Absturz stattfand, der zuletzt im ganz und gar fürchterlichen "Dis/Location" sein vorläufiges Ende fand. Das alles hatte ich mir noch angetan, doch spätestens da hatte ich genug.

So stieß ich dann auch eher zufällig auf "Day & Nightdriving" über einen der viel gehassten "Wenn ihnen dieses Album gefällt"-Links bei Amazon. Und wie ich so bin, eine treue Seele halt, ging ich das Risiko eines weiteren Versuchs ein, zugegebenermaßen auf Grund einer dort gelesenen Kritik und auf Grund - Shame on me - des Cover-Artworks. Und was ein Glück, dass ich durch solche Kleinigkeit zu beeindrucken bin, wäre mir sonst vielleicht DAS Comeback der letzten Jahre entgangen. Es scheint als seien "Seven Mary Three" nach endlosen Jahren der Irrungen und Wirrungen endlich wieder bei sich selbst angekommen und haben alle ihre Vorzüge der ersten drei Alben gemischt. Auffällig hierbei, dass sich die Platte - ähnlich wie das neue Counting Crows-Album "Saturday Nights & Sunday Mornings" - in zwei Hälften gliedert. Die etwas "rockigere" aber verteufelt eingängige erste (Day) und die völlig reduzierte melancholisch balladeske zweite (Night) Hälfte. Ob das Ganze so von der Band intendiert war, sei mal dahingestellt, augenscheinlich ist es allemal. Einzelne Songs des Albums möchte ich gar nicht hervorheben (ihr werdet sie ja wahrscheinlich eh nie hören ;-) ), umfasst das Werk mit seinen 12 Tracks doch nicht einen Ausfall, ich möchte behaupten nicht mal einen durchschnittlichen Song. Das alles spielt sich natürlich auf einer vollkommen andren Ebene ab als meine andren bisherigen Favoriten des laufenden Jahres z.B. Portishead. Hier ist natürlich nicht experimentell, hier sind keine Brüche oder spannende Überraschungen, ja böse Zungen werden wahrscheinlich "Pfui College-Rock rufen", aber auch das wird an der Größe jedes einzelnen Songs nichts ändern.




„Last Kiss (live)“ Video

Kommentare:

Dirk hat gesagt…

...ihr werdet sie ja wahrscheinlich eh nie hören...

Müsstest dich halt mal aktiv am Plattenclub beteiligen!

Ingo hat gesagt…

Liefe die Musik hier im Radio, fände ich sie richtig toll. So höre ich aber kein Radio und auf CD kenne ich spannendere Sachen. 6,5 Punkte

Volker hat gesagt…

spannenderes gibt es einiges, das will ich gar nicht bestreiten, aber Weniges, das mich dieses Jahr mehr berührt hat.

9 Punkte

Dirk hat gesagt…

So etwas muss man sonst vermutlich nur hören, wenn man in den USA das College-Radio einschaltet.
Bei der Wahl zwischen Sieben, Marie und Drei greife ich zum Letzteren:

3 Punkte