Grace Cummings - Bloodhorse!


Auch aus Australien. Auch Schauspielerin, aber Theater, nicht Seifenoper. Musikalisch ist Grace Cummings jedoch etwas weiter von Natalie Imbruglia und ihrem gestern vorgestellten „Algorithm“ entfernt, denn ihre Vorbilder heißen nicht Kylie Minogue, Robyn oder Madonna, sondern Townes Van Zandt, Bob Dylan und Lucinda Williams.

Grace Cummings hat mittlerweile vier Alben veröffentlicht und „Bloodhorse!“ erreichte - anders als seine Vorgänger „Refuge Cove“ (2019), „Storm Queen“ (2022) und „Ramona“ (2024) - die australischen Charts. Platz 24 stand für die 33-jährige Künstlerin mit der ungewöhnlichen Stimme zu Buche. 

Auf „Bloodhorse!“ behandelt sie persönliche Themen wie Kontrollverlust, Entfremdung, Angst, Schmerz und Selbstakzeptanz und entfernt sich dafür von ihren ursprünglichen, reinen Alt-Folk-Anfängen. Mit dem US-Produzenten Jonathan Wilson (Angel Olsen, Father John Misty) schuf sie einen deutlich opulenteren, dramatischeren und teils experimentelleren Sound und verbindet orchestrale Arrangements (Bläser, Streicher, Pauken) mit rauen Rock-Elementen, Vintage-Synthesizern und ihrem kraftvollen und vor allem theatralischen Gesang.

„Bloodhorse!“ ist als CD und LP (black Vinyl, red Vinyl, blue morphine Vinyl) erhältlich.

Grace Cummings wird im November für drei Konzerte nach Deutschland kommen:
20.11.26 Offenbach, Hafen 2
23.11.26 Hamburg, Nachtasyl
24.11.26 Berlin, Neue Zukunft


Sie befüllt jeden Track mit raumergreifendem Glitzer, ihre Stimme ist in der Lage, 37 verschiedene Emotionen auszudrücken. Sie türmt Bergmassive aus Pathos auf, nur um wieder herunterzuspringen. In „Fake“ etwa schleicht sie aus dem orchestralen Track mit einem einer defekten Klimamanlage gleichenden Synth-Brummen heraus. „Witch! Witch! Witch“ indes birgt großes Sixties-Theater, ein Soul-Rock-Track, der an die legendäre P.P. Arnold erinnert.

Man staunt darüber, wie die streicherreichen Arrangements einen in immer wieder andere Richtungen tragen. Cummings wird oft mit Neo-Folk-Musikerinnen wie Aldous Harding verglichen, in Wahrheit jedoch folgt ihre Opulenz und Abenteuerlust vielmehr den beiden WANT-Alben von Rufus Wainwright. BLOODHORSE! ist ein prunkvolles, ein luxuriöses Album mit zig Facetten. Es zu entdecken, macht Spaß.


 


 


In der von Fuzzgitarren aufgescheuchten Ballade „My Island And Me“ blickt Grace Cummings so lange ins Meer, bis das Meer auch in sie hineinblickt. In „My God“ beklagt sie seufzend zu einem aufgeregten Groove, dass Gott sich in einen eifersüchtigen Widerling verwandelt hat. Und der Song „The Hills Are Alive With The Sound Of Morphine“, der das Album eröffnet, hält, was er verspricht, und ist ein halluzinierend-orchestrales Pop-Kunstwerk, dekoriert mit Flöten, Posaunenchor, Chor und Streichern.

Die Australierin mit der einzigartigen Stimme erweist sich auf „Bloodhorse!“ als Seelenverwandte von Angel Olsen und Aldous Harding. Sie liebt Opulenz, Pathos, üppig arrangierte Klavierballaden, psychedelische Einfärbungen und surreale Szenarien, in denen sie – wie in dem mit einem wilden Saxofon endenden „Witch! Witch! Witch!“ – das Leben nicht so, wie es ist, in Szene setzt, sondern so, wie es sich anfühlt.


 




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