Egal, ob man es jetzt Beatlesque oder Beach Boys-y nennen möchte, die Stoßrichtung ist klar: Michael und Brian D’Addario widmen sich auch auf ihrem sechsten Album als The Lemon Twigs ihrem Faible für 60ies Psychedelic-Pop. Die Brüder haben „Look For Your Mind!“ in schöner Tradition selbst produziert und übernehmen den Lead Gesang auf den 14 Songs abwechselnd. Neben Bass, zahlreichen Gitarren, Piano, Orgel, Synthesizer, Glöckchen und Percussion spielt das Duo auch Cembalo, Marimba und Tanpura selbst ein.
Das 16-Spur-Tonband in ihrem Studio in Brooklyn bot aber wohl noch Raum für ihre Tourmusiker Danny Ayala (Bass) und Reza Matin (Schlagzeug) sowie Eva Chambers (Bass) von der Band Tchotchke, die auch alle Harmoniegesang beisteuerten. Weitere Gastmusiker*innen steuerten für „2 0r 3“, „Gather Round“ und „Your True Enemy“ Flöte, Trompete, Geige, Bratsche, Cello, Klarinette, Oboe, Euphonium, Flügel- und Waldhorn bei.
„Look For Your Mind!“ steht aktuell bei Metacritic bei einem Metascore von 84/100 Punkten und ist als CD, Kassette und LP (black Vinyl, orange Vinyl) erhältlich.
Das Highlight unter den Highlights ist derweil "Bring you down". Der Song wirkt wie eine gelungene Schnittmenge aus Beach-Boys-Harmonie und Elvis-Costello-Drive, lyrisch clever gebrochen durch konsequente Sixties-Motive wie den "Boss Man" und die vergeblich ersehnte Gehaltserhöhung fürs Hochzeitskleid des "Baby". Trotz des latent frustigen Inhalts bleibt die Nummer durch ihre groovigen Vocals sehr tanzbar. Was man heute vielleicht als Ton-Bild-Schere bezeichnen würde, war damals gängige Praxis – und wirkt rückblickend umso charmanter. Aber auch jenseits solcher Einordnungen bleibt es schlicht: ein verdammter Banger. Im Wissen um die Stärke der eigenen Upbeat-Titel sind Balladen auf diesem Album deutlich seltener zu hören, wovon "Joy" die mit Abstand am besten gelungene darstellt. Auch ohne Literaturstudium wird die Intention, dass die personifizierte "Joy" sich aus dem Leben des Protagonisten verabschiedet hat, schnell deutlich und funktioniert trotz oder gerade wegen des einfachen Sprachbilds emotional sehr gut. Damit steht es geradezu sinnbildlich für "Look for your mind!" als Gesamtwerk – vordergründig simpel, dabei aber ohne Umschweife eingängig und bei genauerer Betrachtung sogar im Konzert der ganz, ganz Großen.

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