Die Geschichte von Dinosaur Jr. in fünf Videos erzählt:
1. „Little Fury Things“ (1987)
„Little Fury Things" ist der Eröffnungstrack des im Sommer 1987 erschienenen Albums „You're Living All Over Me“. Als das zweite Album des Trios in die Plattenläden kam, prangte auf dem Cover und der Vinyl-Pressung noch schlicht der ursprüngliche Bandname Dinosaur. Doch kurz nach der Veröffentlichung schaltete sich eine San-Francisco-Hippie-Supergroup namens Dinosaurs (bestehend aus Musikern von Grateful Dead, Jefferson Airplane und Country Joe and the Fish) ein. Sie drohten der jungen Underground-Band unverzüglich mit einer millionenschweren Urheberrechtsklage.
Da die Band kein Geld für Anwälte hatte, musste das Label SST Records die Platten zurückrufen und das Re-Pressing stoppen. Um dem Rechtsstreit auszuweichen, hängten Mascis und Barlow schlicht ein „Jr." an den Namen an. Die nachfolgenden Pressungen des Albums wurden mit dem neuen Namen bedruckt.
2. „Freak Scene“ (1988)
„Freak Scene“ ist der bekannteste Song der Band beförderte sie schlagartig aus dem Underground ins Rampenlicht und brachte ihnen Major-Label-Angebote ein. Er befindet sich auf dem Album „Bug“, das von Fans und Kritikern als Meisterwerk gefeiert wird. Jedoch empfindet J Mascis bis heute tiefen Hass für diese Platte. Grund dafür war nicht die Musik, sondern die menschliche Hölle im Studio: Die Spannungen zwischen J Mascis und Bassist Lou Barlow hatten ihren absoluten Tiefpunkt erreicht. Anstatt miteinander zu sprechen, kommunizierten die beiden gar nicht mehr oder brüllten sich an. Mascis erzählte später in Interviews oft, dass er beim Einspielen der Gitarren nur physischen und mentalen Schmerz empfand. Wenn Journalisten ihn heute auf „Bug“ ansprechen, reagiert er meist nur mit einem Stöhnen oder Augenrollen.
3. „Just Like Heaven“ (1989)
Im Jahr 1989 steuerten Dinosaur Jr. ein Cover für eine Flexi-Disc-Beilage des britischen Musikmagazins Melody Makerbei. Mascis wählte den Song "Just Like Heaven" von The Cure – ein Pop-Meisterwerk, das erst zwei Jahre zuvor erschienen war. Anstatt den Song getreu zu kopieren, jagte die Band das Stück durch ihren eigenen Fleischwolf: dröhnende Fuzz-Gitarren, J Mascis’ melancholischer Nuschelgesang und ein völlig entfesseltes Drumming. Der The Cure-Chef Robert Smith war absolut hin und weg. Smith verkündete in Interviews öffentlich seine Bewunderung für die Version und sagte wörtlich: "J Mascis hat das Schlagzeug in meinem Song zum ersten Mal richtig verstanden. Ihre Version ist ungelogen besser als unser Original."
4. „Feel The Pain“ (1994)
„Feel The Pain“ erschienen 1994 auf dem Album „Without A Sound“, war der größte kommerzielle Erfolg für Dinosaur Jr. (Platz 62 in den US Charts) und entwickelte sich zu einem Dauerbrenner auf MTV. Zu diesem Zeitpunkt war Bassist Lou Barlow längst ausgestiegen, und die Band funktionierte im Grunde als J Mascis' Soloprojekt auf einem Major-Label. Für das Musikvideo heuerte das Label den damals aufstrebenden Kult-Regisseur Spike Jonze an. Dieser hatte die schräge Idee, J Mascis und den neuen Bassisten Mike Johnson als zwei völlig fehl am Platz wirkende Golfer durch die dichten Straßen von New York City ziehen zu lassen – mit einem umgebauten Golf-Cart mitten im Berufsverkehr. Während des Drehs schlug J Mascis eine Reihe echter Golfbälle quer durch die belebten Straßen - und traf aus Versehen einen echten Passanten mit voller Wucht am Kopf. Für diesen wurde der Songtitel also Wirklichkeit.
5. „Several Got Away“ (2026)
Sie machen immer noch Musik und natürlich gibt es mit „There Near“ auch ein neues Studioalbum von Dinosaur Jr.! Für die Aufnahmen des dreizehnten Albums wollte J Mascis weg vom glattpolierten Studiosound der späteren Jahre. Auf der Suche nach Inspiration durchwühlte er sein legendäres Equipment-Archiv im eigenen Studio in Massachusetts und zog einen uralten, Staub ansetzenden Mesa Boogie MK 1-Verstärker heraus – exakt das Modell, das er in den späten 80ern bei den Aufnahmen zu „You're Living All Over Me“ genutzt hatte.
Mascis stöpselte seinen Big Muff Fuzz direkt in diesen restaurierten Oldtimer-Amp. Das Resultat: Der Sound klingt wieder spürbar schmutziger, gefährlicher und näher am ungeschliffenen Noise-Gewitter ihrer Anfangstage.
(…) Tatsächlich sucht er auf THERE NEAR noch nicht einmal in den Verästelungen des Sounds nach Neuerungen, stattdessen arbeitet Mascis mit Unterstützung von Bassist Lou Barlow und Schlagzeuger Murph an der Idee Dinosaur Jr. wie ein Zen-Meister am Abgang ins Nirwana (Anspielung ist Absicht!). Dabei entstehen eher langsame Dinosaur-Jr.-Songs und eher schnellere Dinosaur-Jr.-Songs, und es gibt mit „Blowin‘ Up“ den eher folkrockenden Song, mit dem Barlow daran erinnern darf, dass er mit Sebadoh und Folk Implosion selbst Indie-Geschichte geschrieben hat.Es gibt grandiose Gitarrenwände und wundervoll pelzigen Lärm, es gibt immer wieder ein klasse kreischendes Gitarrensolo und natürlich Mascis‘ leicht jammernden Gesang, den eh nichts erschüttern kann. (…)Denn Dinosaur Jr. klingen halt, wie sie klingen: also grandios und mächtig und sensibel und sentimental und gewaltig und melancholisch, widersprüchlich und zugleich in sich ruhend – und vor allem wie niemand anderes auf diesem Planeten.

0 Comments:
Kommentar veröffentlichen