Ende August besuchten wir erstmals das Golden Leaves Festival. Von den unbekannteren Künstler*innen und Bands haben mich besonders die englische Singer/Songwriterin Sophie Morgan Howarth, die im letzten Jahr - unbemerkt von mir - ihr Debütalbum “Vicious Delicious“ unter dem Namen Luvcat veröffentlicht hat, sowie die irische Band Girl In The Year Above, die noch ohne Tonträger-Release sind, beeindruckt.
Da hatten Soft Loft direkt nach dem fulminanten Auftritt von Girl In The Year Above einen etwas schweren Stand.
Das in Zürich ansässige Quintett besteht aus der Sängerin Jorina Stamm, dem Schlagzeuger Lukas Kuprecht, dem Bassisten Marius Meier, der Keyboarderin Sarina Schmid und dem Gitarristen Simon Boss. 2024 brachten sie ihr Debütalbum „The Party And The Mess“ heraus und letztes Jahr folgte die 6-Lieder-EP „Modern Roses“. Auf dem Festival kündigte die Band bereits für diesen September ihr zweites Album an.
„Throw The Dice“ (orange Vinyl) ist mittlerweile erschienen und mit seinen 9 Songs in knapp 27 Minuten ziemlich kurz geraten - vielleicht hätten die Schweizer Lieder wie das schöne „Leave The Light On“ nicht zwischendurch auf einer EP herausbringen sollen. Der Bandname verleitet dazu, die Musik von Soft Loft als Soft Rock zu bezeichnen, daher sprechen wir lieber über eingängigen Folkpop („F U Want It“) oder entspannt groovenden Indiepop („Gravity’s Pull“, Wednesdays“). Dazu gesellt sich akustisch gehaltener, melancholischer Folk („Wrists That Won’t Be Mine“). Bereits live konnten die Songs am meisten überzeugen, bei denen das Quartett dann doch einmal ins Rocken kam („Caught“).
„Throw The Dice“ ist deshalb keine Platte der großen Ausschläge, sondern eines der feinen Bewegungen. Es muss nicht ständig irgendwo ankommen. Stattdessen bleibt es in Bewegung – mal mit leichtem Fuß, mal etwas unter dem Radar, aber immer getragen von einem Rhythmus, der die neun Songs miteinander verbindet.Und genau darin liegt seine Stärke: Soft Loft versuchen nicht, jeden Moment größer zu machen, als er ist. Sie lassen ihren Songs Raum, sich zu entwickeln, und finden dabei einen eigenen Flow, der sich wie ein roter Faden durch das Album zieht.
Der Würfelwurf im Titel verweist auf die Chancen, die einem der Zufall vor die Füße fallen lässt – und die man oft genug nicht ergreift. Sängerin und Texterin Jorina Stamm rät, das zu ändern, auch wenn die Chancen noch so klein sind: „What Are The Odds“ heißt ein Song, manchmal passiert eben doch das Unwahrscheinliche.Die Band begleitet die Das-Glas-ist-halbvoll-Texte mit einem Sound, der aktuell seine 1001. Renaissance erlebt: Indie, weil verträumt und immer ein wenig um die Ecke gedacht; Pop, weil voller Melodien und einem Sinn für ordentlich arrangierte Refrains. Bei Songs wie „Caught“ klingen Soft Loft wie eine junge und weibliche Version von The National, „Told“ ist eine schöner Folksong, auf dem Soft Loft auf den watteweichen Bandsound verzichten.

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