Irgendwann ist auch einmal genug, haben sich die Mitglieder von Balthazar nach mehr als einem Jahrzehnt des gemeinsamen Musizierens, za...

Balthazar - Fever


Irgendwann ist auch einmal genug, haben sich die Mitglieder von Balthazar nach mehr als einem Jahrzehnt des gemeinsamen Musizierens, zahlreicher Konzerte und drei erfolgreichen Alben („Applause“, 2010, „Rats“, 2012 und „Thin Walls“, 2015) vielleicht gedacht. So trennten sich vor drei Jahren die Wege der Belgier und gleich drei Bandmitglieder veröffentlichten Soloalben: Neben den beiden Sängern und Hauptsongwritern Maarten Devoldere (unter dem Namen Warhaus ) und Jinte Deprez (als J. Bernardt) wird in diesem Zusammenhang Bassist Simon Casier (Zimmerman) gern unterschlagen.

Neben den Einflüssen aus den Soloprojekten, die mit R’n’B, Jazz oder Blues eher Balthazar untypische Stile erkundeten, prägt auch der im April 2018 verkündete Ausstieg von Patricia Vanneste mit das veränderte Klangbild von „Fever“. Auf Violine, Keyboard und ihren Gesang müssen Fans von Balthazar nun verzichten und dürfen sich auf einen schlichteren, trockenen Sound einstellen, der selten durch Streicherarrangements, wie im orientalisch anmutenden „Roller Coaster“, oder ein Saxophon-Solo („You’re So Real“) aufgehübscht werden. Viel Wert wird auf souligen Chor-/Hintergrundgesang („Fever“, „Changes“, „You’re So Real“) sowie auf Groove und Funk gelegt, so dass man sich auch mal an Beck erinnert fühlen darf („Entertainment“). 


Und Devoldere pfeift uns von Bläsern begleitet auf den Trip ins Blaxploitation-Cinema („Entertainment“). Balthazar legen diese ihre Wege mit der Lust an Melodie, mit einer klaren musikalischen Sprache (ein Paradies für Bassisten) und der Liebe für den Streicherpop der Vergangenheit hin. FEVER ist der perfekte Ort für eine Nachmittagsparty, die Bee-Gees-Fans für ihre Indie-Pop-Freunde ausgerichtet haben.
(musikexpress)




Die Opulenz und fremdartige Eleganz, die die Vorgängeralben zu einem dunklen Hörgenuss machten, tauchen nur noch vereinzelt auf. In "Phone number" ist beides ziemlich präsent. Im tanzbaren, aber langsamen Dreierrhythmus schiebt sich der Song voran wie das letzte auf der Tanzfläche verbliebene Pärchen um 3 Uhr morgens, das zwischen Glückseligkeit und Schwermut hin und her taumelt. "Roller coaster" kreiert mit dem schon vertrauten federnden Bass und orientalischen Skalen in den Streich- und Zupfinstrumenten eine wohlige Mischung aus Vertrautheit und Exotik. Dagegen wirken Songs wie "Changes" oder "Wrong vibrations" trotz eingängiger Melodien eher blass, wobei letzterer mit der Textzeile "Don't let your morality affect your imagination, girl" immerhin noch brauchbare Lebensweisheiten parat hält.
(Plattentests)


Balthazar in Deutschland:

13.02.19 Köln, Live Music Hall
14.02.19 Hamburg, Grünspan
15.02.19 Berlin, Huxley’s Neue Welt
16.02.19 München, Technikum
17.02.19 Frankfurt, Batschkapp



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