Snail Mail - Ricochet


Am gleichen Tag wie das gestern vor Gericht gestellte „Creature Of Habit“ kam auch „Ricochet“ in die Plattenläden. Jedoch fand das neue Album von Lindsey Jordan nicht nur weniger Käufer*innen sondern sammelte auch weniger Punkte bei Metacritic, nämlich insgesamt 74/100. Auch hinsichtlich der Deutschlandkonzerte (eins, am 20.06.26 im Berliner Columbia Theater) und der Vinylveröffentlichungen (vier, Black Vinyl, White Vinyl, Red Vinyl und Gold Vinyl) kann Jordan nicht mit Barnett mithalten. Beim Rolling Stone, der auch schon gestern zitiert wurde, gab es ebenfalls ein halbes Sternchen weniger (dreieinhalb):


„Ricochet“ ist Snail Mails Coming-of-Age-Werk. Die Musik führt die der ersten beiden Alben weiter: Nineties-Alternative-Rock, Emo und ein milder Grunge. Doch der Sound ist nun opulenter – Streicher und große Hallräume öffnen die Kulissen. Die Produktion übernahm unter anderem Mitch Easter, und das ist eine interessante Wahl. Easter produzierte Anfang der Achtziger die ersten Alben von R.E.M. und ist für den Jingle-Jangle-Sound jener Jahre bekannt.
Vielleicht spürt man seinen Stil in den Gitarrenarrangements zum Beispiel von „Butterfly“, einem gleichzeitig aufgekratzten und watteweichen Lied. Beim sanften „Hell“ denkt man wirklich ein bisschen an Easters berühmteste Klienten, der Refrain ist aber Power-Pop wie von Juliana Hatfield. „Nowhere“ verbindet Death Cab For Cutie mit Radiohead zur Zeit von „In Rainbows“. Der größte Moment gehört dem epischen Titelsong, der an die Melancholie der Smashing Pumpkins erinnert. 


Nach „Lush“ (2018) und „Valentine“ (2021) veröffentlicht die 26-jährige US-Amerikanerin auch ihr drittes Album unter dem Namen Snail Mail via Matador Records. Kreative Kraft im Studio war Aron Kobayashi Ritch von der Band Momma, der nicht nur produzierte und arrangierte sondern auch zahlreiche Instrumente einspielte. 

Im Vergleich zu Courtney Barnett wird es von mir mehr Punkte für Snail Mail geben, da gleich vier Songs mit Streichern aufgehübscht wurden und ich ihre Shoegaze- („Tractor Beam“) und 90ies Indierock-Einflüsse („Agony Freak“ lässt an Garbage und „Cruise“ an The Smashing Pumpkins denken) zu schätzen weiß. 


 


 




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