The Wombats - Beautiful People Will Ruin Your Life




















Ach, die Wombats! Früher mal niedliche Indie-Gitarren-Pop-Tierchen, die 2007 bis auf Platz 8 unserer Jahres-Charts geknuddelt wurden („Girls, Boys & Marsupials“ mit 7,667 Punkten), verschwanden sie später, aufgrund zunehmender Verkleinerung des natürlichen Lebensraum (Gitarren!) und Verdrängung durch Neophyten (Bastille, Two Door Cinema Club, Foster The People & Co.) zu Anpassungen (Synthies, stumpfe Elektro-Beats) gezwungen, aus unseren heimischen Top 50-Gefilden. „The Modern Glitch“ (6,833 Punkte, 2011) und „Glitterbug“ (5,900 Punkte, 2015) nahmen einem fast alle Argumente, um für den Erhalt der Wombats zu plädieren. 

Via eines neuen Indie-Labels und über Pledgemusic schufen sich The Wombats aber ein Reservat, um sich ein wenig auf ihren Ursprung besinnen zu können. „Beautiful People Will Ruin Your Life“ lautet das Ergebnis dieser Bemühungen und liefert genügend Argumente (ein Mehr an Gitarren und ein Weniger an Synthesizern), sowie den ein oder anderen gelungenen Song („Lemon To A Knife Fight“, „White Eyes“, „I Don't Know Why I Like You But I Do“ oder auch den Psychedelic-Pop von „Dip You In Honey“) im Gegensatz zu nur wenigen Skip-Kandidaten („Black Flamingo“, „Ice Cream“), um diese drei Wombats von der Liste der bedrohten Tierarten zu streichen. Allein für ihre Idee, ihren Unterstützern über Pledgemusic fünf ihrer Lieblingsschallplatten mit handgeschriebenen Begründungszetteln  für ihre Auswahl zu schicken, möchte man sie fast schon wieder knuddeln. 




Die Akte Britpop war schon zugeklappt. Sie darf jetzt aber mit diesen BEAUTIFUL PEOPLE wieder geöffnet werden.
Ob das nun so ein Retromania-Ding für Mr. Reynolds wäre oder ein Stay-true-to-your-roots-Bekenntnis: Auf beide Lesarten überzeugt das neue Album der Wombats. Kein falscher Song drauf, das macht ihnen so schnell keiner nach. Sänger Murph, frisch verheiratet in L. A., zieht die Fäden zwischen den elf Songs, in denen keine wichtige Zutat des Genres fehlt, von der Aggressivität der Arctic Monkeys bis zur Melancholia des Beatles-Beat. Vor zehn Jahren hätte es einen Punkt mehr gegeben.
(musikexpress)




"Beautiful people will ruin your life" tröpfelt also im steten Schönklang-Modus vor sich hin, klingt mal nach Vampire Weekend, erinnert in den etwas schwächeren Momenten an, erm, Keane und in besonders guten an, erm, The Strokes, deckt aber sonst auch die ganze Palette des Nullerjahre-Sounds ab, ohne rot zu werden. "Ice cream" könnte gegen Ende freilich ein Anwärter fürs frühjährliche Picknick-Tape werden, mit seinen dunklen Akkorden und dem spannungsvollen Aufbau. Und mit "Dip you in honey" auf den Ohren wird noch aus jedem käsigen Schluffi ein strahlender Beach Boy. Eine Leistung, die man "am Ende des Tages" sicherlich nicht hoch genug einschätzen kann. Sweet.
(Plattentests)


The Wombats live:
06.04.18 Jovel (Münster)
07.04.18 E-Werk (Köln)
10.04.18 Neue Theaterfabrik (München)
15.04.18 Astra (Berlin)
16.04.18 Docks (Hamburg)

Kommentare:

Volker hat gesagt…

Schöne Überraschung. Gute Stimme, nicht zu hektisch, halbwegs catchy.

7,5

Olly Golightly hat gesagt…

7 Punke

Ingo hat gesagt…

Schöne Musik ruiniert keine Leben. 7,5 Punkte für ein gutes Album. Ein Hit wäre noch toll gewesen.

Dirk hat gesagt…

Besser als zuletzt. 7 Punkte