Poliça & s t a r g a z e - Music For The Long Emergency



















Poliça: Seit 2011 existiert die aus Minneapolis stammende Band, die bisher drei Alben veröffentlicht hat („Give You the Ghost“ (2012), „Shulamith“ (2013) und „United Crushers“ (2016)) und auf diesen Synth-Pop mit Elementen aus Trip Hop und Indietronica zu verbinden weiß. Der große kommerzielle Erfolg steht noch aus, aber in Justin Vernon, der auch auf dem Song „Tiff“ ihres zweiten Albums zu hören ist, haben sie einen prominenten Fürsprecher: „They’re the best band I’ve ever heard.“

s t a r g a z e: Seit 2013 besteht das vom Berliner Dirigenten André de Ridder und seinem umtriebigen Freund Emanuel Florakis gegründete Ensemble, das sich im Spannungsfeld zwischen zeitgenössischen Pop, Elektro und Klassik bewegt. Die Liste ihrer Zusammenarbeiten und Projekte (Owen Pallett, Loney Dear, The Magnetic North, Nils Frahm, Mouse On Mars, Villagers usw.) ist beeindruckend und würde in ihrer Gänze hier den Rahmen sprengen.

Music For The Long Emergency“: Seitdem sich im Februar 2016 die Wege von Poliça und s t a r g a z e durch das Liquid Music Project kreuzten und man erstmals zusammen musizierte („Bruise Blood: Reimagining Steve Reich's 'Music for Pieces of Wood’“), arbeitete man gemeinsam über einen Zeitraum von 18 Monaten und den Atlantik hinweg an diesem ambitionierten Projekt. Und wie es sich für ein solches gehört, dauert die erste Single, „How Is This Happening“, gleich einmal 10 Minuten. Deutlich kürzer und einprägsamer geht es auf den ersten 5 der 7 Songs zu, bei denen einem durchaus einmal Portishead oder Massive Attack in den Sinn kommen können („Marrow“). An anderer Stelle schwelgen die Streicher („Fake Like“), während einem kurze Zeit später Gitarren und Rap-Einlagen (von Crescent Moon) um die Ohren gehauen werden („Cursed“).




Im Opener »Fake Like« stiehlt sich Channy Leaneagh mit samtener Leichtigkeit Zeile um Zeile ins Ohr des Hörers, bis sie wie eine gute Freundin klingt, die einem ihr Herz ausschüttet. Doch schon in »Marrow« übersteuert die Stimme und wirkt zwischen den Arrangements aus mehreren Schlagzeugen, Streichern und sparsam integrierter Electronica fast schon anklagend. »Cursed« demonstriert die dabei entstehende Intensität mittels Drum-Stakkatos, rasender Celli und verzerrter Spoken-Word-Passagen nachdrücklich, bevor es abrupt endet. »How Is This Happening« und das Titelstück schließen das Album dann als in sich gekehrte, subtil politische Indie-Elegien ab, die zwar düster klingen, aber trotzdem irgendwie Trost in diesen unwirtlichen Zeiten spenden.
(intro)




Eine funktionstüchtige Mischung beider Stärken zeigt „Speaking Of Ghost“. Man hört Elektronik neben gleichberechtigt gedachten kleinorchestralen Arrangements. Es beginnt mit einem mulmigen Hornarrangement, dann kommt Leaneagh, und bald tauchen auch noch fast zackige, repetitive Streicher auf. Unterdessen rhythmisieren darunter die Drums zwar verhaltener und etwas dünner als sonst, aber nachhaltig und schick.
Nur repräsentiert auch dieses Stück das Album nur bedingt, was man am ersten und am längsten der nur sieben Titel festmachen kann. „Fake Like“ klingt wie mittelhübsches Songwritertum, leichter Yachtfunk-Einschlag, sagen wir frühe Judie Tzuke. Das zehnminütige „How Is This Happening“ erinnert in quasisakralem Tonfall an die dunkleren Passagen der beiden letzten Björk-Alben: Es mäandert scheinbar ziellos umher. Man hört erst unbewegt dräuende Schiffshorn-Sounds, dann rhythmisch Knirschendes und Schabendes, wozu die Drums langsam klopfen.
(Rolling Stone)



Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

Bin positiv überrascht.

7 Punkte

Dirk hat gesagt…

Von mir gibt es 6,5 Punkte.