• Morrissey - Low in high school























    “Neulich auf Volkers Couch beim Anhören des neuen Morrissey-Albums”

    Ingo: Kommt Volker noch?
    Dirk: Nein, als großer Fan der italienischen Fußball-Nationalmannschaft trauert er. Er weint leise in sein Kissen. 

    1. My love, I’d do anything for you

    Ingo: Der Name des Titels und der dramatische Beginn… klingt nach Meat Loaf.
    Oliver: Ich lese auch immer Meat Loaf, I Would Do Anything For Love.
    Ingo: Aber der Gesang klingt eindeutig nach Morrissey. Ich habe ihn in den letzten Tagen ja mehr als genug gehört...
    Oliver: Toll wäre mal ein Morrissey Album, das von Jim Steinman produziert wird.
    Ingo: Oh ja, die zwei bescheidenen Herren würden sich bestimmt gut verstehen.
    Dirk: Morrissey übt Falsettgesang, ungewöhnlich.
    Ingo: Bläser, extra für Dich, Dirk?
    Dirk: Ich kann mit dem Opener gut leben. Die Bläser sind tatsächlich stark.
    Ingo: Ja, angenehm rockig. Tolle Gitarren.
    Oliver: Jep, toller Einstieg.
    Ingo: Das Geschrei am Ende klingt wieder nach Meat Loaf.

    2. I wish you lonely

    Ingo: Wünscht uns der Misanthrop, mal so allein zu sein wie er?
    Dirk: Zumindest sind die Beats recht spannend.
    Oliver: Er wünscht zumindest (in seinen Augen) uncoolen Menschen Loneliness.
    Ingo: “Tombs are full of fools who gave their live upon command?” Das hat was.
    Oliver: Kurz und knackig.
    Dirk: Anfangs war ich etwas enttäuschend, der Song wächst aber und könnte ruhig etwas länger dauern.



    3. Jacky’s only happy when she’s up on the stage

    Dirk: “This country is making me sick!” Irgendwo laß ich, dass es um England (Jacky = Union Jack) und den Brexit geht, ob er deshalb jetzt ständig “Exit” wiederholt?
    Ingo: Der Song beginnt sehr gefällig. Und wieder mit Bläsern. “Everbody is running to the exit.” Ich nicht, bislang gefällt mir das Album.
    Oliver: Exit / Brexit. Wieder ein Knaller-Song. So kann das nicht weiter gehen.
    Ingo: Chaotisches Ende. Noch ein Hinweis auf den Brexit?
    Dirk: Auch hier bin ich positiv überrascht und denke, dass der Song nach mehrmaligem Hören noch dazu gewinnt.

    4. Home is a question mark

    Ingo: Der Anfang kündigt einen verhaltenen Song an. 
    Oliver: Den hat er doch bei sich selbst irgendwo geklaut.
    Dirk: Klassisch jammernder Morrissey ohne Gitarrenbrett. Schön. Diese Weihnachtsglöckchen hätten man weglassen können.
    Ingo: Das sind so die Songs von ihm, die es mir leicht machen, ihn nicht so richtig zu mögen.
    Oliver: Ist bei mir genau andersrum :) Drama und Pathos!
    Ingo: Ich habe ganz schön gelitten beim Nachsitzen für den "Revision"-Beitrag.
    Dirk: Die Streicher am Ende sind auch extra für mich, Ingo. Vierter Song, vierter Treffer, jetzt kommt der Hit.
    Ingo: Die gönne ich Dir. ;-)

    5. Spent the day in bed

    Ingo: Der Titel wurde schon vorab veröffentlicht. Den finde ich toll. Macht mal lauter, vielleicht locken wir dann den Pop-Beauftragten Volker auf seine Couch.
    Oliver: Eigentlich der schwächste Song von den ersten fünf.
    Ingo: Oliver, wir kommen da nicht auf einen Nenner. Aber Dir gefällt ja auch… ach, lassen wir das. ;-)
    Dirk: Der Vorgänger hatte keine so gute und eingängige Single.
    Ingo: Der Titel ist schon auf meiner Auswahlliste der Songs 2017. “No bus, no boss, no rain, no train”?
    Dirk: Die “Time, do as I wish”-Bridge ist toll und die “No Bus, No Boss”-Coda noch besser. Wird auch in meinen Singles-Charts auftauchen.
    Oliver: Nicht in meinen.
    Ingo: Zu dem Song gibt es ein Video mit dem Fußballer Joey Barton:


    6. I bury the living

    Ingo: Oh, wir haben mehr als sieben Minuten Song vor uns. Aber in der ersten Minute ist ja schon mal nicht viel passiert.
    Oliver: Das wird live der Song zum Bier holen. Oder wegbringen. Geht Morrissey noch mal auf Tour?
    Ingo: Ja, aber für Deutschland sind bislang keine Termine angekündigt.
    Dirk: Sollen aber kommen… Der Song ist auf jeden Fall sehr experimentell, aber eine Struktur habe ich noch nicht erkannt. Aber kann man zum Ende der ersten, überzeugenden Plattenseite ruhig mal machen.
    Ingo: Offensichtlich geht es um Befehlsgehorsam. Oder wofür auch immer das stehen soll.
    Dirk: Eigentlich habe ich mir vorgenommen bei Morrissey nicht mehr auf Texte und Aussagen zu achten.
    Oliver: Interessante musikalische Wendung ab Minute 5.
    Ingo: Also jetzt so bei 6 Minuten wird es arg speziell. Lacht er uns gegen Ende aus?
    Dirk: Nach “Southpaw Grammar” erst das zweite Album ohne Morrissey auf dem Cover - ich hatte mir daher große Sorgen gemacht, aber die erste Hälfte ist gelungen.

    7. In your lap

    Ingo: Arabischer Frühling?
    Oliver: Jetzt kommen die Songs, die mir beim Lesen der Tracktitel vor ein paar Wochen Angst gemacht haben.
    Dirk: Nicht auf die Texte achten! Nicht auf die Texte achten!
    Ingo: Ohne Texte ist das halt so eine lahme Klavier-Ballade.
    Dirk: Kann ich so unterschreiben. Ein wenig wie “There’s A Place In Hell For Me And My Friends” von “Kill Uncle” und das ist nicht als Kompliment gedacht. Das Stück dauerte aber nur zwei Minuten und nicht viereinhalb!
    Ingo: Das zieht sich gegen Ende ganz schön hin.

    8. The girl from Tel-Aviv who wouldn’t kneel

    Dirk: Was ist das? Tango? Cha-cha-cha?
    Oliver: Ich hätte bei dem Titel ja Klezmer erwartet. Ist aber ein Tango würde ich sagen.
    Dirk: Wo ist Volker, wenn man ihn braucht? Der wüsste das noch aus der Tanzschule!
    Ingo: Auf jeden Fall hätte ich den Song nicht gebraucht.
    Dirk: Kann ich so unterschreiben.
    Ingo: Oliver, Du wolltest ein paar exotische Instrumente, da hast Du sie.
    Oliver: Mir gefällt’s. Kann das jemand unterschreiben? Volker?
    Volker: Wenn’s nach Piazzolla klingt ist es Tango.
    Ingo: “Because the land weeps oil”... ich könnte auch weinen.

    9. All the young people must fall in love

    Ingo: Dirk, handclaps!
    Dirk: Bestimmt extra für mich.
    Ingo: Das ist schon ganz schön schnulzig. “Presidents come, presidents go”, ja, ist halt so.
    Oliver: Bester Song der zweiten Seite bisher.
    Dirk: Wäre aber der schwächste auf der ersten Seite.
    Oliver: Kann ich so unterschreiben.
    Dirk: Sind ja nur B-Seiten auf der B-Seite!

    10. When you open your legs

    Dirk: Schon wieder Tel Aviv? Ist das die Israel-Plattenseite?
    Oliver: Und wieder ein Cha-Cha-Tango.
    Ingo: Und der Refrain soll es rausreißen? Da hat Morrissey so ein paar Restideen in einen Topf geworfen.
    Dirk: Und höre ich da Kastagnetten? Bester Song der zweiten Seite bisher?
    Ingo: Nein, ich hoffe der kommt noch. Sonst wäre die zweite Seite Zeitverschwendung.
    Dirk: Ich gebe später zwei Bewertungen ab.

    11. Who will protect us from the police?

    Dirk: Seit Jahren machen Morrissey und seine Musiker nur Rockmusik und dann diese vier seltsamen Songs hintereinander. Jetzt wird es aber anders.
    Ingo: Bläser meet Electro?
    Oliver: Bester Song der zweiten Seite. Bisher.
    Ingo: Ja, der am wenigsten schlechte Song dieser Seite.
    Dirk: Ungewöhnliche Elektro-Klänge. Auf jeden Fall der beste Song seit über 20 Minuten. “What should I do?” Das hätte er mich mal fragen sollen, bevor er die Trackliste zusammengestellt hat!
    Ingo: Der Teil so nach knapp 3 Minuten gefällt mir. Morrissey hofft auf Gottes Hilfe bei der Kontrolle der Polizei?

    12. Israel

    Ingo: Der Titel startet auch wieder dramatisch. Meat Loaf/Steinman?
    Oliver: Da schließt sich der Kreis.
    Dirk: Die zweite Piano-Ballade der Platte, der dritte Israel-Song.
    Ingo: Damit bleibt “Who will protect us from the police?” der beste Song der zweiten Hälfte.
    Dirk: Mal abwarten, wie sich das noch entwickelt… Ein bisschen Bombast geht doch immer. Siehst du, jetzt kommen schon Marschmusik-Trommeln… Ihr macht euch schon über das Buffet her, das Volkers Frau aufgebaut hat und verpasst dadurch den besten Song der zweiten Seite!
    Ingo: Wir sind nicht so optimistisch wie Du.
    Dirk: Volker findet “Israel” bestimmt so gut wie “Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me” von The Smiths.
    Oliver: Am Ende der zweiten Seite reißt er es zumindest noch mal ein bisschen raus.

    Fazit:

    Oliver: Erste Seite top, zweite Seite flop. Enough said.

    Ingo: Überraschend starke erste Hälfte, erschreckend schwache zweite Hälfte. “Spent the day in bed” ist der beste Morrissey-Song seit… ganz schön lange. Das Album hätte eine sehr gute EP werden können, dafür hätten die starken Titel gereicht.

    Dirk: Warum wartet man nicht noch ein Weilchen, wenn man nicht genug gute Lieder zusammen hat? Wir sind doch immer sehr geduldig mit Morrissey!
    Neulich habe ich so eine Liste mit Bewertungen aller Morrissey-Alben gesehen, “Low In High School” ist zumindest besser als “Southpaw Grammar” und vielleicht vergleichbar mit “World Peace Is None Of Your Business”. 
  • 8 Kommentare:

    Volker hat gesagt…

    Habe erst mal nach dem ersten Lied ausgeschalter, weil es mich irgendwie genervt hat. War wohl nicht in Stimmung. Mittlerweile habe ich das unselige Spiegel-Interview gelesen und frage mich, ob ich überhaupt noch mal in Stimmung komme. Was ein (leider) Depp!

    Miss Shapes hat gesagt…

    ... es war noch nie so schwierig ein morrissey-album, das mir eigentlich sogar ganz gut gefällt, ohne die nebengeräusche anzuhören. man könnte sagen, es interessiert ja nicht, was er über politik etc. denkt, ich hab ja auch keine ahnung, was der schlagzeuger von slowdive vom brexit hält - aber es ist eben morrissey und es ist irgendwie alles so untrennbar verbunden mit seiner musik... alles in allem macht mich das nur traurig und zwar nicht in dem melancholischen sinn, wie mich früher smiths/morrissey-songs traurig machten...

    wenn ich also eine rein musikalische wertung abgeben müsste, dann wohl: 7 punkte

    Volker hat gesagt…

    So, jetzt habe ich erst noch mal "Strangeways..." vorweg gehört und mich dann doch überwunden:

    "My Love..." ist mir viel zu breitbeinig, da retten auch die schönen Bläser wenig, erinnert mich zu stark an den schlimmen Vorgänger.
    Dafür kommt dann ein Dreier, der in der Stärke seit "Ringleaders..." nicht mehr zu hören war. Die Single finde ich immer noch mau, dafür wächst "I Bury The Living" nach etwas ziellosem Beginn von Minute zu Minute und wird hinten raus großartig.

    Macht eine überraschend gute erste Seite.

    Die ersten beiden Songs von Seite 2 nenne ich mal glatt Morrissey Marc Almond-Phase und kann Oliver beim Tel Aviv Mädchen natürlich voll unterstützen höre ich da doch deutlich "Mother fist" Anklänge.
    "All The Young People..." ist leider kaum lauwarm, völliger Rohrkrepierer, und dabei hatte ich mir bei dem Titel so viel erhofft. Puh "When you Open Your Legs" macht dann leider das Meiste falsch, was "The Girl from Tel Aviv" richtig macht, wobei der Übergang zum Refrain ja wirklich schön ist. Bei "Who will Protect us..." bin ich wieder bei euch, ganz schönes Ding. Erinnert mich aber auch wieder an irgendwas aus den 80ern. Dann noch ein bisschen Pathos zum Ende (ich mag übrigens "Paint A Vulgar Picture" am liebsten @Dirk) macht eine durchaus gelungene Morrissey LP, gefühlt deutlich besser als "World Peace..." und auch etwas besser als "Years...".

    7,5 Ansonsten darf er aber gerne mal die Klappe halten.

    Olly Golightly hat gesagt…

    Ich lande, nachdem ich die Platte nun auch ein paar mal umgedreht habe, letztendlich auch bei 7,5 Punkten.

    Ingo hat gesagt…

    Die zweite Hälfte zieht die Wertung runter. 7 Punkte

    U. hat gesagt…

    Tja, Moz, nicht sauer sein, aber von mir gibt es hierfür nur 6 Punkte und den Rat, keine Interviews mehr zu geben. Gar keine.

    aXel hat gesagt…

    7

    Dirk hat gesagt…

    Bei 2-3 Songs klappt das Schönhören einfach nicht. 8 Punkte

    Die 10 besten Alben von Stephen Duffy

    10. Stephen Duffy - The Ups And Downs (1985)
    9. The Lilac Time - lilac6 (2001)
    8. The Lilac Time - Paradise Circus (1989)
    7. Stephen Duffy and The Lilac Time - Keep Going (2003)
    6. The Lilac Time - The Lilac Time (1987)
    5. Stephen Duffy - Duffy (1995)
    4. The Lilac Time - And Love For All (1990)
    3. Stephen Duffy featuring Nigel Kennedy - Music In Colours (1993)
    2. The Lilac Time - Astronauts (1991)
    1. Stephen Duffy - I Love My Friends (1998)

    (ausgewählt von Dirk)